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Full text of "Archiv für Buchgewerbe vol. 45 pt. 2 (1908)"

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 

BEGRÜNDET VON ALEXANDER WALDOW 

45. BAND JULI 1908 HEFT 7 

HERAUSGEGEBEN VOM DEUTSCHEN BUCHGEWERBEVEREIN 


Bekanntmachung. 

In den Deutschen Buchgewerbeverein wurden im Monat Juli 1908 als Mitglieder aufgenommen: 


a) als Einzelmitglieder: 

1. Georg Bernhard i.Fa. Plutus Verlag Georg Bern¬ 
hard, Charlottenburg. 

2. Wilhelm von Bätner i. Fa. „Viestnik Znania“, 
St. Petersburg. 

3. Justus Cederquist i.Fa.Cederquists Kemigrafiska 
Anstalt, Stockholm. 

4. Hermann Dathe i.Fa. Kunst- und Verlagsanstalt 
Schaar & Dathe, Kommd.-Ges., Trier. 

5. Emil Doctor , Prokurist der Firma Neuer Frank¬ 
furter Verlag G.m.b.H., Frankfurt a.M. 

6. Fredrik E.Ekman, Stockholm. 

7. Elias Fahlcrantz , Direktor der Aktiebolaget Fahl¬ 
crantz’ Boktryckeri, Stockholm. 

8. Alexander Ganz i. Fa. M.Lengfeldsche Buch- und 
Kunsthandlung, Köln a. Rh. 

9. Erich Gußmann i. Fa. Carl Krabbe Verlag, Stutt¬ 
gart. 

10. G.C.Gustafson i.Fa. Gustafson & Pahlson, Bok¬ 
tryckeri, Stockholm. 

11. Otto von Halem, Generaldirektor der Deutschen 
Verlags-Anstalt, Stuttgart. 

12. Otto Heidmüller i. Fa. Hinstorffsche Verlagsbuch¬ 
handlung, Wismar. 

13. Daniel A. Kajon i. Fa. Dan. A. Kajon, Buchhand¬ 
lung und Buchdruckerei, Sarajevo. 


14. Karl Kleinau i.Fa. G. Heuer & Kirmse, Graphi¬ 
sche Kunst- und Verlagsanstalt, Berlin. 

15. John Linder i.Fa. Oskarshamns Tryckeri Aktie¬ 
bolaget, Oskarshamns. 

16. Ernst Maaß i. Fa. Leopold Voß, Verlagsbuch¬ 
handlung, Hamburg. . 

17. Kgl. Kommerzienrat Julius Neumann i. Fa. J.Neu¬ 
mann, Buchhandlung, Neudamm. 

18. Shintaso Ohashi i.Fa. Stakubunkan, Tokio. 

19. Kaiserlicher Rat Johann Otto, Handelskammerrat, 
i.Fa. J. Otto, Buchhandlung, Prag. 

20. Per Palmquist i. Fa. P. Palmquists Aktiebolaget, 
Stockholm. 

21. E.Paul Pfefferkorn i. Fa. Busse & Pfefferkorn, 
Kunstanstalt, Leipzig. 

22. Emil Pinkau i. Fa. Emil Pinkau & Co., Aktien¬ 
gesellschaft, Leipzig. 

23. Curt Richter, Leipzig-Eutritzsch. 

24. Martin Weigel i. Fa. Expedition von Hendschels 
Telegraph M. Hendschel, Frankfurt a.M. 

25. Bolesdarv Wierzbicki i. Fa. B. Wierzbicki & Co., 
Warschau. 

b) als korporatives Mitglied: 

Typographische Vereinigung Karlsruhe, Karls¬ 
ruhe i. B. 


Leipzig, im Juli 1908 

Die Geschäftsstelle des Deutschen Buchgewerbevereins 

Arthur Woernlein, Verwaltungsdirektor 








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PRINCETON UNIVERSITY 






-: ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE : 

Die Technischen Kurse in der Königlichen Akademie 
für graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig. 

III. Die Lithographie. Von Professor ARTHUR SCHELTER, Leipzig. 


MSXjl IE Steinzeichenkunst oder, wie sie in der 
ßlwl ganzen Welt bezeichnet wird: Lithographie 
* st e * ne vervielfältigende Kunst, die ihrem 
Wesen nach aus zwei besonderen Teilen besteht. 
Der eine Teil umfaßt die Ausführung der Zeichnung 
auf der Steinplatte, also die eigentliche Lithographie, 
der andre Teil umfaßt die Vervielfältigung dieser 
Zeichnung mit Hilfe der Steindruckpresse, den Stein¬ 
druck. Beide Teile sind voneinander untrennbar, 
gleichviel, ob sie in der Hand des selbstschaffenden 
Künstlers zu persönlichen Kunstschöpfungen in der 
Form von Originallithographien oder Künstlerstein¬ 
zeichnungen dienen, oder ob sie in der Fabrik unter 
Anwendung weitgehender Arbeitsteilung zu unper¬ 
sönlichen Kopien und Massendruckwerken in der 
Form von Chromolithographien benutzt werden. Ihr 
Reichtum an künstlerischen Ausdruckmitteln, in 
erster Linie die Eigentümlichkeit aller lithographi¬ 
scher Techniken, daß sie trotz ihrer untereinander 
bestehenden großen Verschiedenheit sämtlich für 
Massendruckwerke brauchbar sind, haben die Litho¬ 
graphie in weit höherem Maße als alle andern 
graphischen Künste geeignet erscheinen lassen, in 
fabrikmäßig organisierten Betrieben ausgebeutet zu 
werden. Die Entstehung der lithographischen Fabri¬ 
ken beginnt mit den siebziger Jahren des vorigen 
Jahrhunderts. Während bis dahin die Steindruck¬ 
handpresse in jeder lithographischen Werkstatt den 
Druck lieferte, beginnt mit der Fabrik die Herrschaft 
der Steindruckschnellpresse und mit ihr der folgen¬ 
schwerste Umschwung im Gebiete der Kunst Sene- 
felders. Die lithographische Einzelwerkstatt ver¬ 
schwindet zu Gunsten der Fabrik. Gleichzeitig 
entwickeln sich in den ausgedehnten Fabrikwerk¬ 
stätten durch fortschreitende Arbeitsteilung neue 
Arbeitsmethoden, die ihren verderblichen Einfluß 
besonders in der Bevorzugung der am wenigsten 
künstlerischen Techniken fühlbar werden ließen. So 
entstanden die Chromopunktiertechnik und das 
lithographische Öldruckbild. Jahrzehntelang haben 
beide den Geschmack beherrscht und die gesamte 
Lithographie so mächtig beeinflußt, daß in weiten 
Interessenten- und Fachkreisen die Kenntnis der 
edleren Kunsttechniken so gut wie verloren ging und 
das Verständnis für die rein künstlerischen Eigen¬ 
schaften der Lithographie in einem solchen Maße 
verschwand, daß sie im allgemeinen überhaupt nur 
als eine reproduzierende Kunst gekannt und ge¬ 
schätzt wurde. Erst als die ungeahnten Fortschritte 
der modernen Reproduktionstechnik mit Hilfe des 
photographischen Apparates die Unzulänglichkeit 


aller lithographischen Reproduktionsverfahren, so¬ 
weit sie nur auf der menschlichen Handfertigkeit 
beruhen, überzeugend darlegten, beginnt der Um¬ 
schwung sich zu vollziehen, der die Lithographie 
wieder als eine originale graphische Kunst zur An¬ 
erkennung bringt. 

Die künstlerischen Eigenschaften der Lithographie 
zu pflegen und ihnen gleichzeitig den Weg zu bahnen 
hat sich die Königliche Akademie für graphische 
Künste und Buchgewerbe in Leipzig zur Aufgabe 
gestellt. In der Vorschule dieser Anstalt besteht ein 
technischer Kursus für Lithographie als Ergänzungs¬ 
unterricht für Schüler und Schülerinnen bei halb¬ 
jähriger Dauer und wöchentlich acht Unterrichts¬ 
stunden. Er bezweckt nicht die technische Ausbil¬ 
dung von Lithographen wie sie in der Fabrik mit 
mehrjähriger Lehrzeit erreicht werden kann, sondern 
er will über die von der Akademie der Pflege wert 
erachteten Ausdrucksweisen der Lithographie und 
des Steindruckes aufklärend wirken. Der Schüler 
soll an einer Reihe Einzelübungen Gelegenheit 
finden, die eigentümlichen Schönheiten der ver¬ 
schiedenen lithographischen Techniken, sowie ihre 
charakteristischen Unterscheidungsmerkmale kennen 
zu lernen, um sodann in einer Schlußübung bei 
freigestellter Auswahl unter den erlernten Tech¬ 
niken an einer drei- bis vierfarbigen Studie nach 
der Natur in das Wesen des Farbendruckes einge¬ 
führt zu werden. Alle Übungen sind in jedem Falle 
nach Naturmodellen unmittelbar auf der Steinplatte 
auszuführen. Technische Hilfsmittel z. B. Pausen 
dürfen dann angewendet werden, wenn die Eigen¬ 
tümlichkeiten der umgekehrten Bilderscheinung auf 
dem Abdruck vom Schüler erfaßt worden sind. Die 
Ausführung der Übungen geschieht nach dem Grund¬ 
sätze, daß das fertige, gedruckte Bild durch alle Ent¬ 
wicklungsstufen das eigenhändige Erzeugnis des 
Schülers sein soll. Alle hierbei notwendigen tech¬ 
nischen Vorgänge von der Vorbereitung der Stein¬ 
platte bis zum fertigen Abdruck sind Unterrichts¬ 
gegenstände desKursus, die jederTeilnehmer kennen 
und ausüben lernen muß. Das Schleifen und Körnen 
der Steinplatten, das Ätzen der Steinzeichnungen 
gehören ebensowohl dazu, wie das Drucken an der 
Steindruckhandpresse. Der Unterricht im Drucken 
an der Presse umfaßt die künstlerisch wichtigen Ver¬ 
fahren: das Umdrucken eigener Handzeichnungen 
und den Andruck in Schwarz- und in Farbendruck. 
Ausgeschlossen sind alle Druckvorgänge, die zur 
Vervielfältigung des Andruckes durch Schnellpressen 
dienen (Auflagedruck). Für das Drucken an der 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE = 


Presse kann in Fällen mangelnder Körperkraft z. B. 
bei Schülerinnen oder gebrechlichen Schülern per¬ 
sönliche Dispensation erfolgen. Dem Beginn des 
eigentlichen Unterrichts geht ein Vortrag voraus, der 
in großen Zügen die geschichtliche Entwicklung der 



Paul Hartmann. Sommer 1907 (Tuschzeichnung) 



Paul Klessig. Winter 1904/05 (Umdruck von Ingrcs-Papier-Zeichnung) 


Lithographie behandelt und unter Vorführung sowie 
Besprechung der Pressen, des Steines und seiner 
Ersatzmittel, der übrigen Werkzeuge, der Tusche 
und Kreide und ihrer Bereitung, der Steindruck¬ 
farben und Druckpapiere das notwendig Wissens¬ 
werte als Grundlage für die folgenden praktischen 
Übungen vermitteln soll. Die Summe von Kennt- 

271 


nissen und fachtechnischem Können, die der Kursus 
vermitteln will, gilt an der Schule als Norm für die 
Aufnahmefähigkeit in die Fachschule. Zum Eintritt 
in die Fachschule ist in jedem Falle nachzuweisen 
entweder der erfolgreiche Besuch des technischen 



Käthe Röhler. Winter 1906/07 (Asphaltgrund-Schabzcichnung) 



Otto Melzer. Winter 1905/06 (Umdruckzeichnung mit Asphaltton); 


Vorschulkursus oder, für solche Schüler, die von 
auswärts kommen, ein gleiches Maß von Fähigkeiten, 
das in der Praxis durch eine Lehrzeit oder auch 
durch Selbststudium erworben sein kann. In der 
Fachschule sind solche Schüler aus der Praxis be¬ 
sonders willkommen, da sie ihrem in der Lehre oder 
sonstwie erworbenem Können noch die allgemeine 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


künstlerische Bildung hinzufügen und dabei per¬ 
sönlichen Richtungen und Neigungen nachgehen 
können. 1 2 3 

ln der Regel ist die Reihenfolge der Übungen des 
technischen Kursus folgende: 



Philipp Klien. Winter 1906/07 (Kreidezeichnung) 



Carl Streller. Winter 1906/07 (Kreidezeichnung) 


1. Die Zeichnung auf glattgeschliffener Steinplatte 
mit Pinsel, Feder oder Spritzsieb. 

2. Die Kreidezeichnung auf gekörnter Steinplatte. 

3. Die Asphaltgrund-Schabzeichnung auf Stein. 

1 Über die andern Fachschuleinrichtungen zur Pflege der 
Lithographie und zur Fortbildung der in ihrem Gebiete 
Tätigen gibt ein Aufsatz von M. Seliger: Einige Worte über 
Einrichtungen zur Förderung der Lithographie an der 
Kgl. Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe in 


4. Die Umdruckzeichnung. 

5. Das Aluminium- und Zinkdruckverfahren. 

6. Der lithographische Buntdruck. 

Die Beilage in diesem Hefte ist die letzte Arbeit 
eines Schülers des Winterhalbjahr-Kursus 1906/07. 




Felix Paul. Winter 1906/07 (Kreidezeichnung) 


Die Hauptplatte ist eine auf Patentkornpapier aus¬ 
geführte, auf Stein umgedruckte Naturstudie, zu 
der drei Farbenplatten in Kreidetechnik gemacht 
worden sind. 

Leipzig, im Feuilleton der Fachzeitschrift: Der Lithograph 
Nr. 9 (l.und 15. Mai 1907) und ein älterer von demselben 
Verfasser: Zurkünstlerischen Ausbildung desLithographen 
in dem Jahrbuch für das lithographische Gewerbe 1906, 
Herausgeber Karl Kluth, Karlsruhe, genauere Auskunft. 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



Hans von Volkmann 

Von G. WUSTMANN, Leipzig. 


Sr^TjNSER Gefühl für landschaftliche Schönheit 
hat sich äußerst verfeinert. 


den freundlichen Dörfern, sonnigen Wiesen und kühlen 
Wäldern der sächsischen Heimat fand, das ist uns jetzt 
wieder etwas völlig Selbstverständliches geworden. 

Für das Staffeleibild freilich mußten uns erst die 
Einsiedler von Barbizon und Frangois Millet den Weg 
zeigen. Besonders dieser war es, der in seiner plötz¬ 
lich erwachten Liebe zur Scholle seiner Heimat dem 
Schönfärbertum, das ihn vorher in materieller Be¬ 
ziehung so grausam betrogen hatte, den Laufpaß gab, 
und aus der oft mehr als simpeln Landschaft der 


Wir trachten 

Tj ^gjfcy if nicht mehr nach den sogenannten male¬ 
rischen Blicken, die sich aus scharfen Gegensätzen 
von Gebirge und Flachland, Fels und Wasser, wildem 
Baumwuchs und glatten Wiesenflächen aufbauen. 

An Stelle des imposanten Vorwurfs ist die Stimmung 
getreten, eine Unterstufe des malerischen, deren 
Wesen in dem Zusammengehen größerer einheit¬ 
licher Teile zu einem ruhigen Ganzen liegt. Mit dem 
Betonen der Stirn- 

mung in der Land- r ^ 

es keiner großen Rei- 
sen bedarf, die man 

nicht in mühevollen K 

Klettertouren auf j 

selbstgesuchten Pfa- £j ^ I® 1 

den erringt, die nicht 
als etwas Fremdes 
und deshalb beson- 4k8ll fcfcSS y-- 
ders Überraschendes 
in unser Leben tritt. ^ 

durch den Zauber ein- 

heitlicher Stimmung ^ "' ■ * MI CS—i 

Spricht Und in unsrer Hans von Volkmann, Ansichts-Postkarte. Kolorierte Federzeichnung 

Seele verwandte Klänge lebendig werden läßt, sie nächsten Umgebung seines Geburtsortes die er- 

begegnet uns in der Heimat auf Schritt und Tritt, habenen Naturschilderungen schöpfte, die mit den 

und es ist nicht am wenigsten die Liebe zur Heimat, rührenden Gestalten des Landvolkes in seiner ewig 

die unsre Augen wieder geöffnet und uns gelehrt gleichenTätigkeit zu unvergleichlichen Lobpreisungen 

hat, daß nicht die blendende Schönheit des Südens auf Gottes Schöpfergüte emporwuchsen. Je weniger 

und die glühenden Effekte des Ostens vonnöten die Landschaft selbst dem Auge an festen und man- 

sind, um landschaftliche Schönheit für die Kunst nigfaltigen Formen darbietet, um so mehr vertieft sich 

zu gewinnen. Was Dürer mit der ganzen Kraft ja der Blick in die unendlichen Fernen des Himmels 

seines fühlenden Herzens erlebte, der bei all seiner und findet in seinen unausgesetzt wechselnden Ge- 

Sehnsucht, von den welschen Künstlern geheime stalten des Wolkenreichs Nahrung für die durstige 

Wissenschaft und schöne Form zu lernen, doch in Phantasie. Da verfeinert sich das Auge in kaum ge- 

der Natur seines Landes schließlich die brauch- ahnter Weise für die leisesten Bewegungen des Bo¬ 
barsten Vorbilder für seine Schöpfungen fand, was dens, für die zartesten Unterschiede des Lufttons, 

sich an Ludwig Richter wie ein Wunder vollzog, und das weiche Grau eines bedeckten Frühlings- 

der in Italien große Landschaftsblicke mit unheim- himmels kann dem, der darin zu lesen versteht, 

lichem Fleiß in feiner, scharfer Bleistiftlinie dem schließlich ebensolche Reichtümer offenbaren, wie 

Papier anvertraute in der Erwartung, zu Haus dann die gewaltig sich auftürmenden Gewittermassen in 

Bild auf Bild danach in peinlich sauberer Ölfarbtech- den Felsentälern des Hochgebirges, 

nik auszuführen, und schließlich doch den unergründ- Auch in Deutschland mußte schließlich einmal das 
liehen Schatz für das Schaffen seines spätem Lebens in Posieren mit gesuchten ausländischen Landschafts- 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 




Vorbildern und mit 
besonders akzen¬ 
tuierten Theater¬ 
beleuchtungen zu 
einerÜbersättigung 
des Auges führen, 
die natürlich von 
den Künstlern am 
allerersten emp¬ 
funden wurde. So 
kamen auch wir end¬ 
lich dazu, wieder 
im eigenen Lande 
Einkehr zu halten 
und seine milden, 
aber innigen Reize 
für die Kunst zu 
entdecken. Er¬ 
scheinungen, wie 
die Flucht einzel¬ 
ner Maler aus dem 
Großstadtgetriebe und ihre dauernde Ansiedlung im 
Freien, die zu Kolonien wie die in Worpswede führ¬ 
ten, sagen genug, wie ernst es den Künstlern damit 
war, wieder in eine innige und dauernde Verbindung 
mit der Natur zu 
treten. Nicht nur 
den schönsten Teil 
des Jahres wollten 
sie im Freien zu¬ 
bringen wie der 
sommerfrischelnde 
Großstädter. 

Das hätte zu einer 
höchst einseitigen 
und mangelhaften 
Kenntnis der hei¬ 
matlichen Natur ge¬ 
führt. Erst wenn sie 
gute und schlechte 
Zeiten, Herbst¬ 
stürme und Winter¬ 
kälte, Taunässe 
und Aprilschauer 
ebenso genossen, 
wie die Schönheit 
des Lenzes und den 
Segen von Sommer 
und Herbst, konn¬ 
ten sie sich so eins 
fühlen lernen mit 
der Natur der Hei¬ 
mat, daß ihre Werke 
nicht nur als die 
Folgen einer flüch¬ 
tigen äußerlichen 


Bekanntschaft er¬ 
schienen, sondern 
als die beredten 
Zeugen einer 
nahen seelischen 
Verwandtschaft. 

Dieses innige Ver¬ 
hältnis zur Natur 
der Heimat tritt in 
jüngster Zeit be¬ 
sonders in der süd¬ 
deutschen Kunst 
zutage, vor allem 
hat der Karlsruher 
Künstlerbund ihm 
einen Teil seiner 
Bedeutung zu ver¬ 
danken. Durch seine 
Bemühungen um 
die Veredelung des 
Steindrucks zu Bild¬ 
drucken, die zur Gründung einer eigenen Kunst¬ 
druckerei führten, ist er ja weithin bekannt geworden, 
und dieser wohlverdiente Ruf ist um so gerechtfertig¬ 
ter, als diese Publikationen sowie der bedeutende 

Einfluß, den sie auf 
Kenntnis und Be¬ 
wertung künstleri¬ 
scher Steindrucke 
ausgeübt haben, zu 
den wenigen Er¬ 
rungenschaften von 
wirklich praktischer 
Bedeutung zählen, 
die aus deutschen 
Künstlervereini¬ 
gungen in neuerer 
Zeit hervorgegan¬ 
gen sind. Künstler 
wie Hans von Volk¬ 
mann, Franz Hein, 
Franz Hoch, Albert 
Haueisen, Gustav 
Kampmann haben 
ihre Arbeit in den 
Dienst dieses zur 
Hebung des Volks¬ 
geschmacks und 
der Kunstfreudig¬ 
keit des Volkes so 
bedeutungsvollen 
Unternehmens ge¬ 
stellt, das wohl 
schwerlich so glän¬ 
zende Erfolge würde 
aufzuweisen haben, 


Hans von Volkmann, Kleine Landschaft mit Schafherde. Originalradierung 


Hans von Volkmann, Altes Bergnest. Originalzcichnung zu dem Zyklus Eifelbilder 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



wenn alle diese 
Künstler die Sache 
nicht mit dem heili¬ 
gen Ernst und dem 
brennenden Eifer 
unterstützt hätten, 
die notwendig 
waren, um zu einem 
wahrhaft volkstüm¬ 
lichen künstleri¬ 
schen Stil zu kom¬ 
men, zu einem Stil, 
dessen Wesen sich 
in der Verbindung 
von schlichtester 
technischer Form 
mit allgemein ver¬ 
ständlichen und 
zum Gemüt des 
Volkes sprechenden 
Darstellungen er¬ 
schöpft. Die einfache farbige Zeichnung, die ent¬ 
weder durch kräftige schwarze Feder- oder Pinsel- 


Hans von Volkmann, Wolken überm Berg. Originallithographie 

durch den Steindruck 
tung der einzige und 


striche, zwischen 
die die Farben in 
großen Flächen aus¬ 
füllend hinzutreten, 
oder durch weiche, 
inmildenGegensät- 
zen sich verbin¬ 
dende Farbenmas¬ 
sen der körnigen 
Kreidebehandlung 
wirkt, ist ja so ver¬ 
ständlich, ja selbst¬ 
verständlich, daß 
sie auch dem naive- 
sten Beschauer 
nicht hinderlich 
sein kann, sofort 
zum künstlerischen 
Inhalt des Bildes 
durchzudringen. So 
ist sie infolge ihrer 
ermöglichten weiten Verbrei- 
auch der beste Ersatz für das 



Hans von Volkmann, Ansichts-Postkarte. Kolorierte Federzeichnung 



Hansfvon Volkmann, Nußbäume im Frühling. Originalradierung 



Aaj.. 




Hans von Volkmann, Mühle von Gres bei Gerolstein. Bleistiftzeichnung 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


DlG OrtGt SCH WCSTGRN niTDGN 



CP CP CP GLACSGRNCN H G R Z G N • CP CP CP 

//ans von Volkmann , Buchschmuck aus: Leander,Träumereien 
an französischen Kaminen. Verlag von Breitkopf & Härtel, Leipzig 



Hans von Volkmann, Buchschmuck aus: Eigenbrodt, Aus der 
schönen weiten Welt. Verlag von R Voigtländers Verlag , Leipzig 



Hans von Volkmann, Buchschmuck aus: Eigenbrodt, Aus der 
schönen weiten Welt. Verlag von R. Voigtländers Verlag, Leipzig 



Hans von Volkmann, Buchschmuck aus: Leander, Träumereien 
an französischen Kaminen. Verlag von Breitkopf & Härtel, Leipzig 



Hans von Volkmann , Bucheinbanddecke zu: von Volkmann, Strabantzerchen 
Verlag von Hermann & Friedrich Schaffstein, Köln a. Rh. 



Hans von Votkmann, Buchschmuck aus: Leander, Träumereien 
an französischen Kaminen. Verlag von Breitkopf & Härtel, Leipzig 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Originalgemälde, ja sie ist eigentlich viel mehr als ein 
Ersatz, da sie vor ihm eben die unbegrenzte Verbrei¬ 
tung voraus hat, die hier nicht auf photographischem 
Wege geschieht, überhauptnicht 
auf dem Wege der Reproduk¬ 
tion, sondern tatsächlich als ein 
in unbegrenzter Auflage zu 
verbreitendes farbiges Original¬ 
bild anzusehen ist. 

Unter der oben genannten 
Künstlergruppe steht der aus 
Halle gebürtige Professor Hans 
von Volkmann schon lange mit 
in der ersten Reihe, und er ver¬ 
dient deshalb ganz besondere 
Würdigung, weil er nicht wie 
andre im Steindruck völlig auf¬ 
gegangen ist, sondern nach wie 
vor als Maler von Staffeleibil¬ 
dern seine künstlerische Kraft 
auf gleicher Höhe bewährt, ohne 
doch auf graphischem Gebiet hinter andern zurück¬ 
zubleiben, die längst die Palette an den Nagel ge¬ 
hängt zu haben scheinen 
und die Leinwand mit 
dem Lithographenstein ver¬ 
tauscht haben. Die umfas¬ 
sende Sonderausstellung 
von graphischen Original¬ 
arbeiten Volkmanns, die im 
Monat Juni dieses Jahres 
im Leipziger Buchgewerbe¬ 
museum zu sehen war, gab 
Gelegenheit zu einem tie¬ 
feren Einblick in seine 
künstlerische Tätigkeit auf 
dem graphischen Gebiete, 
der uns deshalb besonders 
willkommen war, weil eine 
große Kollektivausstellung 
seiner Gemälde erst vor 
Jahresfrist im Kunstverein 
in Leipzig stand, und sich 
aus diesen beiden Ver¬ 
anstaltungen nun ein Ge¬ 
samtbild seines künstleri¬ 
schen Schaffens ergibt, wie 
wir es in gleicher Über¬ 
sichtlichkeit für andre nam¬ 
hafte deutsche Künstler 
recht bald für Leipzig wün¬ 
schen möchten. Daß Hans 
von Volkmann in erster Linie Maler ist, und daß die 
Farbe einen beinahe nicht zu entbehrenden Anteil 
seiner Kunst darstellt, ist nicht zu leugnen. Zugleich 
aber ist er auch als Maler so bekannt und seine 


Kunst nach dieser Seite hin schon andernorts so ein¬ 
gehend gewürdigt worden, daß wir davon hier ab- 
sehen können. Zudem enthielt ja auch seine gra¬ 
phische Ausstellung, mit der 
wir es hier ausschließlich zu 
tun haben, eine Anzahl sehr 
schöner Blätter von großen far¬ 
bigen Steinzeichnungen, in 
denen sich die malerische Be¬ 
deutung von Volkmanns Kunst 
ebenso stark ausspricht, wie in 
seinen Ölgemälden. Diese Blät¬ 
ter, die für die großen Ver¬ 
lagsunternehmen der künstle¬ 
rischen Schulwandbilder von 
B. G.Teubner und von Robert 
Voigtländer in Leipzig gearbei¬ 
tet wurden, bilden gewisser¬ 
maßen eine Brücke von dem 
Gemälde zur buchgewerblichen 
Graphik und sollen uns deshalb 
zuerst beschäftigen. — Das Kornfeld in seiner nim¬ 
mer ruhigen, für den leisesten Luftzug empfänglichen, 
bewegt welligen Ober¬ 
fläche bietet, dem Meere 
ähnlich, dem Maler eine 
Fülle künstlerischer An¬ 
regungen, die gerade bei 
Volkmann ein lebhaftes 
Reagieren von Herz und 
Auge erzeugen. Auch ist 
dieses Thema in seiner 
geistigen Bedeutung von 
mühevoller Arbeit und gol¬ 
denem Lohn, ein rechtes 
Thema für Volkskunst und 
für Heimatkunst. Freilich 
muß es seinem maleri¬ 
schen und seinem geistigen 
Gehalt nach auch in voller 
Breite geschildert werden, 
nicht nur als wohlschmek- 
kende Zugabe zu einem 
großen romantisch aufge¬ 
bauten Landschaftsbild, 
sondern als selbständiger 
Vorwurf, der am besten 
von allen kleineren stören¬ 
den Zutaten freigehalten 
wird. Deshalb wirkt auch 
das Bild des reifen Korn¬ 
felds am mächtigsten, wenn 
es unmittelbar mit der luftigen Wölbung des Himmels 
in Berührung tritt ohne trennende Zwischenformen 
von Wald oder Hügel oder Hochgebirge. Volkmann 
gibt uns einmal das reife, vom Winde bewegte 

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CHARLY MELMS 


Hans von Volkmann, Exlibris 



Hans von Volkmann, Exlibris 


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PRINCETON UNIVERS1TY 










ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Kornfeld, das nur etwas von dem bunten Unkraut¬ 
schatz verrät, den es liebevoll an seiner Raingrenze 
duldet, das andre Mal das gelbe Stoppelfeld mit dem 
reichen Erntesegen, der in langen Reihen aufgestell¬ 
ten Puppen. Diesem Thema werden wir auch in 
den rein buchgewerblichen Arbeiten noch einmal 
begegnen. In seiner ganzen Größe, das landschaft¬ 
lich-typische bestimmter Gegenden zu geben, zeigt 
sich Volkmann dann in den beiden großen Blättern 
des Hohenzollernbergs, 
der sich in seinem schon 
herbstlich gefärbten Wald¬ 
kleid in die klare Sonnen¬ 
luft hinter einem Ge¬ 
witterregen erhebt, und 
die Rheinufer bei Bingen, 
über die sich das warme 
Graugelb eines Spät¬ 
nachmittags im zeitigen 
Frühling breitet. An den 
poetisch-allegorischen 
Darstellungen: Die Sonn 
erwacht und Der Lenz hat 
das lustige, heitere Trei¬ 
ben der unbefangenen 
Märchenkinderwelt Volk¬ 
manns seinen wesentlichen 
Anteil, das ein besonde¬ 
res Kapitel in des Künst¬ 
lers Lebenswerk darstellt. 

Von den vielen klei¬ 
neren Steinzeichnungen, 
die unsrer Ausstellung 
beigegeben waren, brin¬ 
gen wir unsern Lesern 
als Probe die außeror¬ 
dentlich frei und groß be¬ 
handelte Studie aus der 
Eifel, weil sie in ihrer 
schlichten Farbenhaltung 
(außer der Zeichnungs¬ 
platte nur ein kräftiges 
violettes Grau und ein ganz blasses, warmes Gelb) 
in der Schwarzweiß-Reproduktion verhältnismäßig 
wenig Einbuße erleidet. Die wirkliche Graphik ist 
ja überhaupt von der Farbe unabhängig und sollte 
sie nur als dekoratives Element verwerten, nicht als 
unentbehrliches Ausdrucksmittel für die korrekte 
Naturschilderung. Deshalb haben wir hier auch auf 
weitere Proben von kleineren Volkmannschen Stein¬ 
zeichnungen verzichtet und bringen nur noch zwei 
reizende Entwürfe für Postkarten, bei denen die Wir¬ 
kung schon in der kräftigen Federzeichnung eigent¬ 
lich fertig da ist, und die zwei Farben, ein Schiefer¬ 
grau und ein blasses Gelb, nur zu einer kräftigeren 
Gliederung der Bilder dienen: ein Blick aus Dreis 


mit sonniger Dorfstraße in Querformat und das etwas 
weniger kontrastvoll gehaltene Hochformat aus Dock¬ 
weiler. Im technischen sehr verwandt ist diesen bei¬ 
den Karten das große Blatt Altes Bergnest, das einem 
größeren Zyklus entnommen ist, der nicht als Litho¬ 
graphie, sondern als Federzeichnung für Strichätzung 
geschaffen wurde und nachträglich einige Belebung 
durch Aquarellfarbe erhielt, die jedoch hier auch für 
den künstlerischen Eindruck entbehrlich ist. Unser 
Beispiel zumal ist in der 
scharfen Mittagssonne, 
die über der ganzen 
Gegend brütet, auf den 
Schieferdächern lebhaften 
Glanz erzeugt und sich 
steil von oben in die 
engsten Höfe einen Weg 
sucht, auch ohne Farbe 
reichlich farbig und male¬ 
risch genug. 

Von reiner Original¬ 
graphik enthielt unsre 
Ausstellung auch eine be¬ 
trächtliche Zahl von Ra¬ 
dierungen. Wir zeigen 
unsern Lesern zwei da¬ 
von und denken, daß 
diese Abbildungen den 
Charakter Volkmannscher 
Radierungsweise recht 
deutlich erkennen lassen. 
Volkmann knüpft in die¬ 
ser Technik an den locke¬ 
ren, leicht gleitenden Na¬ 
delstich Rembrandts an 
und sucht vor allem Ter¬ 
rain zu geben, indem er 
mit wenigen, die Bild- 
breite fast füllenden wag¬ 
rechten Höhenlinien das 
Auge in die Ferne führt. 
Die dazwischen gescho¬ 
bene Baumgruppe kennzeichnet in ihrer kräftigen 
Färbung und mit ihren tiefen Schatten die helle, 
sonnige Stimmung, und der kleine Zug des Schäfers 
mit Hund und Herde macht uns die Weite dieser 
leicht gewellten Ebene recht fühlbar. Das andre 
Blatt: Nußbäume im Frühling enthält noch weniger 
von malerischen Mitteln, nur der schräge Wiesen¬ 
damm hat in einer Behandlung von dichtgereihten 
kurzen Nadelstrichen die Erinnerung an das kräf¬ 
tige Grün des Grases erhalten, alles andre ist nur 
auf den Reiz der Linienbewegungen hell in die son¬ 
nige Frühlingsluft hineingestellt. 

Die rein buchgewerbliche Seite von Volkmanns 
graphischer Kunst tritt in dieser Ausstellung etwas 



Hans von Volkmann, Vorsatzpapier Tür die Firma Breitkopf & Härtel, Leipzig 


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zurück, ohne indessen damit in ein unrichtiges Ver¬ 
hältnis zu ihrer Bedeutung gebracht zu werden. 
Außer zahlreichen Postkarten, Fest- und Menukarten 
und andern Einzelblättern in Flach- und Hochdruck 
sahen wir viele Märchenillustrationen und Kinder¬ 
bilder, auch Titelbilder, meist in flotter Federumri߬ 
zeichnung entworfen, einzelne mit Wasserfarben 
etwas aufgemuntert. Die Figur hat bei Volkmann 
nicht den leichten Fluß wie landschaftliche Formen, 
besonders seinen Kindergestalten haftet oft etwas 
von gesuchter Drolligkeit an, die mit der Natürlich¬ 
keit des Landschaftsbildes nicht ganz Zusammen¬ 
gehen will. Doch tritt diese Erscheinung 
zurück, sobald der Vorwurf mehr dekora¬ 
tiven Charakter annimmt, wie das bunte 
Titelbild zum Strabantzerchen, der zwi¬ 
schen zwei großen Blumenkübeln steht 
und die Nase zu den Singvögeln empor¬ 
hebt, oder aber im Rahmen einer ganz 
schlichten Umrißzeichnung gehalten bleibt, 
wie der Fries mit der Prinzessin und dem 
Pagen in der Bogenarchitektur oder der 


Bauernjunge, der auf der Wiese sitzt und von den 
Gänsen angeschnattert wird. Das reizende Blatt: 
Täubchen, ebenfalls für Strichätzung gezeichnet, ist 
eine Variante der schönen farbigen Steinzeichnung 
aus dem Voigtländerschen Verlag und ist besonders 
lehrreich in der Art, wie das Flimmern des lustigen 
Schwarms von weißem, buntem und dunkeim Ge¬ 
fieder auch in der farblosen Darstellung wieder¬ 
gegeben worden ist. 

Schließlich wollen wir auch noch einiger Exlibris 
gedenken, die ja immer eine gute Probe darauf sind, 
inwieweit ein Künstler fähig ist, einen bestimmten 
Gedanken in die einfachste und wirkungs¬ 
vollste zeichnerische Form zu kleiden. Das 
Exlibris Charly Melms ist mir in diesem 
Sinne noch wertvoller mit seinen drei Ge¬ 
treidepuppen auf dem flachen Stoppelfeld 
als die Vignette des Stephanien-Sanatori- 
ums. Noch charaktervoller und sprechen¬ 
der ist aber eine kleine Marke mit dem 
wilden Mann, die der Künstler für seine 
eigenen Briefumschläge gezeichnet hat. 



Hans von Volkmann 
BriefverschluQmarke 


Die Arbeitsweise und der Energieverbrauch 
von Tiegeldruck- und Zylinder-Flachformschnellpressen. 

Von Dr. PAUL RITTER VON SCHROTT, Wien. 


JW^^ER große Fortschritt der Elektrotechnik in 
31 (SSu den letzten Jahren, insbesondere die Vervoll- 
kommnung der Kraftübertragung und des 
Motorenbaues hat sich, wie so manche andre Gebiete, 
auch das des Buchdruckereibetriebes in weitem Maße 
zu erobern gewußt. 

In der Tat, wenn wir die drei Formen moderner 
Schnellpressen 1 , die Tiegeldruck-, Zylinder-Flach- 
form- und Rotationsschnellpressen mit ihren oft sehr 
komplizierten Nebenapparaten und deren Funktionen 
betrachten, so können die Vorteile des elektrischen 
Einzelantriebes, als welche hauptsächlich der kom- 
pendiöse,wenigRaumbeanspruchendeAntriebsmotor, 
die bequeme Inbetriebsetzung und der Wegfall jeder 
die Sicherheit des Bedienungspersonals gefährdenden 
Transmission anzuführen sind, nicht hoch genug ein¬ 
geschätzt werden. Der elektrische Einzelantrieb der 
Pressen—ohne elektrische Kraftübertragung wäre ein 
Einzelantrieb wohl überhaupt kaum durchzuführen — 
ermöglicht es auch, einerseits der für den Drucker so 
wichtigen Anforderung der Änderung der Arbeits¬ 
geschwindigkeit der Presse innerhalb weiter Grenzen 
in ökonomischer Weise gerecht zu werden, anderseits 
sind wir in der Lage, zu jeder Presse einen Antriebs- 

1 Siehe A.W.Unger. Die Herstellung von Büchern usw. 
Halle a.S. 1906. Verlag von W.Knapp. 


motor von solchen Eigenschaften zu stellen, daß Kraft¬ 
verbrauch und Energiequelle in Einklang stehen. 
Letzterer Umstand ist von großer Wichtigkeit, denn 
die Wahl des richtigen Motors für jede Presse wird 
nicht nur auf die Lebensdauer von Maschine und 
Motor von großem Einflüsse sein, sondern auch 
im Stromverbrauche, das heißt im Kostenpunkte 
sich fühlbar machen. Ist einerseits der Motor zu 
schwach dimensioniert, so wird er bei ständiger Über¬ 
beanspruchung bald zugrunde gehen, andrerseits wird 
ein zu starker Motor für seinen eigenen Leerlauf 
einen derartigen Kraftverbrauch zeigen, daß sich 
im Hinblick auf die für den Betrieb der Presse 
erforderliche Energie ein arges Mißverhältnis heraus¬ 
steilen wird. 

Da mir Gelegenheit geboten wurde, auf Einladung 
der Direktion der k. k. graphischen Lehr- und Ver¬ 
suchsanstalt in Wien einige Schnellpressen verschie¬ 
dener Bauart genau zu untersuchen, so will ich in 
folgendem die gefundenen Ergebnisse, soweit diese 
für die Allgemeinheit von Interesse scheinen, mit- 
teilen und versuchen, daraus entsprechende Nutz¬ 
anwendungen zu ziehen. 

Die Untersuchungen erstreckten sich auf vier 
Schnellpressen: zwei davon waren Tiegeldruck¬ 
schnellpressen für sehr hohen Druck, die andern 
Zylinder-Flachformschnellpressen, und zwar eine 

39* 


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Steindruckschnellpresse (Stoppzylindermaschine mit 
Eisenbahnbewegung) und eine Lichtdruckmaschine 
mit Mangelradbewegung. 

Untersuchungen an Tiegeldruckschnellpressen . 

Das Prinzip der Tiegeldruckpressen besteht be¬ 
kanntlich darin, daß der Abdruck der Form durch 
das Aneinanderpressen zweier ebenen Platten in 
einem Zeitmomente erfolgt. (Zum Unterschiede von 
den Zylinder-Flachformmaschinen, wo der Druck 
durch das Abwälzen eines Zylinders über der flachen 
Form in einer bestimmbaren Zeit stattfindet, und den 
Rotationsmaschinen, bei denen ein Druck- und ein 
Formenzylinder — beide kontinuierlich bewegt — 
in Tätigkeit sind.) Jener Teil, der das Papier auf¬ 
nimmt, wird der Tiegel, derjenige, welcher die Form 
hält, das Fundament genannt. Bei den von mir unter¬ 
suchten großem Pressen des Gally-Typus stand das 
vertikale Fundament still, der Tiegel wurde durch 
eine Kurbelschleife zum Andruck gebracht. Das Farb¬ 
werk ist bei der Gally-Type ein Zylinderfarbwerk. 



| Fiq 1. 

I 



Abbildung! frg 2. 


Um sich über den theoretischen Kraftbedarf einer 
derartigen Presse ins Klare zu kommen, ist es not¬ 
wendig, deren verschiedene Arbeitsphasen zu be¬ 
trachten. 

Abgesehen vom Antriebe des Farbwerkes muß 
die Presse, um der Aufgabe des Abdruckes der Form 
gerecht zu werden, den Tiegel in ganz bestimmter 
Weise bewegen. Diese Tiegelbewegung zerfällt in 
fünf Abschnitte: 

1. Ruhezeit, zum Einlegen und Passen des Bogens 

(Tiegel nahezu horizontal) (Abbildung 1, Figur l). 1 

1 Diese „Tiegelruhe“ entfällt allerdings bei einem Teile 
der neuzeitlichen Pressen, weil sich herausgestellt hat, daß 
die zur Hervorbringung dieser Ruhepause in der Tiegel¬ 
bewegung dienende Vorrichtung großer Abnutzung unter¬ 
liegt. 


2. Vorwärts rollende Tiegelbewegung: der Tiegel 
wird durch Rollen um einen kreisbogenförmigen 
Untersatz, die Tiegelkufe (Abbildung 1 k), aus der 
Ruhelage in die vertikale Lage parallel zur Form 
gebracht. 

3. Vorwärts schiebende Tiegelbewegung: der Tiegel 
wird gleitend parallel zu sich selbst verschoben 
und an die Form angepreßt (Abbildung 1, Figur 2). 

4. Rückwärts schiebendeTiegelbewegung: der Tiegel 
wird gleitend parallel zu sich selbst von der Form 
entfernt. 

5. Rückwärts rollende Tiegelbewegung: der Tiegel 
wird durch Rollen aus der vertikalen in die hori¬ 
zontale Ruhelage gebracht. 

Die der Presse zugeführte Arbeit wird demnach 
verwendet teils zur Überwindung der Reibung der 
verschiedenen drehenden und gleitenden Teile, 
teils zur Beschleunigung der in hin und her gehen¬ 
der Bewegung befindlichen Massen des schwingenden 
Tiegels. Während die Reibungsarbeit eine während 
des Druckvorganges gleichmäßige Beanspruchung 
des Antriebsmotors darstellt, ist die zur Beschleu¬ 
nigung der Massen verwendete Arbeit während des 
Vorganges von sehr verschiedener Größe. Aus seiner 
Ruhelage wird zunächst der Tiegel durch Aufrollen 
um die kreisbogenförmige Tiegelkufe in die Verti¬ 
kale gebracht (Abbildung 1, Figur 1, Kurbelweg vom 
C bis A). Diese Bewegung kann man sich ver¬ 
einigt denken aus einer drehenden Bewegung um den 
Mittelpunkt des durch die Kufe bestimmten Kreises 
mit dem Durchmesser D um den Drehwinkel cp und 
aus einer geradlinig fortschreitenden Bewegung der 
in diesem Mittelpunkt vereinigt gedachten Masse. 
Dieser Weg ist mit L gegeben. Sodann haben wir 
eine kurze geradlinige Bewegung des Tiegels und 
zwar von der Länge l und Ausübung des Druckes, 
der sich in einer Vergrößerung der Reibungsarbeit 
in den hierbei in Betracht kommenden Kurbel¬ 
lagern äußern wird. Nachdem die Masse des Tiegels 
auf diese Weise zur Ruhe gekommen ist, muß eine 
Bewegung desselben in entgegengesetzter Richtung 
und Reihenfolge eingeleitet werden, und zwar zu¬ 
nächst eine geradlinige Zurückbewegung wieder um 
l 9 dann Zurückrollen in die Ruhelage, Kurbelweg 
von A bis £, Drehwinkel cp und Horizontalschub L. 
In ihr kommt die Masse zur Ruhe, und verbleibt 
kurze Zeit in derselben, Kurbelweg von B bis C. 
Wir haben demnach die gesamte Tiegelbewegung 
zerlegt in eine kreisförmig drehende und in eine 
geradlinige. Diese vereinigte Bewegung kann nicht 
durch die Antriebskurbel und Zugstange allein be¬ 
wirkt werden, sondern es ist eine zwangläufige 
Tiegelführung nötig. Diese ist sehr kräftig auszu¬ 
führen, da unter Umständen große kinetische Ener¬ 
giemengen durch sie vernichtet werden müssen. Da 
dieser Vorgang nur durch eine Umsetzung kinetischer 


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Energie in Reibungsarbeit erfolgen kann, so wird die 
Tiegelführung beständig eine gewisse Arbeit ver¬ 
brauchen. Der Fall der Massenwirkung bei der Tie¬ 
geldruckpresse ist demnach grundsätzlich ähnlich 
demjenigen der Zylinder-Flachformmaschine. Die hin 
und her gehenden Massen des Karrens sind hier durch 
die hin und her gehende Bewegung des Tiegels ver¬ 
treten, die rotierende Bewegung des Zylinders wird 
durch die Drehbewegung des Tiegels ersetzt. Der 
Unterschied besteht in der bei der Tiegeldruckpresse 
viel kleineren Geschwindigkeit der hin und her gehen¬ 
den Massen und deren geringer absoluter Größe. 
Jede Maschine mit hin und her gehenden Massen ver¬ 
langt, um Ökonomisch arbeiten zu können, eine Aus¬ 
gleichung der Massenwirkung durch ein Schwung¬ 
rad. Dessen Wirkung besteht in einer Akkumulie¬ 
rung von überschüssigem Arbeitsvermögen in 
Augenblicken geringeren Kraftbedarfs der Maschine, 
wodurch in Zeiten höherer Beanspruchung ein 
Kraftreservoir vorhanden ist, das zur Bewältigung 
dieser höheren Arbeit herangezogen werden kann. 
Bei der Tiegeldruckpresse beispielsweise wird sich 
die Wirkung des Schwungrades in folgender Weise 
abspielen. Wenn der Tiegel aus seiner Ruhelage auf¬ 
gerollt wird, ist zu dessen Beschleunigung eine nicht 
unbeträchtliche Kraft nötig. Ist m die Masse des Tie¬ 
gels, v dessen Endgeschwindigkeit, so ist das erwor¬ 
bene Arbeitsvermögen des Tiegels —Biese 

Arbeit müßte voll von dem Antriebsmotor geleistet 
werden, wenn das Schwungrad nicht wäre. Dieses 
stellt uns aber ebenfalls, da es eine in Bewegung be¬ 
findliche Masse ist, ein Arbeitsvermögen dar, welches 

MV 2 

etwa durch den Ausdruck —— gegeben ist. Die 

zur Beschleunigung des Tiegels nötige Energie wird 
demnach vom Schwungrade derart geleistet werden, 
daß seine Geschwindigkeit herabgemindert wird 
von V auf V lf dann ist die abgegebene Energie 


E ; ^(V2-V, 5 ) 


m v 2 
2 * 


Dabei wird sich die Ge¬ 


schwindigkeit der Maschine von V auf V 1 erniedrigt 
haben. Die bewegten Massen des Tiegels werden 
nun im Momente des Druckes zur Ruhe kommen, 


dabei wird das Arbeitsvermögen 


m v^ 


wieder frei. 


Ein Teil dieser Energie wird durch die Form auf¬ 
genommen werden, also in Druckkraft umgesetzt. 
Da dies auf sehr kurzem Wege erfolgt, so kann man 
annehmen, daß der durch Stoß hervorgebrachte 
Druck einen beträchtlichen Teil des Gesamtdruckes 
ausmacht. Ein Teil der Energie wird aber auf die 
Antriebskurbel zur Wirkung kommen und die Ener¬ 
gie an das Schwungrad abgeben, das dadurch seine 
Geschwindigkeit vergrößert. Wäre die der Presse 
zugeführte Arbeit gleichmäßig, so würde der Mehr- 


und Minderverbrauch durch das Schwungrad allein 
auszugleichen sein, das dementsprechend dimen¬ 
sioniert sein müßte. Da aber die elektrische Kraft¬ 
übertragung eine ungemein elastische Transmission 
vorstellt, und der Nebenschlußmotor, der zum An¬ 
triebe von Schnellpressen gewöhnlich verwendet 
wird, bestrebt ist, seine Tourenzahl gleichbleibend 
zu halten, so wird ein Teil der augenblicklichen Mehr¬ 
arbeit vom Antriebsmotor durch größere Stromauf¬ 
nahme geleistet werden. Um ein Maß für Verände¬ 
rungen der Umlaufsgeschwindigkeiten zu haben, 
bedient man sich der Angabe des Ausgleichförmig- 

. . _ Vmax — Vmin 

keitsgrades b —--, wobei V die mittlere 


_ , . „ Vmax-f-Vmin , 

Geschwindigkeit, V ist. 

Wie groß der zulässige Ungleichförmigkeitsgrad 
zu nehmen ist, dürfte schwer zu entscheiden sein. 
Da bei der Tiegeldruckpresse der Druck in einem 
einzigen Augenblick erfolgt, so kann die Ungleich¬ 
förmigkeit auf die Güte des Druckes nicht von Ein¬ 
fluß sein, wohl aber würden zu große Ungleichmäßig¬ 
keiten Erschütterungen in die Maschine bringen, 
welche deren Lebensdauer gefährden könnten. 

Es ist daher bei der Tiegeldruckpresse das Schwung¬ 
rad nur so schwer zu wählen, als es mit Rücksicht 
auf stoßfreien Gang der Presse nötig erscheint. Es 
wird nach den angestellten Betrachtungen der Strom¬ 
verbrauch der Tiegeldruckpresse ein Diagramm zeigen 
müssen, das nicht einen gleichmäßigen, sondern in 
den verschiedenen Phasen verschiedenen Verlauf 
nehmen wird, der sich bei jedem neuen Druckvorgang 
periodisch wiederholen wird. 

Während bei jedem andern Transmissionsantrieb 
die Verfolgung der erwähnten Verhältnisse als un¬ 
möglich erscheinen müßte, ist dies beim elek¬ 
trischen Einzelantriebe sehr einfach durchzuführen. 
Ein in den Stromkreis des Motors eingeschaltetes 
Amperemeter wird jede Änderung in dem Kraftver¬ 
brauch der Presse genau anzeigen. Ist das Me߬ 
gerät ein registrierendes, so kann man den ganzen 
Verlauf der Arbeitsweise der Presse deutlich ver¬ 
folgen. 

Da die effektive Leistung des Motors sich aus 
Produkt von Strom und Spannung ergibt, so ist 
die Stromstärke nur dann als Maß für die ver¬ 
brauchte Energie anzusehen, wenn die Spannung 
konstant ist. 

Da ich bei den in Betracht kommenden Maschinen 
festgestellt hatte, daß selbst bei den größten in Be¬ 
tracht kommenden Stromstärken ein meßbarer Span¬ 
nungsabfall nicht eintrat, so genügte ein registrie¬ 
rendes Amperemeter allein. Da eine sehr rasche 
Aufeinanderfolge von Stromimpulsen zu erwarten 
war, wurde ein Instrument mit Funkenregistrierung 
von Siemens & Halske (Abbildung 2) verwendet. Die 


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Registrierung erfolgt in der Weise, daß der Papier¬ 
streifen zwischen dem Zeiger des Instrumentes und 
einer Metallplatte, welche Teile die beiden Pole einer 
kleinen Funkenstrecke bilden, durchgezogen wird, 
wobei jeder Funken ein kleines Loch in das Papier 
schlägt. Da der Zeiger sich hierbei frei bewegen kann 
ohne am Papier zu streifen, ist eine sehr rasche Re¬ 
gistrierungmöglich. Der durch ein Uhrwerk bewirkte 
Vorschub des Papierstreifens betrug zwei mm in der 
Sekunde. Da das zur Verfügung stehende Instrument 



Abbildung 2 


als Milli-Volt- und Amperemeter ausgebildet war, 
konnte durch Anbringung entsprechender Neben¬ 
schlüsse jede beliebige Empfindlichkeit erzielt werden. 
Um die den variablen Stromstärken entsprechenden 
Mittelwerte zu erhalten, welche mit der Spannung 
multipliziert den mittleren Energieverbrauch der 
Presse ergeben, wurden die Stromkurven plani- 
metriert und daraus der mittlere Stromverbrauch be¬ 
rechnet. 

Die erste zur Untersuchung gelangende Tiegel¬ 
druckpresse war vom Gally-Typus und hatte jeder- 
seits ein mit Riemen angetriebenes Schwungrad. Als 
Antriebsmotor diente ein 2 P. S.-Nebenschlußmotor 
der Grissonwerke für 110 Volt. Die gemessene Netz¬ 
spannung betrug 112 Volt. Es wurden zunächst die 
Riemen abgeworfen und der Motor leer laufen 


gelassen, der hierbei 5,5 Ampere aufnahm, was einer 
Leerlaufsarbeit von 618 Watt entspricht. Nach Auf¬ 
legen der Riemen betrug der Verbrauch 850 Watt. 
Die Differenz von 232 Watt ist zur Überwindung des 
Luftwiderstandes des Schwungrades, der Riemen¬ 
verluste und der Lagerreibung verwendet. Nun wurde 
die Reibungskuppelung eingerückt bei ausgeschalte¬ 
tem Farbwerk und Druck. Der Tiegel machte dem¬ 
nach seine volle Bewegung durch, ohne jedoch zum 
Andruck zu kommen. Aus der Kurve (siehe Abbil¬ 
dung 4) erkennt man deutlich den Einfluß der be¬ 
wegten Massen des Tiegels im Anwachsen und Ab¬ 
fallen der erforderlichen Stromstärke. Der höchste 
Stromverbrauch tritt im Augenblick des Vorwärts¬ 
schubs des Tiegels ein. Die Stromstärke schwankt 
bei einem Mittelwerte von 10,7 Ampere zwischen 
10 und 11,4 Ampere. Wenn die Schwankung auch mit 
den feinen Meßapparaten leicht nachweisbar ist, so 
muß diese doch als vollkommen ungefährlich für die 
Maschine bezeichnet werden. Der mittlere Verbrauch 
betrug hier 1200 Watt, das heißt ein Mehrverbrauch 
von 350 Watt, der auf Zahnreibung, Reibung des Tie¬ 
gels und der Tiegelführung beim Schwingen, und 
Reibung des Kurbelzapfen und verschiedenes andre 
zu setzen ist. 

Es wurde nun das Farbwerk, das vollkommen von 
anhaftender Farbe gereinigt war, zugeschaltet (Ab¬ 
bildung 5). Man sieht hier naturgemäß dieselben 
Schwankungen wie vorher, nur ist die Kurve ver¬ 
schoben, indem der mittlere Stromverbrauch jetzt 
1245 Watt beträgt, also nur um 45 Watt mehr. 

Um nun den Einfluß verschiedener Farben zu 
untersuchen, wurden drei Farben verschiedener 
Zähigkeit zum Einfärben verwendet: 

1. sehr zähe weiße Farbe aus Bleiweiß hergestellt 

(Kremserweiß) 

2. zähe schwarze Farbe (Deckschwarz) 

3. dünne schwarze Farbe (Illustrationsfarbe). 

Der Unterschied, den die verschiedenen Farben 
für den Kraftverbrauch der Maschine ausmachen, war 
leicht nachzuweisen. 

Beim Kremserweiß zeigte sich ein mittlerer Strom¬ 
verbrauch von 13 Ampere, das ist ein Mehrverbrauch 
von213 Watt(Abbildung6), bei Deckschwarz 11,9 Am¬ 
pere, Mehrverbrauch 90 Watt (Abbildung 7), bei der 
Illustrationsfarbe 4,5 Ampere, Mehrverbrauch45 Watt 
(AbbildungS). 1 Es wurde hierauf das Farbwerk wieder 

1 Bei einzelnen Pressen des Gally-Typus lassen sich 
die Verreiberwalzen durch Stellschrauben gegeneinander 
pressen, weshalb bei unsachgemäßer Handhabung durch 
zu starkes Anziehen derselben die Reibung der Walzen 
sehr gesteigert wird, was einen hohen Kraftverbrauch ohne 
Nutzen bedingt. Es wurde bei den vorliegenden Versuchen 
der Druck derart eingestellt, daß gerade ein Hüpfen der 
Walzen vermieden wurde. Bei neueren Pressenkonstruk¬ 
tionen wird ein zu hoher Andruck durch federnde Zwischen¬ 
stücke vermieden. 


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Abbildung 15 


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vvvvvvv 


Abbildung 20 





vollkommen ausgeschaltet und der 
Tiegel zum Andruck gebracht, um 
den Kraftverbrauch des Druckes 
allein festzustellen. Als Form 
diente eine massive Platte, bei 
der die Gefahr des Zerdrückt¬ 
werdens ausgeschlossen war. Der 
Druck wurde bis auf die Grenze 
der Leistungsfähigkeit der Maschine 
erhöht. Es war hierbei schon der 
plötzliche Abfall der 
Tourenzahl des Motors 
im Momente des Druk- 
kes deutlich zu hören, 
was auf große Belastung 
schließen ließ. Es ergaben sich tatsächlich große 
Stromstöße (Abbildung 9), die höchste Stromstärke 
betrug 27,4 Ampere, also 10 Ampere über die normale 
Vollast des Motors, die minimale 13,2 Ampere, die 
mittlere Stromstärke 16,2 Ampere, das ist ein Mehr¬ 
verbrauch für den Druck allein von 5,5 Ampere oder 
619 Watt. Allerdings ist zu bemerken, daß dieser Fall 
hohen Druckes als abnormer bezeichnet werden muß 
und im praktischen Betriebe selten zur Anwendung 
gebracht werden dürfte. Bei diesem Versuche wurde 
festgestellt, daß die Reibungskuppelung auch bei den 
höchsten Beanspruchungen der Presse unverrückbar 
festhielt, daß aber wohl die Riemen zum Gleiten 
kamen. Bei entsprechender Dimensionierung der 
Kuppelung könnte diese als Sicherheitsventil gegen 
zu hohe Druckbeanspruchung des Tiegels ausgebildet 
werden. Es wurden nun Formen abgestufter Größe 


verwendet, und der Druck so ein¬ 
gestellt, daß bei jeder Form der 
erzielte Druckeffekt derselbe war. 
Es verschwand hierbei sehr rasch 
die Spitzenbildung in der Kurve. 
Bei der kleinsten Form (Visit- 
kartengröße) betrug der Mehrver¬ 
brauch nur mehr 56 Watt, wobei 
bereits die Stromkurve dieselbe 
Form zeigte wie ohne Druck (Ab¬ 
bildung 10). 

Um nun zu bestim¬ 
men, ob der Gesamt¬ 
verbrauch der Presse 
mit der Summe der ein¬ 
zeln gefundenen Verbrauchsgrößen übereinstimme, 
wurde die Maschine bei vollem Druckprozesse laufen 
gelassen, und zwar mit dem höchsten Druck und Ein¬ 
färbung mit dem zähen Kremserweiß. Es stellte sich 
auch genau die Summe aus dem Einzelkraftverbrauch 
für Farbwerk und Druck ein. Die Schwankungen be¬ 
trugen 14 bis 25 Ampere. Mittelwert 18,6 Ampere (Ab¬ 
bildung 11). Mehrverbrauch 885 Watt, wovon 619 Watt 
auf den Druckprozeß, 258Watt au f den Farbwerkantrieb 
entfallen. 8 Watt Differenz sind Versuchsfehlern zu¬ 
zuschreiben. Von Interesse schien es, auch den 
wirklichen Ungleichförmigkeitsgrad der Maschine zu 
bestimmen. Es wurde daher von der Transmissions¬ 
scheibe des Motors aus ein registrierendes Differential- 
Tachometer von Horn (Abbildung 3) angetrieben. 
Dieses ist ein Zentrifugal-Tachometer, dessen Prinzip 
darin besteht, daß zwei Schwungmassen, die durch 



20 *.0 60 80 100 »L 150 


>0 120 100 80 60 40 


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Federn in ihrer Lage gehalten werden, um eine Achse 
rotieren, welche von der Welle, deren Tourenzahl zu 
messen ist, angetrieben wird. Erlangen die Schwung¬ 
massen eine derartige Zentrifugalkraft, daß die Feder¬ 
spannung überwunden wird, so entfernen sich die¬ 
selben von der Achse und betätigen mittels eines 
Hebelwerkes eine Schreibevorrichtung, die auf einem 
bewegten Papierstreifen die Schwankungen der Tou¬ 
renzahl aufzeichnet. Es ergab sich nun beim Druck¬ 
versuche mit stärkstem Druck eine Tourenzahlschwan¬ 
kung von 13,6%, was einem Ungleichförmigkeitsgrade 

von j ^ am Maschinenschwungrad entspricht (Ab¬ 
bildung 12). Es wurden nun an der ebenfalls nach 
dem Gally-Typus gebauten Tiegeldruckpresse einer 
andern Firma gleiche Versuche angestellt, um An¬ 
haltspunkte zu erhalten, ob die gefundenen Werte als 
ziemlich allgemeingültige oder als einer bestimmten 
Maschinentype eigentümliche hingestellt werden mü߬ 
ten. Die Presse wurde getrieben von einem Motor 
von Kremenetzky & Mayer für 220 Volt 2 P. S. Die 
gleichmäßige Spannung während des Versuches be¬ 
trug 226 Volt. Für Leerlauf des Motors waren erfor¬ 
derlich 452 Watt. Bei Auflage des Riemens, da hier 
nur ein Schwungrad vorhanden war, und ausgekup¬ 
pelter Presse um 113 Watt mehr. Bei Einrückung 
des Tiegels und ausgeschaltetem Farbwerk (Abbil¬ 
dung 13) betrug die Stromstärkeschwankung 3,1 bis 
3,9 Ampere bei einem Mittelwert von 3,5 Ampere, 
Mehrverbrauch 226 Watt für Tiegelmitnahme. Es 
wurde nun das leere Farbwerk zugeschaltet (Abbil¬ 
dung 14). Die Schwankungen waren dieselben ge¬ 
blieben, doch der Strom auf 3,8 Ampere gestiegen, 
was einem Mehrverbrauch von 68 Watt entspricht. 
Um nun die Wirkung der Farbe deutlich vor Augen 
zu führen, wurde dasselbe Bleiweiß (Kremserweiß), 
welches bei der ersten Presse schon verwendet worden 
war, auf die Farbwalze aufgestrichen (Abbildung 15). 
Während im ersten Augenblick der Einfärbung der 
Energieverbrauch nur wenig größer war, stieg er mit 
zunehmender Verteilung der Farben auf alle Walzen 
bis zu einem Grenzwert an, wo er konstant blieb. 
Der Mehrverbrauch betrug für die Farbe 230 Watt. 
Das Aufschütten eines Verdünnungsmittels (Petrol¬ 
äther) machte sich sofort bemerkbar. Der Mehrver¬ 
brauch sank hierdurch rasch auf 94 Watt. Beim 
strengflüssigen Schwarz, wie es auch bei der zuerst 
untersuchten Presse verwendet worden war, zeigte 
sich ein Mehrverbrauch von 113 Watt (Abbildung 16). 
Nachdem so der Einfluß des Farbwerkes festgestellt 
war, wurde dieses ausgeschaltet und dafür der Druck 
angestellt. Der Druck wurde so reguliert, daß er 
dem höchsten an der ersten Presse angewendeten 
gleich war (Abbildung 17). Die Schwankung war hier 
zwischen 3,3 und 5,9 Ampere, Mehrverbrauch 4,6 
Ampere, das ist ein Mehrverbrauch von 248 Watt. 


Bei vollem Druck, das Farbwerk war mit der erwähn¬ 
ten Farbe (Deckschwarz) eingefärbt, ergab sich ein 
Gesamtverbrauch von 5,5 Ampere, das ist 1245 Watt 
(Abbildung 18). Es wurde noch mit einer kleinen Form 
gedruckt, wobei sich ein Mehrverbrauch über Leer¬ 
lauf der Maschine nicht messen ließ (Abbildung 19). 

Auch hier wurde der Ungleichförmigkeitsgrad 
mit Hilfe des Hornschen Tachometers ermittelt. 
Es ergaben sich 5,5% Tourenunterschied, das heißt 

ein Ungleichförmigkeitsgrad 1 (Abbildung 20). Es 

zeigt sich demnach diese Presse besser ausbalanziert 

als die erstuntersuchte (b - ——). Trotz dieses Unter- 

7' j 

schiedes ist man nicht in der Lage, die Presse mit 



Abbildung 3 


dem gleichmäßigeren Gange als günstiger zu be¬ 
zeichnen,da beide Pressen einen vollkommen ruhigen, 
erschütterungsfreien Gang zeigen, was, wie schon 
früher erwähnt wurde, allein von Bedeutung ist. Es 
sind nun in umstehender Tabelle die Ergebnisse in 
der Weise zusammengestellt, daß einmal für stärkste 
Beanspruchung und dann für sehr kleine Bean¬ 
spruchung die für den Antrieb der einzelnen Teile 
der Presse nötige Energie in Prozenten der Vollast 
ausgedrückt erscheinen. 

Es ist daraus folgendes zu ersehen. Der Leerlauf 
des Motors nimmt bei kleinen Pressen einen beträcht¬ 
lichen Teil der zugeführten Energie für sich in 
Anspruch, etwa Vs» der Riemen und Getriebeverlust 
betragen etwa 1 / i0 . Das Farbwerk nimmt je nach 
Zähigkeit der Farbe zwischen 4% und 18% der 
Gesamtenergie auf. Beträchtlich ist die für die 
Tiegelmitnahme erforderliche Arbeit, etwa 17%. Bei 

40 


285 


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Original fro-m 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


kleinen Formen ist diese Arbeit auch für die Aus¬ 
übung des Druckes genügend, nur bei abnorm hohem 
Drucke steigt die für den Druckerforderliche Arbeit 
auf 30% an. Diese für hohen Druck und sehr zähe 
Farben berechneten Werte ändern sich natürlich 
beträchtlich bei Anwendung kleiner Formen, welche 
weniger Druck beanspruchen. Der Gesamtverbrauch 
wird kleiner, aber die motorische Ausnutzung der 
Maschine ungünstiger. 


sehen Apparat gemessen (Abbildung 24). Die Diffe¬ 
renz betrug 8%, demnach der Ungleichförmigkeits- 

grad Aus den Schwankungen der Tourenzahl 

kann man genau den Einfluß der jeweiligen Phasen 
des Druckprozesses bestimmen. Abbildung 25 be¬ 
zeichnet den der Tourenzahlschwankung entspre¬ 
chenden Verlauf der Stromstärke. Periode £ bis A 
bezeichnet den Stillstand des Zylinders und Karren- 


1 

Presse 

Spannung 


Gesamt 

Arbeit 

Motor- 

Leerlauf 

Schwung¬ 

rad- 

Leerlauf 

Tiegel- 

Mitnahme 

Farbwerk 

ohne 

Farbe 

Farbwerk 
mit Krcm- 
sc rweiü 

Farbwerk 
mit Deck- 
schwarz 

Farbwerk 
mit Illu¬ 
strations¬ 
farbe 

Arbeit 

für Druck 


Tlegcldruck- 

112 Volt 

Watt 

2090 

618 

232 

350 

45 

213 

90 

45 

619 

• o 

E = 
ofl 

^ u 

presse I 

% der 
Vollarbeit 

100% 

29,5o/o 


16)8% 

2,150/o 

10,20/o 

4,30/o 

2,150/o 

29,50/o 

2 e 
es p 
u o 

Tiegeldruck¬ 

226 Volt 

Watt 

1245 

452 

113 

226 

68 

230 

113 


248 


presse II 

# /o der 
Vollarbclt 

100% 


9,1 o/o 

18,2% 

8 

18,50/ 0 

9,O50/o 


20o/o 

E ( 

O 

U. 

v . 

Tiegeldruck¬ 

112 Volt 

Watt 

1200 

618 

232 

350 

D 

BSfi 

— 

45 

— 

« I 
* \ 

presse I 

% der 
Vollarbeit 

100% 

48% 

18o/o 

27% 

3,5o/o 

— 

— 

3,50/o 

— 


Es erschien mir von Interesse dieselben 

Verhältnisse bei den Zylinder-Flachformmaschinen 

zahlenmäßig festzulegen. Es wurde eine Steindruck¬ 
presse mit Eisenbahnbewegung und Stoppzylinder 
untersucht. Sie hatte als Antriebsmotor einen 2 P.S. 
Gleichstromnebenschlußmotor 220 Volt von Kreme- 
netzky & Mayer. Der Leerlauf betrug 230Watt. Beim 
Leerlauf der Maschine, wobei kein Stein eingelegt 
war, daher der Zylinder ohne Druck mitging und 
auch das Farbwerk ausgeschaltet war (Abbildung 21), 
betrug der Mehrverbrauch 52 Watt. Der Mehrver¬ 
brauch für das Farbwerk ist 80 Watt (Abbildung 22), 
der Verbrauch für Druck 78 Watt (Abbildung 23). 
Allerdings schwanken die Stromstärken, wie aus den 
Kurven ersichtlich, innerhalb weiter Grenzen, im 
letzten Falle zwischen 3,45 und 0,6 Ampere. Der 
Einfluß der Größe des Steines erwies sich als so ge¬ 
ring, daß derselbe vernachlässigt werden kann. Es 
ergibt sich bei dieser Presse ein Eigenverbrauch der 
Presse von 210 Watt, dem eine Leerlaufarbeit des 
Motors von 230 Watt gegenüber steht. 1 

Um die Güte des Massenausgleiches zu bestimmen, 
wurden auch dieTourenzahldifferenzen mit dem Horn- 

1 Wie man sieht, differiert die Leerlaufsarbeit zweier 
vollkommen gleichgebauter Motoren (Tiegeldruck II und 
Zylinder-Flachformmaschine) zwischen 230 und 452 Watt. 
Auf die näheren Ursachen dieser Erscheinung einzugehen 
überschreitet den Rahmen dieses Artikels;dies möge daher 
einem späteren Aufsatze Vorbehalten bleiben. 


totlage nach erfolgtem Drucke. Der Zylinder gibt 
die ganze ihm innewohnende kinetische Energie an 
das Schwungrad ab, das sich beschleunigen muß. 
Der korrespondierende Teil der Stromkurve bezeich¬ 
net den kleinsten Stromverbrauch, da ein Teil der 
zum Antrieb des Motors nötigen Kraft durch die 
Presse hergegeben wird, und dadurch das Netz 
entlastet erscheint. Der Karren muß nun von der 
Totlage nach entgegengesetzter Richtung beschleunigt 
werden. Die erforderliche Kraft zeigt sich im Sinken 
der Tourenzahl zwischen A und B und entsprechen¬ 
dem Ansteigen der Stromstärke. Von B bis C nimmt 
die Karrenbeschleunigung ab, weshalb der Karren 
imstande ist, Arbeit zu leisten. Er gibt seine über¬ 
schüssige Energie an das Schwungrad ab, dadurch 
Steigerung der Tourenzahl, Sinken der Stromstärke 
bis Punkt C. Bei C ist Karrentotlage. Es muß 
wieder der Karren in entgegengesetzter Richtung 
beschleunigt werden, und gleichzeitig findet Mitnahme 
des Zylinders statt. Daher Sinken der Tourenzahl 
C bis £. D bezeichnet die eigentliche Druckperiode. 
Bei £ Zylinderstillstand und Karrentotlage, worauf 
derselbe Vorgang von neuem beginnt. 

Wenn auch hier die relativen Stromstärkeschwan¬ 
kungen beträchtlich sind, so sind doch deren absolute 
Werte als gering zu bezeichnen. Die Ausgleichung der 
bewegten Massen muß entsprechend genannt werden. 

In ähnlicher Weise wurde eine Lichtdruckmaschine 
mit Mangelradantrieb untersucht, welche ein ganz 
ähnlichesErgebniszeigte. AufGrund der vorliegenden 


286 


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Versuchsergebnisse konnten folgende Schlußfolge¬ 
rungengezogenwerden. Während bei Zylinder-Flach- 
formpressen mit Stoppzylinder der Ausgleich der be¬ 
wegten Massen, in Anbetracht deren relativer Größe 
und Geschwindigkeit, durch schwere, sehr rasch lau¬ 
fende Schwungräder durchgeführt werden muß, um 
einen einwandsfreien Gang zu erzielen (s. Dr. Königs 
Aufsätze in Dinglers Polytechnischem Journal 1906, 
Seite 497 ff., Archiv für Buchgewerbe 1907, Seite 
309 ff., Deutscher Buch- und Steindrucker 1907, 
Seite 545 ff., 1013 ff.), ist dieser Ausgleich bei der 
Tiegeldruckschnellpresse wegen der geringen Masse 
und Geschwindigkeit des Tiegels leichter durchzu¬ 
führen und zeigt sich auch dieser Forderung bei den 
untersuchten Pressen vollkommen entsprochen. 

Der eigentliche Druckprozeß beansprucht bei nor¬ 
malen Druckformen (ebenso wie bei den Zylinder-Flach¬ 
formmaschinen, siehe auch König 1. c.) sehr wenig 
Energie, erst bei abnormen hohem Druck zeigt sich 
eine merkbare Mehrbelastung der Maschine. Der Ein¬ 
fluß der Zähigkeit der Farbe ist ein beträchtlicher, und 
kann zähe Farbe unter Umständen eine beträchtliche 
Vergrößerung des Arbeitsverbrauchs bedingen. 

Im ganzen zeigt, Fälle extremen Druckes ausge¬ 
nommen, die Tiegeldruckschnellpresse einen gleich¬ 


mäßigeren Stromverbrauch als die Flachform¬ 
maschine. Bei kleineren Pressen zeigt die für den 
Leerlaufbetrieb des Motors nötige Arbeit eine im 
Verhältnis zur Gesamtarbeit beträchtliche Größe. 
Bei größeren Pressen mit starkem Antriebsmotor 
wird das Verhältnis besser. Diese ungünstige Öko¬ 
nomie zeigt sich besonders deutlich bei der unter¬ 
suchten Zylinder-Flachformmaschine, deren Motor 
unbedingt zu stark gewählt ist. Es erscheint demnach 
empfehlenswert,zur Bestimmung des Kraftverbrauchs 
von Buchdruckpressen diese mittels Elektromotor 
anzutreiben und die Stromkurven aufzunehmen. Es 
wird dann ohne Schwierigkeit möglich sein, mit Rück¬ 
sicht auf den Charakter der Kurve einen entsprechend 
dimensionierten Antriebsmotor zu wählen, so daß 
dieser einesteils durch die zeitweisen Stromstöße 
nicht überlastet erscheint, anderseits auch kein mit 
Rücksicht auf die mittlere Stromstärke zu hoher 
Stromverbrauch sich zeigt. 

Zum Schlüsse bleibt mir noch die angenehme 
Pflicht, Herrn Oberbaurat Professor Carl Hohenegg, 
Vorstand des elektrotechnischen Instituts der k. k. 
technischen Hochschule in Wien, für die freundliche 
Überlassung der nötigen Meßgeräte meinen verbind¬ 
lichsten Dank auszusprechen. 


Der Satz chemischer Formeln. 

Von WILHELM HELLWIG, Leipzig. 


Magi IE chemischen Formeln sind, mit den mathe- 
ßlwl matlschen verglichen, nicht nur in ihrem 
Aufbau wesentlich einfacher als diese, son¬ 
dern auch in bezug auf die sie zusammensetzenden 
Einzelglieder. Beim mathematischen Satz gibt es, je 
nach dem behandelten Stoff, eine sehr wechselnde, 
ja fast unbegrenzte Möglichkeit im Vorkommen ver¬ 
schiedener Formelbestandteile (algebraischer Buch¬ 
staben usw.), so daß schon hierdurch das Lesen des 
Manuskripts wesentlich erschwert wird, während in 
den chemischen Formeln immer nur eine beschränkte 
Anzahl von Formelbuchstaben wiederkehrt, von 
welchen noch obendrein die große Hälfte nur selten 
gebraucht wird. Das Ausschließen bietet weniger 
Schwierigkeit, weil Zeichen andern Kegels, Brüche 
oder komplizierte Indices und Exponenten in chemi¬ 
schen Formeln gewöhnlich nicht Vorkommen, und 
selbst bei den sich mitunter hoch auftürmenden 
Strukturformeln ist bei systematischem Material die 
Anordnung verhältnismäßig einfach und die Berech¬ 
nung nicht gar schwer. 

Die heutige Formelsprache der Chemie, die für 
den Fachmann ein so bequemes internationalesVer- 
ständigungsmittel ist, daß es ihm ermöglicht, mit 
wenigen Buchstaben und Zahlen eine Menge von 
Tatsachen in kürzester Form genau auszudrücken, 


die mit den Schriftmitteln der alten, an unpassen¬ 
den Sinnbildern 1 hängenden Ausdrucksweise nicht 
denkbar gewesen wäre. Sie konnte erst entstehen 
auf der Grundlage einer sachgemäßen verkürzten 
Schreibung der Elemente, wie sie Berzelius in seinen 
chemischen Symbolen einführte. 

Diese chemischen Symbole nun, die nebst den 
damit verbundenen, das Verhältnis der Zusammen¬ 
setzung angebenden Atomzahlen die Hauptbestand¬ 
teile der chemischen Formel sind, sind die Abkür¬ 
zungen der lateinischen Benennungen der Grundstoffe. 

50 bedeutet Ag Silber, weil es vom lateinischen 
Argentum hergeleitet ist, Au Gold (vom lateinischen 
Aurum) usf.: Bi Wismut (Bismutum), C Kohlenstoff 
(Carbonium), Co Kobalt (Cobaltum), Cu Kupfer 
(Cuprum), Fe Eisen (Ferrum), H Wasserstoff (Hydro- 
genium), Hg Quecksilber (Hydrargyrum), N Stickstoff 
(Nitrogenium), O Sauerstoff (Oxygenium), Pb Blei 
(Plumbum), S Schwefel (Sulfur), Sb Antimon (Stibium), 

51 Kiesel (Silicium), Sn Zinn (Stannum). Da nun die 
meisten chemischen Elemente nur einen lateinischen 
bzw. lateinisch-griechischen Namen haben, so sind 
diese Kürzungen insofern nicht schwer zu merken, 
als sie zumeist an den Namen des betreffenden 
Elements erinnern, wie aus der folgenden Aufzählung 

1 Hiernach bedeutete z.B. © Gold, 3 Eisen, Blei usw. 

40 * 


287 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


zu ersehen ist, welche die gegenwärtig in Betracht 
kommenden Symbole umfaßt: 


A Argon 

He Helium 

Rb Rubidium 

Ag Silber 

Hg Quecksilber 

Rh Rhodium 

Al Aluminium 

In Indium 

Ru Ruthenium 

As Arsen 

Ir Iridium 

S Schwefel 

Au Gold 

J Jod 

Sa Samarium 

B Bor 

K Kalium 

Sb Antimon 

Ba Barium 

Kr Krypton 

Sc Scandium 

Be Beryllium 

La Lanthan 

Se Selen 

Bi Wismut 

Li Lithium 

Si Kiesel 

Br Brom 

Mg Magnesium 

Sn Zinn 

C Kohlenstoff 

Mn Mangan 

Sr Strontium 

Ca Calcium 

Mo Molybdän 

Ta Tantal 

Cd Cadmium 

N Stickstoff 

Tb Terbium 

Ce Cerium 

Na Natrium 

Te Tellur 

CI Chlor 

Nb Niobium 

Th Thorium 

Co Kobalt 

Nd Neodym 

Ti Titan 

Cr Chrom 

Ne Neon 

TI Thallium 

Cs Cäsium 

Ni Nickel 

Tu Thulium 

Cu Kupfer 

No Norium 

U Uran 

Di Didym 

O Sauerstoff 

V Vanadium 

Er Erbium 

Os Osmium 

W Wolfram 

Fe Eisen 

P Phosphor 

X Xenon 

Fl (oder F) Fluor 

Pb Blei 

Y Yttrium 

Ga Gallium 

Pd Palladium 

Yb Ytterbium 

Ge Germanium 

Pr Praseodym 

Zn Zink 

Gd Gadolinium 

Pt Platin 

Zr Zirkon 

H Wasserstoff 

Ra Radium 



Diese Symbole bekommen keinen Schlußpunkt. 
Man sieht, die meisten bestehen nur aus einem Buch¬ 
staben, keines aus mehr als zweien, und dennoch 
unterscheiden sie sich so gut, daß Verlesungen 
innerhalb der Symbolenreihe selten Vorkommen 
werden. Wenn etwas verlesen wird, so geschieht 
dies gewöhnlich in der Richtung, daß der Setzer im 
Manuskript Symbole zu sehen glaubt, die es über¬ 
haupt nicht gibt, und er wäre meistens auf das Rich¬ 
tige gekommen, wenn ihm diese achtzig Kürzungen 
geläufig gewesen wären. Oft wird auch der Text für 
die richtige Entzifferung einen gewissen Anhalt bieten, 
so werden z. B., wenn von Kobalt, Kobaltoxyd usw. 
die Rede ist, schlecht leserliche Formeln allerWahr- 
scheinlichkeit nach etwa Co 2 0 3 , CoCl, CoS usw. 
heißen sollen, nicht aber Cs 2 0 3 oder Ca 2 0 3 usw., 
denn von Cäsium (Cs) und Calcium (Ca) wird ja eben 
nicht gesprochen, sondern von Kobalt (Co). Vor der 
Verwechslung von H und X, die bei manchen Hand¬ 
schriften leicht möglich ist, kann man sich in gleicher 
Weise schützen, besonders wenn man bedenkt, daß 
X(Xenon)äußerst selten, H (Wasserstoff) aber allent¬ 
halben in chemischen Formeln anzutreflfen ist, so daß 
man wohl immer auf HCl, HC, HO usw., nicht aber 
auf XC1, XC, XO schließen kann. Auch die mi߬ 
verständliche Verwendung der Null (0) statt des O 
(= Sauerstoff) beruht auf Unaufmerksamkeit, da doch 
ein Symbol Null oder gar 0 4 ,0 6 usw. an und für sich 
eine Unmöglichkeit ist. 


Chemische Symbole müssen im Fraktursatz aus 
Antiqua gesetzt werden. Hingegen ist es nicht üblich, 
sie im Antiquasatz aus Kursiv zu setzen; sind sie 
jedoch, wie dies zuweilen aus Unkenntnis oder 
Bequemlichkeit (bei Zeilenguß-Maschinensatz) ge¬ 
schieht, aus Fraktur gesetzt, so werden sie vom Leser 
nur schwer in ihrer Bedeutung erkannt oder sind 
ganz unverständlich, z. B. „bie 9to(f)teile ber gg=$Befjanb= 
lung“, „infolge oon (£0=(£nttoidlung oder gar das,, 5lubab“, 
wie in einer Zeitungsbriefkastennotiz stand (sollte 
heißen „Au-53öb“, das Goldbad in der Photographie). 

Die Atomzahl ist in Deutschland eine f/e/stehende 
Bruchziflfer, in manchen Teilen des Auslandes zieht 
man wohl die hochstehende Atomzahl vor — an der 
Bedeutung ändert dies nichts, es bedeutet also eben¬ 
sowohl Hg 2 Cl als Hg 2 Cl soviel wie Quecksilber- 
chlorür oderKalomel. Die Atomzahl steht stets hinter 
dem Symbol, zu welchem sie gehört, was zu beachten 
ist, wenn die einzelnen Symbole durch Spatien ge¬ 
trennt werden. 

Die einfachste Art der chemischen Formeln sind 
die empirischen Formeln, welche bloß die Zusammen¬ 
setzung eines Stoffes angeben. Sie bestehen nur aus 
Symbolen und Atomzahlen. Etwas komplizierter, aber 
gleichfalls ohne besondere satztechnische Schwierig¬ 
keiten zu bieten, sind die rationellen oder Kon¬ 
stitutionsformeln, die die molekulare Gruppierung 
bei denjenigen Körpern zur Anschauung bringen, 
die bei gleicher Zusammensetzung doch chemisch 
verschiedene Stoffe sind. So haben z. B. die Essig¬ 
säure und der Ameisensäure-Methyläther die gleiche 
empirische Formel, nämlich C 2 H 4 0 2 , aber ganz 
verschiedene rationelle Formeln, und zwar erstere 
CH 3 COOH, letzterer HCO(OCH 3 ). Für Kaliumsulfat 
würde die empirische Formel sein: K 2 S0 4 , die ratio¬ 
nelle aber S0 2 (OK) 2 oder S0 2 j^, für Essigäther sind 

diese Formeln C 4 H 8 0 2 (empirisch)und C 2 H 3 0 2 . C 2 H 5 
(rationell) usw. 

Es werden also hier durch Zuhilfenahme einiger 
Zeichen die mannigfaltigsten Verhältnisse ausgedrückt 
und können auf dieseWeise ganze chemischeProzesse 
graphisch dargestellt werden, welch letzteres in Form 
einer Gleichung geschieht, indem man die Molekular¬ 
formeln der einwirkenden Körper einerseits und die 
der gebildeten Produkte anderseits angibt, z. B. 

H 2 S0 4 + Fe - FeS0 4 + 2H. 

Man sieht hier neben der Verwendung des Gleich¬ 
heitszeichens auch die des Multiplikationspunktes 
und Pluszeichens, sowie der Vollziffer. Letztere be¬ 
zieht sich auf alle folgenden Symbole des Formel¬ 
gliedes, während die Atomzahl nur zu dem vorauf¬ 
gehenden Symbol gehört, z. B. Fe0S0 3 + 7HO. 

Wie in den mathematischen Formeln können 
auch in chemischen Formeln einzelne Glieder 
in Parenthesen eingeschlossen sein: (NH 4 ) 2 0S0 3 . 


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Eine Trennung solcher längeren Glieder von einer 
Zeile zur andern darf nicht stattfinden; es empfiehlt 
sich, im Notfälle die Formel als Zeile für sich aus¬ 
zuschließen, wenn die Abteilung nicht bei einem 
trennenden Zeichen wie . + oder = vorgenommen 
werden kann. 

In Berichten über analytische Untersuchungen usw. 
kommen bisweilen Formeln vor, die hypothetische 
Glieder enthalten, sei es, daß ein Grundstoff selbst 
noch fraglich ist, oder auch, daß das Mischungsver¬ 
hältnis eines Elements noch nicht hat festgestellt 
werden können. In ersterem Falle bedient man sich 
des x, in letzterem des als Index behandelten, also 
tiefstehenden n , z. B. bedeutet xCl ein Chlorid, von 
dem der Metallbestandteil noch nicht bekannt ist, 
Cl n H n eine Chlorwasserstoffverbindung von noch un¬ 
bekannter molekularer Zusammensetzung, Cl n H n —4 
eine Chlorwasserstoffverbindung mit noch vier 
Molekülen weniger Wasserstoff als eine bestimmte 
andre usf. 

Das Ausschließen chemischer Formeln braucht 
dem Setzer nicht viel Kopfzerbrechen zu bereiten. 
Am besten ist es, man bringt Zwischenräume über¬ 
haupt nur bei den trennenden Zeichen an, wie bei 
+ . = (ein starkes bis 2-Punkt-Spatium): 

(d. i. Triphenylmethan), während man im übrigen 
alle Symbole ohne weiteres aneinanderreiht, z. B.: 

C 2 H 4 (OH)COOH, d. i. Oxypropionsäure, oder: 
C 5 H 10 (NH 2 )COOH, d. i. Leucin, usw. Manche Fach¬ 
männer befürworten dieTrennung der einzelnen Sym¬ 
bole durch feines Spatium, also: C 2 H 4 (OH)COOH, 
es ist auch dagegen nichts einzuwenden, wenn es 
gleichmäßig durchgeführt wird. Eine Gliederung dem 
Sinne nach vorzunehmen, wird aber dem Setzer nie 
möglich sein, weil er den Inhalt und Zusammenhang 
der Formel nicht verstehen kann und im geschriebenen 
Manuskript etwa angebrachte größere oder geringere 
Zwischenräume doch meist etwas ganzZufälliges sind. 

Die satztechnisch schwierigste ist die Struktur¬ 
formel ,, Sie gibt ein Bild von der vermutlichen An¬ 
ordnung der Atome im Molekül; für Trimethylen ist 
/ CH 2 

sie beispielsweise H 2 C X | , was in der empirischen 

n CH 2 

Formel einfach durch C 3 H 6 ausgedrückt wird. Jedem 
Setzer chemischer Werke sind ja wohl in dieser Be¬ 
ziehung die sechseckigen Formeln des sogenannten 
‘Benzolringes’ bekannt, des hypothetischen Bildes 
der ringförmigen Verkettung von sechs Kohlen¬ 
wasserstoffatomen (CH), Formeln, die hier in zwei 
Ausführungen gezeigt werden mögen. Es bestehen 
nämlich zwei Gepflogenheiten nebeneinander, indem 
von den einen die Formelbuchstaben an die Ecken 
eines festgeschlossenen Sechsecks angebaut werden, 


während andre den Hauptbuchstaben (in vorliegen¬ 
dem Falle das C) in die Ecken stellen und diese 
sechs C dann in entsprechender Weise verbinden: 


CH 

Hc/]CH 

HC^/CH 

CH 


CH 

✓ \ 

HC CH 

I II 

HC CH 


^Cii 


Wenn auch das Manuskript hierbei ausschlaggebend 
sein muß, mag doch darauf hingewiesen sein, daß 
die letztere Ausführung im allgemeinen besser mit 
der Anordnung andrer Strukturformeln zusammen¬ 
stimmt, denen keine so regelmäßige Gestalt zugrunde 
liegt wie hier der Formel für den Benzolkern. Wie 
man aus vorstehendem Beispiele ersieht, ist die Ver¬ 
bindung der sechs C als Grundlage für den Aufbau 
der Formel angenommen, so daß sich das CH links¬ 
seitig sogar in HC verkehrt hat. Hieran wird auch 
festgehalten, wenn die einzelnen Formelglieder nicht 
so einfach sind, wie in vorstehendem Beispiel, ver¬ 
gleiche: 


C-CH 3 

y \ 

HC CH 

I II 

h 3 c-c c-ch 3 


oder 


C-CH 3 

y\ 

HC CH 

I II 

h 3 c-c c-ch 3 

N/ 

CH 


Bei geschlossener Figur wird man alle sechs Seiten 
gleichlang machen, während bei unterbrochener 
Linienführung ein besseres Gesamtbild entsteht, 
wenn die Vertikallinien kürzer sind als die Diagonal¬ 
linien. Der Setzer wird überhaupt sein Augenmerk 
auf die Gesamtwirkung zu richten haben und für ein 
gefälliges Bild sorgen; so im folgenden beispielsweise 
mindestens die ausstrahlenden Diagonallinien von 
derselben Länge wählen wie die Seiten des Sechs¬ 
ecks, usf. 



/CH 3 

/< 

H-C CH 

II I 

H-C C.OH 

I 

c 3 h 7 


Der Satz läßt sich am bequemsten ausführen, wenn 
man auf Geviert gegossene Diagonalstriche (am 
besten einfache und doppelte) bei der Hand hat: 
\/\ ö*;, die sich ja nach beiden Richtungen (/und\) 
verwenden lassen. Die Verwendung diagonal aus¬ 
geschlossener gewöhnlicher Messinglinien bietet, 
selbst wenn der nötige Diagonalausschluß vorhanden 
ist, doch nicht die gleiche Sicherheit für den ge¬ 
hörigen Halt. 


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Zu beachten ist auch, daß die Doppellinien nicht 
verschiedene Spur zeigen, wie dies der Fall ist, wenn 
ohne Wahl doppelfeine, zwei nebeneinander ver¬ 
laufende feine Linien und Gleichheitsstriche verwen¬ 
det werden, wie sie gerade dem Setzer zur Hand sind; 
hierunter leidet das gute Aussehen des Formelbildes, 
man vergleiche: 

H C = 0 H H C O H 

II nicht aber 

O O 

Dasselbe natürlich bei der dreifachen Linie: 

H—C^N nicht aber H—C N 
Dem Formelsetzer wird es im übrigen nicht schwer 
sein, die Wege zu finden, um auch mehrfach zu¬ 
sammengesetzte Formeln sachgemäß zu behandeln, 
wenn er bedenkt, daß die Verbindungslinien vor 
allem auf die Symbole zeigen müssen, und nicht da¬ 
neben hinaus; er wird darum die Länge dieser Linien 
immer der Figur anpassen müssen und nicht etwa 
an einer bestimmten Länge (Cicero, Petit usw.) fest- 
halten dürfen. Man vergleiche folgende Beispiele, in 
aufsteigender Schwierigkeit nach satztechnischen 
Gesichtspunkten angeordnet: 

H H 

pj q q/ oder je nach dem Material q 

ebensorichtig: H 


er 

o 

r°\ 

O MnOK 

c/ 

H 

I 

H-C-H 

I 

H-C-H 

I 

OH 


H \ , 

h c-c: 

H 7 

/H 

/h 


H 

H 

H 




H 

H 


yO 

Fe( 

! O 
Fe 7 

O 


H 

I 

CH 3 —C = 0-f-2H CH 3 


OoK 

OoK 


Fe 


Fe 


/CI 

-CI 

CI 

CI 

-ci 

CI 


H 

I 

C-O-H 

I 

H 


In Arbeiten über Elektrolyse zeigen die chemischen 
Formeln zuweilen eine Eigenheit, die darin besteht, 
daß dem Symbol Punkte oder Striche beigefügt sind: 
Fe**, Ag*, Cu", Fe'", [Ni(NH 3 ) 4 ]*’ usw. Man wird frei¬ 
lich oft (in Ermangelung andrer) signaturverkehrt 
stehende Punkte verwenden (H*, Fe*’), obwohl dies 
ein unschönes Satzbild gibt; besser eignen sich wirk¬ 
liche hochstehende Punkte, die mit dem Kopf des 
Buchstaben ordentlich zusammenstimmen und zu den 
Strichen (besser Minutenstriche als signaturverkehrt 
stehende Frakturkommata) auch besser passen. Kleine 
Pfeile geben die Richtung der sogenannten Wanderung 
der Ionen an, vergleiche: 

HC 2 H 3 0o^±H*+ c 2 h 3 o 2 '. 

Man merke, daß das Wort „Ion“ mit I (nicht mit J) 


zu schreiben ist, ebenso Anion, Kation, Cf-ionen, 
Fe'"-ionen usw.; natürlicherweise ist dann auch 
Kat-ion zu trennen. 

Im weiteren ist in Abhandlungen über Spektral¬ 
analyse große Aufmerksamkeit nötig, um die chemi¬ 
schen Symbole und die Benennungen für die mit 
großen Buchstaben bezeichneten Linien auseinander 
zu halten, denn einzelne Versalien wie A, B, C, H 
usw. können ebensowohl Spektrallinien als chemi¬ 
sche Elemente bedeuten. Wird darum die Auszeich¬ 
nung der Linienbuchstaben in Kursiv nicht besonders 
verlangt, so ist dies nur ein Vorteil für die Druckerei, 
es sei denn, daß der Verfasser die Schrift durch 
Unterstreichung genau angegeben hätte. Andernfalls 
wird es dem Setzer nicht leicht sein, in den Sinn 
seines Manuskriptes einzudringen. Hierzu ein paar 
Beispiele: „die blaue H-Linie bei G“; „die rote Linie 
a bei A gehört dem K an“. Im ersten Satze ist es 
besonders verführerisch, den Buchstaben H für eine 
Linienbezeichnung zu halten (ihn also gegebenenfalls 
Kursiv zu setzen), und doch ist gerade H das chemi¬ 
sche Symbol und G die Linie, denn der Satz besagt: 
die für das Wasserstoffspektrum charakteristische 
blaue Linie an der Stelle G der Spektrumseinteilung, 
also eine G-Linie von H (=Wasserstoff). Ebenso ist 
im zweiten Beispiel von einer roten Linie an der 
Stelle A die Rede, die für das K (= Kalium) charak¬ 
teristisch ist. Die Schwierigkeit wird noch dadurch 
erhöht, daß sogar Linienbuchstaben mit Zahlenindex 
Vorkommen können, wie D 1? E 2 usw., die den chemi¬ 
schen Formelbuchstaben aufs Haar ähnlich sind. Der 
beste Ausweg für die Druckerei ist also hierbei noch¬ 
mals: nichts Kursiv setzen, wenn es nicht besonders 
verlangt wird oder der Verfasser im Manuskript nicht 
seinen Willen deutlich zum Ausdruck gebracht hat. 

Noch seien auch einige Eigentümlichkeiten einer 
früheren Formelschreibweise erwähnt, deren Kennt¬ 
nis man bei geschichtlichen Abhandlungen oder bei 
gelegentlichen Zitaten aus älteren Werken bedarf, es 
sind dies erstensdiequerdurchstrichenen Symbole wie 
0, G, Fe usw. Ihrer bediente man sich in der Über¬ 
gangszeit, als man von der alten Formelschreibung 
zur neuen überging, um Mißverständnisse zu ver¬ 
meiden, da die alten Formeln auf die Äquivalente, 
die neuen auf die Atome Bezug nehmen. So schrieb 
man beispielsweise damals die Formeln 
für Wasser alt: HO, neu: H 2 0 
für Kupferchlorid alt: CuCl, neu: GuCI 2 usw. 
Da inzwischen die neue Schreibung durchgedrungen 
ist, ist das Durchstreichen der zweiwertigen Sym¬ 
bole überflüssig geworden. 

Anderseits wurde die Ersetzbarkeit des Wasser¬ 
stoffatoms durch Atome andrer Elemente in kleinen 
römischen Zahlen über oder bei den Symbolen aus- 

III IV v II 

gedrückt, z.B. Bi 111 ,C 1V ,P V ,Cu 11 oder Bi,C,P,Cu usw. 


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PRINCETON UNiVERSITY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Diese Angabe kommt auch heute noch in Lehr¬ 
büchern gelegentlich vor. Die römischen Zahlen 
müssen also wesentlich kleiner sein als die Symbole. 

Eine andre früher geübte Schreibweise betraf die 
Sauerstoff- und Schwefelverbindungen; es wurde in 
diesen Formeln nämlich jedes Mischungsgewicht 
Sauerstoff durch einen Punkt über dem Symbol des 
oxydierten Elements bezeichnet, jedes Mischungs¬ 
gewicht Schwefel aber durch einen Strich, so daß 
beispielsweise bedeutete: 

Gewichts- Gewichts¬ 
teile teile 

Fe (Eisenoxydul) 1 Fe und 1 O, jetzt: FeO 

C (Kohlensäure) IC und 2 O, jetzt: C0 2 

Mo (Molybdänsäure) 1 Mo und 3 O, jetzt: Mo0 3 

N (Salpetersäure- 2 N und 5 O, jetzt: N 2 0 5 

anhydrid) 

In gleicher Weise schrieb man die Formeln von 
Schwefelverbindungen Pb, As usw. Werden diese * 
und ' nur ausnahmsweise gebraucht, so wird sich ja 
der Setzer zu helfen wissen, kommen sie aber in 
einem mineralogischen, chemiegeschichtlichen usw. 
Werke häufig vor, so wird man heute wohl am be¬ 
quemsten auf Halbpetit-Halbgeviert gegossene ein¬ 
zelne Punkte und Striche verwenden, die gegebenen¬ 
falls auch als Akzente bei Transkriptionssatz noch 
anderweit gebraucht werden können. 

Zum Schlüsse mögen noch einige allgemeine Be¬ 
merkungen erlaubt sein. 

Auch die Fachsprache des Chemikers geht viel¬ 
fach auf griechische und lateinische Wortstämme zu¬ 
rück; zuweilen finden sich sogar beide für ein und 
dieselbe Stoff bezeichnung, so für Schwefel sowohl das 
griechische GeTov (in Trithionsäure, Tetrathionsäure 
usw.), wie das lateinische sulfur (in Sulfat, Sulfür, 
Sulfosäure usw.). Da jedoch viele dieser Wort¬ 
bestandteile immer wiederkehren, wenn auch in 
andern Zusammensetzungen, so ist mit einem ge¬ 
wissen kleinen Vorrat davon schon recht gut beim 
Manuskriptlesen zurechtzukommen. Es sei hier nur 
an einige der häufigsten erinnert: Acet, Amid, Amin, 
Alkyl, Allyl, Amyl, Äthyl, Methyl, Aldehyd, Anhy¬ 
drid, -azo-, Form-, Glyko-, Halo-, Hydro-, Hyper¬ 
oder Hypo-, Oxy-, Phen-, Phthal-, Pyro- usw. Ferner 
an Vorsilben wie: Iso-, Per-, Sesqui-, Sub-; sodann 
Ortho-, Meta-, Para- (auch o-, m-, p- gekürzt), sowie 
an die Bezeichnungen des multiplen Proportionsver¬ 
hältnisses : mono-, di-, tri-, tetra-, penta-, hexa-,hepta- 
(d. i. einfach, doppelt, drei-, vier-, fünf-, sechs-, 
siebenfach) usw. Ähnlich lautende Ausdrücke, wie sie 
für gewisse Metallverbindungen üblich sind, halte 
man wohl auseinander, so Cuprichlorid und Cupro- 
chlorid, Fernoxyd und Ferrooxyd usw. Daß endlich 
die Chlor-, Schwefel-, Phosphor-, Cyan- und andre 
Verbindungen Bezeichnungen mit verschiedener En¬ 
dung haben: Chloraf, Chlorid (neben Hypochlorit), 


Chlorür, Sulfat, Sulfid (neben Hyposulfit), Sulfür, 
Phosphat, Molybdat usw., ist ja ziemlich bekannt. 
Kommen einzelne Buchstaben vor, so sind diese am 
besten durch Divis mit dem übrigen Wort zu ver¬ 
binden: a-Monosulfosäure, ß-Naphthol, iy-Strophan- 
tin, desgleichen 1- und d-Capronsäure usw. 

Häufig werden vom Setzer derartige chemische 
Fachausdrücke nach Gutdünken abgeteilt und da¬ 
durch mitunter recht verwerfliche Trennungen ge¬ 
schaffen. Es ist aber nicht nur sachgemäß, sondern 
auch allgemein üblich, nur nach der Zusammensetzung 
der Worte (nicht nach Sprechsilben) zu trennen, 
zum Beispiel: 

Acet-par-amido-phenol-salicyl-säure-ester, Di- 
methyl-amido-azo-benzol,Imido-tetra-methyl-di- 
amido-di-phenyl-methan, Iso-butyl-ortho-kresol- 
jodid, Ortho- äth-oxy- ana-mono-benzoyl- amido- 
chinolin, Para-meth-oxy-benzoe-säure, Phenyl- 
di-methyl-pyr-azolon, Hexa-methyl-para-ros- 
anilin - violett, Ortho - sulf- amin - benzoe - säure- 
anhydrid, Tri-brom-aldehyd-hydrat usw. 

Innerhalb der einzelnen Bestandteile zu teilen ist 
bei längeren Zusammensetzungen zu vermeiden; be¬ 
sonders hüte man sich aber vor falschenZerreißungen 
wie Benza-nilin (statt richtig Benz-anilin), Cupria- 
cetat (statt Cupri-acetat), Paral-dehyd (statt Par- 
aldehyd), Chinaal-kaloide(China-alkaloide), Lymphal- 
bumin (Lymph-albumin),Amylal-kohol (Amyl-alkohol), 
Phena-cetin (statt Phen-acetin), Forma-mid (statt 
Form-amid); Dio-xyd, Subo-xyd, Metaar-senit (statt 
Di-oxyd, Sub-oxyd, Meta-arsenit) sind weitere üble 
Beispiele; ebenso leicht unterläuft das Bleich-romat 
(statt Blei-chromat), Mercurich-lorid (statt Mercuri- 
chlorid) u.v.a. 

Manche Chemiker haben die Gepflogenheit, sehr 
lange Bezeichnungen überhaupt in passender Zer¬ 
gliederung zu schreiben und die einzelnen Teile mit 
Divis zu verbinden, ohne deshalb immer wieder große 
Anfangsbuchstaben anzuwenden, zum Beispiel Allyl- 
oxymethylen-oxymethyl-benzol usw., woran natür¬ 
licherweise vom Buchdrucker nichts zu ändern ist. 

Was die Rechtschreibung betrifft, so bringt auch 
bei chemischen Werken die übertriebene Verwen¬ 
dung von K und Z bei ganz unbekannten Wörtern 
eine heillose Verwirrung, aus der sich oft Setzer und 
Korrektor gar nicht mehr herausfinden. Zudem ist 
eine solche vermeintliche Popularisierung, die oft 
weder vom Verfasser noch vom Verleger verlangt 
wird, ganz überflüssig, denn der Nichtgelehrte kann 
sich bei den mit K und Z geschriebenen Wörtern 
ebensowenig etwas vorstellen, als bei den mit C ge¬ 
schriebenen, und dem Gelehrten ist die C-Schrei- 
bung mindestens geläufiger und bequemer. Man ver¬ 
gleiche Zikutin und Cicutin, Zimizin- und Cimicin- 
säure, Karvakrol und Carvacrol usw. 


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PRINCETON UNIVERS1TY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Die Jansensche Rechtschreibung hat, was die Che¬ 
mie betrifft, diesen Mißstand etwas gemildert, indem 
sie für viele Wörter einen sicheren Anhalt gibt, vor¬ 
ausgesetzt, daß die wissenschaftliche Schreibung nach 
Jansen befolgt wird. Es ist hierbei noch zu erwähnen, 
daß mit dem Buchdrucker-Duden allein die Jansen- 
sche Schreibung nicht ohne weiteres durchgeführt 
werden kann, da manche Verweise fehlen. Kann doch 
auch vom Duden gar nicht verlangt werden, daß er 
das ganze Gebiet der wissenschaftlichen Fachaus¬ 
drücke erschöpfend behandelt. Soll nach Jansen 
(wissenschaftliche Schreibung) gesetzt werden, und 
der Setzer richtet sich nach dem Buchdrucker-Duden, 
so wird er z. B. die Jansensche Vorschrift Capron, 
Caprol, Capryl, Mercaptan, Mercaptid, Mercapto... und 
viele andre gar nicht beachten können, weil im Duden 


nur die K-Schreibungen Kapronsäure, Kaprylsäure, 
Mer/captan aufgeführt sind; auf die richtigen Jansen- 
schen Schreibungen Fructose, Silicid, Silicol kann er 
nur auf Umwegen kommen durch Rückschluß von 
den Hinweisen ° Fructification, ° Silicat, ° Silicium 
usw. Es ist also für diese Fälle immerhin ein Ori¬ 
ginal-Jansen notwendig. Jedenfalls ist für Chemie 
die wissenschaftliche Schreibung (mit C) noch zweck¬ 
mäßiger und wird weniger in Verlegenheit führen als 
die sogenannte volkstümliche Schreibung, die ja doch 
bei jedem der zahlreichen unbekannten Fachaus¬ 
drücke verläßt, und in die hinein dann die in solchem 
Falle wohl oder übel anzuwendende C-Schreibung 
der unbekannten Worte erst recht nicht paßt. Eine 
ausführliche Behandlung dieses Gegenstandes muß 
hier aus Raumrücksichten unterbleiben. 


Aus dem Deutschen Buchgewerbeverein. 


AS Deutsche Buchgewerbemuseum im zweiten 
IrlßfvB Viertel des Jahres 1908. Die bereits im vori- 
gen Berichte besprochene große Frühjahrs- 
Ausstellung Das neue deutsche Buch reichte noch in 
das zweite Vierteljahr hinein. Sie wurde erst am 
3. Mai geschlossen. Wie ihre Vorgängerinnen, so fand 
auch diese Ausstellung nicht nur in Leipzig selber, 
sondern auch außerhalb erfreuliche Beachtung. Von 
auswärtigen Besuchern seien genannt: die Lehrer 
der Königlichen Kunstgewerbeschule in Dresden 
Professor Naumann, Professor Müller und Erich 
Kleinhempel mit Schülern, der Direktor der Gro߬ 
herzoglichen Kunstgewerbeschule in Weimar Pro¬ 
fessor van de Velde mit Schülern und Schülerinnen, 
die Lehrer der I. Städtischen Handwerkerschule in 
Berlin Geisler und Sütterlin, der Direktor der Staat¬ 
lichen Kunstgewerbeschule in Hamburg Professor 
Meyer und der Direktor der Fachschule in Solingen 
Dr. Lüer. Auf Grund der Ausstellung Das neue 
deutsche Buch wurde die kleinere ständige moderne 
Abteilung des Museums weiter ausgebaut, zu wel¬ 
chem Zwecke uns einige Verlagsanstalten die er¬ 
forderlichen Werke in freundlicher Weise zur Ver¬ 
fügung stellten. 

Außer dieser größeren Ausstellung, die in den 
beiden Erdgeschoßsälen des Deutschen Buchgewerbe¬ 
hauses Platz gefunden hatte, veranstaltete das Museum 
noch mehrere kleinere. Dank der Freundlichkeit des 
Herrn Alfred Walter von Heymel in Bremen waren 
wir im April in der glücklichen Lage, seine kostbare 
Sammlung japanischer Farbholzschnitte vorzuführen. 
Die Ausstellung, der derhübsche Eckraum des zweiten 
Erdgeschoßsaales als Rahmen diente, gab einen vor¬ 
züglichen Überblick über die Geschichte dieses so 
anregenden Kunstgebietes. Zu Anfang sah man einige 
Schwarzdrucke primitiver Meister vom Beginn des 


18. Jahrhunderts, der Moronobu, Masanobu und 
Sukenobu, bei denen der Reiz ganz und gar im 
flüssigen Umriß liegt. Dann Blätter der Übergangs¬ 
meister, bei denen die Umrisse von der Hand mit 
Farben ausgefüllt sind. Schließlich Drucke in zwei, 
drei und mehr Farben. In den Blättern Harunobus, 
der besonders glänzend vertreten war, macht die 
schönfarbige Fläche dem Umriß den Rang streitig. 
In allen diesen Werken ist der Träger der Kunst die 
menschliche, weibliche Gestalt, bis sie sich in den 
Arbeiten der Höhenmeister vom Ende des 18. Jahr¬ 
hunderts, der Koriusai, Kijonaga, Tojokuni und vor 
allem Utamaros zum linearen und farbigen Ornament 
verflüchtigt. Diese so ganz und gar entnaturalisierte 
Kunst mußte neu in die Erde gesenkt werden. Ein 
neues Naturelement zieht ein zu künstlerischer Ver¬ 
arbeitung, die Landschaft und der Mensch als Masse: 
Hokusai und Hiroshige, mit denen man an die 
Schwelle unsrer Tage gelangt. Im Ausstellungs¬ 
räume war ein Lesekabinett eingerichtet, in dem die 
Hauptliteratur zu bequemer Einsicht auslag. 

Im Saale der alten Drucke waren von Anfang April 
bis Mitte Mai graphische und buchgewerbliche Arbeiten 
von Georg Tappert in Worpswede und Karl Weide¬ 
meyer in Bremen ausgestellt. Beide Künstler, die 
bereits auf der I. Graphischen Ausstellung des Deut¬ 
schen Künstlerbundes bei uns vor die Öffentlichkeit 
getreten sind, verstanden es, den guten Eindruck, 
den man damals von ihnen erhielt, durch diese um¬ 
fassende Ausstellung zu befestigen und zu mehren. 
Von Mitte Mai bis Ende Juni fand eine Ausstellung 
graphischer und buchgewerblicher Arbeiten von 
Professor Hans von Volkmann in Karlsruhe statt. 
Das vorliegende Heft bringt einen ausführlichen 
Bericht darüber. Auch diesen kleineren wie auch 
den ständigen Ausstellungen und sonstigen Samm- 


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PRtNCETON UNIVERSUM 




ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


lungen des Museums ward lebhafte Beachtung zuteil. 
Von auswärtigen Besuchern seien an dieser Stelle 
genannt: der Direktor der Bibliothek des Preußischen 
Abgeordnetenhauses in Berlin Professor Wolfstieg 
mit seiner Bibliothekarinnenschule, ferner, vom 
Schlüsse des vorigen Vierteljahres nachzutragen, 
Lehrer, Schüler und Schülerinnen der Königlichen 
Kunstgewerbeschule in Kasseh Als Stipendiatin der 
Schwedischen Regierung arbeitete Fräulein Lydia 
Skottsberg aus Stockholm längere Zeit in unsern 
Sammlungen. 

Im Aufträge des Deutschen Buchgewerbevereins 
hielt der Direktor des Museums im Laufe des Mai 
Lichtbildervorträge in den typographischen Vereini¬ 
gungen in Augsburg, Nürnberg und Berlin. Alle Vor¬ 
träge waren gut besucht, besonders gut der in Nürn¬ 
berg, wo dank der vortrefflichen Wirksamkeit der 
dortigen Typographischen Gesellschaft der große, 
400 Personen fassende Saal des Bayerischen Ge¬ 
werbemuseums bis auf den letzten Platz gefüllt war. 
Die Regsamkeit unsrer Nürnberger Freunde verdient 
es als Muster hingestellt zu werden. 

Eine schöne Freude ward dem Museum dadurch 
zuteil, daß ihm das Königliche Ministerium des 
Innern für die rege Ausstellungstätigkeit seine be¬ 
sondere Anerkennung aussprach. 

Der Deutsche Buchgewerbeverein in dem zweiten 
Vierteljahr 1908 . Am 17. Mai 1908 wurde die Oster¬ 
meß- und Jahresausstellung eröffnet, die infolge der 
regen Beteiligung der Verleger eine sehr umfang¬ 
reiche ist, daher ein sehr übersichtliches Bild über 
die im letzten Buchhändlerjahr (Kantate 1907 bis 
Kantate 1908) herausgegebenen hervorragenderen 
Neuerscheinungen bietet. Erfreulich ist der von Jahr 
zu Jahr steigende Besuch gerade dieser Ausstellung 
von hiesigen und auswärtigen Fachleuten, Bücher¬ 
freunden usw., wozu wohl der Umstand viel bei¬ 
tragen mag, daß alle Bücher offen zur Ansicht aus¬ 
liegen, wodurch für jedermann Gelegenheit geboten 
ist, sich über die Weiterentwicklung in der künstle¬ 
risch-technischen Buchausstattung unterrichten zu 
können. 

Das in Gemeinschaft mit der Königlichen Akademie 
für graphische Künste und Buchgewerbe veranstaltete 
Preisausschreiben zur Erlangung von Entwürfen zu 
künstlerisch geschmückten Besuchskarten hatte, wie 
schon der in Heft 6 des Archiv für Buchgewerbe er¬ 
schienene Aufsatz des Herrn Dr. Willrich mitteilte, 
im großen ganzen ein sehr gutes Ergebnis zu ver¬ 
zeichnen. Aus den eingegangenen 2043 Entwürfen 
wurden einschließlich der preisgekrönten und be¬ 
lobten insgesamt 464 Arbeiten ausgewählt, die nun 
als Wanderausstellung des Deutschen Buchgewerbe¬ 
vereins in verschiedenen deutschen Städten zur 
Schau kommen werden, und zwar erstmalig im 
Deutschen Buchgewerbemuseum zu Leipzig während 


des Monats September 1908. Dann wird die Aus¬ 
stellung im Oktober in der Kgl. Kunstgewerbeschule 
zu Dresden und im November 1908 in dem Kunst¬ 
salon von Amsler & Ruthard, Berlin gezeigt werden. 

Die Vorarbeiten für die vom Deutschen Buch¬ 
gewerbeverein auf der Internationalen Photographi¬ 
schen Ausstellung zu Dresden 1909 durchzuführende 
Gruppe II b Reproduktionstechnik nebst dazu gehö¬ 
render Industrie nahmen erhebliche Zeit in Anspruch. 
Die Bestimmungen und Anmeldungen für die ge¬ 
nannte Gruppe gelangten an alle in Betracht kommen¬ 
den Firmen zum Versand, von denen zum Teil schon 
erhebliche Anmeldungen vorliegen. Weiter wurden 
mit auswärtigen Herren wegen der Übernahme des 
Ehrenamtes als Arbeitskommissare eingehende Ver¬ 
handlungen gepflogen, die schon jetzt von einigen 
sehr erfreulichen Erfolgen begleitet waren. Für Öster¬ 
reich hat der frühere Vizedirektor der k. k. Hof- 
und Staatsdruckerei, Herr Regierungsrat Georg Fritz 
in Wien, für England der in Fachkreisen sehr be¬ 
kannte Herr E.O.HoppS in London, für das König¬ 
reich der Niederlande Herr W. H. Idzerda in Haag 
seine Mitarbeit zugesagt. Für die andern außer¬ 
deutschen Länder wird in nächster Zeit die Auf¬ 
stellung von Arbeitskommissaren erfolgen, die dann 
mit dazu beitragen werden, daß die von ihnen ver¬ 
tretenen Länder innerhalb der Gruppe Reproduktions¬ 
technik auf der Internationalen Photographischen 
Ausstellung Dresden 1909 sich würdig zeigen werden. 
Für Österreich sind für die Erzeugnisse der photo¬ 
mechanischen Anstalten drei große Zimmer vor¬ 
gemerkt. Es ist zu hoffen, daß auch die deutsche 
Reproduktionstechnik, sowie die für sie arbeitende 
Industrie die Bedeutung der Ausstellung durch recht 
umfangreiche Beteiligung anerkennen wird. 

Der Besuch des Deutschen Buchgewerbehauses 
war im letzten Vierteljahr ein ungemein starker. 
Außer den bei dem Bericht über das Buchgewerbe¬ 
museum genannten Personen besuchten verhältnis¬ 
mäßig viele auswärtige Buchdruckereibesitzer das 
Deutsche Buchgewerbehaus, um sich auf Grund 
der ausgestellten Maschinen über Neuerwerbungen 
schlüssig zu werden. Mancher dieser Besucher klagte 
darüber, daß er diese oder jene Maschine nicht im 
Deutschen Buchgewerbehaus finden könne. Möge 
diese Tatsache mit dazu beitragen, daß die deutschen 
buchgewerblichen Maschinenfabriken allmählich doch 
den Wert einer ständigen buchgewerblichen Maschi¬ 
nenausstellung höher einschätzen lernen als dies 
bisher der Fall war. 

Von den Besuchen, die dem Deutschen Buch¬ 
gewerbehause durch Vereine usw. abgestattet wurden, 
ist insbesondere derjenige der Angehörigen des fran¬ 
zösischen Buchgewerbes hervorzuheben, die unter 
Führung des Herrn Arthur Müller in Paris eine mehr¬ 
tägige Studienreise in Deutschland machten und dabei 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


auch am 17. Juni 1908 das Deutsche Buchgewerbe¬ 
haus besichtigten. In der Gutenberghalle wurde 
die Gesellschaft zunächst von dem Vorsitzenden 
des Vereins Leipziger Buchdruckereibesitzer, Herrn 
E. Haberland, in französischer Sprache begrüßt. Der 
I. Vorsteher des Deutschen Buchgewerbevereins, 
Herr Dr. L. Volkmann, bewillkommnete dann in 
deutscher Sprache die Gesellschaft und erläuterte 
in knappen Worten die Zwecke und Ziele des Deut¬ 
schen Buchgewerbevereins, sowie die Einrichtung 
des Deutschen Buchgewerbehauses. Nachdem Herr 
Bär, II. Vorsitzender des Deutschen Buchdruckerver¬ 
eins, die Erschienenen noch im Namen des genannten 
Vereins begrüßt hatte, wurden die französischen 
Herren unter fachkundiger Führung durch die Räume 


des Deutschen Buchgewerbehauses geleitet. Hierbei 
fehlte es nicht an anerkennenden und bewundernden 
Worten über das Gesehene. Am besten dürften die 
Eindrücke, die die französischen Berufsangehörigen 
in der Heimstätte des Deutschen Buchgewerbes ge¬ 
wonnen haben, aus den von einigen Herren in das 
Goldene Buch eingeschriebenen Worten hervorgehen: 
„Die Vertreter derjenigen Buchdrucker und andrer 
Angehörigen des französischen Buchgewerbes, die 
in einer Anzahl von 100 Personen unter Führung 
des Herrn Müller eine Studienreise in Deutschland 
machen, haben beim Besuch des Deutschen Buch¬ 
gewerbehauses die großartige und einzig dastehende 
Einrichtung des Deutschen Buchgewerbevereins 
kennen gelernt und bewundert.“ 


Buchgewerbliche Rundschau. 


Buch- und Schriftwesen. 

Schutz unsern Geistesdenkmälern. Schlimme Er¬ 
fahrungen mangelhafter Dauerhaftigkeit von Bibliotheks¬ 
büchern hatten die Kgl. Universitätsbibliothek in Berlin 
im Verein mit dem Kgl. Materialprüfungs-Amt in Gro߬ 
lichterfelde zu Untersuchungen einer größeren Anzahl 
von Druckpapieren von Werken und Zeitschriften, die in 
der Kgl. Universitätsbibliothek aufbewahrt werden, ver¬ 
anlaßt. Professor Herzberg , Vorsteher der Abteilung für 
papier- und textiltechnische Prüfungen im Kgl. Material¬ 
prüfungs-Amt hatte bereits vor einem Jahre in einem Auf¬ 
sätze „Die Zukunft unsrer Druckpapiere“ darauf hinge¬ 
wiesen, daß es sich bei der Frage der Ausdauerfähigkeit 
unsrer Druckpapiere um eine Kulturfrage von großer 
Bedeutung handle und einige besonders lehrreiche Prü¬ 
fungsergebnisse mitgeteilt. 

Die Ergebnisse der inzwischen abgeschlossenen Prü¬ 
fungen von 435 Papieren werden von Professor Herzberg 
in dem jetzt veröffentlichten Aufsatz „Schutz unsern 
Geistesdenkmälern“ in Heft 3, Jahrgang 1908 der Mit¬ 
teilungen aus dem Kgl. Materialprüfungs-Amt, Großlichter- 
felde-West, Verlag von Julius Springer, Berlin, woselbst 
auch Sonderabdrucke des Aufsatzes zu dem Preise von 
M 1.— zu haben sind, mitgeteilt und besprochen. 

Die Prüfungen erstreckten sich bei allen Papieren auf 
Art und Menge der Faserstoffe, sowie auf den Aschen¬ 
gehalt. Die Prüfung auf Widerstand gegen Falzen erlaubte 
das verfügbare Material bei 336, auf Festigkeit und Deh¬ 
nung nur bei 246 Papieren. 

In einer Tabelle sind die Versuchsergebnisse übersicht¬ 
lich zusammengestellt unter Angabe der Titel der Druck¬ 
werke, des Verlegers und des Jahres des Erscheinens. Es 
befinden sich darunter Druckwerke von 1489 bis herab zu 
solchen aus jüngster Zeit. Für die Deutung der Versuche 
war es nötig, sich auf einen kritischen Maßstab für die An¬ 
forderungen an Druckpapiere verschiedener Art zu stützen. 
Dementsprechend sind die in den Bestimmungen über 
das von den Staatsbehörden zu verwendende Papier vom 
28.Januar 1904 für die Eigenschaften von Druckpapieren, 
die bei den Reichsbehörden verwendet werden, geforderten 
Eigenschaften zur Grundlage der Vergleiche genommen. 


Danach wird für wichtige Drucksachen, die für dauernde 
Aufbewahrung bestimmt sind, Papier der Stoffklasse I, 
d. h. nur aus Lumpenfasern, gefordert, für weniger wichtige 
Drucksachen Papier der Stoffklasse III, d. h. von beliebiger 
Stoffzusammensetzung, jedoch unter Ausschluß von ver¬ 
holzten Fasern. Für beide wird die Festigkeitsklasse IV 
verlangt mit 3000 m Reißlänge, 2,5% Dehnung und einem 
Falzwiderstand, der mindestens 40 Doppelfalzungen bis 
zum Durchreißen erlaubt. Nur für Drucksachen, die zu 
untergeordneten Zwecken im täglichen Verkehr verwendet 
werden, wird Papier von beliebiger Stoffzusammensetzung 
(Stoffklasse IV), also auch aus verholzten Fasern, und be¬ 
liebiger Festigkeit zugelassen. 

Von den untersuchten Papieren waren nur 12 vom Hun¬ 
dert surrogatfrei (Stoffklasse I), 68 vom Hundert holzfrei 
(Stoffklasse III) und 20 vom Hundert holzhaltig (Stoff¬ 
klasse IV), d. h. nur 12 vom Hundert erfüllten die hin¬ 
sichtlich der Stoffzusammensetzung für die von den Be¬ 
hörden zu wichtigen Drucksachen verwendeten Papiere 
geforderten Bedingungen und gar nur 9 vom Hundert, 
wenn man die Papiere ausschaltet, die aus der Zeit 
stammen, wo man andre als reine Lumpenpapiere noch 
nicht kannte. Von den 68 vom Hundert ausmachenden 
Papieren der Stoffklasse III enthalten 49 vom Hundert mehr 
oder weniger Lumpen, 19 vom Hundert bestehen nur aus 
Zellstoffen. Bei den 20 vom Hundert ausmachenden 
Papieren der Stoffklasse IV schwankt der Holzschliffgehalt 
zwischen 5 und 8O°/ 0 und geht bei 7 vom Hundert der 
Papiere über die Hälfte der Fasermasse hinaus. 

Mineralische Füllstoffe, auf deren Vorhandensein man 
im allgemeinen bei einem Aschengehalt von mehr als 3% 
schließen darf, enthalten 93 vom Hundert der Papiere. Die 
füllstofffreien Papiere stammen meist aus der Zeit vor 
derVerwendungvon mineralischen Zusätzen. Die meisten, 
nämlich 57,7 vom Hundert der Papiere besitzen zwischen 
11 und 20% Füllstoffe, an zweiter Stelle kommen mit 24,1 
vom Hundert die zwischen 20 und 30% Aschengehalt ent¬ 
haltenden Papiere, 10,8 vom Hundert der Papiere besaßen 
Aschenrückstände zwischen 4 und 10%. 

Was die Festigkeitseigenschaften anlangt, so ist die Rei߬ 
länge von 3000 m erreicht bei 32,9 vom Hundert der Papiere, 


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PRINCETON UNIVERSITY 




ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


die Dehnung von 2,5% bei 35,8 vom Hundert derselben, 
beide Werte gleichzeitig erreicht sind nur bei 17,9, die Falz¬ 
zahl 40 ist erreicht bei 1,8 vom Hundert. Gleichzeitig er¬ 
reicht sind die Werte der Festigkeitsklasse IV für Rei߬ 
länge, Dehnung und Falzzahl nur bei 1,6 vom Hundert der 
Papiere. 

Dieses Ergebnis eröffnet uns, so schließt der Verfasser, 
„einen sehr betrübenden Ausblick auf die Haltbarkeit der 
untersuchten Druckwerke, denn auf die mangelhafte Festig¬ 
keit sind die schlechten Erfahrungen, die man bisher ge¬ 
macht hat, in erster Linie zurückzuführen, weit mehr als 
auf die Stoffzusammensetzung. Die durch diese Prüfung 
aufgedeckten Zustände sind derart besorgniserregend, daß 
alle beteiligten Kreise mit größtem Ernst an ihrer Beseiti¬ 
gung arbeiten sollten“. 

Hat seit 1887, dem Jahre, in dem A. Martens in dem 
Aufsatze „Druckpapiere der Gegenwart“ Prüfungen von 
Druckpapieren veröffentlichte, offenbar eine Besserung 
hinsichtlich der Stoffzusammensetzung stattgefunden—von 
den damals untersuchten Papieren waren 65 vom Hundert 
holzhaltig — so ist offenbar das rechte Verständnis für den 
Wert der nötigen Festigkeiteigenschaften in den Kreisen, 
die über die Wahl der Papiere zu entscheiden haben, noch 
nicht vorhanden. 

Professor Herzberg wirft auch die für Buchgewerbekreise 
praktisch wichtige Frage auf: „Welche Anforderungen soll 
man an die Papiere derjenigen Druckwerke stellen, die 
dauernden Wert haben und die man in Bibliotheken und an 
andern Stellen so lange als möglich in brauchbarem Zu¬ 
stande erhalten möchte?“ Er beantwortet sie für die wich¬ 
tigsten Gruppen von Druckwerken folgendermaßen. 

Selbständige Werke. Wichtige Bücher von dauerndem 
Werte sollen ausnahmslos auf Lumpenpapier mindestens 
von der Festigkeit der Klasse IV gedruckt werden. Ver¬ 
fasserweist daraufhin, daß der Käufer gern geringe Mehr¬ 
kosten tragen wird, wenn er dafür die Gewißheit der 
Dauerhaftigkeit hat. 

Für weniger wichtige und durch rasch aufeinander¬ 
folgende Neuauflagen bald veraltende Bücher, z. B. Schul¬ 
bücher, hält Verfasser teils holzfreies, teils holzhaltiges 
Papier der Festigkeitsklasse IV für am Platze. Für wohl¬ 
feile Klassikerausgaben und andre Bücher, die für Massen¬ 
verteilung bestimmt sind, dürfe man holzschliffhaltige 
Papiere dulden. Doch sollten Pflichtexemplare, die von 
Verlegern an Bibliotheken überwiesen werden und auch 
die von Bibliotheken angekauften Bücher aller Art auf 
holzfreies Papier der Festigkeitsklasse IV gedruckt werden. 

Für Zeitschriften and Fachschriften mit wissenschaft¬ 
lichem, künstlerischem und technischem Inhalte von 
dauerndem Werte sollte man in Zukunft nur holzfreies 
Material verwenden, nicht, wie dies bisher noch geschieht, 
holzhaltiges. 

Für Unterhaltungsschriften, die für die Leser meist nur 
vorübergehenden Wert besitzen, brauche man keine be¬ 
stimmten Forderungen für die Stoffzusammensetzung und 
die Festigkeit aufzustellen, auch nicht für die Tageszei¬ 
tungen. Doch solle man die in die Bibliotheken wandern¬ 
den Exemplare nicht nur von Unterhaltungsschriften, son¬ 
dern auch von Tageszeitungen auf holzfreies Papier der 
Festigkeitsklasse IV drucken, da voraussichtlich die in 
Bibliotheken aufbewahrten Exemplare einmal wichtige 
Quellen für die Kulturgeschichte bilden werden. 


Zum Schlüsse tritt Professor Herzberg mit einem Ge¬ 
danken hervor, dessen Verwirklichung eine Organisation 
der Kräfte bedeuten würde, die dafür einzutreten gewillt 
sind, daß unsern Geistesdenkmälern der dringend not¬ 
wendige Schutz zuteil werde: eine Vereinigung zum Schutz 
unsrer Geistesdenkmäler zu schaffen. 

Im Anschlüsse an die Herzbergsche Arbeit hat Dr. Jo¬ 
hannes Franke , Direktor der Königlichen Universitäts¬ 
bibliothek zu Berlin, unter dem Titel „ Eine ernste Gefahr 
für unsre Bibliotheken“ sich zu der gleichen Angelegenheit 
geäußert. 

Aus dieser Besprechung erfährt man den Hergang der 
Bewegung, die durch das Zusammenarbeiten der Biblio¬ 
theksleitung mit dem Kgl. Materialprüfungs-Amt eingeleitet 
worden ist. 

Ferner tritt der Verfasser tatkräftig für die von Professor 
Herzberg vorgeschlagenen Anforderungen ein. Nament¬ 
lich auch hinsichtlich der für Bibliotheken bestimmten 
Exemplare der Tagespresse unter Berufung auf die Äuße¬ 
rung namhafter Autoritäten. 

Der Verfasser bespricht noch besonders die Literatur 
der auf holzhaltigem Papiergedruckten Veröffentlichungen, 
unter der sich inhaltlich hochwertvolle wissenschaftliche 
Zeitschriften befinden. 

Mit der Besprechung der Maßregeln, die zur Abwehr 
der vorhandenen Gefahr zu ergreifen sind, schließt Herr 
Dr. Franke seine Ausführungen. Sie gipfeln darin, daß 
jede nacheinander an der Herstellung eines Buches be¬ 
teiligte Stelle von der vorhergehenden die nötige Bürg¬ 
schaft verlangen müßte, daß das Papier den gerechter¬ 
maßen gestellten Bedingungen entspricht. Als Erkennungs¬ 
mittel empfiehlt er die Benutzung von Wasserzeichen. 

Auch Herr Dr. Franke tritt für die Schaffung einer 
Organisation von Vertretern aller beteiligten Kreise ein, 
die dauernd die Angelegenheit überwacht, und zählt be¬ 
reits die der Organisation zufallenden sehr wichtigen Auf¬ 
gaben auf. Kl. 

Schriftgießerei. 

Schriftprobenschau. Unter dem Titel Mainzer Serie 
hat die Firma H. Berthold A.-G. in Berlin und Bauer & Co. 
in Stuttgart ein Heft herausgegeben, das die zahlreichen 
Grade der schönen Mainzer Fraktur in magerem und halb¬ 
fettem Schnitt vorführt. In den verschiedensten Anwen¬ 
dungen, die das Heft enthält, wird wiederholt die vielseitige 
Verwendbarkeit der Mainzer Fraktur gezeigt und zwar in 
Verbindung mit Initialen und Ornamenten. Von einer aus¬ 
führlichen Besprechung des Heftes muß ich absehen, da 
die Schönheit und der Wert der vorgeführten Erzeugnisse 
von mir an dieser Stelle schon eingehend gewürdigt worden 
ist. Das Heft enthält auch eine Mainzer Gotisch, die als 
etwas durchaus Neues nicht bezeichnet werden kann, da 
schon einige Vorläufer vorhanden sind. Die Schrift ist 
aber dekorativ von sehr klarem Schnitt, so daß auch die 
kleinen Grade noch gut lesbar sind. 

Die Firma Gebr. Klingspor in Offenbach a.M. hat einen 
ganz vorzüglich ausgestatteten Quer-Quartband mit zahl¬ 
reichen Bildern vom Rhein und der Mosel herausgegeben, 
die in einem rahmenförmigen Schmuck untergebracht sind. 
Die von J.V.Cissarz gezeichneten Bildergeben die Haupt¬ 
punkte des Rheins und der Mosel ungemein stimmungsvoll 
wieder. Der ganze Reiz der Städte, Burgen und Land¬ 
schaften wird in einfacher Stricbmanier so fein, so zart 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


wiedergegeben, daß die Bilder die ganze Schönheit einer 
Radierung besitzen. Gleich vortrefflich sind auch die un- 
gemein wirkungsvollen Rahmenornamente) die sich aus¬ 
gezeichnet den Bildern anpassen) die als Vorbilder für 
Buchschmuck dienen können. Ich zweifle nicht, daß die 
neuesten Schöpfungen des Buchkünstlers J. V. Cissarz 
und der verdienstvollen Firma Gebr. Klingspor die wohl¬ 
verdiente Anerkennung finden und dem Bücherfreund 
auch recht häufig auf geeigneten Drucksachen begegnen 
werden. 

Die Lettergierij Amsterdam voorheen N. Tetterode in 
Amsterdam hat ein Heft übermittelt, in dem eine Serie 
Holländischer Ornamente, entworfen von S. H. de Roos, 
gezeigt wird. Es ist erfreulich, daß die Firma auch Künstler 
zur Mitarbeit heranzieht, aber trotzdem können die Orna¬ 
mente meinen vollen Beifall nicht finden. Sie bieten durch¬ 
aus nichts Neues, Selbständiges, ja einzelne Figuren sind 
für Reihungen viel zu schwer und kräftig. Auf alle Fälle 
aber beweist mir die Probe, daß die deutschen Schrift¬ 
gießereien schon seit langer Zeit viel schönere und 
bessere Ornamentserien geschaffen und in den Handel 
gebracht haben. 

Die Schriftgießerei und Messinglinienfabrik A. Numrich 
& Co. in Leipzig zeigt auf mehreren Quartblättern ein neues 
Erzeugnis, eine Universal-Steinschrift, dem eine gewisse 
Eigenart ohne weiteres zuerkannt werden muß, obgleich 
die gut lesbare und wirksame Schrift nicht gerade etwas 
hervorragend Neues ist. Sie wird aber zu Sätzen jeder 
Art passende Verwendung finden. Die zur Universal-Stein¬ 
schrift geschaffenen Initialen müssen leider als wenig 
gelungen bezeichnet werden, denn den darin vorkommen¬ 
den Kartuschen mangelt die Einheitlichkeit, wodurch die 


ganze Serie unwillkürlich eine unruhige, unkünstlerische 
Wirkung ausüben muß. 

Von der Firma Wilhelm Wocllmers Schriftgießerei in 
Berlin liegen eine ganze Reihe von Proben vor, unter 
denen diejenige mit Anwendungsbeispielen der Marquis- 
Einfassung die Hauptneuheit bildet. Die zur Bildung von 
Leisten, Umrahmungen, Schildern usw. bestimmten Stücke 
werden in der täglichen Arbeit sich ob ihrer guten und 
leichten Verwendbarkeit bald einer großen Beliebtheit 
erfreuen. Ob dies aber für die künstlerisch-technische 
Druckausstattung von besonderem Vorteile sein wird, 
möchte ich bezweifeln. Weiteres Ziermaterial sind die in 
dem Hefte Dekor bemusterten Ornamente, unter denen 
sich auch die auf besonderem Blatte gezeigten Modernen 
Punktmotive befinden. DieeinzelnenStückedesSchmuckes 
Dekor erscheinen in ihren Formen etwas sehr gesucht, 
welcher Eindruck aber auch vielleicht durch die etwas zu 
starke Verkleinerung hervorgerufen werden kann. Das 
Material erscheint recht verwendbar. Sehr gut und brauch¬ 
bar sind die modernen Geviertstücke und die modernen 
Geviertlinien in Messing, ein ganz einfacher Schmuck, der 
bei geschickter und sparsamer Anwendung seine Wirkung 
nicht verfehlen wird. Die in einem Sonderheft gezeigte 
Lessing-Antiqua habe ich bereits früher besprochen, so 
daß ich heute nur die gute Ausstattung des Heftes hervor¬ 
zuheben habe. Ein näheres Eingehen auf die halbfette 
Woellmer-Antiqua muß ich unterlassen, da ich auch dieses 
Erzeugnis der Firma Woellmers Schriftgießerei bereits 
entsprechend gewürdigt habe. Die auf einigen Blättern 
bemusterten Deutschen Reichsadler, Graphischer Adler 
und Graphische Vignetten sind brauchbare Gegenstände 
für die tägliche Arbeit. Chronos. 


Aus den graphischen Vereinigungen. 


Altenburg. Die Mitglieder der Graphischen Vereinigung 
hatten am 11. Juli 1908 Gelegenheit, eine Rundsendung, 
enthaltend 18 Diplomentwürfe der Berliner Typographi¬ 
schen Gesellschaft, in Augenschein zu nehmen. Die Auf¬ 
gabe, einen brauchbaren, den modernen Grundsätzen 
entsprechenden Entwurf für ein Ehrendiplom mit umfang¬ 
reichem Text anzufertigen, dürfte wohl von jedem Fach¬ 
mann als eine nicht leichte bezeichnetwerden. Um so mehr 
verdient hervorgehoben zu werden, daß fast sämtliche 
eingelieferten Arbeiten als vorzügliche Lösungen angesehen 
werden müssen. Der beigegebene Bericht der Preisrichter 
(Münchener Typographische Gesellschaft) trägt infolge 
seiner vortrefflichen Durcharbeitung und seiner eine tüch¬ 
tige Fachkenntnis bekundenden Abfassung mit dazu bei» 
daß diese Rundsendung nicht nur besehen wird, sondern 
aus ihr von dem aufmerksamen Fachgenossen auch für 
die Praxis gelernt werden kann. Die Versammlung be¬ 
schloß, sich dieses Jahr wieder am Küttnerschen Johannis- 
festdrucksachen-Austausch zu beteiligen. Die von der Leip¬ 
ziger Typographischen Vereinigung zugesagte Postkarten¬ 
ausstellung soll gelegentlich der 25jährigen Jubelfeier des 
Altenburger Ortsvereins im Verband der Deutschen Buch¬ 
drucker zur Schau kommen. — Auf das Preisausschreiben 
zur Erlangung von Skizzen für ein Programm, sowie für 
den Umschlag zur Gedenkschrift anläßlich des 25jährigen 
Bestehens des Ortsvereins Altenburg im Verband der 


Deutschen Buchdrucker sind insgesamt 46 Arbeiten ein¬ 
geliefert worden. -o-. 

Berlin. In der Typographischen Gesellschaft spraeh ein 
als Autorität bekannter Berliner Gelehrter über mathe¬ 
matischen Satz. An zahlreichen Beispielen zeigte er, mit 
wie wenig Verständnis bei diesen Arbeiten oft verfahren und 
wie wenig Gewicht darauf gelegt werde, daß die mathe¬ 
matischen Formeln sachgemäß gesetzt sind und den 
Ansprüchen genügen, die in bezug auf Übersichtlichkeit 
und bequeme Lesbarkeit gestellt werden müssen. Beson¬ 
ders bedauerlich sei es, wenn ein mathematisches Werk, 
wie dies bei der weit verbreiteten Sohnckeschen Samm¬ 
lung von Aufgaben in der Differentialrechnung geschehen 
sei, in der ersten Auflage mit Sorgfalt, Sachverständnis und 
geeignetem Material hergestellt worden sei, während eine 
20 Jahre später erschienene folgende Ausgabe das Gegen¬ 
teil davon zeige. Das schöne Aussehen des mathematischen 
Satzes sei keineswegs eine Luxussache, es erleichtere das 
Lesen, während unzweckmäßige Anordnung leicht zu Feh¬ 
lern führe. Durch Zeichnungen an der Tafel veranschau¬ 
lichte der Vortragende die richtige Darstellung gebräuch¬ 
licher Formeln und ging mit großer Bereitwilligkeit darauf 
ein, Fragen aus der Praxis zu beantworten. Im Anschluß 
an den sehr lehrreichen Vortrag beschloß die Gesellschaft, 
ihre technische Kommission möge sich, unter Verstär¬ 
kung durch sachkundige Setzer, die Ausarbeitung einer 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


modernen Anforderungen entsprechenden Anleitung zum 
mathematischen Satz zur Aufgabe machen und ihr Manu¬ 
skript vor dem Druck einem Fachgelehrten zur Durchsicht 
vorlegen. — In der zweiten Sitzung des Monats Juni gab 
Herr Georg Wagner einen Bericht über die aus Anlaß des 
Besuches der französischen Buchdruckereibesitzer und 
Papierindustriellen veranstaltete Ausstellung von Berliner 
Drucksachen und mit Genehmigung der Schulleitung zur 
Schau gestellten Arbeiten von Schülern der Fachklasse 
für Typographen an der I. Berliner Handwerkerschule. In 
bezug auf die Drucksachen konnte er nur bedauern, daß 
die Bemühungen zur Erlangung solcher Arbeiten so wenig 
Erfolg gehabt hatten, so daß nur eine geringe Anzahl aus 
der großen Menge von Firmen, welche Gutes leisten, bei 
der Ausstellung zur Geltung kam. Eine besondere Ber¬ 
liner Spezialität, die illustrierten Kataloge, war nur durch 
wenige Exemplare vertreten und auch diese waren nicht 
alle von Druckereien, sondern infolge besondern Ersuchens 
von den Auftraggebern eingesandt worden. Selbst die 
großen Berliner Tageszeitungen hatten die für die Aus¬ 
stellung erbetenen Exemplare nicht alle eingeschickt, so 
daß sie der Vollständigkeit wegen in letzter Stunde gekauft 
werden mußten. Der Ausstellung der Schülerarbeiten, 
aus den Fachklassen der I. Handwerkerschule, unter denen 
sich eine große Zahl tüchtiger Leistungen befand, widmete 
der Berichterstatter eine eingehende Behandlung und hob 
die Verdienste der Lehrer, die zum Teil Mitglieder der 
Typographischen Gesellschaft sind, gebührend hervor. In 
dem anschließenden Meinungsaustausch wurde bedauert, 
daß die einflußreichen Stellungen in den Druckereien noch 
so oft von Nichtfachleuten eingenommen werden, während 
es doch im Interesse des Gewerbes liege, daß der Fach¬ 
mann den maßgebenden Einfluß ausübe. Es wurde darauf 
hingewiesen, daß die Fachklassen auch Gelegenheit bieten, 
sich in der Kalkulation auszubilden sowie sonstige kauf¬ 
männische Kenntnisse anzueignen. B. 

Breslau. In der Typographischen Gesellschaft berichtete 
am 3. Juni 1908 Herr Schuttes über den letzten Wettbewerb 
des Arbeitsplanes, der ein Oktavzirkular betraf. Er tadelte 
hierbei die schwache Beteiligung der außerhalb der Fach¬ 
klasse stehenden Berufsangehörigen. Auf eine Anfrage 
hin wird beschlossen, die Bewertung der eingegangenen 
Arbeiten durch eine Kommission erfolgen zu lassen. 
Ferner wurden die Bedingungen zur Erlangung von Ent¬ 
würfen zu einerjohannisfestkarte bekannt gegeben, deren 
Bewertung ebenfalls durch eine Kommission erfolgen soll, 
in die sieben Herren gewählt wurden. — Am 17.Juni 1908 
berichtete zunächst Herr Alfred Richter über eine Rund¬ 
sendung des Graphischen Klubs in Stuttgart, die Stutt¬ 
garter Illustrationsdrucke enthielt. Der Berichterstatter 
zollte den Arbeiten unumwundene Anerkennung. Hierauf 
erstattete Herr Schmidt im Namen der Kommission Be¬ 
richt über den Wettbewerb betreffend Oktavzirkular. Die 
Aufgabe sei ziemlich gut gelöst worden, nur der Text sei 
oft sehr willkürlich abgefaßt, auch passe die oft angewandte 
Spitzengruppierung nicht für ein Zirkular. G-e. 

Chemnitz. In dem Typographischen Klub fanden in den 
letzten Monaten mehrere Vorträge statt. Es sprachen: am 
28. April 1908 Herr Faktor Reimer über: Übereinstimmung 
von Linie und Form, am 10. Mai Herr Oberlithograph Geil 
über: Wie beurteilt man den künstlerischen Wert der 
Schriften und am 23. Juni Herr Faktor Reimer über: Die 


Sprache der Linie. — Am 26. Mai wurde eine Rundsendung 
des Verbandes der Deutschen Typographischen Gesell¬ 
schaften, enthaltend Diplomentwürfe der Berliner Typo¬ 
graphischen Gesellschaft, ausgestellt und besprochen. 
Belobt wurde die enorme Arbeitsleistung der Teilnehmer, 
ferner das von der Münchener Typographischen Gesell¬ 
schaft gefällte Bewertungsurteil als richtig anerkannt. 
Als Sommeraufgabe wurde die Anfertigung eines Entwurfs 
zu einem Briefkopf für den Gauvorstand bestimmt, gr. 

Halle a.S. In der Hauptversammlung der Graphischen 
Vereinigung wurden von verschiedenen Mitgliedern Wün¬ 
sche und Hoffnungen geäußert, die darauf abzielten, die 
ziemlich brach liegende Tätigkeit in ein andres Fahrwasser 
zu bringen, die Leitung etwas reger zu gestalten und 
die Interessen zur Weiterbildung der Mitglieder zu 
heben. Als Vorstandsmitglieder wurden sodann gewählt: 
F. H. Müller, Vorsitzender; Paul Herbst, Schriftführer; 
E. Sorgatz, Kassierer; O. Kunter und E. Knoop, Beisitzer. 
— In der Sitzung, die am 26. Mai 1908 stattfand, gelangte 
eine Neuerung zur Durchführung, indem eine Druck- 
sachen-Prüfungskommission gebildet wurde, die lokale 
graphische Erzeugnisse auf ihren technischen und künst¬ 
lerischen Wert prüfen und beurteilen, sowie Wettbewerbe 
und Preisausschreiben bewerten soll. Ihre erste Tätigkeit 
war die Bewertung der eingegangenen Entwürfe zu einer 
Karte, sowie zu einem Zeitungskopf für das Johannisfest 
des Ortsvereins des Verbandes der Deutschen Buch¬ 
drucker. Es erhielten: a) für die Karte: Otto Ackermann, 
I.Preis, O. Ziegler, II. Preis; b) für den Zeitungskopf: Otto 
Ackermann, I.Preis, O. Kunter, II. Preis. Die eingegangenen 
Entwürfe zeigten für die Bildung von Flächen großes Ver¬ 
ständnis, das aber noch weiter ausgebaut werden muß. — 
Am lO.Juli fand die erste Ausstellung statt, in der die Rund¬ 
sendung der Buchdruckerwoche, enthaltend Anzeigenent¬ 
würfe, ferner Schriftgießereineuheiten und Entwürfe des 
Johannisfest-Wettbewerbes zur Schau gestelltwaren. Vidi. 

Hamburg. Der erste Vereinsabend, den die Typogra¬ 
phische Gesellschaft im Juni abhielt, brachte einen sehr 
lehrreichen Vortrag des Herrn Professor Richard Meyer , 
Direktor der Staatlichen Kunstgewerbeschule, über: Die 
Buntpapiere und ihre Herstellung, der durch eine Aus¬ 
stellung von Vorsatzpapieren aus alter und neuer Zeit er¬ 
läutert wurde. Die aus dem 17. und 18.Jahrhundert stam¬ 
menden handgefertigten Vorsatzpapiere bewiesen durch 
ihre schönen Muster und vornehme Farbengebung, daß 
unsre alten Papiermacher ihre Kunst verstanden haben 
und Wert auf ein hübsches Vorsatzpapier legten. Die 
maschinell hergestellten Vorsatzpapiere wirken durch die 
stete Wiederholung der Motive meist langweilig und reiz¬ 
los. Der Vortragende erläuterte in klaren Ausführungen 
die Herstellung der verschiedenen Buntpapiere, auch 
zeigte er zum Schluß praktisch die Erzeugung der Vorsatz- 
Kleisterpapiere. — Am 24.Juni fand eine Ausstellung und 
Besprechung der aus einem Preisausschreiben hervor¬ 
gegangenen Entwürfe zur diesjährigen Johannisfestkarte 
statt. Die Bewertung der eingegangenen 146 Entwürfe hatte 
der Graphische Klub in Stuttgart übernommen. Die vier 
Preise erhielten: Herr Paul Kempin, I. Preis; Herr Franz 
Riedel, Il.Preis; Herr Emil Reher, III.Preis und Herr Georg 
Horstmann, IV. Preis. Außerdem wurden noch einige 
ehrende Anerkennungen und lobende Erwähnungen erteilt 
Am 28.Juni waren die Arbeiten öffentlich im Vereinslokal 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


ausgestellt. — Als Aufgabe für die Ferien ist ein Preisaus¬ 
schreiben für ein Exlibris erlassen worden, dessen Ergebnis 
durch die Mitglieder der Typographischen Gesellschaft 
Mönchen bewertet werden soll. Fp. 

Leipzig. Die diesjährige Frühjahrsmesse hatte Herrn 
Wetzig veranlaßt, eine große Zahl Empfehlungs- und Ge¬ 
schäftskarten auswärtiger Aussteller im Städtischen Kauf¬ 
haus zu sammeln, die er in der am 3. Juni 1908 stattge¬ 
fundenen Sitzung der Typographischen Gesellschaft einer 
beurteilenden Besprechung unterzog. Aus den Karten war 
vornehmlich derGeschäftssinn des Kaufmanns und weniger 
die Absicht zu ersehen, auch eine geschmackvolle Druck¬ 
sache zu bieten. Die Formate schwankten zwischen Visit 
bis zu Kleinoktav. Weißer Karton war bevorzugt, der Druck 
fast durchgehends schwarz, nur selten mehrfarbig. In der 
Satztechnik war zumeist der Dreizeilenfall angewandt, ganz 
vereinzelt die Block- oder Trichterform. Neben den Me߬ 
karten waren auch ältere und gute moderneGeschäftskarten 
ausgestellt. An der Hand dieser ging der Berichterstatter 
auf die Entwicklung und den Zweck der Geschäftskarte ein. 
Bewährte moderne Karten zeigten kräftige, schöne Schriften 
in einfacher, geschlossener Zeilengruppierung, die Me߬ 
karten hingegen vorherrschend dünne Schriften sezessio- 
nistischen Charakters in freier, unschöner Textanordnung. 
Auf Grund der großen Zahl gesammelter Karten aus vielen 
Orten Deutschlands und des dabei erzielten ungünstigen 
typographischen Ergebnisses, kann vielleicht von einem 
Abwärtsgehen in der Ausstattung der Geschäftkarte ge¬ 
sprochen werden. Hierauf gab Herr Schwarz noch eine 
technische Erklärung über das Wort Kegel, wie es der 
Buchdrucker und Schriftgießer anwendet, sowie über die 
Unterschiede in den verschiedenen Ländern. — In der 
Sitzung vom 17.Juni sprach Herr Kuttner über: Der deut¬ 
sche Buchdruckertarif und die technische Entwicklung des 
Buchdruckgewerbes. Die wesentlichen technischen Ver¬ 
änderungen, die sich im Laufe der letzten Jahrzehnte im 
Buchgewerbe Eingang verschaflFt hatten, bedingten eine 
Berücksichtigung im Tarif, um für die einzelnen Arbeiten 
einen Anhalt zur Bewertung zu haben. Auch die Einzel¬ 
branchen, die Sparten, spiegeln ihre beruflichen Sonder¬ 
interessen — je nach Verhältnis — im Tarif wieder. B-r. 

Leipzig. In der Juni-Sitzung der Typographischen Ver¬ 
einigung teilte der Vorsitzende mit, daß zu dem Preisaus¬ 
schreiben zur Erlangung von Vereinsdrucksachen (Brief¬ 
bogen, Briefumschlag und Postkarte) 44 Entwürfe ein¬ 
gegangen sind, die dem Graphischen Klub in Stuttgart zur 
Bewertung übersandt wurden. Herr Schuster berichtete 
sodann über die von ihm und Herrn Dreßler geleiteten 
Skizzierkurse, in denen, trotz der Lauheit vieler Teil¬ 
nehmer, vorzügliche Arbeiten geliefert worden seien. An 
diesen Bericht knüpfte sich eine lebhafte Aussprache. 
Am 28. Juni besichtigte eine größere Anzahl Mitglieder 
das Fernsprechamt. G-h. 

München. Die ordentliche Generalversammlung der 
Typographischen Gesellschaft, die am 17Juni 1908 abgeh alten 
wurde, wies einen sehr guten Besuch auf. Herr Friedrich 
Sommer berichtete über den Verlauf und die Ergebnisse 
des von ihm im abgelaufenen Halbjahre geleiteten Skizzier-, 
Zeichen- und Kolorierkursus, der in einem Lehrsaale des 
Rosentalschulhauses an wöchentlich zwei Stunden abge¬ 
halten wurde und mit Übungen im Schriftschreiben mit 
Quellstift und Rundschriftfeder begann. Geübt wurde 


eine einfache deutsche (eigentlich mehr Bastard-) Schrift 
und eine Lapidartype, beide in enger, normalbreiter und 
breiter Zeichnung. Daran schloß sich die Anfertigung 
einfacher Titel- und Akzidenzentwürfe, welchen reicher 
ausgestattete farbige Entwürfe folgten. Die Aufgaben 
waren stets gemeinsame und so angelegt, daß sie mitein¬ 
ander ein Heft mit selbstentworfenem Umschlag, Titel, 
Übungsblättern usw. füllen. Im Kolorierunterricht wurden 
Tafeln mit den Erst-, Zweit- und Drittfarben in größeren 
Flächen und ein vielteiliger Farbenkreis hergestellt. Die 
ausgestellten Unterrichtsergebnisse sind sehr erfreuliche 
und zeugen von dem Können des Lehrers, wie von dem 
großen Fleiße derjenigen 12 Schüler, die von 46 Teil¬ 
nehmern bis zum Schlüsse ausgehalten haben. Hierauf 
erstattete der erste Vorsitzende den Jahresbericht, der ein 
erschöpfendes Bild reger Tätigkeit bot; der gedruckt vor¬ 
liegende Kassenbericht wies ein Bankguthaben von 700 M 
und einen Barbestand von 233.29 M aus. Bei der Vorstands¬ 
wahl zeigte sich erfreulicherweise keine große Amtsmüdig¬ 
keit, so daß die führenden Personen in ihren Ämtern 
verbleiben. Einige von Vorstandsseite beantragte Satzungs¬ 
änderungen und der Antrag eines Mitgliedes, dem Gesamt- 
vorstande für seine Mühewaltung von nun an eine jährliche 
Remuneration zu bewilligen, lösten eine rege Aussprache 
aus, die schließlich zur Annahme sämtlicher Anträge 
führte. Den Preisträgern des Diplomwettbewerbes der 
Gesellschaft wurde das preisgekrönte und nunmehr in der 
Hausdruckerei der Schriftgießerei E. J. Genzsch herge¬ 
stellte Diplom überreicht. — Der Johannistag, ein Mün¬ 
chener Buchdruckerfeiertag, führte etwa 60 Mitglieder 
nach Augsburg zum Besuche der dortigen Maschinenfabrik. 
Die Besichtigung der in vollem Betriebe befindlichen 
Fabrik unter Führung mehrerer Beamten und das darauf¬ 
folgende von der Fabrik dargebotene Frühstück füllten den 
Vormittag aus. Nach dem gemeinschaftlichen Mittagessen 
fand ein Ausflug nach Siebentisch statt. Der Abend ver¬ 
einigte die Münchener mit der Augsburger Schwester¬ 
gesellschaft und dem größten Teile der Augsburger 
Kollegenschaft zu einem fröhlichen Beisammensein, wobei 
der Augsburger GesangvereinTypographia und dessen Ver¬ 
einsorchester ihr Bestes zur Unterhaltung gaben, -m-. 

Offenbach a. M. Die Graphische Vereinigung hat, seit¬ 
dem von ihr an dieser Stelle zum letzten Male berichtet 
wurde, eine rege Arbeit erledigt. Die Generalversammlung 
am 13. September 1907 wählte den seitherigen Vorstand 
wieder und konnte von dem Kassierer hören, daß die Kasse 
einen Bestand von etwa M 200.— aufwies. Von den Ver¬ 
anstaltungen ist der Vortrag des Herrn Julius Wernicke 
über: Das Ornamentieren von Buchdruckarbeiten beson¬ 
ders zu erwähnen. Am 1. März 1908 wurde die Lehr- und 
Versuchsanstalt Klimsch & Co. in Frankfurt a. M., am 
22.März das Frankfurter Kunstgewerbemuseum besucht, in 
dem Entwürfe aus verschiedenen Preisausschreiben der 
Monatshefte für graphisches Kunstgewerbe ausgestellt 
waren. Die größte Veranstaltung der Graphischen Ver¬ 
einigung war die Abhaltung eines von Herrn Gustav Rath 
geleiteten Farbenmischkurses. Für dieTypographische Ver¬ 
einigung Mainz wurde eine Sammlung von Entwürfen zu 
Neujahrskarten bewertet. An Ausstellungen fanden statt: 
Arbeiten aus der Praxis, gefertigt von Fr. Fischer; Natur¬ 
studien des Herrn Bildhauer Wilhelm Kurz; Dreifarben¬ 
drucke von Dr. E. Albert & Co., München; Reedereidruck- 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Sachen; Entwürfe der typographischen Vereinigungen in 
Breslau, Mainz und Mannheim-Ludwigshafen. Ein von 
der Graphischen Vereinigung veranstaltetes Preisaus¬ 
schreiben zur Erlangung einer Mitgliedskarte brachte 
26 Entwürfe, die von der Typographischen Vereinigung 
Leipzig bewertet wurden und dem Verband der Deutschen 
Typographischen Gesellschaften zu einer Rundsendung 
überlassen werden. -sch-. 

Posen. In der Sitzung, die der Buchdrucker-Fachverein 
am 11. Juli 1908 abhielt, wurden zunächst verschiedene 
Neueingänge, sodann eine Rundsendung des Verbandes 
der Deutschen Typographischen Gesellschaften, enthaltend 
Neujahrskarten 1908, besichtigt und besprochen. Bei der 
notwendig gewordenen Vorstandsersatzwahl wurde Herr 
Hiob als II. Sachverwalter, Herr Radke als Mitglied der tech¬ 
nischen Kommission gewählt. Bei den technischen Erläu¬ 
terungen wurde geltend gemacht, daß beim Umbrechen 
von Werken bei Kolumnenanfängen möglichst die Eingänge, 
beim Schluß der Kolumnen aber die Ausgänge vermieden 
werden sollen. Beim Satz von Programmen sollen die 
Namen der Vortragenden nicht wie üblich in die Mitte ge¬ 
schlossen, sondern vorn gleichmäßig eingezogen werden. 

Zittau. Die Graphische Vereinigung veranstaltete am 
20. Juni 1908 eine Klingspor-Ausstellung. Von den vor¬ 
geführten prächtigen Drucken erweckten ganz besonderes 


Interesse die aus Hupps Liturgisch gesetzten Adressen 
und Wandsprüche. — In der Sitzung am gleichen Tage 
wurde das Ergebnis eines Wettbewerbs für den Titel eines 
Johannisfest-Tafelliedes bekannt gegeben. Den I. und 
III. Preis erhielt Herr Hille, den II. Here Spindler, lobende 
Erwähnungen die Arbeiten der Herren Junker, Meichsner 
und Spindler. Die Wertung der 26 eingegangenen Arbeiten 
hatte die Typographische Gesellschaft in Nürnberg vor¬ 
genommen, die in dem beigegebenen Berichte das von 
großem Fleiße und technischem Können der Mitglieder 
zeugende Gesamtergebnis besonders hervorhob. Ferner 
lag eine Rundsendung des Verbandes der Deutschen 
Typographischen Gesellschaften (Hamburger Skizzen) 
aus, bei der von einem vorbildlichen Werte nicht mehr 
die Rede sein konnte und die daher besser aus dem Ver¬ 
kehr gezogen würde. -dl-. 

Zürich. Die am 11. Juli 1908 stattgehabte Monatsver¬ 
sammlung des Typographischen Klubs beschloß auch für 
dieses Jahr die Herausgabe einer Neujahrskarte. Zur Er¬ 
langung von Entwürfen wird unter den Mitgliedern ein 
Preisausschreiben veranstaltet. An Preisen sind 50 Fr. aus¬ 
gesetzt. Gleichzeitig wird ein Wettbewerb zur Erlangung 
von Entwürfen für einen Briefkopf und ein Kouvert zum 
Bedarf des Klubs erlassen. Hierfür gelangen an Preisen 
30 Fr. zur Verteilung. M. 


Bücher- und Zeitschriftenschau; verschiedene Eingänge. 


V Der Bucheinband in alter und neuer Zeit von Jean 
Loubier. Mit 197 Abbildungen; zweites Tausend (Band X 
der Monographien des Kunstgewerbes, herausgegeben von 
Jean Louis Sponsel). Leipzig. Verlag von Klinkhardt & Bier¬ 
mann. Preis gebunden M 5.—. Professor Dr. Loubier, der 
als Freund und gelehrter Kenner der Buchkunst bei Lieb¬ 
habern und Fachleuten eines wohl erworbenen Ansehens 
sich erfreut, war wie wenig andre berufen, diese von ihm in 
Einzelaufsätzen und Vorträgen so oft behandelte Materie zur 
knappgefaßten, gemeinverständlichen Monographie zu ge¬ 
stalten. Ich kann als buchgewerblicher Praktiker es nicht 
als meine Aufgabe ansehen, den wissenschaftlichen Inhalt 
des Werkes einer kritischen Betrachtung zu unterziehen. 
Ich bin an die Lektüre herangetreten als einer der daraus 
lernen wollte, und weil ich die Mühe des Studiums reich 
belohnt fand, möchte ich auch bei andern, besonders bei 
der jungen Generation des Buchgewerbes, zu der ich als 
Lehrer in einem engern Verhältnis stehe, den Wunsch 
nach dem Besitz dieses vortrefflichen Buches erwecken. 

Im ersten Kapitel zeigt der Verfasser sich als gründlicher 
Kenner der Technik. Beim Handbetrieb ist diese ja heute 
noch im wesentlichen dieselbe wie im Mittelalter. Wo 
aber Neuerungen eingetreten sind, wird das alte und das 
neue Verfahren mit Unterstreichung der abweichenden 
Punkte nebeneinander gestellt und dem Leser selbst die 
Entscheidung der Frage überlassen, ob die Neuerung zu¬ 
gleich ein Fortschritt ist. Es gehört überhaupt zu den 
sympathischen Seiten des Buches, daß der Verfasser in 
technischen Fragen, besonders in strittigen technischen 
Fragen, sich eines präzeptorisch ausgesprochenen Urteils 
enthält. Mit der schlichten, klaren Wissenschaftlichkeit, 
die sich stets von selbst anwendet, weiß er aber die ver¬ 
schiedenen Verfahren in ihrem Werte für die Haltbarkeit 


und Gebrauchsfähigkeit des Buches zu schildern, so daß 
der Leser sich öfter vor unausgesprochene Fragen gestellt 
sieht, deren eigne Beantwortung ihm die Lektüre höchst 
anziehend gestaltet. So bietet dieser rein technische Teil 
selbst dem Fachmann noch manches Interessante. Beson¬ 
ders aber möge der bücherliebende Laie, der technische 
Qualitäten unterscheiden lernen will, sich in dies Kapitel 
vertiefen. Auch dem fürs Buchgewerbe tätigen Künstler 
sei das Studium empfohlen. Kann es ihm auch nicht das 
notwendige Maß technischer Kenntnis vermitteln, so wird 
es ihn doch von der Notwendigkeit überzeugen, sich in 
der Werkstatt selbst weiter Rats zu holen. 

Das zweite Kapitel bringt eine Schilderung des Schrift¬ 
wesens im Altertum. Durch Abbildungen nach antiken 
Plastiken und Gemälden wird der Leser mit der Papyrus¬ 
rolle und den mit Elfenbeinreliefs geschmückten Schreib¬ 
täfelchen, den„Diptychen“ bekannt gemacht,welch letztere 
ihrer Form nach als die eigentlichen Vorläufer des heutigen 
Buches zu betrachten sind. 

Und nun geleitetuns der Autor als kundiger Führer durch 
ein Jahrtausend buchgewerblicherEntwicklung. Wir lernen 
den von spätklassischem Geist erfüllten, feierlich schönen 
kirchlichen Prachtband des frühen Mittelalters kennen. 
Er war vom Goldschmied und Elfenbeinschnitzer gefertigt. 
Dann wird uns gezeigt, wie infolge Sinkens des ideellen und 
materiellen Wertes der Bücher in der gotischen Zeit der 
Goldschmied dem Buchbinder im heutigen Sinne weichen 
muß. Wir werden bekannt gemacht mit dem orientalischen 
Einbande in seiner staunenerregenden technischen Voll¬ 
endung, der dem Italien der Renaissance fruchtbare 
Anregungen gegeben hat. Dann zeigt der Verfasser uns 
die Anfänge und führt uns auf die Höhe der italienischen 
Einbandkunst des 16. Jahrhunderts. Er machtuns eingehend 


299 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


bekannt mit den großen Liebhabern und Förderern der 
Kunst, besonders mit dem in Italien lebenden Franzosen 
Grolier, der nach seiner Rückkehr in die Heimat die italie> 
nische Einbandkunst nach Frankreich verpflanzte. Reiches 
Roll- und Bandwerk, mit Lackfarben ausgemalt, bildet den 
Schmuck seiner Einbände, die heute der Stolz der Samm¬ 
lungen sind. Wir sehen, wie Groliers Vorgehen in Frank¬ 
reich Nachahmung findet, wie der Einbandkunst dort 
zahlreiche fürstliche Mäzene erstehen. Es sind glänzende 
Kulturbilder, in denen uns die höchste Blüte der Einband¬ 
kunst unter dem Schutze Heinrichs IV., seiner Gemahlin 
und seiner Geliebten vor Augen geführt wird. In Deutsch¬ 
land waren damals große Bibliophilen und fürstliche 
Mäzene selten. Daß der Verfasser trotzdem auch aus 
unserm Lande eine Reihe höchst achtbarer und zum Teil 
künstlerisch wertvoller Arbeiten vorführen kann, stellt der 
Tüchtigkeit unsrer Vorfahren ein rühmliches Zeugnis aus. 
Als Mitte des 16. Jahrhunderts italienisch-französische 
Einflüsse sich in Deutschland geltend machen, greift Kur¬ 
fürst August von Sachsen die neuen Anregungen auf und 
führt mit seinem berühmten Hofbuchbinder Jakob Krause 
den deutschen Renaissanceband auf den Gipfel seiner 
Entwicklung. Recht amüsant lesen sich die Mitteilungen 
über Krauses Anstellungsverhältnisse und Preistarife 
sowie über seine Mißhelligkeiten mit der brotneidischen 
Dresdener Buchbinderinnung, die dem zugewanderten 
Meister das Leben recht sauer gemacht hat. Im 17. und 
18. Jahrhundert sind die französischen Buchbinder tonan¬ 
gebend. Ein Streben nach Verfeinerung der Ornamente 
tritt besonders in einer Auflösung der Linien in feine Gold¬ 
punkte in die Erscheinung. Durch die damalige Kleider¬ 
mode veranlaßt, werden Spitzenmuster und auch das 
Fächermotiv für die Dekoration des Bucheinbandes heran¬ 
gezogen. Wir erfahren, daß man in dieser Zeit höchsten 
Prunkes sich auch vielfach mit sehr einfachem Dekor 
begnügte und den Hauptwert auf höchste Vollendung der 
technischen Arbeit legte. Wir lernen dann noch die 
kümmerlichen antikisierenden Leistungen aus dem Anfang 
des 19. Jahrhunderts kennen, und die völlige künstlerische 
Unselbständigkeit der Folgezeit, die ausschließlich an den 
Formen vergangner Zeiten zehrte, bis durch William Morris 
angeregt, gegen das Ende des Jahrhunderts ein von 
modernem Geist getragener neuer Aufschwung einsetzt. 
Was England, Deutschland und andre Länder in unsrer 
Zeit an Liebhaber- und Verlegerbänden hervorgebracht 
haben, davon handeln ausführlich die letzten Blätter des 
Buches. In Wort und Bild führt so der Verfasser aus der 
langen Entwicklungsreihe die bedeutendsten Denkmale 
der Einbandkunst vor. Immer mit ihrem kulturhistorischen 
Hintergründe. So vereinigen sich die Einzelbilder gleich¬ 
sam zu einem Wandelgemälde, das mit stets wechselnden 
Stimmungen am Auge des Lesers vorüberziebt. 

Loubiers Werk ist, wie man sieht, ein vorwiegend histo¬ 


risches. Die notwendige Reaktion der modernen Bewegung 
gegen den Eklektizismus der letzten Jahrzehnte hat leider 
vielfach, besonders bei der kunstgewerblichen Jugend, zu 
einer gewissen Pietätlosigkeit gegenüber den künstle¬ 
rischen Leistungen der Vergangenheit geführt. Wir müssen 
deshalb solche Bücher begrüßen, die geeignet sind, den 
historischen Sinn der jungen Generation zu stärken. Aller¬ 
dings wollen wir nichts gemein haben mit denen, die in 
einem kunsthistorischen Werke lediglich einen Formen¬ 
kanon sehen, dessen Autorität sie gegen jede selbständige 
Regung einer neuen Zeit ins Feld führen möchten. Auch 
nichts mit den künstlerisch Impotenten, denen die Kunst¬ 
werke der Vergangenheit nur eine zum bequemen Kopieren 
bestimmte Vorbildersammlung darstellen. Aber wir sehen 
in der geschichtlichen Betrachtung für den Praktiker einen 
Weg, aus den Wirrnissen der Gegenwart zu Selbständigkeit 
und eigener künstlerischer Überzeugung zu gelangen. 
Eine der bedenklichsten Nebenerscheinungen des kunst¬ 
gewerblichen Aufschwungs ist der moderne Nachahmer, 
der nichts weiß und nichts kann, aber das Lästermaul 
gegen alles, was aus historischem Boden erwuchs, am 
weitesten aufreißt. Ihm wäre besonders zu empfehlen, 
ein geschlossenes historisches Werk, wie das vorliegende, 
von Anfang bis zu Ende aufmerksam zu lesen und gründ¬ 
lich zu verarbeiten. Eine vertiefte und vielseitige Fach¬ 
bildung an Stelle der banausisch erworbenen Routine das 
ist’s, was vielen Entwerfenden und Ausführenden not¬ 
tut. Und die kann bei ernstem Wollen sich jeder Intelli¬ 
gente erwerben, auch ohne Gymnasial- und Universitäts¬ 
bildung. Aber nur mit scheuer Ehrfurcht trete er an die 
Kunst der Vergangenheit heran, betrachte sie als einen 
uns vererbten Schatz, an dem Raubbau zu treiben wir nicht 
das Recht haben, sondern den wir in ehrlicher Arbeit 
erwerben müssen, um ihn zu besitzen. Wer mit solcher 
Gesinnung sich in die Geschichte des Kunstgewerbes 
vertieft, dem wird ihr Dunkel sich hellen. Er wird erkennen, 
daß jedes Volk und jede Zeit ihre besondere Kunst hatten. 
Es wird ihn reizen, den verborgenen Beziehungen nachzu¬ 
spüren, die zwischen dem Kunstwerke und dem Kultur¬ 
stande des Volkes und der Zeit, die es hervorbrachten, 
ihrem technischen Können, ihren Bedürfnissen, ihrer 
Denk- und Empfindungsweise bestehen. Er wird zu dem 
Schluß kommen, daß unsre Zeit mit ihren neuen techni¬ 
schen Mitteln und Materialien, ihrer neuen Lebensweise 
und Denkart, in der auch neue soziale Schichten als Kon¬ 
sumenten aufgetreten sind, an das Kunstgewerbe mit Not¬ 
wendigkeit neue Forderungen stellen muß: ihm wird sich 
das Verständnis erschließen für die komplizierten Kunst¬ 
fragen der Gegenwart. Ja, wer den Sinn historischer Kunst 
ganz begriffen, der hat sich ein Recht erworben, das keinem 
andern zusteht, das Eigentumsrecht auch an den histori¬ 
schen Formen. Die dahin streben, denen wird dies Buch 
ein guter Führer sein. Ludwig Sütterlin. 


Inhaltsverzeichnis. 


Bekanntmachung. S.269. — Die Technischen Kurse in 
der Königlichen Akademie für graphische Künste und 
Buchgewerbe in Leipzig. III. S.270.— Hans von Volkmann. 
S.273. — Die Arbeitsweise und der Energieverbrauch von 
Tiegeldruck-und Zylinder-Flachformschnellpressen. S.279. 


— Der Satz chemischer Formeln. S. 287. — Aus dem Deut¬ 
schen Buchgewerbeverein. S. 292. — Buchgewerbliche 
Rundschau. S. 294. — Aus den graphischen Vereinigungen. 
S. 296. — Bücher- und Zeitschriftenschau; verschiedene 
Eingänge. S.299. — 8 Beilagen. 


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Sämtliches Material von der Bauerschen Gießerei in Frankfurt a. M. 




Beilage zum Archiv für Buchgewerbe 




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Ersetzt das Bronzieren 


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Auflagendruck 

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Druck 

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noch bronzier*. 


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für feine Werke, Kataloge, Prospekte, Zeitschriften usw. 


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des Falzmaschinenbaues 

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Patent 


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Als einzige Spezialisten öes Kontinents auf 
öem Gebiete öes Falzmaschinenbaues 

richten wir seit Jahren unser Bestreben öarauf, in öiesen Maschinen öer verehrlichen 
Kunöschaft stets öas Geöiegenste unö Vorteilhafteste, öas Vollkommenste zu bieten, 
was öarin erzeugt wirb. — Es freut uns öaher, öaß wir heute wieöer in öer Lage 
sinö, eine ganz vorzügliche unö noch öazu von vielen Fachleuten schon lange ersehnte 
Maschine auf öen Markt bringen zu können, unsere 


ganzautomatisdie Falzmaschine 


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Auto-Triumph 


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welche per Stunde 2—3000 Bogen falzt 
ohne besondere Bedienung und Aufsicht! 


Diese Maschine ist mit öem als absolut zuverlässig arbeitenö jeöem Fach¬ 
mann bekannten Bogen-Anlegeapparat „Universal“ ausgerüstet, kann für ein, zwei, 
örei, vier unö mehr Brüche eingerichtet unö mit einfachem sowie auf jeöen Millimeter 
Entfernung verstellbaren Doppelstich-Heftapparat, Schneiöe- unö Perforier-Vor¬ 
richtung usw. versehen werben. 

Infolge ihrer vorzüglichen Konstruktion unö präzisen Ausführung eignet sich 
unsere „Auto-Triumph“ 

nicht nur für Massenauflagen 

sondern zum Falzen feiner Werke, Kataloge unö Kunstdrucke. 


Die Auto-Triumph 


ist nach jeöer Richtung hin mit 
allen möglichen Arbeiten ganz grünö- 
lich ausprobiert unö leisten wir für ihre absolut zuver- 
lässige Funktion sowie sauberes unö genaues Arbeiten t - 


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Besonöere Vorzüge unserer Auto-Triumph: 

Einfache unö übersichtliche Konstruktion, öaher leichte Verstänölichkeit unö 
Instanöhaltung öer Mechanismen. 

Stabile Bauart, solibeste unb sauberste Ausführung, baher längste Lebens¬ 
bauer unb Wegfall aller Störungen unb Reparaturen. 

Schnelles unb leichtes Umstellen bei Formatwechsel, baher auch bei kleinsten 
Auflagen vorteilhaft verwenbbar. 

Pneumatisches Abheben ber Bogen; am besten bewährtes System, kein 
Bestreichen ber Bogen mit Gummirab ober bgl., baher ohne Ver¬ 
stellung gleich gute Funktion bei rauhen wie satinierten, gekreibeten 
ober gummierten Papieren sowie 

Kein Verschmieren bes Druckes, so baß sich unsere „Auto-Triumph“ auch 
zum Falzen von Kunst- unb Illustrationsbruck eignet. 

Genaue Registerfalzung bei feinsten Werken unb besseren Falzarbeiten 
mit guter Anlage. 

Schnelle Einrichtung zu Anlage von Hanb. 

Vielseitigste Verwenbbarkeit, ba bie Maschine alle Papiere vom bünnen Pro- 
spektpapierbis zur beträchtlichsten Stärke ohne Verstellung verarbeitet. 

Absolut zuverlässige Funktion, selbsttätige Ausrückung, weshalb bie Maschine 
ohne besonbere Bebienung unb Aufsicht arbeiten kann. 

Hoher Bogenstapel (6—8000 Bogen) mit selbsttätigem Transport. 

Grösste Leistungsfähigkeit. — Höchste Rentabilität. 


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Wir sind auch bei unserer vorstehend gekennzeichneten 

„Auto-Triumph“ 

unserm seitherigen Prinzip treu geblieben, nämlich nur eine durchaus perfekte, 
also in jeder Beziehung „fertige“ Maschine auf den Markt zu bringen, und 
daher überzeugt, daß sich dieselbe ebenso schnell wie unsere vorher der Kundschaft 
übergebene, halbautomatische Triumph beliebt machen und in noch größerem Maße 
die Anerkennung aller Fachleute finden wird, zumal durch Wegfall der Anlegerin 
eine noch größere Unabhängigkeit vom Falzerpersonal eintritt unö die Auto-Triumph 
dadurch auch keine Beschränkung öer Arbeitszeit kennt. 

Jedem rechnenden Buchöruckerei- unö Buchbinöereibesitzer, dem an Erhöhung 
öer Leistungsfähigkeit seines Betriebs gelegen ist, können wir die Anschaffung der 
Auto-Triumph dringend empfehlen unö bitten Spezialofferte zu verlangen. 

Leipzig, im März 1908. A. Gutberiet & Co. 


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PRINCETON UNIVERSITY. 





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Ziermaterial und Schrift aus der Schriftgießerei J.G. Scheiter & Giesecke in Leipzig 


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PRINCETON UNIVERSITY 





























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GEORG MERSEBURGER 

REDAKTION UND VERLAG DES LEIPZIGER KALENDERS 


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Den verehrlichen Inserenten des 

Leipziger Kalenders 

kann ich die erfreuliche Mitteilung machen, daß 
in diesem Jahre die Auflage infolge stetig wach¬ 
sender Nachfrage um mindestens 2000 Exem¬ 
plare erhöht werden muß, Ihre Anzeige erhalten 
Sie aber zum alten Preise. Der neue Jahrgang 
wird diesmal besondere Beachtung finden, weil 
er einen großen Teil seines Inhaltes dem fünf¬ 
hundertjährigen Universitäts-Jubiläum widmet. 
ot Ich bitte um freundliche Erneuerung Ihrer 
Anzeige auf anliegender Karte. j***j*j*'***j* 

In größter Hochachtung 

Georg Merseburger 

Leipzig, im Mai 1908 • Querstr. 27 


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Arbeit aus der Praxis 
Beilage zum Archiv für Buchgewerbe 


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VEREINIGTE KUNSTANSTALTEN A.-G. KAUFBEUREN-MÜNCHEN. 



























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öes Typographischen 
Vereins ConcorÖia 
Kölna.Rh.°Gegr.1873 


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TYPOGRAPHISCHER VEREIN 
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MITGLIEDKARTE ZSS19 



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Archiv für Buchgewerbe 




Preisgekrönte Karten aus einem 
von dem Typographischen Verein 
Concordia in Köln a. Rh. veranstal¬ 
teten Wettbewerb zur Erlangung von 
Entwürfen zu einer Mitgliedkarte 



























































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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


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Felix Böttcher, Leipzig j Leipziger Schnellpressenfabrik, 

Gebrüder Brehmer, Leipzig j A.-G., vormals Schmiers, 
Dresdener Schnellpressenfabrik Werner & Stein, Leipzig 
Hauß,Sparbert&Dr.Michaelis, | Erste Mannheimer Holztypen- 
Coswig i. Sa. j fabrik, Sachs & Co., Mannheim 

Henry Garda, Leipzig: Lanston- j Preuße & Comp., G.m.b.H., 
Monotype, Buchstaben-Gieß- u. j Maschinenfabrik, Leipzig 
Setzmaschine j The Miehle Printing Press and 

A. Hogenforst, Maschinenfabrik, j Mfg. Co., Berlin 
Leipzig J, G. Scheiter & Giesecke, 

Kleim & Ungerer, Maschinen- j Maschinenfabrik, Leipzig 
fabrik, Leipzig-Leutzsch j Loms Zeibig Nachf, Leipzig- 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 





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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



D er praktische Geschäftsanzeiger 

Ein Wegweiser für Annoncierende 


D ER in Boston, Ver. Staaten von Amerika, erscheint, macht es sich zur Aufgabe, seine Leser auf das Genaueste mit 
der fortschreitenden Entwickelung des Annoncenwesens auf der ganzen Erde auf dem Laufenden zu erhalten. Der 
Inhalt besteht vorzugsweise aus Beiträgen über Theorie und Praxis des Inseriercns, die von berufenen Fachmännern 
verfasst und gewöhnlich durch Beispiele erläutert sind; ferner aus Berichten über das von leitenden Geschäftshäusern, 
Genossenschaften und Clubs in Bezug auf Veröffentlichungen befolgte Verfahren; er gibt ferner ein Überblick über den 
Stand des Annoncenwesens in einzelnen Teilen der Vereinigten Staaten oder anderer Länder, und bringt Reproduktionen der 
besten und neuesten Musterzeichnungen für Cataloge, Pamphlete und alle Arten gewerblicher und kaufmännischer Druckar¬ 
beiten. Kunst, Wissenschaft, Politik, Geschichte und Literatur — insoweit sie in Beziehung zum Geschäftsleben stehen — 
finden ebenfalls eingehende Berücksichtigung. Die Redaktion liegt in den Händen erprobter Fachleute. 

Der Praktische Geschajlsanzeiger erscheint monatlich; er ist aufs Eleganteste ausgestattet; auf tadellosen, typogra¬ 
phisch stilvollen Druck wird grösste Sorgfalt gelegt und nur die beste Sorte Papier kommt zur Verwendung. Für jede Num¬ 
mer wird eigens ein gezeichneter oder gemalter farbiger Umschlag hergestellt; die der Fachschrift beigegebenen Lichtdrucke 
werden von den erfahrensten Künstlern gestochen und zeichnen sich durch Schönheit und Klarheit des Drucks aus. 

Der Praktische Geschqflsanzeiger ist in jeder Beziehung unabhängig; die alleinige Eigentümerin, Fräulein Kate E. 
Griswold hat es verstanden, aus einem bedeutungs- und zwecklosen Pamphlet ein Organ zu schaffen, das den gediegensten 
Fachblättern der Welt ebenbürtig an die Seite zu setzen ist. Der Redaktor, George Frencli, hat einen internationalen Ruf als 
Schriftsteller und Kritiker auf Gebieten des Annoncierungswesens und der graphischen Künste; er ist der amerikanische Ver¬ 
treter des „Deutscher Buchgew r erbeverein.“ 

Der Praktische Gcschqfisanzeiger ist ein unentbehrlicher Wegweiser für alle, die inserieren und sich mit Veröffentli¬ 
chungen aller Art zu befassen haben, für das Druckereigewerbe und alle damit verwandten Künste und Industrien. 

Das Abonnement für Deutschland beträgt Mk. 12 (.$3.00). Probenummern auf Verlangen. 

Der Praktische Geschäftsanzeiger 

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306 


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307 


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308 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE ... _ _ = 


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311 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


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312 


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einem 


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PRINCETON UNIVERSITY 













































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313 


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314 










_ = ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE = 


315 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


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PRINCETON UNiVERSITY 










ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 

BEGRÜNDET VON ALEXANDER WALDOW 

45. BAND AUGUST 1908 HEFT 8 

HERAUSGEGEBEN VOM DEUTSCHEN BUCHGEWERBEVEREIN 

Über die Eignung der verschiedenen Typen von Buchdruckpressen. 

Von Professor Artur W. UNGER, Wien. 

8 E* IE Erzeugung von Druckmaschinen aller Art verhindern gar oft die Bildung eines sachlichen 
)1 hat außerordentliche Fortschritte gemacht Urteils und schaden damit dem Durchbruche selbst 
^ und die Graphiker aller Zweige erfreuen sich guter Neuerungen. Der Konservativismus einzelner, 
heute bereits einer Unzahl von Pressentypen. Ganz bis zu einem gewissen Grade sehr begreiflich und 
besonders ist dies beim Buchdruck der Fall. Es ist lobenswert, geht dabei so weit, daß auch Pressen- 
nicht nur für jeden seiner Produktionsfächer reich- konstruktionen noch immer benützt werden, die in 
lieh vorgesorgt, sondern auch die ein und dem- vorgeschrittenen Ländern mit Recht längst zu dem 
selben Zwecke dienenden Pressen weisen eine völlig Abgetanen gehören. 

Menge Spielarten auf. Diese Tatsache könnte eine Es mag nun im folgenden auch an dieser Stelle (ver- 
sehr erfreuliche genannt werden, wenn immer und gleiche des Verfassers Abhandlungen, den gleichen 
überall die richtige unter den vielen Maschinen in Gegenstand erörternd, im Jahrbuch des Reichsverban- 
Verwendung stünde; ja sie wäre es selbst dann des österreichischer Buchdruckereibesitzer für 1907 
schon, wenn festgestellt werden könnte, daß wenig- und Zeitschrift für Reproduktionstechnik 1907) der 
stens der größere Teil der interessierten Kreise sich Versuch gemacht werden, eine knappe Übersicht über 
den üppigen Zustand voll zunutze mache. Das ist die wichtigeren Typen der jetzt im Gebrauche stehen- 
aber leider nicht der Fall. Häufig vorkommende den Buchdruckpressen zu geben und deren besondere 
Umstände rein örtlicher und zeitlicher Natur be- Eignung anzudeuten. Aus naheliegenden Gründen 
reichern die ohnedies erkleckliche Fülle der vor- muß in dieser Abhandlung, die nur allgemein orien- 
handenen Pressen um immer neue Abarten, welche, tieren soll, die Nennung bestimmter Fabrikate selbst- 
das eine Mal vielleicht sehr richtig und nutzbrin- verständlich unterbleiben» 

gend angewendet, später und anderswo gar keine Wir unterscheiden bekanntlich je nach der Gestalt 
Daseinsberechtigung besitzen. Eine Einrichtung, der wichtigsten, nämlich der den Druck ausübenden 
mit andern bei einer Maschine vereinigt, mag aus- Maschinenbestandteile drei große Gruppen von Buch¬ 
gezeichnet sein; aus diesem ursächlichen Zusammen- druckpressen, und zwar: 

hang herausgerissen und an einer andern Presse an- I. Tiegeldruckpressen. Hier wird der Druck von 
gebracht, verringert vielleicht diese Einrichtung zwei flachen Platten, Tiegel und Fundament, aus- 
die Zweckmäßigkeit und die Leistungsfähigkeit der geübt. In diese Kategorie gehören die Hand - 
Maschine. Beobachtungen dieser Art können vor- presse und die Tiegeldruckschnellpressen. Der ver¬ 
nehmlich jetzt, da von der langgewohnten Art der hältnismäßig ungeheuere Kraftaufwand, der da¬ 
wichtigsten Pressengattung ganz abweichende Kon- durch bedingt wird, daß der Abdruck der ganzen 
struktionen auf dem Markte erschienen, in fast er- Form in einem einzigen Zeitpunkte (welcher Vor¬ 
schreckendem Maße gemacht werden. Man bemerkt gang an und für sich in mancher Hinsicht für den 
leider allzuhäufig ein völliges Verkennen der leiten- Druck günstig ist) erfolgen muß, verbietet es zu- 
den Grundsätze und das Wesentliche wird über nächst, daß derartige Pressen über ein bestimmtes 
Nebensächlichem vergessen oder überhaupt gar nicht Format hinaus gebaut werden. Zur Unrentabilität 
erkannt. Infolgedessen ist es nicht verwunderlich, übermäßig großer Tiegeldruckpressen trügen über- 
wenn den begeisterten Lobrednern neuerer Pressen- dies die schwierige Manipulation und die Notwendig¬ 
typen fast immer ebenso ungestüme Tadler gegen- keit der Bedienung durch mehrere Personen bei. 
überstehen. Diese verschiedenen, manchmal gerade- II. Zylinderflachformmaschinen. Diese Gruppe um- 
zu entgegengesetzten persönlichen Anschauungen faßt alle Pressen, bei welchen die Form von einer 

317 44 


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PRINCETON UNIVERSITY 






ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


flachen Platte, dem Fundamente, aufgenommen wird, 
während der Papierbogen behufs Empfangens des 
Abdruckes von einem abrollenden Zylinder gegen 
die Form gepreßt wird. Die Zylinderflachform¬ 
maschinen scheiden sich in einfache Schnellpressen 
(sie ergeben durch eine Tour einen einseitig, ein¬ 
farbig bedruckten Bogen), Doppelschnellpressen (eine 
Tour liefert zwei einseitig einfarbig bedruckte Bogen), 
Komplettmaschinen oder Schön - und Widerdruck - 
maschinen (durch eine Tour erhält man einen zwei¬ 
seitig, einfarbig bedruckten Bogen), Zweifarben¬ 
maschinen (in einer Tour wird ein einseitig zwei¬ 
farbig bedruckter Bogen hergestellt), Dreifarben -, 
Vierfarbenmaschinen usw. Bei allen diesen Pressen 
besteht gegenüber denen der ersten Gruppe der un¬ 
geheure Vorzug, daß der Abdruck der Form nicht in 
einem einzigen Zeitpunkte, sondern — wenn auch 
in einer sehr kurzen Zeitspanne— allmählich, näm¬ 
lich streifenweise hintereinander sich abwickelt. 
Dieser Umstand gestattet es, daß Zylinderflachform¬ 
maschinen selbst für sehr große Bogenformate ge¬ 
baut werden können. Die endliche Grenze wird 
hierbei nur durch die Unmöglichkeit des Operierens 
mit einzelnen flachen Bogen, sei es beim Einlegen 
mittels Hand oder mittels automatischer Bogen- 
anlegeapparate, ferner dadurch gezogen, daß beim 
Überschreiten eines gewissen Maßes die Vorteile 
der größeren Leistung durch die sich einstellenden 
mannigfachen Schwierigkeiten mehr als wettge¬ 
macht werden. Engere Grenzen sind dagegen auch 
den Zylinderflachformmaschinen in bezug auf die 
Schnelligkeit gesteckt. Das mehr oder weniger ge¬ 
wichtige, noch von der Form beschwerte Fundament 
muß in kurzen Intervallen und plötzlich, inmitten 
seiner Bewegung, diese ändern. Ein solcher radi¬ 
kaler Hubwechsel bedeutet eine um so größere Be¬ 
anspruchung der Maschine, je öfter er sich in einem 
gewissen Zeiträume vollziehen muß. Aus diesem 
Grunde dürfen Zylinderflachformmaschinen über ein 
bestimmtes Maß hinaus keine Erhöhung der Touren¬ 
zahl erfahren, sollen sie nicht andernfalls binnen 
kürzester Zeit zugrunde gehen. 

III. Rotationsmaschinen. So nennt man die Schnell¬ 
pressen, bei welchen dem Druckzylinder auch ein 
Formenzylinder gegenübersteht. Die Anordnung 
zweier Zylinder läßt den Bewegungswechsel irgend¬ 
eines bedeutenden Maschinenteils vermeiden. Die 
massigsten Körper der Presse, zuvörderst die beiden 
Träger von Form — die naturgemäß eine runde, dem 
Zylinder sich anschmiegende Platte sein und hierzu 
in den meisten Fällen erst von der eigentlichen 
Originalform durch Stereotypie oder galvanoplasti¬ 
sche Abformung gewonnen werden muß (Ätzungen 
werden wohl durch Biegen in die richtige Gestalt 
gebracht und auf die am betreffenden Orte ent¬ 
sprechend abgedrehte Rundplatte gelötet) — und 


Papier, können vielmehr stets in derselben Richtung 
und ununterbrochen bewegt werden. Die Schnellig¬ 
keit des Laufes derartiger Maschinen (die natürlich 
je nach dem Erzeugnis, das mit der Presse gewonnen 
werden soll — z. B. eine gewöhnliche Tageszeitung 
oder ein Mehrfarbendruck — bei den verschiedenen 
Rotationsmaschinen eine verschiedene ist) findet erst 
die Grenze, wenn die Zugfestigkeit des Papiers so¬ 
wie der Druckprozeß an und für sich eine weitere 
Beschleunigung des Maschinenganges nicht mehr 
zulassen. Deshalb kann in der Regel, wenn es gilt, 
sehr große Auflagen in sehr kurzer Zeit herstellen 
zu müssen, nur eine Presse dieser Type in Betracht 
kommen. Die Mehrzahl der im Gebrauche stehen¬ 
den Rotationsmaschinen sind für ein gleichmäßiges 
Papierformat (rücksichtlich der Schnittlänge) gebaut. 
Vom Papierstrange wird jedesmal erst nach erfolgtem 
Abdrucke das erforderliche Stück (und zwar im Aus¬ 
maße des Zylinderumfanges) durch die Perforier- 
und Reiß walzen abgetrennt, was eine wesentliche 
Vereinfachung der Presse gegenüber den für ver¬ 
änderliches Format konstruierten Rotationsmaschinen 
(Variable) zuläßt. Bei diesen muß das vor dem Ab¬ 
drucke vom endlosen Papierbande abgeschnittene 
Stück, als ein einzelner Bogen, durch besondere 
Einrichtungen komplizierterer Beschaffenheit den 
Druckzylindern zugeführt und abgenommen werden. 
Zumeist dient hierzu eine aus einer Luftpumpe, einer 
Rohrleitung, Ventilen und Saugkanälen bestehende 
pneumatische Einrichtung, die durch Erzeugung 
eines Vakuums im gegebenen Momente das An¬ 
saugen des Bogens vom Zylinder bewirkt; das Ein¬ 
treten von Luft in den Kanal des einen, dieErzeugung 
eines Vakuums im Saugkanal des zweiten Zylinders 
verursacht dann den Übergang des Bogens auf den 
nächsten Zylinder usw. 

Je nach der Zweckbestimmung und der dement¬ 
entsprechend sehr verschiedenen Ausstattung mit 
Dampffeuchtern, Schneid-, Kleb-, Falz-, Sammel-, 
Ausführapparaten usw. gibt es für Zeitungs-, Werk- 
und sogar für Illustrationsdruck Rotationsmaschinen. 
Sie können für Ein- und Mehrfarbendruck bestimmt 
sein. Zwei zu einem einheitlichen Ganzen vereinigte 
Rotationspressen, deren eine eventuell ausschaltbar 
ist oder z. B. mit halber Geschwindigkeit laufen ge¬ 
lassen werden kann, nennt man Zwillingsmaschinen. 
Diese, desgleichen die von noch mehr Rollen drucken¬ 
den Vierroller , dann die Mehrdecker usw. bieten die 
Vorteile der Raumersparung und einer namhaften Ver¬ 
ringerung der aufzuwendendenHand- und Maschinen¬ 
arbeit. So z. B. kann eine Falzvorrichtung die durch 
geeignete Vorrichtungen zusammengeführten Stränge 
verarbeiten; statt mit mehreren Bogen hat man es 
schließlich nur mit einem fertigen Exemplare zu tun. 

Es klingt vielleicht eigentümlich, wenn nun gleich 
gesagt werden kann, daß gerade dann die Wahl einer 


318 


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PRINCETON UNIVERSITY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


geeigneten Pressentype am wenigsten schwer fällt, 
wenn es sich darum handelt, eines der größten Un¬ 
getüme unter den Buchdruckpressen, nämlich eine 
Rotationsmaschine anzuschaffen. Und doch ist dies 
nichts weniger als merkwürdig. Denn die in Be¬ 
tracht kommenden zahlreichen Umstände liegen 
naturgemäß am klarsten zutage, wenn die Not¬ 
wendigkeit der Aufstellung einer Rotationsmaschine 
eintritt. Zumeist gilt es nur, ein einziges Produkt 
zu erzeugen oder doch, auch in den kompliziertesten 
Fällen, nur mehrere Produkte einer einzigen Art. 
Hier können aber die zu beachtenden Punkte (Quali¬ 
tät des Druckes, des Auflagenpapiers, Beschaffen¬ 
heit der Form, Minimum der stündlichen Leistung, 
Anzahl der Farben usw.) rasch ermittelt und aufs 
genaueste festgelegt werden. Den Ingenieuren der 
Maschinenfabriken obliegt dann nur die Aufgabe, 
eine den klipp und klar gestellten Anforderungen 
entsprechende Maschine zu konstruieren. Und haben 
diese Ingenieure, die eine wertvolle, schwierige und 
dabei meist unterschätzte Arbeit leisten, es nur mit 
präzisen Angaben zu tun, so lösen sie fast immer 
das Problem in ausgezeichneter Weise. Dafür haben 
wir der Beispiele eine schwere Menge. Für jeden 
Spezialfall und beinahe in jeden Raum hinein bauen 
sie einen geeigneten Druckapparat. 

Ganz anders, nämlich viel verwickelter sind die 
Verhältnisse bei denTiegeldruckpressen und nament¬ 
lich bei den Zylinderflachformmaschinen gestaltet. 
Auf den Pressen dieser beiden Kategorien werden 
vor allem die tausenderlei Drucksorten verschieden¬ 
ster Art hergestellt, und zwar soll oft ein und dieselbe 
Maschine zur Anfertigung der mannigfaltigsten Ar¬ 
beiten dienen. Selbstverständlich hat das im Ge¬ 
folge, daß das eine Mal diese, das andere Mal jene 
Anforderungen gestellt werden, welchen allen gleich¬ 
mäßig gut zu entsprechen nur selten der Pressen¬ 
konstrukteur in der Lage ist. 

Dazu kommt noch, daß da nicht allzuselten die 
Angaben des Bestellers höchst unklare und wider¬ 
sprechende sind, da in den zunächst beteiligten 
Fachkreisen, nämlich bei den Buchdruckern selbst, 
hier und da irrtümliche Anschauungen herrschen, 
was später an einigen Beispielen gezeigt werden 
soll. Vielleicht ist der Verfasser imstande, hierdurch 
einiges zur Klärung beizutragen. 

Die altehrwürdige Handpresse stellt heute in den 
Offizinen wohl nur mehr ein Requisit dar, dessen 
Wert mit der allerdings vorzüglichen Eignung zur 
Herstellung von Korrekturabzügen und andern Probe¬ 
drucken erschöpft ist. Die Möglichkeit, nur ausge¬ 
bundene Kolumnen, in Bogen ausgeschossen, ohne 
Gefahr eines Verquetschtwerdens oder Legens des 
Satzes bequem und rasch abziehen zu können, macht 
die Handpresse für diesen Zweck noch immer un¬ 
entbehrlich. Die geringen Anschaffungskosten und 


das immerhin respektable Format mögen sie auch 
dem Besitzer einer kleinen Buchdruckerei zur Her¬ 
stellung kleinerer Auflagen, ferner manchen, so be¬ 
sonders den chemigraphischen Anstalten, zur Ver¬ 
fertigung von Klischeeabdrücken schätzbar machen. 
Der letzteren Bestimmung sind hauptsächlich die 
neueren Mammut-Handpressen zugedacht, die einen 
außerordentlich massiven, durch viele Rippen ver¬ 
steiften Tiegel besitzen, der durch einen einfachen, 
aber sehr kräftigen Winkelhebel herabgepreßt wird. 
Für die kontinuierliche Ausnützung zu großen Auf¬ 
lagen in bedeutenderen Offizinbetrieben ist die Hand¬ 
presse heute völlig ungeeignet. Die vielen, bei 
jedem Exemplare der Auflage vom Drucker zu wieder¬ 
holenden Verrichtungen machen einfach einen Wett¬ 
bewerb mit andern Pressen unmöglich; so sollte man 
meinen. Tatsächlich werden aber in einzelnen, selbst 
in großen Offizinen noch mehrere Handpressen re¬ 
gulär zur Herstellung größerer Auflagen verwendet. 

Die Tiegeldruckschnellpressen, bei welchen sich 
die Tätigkeit der sie bedienenden Personen auf 
das Einlegen und Herausnehmen der Papierblätter 
beschränkt, besitzen schon eine ungleich höhere 
Leistungsfähigkeit. Wir unterscheiden da zwei 
Haupttypen: Pressen mit schwingendem Drucktiegel 
und schwingendem Fundamente und Pressen mit 
stehendem Fundamente, bei welchen also nur der 
Tiegel schwingt. Die am häufigsten benützten Ma¬ 
schinen der ersten sind die sogenannten Liberty¬ 
pressen, von den Pressen der zweiten Art sollen 
hier nur die modernen, schlechtweg als Gallypressen 
bezeichneten Beachtung finden. Immerhin möge 
hier bemerkt werden, daß heute schon eine große 
Menge von Tiegeldruckschnellpressen besteht, deren 
Konstruktionen solche sind, daß sie strenge weder 
dem einen System noch dem andern zugezählt wer¬ 
den dürfen. Es befinden sich darunter recht gute 
Maschinen. Aber das Problem, dessen Lösung er¬ 
klecklich viele Buchdrucker vom Pressenbauer mit 
der Forderung nach einer Maschine, die womöglich 
mehr leiste als eine des besten Gallytyps und wo¬ 
möglich weniger koste als die einfachste Ameri¬ 
kaner, heischen, ist ein allzu schwieriges. Bei 
dieser Gelegenheit soll nachdrücklichst betont wer¬ 
den, daß überhaupt mit der Forderung nach einer 
Universalmaschine, die alles könne, in allen Fällen 
die ökonomischste sei, gerade in Buchdruckerkreisen 
bedenklicher Unfug getrieben wird. Die Forderung 
ist entschuldbar und verständlich, wenn sie von 
einem Unternehmer erhoben wird, der, seiner ge¬ 
ringen Mittel und des dadurch naturgemäß bedingten 
kleinen Umfanges seines Betriebes wegen, mit einer 
oder ein paar Pressen nur das Auslangen finden 
soll. Aber in größeren Betrieben sollen den verschie¬ 
denen Zwecken besonders angepaßte Maschinen 
benutzt werden. Z. B. kann eine für schweren 

44 * 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Klischeedruck, heikelste Farbenverreibung gebaute, 
mit allen möglichen Vorrichtungen versehene Presse 
nicht rentabel sein, wenn sie auch für den gering 
entlohnten Druck von Hüllpapieren benutzt wird. 
Dies ist so selbstverständlich, daß man es nicht 
erst durch Heranziehung von Vergleichen in andern 
Betriebsformen sinnfällig zu machen braucht. 

Die Libertypressen mit ihrer leichten Bauart und 
dem primitiven Farbwerke sollen nur zur Herstel¬ 
lung von Drucksachen verwendet werden, bei wel¬ 
chen rücksichtlich Druckspannung und Farben¬ 
verreibung keine großen Ansprüche erhoben werden 
müssen. Für solche Arbeiten, z.B. merkantile Druck¬ 
sorten, wie Briefpapier, Mitteilungen,Briefumschläge 
usw., sind aber die Pressen ausgezeichnet geeignet. 
Die leichte Zugänglichkeit des bei offener Maschine 
fast flach liegenden Fundaments (was das Schließen 
des Satzes und die Vornahme von kleinen Korrek¬ 
turen in der Presse gestattet) und aller Bestandteile, 
die geringeren Anschaffungskosten sind nicht zu 
unterschätzende Vorzüge. Es wäre unökonomisch, 
wollte man zu den gewöhnlichen Akzidenzarbeiten 
durchaus andre Tiegeldruckschnellpressen heran¬ 
ziehen. 

Natürlich kämen hierbei in erster Linie die soge¬ 
nannten Gallypressen in Betracht, welche bei uns zu 
Lande noch immer nicht gebührend gewürdigt oder 
zu mindest oft nicht in der richtigen Weise behandelt 
und ausgenützt werden. Hiervon war übrigens an 
dieser Stelle (vgl. Archiv für Buchgewerbe 1904,S. 100 
Unger, Die Tiegeldruckschnellpressen) schon die 
Rede. In vielen hervorragenden Anstalten wird z.B. 
auch der kleinste Dreifarbendruck auf einer Zylinder¬ 
flachformmaschine hergestellt. Das ist unrationell 
und auch gar nicht notwendig. Die modernenTiegel- 
druckschnellpressen mit feststehendem Fundamente 
sind nämlich vollkommen geeignet zur Durchführung 
auch des feinsten Kunstdruckes. Der äußerst kom- 
pendiöse, massive Bau, sowie der Umstand, daß nur 
der Tiegel schwingend bewegt wird, während bei 
den Libertypressen eine Menge weitausladender 
Teile, die am Drucke mitbetätigt sind, sich in Be¬ 
wegung befinden, läßt die Ausübung einer sehr be¬ 
deutenden Druckspannung zu. Das umfangreiche 
Zylinderfarbwerk, dessen Hauptzylinder und Wechsel¬ 
reiber eine beträchtliche, zum Teil regulierbare 
axiale Verschiebung erleiden, gestattet die Ver¬ 
reibung auch sehr strenger Farbe; Spezialreiber für 
Zweifarben- und für Irisdruck, die Abstellbarkeit des 
Walzenwagens, die automatische Ausklinkung der 
Walzen, welche die Druckfarbe bereits an die Form 
abgegeben haben, das Freistellen der Walzen durch 
einen oder zwei Hebeldrucke und andre noch weiter¬ 
gehende Einrichtungen lassen kaum mehr einen 
Wunsch in betreff des Farbwerkes erübrigen. Die 
Anlegevorrichtungen, bestehend aus dem die unteren 


Marken tragenden, durch zwei Schraubenspindeln 
(links und rechts) rasch einstellbaren Stahlbande und 
der automatisch schiebenden Seitenmarke, ermög¬ 
lichen nicht nur eine rasche Arbeit bei Stellen der 
Anlage, sondern gewährleisten auch einen tadellosen 
Passer, soweit dieser von ihnen abhängig ist. Der 
erwähnte Umstand, daß von den den Druck ausüben¬ 
den Körpern nur der Tiegel, und zwar zwangsweise, 
also gegen Verschiebungen und Verstauchen ge¬ 
sichert, bewegt wird, bietet weitgehenden Schutz 
gegen das Auftreten von Schmitz, welcher durch 
die Vibration einzelner Maschinenteile sonst so 
häufig hervorgerufen wird. 

Die Vorteile, welche die Verwendung von modernen 
Tiegeldruckschnellpressen, die das Arbeitsfeld des 
Buchdruckers noch dadurch erweiterten, daß man mit 
ihrer Hilfe Prägungen (die für Prägungen bestimmten 
Pressen werden auch mit Heizvorrichtungen ausge¬ 
stattet), Stanzungen und Stauchungen vornehmen 
kann, bietet, sind folgende: Raumersparnis, weil der¬ 
artige Maschinen nur ungefähr die Hälfte des Platzes 
beanspruchen, den eine für das gleiche Format in 
Betracht kommende Zylinderflachformmaschine ein¬ 
nimmt. Eventuell geringere Anschaffungskosten, 
kleinere Betriebskosten, da zur Bedienung nur eine 
Person notwendig ist, wobei natürlich von den für 
das Einschießen von Makulatur, Herausnehmen großer 
Bogen usw. hie und da notwendigen Hilfskräften ab¬ 
gesehen ist. Daß nur eine Person die ganze Arbeit zu 
vollführen imstande ist, also sie allein auch die Ver¬ 
antwortung zu tragen hat, ist schon mit Rücksicht 
auf die dadurch bedingte Zuverlässigkeit höchlich 
willkommen. 

Die Ursache davon, daß die in Rede stehendenPres- 
sen noch nicht jenen allgemeinen Eingang gefunden 
haben, den man eigentlich vermuten sollte, sowie die 
Erscheinung, daß selbst Firmen, die derartige Maschi¬ 
nen seit längerer Zeit besitzen, sie nicht in angemes¬ 
sener Weise ausnützen, dürfte in dem Umstand zu 
suchen sein, daß häufig nicht die richtigen Arbeits¬ 
kräfte zur Bedienung der Gallypressen verwendet 
werden. Sie sind nämlich oft einem seiner Aufgabe 
nicht ganz gewachsenen Drucker anvertraut. Wir 
haben es da mit einer sehr merkwürdigen Eigentüm¬ 
lichkeit zu tun. Die Bezeichnung Drucker hat sich 
von längst entschwundenen Zeiten bis heute zunächst 
als Bezeichnung der eine Handpresse bedienenden 
Person erhalten. Als die Schnellpresse ihren Ein¬ 
zug in den typographischen Arbeitsstätten gehalten 
hatte, gewöhnte man sich, sie im Gegensatz zur 
Presse (für Handpresse schlechtweg) respektvoll als 
Maschine zu titulieren, und dementsprechend bürgerte 
sich für den bei ihr beschäftigten Gehilfen allmählich 
der Name Maschinenmeister ein. Es wäre nun an 
und für sich nichts dagegen einzuwenden, daß durch 
verschiedeneTitulaturen der besondere Arbeitszweig 


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jedes einzelnen gekennzeichnet wird, aber ganz un¬ 
gerechtfertigterweise haben sich viele Buchdrucker, 
ja selbst den Gehilfenkreisen angehörende, daran 
gewöhnt, in den Bezeichnungen Drucker und Maschi¬ 
nenmeister eine unmittelbare Qualitätsdifferenzierung 
zu suchen. Und das sehr mit Unrecht. Sicher ist es 
nicht anzuzweifeln, daß man weniger befähigten 
Leuten — solche gibt es ja überall — einfache Ar¬ 
beiten und möglichst auch einfache Maschinen zu¬ 
weist: in unserm Falle also etwa die Herstellung 
von Korrekturabzügen und gewöhnlichen Drucksorten 
auf Handpressen und dem Amerikaner. Aber zur Ver¬ 
fertigung all der schönen Druckarbeiten, die selbst 
auf den einfachsten dieser Buchdruckpressen gemacht 
werden können, braucht es ganz genau so eines 
tüchtigen Menschen, wie ihn die Zylinderflachform¬ 
maschine in solchem Falle erfordert. Vor allem ist 
dies bei den modernen Gallypressen notwendig, 
deren Mechanismus unzweifelhaft nicht weniger kom¬ 
pliziert ist als der einer Schnellpresse. Oder glaubt 
jemand ernstlich, daß der Druck von Werksatz auf 
einer Zylinderflachformmaschine höhere Anforde¬ 
rungen an den Mann stelle als ein mittels der Tiegel¬ 
druckschnellpresse auszuführender Dreifarbendruck 
oder der Druck einer feinen Akzidenz? So aber 
wollen sich, und zwar öfter als man glaubt, Gehilfen, 
die tüchtige Kräfte sind, nicht zur Arbeit an derGally- 
presse hergeben, um das heute höchst unzeitgemäße, 
ja lächerliche Odium des Druckers nicht auf sich zu 
laden. Einem befähigten Drucker jedoch ist es mög¬ 
lich, ganz unglaublich viel Gutes aus einer modernen 
Tiegeldruckschnellpresse herauszuholen und sich, 
selbst wenn er sehr gut entlohnt wird, bezahlt zu 
machen. Bei ihm werden die Brüche an den Maschi¬ 
nen dieser Art, über die jetzt von manchen Betrieben 
geklagt wird, nie oder doch nur äußerst selten Vor¬ 
kommen. 

Wir gelangen nun zu den Zylinderflachform¬ 
maschinen. Ihre Reihe eröffnet naturgemäß die ein¬ 
fache Schnellpresse, welcher ja die größte Bedeutung 
zukommt. Sie ist es, mit deren Hilfe die meisten Er¬ 
zeugnisse des Buchdruckers vom einfachsten Prospekt 
bis zum illustrierten Prachtwerke und den feinen 
Farbendrucken hergestellt werden. Demgemäß ist 
es auch begreiflich, daß der Vervollkommnung der 
genialen Erfindung Koenigs die größte Aufmerk¬ 
samkeit zugewendet wird und daß es heute so viele 
Spielarten dieser Presse gibt. In der Hauptsache 
unterscheidet man dreierlei Typen: einfache Schnell¬ 
pressen mit Stopzylinder , solche mit kontinuierlich 
bewegtem Eintourenzylinder (. Eintourenmaschinen) 
und endlich sogenannte Zweitourenmaschinen mit 
gleichfalls ununterbrochen sich drehendem Druck¬ 
zylinder, der aber während einer Pressentour zwei 
Umdrehungen vollführt. Über den Wert der beiden 
letzten Arten herrscht noch vielfach Unklarheit. 


Die Schnellpressen mit Stopzylinder, der also 
während der Rückfahrt des Fundamentes stille steht, 
sind die bei uns noch immer in erdrückender Mehr¬ 
heit sich vorfindenden, und wohl die meisten Buch¬ 
druckereibesitzer ziehen eine andre Type gar nicht 
in Frage. Vielleicht mit Unrecht. Gewiß stellt die 
Stopzylinderschnellpresse in sehr vielen Fällen eine 
vollkommen ausreichende Maschine dar, die ja auf 
eine hohe Stufe gebracht wurde. Durch die Aus¬ 
stattung mit doppeltem Zylinderfarbwerke, durch 
massiven Bau, durch die Führung des gegen seitliche 
Verrückung durch besondere Vorrichtungen ge¬ 
schützten Fundamentes auf zahlreichen, in vier Bahnen 
zwangsläufig bewegten Rollen, durch Anordnung 
entsprechend vieler Exzenter auf einer Längswelle, die 
die subtile Funktion der verschiedenen Apparate 
(Bogenschieber, Punktur, Ausleger usw.) auslösen, 
ist tatsächlich die einfache Schnellpresse der gewöhn¬ 
lichen Form ganz gewaltig verbessert worden. Weitere 
hie und da benutzte Vervollkommnungen repräsen¬ 
tieren das verstellbare Fundament bei fix gelagertem 
Druckzylinder, Greifer, die einzeln, nämlich unab¬ 
hängig von den übrigen, pressen, ein Verschmieren 
der Druckstellen verhindernder Luftausleger usw. 
Von der Frontbogenausführung und dem kombinierten 
Tisch- und Zylinderfarbwerk, welche beiden auf die 
Stopzylinder-Schnellpressen von andern Pressen¬ 
arten verpflanzt wurden, wird weiter unten gesprochen. 
Jedenfalls steht fest, daß sich die Maschinen mit Stop¬ 
zylinder immer noch der größten Sympathien erfreuen. 

Aber es muß zu denken geben, daß in dem prak¬ 
tischen Amerika, dem wir unleugbar außerordentlich 
wichtige Anregungen gerade auf graphischem Gebiete 
(das naturgemäß jenseits des Ozeans schon von wegen 
des am höchsten ausgebildeten Reklamewesens größte 
Pflege erfährt, die sich nach jeder Richtung im wei¬ 
testem Ausmaße erstreckt, so daß die oft gehörte 
Behauptung, daß künstlerische Bestrebungen dort¬ 
selbstweniger vorherrschen, eine ganz und gar falsche 
ist), verdanken, die Stopzylinderpressen geradezu im 
Verschwinden begriffen sind. Nun, es läßt sich nicht 
an unsre kontinentalen, noch weniger an unsre hei¬ 
mischen Verhältnisse der gleiche Maßstab anlegen 
wie an amerikanische. Aber hier wie dort drängt die 
Zeit auf Vervollkommnung der erforderlichen Hilfs¬ 
mittel in allen Schaffenszweigen, weil nur dadurch 
die steigenden Erzeugungskosten ausgeglichen werden 
können. Also ergiebigere und—wenn irgend möglich 
— qualitativ bessere Leistung! Dieser Forderung 
entsprechen nun die Zweitouren- und Eintouren¬ 
maschinen, wenn das ihnen zugrunde liegende Prin¬ 
zip objektiv mit jenem der Stopzylinderpressen ver- 
: glichen wird. 

Das wichtigste Merkmal der Zweitouren- und der 
\ Eintourenmaschinen ist der ununterbrochen rollende 
Druckzylinder. Der Stopzylinder, während der Einfahrt 


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des Fundamentes rasch bewegt, muß im Augenblick 
des Hubwechsels plötzlich zum Stillstände gebracht, 
dann aber ebenso plötzlich wieder in Rotation ver¬ 
setzt werden. Diese Arretierung bedeutet unter allen 
Umständen eine Beanspruchung nicht nur des unmittel¬ 
bar beteiligten Mechanismus, sondern der ganzen 
Maschine, und zwar in um so stärkerem Grade, je 
kürzer die Druckperioden bemessen sind. Deshalb 
kann aus diesem Grunde keine Stopzylinderpresse 
schneller laufen gelassen werden als mit 1400 
Touren in der Stunde: eine Schnelligkeit, die auch 
wohl nur in den seltensten Fällen und nur beim 
Obwalten ungewöhnlich günstiger Umstände erreich¬ 
bar ist. Als normale Schnelligkeitsgrenze dürften 
wohl 1200 Touren anzusehen sein. Der kontinuier¬ 
lich sich drehende Zylinder gestattet jedoch eine er¬ 
hebliche Erweiterung der Schnelligkeitsgrenzen, weil 
eben bei Anwendung eines solchen kein periodischer 
Stillstand verknüpft mit plötzlichem, nur gewaltsam 
herbeizuführenden Arretieren und ebenso gewaltsam 
eingeleitetem Inbewegungsetzen eintritt. Dies ist das 
wichtigste Merkmal bei Maschinen mit kontinuierlich 
bewegtem Zylinder. Die dadurch bedingten Vorteile 
haften ganz gleicherweise den Eintouren- wie den 
Zweitourenmaschinen an. 

DieEintourenmaschinenbesitzen einen sehr großen 
Druckzylinder, der während der Einfahrt des Funda¬ 
mentes nur eine halbe Umdrehung erleidet (und da¬ 
bei druckt) und die zweite Hälfte der Umdrehung 
während der Rückfahrt des Fundaments vollführt. 
Damit der doch stets in derselben Richtung rotierende 
Zylinder bei der Rückfahrt des Fundamentes nicht 
mit der Form kollidiere, besitzt das Oberflächenseg¬ 
ment des Druckzylinders, das erst über der zurück¬ 
kehrenden Form abrollt, einen kleineren Radius als 
jenes, das den Abdruck zu bewirken hat. Die Ein¬ 
tourenmaschinen können nur mit der Bogenausfüh¬ 
rung nach rückwärts versehen werden, ferner ist bei 
ihnen ein Zylinderfarbwerk mit zwei, höchstens drei 
Auftragwalzen das zweckentsprechendste. Die Pres¬ 
sen dieser Art stellen also einen billigen neuen Typus 
dar, der eine höhere Leistung zuläßt als die einfache 
Stopzylinderschnellpresse und diese bei der An¬ 
fertigung aller derjenigen Drucksorten zu ersetzen 
vermag, bei denen besondere Anforderungen rück- 
sichtlich der Behandlung der frischen Abdrücke bei 
der Ausführung nicht gestellt zu werden brauchen. 

Dagegen muß man zurZweitourenmaschinegreifen, 
wenn es sich darum handelt, Bilderdrucke herzustellen, 
die trotz rascher Erzeugung sicher vor dem Verschmie¬ 
ren bewahrt bleiben sollen. Hierfür ist die Zweitouren¬ 
maschine eine geradezu vollkommene Maschine zu 
nennen. Bekanntlich ist die Funktion eines ununter¬ 
brochen in derselben Richtung rotierenden Zweilauf¬ 
zylinders so beschaffen, daß er während der Einfahrt 
des Fundamentes seine erste Umdrehung vollzieht 


und den Druck ausübt, dagegen während der Rück¬ 
fahrt des Fundamentes, die zweite Umwälzung er¬ 
leidend, von der Form abgehoben wird. Diese zweite 
Rotation des Druckzylinders erweist sich nun von 
größtem Vorteile für die bei Pressen dieser Art aus¬ 
nahmslos anzubringende Frontbogenausführung, die 
ein Verschmieren des frischen Druckes durchaus 
verhindert, weil der Bogen mit der bedruckten Seite 
weder mit Bändern, noch mit Stäben in Berührung 
kommt. Der stets rotierende Zylinder treibt nämlich 
geradezu den Bogen nach außen. Trotzdem ist der 
einlegenden Person oder dem Bogenanlageapparate 
verhältnismäßig mehr Zeit für die Zuführung der 
Bogen gegeben als bei Stopzylindermaschinen. 
Überdies werden an derartigen Pressen häufig beide 
Arten von Bogenausführapparaten angebracht; man 
benutzt dann die gewöhnliche Bogenausführung nach 
hinten, wenn bei raschestem Maschinenlaufe ein¬ 
fache Druckarbeiten verfertigt werden, was Verfasser 
für überflüssig hält, da aus den früher angegebenen 
Gründen eben die Benutzung einer sehr teueren, nur 
für den Druck gut bezahlter Arbeiten gedachten 
Presse zu gewöhnlicher Massenfabrikation als ein 
fachmännisch und kaufmännisch nicht zu rechtfer¬ 
tigender Unfug betrachtet werden muß. Der schnelle 
Gang der Zweitourenmaschine erfordert natürlich, 
namentlich für den Druck von Illustrationen, ein be¬ 
sonderes Farbenwerk, das feinste Verreibung auch 
strenger Druckfarben und genügende Sättigung der 
Form trotz der geringen, hierfür bemessenen Zeit¬ 
spanne zuläßt. Anderseits verhindert der Mechanis¬ 
mus des Frontbogenausführapparates die Anbringung 
eines den hohen Anforderungen entsprechen können¬ 
den Zylinderfarbwerkes, nämlich eines solchen, dessen 
Walzen genügend großen Umfang besitzen. Deshalb 
erschien bei Zweitourenmaschinen die Anbringung 
des kombinierten Tisch- und Zylinderfarbwerkes ge¬ 
boten. Zweilaufzylinder, Frontbogenausführung und 
kombiniertes Tisch- und Zylinderfarbwerk stehen 
also in einem ursächlichen Zusammenhänge. Eins 
erheischt das andre, zusammen ergeben sie, sich 
gegenseitig ergänzend, ein treffliches Ganze. 

Aber man trifft da auf merkwürdige Dinge. Die 
Zweitourenmaschine stößt namentlich in ihrer rich¬ 
tigen, einheitlichen Form vielenorts auf Mißtrauen. 
Zunächst wird bezweifelt, daß auf ihr ein tadelloses 
Register erhältlich sein soll. Es ist also aus diesem 
Grunde wohl noch begreiflich, daß der eine und 
der andre eine Stopzylinderpresse wählt, sie aber 
mit Frontbogenausführung und kombiniertem Tisch- 
und Zylinderfarbwerk ausstattet. Freilich kann eine 
solche Presse nur langsamer als eine gewöhnliche 
Schnellpresse mit Haltzylinder laufen, weil einerseits 
beim Herausziehen des bedruckten Bogens durch 
den Ausführungsapparat die bedeutende Friktion 
zwischen Bogen und Aufzug zu überwinden ist und 


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anderseits erst nach vollendeter Entfernung des 
Blattes ein neues den Anlegemarken zugeführt wer¬ 
den kann. Aber fast komisch muß es anmuten, wenn 
weder Zweilaufzylinder noch Frontbogenausführung 
Beachtung finden, dagegen das kombinierte Tisch- 
und Zylinderfarbwerk an einer gewöhnlichen Stop- 
zylinderpresse anzubringen beordert wird. Bei der 
Zweitourenmaschine kann man, sie betreffend, aus 
der Not eine Tugend machen, hier aber bedeutet sie 
in ökonomischer Hinsicht fast einen Nachteil, jeden¬ 
falls aber etwas Überflüssiges und unmittelbar Stö¬ 
rendes. Daß, wie schon oben erwähnt wurde, auch 
den Eintourenmaschinen die mit der Benutzung eines 
kontinuierlich bewegten Zylinders verknüpften Vor¬ 
züge eigentümlich sind, daß also gar kein Grund vor¬ 
handen ist, eine um vieles teuerere Maschine mit Zwei¬ 
laufzylinder aufzustellen, wenn auf die Frontbogen¬ 
ausführung verzichtet werden kann (in diesem Falle 
entfällt die Notwendigkeit der zweiten Umdrehung 
des Zylinders und damit die immerhin kostspielige 
und den Maschinenmechanismus komplizierende Ein¬ 
richtung zum Heben des Druckzylinders während 
der Rückfahrt des Fundamentes), das ist vielen, sehr 
vielen unbekannt. Noch ärger oder vielmehr ärger¬ 
licher ist es, was mitunter von anscheinend berufener 
Seite in den Empfehlungen der Maschinen mit kon¬ 
tinuierlich bewegtem Zylinder gesagt oder geschrie¬ 
ben wird. Gott schütze mich vor meinen Freunden! 
Da wird z. B. behauptet, daß der wichtigste Vorzug 
derZweitourenmaschine darin gelegen sei, daß nur bei 
ihnen die Geschwindigkeit der Form und Druckfläche 
die gleiche bleibt, während die geringere Leistungs¬ 
fähigkeit der Stopzylindermaschinen darauf zurück¬ 
zuführen sei, daß bei ihnen die Karrenbewegung und 
die des vom Karren mitgenommenen Druckzylinders 
infolge des Antriebes »durch eine mehr oder weniger 
modifizierte Kurbelbewegung“ (?) mit abwechselnd 
zu- und abnehmender Geschwindigkeit erfolge. Das 
ist natürlich unsinnig. Der wichtigste Vorzug der 
Zweitourenmaschinen, ebenso auch der Eintouren¬ 
maschinen ist — es sei hier wiederholt—der Umstand, 
daß der rasch laufende Zylinder in seiner Bewegung 
nie gehemmt wird. Und die geringere Leistungs¬ 
fähigkeit der Stopzylindermaschinen ist sinngemäß 
nur darauf zurückzuführen, daß eben das Stopen 
und das Wiederinbewegungsetzen des Druckzylinders 
einen langsameren Gang der Maschine erfordert. 

Im Gegenteile! Die zu- und abnehmende Ge¬ 
schwindigkeit der Karrenbewegung, z. B. bei Maschi¬ 
nen mit Eisenbahnbewegung (die Verhältnisse bei 
Maschinen mit Kreisbewegung sind nicht identische) 
wird von vielen tüchtigen Maschinenkonstrukteuren 
als praktisch bedeutungslos für die Druckqualität so¬ 
wohl wie für die Leistungsfähigkeit und die Dauer¬ 
haftigkeit von Druckpressen angesehen. Und die¬ 
selben Techniker anerkennen wohl, daß bei Maschinen 


mit kontinuierlich bewegtem Druckzylinder notge¬ 
drungenermaßen der Antrieb des Fundamentes mit¬ 
tels Doppelrechen- oder Mangelradbewegung in den 
verschiedenen Abarten durchgeführt werden müsse; 
sie betrachten aber gerade den außerordentlich steilen 
Verlauf des Hubwechsels nicht als einen Umstand, 
der unbedingt zu einem besondern Vorzug gestem¬ 
pelt werden müsse. Daß beim Antriebe des Funda¬ 
mentes z. B. mittels Eisenbahnbewegung der Druck¬ 
zylinder vom Karren aus angetrieben werden muß, 
dagegen ein Eintouren- und Zweitourenzylinder nicht 
vom Karren getrieben werden kann, das ist doch 
allzu selbstverständlich; weniger ist dies die Behaup¬ 
tung, daß im letzteren Falle die Übereinstimmung in 
den Bewegungsgeschwindigkeiten von Form und 
Druckzylinder sicherer gewährleistet sei. Bauen doch 
einzelne Fabriken Zweitourenmaschinen derart, daß 
periodisch Druckzylinder und Fundament sogar unter 
Zahneingriff laufen. Höchst merkwürdig muß es aber 
anmuten, wenn man liest, daß die grundsätzlichen 
Unterschiede der Bewegungs- und Geschwindigkeits¬ 
verhältnisse (zwischen Stopzylindermaschinen und 
Zweitourenmaschinen) den Ausgangspunkt zur Kon¬ 
struktion der Frontbogenausführung, des niederen 
Farbwerkes usw. bildeten. 

Unter solchen Umständen ist es schließlich nicht 
verwunderlich, wenn die merkwürdigsten Maschinen¬ 
typen verlangt werden. Die gewiß von den besten 
Intentionen erfüllten Maschinenfabriken müssen 
durch solche seitens der Konsumenten erfolgenden 
Aufträge irregeleitet werden. Ein weiteres inter¬ 
essantes Illustrationsfaktum: eine der hervorragend¬ 
sten Maschinenfabriken brachte an ihren besten 
Illustrationsmaschinen eine unstreitig vorzügliche 
Einrichtung an, indem sie den Druckzylinderlagern 
je ein Keilpaar unterlegte, welche zwei Paare durch 
einen gemeinsamen Antrieb zum gleichmäßigen Heben 
und Senken (also der einzig richtige Vorgang beim 
Verstellen) des Druckzylinders dienten. Die Fabrik 
mußte später von dieser Einrichtung absehen; man 
will den Zylinder einseitig verstellen können! 

Von geringerem Interesse für die Allgemeinheit 
sind die Doppelschnellpressen, Zweifarbenmaschinen, 
Komplettmaschinen usw. Aber auch hier lassen sich 
Beispiele dafür anführen, daß mitunter fälschliche 
Anschauungen über die Zweckmäßigkeit dieser oder 
jener Type vorherrschen, desgleichen läßt sich der 
Nachweis führen, daß auch hier die Gesichtspunkte, 
die in früherer Zeit maßgebend waren, heute eine 
gewaltige Verschiebung erfahren haben. Die Um¬ 
stände, die beispielsweise einstmals die Aufstellung 
einer Zweifarbenmaschine gebieterisch erforderten, 
haben eine wesentliche Reduktion erlitten, und nur 
in einigen wenigen Sonderfällen ist noch die An¬ 
schaffung einer Zweifarbenmaschine an Stelle zweier 
oder, besser gesagt, einer einfachen Schnellpresse 


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empfehlenswerter. Denn die Zeit, da noch — für jede 
Auflage fast — das Papier gefeuchtet wurde und bei 
einem nicht in einem Arbeitsgange durchgeführten 
Zweifarbendrucke (z. B. Kalendern, Gebetbüchern 
usw.) die Passerschwierigkeit schon durch die infolge 
des Feuchtens kaum zu hindernden Dimensionsver¬ 
änderungen des Druckpapieres sich aufs lästigste 
häuften, ist vorüber. Die Fälle also, in welchen der 
einzige Vorzug der Zweifarbenmaschine, daß der 
Bogen nur einmal eingelegt zu werden braucht und 
unabhängig von der Genauigkeit der Anlage passen 
muß, für die Anschaffung einer derartigen Presse 
ausschlaggebend ist, dürften nur höchst selten ge¬ 
geben sein. Dieser Vorzug kann heute, da man die 
heikelsten Dreifarbendrucke auf der einfachen Schnell¬ 
presse in drei völlig voneinander getrennten Arbeits¬ 
vorgängen aufs genaueste herzustellen vermag, wohl 
nicht als so bedeutend gewertet werden, daß er die 
vielen Nachteile ökonomischer Natur, die bei den 
Zweifarbenmaschinen gegenüber der einfachen 
Schnellpresse obwalten, aufzuwiegen vermöchte. Ja 
selbst einige Wertpapierdruckereien, die Zweifarben¬ 
maschinen benutzten, weil dadurch wenigstens ein 
Kontrollvorgang unter den vielen bei der Banknoten¬ 
erzeugung nötigen erspart wird, setzten sie außer 
Betrieb. Nichtsdestoweniger bestellen so und soviele 
Unternehmer noch immer neuerlich Zweifarben¬ 
maschinen, weil sie der Ansicht sind, daßdieLeistung 
solcher genau die doppelte der einer einfachen 
Schnellpresse sei. Sie ist mitunter nicht einmal so 
groß wie diese und die Rentabilität derartiger Ma¬ 
schinen ist zumeist eine sehr zweifelhafte. 

Eine tatsächlich doppelte Leistungsfähigkeit gegen¬ 
über den einfachen Stoppzylinder-Schnellpressen 
weisen die Doppelschnellpressen auf. Denn bei 
gleichem oder doch nur wenig längerem Karrenwege 
und bei gleicher Schnelligkeit des Maschinenlaufes 
werden in der gleichen Zeit zwei Bogen gedruckt, 
während der die einfache Schnellpresse nur einen 
liefert; denn hier wird nur während der Einfahrt der 
Form gedruckt, dort auch während der Rückfahrt des 
Fundaments. DieDoppelschnellpressemitzweiStopp- 
zylindern (während der Einfahrt des Fundamentes 
rollt der eine ab und druckt, der andre steht still; 
während der Rückfahrt der Form ist es umgekehrt) 
und einem zwischen diesen gelagerten einfachen 
Zylinderfarbwerke mit zwei Auftragwalzen (die An¬ 
ordnung eines z. B. mit vier Auftragwalzen ver¬ 
sehenen Doppelfarbwerkes würde zunächst denNach- 
teil eines viel längeren Karrenwegs mit sich bringen) 
genügt wohl nur zur Anfertigung einfachster Druck¬ 
arbeiten. Ihr größter Mangel ist, daß die Form vor 
jedem Abdrucke nur einmal eingefärbt wird. Lästig 
ist ferner, daß die Manipulation des Druckstellens, 
Aufzugmachens, Zurichtens usw. doppelt, nämlich 
an zwei Zylindern vorzunehmen sind. Deshalb stellt 


die Doppelschnellpresse mit einem schwingenden 
Zylinder, auch Reaktionspresse oder Schwingerpresse 
genannt, einen weit besseren und leistungsfähigeren 
Maschinentypus dar. Der Zylinder, unablässig mit 
seinen Zahnkränzen in die Fundamentzahnstangen 
eingreifend, rollt bei der Einfahrt der Form einmal 
ganz ab, um sodann, wenn die Form zurückkehrt, 
eine zweite komplette Umdrehung nach der entgegen¬ 
gesetzten Richtung zu vollführen. Vor und hinter dem 
Druckzylinder befindet sich je ein Doppelfarbwerk 
mit vier Auftragwalzen und die Form wird natürlich 
vor jedem Abdrucke zweimal eingefärbt. Daß nur ein 
Druckzylinder vorhanden ist, erspart nicht nur Arbeit, 
weil die vorgenannten Verrichtungen eben nur ein¬ 
mal gemacht werden müssen, sondern dieser Um¬ 
stand läßt einen viel rascheren Maschinenlauf zu. 
Denn die Anwendung eines schwingenden Druck¬ 
zylinders ist immerhin mit weniger Belästigungen 
verknüpft als die eines Stoppzylinders oder gar als 
die zweier Stoppzylinder, wie es bei der vorgenannten 
Art von Doppelschnellpressen der Fall ist. Es ist je¬ 
doch eine lächerliche Übertreibung, wenn hie und 
da behauptet wird, daß die Verhältnisse, wie sie der 
schwingende Zylinder schaffte, gleich günstige seien, 
wie die bei den kontinuierlich in ein und derselben 
Richtung bewegten Eintouren- und Zweitourenzylin¬ 
dern. Trotzdem die Doppelschnellpresse mit schwin¬ 
gendem Zylinder der mit zwei Stoppzylindern nach 
jeder Richtung hin weit überlegen ist, begegnet sie 
häufig ganz merkwürdigen, nämlich völlig ungerecht¬ 
fertigten Einwänden. Einer, der eine Zeitlang stich¬ 
haltig war, ist es seit Jahren auch nicht mehr. Und 
zwar konnte, wenn die Doppelschnellpresse nur als 
einfache benutzt werden mußte (beim Druck wesent¬ 
lich kleineren Formats), der eineZylinder der Doppel¬ 
schnellpresse mit zweiStoppzylindern abgestellt oder 
auchleerlaufengelassen werden. Bei einer Schwinger¬ 
presse frühererErzeugung war jedoch die Ausnutzung 
nur eines Formengangs unmöglich, weil beim zweiten 
der Abdruck auf dem Zylinderaufzuge selbst nicht 
verhindert werden konnte. Seit Jahren wird jedoch 
eine Vorrichtung an Reaktionspressen angebracht, 
die, in solchen Fällen in Tätigkeit gesetzt, den Zy¬ 
linder beim beabsichtigten Lehrgänge hebt. Daß die 
Form in einer Doppelschnellpresse in die Mitte ge¬ 
schlossen werden muß, das, so sollte man meinen, 
ist jedem Buchdrucker selbstverständlich. Ebenso, 
daß infolgedessen das Format nur innerhalb der 
Grenzen verändert werden kann, die die mögliche 
Verstellung von Marken und Greifern zuläßt. Aber 
das meint man eben nur. Es gab doch Leute, die er¬ 
klärten, sie würden sehr gerne Doppelschnellpressen 
kaufen, aber diese müßten jedes beliebige Format zu 
drucken gestatten. Und so wurden Maschinen ge¬ 
baut, die Doppelschnellpressen genannt werden, ob¬ 
wohl bei ihnen das wichtigste Merkmal derartiger 


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Druckapparate, nämlich die Ausnützung sowohl der 
Einfahrt wie der Rückfahrt des Fundamentes zur Ab¬ 
wickelung je eines Druckes gar nicht vorhanden ist 
und die ganze Konstruktion eine praktisch völlig ver¬ 
fehlte ist. Man stelle eben nur Doppelschnellpressen 
auf, wenn unausgesetzt Drucksorten ein und der¬ 
selben Größe mit ihr herzustellen sind. 

Verwunderlich ist vielen, daß einige sehr bekannte, 
umfangreiche periodisch erscheinende Publikationen 
z. B. auf mehreren Schwingerpressen gedruckt wer¬ 
den und nicht, wie es die Höhe der Auflage und die 
Häufigkeit des Erscheinens vermuten lassen sollte, 
auf einer Rotationsmaschine. Dafür ist hauptsächlich 
maßgebend, daß in diesen Fällen z. B. wegen der 
Beschaffenheit der Illustrationsklischees das Inter¬ 
esse obwaltet, von der flachen Form zu drucken, sei 
es deshalb, weil die Herstellung geeigneter Rund¬ 
formen in diesen Sonderfällen zu kostspielig ist, oder 
sei es darum, weil gegen den Rotationsdruck das viel¬ 
leicht unbegründete Mißtrauen gehegt wird, es sei 
mittels solchen die gewünschte Güte des Produktes 
nicht zu erreichen. 

Die Komplettmaschinen kommen wohl nur dann 
in Betracht, wenn eine Druckarbeit in kurzer Zeit 
völlig fertiggestellt werden muß. Also hauptsächlich 
bei Tagesblättern in Auflagen, welche nicht unbedingt 
einer Rotationspresse zur Erzeugung bedürfen. Hier 
dürfte weniger die Frage am wichtigsten sein, ob auf 
dieser oder jener Presse schöner gedruckt werden 
könne. Vielmehr wird die Frage von Bedeutung sein, 
ob mittels der oder der andern Presse mehr^ zu 
leisten sei. Nichtsdestoweniger bemühten sich viele 
unsrer Maschinenfabriken, ihre Schön- und Wider¬ 
druckmaschinen derart, z. B. mit besonderen Ab¬ 
schmutzvorrichtungen, reichen Farbwerken usw. aus¬ 
zustatten, daß auch größeren Anforderungen an das 
Druckergebnis entsprochen werden kann. Desgleichen 
kann auf den meisten auch von der endlosen Rolle 
gedruckt werden, oder sie sind sogar nur für die Ver¬ 
wendung von Rollenpapier gedacht. Wir haben heute 
auch schon eine recht stattliche Reihe von Komplett¬ 
maschinen verschiedner Art. Solche in der Form 
einer kombinierten Zweitourenmaschine (der Bogen 
läuft, indem er einen co-förmigen Weg beschreibt, 
von einem Zylinder auf den andern), andre mit einem 
Schwinger (der Bogen wird hierbei, und zwar vor 


dem Übergange auf die zweite Druckfläche, von einer 
Wendetrommel umstülpt), endlich mehrere Formen, 
bei denen die Fundamente mit den Sätzen feststehen 
und die Druckzylinder in einer Ebene darüber ab- 
rollen. In neuerer Zeit wird diese Art von Pressen 
vielfach gelobt. Eine ganz neue Komplettmaschine 
zeigt das bisher hauptsächlich beim lithographischen 
Bedrucken starrer Tafeln benutzte Prinzip ange¬ 
wendet. Hier wird nämlich ein Abdruck der Form 
auf einem mit Gummi überzogenen Zylinder gemacht, 
worauf eine zweite Übertragung auf einen zweiten 
ebensolchen Zylinder und erst von diesem der Ab¬ 
druck auf das Papier erfolgt. Der praktische Wert 
dieser Presse wird sich erst zu erweisen haben. 

Schließlich noch einige Worte über die übrigens 
vorläufig nur ganz vereinzelt anzutreffenden neuen 
Drei- und Vierfarbendruckmaschinen. Sie besitzen 
drei beziehungsweise vier komplette, je aus Funda¬ 
ment, Farbwerk und Druckzylinder bestehende Druck¬ 
werke. In einem Arbeitsgange werden die Bogen, von 
einem Druckzylinder auf den andern wandernd, also 
unmittelbar hintereinander mit den drei und vier 
Formen bedruckt. Allen Anforderungen entsprechende 
fette Druckfarben, die anstandslos auf Pressen ver¬ 
arbeitet werden können und die zugleich sofort, nach¬ 
dem sie aufs Papier gelangten, trocknen, gibt es be¬ 
dauerlicherweise noch nicht. Daher kann bei diesen 
Mehrfarbendruckmaschinen nur ein Naß- auf Na߬ 
druck stattfinden, und der nur, wenn Druckfarben von 
verschiedener, genau abgestimmter Klebrigkeit und 
Konsistenz verwendet werden. Kunstblätter wird man 
also keineswegs auf solche Art verfertigen können. 
Dagegen eignen sich die besprochnen Pressen für 
die Massenfabrikation z. B. von Reklamebildchen und 
dergleichen, weil vor allem ein sehr genaues Passen 
gesichert ist, denn die Bogen werden in ihrer Lage 
dadurch sicher belassen, daß sie keine noch so kurz 
andauernde Zeit frei sind, sondern erst von dem 
einen Druckwerk freigegeben werden, wenn sie vom 
nächsten bereits sicher gehalten werden. Zu gleichem 
Zwecke werden übrigens jetzt auch mehrere Zwei¬ 
tourenmaschinen kombiniert. 

In der vorstehenden Abhandlung wollte Verfasser 
nur allgemeiner gültige Gesichtspunkte berühren. 
Auf wichtige Einzelheiten gedenkt er in einigen spä¬ 
teren Artikeln zurückzukommen. 


Eine Studienreise in Nordamerika. 


Von G. NICOLAUS, Kaiserlicher Bauinspektor, Reichsdruckerei, Berlin. 


[ IE Vorbedingungen für eine Reise nach Nord¬ 
amerika lagen am Anfänge dieses Jahres be- 
sonders günstig. Zwar sind in jedem Winter 
die Preise für die Überfahrt niedriger als im Sommer, 
diesmal aber waren sie wegen der schlechten wirt¬ 



schaftlichen Konjunktur in Amerika bedeutend herab¬ 
gesetzt worden und schließlich hatte der zwischen 
den deutschen und englischen Dampfergesellschaften 
ausgebrochene Tarifkrieg in diesem Jahre die Über¬ 
setzungspreise ganz besonders herabgedrückt. So 


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war es nicht zu verwundern, daß ich mich auf die 
Aufforderung eines alten Freundes, der mich vor 
seiner, durch die günstigen Überfahrtspreise veran- 
laßten Abreise nach Amerika besuchte, um sich bei 
mir über die dortigen Verhältnisse Rat zu holen, auf 
seinen Vorschlag, ihn auf der Reise zu begleiten, 
kurzer Hand entschloß, mit ihm die Ausreise nach 
Hamburg anzutreten. Nun mußte die Abreise zwar 
schon am nächsten Tage angetreten werden, so daß 
die Zeit für die Reisevorbereitungen sehr kurz war, 
jedoch machte dies in diesem Falle wenig aus, da 
mir von meinen früheren Reisen in Nordamerika die 
dortigen Verhältnisse und Reiseansprüche bekannt 
waren. Der nötige Urlaub wurde gern erteilt, denn 
man kennt ja in Deutschland allerseits den Nutzen 
eines Aufenthaltes in Nordamerika. So wurde denn 
am Nachmittage die Ausreise von Berlin und am 
andern Morgen die Seereise von Cuxhaven aus an¬ 
getreten. Eine Ozeanfahrt war es aber, die ich nicht 
bald vergessen werde. Zwar ist die „Amerika“, die 
mich diesmal nach der neuen Welt bringen sollte, 
eines der größten und schönsten Schilfe der Hamburg- 
Amerika-Linie, aber ich hatte trotzdem hinreichend 
Gelegenheit, die Bedeutung der schönen Meisenbach- 
schen Gravüre „Windstärke 10—11“ mehr, als mir 
lieb war, am eigenen Leibe zu erkennen. Vor der 
eigentlichen Seekrankheit blieb ich zwar verschont, 
aber der eisige Sturm sowie das Schwanken und 
Rollen des Schiffes riefen doch Stimmungen hervor, 
die nicht immer die angenehmsten waren. Die Muße 
der Seereise wollte ich besonders zu Studien der 
Fachausdrücke der englischen Sprache verwenden, 
denn wenn mir auch die allgemeinen Ausdruckswei¬ 
sen geläufig waren, so fehlte doch eine umfassende 
Kenntnis der großen Zahl technischer Ausdrücke. 
Das Glück war mir dabei besonders günstig; mein 
Tischnachbar, der amerikanische Seepostbeamte, war 
drüben lange Zeit Holzschneider gewesen. Wie bei 
uns die Autotypie dem Holzschnitt stark zugesetzt hat, 
so hat sich auch, noch um vieles gründlicher, drüben 
derselbe Vorgang vollzogen und dem Holzschnitt fast 
den Garaus gemacht. Manchen Abend saßen wir zu¬ 
sammen und die Folge war eine ziemlich eingehende 
Kenntnis der amerikanischen Druckindustrie sowie 
der Fachausdrücke, ohne die eine erfolgreiche Durch¬ 
führung der Reise nicht denkbar ist. So war also auch 
der letzte Nachteil der schnellen Abreise ausgeglichen. 
Kurz vor der Ankunft in Amerika brachte uns ein 
Schneesturm (Blizzard) noch eine unliebsame Über¬ 
raschung insofern, als das Schiff wegen mangelnder 
Aussicht zu langsamer Fahrt genötigt wurde. Trotz¬ 
dem kam uns glücklich an einem hellen, sonnigen 
Morgen die ganz in Schnee gehüllte Küste in Sicht. 
Einfahrt und Landung vollzogen sich glatt,die Schnee¬ 
massen auf den Straßen in Neuyork erinnerten aber 
nochmals an den überstandenen Sturm. 



Abbildung 1. Fabrikanlage von Hoe & Co. ln Neuyork 


In Neuyork wurde zunächst die Redaktion der 
Neuyorker Staatszeitung aufgesucht, um einige Emp¬ 
fehlungen für die zu besichtigenden Anlagen zu er¬ 
halten. Ohne solche ist eine Besichtigung industriel¬ 
ler Anlagen nicht möglich. Die wirksamsten Ein¬ 
führungen sindaberstets die von Zeitungsredaktionen, 
wenn persönliche Bekanntschaften nicht vorliegen. 
Der nächste Besuch galt dann der Maschinenfabrik 
von R.Hoe &Co. (Abbildung 1). Sie befindet sich auf 
dem alten Grundstück der Firma in Neuyork, wo an 
Stelle der früheren älteren Gebäude eine siebenstök- 
kige neue Anlage gebaut wurde. Da der Grund und 



Abbildung 2. Haupteingang der Firma Hoe & Co. 


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Boden auf der schmalen und durch ihre Gestalt als 
Hafenlage von der Natur so sehr begünstigten Man¬ 
hattan-Halbinsel sehr teuer ist, baut man in die 
Höhe. Freilich zum Teil ohne jede Rücksicht auf 
Schönheit und Feuersicherheit, daher die vielen 
schweren Brände in Amerika. Nebenbei bemerkt, 
findet der Hochbau, der in Neuyork massenweise und 
bis zu 43 Stockwerken auftritt, nur bei Fabrik- und 
Geschäftshäusern statt, die Wohnhäuser sind meist 
Ein- und Zweifamilienhäuser, denn der Amerikaner 
läßt sich nicht wie der Deutsche in Mietskasernen 
zusammenpferchen, ja selbst viele Arbeiter haben ihr 
eigenes Heim. Die dadurch entstehende räumliche 
Ausdehnung der Städte und die großen Entfernungen 
werden durch großartige Verkehrsmittel wettgemacht. 
Das neue Fabrikgebäude von R. Hoe & Co. ist auch 
äußerlich sehr ansprechend und mit Freude erblickte 
ich als Deutscher das schöne Gutenbergstandbild 
über dem großen Hauptportal der Fabrik (Abbil¬ 
dung 2). Im Gegensatz zu andern amerikanischen 
Fabriken, die stets nur einige wenige Spezialitäten 
hersteilen, sind die Fabrikationszweige der Firma 
Hoe sehr vielseitig. Als Haupterzeugnis werden 
Rotationsmaschinen gebaut, von denen die neueste 
Leistung eine Vierfarbenmaschine war, die in der 
Stunde 96000 Stück zwölfseitige Zeitungen liefert. 
Umschlag und Mittelblatt sind in vier Farben ge¬ 
druckt, alles wird von der Maschine geschnitten, 
fertig ineinandergefaltet und geleimt. Der Druck kann 
von Stereotypplatten oder Galvanos geschehen. Im 
letzten Falle erhalten die Zylinder Mäntel. An einer 
andern Rotationsmaschine, die besonders für die Her¬ 
stellung einer bunten illustrierten Monatsschrift kon¬ 
struiert worden ist, war die Einrichtung vorhanden, 
daß ein starkes Umschlagsblatt, das vorher auf der 
Flachdruckmaschine hergestellt war, durch einen 
automatischen Cross-Anlegeapparat eingeführt und 
über die fertigen, auf einer Sammeltrommel zu¬ 
sammengebrachten Lagen geleimt wurde, so daß die 
Maschine in der Stunde 4000 fertige Hefte abliefern 
konnte. Im Bau war ferner: eine Kupferdruck- 
Vierplattenschnellpresse für Briefmarkendruck mit 
automatischer Wischung. Die Maschine hat ein recht¬ 
eckiges Untergestell, auf dem durch Vermittlung einer 
Kette die Kupferdruckplatte im Viereck herumgeführt 
wird. Letztere passiert zunächst das Farbwerk, dar¬ 
auf den automatischen Wischer, wird mit Papier 
beschickt und gelangt schließlich unter das Druck¬ 
werk. Der automatische Wischer besteht aus einem 
Rahmen, über den ein allmählich fortschreitendes 
Wischtuch gespannt ist und der in kreisende Be¬ 
wegung versetzt wird, wodurch sowohl das Einreiben 
der Platte mit Farbe als auch das Wegnehmen der 
überflüssigen Farbe von der Kupferdruckplatte erfolgt, 
ohne daß jedoch die eingeriebene Farbe aus den Ver¬ 
tiefungen herausgerissen wird. 


Eine größere Zahl von Zweitourenmaschinen war 
in Arbeit. Diese Maschinenart erfreut sich in Amerika 
einer weit größeren Verbreitung als zurzeit in Europa. 
Sie ist aber keine speziell amerikanische Erfindung, 
da ja bekanntlich eine der ersten im Jahre 1817 von 
Koenig, dem Erfinder der Schnellpresse, gebaute 
Maschine die Merkmale der heutigen Zweitouren¬ 
maschine zeigt, nämlich den ständig umlaufenden 
Druckzylinder, den Doppelrechenantrieb mit gleich¬ 
förmiger Geschwindigkeit für das Druckfundament 
und die Puffer an beiden Hubenden. Es ist aber auch 
hier wie in manchen andern Fällen gegangen und 
bleibt ein Verdienst des praktischen Sinnes der Ame¬ 
rikaner, daß sie die vorhandene Idee nach großen Ge¬ 
sichtspunkten aufgegriffen, mit aller Konsequenz den 
entgegenstehenden Hindernissen zum Trotz durch¬ 
geführt und ihr zum Siege über das allgemein Land¬ 
läufige, von jedem als selbstverständlich Hingenom¬ 
mene verholfen haben. 

Die Zweifarbenmaschinen nach dem Zweitouren¬ 
system waren in Amerika fast ausnahmslos mit zwei 
Zylindern gebaut. Auf diesen muß zwar der Bogen 
von einem Druckzylinder auf den andern überführt 
werden, dafür ermöglichen sie aber, daß jede Farbe 
einzeln auf einem Zylinder zugerichtet werden kann, 
demnach die Zurichtung hinter der Form nicht nötig 
wird. Ob sie ebensogut Register halten wie die Stop- 
zylinderpressen, muß die Praxis lehren. Großes 
Interesse erweckten ferner die Rotationsmaschinen 
für ein- und zweifarbigen Aluminiumdruck. Solche 
Maschinen drucken von Zink und Aluminiumplatten 
unter Zuhilfenahme eines Gummizylinders und lie¬ 
fern 3000 bis 5000 Abdrücke stündlich. So her¬ 
gestellter Druck wird sogar für Wertpapiere ver¬ 
wendet. Einige mir vorgelegte Druckproben solcher 
Papiere zeigten auch ganz sorgfältige Ausführung, 
ihre Linien können aber naturgemäß nicht die 
Schärfe erreichen, die von den in Deutschland in 
Kupfer- oder Buchdruck hergestellten Ausführungen 
verlangt wird. Die Firma Hoe baut ferner alle für 
die Stereotypie gebrauchten Apparate. Die Gießappa¬ 
rate sind meist so eingerichtet, daß sie nach Einlegen 
der Matritzen aufgerichtet werden können, so daß 
stehend gegossen wird. Dabei wird, um dichten Guß 
zu erzielen, ein großer, verlorner Kopf mit angegos¬ 
sen, der nachher weggeschnitten wird. Die Schmelz¬ 
kessel sind zum Teil mit Pumpenversehen, mit denen 
das Metall direkt aus dem Kessel in die Form hin¬ 
übergedrückt werden kann. Die Hobelmaschinen für 
die Rückenseiten der Platten haben vielfach rotie¬ 
rende Fräser, durch die ein Durchdrücken der Platten 
weniger leicht verursacht werden soll, als durch 
einen nur an einer Stelle angreifenden Hebelstahl. 
Die Pressen zur Herstellung von Wachsabdrücken 
sind mit Preßwasser, zum Teil aber auch mit Knie¬ 
hebelantrieb versehen, welch letzterer ein schnelleres 

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Arbeiten, auf das in Amerika vor allem Wert gelegt 
wird, gestattet. 

Alle Arbeit in der Fabrik ist Massenarbeit, es wird 
nach Zeichnungen bzw. Leeren nicht für eine be¬ 
stimmte Maschine, sondern für das Lager gear¬ 
beitet. Die Bearbeitung der Druckzylinder ge¬ 
schieht zunächst durch Abdrehen, dann aber noch 
durch Schmirgelschleifsteine. Als Grund wurde 
angegeben, daß so jede Abweichung von der zylin¬ 
drischen Form durch den Druck des Hobelstahls in¬ 
folge Ausbiegens oder Auslaufens der Körnerspitzen 
vermieden wird. Die große Ausdehnung der Fabrik 
verhindert es leider, durch einmaligen Besuch einen 
vollständigen Überblick zu gewinnen, indes war es 
durch die freundliche Führung möglich, auch schon 
bei dem einmaligen Besuch viel Interessantes zu 
sehen. 

Als zweite Maschinenfabrik wurde die Miehle Prin- 
ting Press Company in Chicago besichtigt. Sie be¬ 
fand sich früher in dem Geschäftsteile der Stadt, 
hat aber jetzt in der kurzen Zeit von einem halben 
Jahre eine neue Anlage in der äußeren Stadt ge¬ 
schaffen. Die Verlegung des Fabrikbetriebs war nicht 
nur völlig kostenlos, sondern sogar mit einem pe¬ 
kuniären Vorteil für die Gesellschaft verbunden, 
da das Gebäude im Innern der Stadt von einer Eisen¬ 
bahngesellschaft gebraucht und für einen hohen Preis 
erworben werden mußte, während die Bauplätze 
im Äußern der Stadt naturgemäß billiger sind. 
Die Fabrik arbeitet noch mehr nach den beson- 
dern amerikanischen Grundsätzen der Beschrän¬ 
kung auf ein Gebiet als Hoe. Sie baut nur eine Ma¬ 
schinenart, für die sie das möglichst rationellste 
Arbeitsverfahren und die größte Vollkommenheit 
zu erreichen sucht. 

Obgleich die deutschen Maschinen in der Kon¬ 
struktion den amerikanischen vollständig gleich¬ 
wertig, in der Sorgfalt der Ausführung ihnen meist 
überlegen sind, sehen wir in neuerer Zeit, daß 
nicht nur in Druckmaschinen, sondern auch auf 
fast allen Gebieten des Maschinenbaues die Ameri¬ 
kaner als Wettbewerber der deutschen Industrie 
auftreten, obgleich sie höhere Löhne zahlen müssen 
und nicht über so gut geschulte Arbeiter verfügen. 
Die Gründe hierfür liegen einerseits in der Arbeits¬ 
weise, anderseits in den Zolltarifverhältnissen. Der 
amerikanische Fabrikbetrieb charakterisiert sich 
durch folgende drei Punkte: 1. Größtmögliche Ar¬ 
beitsteilung für Maschinen und Menschen, wo sich 
letztere nicht unbedingt ausschalten lassen, das heißt, 
es wird für jeden Arbeitsgang eine besondre, mög¬ 
lichst automatisch arbeitende Maschine geschaffen, 
die nur einzig und allein die betreffende Arbeit be¬ 
sorgt. 2. Genaueste Schablonenarbeit, unter Ver¬ 
wendung von Grenzleeren, wo nur immer angängig. 
Dazu werden für alle in der Fabrik vorkommenden 


Maße Leeren verwendet. Die fertigen Gegenstände 
müssen genau in die Normalleere passen, dürfen 
aber nicht in die Grenzleere hineingehen, so daß Me߬ 
fehler, wie sie bei Taster und Maßstab Vorkommen, 
vermieden werden. 3. Für jeden Betrieb besteht ein 
besonderes durchgebildetes System des Transports 
der Werkstücke und gute Transportmittel, wodurch 
erreicht wird, daß die Werkstücke keine unnützen 
Wege zu machen brauchen, so daß Zeit und Arbeit 
gespart wird. 

Durch dieses System ist es möglich, die einzel¬ 
nen Stücke schnell und massenhaft herzustellen, die 
fertigen ohne Nacharbeit zusammenzubauen, jedes 
Stück, was bei Ersatzstücken besonders wichtig ist, 
an Stelle eines andern zu verwenden und schließlich, 
alles ohne Zeitverlust an den Gebrauchsort zu schaf¬ 
fen. Allein durch das hier gekennzeichnete System 
ist es zu erklären, daß z.B. die Fabrik der Miehle Cy. 
bei voller Besetzung alle drei Stunden, d. h. am Tage 
drei Maschinen fertigstellen kann. Wie weit die Spe¬ 
zialisierung geht, zeigt die Tatsache, daß die Seiten¬ 
gestelle für die Schnellpressen auf einer Arbeits¬ 
maschine völlig fertiggestellt werden. Zuerst werden 
alle Paßflächen in gewöhnlicher Art gehobelt, dann 
wird ein Fräser eingeschaltet, der bei stillstehendem 
Bett der Hobelmaschine an deren Querhaupt senk¬ 
recht zur Arbeitsrichtung des Bettes entlang läuft und 
die Lagerstelle für die Zylinderlager genau senkrecht 
zur Mittelebene ausfräst. Auf diese Weise wird die 
überaus wichtige Forderung der senkrechten Achsen¬ 
stellung ohne jede Messung erreicht. Die Rollen für 
die Bahnen der Maschinen werden zunächst abgedreht, 
dann gehärtet, nach der Härtung geschliffen und zwar 
ebenfalls nach Grenzleeren. Die Rolle muß in die 
größere Öffnung der Leere hineingehen, darf aber in 
die um den Toleranzbetrag, genannt wurde mir 
1/1000 Zoll, kleinere nicht hinein passen. Während 
des Schleifens wird der Schleifstaub durch Luft ab¬ 
gesaugt, wodurch einerseits die Anforderungen der 
Hygiene erfüllt werden, anderseits aber eine wirk¬ 
same Kühlung der Arbeitsfläche eintritt, so daß eine 
Formveränderung infolge Erwärmung nicht eintreten 
kann. Bemerkenswert ist auch die Herstellung der 
gehärteten Gleitstücke. Um auch das geringste Ver¬ 
ziehen beim Aufspannen zum letzten Schliff zu ver¬ 
meiden, werden diese Stücke magnetisch auf ihrer 
Unterlage festgehalten. Die Druckzylinder erscheinen 
ungewöhnlich schwer, was nur dadurch erklärlich 
ist, daß sie in Zweitourenmaschinen verwendet wer¬ 
den, wo sie ständig umlaufen. Die Zapfen sind mit 
dem Druckzylinder aus einem Stück gegossen, wo¬ 
für ein vorzügliches Gußeisen sowie tadelloser Guß 
Voraussetzung ist. Ganz besonders interessant ist 
die Herstellung der genauen Seitenführung für das 
Fundament in den Bahnen. Um sicher zu sein, daß 
durch die beim Zusammenbau derMaschine notwendig 


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auftretenden Spannungen keine Abweichung in der für 
das Registerhalten und für ruhigen Druck so wichtigen 
Seitenführung veranlaßt wird, wird die letzte Bear¬ 
beitung der Bahnen erst nach dem Zusammenbau des 
ganzen Gestells vorgenommen und zwar wieder der¬ 
artig, daß die Bearbeitung von selbst die richtige 
Führung ergibt. Dazu wird in die Maschine ein Fräse¬ 
apparat hineingesetzt, der durch einen in die Zylinder¬ 
lager drehbar eingesetzten Arm genau ausgerichtet 
wird und dann die Führung fertig fräst. Die Zahn¬ 
räder werden meist aus dem vollen Material auf auto¬ 
matischen Räderschneidemaschinen angefertigt. Sie 
werden aber, damit die Maschine nicht auf einmal zu 
viel Material wegnehmen muß und infolgedessen un¬ 
ruhig arbeitet, zunächst vorgeschnitten und dann 
fertig gemacht, wobei der Fräser zur Erreichung einer 
genauen Teilung immer zwei Zahnflanken zugleich 
bearbeitet. Die sehr interessante Fabrikanlage macht 
auch durch ihre Sauberkeit, die man in ameri¬ 
kanischen Fabriken nicht immer findet, einen guten 
Eindruok. 

Zwei Papierfabriken wurden besucht. Zuerst 
die der National Paper Co. an den NiagaraFällen, 
dann die von Jessup & Moore in Willmington bei 
Philadelphia. Erstere, die hauptsächlich für die 
Massenfabrikation gewöhnlicher Papiere eingerichtet 
ist, liegt unmittelbar oberhalb der Fälle, an denStrom- 
schnellen des Niagaraflusses. Natürlich wurden bei 
dieser Gelegenheit auch die Fälle besucht, die ich 
bisher im Winter noch nicht gesehen hatte. Bieten 
sie schon im Sommer ein unvergeßliches Bild, so ist 
ihr Eindruck im Winter, den ich bisher nur von 
Abbildungen kannte, geradezu überwältigend. Alle 
Vegetation in der Umgegend ist mit einer Eiskruste 
überzogen, in dem tiefen Schlunde, in den das Wasser 
hinabstürzt, türmen sich mächtige Eismassen auf. 
Der Donner der hinabstürzenden Fluten wird noch 
verstärkt durch das Krachen der Eismassen. Der 
Eindruck, den man auf einem Gange unter die Fälle 
gewinnt, ist noch gewaltiger als im Sommer. Auch 
die Stromschnellen unterhalb der Fälle, wo die von 
den Fällen kommenden Wassermassen auf ein Drittel 
der früheren Breite durch Felswände zusammen¬ 
gedrängt werden, geben ein Bild ungebändigter Natur¬ 
kraft von unbeschreiblicher Wildheit. 

Die National Paper Co.-Fabrik bezieht ihre Kraft 
aus einer Turbinenanlage, die mit Wasser von den 
Stromschnellen oberhalb der Niagarafälle versorgt 
wird. Zur Reserve, sowie zur Erzeugung von Heiz¬ 
dampf besitzt sie auch noch eineKesselanlage, die mit 
den abfallenden Holzspänen geheizt wird. Die Späne 
werden durch eine automatische Transportanlage von 
den Arbeitsmaschinen entfernt und ins Kesselhaus 
gefördert. 

Durch einen Kanal, der mit Einläufen und Eis¬ 
schützen versehen ist, wird das Wasser dem Niagara¬ 


flusse entnommen und den etwa 50 m tiefstehen¬ 
den Turbinen zugeführt; das ablaufende Wasser 
gelangt durch einen in den Felsen gesprengten Kanal, 
der unter der Stadt Niagara Falls hindurchgeht, hinter 
den Fällen wieder in den Strom. Es ist ein für unsre 
Verhältnisse ungewohnter Anblick, in dieser bedeu¬ 
tenden Tiefe die Arbeiter auf einer an einem ein¬ 
fachen Tragseile ohne jede Führung eingehängten 
Förderschale Reparaturen an denTurbinen vornehmen 
zu sehen, besonders, wenn die auf einem kleinen 
Schmiedefeuer warmgemachten Nieten den Arbeitern, 
wie es drüben allgemein üblich ist, einfach durch die 
Luft zugeworfen werden. 

Die Kraftanlage der Fabrik umfaßt sechs Turbinen 
zu je 1500 P. S. Zwei doppelte Schleifapparate für 
Holz mit hydraulischer Anpressung, sechs Kocher, 
acht Holländer und sechs Papiermaschinen sind Tag 
und Nacht ununterbrochen in Tätigkeit. 1600 Arbeiter 
sind beschäftigt, die täglich 150 Tonnen Papier von 
10 bis 60 Prozent Zellulosegehalt hersteilen. Da die 
Holzzufuhr im Winter, teils wegen des Stillstehens 
der Schiffahrt, teils wegen der erschwerten Abfuhr 
der Hölzer, gesperrt ist, so sind ausgedehnte Vorrats¬ 
plätze zum Stapeln des Holzes vorhanden. Ebenso 
wie das Holz aus den Fahrzeugen durch große Kran¬ 
gerüste mit Selbstgreifern und fahrbaren Laufkatzen 
automatisch entladen und über den Platz verteilt wird, 
so wird es auch bei dem Verbrauch der Fabrik auto¬ 
matisch zugeführt. Ein Arbeiter öffnet nur die Klappen 
der Förderrinnen, die Hölzer fallen hinein und werden 
durch Transportbänder nach den Maschinen gebracht. 
Dort gelangen sie entweder zu den Schleifmaschinen, 
um zu Holzschliff verarbeitet zu werden, oder zu den 
Schälapparaten, die sie für die Zerkleinerungsmaschi¬ 
nen vorbereiten. Nachdem das Holz zerkleinert ist, 
geht es durch eine große Sortiertrommel, die die 
großen Stücke zurückhält und den Staub durchfallen 
läßt, so daß nur die brauchbaren, mittlern Stücke 
zum Kocher gelangen. Der Kochprozeß unterscheidet 
sich in nichts von dem deutschen. Bemerkenswert 
ist nur, daß die Fabrik die schwefeligen Säuren durch 
Verbrennung von Schwefel selbst erzeugt und den 
Schwefel, um mit seinem Transport keine Arbeit zu 
haben, den Verbrennungsapparaten geschmolzen zu¬ 
führt. Verarbeitet wird nur amerikanischer Schwefel, 
der europäische Wettbewerb ist durch ein Abkommen 
mit den sizilianischen Schwefelwerken ausgeschaltet. 
Fast aller amerikanischer Schwefel wird in Loui¬ 
siana gewonnen, wo sich reiche Schwefellager be¬ 
finden. Das Gewinnungsverfahren ist sehr interessant 
und wurde mir wie folgt geschildert. Da der Boden 
dort zumeist aus Sand besteht, würde der Tagebau 
viel Zimmerung erfordern und sehr teuer sein. Man 
teuft deshalb bis in die schwefelhaltigen Schichten 
Rohrbrunnen ab, durch die überhitzter Dampf ein¬ 
geleitet wird, der den Schwefel schmilzt. In den 


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flüssigen Schwefel wird dann heiße Luft eingeblasen, 
die sich ähnlich der Wirkungsweise der Mammut¬ 
pumpen mit dem Schwefel vermischt und ihn durch 
ein Einsatzrohr zum Aufsteigen bringt. Der auf diese 
Weise gewonnene Schwefel ist sehr rein. 

Der gekochte und aufgelöste Zellulosestoff wird 
ausgewaschen, passiert dann mehrere Siebe, in denen 
grobe Stücke oder nicht völlig verkochte Bestandteile 
zurückgehalten werden, und wird auf der Maschine 
zu dickem Rohpapier verarbeitet. Dieses Rohpapier 
wird dann mit dem Holzschliff zusammen in die Hol¬ 
länder eingesetzt, aus denen die Masse u. a. nach 
Zusatz von Farbe in konische Stoffmühlen gelangt, 
von denen er durch Pumpen zu den Papiermaschinen 
geschafft und dort verarbeitet wird. Auffällig ist die 
Fertigkeit, mit der die Leute das ständig laufende 
Papier, wenn es die Papiermaschine verläßt, auf die 
neue Aufwickelrolle bringen, wenn eine gefüllt ist. 
Die Rollen werden sofort kalandriert, geschnitten und 
verpackt, worauf sie dann auf schiefen Ebenen zu 
den Eisenbahnwagen gelangen. 

Beim Austritt aus der Fabrik erlebte ich eine hä߬ 
liche Szene, die ich hier erwähne, weil sie charakte¬ 
ristisch für die Rücksichtslosigkeit ist, mit der in 
Amerika gegen die wirtschaftlich Schwachen vorge¬ 
gangen wird. Zwei junge Leute warfen einen, der 
Kleidung nach dem Arbeiterstande angehörigenMann 
über die Treppe hinunter in den Schnee. Auf mein 
Befragen nach dem Grunde dieser Behandlung wurde 
mir lachend mitgeteilt, daß der Mann „gestört“ habe. 
Da mir und meinem Begleiter der arme Teufel leid 
tat, sprachen wir ihn an und merkten bald, daß er der 
englischen Sprache nur sehr wenig mächtig war, da¬ 
für aber polnisch sprach. Er erzählte uns, daß er 
arbeitslos sei, und zeigte uns die Auskunft eines 
Agenten, daß er in der Papierfabrik Arbeit finden 
würde. Für diese Auskunft hatte er 5 Dollars bezahlt. 
Sie wurde ihm bei der Meldung in der Fabrik in 
der oben geschilderten Weise quittiert. Durch diese 
Rücksichtslosigkeit auf der einen Seite wird natürlich 
ein äußerst fester Zusammenschluß auf der andern 
veranlaßt. Die Macht der Arbeiter-Vereinigungen 
(Labor union) ist sehr groß und wird aufs höchste 
ausgenutzt. Hierfür einige Beispiele: In einer Stadt 
war eine Musikhalle erbaut worden, die von nicht 
gelernten Arbeitern beendet werden mußte, da die 
organisierten kurz vor Fertigstellung die Arbeit unter 
unerfüllbaren Bedingungen niederlegten. Als das 
Gebäude eingeweiht werden sollte, war es nicht mög¬ 
lich, eine Musikkapelle für die Konzerte und Kellner 
für die Bedienung zu erhalten. 

Ein Fabrikbesitzer erhielt einen Waggon Eisen¬ 
konstruktionen für seinen Neubau. Die Konstruk¬ 
tionsteile trugen zwar den Unionsstempel, aber der 
Wagen war von nichtorganisierten Arbeitern ver¬ 
laden worden. Deshalb weigerten sich seine Leute, 


den Wagen zu entladen und er mußte ihn zurück- 
schicken. 

Bei jedem Einkauf sieht der organisierte Arbeiter 
nach, ob die Ware den Unionsstempel trägt und das 
hat dazu geführt, daß selbst Packpapier mit dem 
Aufdruck der Warenbezeichnung, das ich zufällig er¬ 
hielt, mit dem Unionsstempel der Schriftsetzer ver¬ 
sehen war. 

Die Fabrik von Jessup & Moore in Willmington 
bei Philadelphia liegt ziemlich weit ab von dem Bahn¬ 
hofe; eine Wagen fahrt bei hellem Sonnenschein durch 
das winterlich schöne Waldtal des Brandywinebaches 
brachte mich dahin. 

Auf eine Empfehlung des Direktors der Staats¬ 
druckerei in Washington wurde mir alles bereitwilligst 
gezeigt, auch die Einrichtungen zur Anfertigung des 
Kupferdruckpapieres für die Briefmarken der Ver¬ 
einigten Staaten. Zum Betriebe steht Wasser- und 
Dampfkraft zur Verfügung. Die Tageserzeugung be¬ 
trägt 30000 kg, zwölf Holländer mit den zugehörigen 
Stoffmühlen und drei Papiermaschinen sind in Tätig¬ 
keit. Es werden hier nur bessere Papiere hergestellt 
und zwar aus Lumpen und Sodastoffen. Die Natron- 
Zellulose wird in einer eigenen Fabrik hergestellt, 
die blauen, baumwollenen Lumpen werden aus 
Deutschland bezogen. Sie müssen gereinigt und des¬ 
infiziert geliefert werden, weil die Einfuhr ungerei¬ 
nigter Lumpen verboten ist. Meist sind es Abfälle 
von Röcken und Schürzen. Ich dachte unwillkürlich 
an eine alte deutsche Gewohnheit, als mir erzählt 
wurde, daß man öfter Nickel, Silber, ja sogar Gold¬ 
münzen darin eingenäht fände. Die Lumpen werden 
sortiert, geschnitten und mit achtzehnprozentiger 
Chlorkalklösung gekocht, um dann im Holländer ver¬ 
arbeitet zu werden. Hier wird auch die Zellulose zu¬ 
gesetzt. Die Papiermaschinen unterscheiden sich von 
denen der National Paper Co. nur durch die Heizung, 
da sie wegen der feinen Papiere nicht so stark er¬ 
wärmt werden dürfen, und durch die Wasserzeichen¬ 
walzen. Diese sind leicht aber doch stabil gebaut, ihr 
Gerippe besteht aus zwei sich kreuzenden Draht- 
spiralen und einer Lage von Längsdrähten, auf denen 
das Drahtsieb mit den Buchstaben usw. befestigt ist. 
Die für die Anfertigung der Staatspapiere bestimmten 
Wasserzeichenwalzen werden unter einem Verschluß 
gehalten, der nur gemeinsam von Beamten der Firma 
und des Staates geöffnet werden kann. Das Papier 
wird nach der Fertigstellung gleichfalls kalandriert 
und in Bogen geschnitten. Die Schneidemaschinen 
arbeiten rotierend, aber trotzdem sehr ruhig. Der 
erzielte Schnitt ist tadellos, durchaus gerade und 
senkrecht zur Laufrichtung, wie durch Zusammen¬ 
legen eines beliebig entnommenen Bogens festge¬ 
stellt wurde. Aus dieser Fabrik beziehen die Ver¬ 
einigten Staaten sämtliches Kupferdruckpapier mit 
dem Wasserzeichen USPS für Briefmarkendruck. 


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Besonders bemerkenswert war die Sparsamkeit, mit 
der in dieser Fabrik gearbeitet wurde und die in 
Amerika, wo es ja meist auf Leistung ankommt, nicht 
immer so weitgehend gefunden wird. So wird z. B. 
der Staub aus dem Lumpenschneider in eine Staub¬ 
kammer geführt und die hier niedergeschlagenen 
Fasern für die Fabrikation nutzbar gemacht. Ferner 
wird das Abwasser der Papiermaschine von mitge¬ 
führten Fasern befreit, worauf sowohl die Fasern als 
auch das Wasser wieder dem Betriebe zugeführt 
werden. 

In Chicago wurde eine große Buchdruckerei be¬ 
sucht. Obwohl ihre maschinellen Einrichtungen sehr 
interessant und lehrreich waren, kann ich mir hier 
einen Bericht sparen, da die Ausrüstung der Staats¬ 
druckerei in Washington sie in jeder Weise übertraf. 
In drucktechnischer Beziehung können wir von den 
Amerikanern nicht viel lernen. Die zahlreichen illu¬ 
strierten Magazine (Monatsschriften) zeigen im Durch¬ 
schnitt eine Ausführung, mit denen wir nicht zufrie¬ 
den sein würden. Meistens enthalten sie schlechte 
Autotypien und mangelhafte Dreifarbendrucke, deren 
breite Regenbogenränder das schlechte Register der 
einzelnen Farbenplatten erkennen lassen. Aber das 
amerikanische Durchschnittspublikum verlangt der¬ 
artige Magazins nicht besser und ist damit zufrieden, 
warum soll es also besser gemacht werden. Massen¬ 
leistung ist die Hauptsache. Um so angenehmer fielen 
hier einige Farbendrucke auf, die in Buchdruck auf 
einem glatten Papier, das nachträglich durch Kalan¬ 
drierung eine Körnung erhalten hatte, hergestellt 
worden waren. Auch eine englische Ausgabe von 
Storms Immensee war in Druck, Illustration und Ein¬ 
band sehr schön ausgeführt. 

Das amerikanische Zeitungswesen steht inhaltlich 
auf dem Standpunkte der gröbsten Sensation. Wenige 
Zeitungen haben Leitartikel oder wissenschaftliche 
und unterhaltende Teile in dem Umfange wie in 
Deutschland. In der Druckausführung wird durch die 
Größe und Fassung der Überschriften das mehr oder 
minder Aufsehen erregende der Meldung zur Dar¬ 
stellung gebracht. Mit vier riesengroßen B und den 
Worten: „Bebel brüllt, Bülow bebt“ überschrieb 
eine deutsche Zeitung eine Reichstagsrede Bebels; 
„Kaiserliche Hoheiten hoch“ stellte eine englische 
an den Kopf ihres Blattes und brachte zu einer ent¬ 
sprechenden schlecht ausgeführten Autotypie einen 
Aufsatz über den Aufenthalt des Kronprinzenpaares 
in St. Moritz. Kind verbrannt, Ausreißerin heiratet 
nach Europa, Brand, Hauseinsturz: so geht es mun¬ 
ter weiter. An Schnelligkeit der Berichterstattung 
suchen sich die Zeitungen zu überbieten. Damals 
spielte gerade der berühmte Thaw Prozeß, in dem 
die Blätter die eine recht fragliche Rolle spielenden 
Hauptpersonen förmlich zu Helden und Heldinnen 
gestempelt hatten. Und als eine Heldentat galt 


es auch, als bereits eine halbe Stunde nach Beendi¬ 
gung des Prozesses, der das ganze Land in Spannung 
hielt, eine Zeitung ihre Ausgabe schon mit dem 
Urteil und dem Bilde des Herrn Mörders und seiner 
unschuldvollen Gattin in dem Augenblick, wo sie 
das Urteil empfingen, bringen konnte. Am Sonntag, 
den 2. Februar brachte die Chicagoer Morgen¬ 
zeitung die genauen Nachrichten über die am Tage 
vorher erfolgte Ermordung der Königsfamilie von 
Portugal nebst Abbildung aller Beteiligten; ja sogar 
den Staatswagen, in dem der Mord geschah, konnte 
man abgebildet sehen. Daß alle diese Umstände 
eine schlechte Ausführung, die großen Buchstaben 
und die minderwertigen Erzeugnisse einer über¬ 
triebenen Illustrationswut aber ein völlig zerrissenes 
Satzbild verursachen, das bedarf wohl keiner Erwäh¬ 
nung. Möge unsre deutsche Zeitungswelt von der¬ 
artigen Erzeugnissen der Buchdruckerkunst noch 
recht lange verschont bleiben! 

Über einige andre industriellen Anlagen Chicagos 
wird an andrer Stelle berichtet werden. Über seine 
weltberühmten Schlachthäuser, die jeder besucht, ist 
anderweitig schon genug geschrieben. Seine be¬ 
wundernswerten Hochbahn-Anlagen, die neuen, aus¬ 
gedehnten Fracht- und Telephontunnel, sein son¬ 
stiger Verkehr zu Wasser und zu Lande, auf und unter 
der Erde, machen die Stadt für mich zu der interes¬ 
santesten von ganz Amerika, nirgends kann man das 
speziell Amerikanische so ursprünglich finden, wie 
hier — freilich Gemütlichkeit und Schönheitssinn 
muß man zu Hause lassen. 

Von Chicago ging die Fahrt nach Pittsburg, der 
Eisenstadt Amerikas. Da die Reise durch eine ziem¬ 
lich reizlose Gegend führt, wurde der Nachtzug be¬ 
nutzt. Diese Züge bestehen meist aus Pullmann- 
Wagen, die auch in fast allen wichtigeren Tageszügen 
laufen. Zwar erhöht sich durch deren Benutzung die 
Eisenbahnfahrt, die in Amerika für die einzige vor¬ 
handene Klasse etwa acht Pfennige pro Kilometer 
kostet, noch um etwa zwei Dollars pro Nacht, aber es 
wird Zeit gewonnen. Außerdem ist die Fahrt in 
diesen Wagen recht angenehm und an den Betrieb 
im Schlafwagen gewöhnt man sich bald. Wie alle 
Eisenbahnwagen bestehen sie aus einem einzigen, 
großen Raume, mit kurzen Sitzen zu beiden Seiten 
eines Mittelganges. Zur Zeit des Schlafengehens 
werden durch Aneinanderschieben zweier Sitze und 
Herablassen einer Klappe von der Wagendecke zwei 
Betten übereinander in der Längsrichtung des Wagens 
hergestellt, und nachdem sich im Mittelgang Männ¬ 
lein und Weiblein, soweit es jedes für schicklich hält, 
seiner Kleidung entledigt hat, verschwindet man 
hinter dem Vorhang im Bett. 

Die Ankunft in Pittsburg erfolgte an einem hellen 
Wintertage mit Sonnenaufgang. Als ich bei meiner 
letzten Anwesenheit von den Höhen des Mount 


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Washington auf die Stadt hinunterschaute, lagerte über 
ihr eine undurchdringliche Rauchwolke, die ein Zeug¬ 
nis von der Mächtigkeit ihrer Eisenindustrie ablegte 
und jetzt— klar und hell stand die Sonne über der in 
ein weißes Schneekleid eingehüllten Landschaft. Nur 
wenige Schlote rauchten. Ein treffenderer Gegensatz 
der damaligen Hochkonjunktur und der jetzigen 
schlechten Geschäftsverhältnisse kann wohl nicht 


gedacht werden. Nach dem Besuche einiger Eisen¬ 
werke wurde die Fahrt nach Washington angetreten. 
Die Strecke ist landschaftlich sehr schön, was ich aller¬ 
dings besser auf meiner vorigen Reise sehen konnte, 
wo ich sie auf der Lokomotive zurücklegte. Es war 
die beste Gelegenheit, die schöne Gebirgslandschaft, 
die sich mit unserm thüringischen und schlesischen 
Mittelgebirge vergleichen läßt, kennen zu lernen. 


* OHL selten weist ein Zweig im Maschinen¬ 
wesen eine derartig kraftvolle Entwicklung 
und Gestaltung auf, wie der Rotations¬ 
schnellpressenbau im allgemeinen. Seit den schüch¬ 
ternen Versuchen im Anschluß an die Wiener Welt¬ 
ausstellung vom Jahre 1873 sind die Bauarten der 
„Endlosen“ ins Hundertfache gewachsen. Eine be¬ 
kannte deutsche Schnellpressenfabrik führt allein 50 
verschiedene Rotationsmaschinen in ihrem neuesten 
Kataloge vor, ein schlagender Beweis dafür, wie viel¬ 
seitig der Bedarf für schnelle Drucksachenherstellung 
in die Erscheinung getreten ist. 

In den letzten vier Jahrzehnten hat sich ein unge¬ 
ahnter Umschwung in der Zeitungsherstellung voll¬ 
zogen, der uns die Produktionsmittel unsrer Vor¬ 
fahren als recht kleinlich erscheinen läßt. Noch zu 
Beginn des vorigen Jahrhunderts behalfen sich Guten¬ 
bergs Jünger mit gar kümmerlichen Werkzeugen. 
Obwohl schon dreieinhalbes Jahrhundert seit der Er¬ 
findung der Buchdruckerkunst ins Land gezogen 
waren, so wurde meistens noch dieselbe einfache 
hölzerne Presse benutzt, die schon dem Altmeister 
zu seinen Versuchen diente. Die einzige Vervoll¬ 
kommnung, zu der man sich in der zweiten Hälfte 
des achtzehnten Jahrhunderts verstiegen hatte, war 
die Verwendung von Eisen statt Holz zum Bau sol¬ 
cher Pressen. Dadurch war zwar die Erzielung eines 
schärferen Druckes möglich geworden, aber die quan¬ 
titative Leistungsfähigkeit hatte sich nicht vergrößert. 
Was die ersten Jahrhunderte nach Gutenberg an der 
Druckpresse gesündigt hatten, das sollte aber das 
neunzehnte gutmachen. Eine völlige Umgestaltung 
brachte schon dessen zweites Jahrzehnt. Friedrich 
Koenig baute die Zylinder-Schnellpresse, bei der 
statt des seitherigen Tiegeldruckes zuerst das Prin¬ 
zip des rollenden oder Zylinder-Druckes in Anwen¬ 
dung kam, und bei der größtenteils von Mechanismen 
bewirkt wurde, was bisher der Hände Arbeit gewesen 
war. 

Mit Koenigs Erfindung war viel erreicht. Jetzt 
konnten in der Stunde 1000 bis 1500 Abdrücke her- 
gestellt werden und mit den Kombinationen mehrerer 
einfacher Maschinen, die bald in Erscheinung trat, 


wohl auch das Doppelte, Vier- und Sechsfache, denn 
bereits im Jahre 1847 baute Marinoni in Paris eine 
sechsfache Zeitungsmaschine, welche später auch 
in Deutschland Eingang fand. Als dann aber die 
Technik auf andern Gebieten die Siebenmeilenstiefel 
anzog, als die Postkutsche von der Eisenbahn ab¬ 
gelöst wurde, der Telegraphendraht die Nachrichten¬ 
vermittlung übernahm, da wurde allmählich auch 
nach schnelleren Druckmaschinen gefragt. 

Hier ist einzuschalten, daß die Anforderungen, wel¬ 
che in England und Amerika an die Schnelligkeit des 
Druckes gestellt wurden, den bescheidenen deutschen 
Begriffen schon damals weit vorausgeeilt waren, wie 
sich das ganz naturgemäß aus der Entwicklung der 
dortigen Tagespresse ergeben mußte. So wurde 
bereits im Jahre 1851 in der Druckerei der Newyork- 
Sun eine Mammut-Schnellpresse in Gang gesetzt, 
die schon wegen ihres großen Umfanges das Staunen 
der Fachwelt erregen mußte. Sie hatte eine Länge 
von 13 und eine Höhe von 7 m, welch letztere in 
zwei Etagen geteilt war. Das Prinzip, nach dem der 
Druck vor sich ging, war das zylindrische, die Typen 
wurden keilförmig in den Umfang einer großen Trom¬ 
mel eingesetzt. Näheres über diese Presse siehe 
weiter unten. 

Schon im Jahre 1790 ließ sich Nicholson in Eng¬ 
land eine Anordnung der Typen auf eine zylindrische 
Oberfläche patentieren, wodurch eine ununterbrochen 
fortwirkende Walzendruckpresse entstand. Doch kam 
diese Idee in der Hand des Erfinders nie zu einer 
praktischen Durchführung. Auch Koenig, der Erfinder 
der Schnellpresse, verfiel zuerst — 1804 — auf den 
Gedanken, eine Typentrommel anzuwenden, den er 
aber bald wieder aufgab. Erst im Jahre 1818 wurde 
in der Offizin der Times in London eine Applegath- 
sche Schnellpresse aufgestellt, in der die Typen¬ 
trommel eine stehende war, d. h. sie drehte sich 
um eine vertikale Achse. Mehrere triftige Gründe 
führten zur Annahme dieser Konstruktion anstatt der 
liegenden Trommel. Ein Grund war der, daß es sehr 
schwierig erschien, die unzähligen losen Typen so 
fest in die Trommel einzusetzen, daß sie nicht durch 
die Schwungkraft der Trommel in Vereinigung mit 


Zur Entwicklung der Rotationsmaschinen 

Von EDUARD KÜHNAST, Magdeburg. 

I. 


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Arbeiter. Diese Schnell¬ 
presse kostete 20000 
Dollars, für damalige Zei¬ 
ten jedenfalls eine Riesen¬ 
summe. 

Die Ursachen, die zur 
Anschaffung dieser ge¬ 
waltigen Maschinegeführt 
hatten, sind nicht ohne 
kulturgeschichtliches In¬ 
teresse, weshalb einige 
Angaben darüber folgen 
mögen. Beim ersten Erscheinen der New York Sun 
im Jahre 1833 war die Zeitung nicht größer als ein 
Quartblatt, die ganze Auflage wurde auf einer alten 
Handpresse von einem einzigen Drucker herge¬ 
stellt. Bald jedoch sahen sich die Herausgeber ge¬ 
nötigt, eine gewöhnliche Schnellpresse für 2000 
Dollars anzuschaffen. Das war ein wunderbares 
Ereignis und jedermann glaubte nun, daß mit Hilfe 
des stämmigen Irländers, der die Presse drehte, 
allen ferneren Bedürfnissen, wenigstens für die 
nächsten 20 Jahre, vollkommen Genüge geschehen 
sei. Aber das kleine Blatt stieg immer mehr in der 
Gunst des Publikums, so daß der Entschluß gefaßt 
werden mußte, eine Doppelschnellpresse anzuschaf¬ 
fen, an der vier Dreher angestellt wurden. Auch 
diese Menschenkraft reichte endlich nicht mehr aus, 
weshalb sie durch eine kleine Dampfmaschine mit 
schwingendem Zylinder ersetzt wurde. Nun zeigte 
sich wieder, daß die Druckvorrichtungen nicht zu¬ 
langten. Der Maschi- 
\ nenbauerRichard Hoe 

* / \ wurde zu Rate ge- 

. ~ zogen und ihm gelang 

es, zwei Pressen auf- 
auf denen 

i die damalige Auflage 

® von 15000 in einer 

P " V" • Nacht hergestellt 

werden konnte. Nach 

dem sich die Auflage 
vergrößerte, wurden 
V bis fünf solcher Pres¬ 

sen angeschafft, die 

zum Druck von auf einen Zylinder aber SO Stark ange- 

& Co. in A>» 7 orfc(Mammuth-Prcsse) strengt werden mu߬ 

ten, daß oftmals drei in einer einzigen Nacht „so 
zusammengearbeitet wurden“, daß sie nicht weiter 
konnten. Im Jahre 1847 wurden diese kurz zuvor 


steigern. Über das Ge¬ 
lingen dieses Problems 
liegen zwar keine Angaben 
vor, doch muß diese ge¬ 
waltige Leistungsfähigkeit 
heute nach etwa 90 Jahren ein wenig stutzig machen. 
Sehr viel später, im Jahre 1849, erbaute Dryden 
für die Zeitung Weekly Dispatch in London zwei 
große Schnellpressen nach dem liegenden Zylinder¬ 
system, die aber nur 6000 Abdrücke in der Stunde 
lieferten, später jedoch noch verbessert worden 
sind. In der bereits erwähnten amerikanischen 
Mammut-Presse, erfunden und gebaut von der heute 
noch bestehenden Firma Hoe &Co. in Newyork,wurde 
letzteres System in bezug auf die Menge der Ab¬ 
drücke auf das höchste ausgebeutet, indem acht 
Bogen zu gleicher Zeit unter die Trommel geführt 
wurden, so daß bei einem Umgänge derselben auch 
acht Abdrücke fertiggestellt wurden. Durch acht 
Führungen wurden die Bogen, nachdem sie die 
Presse verlassen hatten, auf Haufen gelegt, natür¬ 
lich ungefalzt, denn Falzvorrichtungen entstanden 
sehr viel später; in Deutschland erst im Jahre 1874. 
Welchen Umfang die Mammut-Presse sonst noch 
besessen hat, möge 
aus folgender Dar¬ 
stellung hervorgehen: - 

sie hatte 1200 Räder, 

400 Scheiben, 202 
hölzerne Rollen oder 
Walzen, 400 Führ- 
bänder, 6000 Schrau- mttm ■■ Ifc 
benbolzen, ungerech- rn** 
net die andern 

Sämtliche zu bewe¬ 
gende Teile wurden 
durch 500 Yard Rie- 
men und Schnuren : 

in Umtrieb gesetzt. Schnellpresse mit 10 Druckzyllnder 

Eine Zählvorrichtung geschlossenen Schriftformen. Von R. / 

für die bewirkten Abdrücke war vorn an der Maschine 
angebracht, sie machte deren 50000 bis 60000 in 
den drei Stunden von 9 bis 12 Uhr täglich, im 


Zeltungsschnellprcsse für den Druck von zylindrischen Platten 
Von H. Marinoni in Paris 


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noch so geschätzten Pressen beseitigt und an ihren 
Stellen zwei Maschinen mit liegender Typentrommel 
und je vier Druckzylindern aufgestellt. Es waren 
dies sogenannte Blitzpressen, von denen jede 5000 
Bogen in der Stunde lieferte. 
Mit zwei solcher Pressen 
konnte die damalige Auflage 
der New York Sun in der Höhe 


Schnellpresse mit Auers Einlege- und Schneideapparat zum Druck von 
Schriftsatz und endlosem Papier (Auerpresse). Erbaut im Jahre 1859 


von 35000 Abzügen bewältigt werden. Aber bald stieg 
die Auflage auf 50000 Abzüge, zu deren Lieferung 
die im vorstehenden skizzierte Mammut-Presse ge¬ 
baut und aufgestellt wurde. Diese Art von Maschinen, 
so sehr solche auch an die Grenze der Vollkommen¬ 
heit heranreichen mochten — wenigstens nach da¬ 
maligen Begriffen —, zeigten jedoch auch mancherlei 
Mängel in bezug auf eine sehr verwickelte Anord¬ 
nung von Führungsbändern, die bei der bekannten 
Eile des Zeitungsdruckes oft schwer empfunden wur¬ 
den. Außerdem erforderten diese Maschinen ein be¬ 
deutendes Bedienungspersonal,wiez.B. inderTimes- 
Druckerei in London seinerzeit für jede Zeitungs¬ 
maschine außer der sonstigen Abwartung allein acht 



Bullocks Schnellpresse für Druck von zylindrischen Platten 
und endlosem Papier (Bullockpresse) 


Mann zum Einlegen der Bogen und acht Mann zum 
Abnehmen der Drucke erforderlich waren. 

So war das Augenmerk der Maschinenbauer darauf 
gerichtet, diese umständlichen Manipulationen durch 
einfachere Mittel zu ersetzen, und diese fand man in 
der Anwendung des endlosen Papiers beim Druck 
auf hierfür geeigneten Rotationsdruck-Maschinen, 


letztere so genannt, weil die Druck- und Platten¬ 
zylinder sich stets in einer Richtung kontinuierlich 
drehen, das Papier aber von einer sich abwickelnden 
Rolle entnommen wird. An Stelle der mehrfach er¬ 
wähnten Typentrommel traten nun rotierende, mit 
Stereotypplatten gepanzerte Zylinder. 

Der Druck mit endlosem Papier ist zwar in Ame¬ 
rika schon in den vierziger Jahren des letzten Jahr¬ 
hunderts versucht worden, wo man die Buchdruck¬ 
maschine in direkte Verbindung mit der Papierma¬ 
schine brachte. Auch der Versuche des Hofrats Auer 
in Wien, Direktors der dortigen Hof- und Staats¬ 
druckerei, Rollenpapier auf einfachen Schnellpressen 
zu bedrucken, ist zu gedenken. In beiden Fällen wur¬ 
den jedoch weder dauernde noch günstige Erfolge er¬ 
zielt. Dies gelang erst dem Amerikaner William Bul- 
lock mit seiner Bullock-Press, bei der sich das Papier 
von der oberhalb der Zylinder befindlichen Rolle 
ruckweise in Bogenlänge bewegte, der Bogen abge¬ 
schnitten, auf der einen Seite bedruckt und auf den 
Widerdruckzylinder übergeführt wurde, von dem 
er auf den Auslagetisch gelangte. Sowohl Auer als 
auch Bullock feuchteten das Papier vorher an. In Eng¬ 
land war auf der Londoner Weltausstellung vom Jahre 
1862 das Modell einer Maschine zum Druck von end¬ 
losem Papier ausgestellt, herrührend von dem Ame¬ 
rikaner Welkinson. Dieses Modell soll dem späteren 
Erbauer der Walter-Presse, so genannt nach dem 
Besitzer der Times, zum Vorbild gedient haben. Diesfe 
Maschine leistete bei gewöhnlichem Gange etwa 
12000 zweiseitig bedruckte Bogen in einer Stunde. 
Die Papierrolle befand sich unten am Boden, das sich 
abrollende Papier gelangte zunächst zu einem Feucht¬ 
apparat und dann zu den mit Stereotypplatten be¬ 
deckten Schön- und Widerdruckzylindern. Der be¬ 
druckte Bogen kam sodann in den Schneideapparat, 
um nach der Teilung durch Bänder zu dem Auslage¬ 
tisch geführt zu werden. 

Die Möglichkeit, von endlosem Papier zu drucken, 
hatte Friedrich König in seiner Ansprache an die 
Buchdrucker bereits im Jahre 1833 für leicht aus¬ 
führbar gehalten. 

Die ersten Rotationsdruckmaschinen auf dem Fest¬ 
land wurden von der Times in London für die Drucke¬ 
rei der Presse in Wien 1873 geliefert. Diese zwei 
Walter-Pressen waren u. a. für die Herstellung des 
Wiener Weltausstellungs-Kataloges durch den tech¬ 
nischen Direktor der Presse, H. Lott, in England an¬ 
gekauft worden. 

Der Bauart der Walter-Presse ist eine deutsche 
Fabrik, die Maschinenfabrik Augsburg in Augsburg 
bei Herstellung ihrer Rotationsdruckmaschinen ge¬ 
folgt. Sie hat zuerst in Deutschland, und zwar im 
Jahre 1872, mit dem Bau von Rotationsmaschinen 
begonnen und erschien im Jahre 1873 auf der Wie¬ 
ner Weltausstellung bereits mit einer verkleinerten 


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Walter-Presse, die indes mit dieser nur die Stellung 
der vier Hauptzylinder gemein hatte, im übrigen aber 
wesentliche Änderungen zeigte. Aus der beigegebenen 
Abbildung dürfte 
die einfache Bauart 
dieser Maschine 
leicht zu ersehen _ 

trennt und durch 
Bandleitungen nach 
zwei Ausgängen be¬ 
fördert. 

rate wurden erst ein Jahr später gebaut. 


Zylinder, von dort durch ein schwingendes Walzen- 
und Bändersystem nach vier verschiedenen Falzap¬ 
paraten. Diese Maschine machte in der Stunde etwa 

5500 Touren und 
war IOV 2 ni lang. 
Nach Schluß der 
Weltausstellung 
wurde sie vom Be¬ 
sitzer der Vossi- 
schen Zeitung in 
Berlin für den Preis 
von 108000 Mark 
angekauft und im 
April 1874 in Be¬ 
trieb gesetzt. 

Von diesem Zeit¬ 
punkte an fand die 
Rotationsdruckma¬ 
schine eine ziem¬ 
lich rasche Aus¬ 
breitung, soweit die 
wenigen Fabriken, die sich mit deren Herstellung 
befaßten, den zahlreichen Bestellungen folgen konn¬ 
ten. Schon der gegenseitige Wettbewerb der großen 
Zeitungsbetriebe drängte ganz von selbst darauf¬ 
hin, in der beschleunigten Fertigstellung der Tages¬ 
zeitung zugleich das Mittel für eine größere Aus¬ 
breitung der Presse zu erblicken. Diese plötzliche 
Umgestaltung des Zeitungswesens, die Möglich¬ 
keit, selbst größere Auflagen binnen weniger Stunden 
in das Publikum zu werfen, bildete die Unterlagen 

für das Inslebentre- 
ten umfangreicher 
und gutfundierter 
Zeitungsgesellschaf - 
ten, die sich in der 
Hauptsache die Her¬ 
ausgabe sogenannter 
unparteiischer oder 
neutraler Organe an¬ 
gelegen sein ließen, 
welche mittels des 
niedrigen Abonne¬ 
mentspreises große 
Auflagen hatten und 
auf Schaffung neuer, 
großartiger Maschi¬ 
nenkonstruktionen 
einwirkten. Aus der 
hierneben abgebildeten ersten einfachen achtseitigen 
Rotationsdruckmaschine sind heute solche bis zu 
achtfacher Mengeherangewachsen, deren allmähliche 
Gestaltung eine kurzgefaßte Würdigung finden muß, 
um zu erkennen, in welch ausgedehntem Maße die 
Konstrukteure der Rollenmaschinen bemüht gewesen 
sind, den fortgesetzt gestiegenen Anforderungen 


Walters Zeitungsschnellpresse für Druck von zylindrischen Platten 
_ . und endlosem Papier (Walter-Presse) 

Falzappa- 

Diese 

Augsburger Maschine druckte achtseitige Prospekte 
in Format 52: 77, die Schnelligkeit war 10000 bis 
12000 Bogen in der Stunde. Der Raumbedarf von 
4 m Länge, 2,70 Breite und 1,70 Höhe kann als 
äußerst gering bezeichnet werden. Der Preis war 
30000 M. Die erste Maschine dieser Art ging in die 
Spaarmannsche Druckerei nach Oberhausen, die 
zweite kam nach Dresden zu Liepsch & Reichardt 
in die Dresdener Nachrichten, und die dritte nach 
Leipzig ins Biblio¬ 
graphische Institut, 
um hier dauernd zum 
Werkdruck (Meyers 
Konversations- 
lexikon)Verwendung 
zu finden. 

Neben der Augs¬ 
burger Rotationsma¬ 
schine war auf der 
Wiener Weltausstel¬ 
lung von der Firma 
G. Sigl in Wien eine 
solche von wesent¬ 
lich größerem For¬ 
mat ausgestellt, auf 
derdielnternationale 
Ausstellungszeitung 

sowie auch eine Beilage zur Neuen Freien Presse 
(16 Kolumnen, Formatgröße 96:126 cm) hergestellt 
wurde. Was die Konstruktion anbelangt (eine Ab¬ 
bildung war nicht erhältlich), so befand sich der Platz 
für die Papierrolle oben an dem Schneidezylinder, 
die Bogen wurden also vor dem Druck abgeschnitten, 
gingen dann mit Führungsbändern durch die Druck- 


Erste deutsche Rotationsdruckmaschine 
Erbaut im Jahre 1873 von der Firma Maschinenfabrik Augsburg, Augsburg 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


gerecht zu werden. Die Auswahl in den vorhandenen 
Systemen ist eine derartige, daß allen Wünschen be¬ 
züglich der Eigenart des Betriebes Rechnung ge¬ 
tragen werden kann, was eine ständige Verschiebung 
und Veränderung der Erzeugung ganz wesentlich er¬ 
leichtert. Manche Rotationsmaschine befindet sich 
unter diesen Umständen auf der Wanderung, sie wird 
durch die fortgesetzt gestiegenen Ansprüche des Le¬ 
sepublikums gegen vollkommenere und leistungs¬ 
fähigere Typen abgelöst. War es zu Anbeginn des 
Rotationsdruckes nur den kapitalkräftigen Offizinen 
der Großstadt möglich, sich den Segen der Endlosen 
zunutze zu machen, so hat diese in der Gegenwart 
selbst in dem kleinsten Provinzstädtchen eine Stätte 
gefunden, denn die unscheinbare vierseitige Rota¬ 
tionsmaschine ist wie keine andre geeignet, auch den 
immer höher anschwellenden Auflagen der Kreis¬ 
blätter eine schnellere Herstellung zu sichern, als 
wie es mit einfachen Schnellpressen, ja selbst Doppel¬ 
pressen möglich ist. 

Für mittlere und große Betriebe wird gegenwärtig 
die Zwillingsrotationsmaschine bevorzugt, weil sich 
in dieser Konstruktion vielerlei Vorteile vereinigen, 
die in den früher bestehenden 8- und löseitigen ein¬ 
fachen Pressen vermißt wurden. Die allgemeinen Vor¬ 
züge der Zwillingsrotationsmaschine gegenüber dem 
einfachen Ursprungssystem lassen sich in der Haupt¬ 
sache dahin zusammenfassen, daß sie eine viel weit¬ 
gehendere Variation in der Zahl der mit dem Haupt¬ 
blatte gleichzeitig gedruckten und darin eingefalzten 
Beilagen ermöglicht, weshalb der Umfang einer Zei¬ 
tung besser den wesentlichen Bedürfnissen angepaßt 
werden kann. So können mit einer 8seitigen Zwil¬ 
lingsrotationsmaschine ganz nach Belieben 8-, 6-, 4- 
oder 2seitige Zeitungen, mit einer 16seitigen Zwil¬ 
lingsrotationsmaschine 16-, 12-, 10-, 8-, 6-, 4- und 
2seitige Exemplare hergestellt werden, ohne daß Bei¬ 
lagen in besonderen Auflagen gedruckt und mit der 
Hand eingefalzt werden müssen, was bei Anwendung 
von einfachenRotationsmaschinen nicht zu vermeiden 
ist. Im weiteren kann der Betrieb mit einer Zwil¬ 
lingsrotationsmaschine schon deshalb als ein zuver¬ 
lässiger bezeichnet werden, weil eine solche aus zwei 
verkuppelten einfachen Rotationsmaschinen, aber mit 
gemeinsamen Falzern, Sammlern und Auslegern be¬ 
steht, von denen eine beliebig schnell und leicht außer 
Betrieb gestellt werden kann, während die andere die 
Reservemaschine bildet, die noch einen Behelf bietet, 
wenn z. B. bei einem Druckwerke etwas passieren 
sollte. Beim Vorhandensein einer nur einfachen Ma¬ 
schine würde dies eine längere Betriebsstörung nach 
sich ziehen. 

Dieser Fortschritt in der Vervollkommnung der 
Konstruktion, der allerdings schon etwa 15 Jahre 
zurückliegt, brachte es ganz von selbst mit sich, daß 
der Bau noch größerer Maschinen, als die 16seitigen 


ins Auge gefaßt werden konnte, um den stetig stei¬ 
genden Auflagen unserer Zeitungen gerecht zu wer¬ 
den. Außer der 24seitigen ist es zurzeit die 32- 
seitige Zwillingsrotationsmaschine, die weitgehenden 
Ansprüchen zu genügen imstande ist, denn sie druckt 
sowohl 32seitige als auch 28-, 24-, 22-, 20-, 18-, 16-, 
14-, 12-, 10-, 8-, 6-, 4- und 2seitige oben aufge¬ 
schnittene, ineinandergefalzte Exemplare bei einer 
Geschwindigkeit von 10000—12000 in der Stunde. 
Bis zu 16 Seiten Umfang findet die doppelte Produk¬ 
tion statt infolge zweifacher Stereotypie. 

Aber selbst mit solchen Vierrollen- oder doppelt¬ 
breiten Zweirollenmaschinen scheint der Höhepunkt 
der modernen Zeitungsmaschine noch lange nicht 
erreicht zu sein, nachdem vor wenigen Jahren die 
sogenannten Dreideckermaschinen seitens deutscher 
Firmen auf den Markt gebracht wurden, die den Her¬ 
ausgebern umfangreicher und in hohen Auflagen er¬ 
scheinenden Zeitungen mehr als bisher die Möglich¬ 
keit gewähren, eine Druckmenge von beliebiger Höhe 
in erstaunlich kurzer Frist zu bewältigen. Wer des 
Morgens eine solche Zeitung in der Hand hält, der 
ahnt wohl kaum etwas davon, daß der Einlauf der 
letzten Depeschen bis in die tiefe Nacht hinein ab¬ 
gewartet werden konnte, weil der Druck der Auflage 
selbst wenig Zeit in Anspruch nimmt, infolge einer 
Riesenmaschine, die bereits seit einigen Jahren ganz 
erstaunliche Proben ihrer Leistungsfähigkeit gegeben 
hat. Auf ihr können in der Regel 24000 Exemplare 
24 seitiger Zeitungen in der Stunde geliefert werden, 
alles ineinandergefalzt, oder 12 000 Exemplare zu 
48 Seiten, je 24 Seiten ineinandergefalzt, so daß die 
Seiten 1—24 und 25—48 je für sich gefalzt aus der 
Maschine kommen. Bis zu 24 Seiten ist doppelte 
Stereotypie erforderlich, über 24 Seiten kommt nur 
einfache Stereotypie in Frage infolge der Eigenart 
der Bogenzusammenführung, weil bänderlos, und 
des Falzapparates. Zum Druck werden drei doppelt¬ 
breite Papierrollen von je 126 cm Breite verwendet. 
Dieses Maschinenungeheuer ist deutsches Erzeugnis, 
womit der Beweis erbracht sein dürfte, daß die Ent¬ 
wicklung der Presse nicht zuletzt durch geeignete 
Druckherstellung ausreichende Unterstützung findet. 

Eine noch etwas vollkommenere Maschine, als die 
vorher erwähnte, ist eine Sechsrollenmaschine, die 
aus sechs Druckwerken (je zwei Druck- und Platten¬ 
zylinder und zwei Farbwerken) und zwei bänderlosen 
Falzapparaten besteht, welche die Exemplare dreimal 
falzen. An jedem Ende der Maschine sind drei Papier¬ 
rollen übereinander gelagert, für die beiden oberen 
Rollen ist die Einrichtung zur Lagerung von Reserve¬ 
rollen getroffen. Die von sechs Papierrollen sich ab¬ 
wickelnden Papierstränge gehen zuerst durch die 
Feuchtapparate und wenden sich dann den Druck¬ 
werken zu, um beiderseits in einer Farbe bedruckt zu 
werden. Von hier aus laufen sie über verschiedene 


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r 



Rotationsdruckmaschine für 4seitige Zeitungen 
Koenig & Bauer, Maschinenfabrik Kloster Oberzell G.m.b, H., Würzburg 



24 seitige Dreirollen-Rotationsdruckmaschine 
Vogtländische Maschinenfabrik ( vorm.J. C. & H. Dietrich) Akt.-Ges., Plauen i. V. 



Zwillings-Rotationsdruckmaschine für 8-,6*, 4- und 2seitigc Zeitungen. Zwei¬ 
oder dreimal gefalzt. Schnellpressenfabrik Frankenthal Albert & Co., Akt.-Ges., 
Frankenthal (Rheinbayern) 



Zwillings-Rotationsdruckmaschine für 16scitigc Zeitungen 
Koenig & Bauer, Maschinenfabrik Kloster Oberzell G. m.b.H., Würzburg 



32 seitige Vierrollen-Rotationsdruikmaschine mit zwei Falzapparatcn. Vollständig biinderlos 
Schnellpressenfabrik Frankenthal Albert & Co., Akt.-Ges., Frankenthal (Rheinbayern) 


Beilage zum Archiv für Buch 

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ae werbe i 

Co gle 


Zu dem Artikel: Zur Entwicklung dgr potationsmaschii 


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Doppelbreite Vierrollen-Rotationsdruckmaschine für 64seitige Zeitungen. Mit vier biinderlosen Fulzapparaten und zwei getrennten Antriebsvorrichti 

Kocnig & Bauer, Maschinenfabrik Kloster Oberzell G.m.b.H., H'iirzburg 


Zu dem Artikel: Zin^ntwicklung|der Rotationsmaschinen 

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Beilage zum Archiv für Buchgewerbe 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Walzen, werden in der Mitte mit einem Längskleb¬ 
streifen versehen und gelangen dann zu den Trichtern 
welche die vereinigten und aufeinandergeklebten 
Stränge das erste Mal und zwar in der Richtung des 
Papierlaufs falzen. Die auf die halbe Breite zusam¬ 
mengelegten Papierstränge erhalten nun im Schneid- 
und Falzzylinder den zweiten Falz und zwar quer zur 
Richtung des Papierlaufes. Von genanntem Zylinder 
werden zu gleicher Zeit auch die einzelnen Exem¬ 
plare abgetrennt und dann durch eine Bandleitung 
unter die dritte Falzvorrichtung geführt, welche die 
Exemplare mit dem dritten Falz versehen und zwar 
wieder in der Richtung des Papierlaufes. Die Falz¬ 
walzen des dritten Falzes befördern dann die fertigen 
Exemplare in zwei Ablegsterne, welche sie auf zwei 
Ausführvorrichtungen abladen. Werden die Papier¬ 
stränge auf die beiden Falzapparate verteilt, so sind je 
nach der Anzahl der Stränge und ihrer Breite stünd¬ 
lich 44000 Exemplare ä 4, 6, 8, 10 und 12 Seiten 
herzustellen, werden dagegen alle Papierstränge 
einem Falzapparat zugeführt, so ist die Herstellung 
von stündlich 22000 Exemplaren ä 14, 16, 18, 20 
22 und 24 Seiten möglich. Die eigenartige Anord¬ 
nung des Druckwerkes und ihrer Antriebe gestattet 
aber nicht nur Exemplare herzustellen, deren Bogen 
auf beiden Seiten in einer Farbe bedruckt sind, son¬ 
dern ermöglicht verschiedenartigste Führung der 
Papierstränge, so daß einzelne Bogen mit mehrfar¬ 
bigem Schön- und Widerdruck (bis zu fünf Farben) 
versehen werden können. 

Mit diesen Darlegungen ist der Entwicklungsgang 
der deutschen Zeitungsrotationsmaschine bis zur 
höchsten Stufe noch keineswegs erschöpft, wie eine 
erst vor kurzem fertiggestellte Maschine deutlich be¬ 
weist. Die Hunderttausende und mehr Tageszeitungen 
herstellenden Betriebe sehen sich zur Anschaffung 
solcher Rotationskolosse geradezu gedrängt, deren 
vielseitige Arbeitsweise die nachstehende kurze Er¬ 
läuterung zeigen soll. Es handelt sich um eine nach 
Berlin gelieferte Rotationsmaschine zum Druck von 
64seitigen Zeitungen. Die Maschine besteht aus zwei 
vollständig symmetrischen Teilen, deren jeder seinen 
eigenen Antrieb besitzt, damit bei Herstellung von 
32 Seiten oder darunter jede Hälfte der Maschine 
für sich allein laufen kann. Diese Arbeitsweise ist 
sowohl mit einfacher als auch mit doppelter Produk¬ 
tion möglich. Die Maschine ist derart eingerichtet, 
daß sich auf Wunsch noch zwei weitere Bogenaus¬ 
gänge anbringen lassen, damit bei einer Produktion 
von 8 Seiten oder darunter auf jeder Hälfte auch vier¬ 
fache Produktion erzielt werden kann. Eine Kuppe¬ 
lung verbindet beide Maschinenhälften zu einem Gan¬ 
zen, wenn sämtliche Papierstränge für ganze oder 
halbe Produktion nach einem Falzbau geleitet werden 
sollen. In diesem Falle wird nur der andre Falzbau 
abgestellt (die ganze Produktion bewegt sich zwischen 


64 und 36 Seiten, die halbe Produktion zwischen 32 
und 18 Seiten). Jeder der beiden Falzbaue ist zum 
Abstellen eingerichtet, so daß es ganz im Belieben 
des Maschinenmeisters steht, welchen er zur Arbeit 
benutzen will. Diese 64seitige Zeitungsmaschine 
macht sonach an die Fortschritte unsrer Zeit alle er¬ 
denklichen Zugeständnisse, dabei ist sie in allen 
Teilen leicht zugänglich, die Papierläufe sind ver¬ 
hältnismäßig kurz, während sich die Papierstränge 
leicht und schnell einziehen lassen. Das Auflegen 
sämtlicher Platten geschieht, ohne daß eine Auftrag¬ 
walze herausgenommen zu werden braucht, was für 
die Schnelligkeit beim Zeitungsdruck sehr wichtig ist. 
Das Umstellen der Maschine vom größten bis zum 
kleinsten Produkt erfolgt durch wenige Handgriffe, 
ebenso sind die Falzwalzen und Bogenausgänge so¬ 
fort regulierbar. Die stündliche Leistung gestaltet 
sich wie folgt: 

12 000 Exempl. zu 64,60,56,52,48,44,40,36 Seiten 

24000 „ * 32,30,28,26,24,22,20,18 „ 

36000 „ „ 20 

48000 „ „ 16,14, 12,10,8,6 und 4 

alles aufgeschnitten und in halber Seitengröße auf¬ 
einander gefalzt. 

64seitige Zeitungen! In dieser Ziffer offenbart sich 
doch ein recht gewaltiger Fortschritt gegenüber dem 
schüchternen Beginnen des deutschen Rotations¬ 
druckes vom Jahre 1873. Man ersieht hieraus, wel¬ 
chen ungeheuren Aufschwung das Zeitungsgeschäft 
genommen hat. Maschinen von solchem Umfange 
sind aber keineswegs als Einzelerscheinungen zu 
betrachten, denn es befinden sich bereits weitere 
im Bau. Die Notwendigkeit solcher Maschinen mit 
ungeheurer Mengeleistung mußte sich durch die 
Steigerung der Auflagen von selbst ergeben und ist 
es noch nicht abzusehen, welche Überraschungen im 
Bau von Zeitungsmaschinen der Fachwelt noch Vor¬ 
behalten sind. 

Ein ganz wesentlicher Vorteil der zuletzt beschrie¬ 
benen Rotationstypen liegt hauptsächlich in der Schaf¬ 
fung bänderloser Falzapparate, auf welcher Neuerung 
sich das Prinzip der doppelbreiten Rotationsmaschine 
gewissermaßen aufbaut. Während bei den gewöhn¬ 
lichen Bändermaschinen die einzelnen Bogen, aus 
denen das fertige Exemplar gebildet wird, gleich nach 
dem Druck vom endlosen Papierstrang abgetrennt und 
mittels Bandleitungen den Sammel- und Falzvorrich¬ 
tungen zugeführt werden, erfolgen bei den Maschinen 
mit bänderlosem Falzapparat die Falze noch am end¬ 
losen Papierstrang, von dem dann die fertigen Exem¬ 
plare abgetrennt werden. Es ist deshalb eine Füh¬ 
rung durch Bänder nicht mehr notwendig, der Falz 
somit ein bänderloser. 

Bei den gewöhnlichen Rotationsmaschinen werden 
alle Bogen, die eine Zylinderumdrehung erzeugt, 
zu einem Exemplar vereinigt, dessen Seitenanzahl 


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so groß wie die Anzahl der in der Maschine befind¬ 
lichen Kolumnen ist, bei dieser neuen bänderlosen 
Maschinenart dagegen zu zwei Exemplaren, deren 
Seitenzahl die Hälfte der in der Maschine befind¬ 
lichen Kolumnen beträgt, da der Umfang der Platten¬ 
zylinder gewöhnlich zwei Bogenhöhen entspricht. 
Während demnach bei den Bändermaschinen, soweit 
es die einfache Produktion betrifft, von jeder Seite 
des Exemplares sich nur je eine Druckplatte in der 
Maschine befindet, müssen für die Maschine mit 
bänderlosem Falzapparat von jeder Seite zwei Druck¬ 
platten hergestellt werden. Wie schon hervorge¬ 
hoben, eignen sich diese Maschinen in der Haupt¬ 
sache zur Herstellung von Zeitungen mit großer Auf¬ 
lage, zu deren Bewältigung schon jetzt zwei oder 
mehrere Maschinen von gewöhnlicher Bauart not¬ 
wendig sind. In diesem Falle müssen von jeder Seite 
der Zeitung ebenfalls schon zwei oder mehrere 
Druckplatten hergestellt werden. Für solche Betriebe 
bietet diese neue Art von Maschinen aber nicht nur 
den Vorteil, daß das Falzwerk vollständig ohne Bän¬ 
der arbeitet (was sicher jeder Fachmann zu schätzen 
weiß), sondern bedingt auch große Raumersparnis, 
da diese Maschinen die gleiche Leistungsfähigkeit 
besitzen wie zwei, drei oder vier Maschinen von ge¬ 
wöhnlicher Bauart, aber weit weniger Platz bean¬ 
spruchen. Je nach der Anordnung von zwei, drei 
oder vier Falzapparaten kann die Leistungsfähigkeit 
derselben Maschine für Exemplare entsprechend ge¬ 
ringerer Seitenzahl auf das Vier-, Sechs- und Acht¬ 
fache erhöht werden, wie das aus den auf der vor¬ 
hergehenden Seite gemachten Angaben bereits her¬ 
vorging. 

Angesichts der Tatsache, daß heute in Deutschland 
nicht weniger als 48000 Exemplare einer löseitigen 
Zeitung pro Stunde hergestellt werden, drängt sich 
der Wunsch auf, Vergleiche mit der Leistung der 
früheren Holzpresse anzustellen, um die durch den 
Menschengeist bewerkstelligten Fortschritte so recht 
deutlich vor Augen zu führen. Ich will nur ein Bei¬ 
spiel geben, das den Unterschied zwischen einst und 
jetzt genügend zeigt. Was heute eine der erwähnten 
neuesten Rotationsmaschinen an einem Tage zu 


schaffen vermag, dazu gebrauchten früher zwei Hand¬ 
pressendrucker mehr als ein volles Jahr. 

In engster Verbindung mit dem Zeitungsdruck steht 
die Herstellung der Stereotypplatten, ohne deren 
Vorhandensein die Ausbreitung des ersteren wohl 
kaum denkbar erscheint, da die im Anfänge dieses 
Aufsatzes erwähnten Typentrommeln, die Mammuth¬ 
und Applegath-Maschine, an die Einfachheit der 
Stereotypie nicht heranzureichen vermochten. Die 
Schnelligkeit des Zeitungsbetriebes hat infolge man¬ 
cher Unvollkommenheiten, wie solche der Warm¬ 
stereotypie nun einmal anhaften, im Beginn des 
Rotationsdruckes manche weniger befriedigende Er¬ 
gebnisse im Aussehen der Zeitungen aufzuweisen ge¬ 
habt, bis auch auf diesem Gebiete die Verbesserungen 
der Materialien und Apparate helfend und bessernd 
eingegriffen, so daß heute fast überall von einem 
klaren Zeitungsrotationsdruck gesprochen werden 
kann, wozu die Zeilengießmaschinen das ihrige bei¬ 
tragen. Nicht minder trug hierzu aber auch bei das 
Auftauchen der Trockenstereotypie und deren Ein¬ 
führung in die Praxis. Dadurch wurde dem Präge¬ 
kalander mehr Aufmerksamkeit zugewendet, die dahin 
führen muß, den Klagen über vermehrte Abnutzung 
der Schrift beim Kalandrieren der Trockenmater all- 
mählichdenBodenzu entziehen. Auchmitdem Gießen 
und Fertigmachen derPlatten haben sich gegen früher 
recht vorteilhafte Wandlungen vollzogen, die in der 
rein automatischen Betätigung der dazu nötigen Appa¬ 
rate ihren Ausgangspunkt finden. Ich erinnere nur 
an die im Archiv für Buchgewerbe, Jahrgang 1905, 
Heft 1 beschriebene Autoplate-Maschine des Ameri¬ 
kaners Henry Wise-Wood, die aus einem Gie߬ 
mechanismus und einer Reihe von Vollendungs¬ 
mechanismen besteht, die allesamt in einer Maschine 
vereinigt sind und den Guß sowie das Justieren der 
Platten automatisch besorgen. Eine Maschine er¬ 
zeugt drei Platten in der Minute. Von wie großem 
Vorteile diese Erfindung für Zeitungsdruckereien ist, 
kann daraus ersehen werden, daß für die sieben acht¬ 
fachen Rotationsmaschinen der Druckerei der Lloyds 
News in London nicht weniger als 784 Stereotyp¬ 
platten von je 50 Pfund Gewicht nötig sind. 


Das Abformen von Druckstöcken. 

Von ARNOLD HOFFMANN, Hannover. 


f 


AS Abformen von Druckstöcken (Klischees) 
ist im Laufe der Jahre von den ersten An- 
fängen bis zu dem heutigen technischen Stand¬ 
punkte in so vielen Arten und in so verschiedener 
Weise ausgeführt worden, daß es von Interesse sein 
wird, die einzelnen Verfahren, wenn auch nur in ge¬ 
drängter Kürze, kennen zu lernen. Aus kleinen An¬ 
fängen heraus, mit den einfachsten Mitteln beginnend, 


hat der nimmer rastende Geist des Menschen auch 
diesen Zweig der vervielfältigenden Kunst zu hoher 
technischer Vollkommenheit ausgebaut. 

Der bekanntlich schon lange Zeit vor Erfindung 
der Buchdruckerkunst ausgeübte Druck von Ab¬ 
bildungen geschah bis vor noch gar nicht zu langer 
Zeit im allgemeinen von den Originalplatten. Die 
ersten Anfänge der Vervielfältigung von Druckstöcken 


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gehen jedoch bis in die erste Zeit kurz nach Erfindung 
der Buchdruckerkunst zurück. Es war ja auch so 
naheliegend, die Verzierungen, Initialen und Abbil¬ 
dungen in ähnlicher Weise wie die Buchstaben aus 
Metall herzustellen, also zu vervielfältigen. Die älteste, 
einfachste der verschiedenen im Laufe der Zeit an- 
gewendetenVervielfältigungsarten ist das sogenannte 
Abklatschverfahren, das sich in mehr oder weniger 
veränderter Form bis in die neuere Zeit erhalten hat. 

In einen kleinen Behälter, ein Kästchen aus 
Pappe oder Eisenblech, wurde geschmolzenes Blei 
gebracht und in das noch flüssige Metall der zu ver¬ 
vielfältigende Druckstock gedrückt. Dieser Abdruck 
wurde nach Erkalten als Matrize benutzt. Entweder 
wurde eine bei niedrigerem Grade schmelzende 
Legierung in die Matrize hineingegossen, oder die 
Matrize wurde mit einem Handgriff versehen in leicht¬ 
flüssiges geschmolzenes Metall hineingedrückt, in 
gleicher Weise, wie dies vorher bei Herstellung der 
Matrize selbst geschehen war. Um das Anhängen 
des Metalls zu verhindern, wurde die Matrize mit 
Graphit oder dergleichen eingerieben. Eine genauere 
Beschreibung der einzelnen Verfahren würde über 
den Rahmen dieser Abhandlung hinausgehen. Auch 
weiterhin soll immer nur das Notwendigste, zum 
allgemeinen Verständnis Erforderliche angegeben 
werden. 

Durch die Anfang des neunzehnten Jahrhunderts 
von Stanhope gemachte Erfindung der Gipsstereotypie 
war ein bedeutender Fortschritt in dem Abformen 
von Druckstöcken, der Herstellung von Klischees, zu 
verzeichnen, denn die mit diesem Verfahren her¬ 
gestellten Abgüsse zeichneten sich durch große 
Schärfe aus. Zur Anfertigung eines solchen Klischees 
wurde das in einen Rahmen geschlossene Original 
sorgfältig geölt. Auf den Schließrahmen wurde als¬ 
dann ein zweiter, der sogenannte Aufsetzrahmen 
gelegt und in ihn ein Gipsbrei von entsprechender 
Festigkeit gegossen, dem auch wohl ein bestimmter 
Prozentsatz gelöschter Kalk beigemengt worden war. 
Sobald die Masse genügend fest geworden war, wurde 
die Gipsmatrize mit dem Rahmen vorsichtig von der 
Form abgehoben, die Matrize aus dem Rahmen ge¬ 
nommen, zurechtgeschnitten, mit Gießrinnen ver¬ 
sehen und in einem besondern Ofen getrocknet. Zum 
Guß wurde eine besondere Gießpfanne verwandt, die 
aus der eigentlichen Pfanne, einer in diese hinein¬ 
passenden Eisenplatte (dem sogenannten Schwimmer), 
dem Deckel und dem Bügel bestand. Dieser Apparat 
sowie die Matrize wurden genügend erwärmt. Auf 
den Boden der Pfanne wurde dann die Eisenplatte 
und auf sie, mit dem Bilde nach unten, die Gips¬ 
matrize gelegt, worauf der Deckel mit dem Bügel 
aufgeschraubt wurde. Mittels eines Krahns wurde 
sodann der ganze Apparat in das flüssige Metall des 
Schmelzkessels gesenkt, wobei durch die an den 


Ecken des Deckels befindlichen Öffnungen das flüssige 
Metall in die Pfanne floß, das vermöge seines spezi¬ 
fischen Gewichtes die Eisenplatte hoch hob und sie 
mit der daraufliegenden Matrize an den Deckel der 
Pfanne preßte. Durch die Gießrinnen gelangte das 
Metall zwischen die schwimmende Eisenplatte und 
die Matrize, es entstand der Abguß. Nach Heraus¬ 
heben und Erkalten der Gießpfanne wurde die Platte 
aus der Matrize geschlagen, vom Gips befreit und 
das Klischee fertiggemacht (justiert). 

Außer diesem Gießverfahren kam im Laufe der 
Zeit noch ein zweites zur Anwendung, das von Daul6 
erfunden war. Hier bestand die Gießpfanne aus zwei 
mit Scharnieren verbundenen Eisenplatten, zwischen 
die die Matrize gelegt wurde. Der Guß wurde mit 
dem Gießlöffel in gleicher Weise wie beim heutigen 
Papierstereotypieverfahren ausgeführt. 

Während bei dem früher erwähnten Abklatschver¬ 
fahren von einer Matrize mehrere Klischees erhalten 
werden konnten, war von der Gipsmatrize stets nur 
ein Abguß zu erzielen. Dafür zeichnete sich aber 
das Klischee durch ganz besondre Schärfe aus, so 
daß in dieser Beziehung die Gipsstereotypie lange 
Zeit als das beste Verfahren gelten konnte. 

In den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts 
wurde die Papierstereotypie erfunden, die auch heute 
noch bei Herstellung von Klischees vielfach zur An¬ 
wendung gelangt. Die allgemeinen Vorteile dieses 
Verfahrens der Gipsstereotypie gegenüber gelten auch 
hier, nämlich die schnelle und leichte Herstellungs¬ 
art, die Anfertigung mehrerer Abgüsse von einer 
Matrize und die Billigkeit. Leider läßt sich aber das 
Verfahren, das ja so allgemein bekannt ist, daß es 
hier nicht näher beschrieben werden braucht, bei 
Herstellung von Klischees nach Holzschnitten oder 
sehr feinen Gravuren nicht immer anwenden, denn 
durch das heiße Trocknen der Matrize platzen oder 
zerreißen in den meisten Fällen die Holzschnitte und 
werden samt der Mater unbrauchbar. Der Papier¬ 
stereotypie war es daher nicht möglich, die Gips¬ 
stereotypie bei Herstellung von Klischees zu ver¬ 
drängen. Dies gelang erst der Galvanoplastik. 

Die Papierstereotypie suchte man durch die so¬ 
genannte Kaltstereotypie, sowie durch die Trocken¬ 
stereotypie, auch Kalanderstereotypie genannt, zur 
Herstellung von Klischees verwendbar zu machen. 
Bei der Kaltstereotypie wird die Mater in gewöhn¬ 
licher Weise durch Bürstenschlag und kurze Pressung 
hergestellt, die noch nasse Mater alsdann abgehoben, 
in einen Rahmen gespannt und besonders getrocknet. 
Bei derTrockenstereotypie dagegen werden, wie schon 
der Name sagt, die Matrizen auf trocknem Wege her- 
gestellt. Für diesen Zweck werden besondere im 
Handel zu habende Matrizentafeln angefertigt. Ein 
entsprechend großes Stück, dem durch Einlegen in 
feuchte Makulatur ein gewisser Feuchtigkeitsgrad 


339 


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gegeben wird, wird auf den zu vervielfältigenden 
Druckstock gelegt, mit Fließpapier und Prägefilz über¬ 
deckt und dann die Matrize durch den starken Druck 
eines Kalanders geprägt. Nach kurzem Trocknen der 
Matrize kann das Klischee gegossen werden. 

Bei diesen beiden Verfahren werden wohl die Holz¬ 
schnitte geschont, aber feinere Zeichnungen erhalten 
leider nur eine Wiedergabe von geringer Schärfe. 
Auch andre Originalklischees, z. B. feine Gravüren 
in Blei, feinste Zinkätzungen usw. lassen sich durch 
die Papierstereotypie, selbst bei gutem Trocknen 
unter der Presse, nur mangelhaft wiedergeben, da 
die Papierfaser weder in dem gleichem Maße wie 
etwa Gips in die feinsten Vertiefungen hineindringt, 
noch sich durch starkes Pressen hineintreiben läßt. 
Durch Verwendung von Indiaseidenpapier zur Matrize 
wurde versucht, dem Übelstande Abhilfe zu schaffen, 
und tatsächlich wurden gute Erfolge erzielt. Auch 
das Aufstreichen einer aus Graphit und Gummi oder 
Leim bestehenden Masse, die nach dem Trocknen 
fest an der Matrize haftete und die eigentliche Zeich¬ 
nung des Originals enthielt, wurde zur Erzielung eines 
guten Ergebnisses angewandt. 

Ein dem letzteren ähnliches Verfahren ließ sich 
ein dänischer Stereotypeur patentieren. Der leicht 
gefettete Druckstock wurde mit einer aus Aluminium¬ 
pulver und Kasein-Boraxlösung bestehenden Masse 
überstrichen, in der sich die feinsten Teile des Ori¬ 
ginals in der schärfsten Weise wiedergeben. Eine 
derartige Matrize soll mehrmaligen Abguß gestatten. 

Mit mehr oder weniger günstigem Erfolge wurde 
im Laufe der Zeit auch auf andre Weise die Her¬ 
stellung von Klischees versucht. Teilweise waren 
diese Verfahren gute Hilfsmittel für kleinere Buch¬ 
druckereien, um sich im Bedarfsfälle das eine oder 
andre Klischee selbst in mehreren Exemplaren an¬ 
zufertigen. So wurden Klischees aus Walzenmasse 
in der Weise hergestellt, daß in eine Matrize, die ent¬ 
weder aus Papier oder aus Guttapercha verfertigt 
war, ja selbst in einen Abdruck von Siegellack oder 
Wachs die flüssige Walzenmasse — Leim und Gly¬ 
zerin — gegossen wurde. Der Abguß wurde nach 
dem Erkalten auf einem Holzblock befestigt (justiert). 
Diese Walzenmasseklischees, welche durch Behand¬ 
lung mit Chromlösungen unlöslich gemacht werden 
konnten, besaßen eine ziemliche Widerstandsfähigkeit. 

Ferner wurden Klischees aus einer zu gleichen 
Teilen aus Gelatinewalzenmasse und aufgelöstem 
Kautschuk bestehenden Masse hergestellt, der durch 
Zusatz von etwas Schwefel eine gewisse Härte ge¬ 
geben werden konnte. Auch aus Kautschuk allein 
lassen sich Klischees herstellen, die wohl jedermann 
in der Gestalt der Kautschukstempel bekannt sein 
dürften. Im Buchdruck kamen derartige Kautschuk¬ 
klischees wohl kaum zur Benutzung, sie können da¬ 
her hier ganz außer Betracht gelassen werden. 


Auch mittels Guttapercha wurden Klischees her¬ 
gestellt. Ein Stück Guttapercha, das in kochendem 
Wasser bis zur leichten Knetbarkeit erweicht worden 
war, wurde mit Graphit eingerieben und auf das Ori¬ 
ginal gelegt. Unter starkem Druck wurde dann in 
einer Presse die Guttapercha auf den abzuformenden 
Druckstock gepreßt und das Ganze ruhig stehen ge¬ 
lassen, bis die Guttapercha wieder vollständig erkaltet 
und hart geworden war. Hierauf wurde die Matrize 
abgehoben, deren Ränder zurechtgeschnitten, alsdann 
ein zweites weichgemachtes, gut graphitiertes Stück 
Guttapercha daraufgelegt und beide Stücke unter 
Druck gebracht. Nach abermaligem Erkalten konnte 
das so erhaltene Guttaperchaklischee von der Gutta¬ 
perchamatrize abgehoben, beschnitten und auf Holz 
befestigt werden. 

Ein französischer Ingenieur fertigte Klischees aus 
Schwefelkies und Schwefel. Beide Substanzen wurden 
erhitzt und in flüssigem Zustande auf das Original 
gegossen. Nach dem Erkalten wurde die erhaltene 
Matrize mit der gleichen flüssigen Masse übergossen 
und auf diese Weise das Klischee hergestellt. Diese 
Klischees mußten gleich in Schrifthöhe angefertigt 
werden, da sie sich, ihrer Sprödigkeit wegen, nicht 
nageln ließen. 

Ein französischer Bildhauer mit Namen Jannin 
stellt Klischees aus Zelluloid her, indem er eine aus 
Bleiglätte und Glyzerin bestehende Masse auf das 
Original preßte. Nach dem Erhärten der Masse wurde 
die Matrize abgehoben und eine entsprechend große 
Zelluloidtafel, die durch Hitze erweicht worden war, 
unter einem sehr hohen Druck in geheizter Presse 
in die Matrize hineingepreßt. Nach vollständigem Er¬ 
kalten und Erhärten konnte das Klischee durch Auf¬ 
leimen bzw. Aufkitten auf eine Holz- oder Metallplatte 
befestigt werden. Das Verfahren, Klischees aus 
Zelluloid anzufertigen, wurde in noch einfacherer 
Weise von dem Zelluloidwarenfabrikanten Carl Lorch 
in Leipzig ausgeübt. Er benutzte für die Matrize und 
das Klischee Zelluloid, stellte erstere aber aus einer 
härteren Zelluloidmasse her, während er für das 
Klischee selbst eine etwas weichere Sorte benutzte. 
Die erwärmte Zelluloidplatte wurde auf das ebenfalls 
erwärmte Original gebracht und beides unterDruck er¬ 
kalten gelassen. Bei Anfertigung des Klischees wurde 
die durch Wärme erweichte Zelluloidplatte auf die 
kalte Zelluloidmatrize gebracht und geprägt. Später 
verwendete Carl Lorch zur Herstellung der Matrize 
Ebonit. Die Anfertigung eines Klischees nahm nur 
sehr kurze Zeit in Anspruch, dabei ließen sich aber 
selbst Autotypien sehr gut vervielfältigen. 

Trotz der mancherlei Vorteile der einzelnen Ver¬ 
fahren werden die mittels ihnen hergestellten Kli¬ 
schees durch die zu immer größerer Vollkommenheit 
gelangten Erzeugnisse der Galvanoplastik weit über¬ 
troffen. Bei der Galvanoplastik wird ein elektrischer 


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Strom durch eine Metallsalzlösung hindurchgeführt, 
wobei sich durch die an dem positiven Pole (der 
Anode) befindlichen Anodeplatte (Kupfer,Nickel usw.) 
aus der Lösung positiv wirkende Metallteilchen aus- 
scheiden, die sich auf der an dem negativen Pole 
(Kathode) befindlichen Kathodenplatte (der Matrize) 
als fein kristallinischer Metallniederschlag ablagern. 
Professor Jacobi in Dorpat entdeckte 1837 durch Zu¬ 
fall, daß sich in einem Danielschen Element an einem 
an Stelle der Kupferplatte befindlichen Kupferzylinder 
metallisches Kupfer angelagert hatte, und daß dieses 
Kupfer ingenauester Weise die Oberfläche desKupfer- 
zylinders wiedergab. Weitere Versuche bestätigten 
in überraschender Weise seine Entdeckung und führ¬ 
ten zur Erfindung des Verfahrens der galvanischen 
Abformung der verschiedensten Gegenstände. Fast 
zur selben Zeit, kurz nach der Entdeckung Jacobis, 
machte, unabhängig von dieser, auch ein Engländer, 
Spencer, die gleiche Entdeckung. 

Sehr bald wurde diese epochemachende Erfindung 
Allgemeingut und auch die graphische Kunst be¬ 
mächtigte sich ihrer zur Abformung von Druck¬ 
stöcken. Durch die vielen Verbesserungen, die im 
Laufe der Zeit an derErfindung Jacobis vorgenommen 
wurden, ist es möglich geworden, gegenwärtig Gal¬ 
vanos in derartiger Vollkommenheit herzustellen, 
daß ein Abdruck von ihnen von einem solchen des 
Originals, selbst wenn dieses die feinste Autotypie 
ist, nicht unterschieden werden kann. 

In der ersten Zeit konnten galvanische Nieder¬ 
schläge nur auf Metallen erzeugt werden. Es wurde 
daher zuerst von dem metallischen Original galva¬ 
nisch ein Kupferniederschlag hergestellt und die so 
gewonnene Matrize alsdann zur Anfertigung des Gal¬ 
vanos benutzt, oder der wiederzugebende Gegen¬ 
stand wurde in ein weicheres Metall (Blei) abgeformt 
und diese Abformung als Matrize für den Nieder¬ 
schlag verwandt. Als der Engländer Murray gefun¬ 
den hatte, daß sich auch auf Nichtmetallen, sobald 
diese mit einem elektrisch leitenden Stoffe, z.B. dem 
Graphit überzogen worden waren, ein Niederschlag 
herstellen ließe, da war die Möglichkeit gegeben, je¬ 
den beliebigen Gegenstand abzuformen und galva¬ 
nisch zu vervielfältigen. Zunächst wurden die da¬ 
mals zur Abformung von Klischees angewendeten 
Gipsmatrizen benutzt, die vorher gegen das Ein¬ 
dringen der Kupferlösung durch Wachs oder der¬ 
gleichen geschützt wurden. Ferner wurden Matrizen 
aus Siegellack, sowie solche aus Gelatine bzw. Leim 
hergestellt. Aber diese Formen wurden bald ver¬ 
drängt durch das einfachere Verfahren des Ab¬ 
prägens der Originalformen in Wachs oder Gutta¬ 
percha, welche beiden Verfahren heute noch üblich 
sind. 

Wachs sowohl wie Guttapercha werden durch 
Wärme erweicht, ein entsprechend großes Stück auf 


das in einen Rahmen geschlossene Original gelegt 
und die Matrize in einer hierfür geeigneten Presse 
geprägt. Nach der Abprägung erfolgt das Graphitieren 
der geprägten Form, der Matrize, eine Arbeit, die 
mit ganz besonderer Sorgfalt ausgeführt werden 
muß, weil von ihr, besonders bei der Herstellung 
von Galvanos nach Autotypien, das Gelingen eines 
guten Klischees abhängt. 

In dem galvanischen Bade erfolgt der Niederschlag 
in bereits angegebener Weise entweder durch den 
elektrischen Strom einer Batterie oder einer Dynamo¬ 
maschine. Hat der Metallniederschlag auf der Ma¬ 
trize die gewünschte Stärke erreicht, dann wird er 
von der Matrize losgelöst und nach Entfernung des 
daran haftenden Wachses die Rückseite mit Lötzinn 
versehen. Die Bildseite des Niederschlags, auch 
Hülse genannt, wird zum Schutze gegen etwaiges 
Durchbiegen mit einer Kreide- oder Gipsschicht aus¬ 
gefüllt und darauf das Galvano mit Blei hintergossen. 
Nach sorgfältigem Richten und Hobeln wird das 
Klischee auf Holz aufgenagelt. Für das Richten des 
Galvanos hat die Firma Zierow & Meusch in Leipzig 
eine Maschine gebaut, mit der die Klischees in ge¬ 
nauester Weise bearbeitet werden können. 

Die immer hohem Ansprüche, die an die Druck¬ 
erzeugnisse gestellt werden, besonders die immer 
häufigere Verwendung der Autotypie ließen sehr 
bald erkennen, daß der Abdruck vom Galvano sich 
von demjenigen des Originals unterschied, d. h. der 
Druck vom Galvano war nicht so gut als derjenige 
vom Original. Der Grund war und ist größtenteils 
darin zu suchen, daß infolge des Graphitierens sich 
gar zu leicht kleine Fehler einschleichen, die für das 
Galvano von Nachteil sein müssen. So blieben z. B. 
in den feinsten Vertiefungen Teilchen von Graphit 
liegen oder die Matrizen wurden durch das Bürsten 
rauh. Zur Verminderung dieses Übelstandes wurde 
nun die Wachsplatte bereits vor dem Prägen mit 
einem stumpfen Graphit überzogen und nach dem 
Prägen der Matrize in einer eigens dafür konstru¬ 
ierten Graphitiermaschine mit Glanzgraphit graphi- 
tiert. Andre wieder, z. B. die Firma Zierow & Meusch 
in Leipzig, graphitieren die Wachsmatrizen überhaupt 
nicht, sondern machen die Prägemasse durch Zusatz 
von Graphit bereits vor dem Prägen durch und durch 
leitend. 

Wenn durch diese Vervollkommnungen alles er¬ 
reicht wurde, was sich von einer Wachsmatrize er¬ 
reichen läßt, so konnte die Wachsmatrize doch noch 
nicht den höchsten Anforderungen, z. B. bei Auto¬ 
typien mit feinstem Raster, gerecht werden. Diesen 
höchsten Ansprüchen wurde erst durch die Blei¬ 
matrize Genüge geleistet. 

Bereits Didot in Paris hatte Ende des 18. Jahr¬ 
hunderts, damals allerdings nur zur Herstellung von 
Stereotypien, die Bleiprägung zu Hilfe genommen. 


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Auch der Erfinder der Galvanoplastik Jacobi benutzte 
das Blei zur Herstellung von Matrizen. Für die da¬ 
maligen Bedürfnisse, wo an Autotypien noch nicht 
zu denken war, genügte aber die Guttapercha- bzw. 
Wachsmatrize, so daß die Prägung der Matrize in 
Blei nicht zu allgemeiner Einführung gelangte. 

Dr. E. Albert in München fand nun, als er sich bei 
der Herstellung seiner Reliefautotypien, wo bekannt¬ 
lich die Autotypie auf eine darunterliegende Relief¬ 
ätzung aufgepreßt wird, des Weichbleis bediente, daß 
eine Platte aus diesem Metall ein ausgezeichnetes 
Prägematerial für Autotypien sei. Auch von ver¬ 
schiedenen andern Seiten wurden darauf Versuche 
mit Bleiprägung angestellt, wobei sich ergab, daß mit 
der nötigen Vorsicht auch unter Zuhilfenahme eines 
Kalanders sich sehr gute Matrizen aus Weichblei 
herstellen lassen. 

Während Dr. Albert seine Forschungen fortsetzte 
und in Erfahrung brachte, daß eine auf die Bleiplatte 
gelegte Lage Papier soviel Elastizität besaß, um das 
Blei in größere Vertiefungen hineinzupressen, ver¬ 
sah Gustav Fischer, Mitinhaber und Leiter der Gal¬ 
vanoplastik G. m. b. H. in Berlin, die für die Prägung 
zu benutzenden Bleiplatten mit einer doppelten Rif¬ 
felung, indem er sie einmal in der Längs- und ein¬ 
mal in der Querrichtung durch ein Walzwerk gehen 
ließ, dessen obere Walze geriffelt, die untere da¬ 
gegen poliert ist. Die Bleiplatte erhält hierdurch auf 
der Rückseite kleine Pyramiden, die dazu dienen, 
die Platte weicher und elastischer zu gestalten, so 
daß das Blei sich in den großem Vertiefungen tiefer 
hineinprägen kann. Mit einer derartig geriffelten 
Platte lassen sich Prägungen bis zu etwa 600 qcm 
Flächeninhalt bequem vornehmen. Für die Prägung 
größerer Flächen hat Dr. Albert ein besonderes Ver¬ 
fahren erfunden, bei dem die Prägung in einzelnen 
Teilen unter Anwendung eines Nebendrucks vorge¬ 
nommen wird, so daß einzelne Druckansätze nicht 
entstehen. 

Die Bleimatrize kann, nachdem sie auf der Rück¬ 
seite und an den Rändern nichtleitend gemacht wor¬ 
den ist, sofort in das galvanische Bad gebracht wer¬ 
den. Da Blei ein ausgezeichneter elektrischer Leiter 
ist, so schlägt sich das Metall viel schneller nieder 
als auf die graphitierten Guttapercha- und Wachs¬ 
matrizen. Da ferner bei der Metallmatrize das Bad 
bedeutend wärmer gehalten werden kann, so kann 
natürlich eine höhere Stromspannung angewandt 
werden, die eine viel schnellere Herstellung des 
Galvanos ermöglicht. 

Die Ablösung des Kupferniederschlags von der 
Matrize erfolgt durch Erwärmen, wobei sich die bei¬ 
den Metalle verschieden ausdehnen und voneinander 
trennen, ohne daß die Matrize beschädigt wird. Die 
Matrize kann daher, wenn erforderlich, mehrere 
Male benutzt werden. Die Fertigstellung des Gal¬ 


vanos erfolgt in der üblichen Weise; Dr. Albert hat 
sich aber auch eine Arbeitsmethode schützen lassen, 
bei der Arbeit und Zeit erspart wird. 

Außer den bereits erwähnten Vorteilen bietet die 
Bleimatrize noch den weitern, daß die Prägung kalt 
vorgenommen werden kann, wodurch eine größere 
Gewähr für genaues Passen bei mehrfarbigen Ab¬ 
bildungen gegeben ist. Der Hauptvorzug der Metall¬ 
matrize gegenüber der Wachs- bzw. Guttapercha¬ 
matrize liegt aber in der originalgetreuen Wiedergabe, 
die, weil die Matrize nicht mehr mit Graphit usw. in 
Berühung kommt, durch nichts beeinflußt wird. Als 
Beweis hierfür sei angeführt, daß sich mit der Blei¬ 
prägung selbst das feinste Korn einer Heliogravüre 
tadellos wiedergeben läßt. Die von Dr. Albert und 
Gustav Fischer gemachten Erfahrungen sind von den 
beiden Erfindern zu einem Verfahren vereinigt wor¬ 
den. Ihre Erzeugnisse kommen nun unter dem Namen 
Albert-Fischergalvano in den Handel. 

Als Ersatz für die Wachsmatrize benutzt die Firma 
Zierow & Meusch in Leipzig Matrizen aus Zelluloid, 
dessen gute Eignung zu Prägezwecken bereits er¬ 
wähnt wurde. Die Herstellung von Matrizen erfolgt 
derart, daß eine erweichte, vor dem Prägen elektrisch 
leitend gemachte Zelluloidplatte mit der polierten 
Oberfläche in das Klischee geprägt wird. Um ein 
Zusammenschrumpfen der Matrize zu verhindern, 
wird ein metallisches Netz mit hineingeprägt. Selbst 
Autotypien geben sich in der Zelluloidplatte mit gro¬ 
ßer Schärfe wieder, so daß auch dieses Verfahren 
die Wachsmatrize in vieler Beziehung übertrifft. 
Auch für Schriftprägung ist die Zelluloidmatrize von 
bedeutendem Vorteil, da wegen des leichten weichen 
Druckes selbst zarte Schrift nicht leiden kann. 

Von der Firma C. Beensch in Moys bei Görlitz 
wird seit kurzer Zeit eine durch Patent geschützte 
Bleiwachsmatrize in den Handel gebracht. Diese 
Matrize besteht aus mehreren übereinander geschich¬ 
teten dünnen Bleifolien, zwischen denen sich je eine 
dünne Schicht Wachs befindet, so daß das Ganze 
eine weiche geschmeidige Platte bildet. Die obere 
Schichtseite besteht aus Graphit enthaltendem Wachs, 
während die Rückseite der Platte als Isolierschicht 
ein mit Wachs getränktes Blatt Papier trägt. Die 
Prägung erfolgt entweder in der gleichen Weise wie 
diejenige einer gewöhnlichen Wachsmatrize, oder in 
noch einfacherer Weise, ähnlich wie die Prägung 
einerTrockenstereotype-Matrize, auf einer Kalander¬ 
presse. Da die fertig geprägte Bleiwachsmatrize nicht 
mehr mit Bürste und Graphit zu bearbeiten ist, son¬ 
dern direkt in das ebenfalls bis zu einem gewissen 
Grade angewärmte Bad gehängt wird, so lassen sich 
auch mit dieser Matrize Galvanos von original¬ 
getreuer Schärfe herstellen. 

Zum Schluß noch einige Zeilen über Vernickelung 
und Nickelgalvanos. Sowohl Schriftmetallklischees 


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als auch Kupfergalvanos werden oft vernickelt, das 
heißt das betreffende Klischee wird in einem galva¬ 
nischen Bade mit einem schwachen Nickelüberzug 
versehen. Dies geschieht einesteils z. B. bei den 
Schriftmetallklischees zur Erzielung einer großem 
Widerstandsfähigkeit gegen die Abnutzung, andern- 
teils zum Schutz des Kupfers (bei Galvanos) gegen 
die chemischen Einflüsse verschiedener Farben. 
Naturgemäß kann der Nickelniederschlag bei Ver¬ 
nickelungen immer nur von sehr geringer Stärke 
sein, da sonst die feinere Zeichnung des Bildes 
leicht beeinträchtigt werden würde. Die dünnen 
Nickelüberzüge sind aber leider trotz ihrer Härte 
einer baldigen Abnutzung unterworfen. Man ver¬ 
suchte daher Nickelgalvanos herzustellen, das heißt 
im galvanischen Bade das Nickel direkt auf die Ma¬ 
trize niederzuschlagen. Da sich aber sowohl Wachs- 
wie Guttaperchamatrizen für Nickel nicht in dem 
gleichen Maße wie für Kupfer eignen — Nickel z. B. 
blättert während des Niederschlagens sehr leicht von 
der Wachsmatrize ab —, so konnte zunächst nur Me¬ 
tall in Frage kommen, auf das sich Nickel in ent¬ 
sprechender Stärke niederschlagen läßt. Von dem 
Originalklischee wurde eine Kupfermatrize herge¬ 
stellt, und diese für die Anfertigung des Nickelnieder¬ 
schlages benutzt, wobei mit bedeutend erwärmten 
Bädern, also infolge der höheren Stromspannung 
schneller gearbeitet werden konnte. Die Herstellung 
der Kupfermatrize war aber etwas umständlich, so 
daß eine Verbesserung in der Verwendung von 


Guttapercha- oder Wachsmatrizen nur willkommen 
sein konnte. 

Dr. Georg Langbein in Leipzig ließ sich ein Ver¬ 
fahren patentieren, durch das in einem Bade von be¬ 
stimmter Zusammensetzung, das mechanisch in stän¬ 
diger Bewegung gehalten wird, Nickelniederschläge 
unmittelbar auf Guttapercha oder Wachs in jeder ge¬ 
wünschten Stärke erzielt werden können. Für ein 
gutes Galvano genügt ein Nickelniederschlag in etwa 
Schreibpapierstärke, der im galvanischen Kupferbade 
von der Rückseite aus sofort beliebig verstärkt und 
dann in bekannter Weise verzinnt und hintergossen 
wird. 

Die in der Neuzeit zur Anwendung gekommene 
Bleimatrize aber dürfte für das Nickelgalvano die 
Zeit gebracht haben, in der es zu allgemeinerer Ein¬ 
führung gelangen kann, denn auf der Bleimatrize 
schlägt sich das Nickel ebensogut und ebensoleicht 
nieder wie das Kupfer. Die unangenehme Eigen¬ 
schaft des Abblätterns von der Matrize, wie dies 
bei Wachs der Fall ist, ist bei Blei nicht vorhanden, 
der Nickelniederschlag ist bedeutend zäher als der 
von Kupfer, das Nickelgalvano ist daher bedeutend 
widerstandsfähiger, und die verschiedenen Farben 
haben auf Nickel so gut wie gar keinen Einfluß. Alle 
diese Vorteile können jetzt, da die Bleimatrize eine 
leichtere und einfachere Herstellung des Nickelgal¬ 
vanos gestatten, in der Drucktechnik ausgenutzt wer¬ 
den, so daß in Zukunft voraussichtlich die Verwendung 
von Nickelgalvanos häufiger als jetzt erfolgen wird. 


Aus den graphischen Vereinigungen. 


Altenburg. Die Graphische Vereinigung beschäftigte 
sich in der Sitzung vom 7. Juli 1908 in der Hauptsache mit 
den Vorbereitungen für die Ausstellung von künstlerischen 
Ansichtspostkarten, die vom 12. bis 19. Juli stattfand und 
etwa 1800 Ansichtspostkarten enthielt. Der Vorstand der 
Graphischen Vereinigung hatte sich die größte Mühe ge¬ 
geben, die weiteren Kreise Altenburgs auf die auch für den 
Laien lehrreiche Ausstellung aufmerksam zu machen, zumal 
sie in ihrer übersichtlichen Anordnung ein Bild von der 
großen Leistungsfähigkeit der deutschen Postkartenindu¬ 
strie bot. Leider war aber der Besuch der Ausstellung ein 
so schwacher, daß die sonst so rührige Gesellschaft wohl 
zu weiteren derartigen Veranstaltungen nicht ermutigt 
worden sein dürfte. -o-. 

Bremen. Der Typographische Klub hatte in seiner Juli¬ 
sitzung wiederum eine Rundsendung, enthaltend Inserate, 
ausgestellt, die Herr Biosfeld besprach. Da sich unter den 
ausgestellten Beispielen nur wenige Satzarbeiten befanden, 
so wurde mit einigen Worten auf die Satzinserate einge¬ 
gangen und bemerkt, daß eine gezeichnete oder negativ 
hergestellte Anzeige zwar immer wirkungsvoller sein werde, 
sich aber durch richtige Verteilung von Licht und Schatten 
auf einer Seite auch durch gesetzte Anzeigen noch manches 
Gute erreichen lasse. — In der Sitzung am 3. August war 


Beschluß darüber zu fassen, ob die von derLeipzigerTypo- 
graphischen Vereinigung zusammengestellte Ausstellung 
von Ansichtspostkarten auch in Bremen gezeigt werden 
solle. Trotz der entstehenden hohen Kosten wurde dem 
Vorschlag des Vorstandes zugestimmt, die genannte Aus¬ 
stellung in der Zeit vom 16. bis 31. August zur Schau zu 
bringen. -R. 

Breslau. In der Sitzung, die die Typographische Gesell¬ 
schaft am 8. Juli 1908 abhielt, lagen verschiedene Neuein¬ 
gänge vor, von denen HerrSchultes den Jahresbericht und 
die Veröffentlichungen der Gutenberg-Gesellschaft in 
Mainz wegen ihrer guten Ausstattung besonders hervor¬ 
hob. Ausgestellt waren die eingegangenen Entwürfe zu der 
Johannisfestkarte, über die noch berichtet werden wird. 
Zum Schluß erfolgte die Bekanntgabe der Bedingungen für 
den Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen zu dem Gau¬ 
tagsfestlied.— In derSitzung am 22.Juliberichtete zunächst 
Herr Hendel über den Johannisfestkarten-Wettbewerb. 
Er bedauerte sehr, daß gerade dieser Wettbewerb eine so 
schwacheBeteiligunggehabt habe, und besprach sodann die 
einzelnen Arbeiten, denen er im großen ganzen Anerkennung 
zollen konnte. Die Preisbewertung hatte folgendes Ergebnis: 
Fritz Kresse, I. Preis; Paul Scholz, II. Preis; Carl Neuge¬ 
bauer, III. Preis; Scholz, Neugebauer und Schmidt lobende 

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Anerkennungen. Herr Schmidt berichtete sodann über eine 
Rundsendung der Essener Graphischen Vereinigung, die 
zum Teil Arbeiten aus Essener Druckereien, zum Teil Wett¬ 
bewerbs-Arbeiten der noch jungen Vereinigung enthielt. 
Der Berichterstatter sprach seine Freude darüber aus, daß 
die Essener Vereinigung schon ganz schöne Proben ihrer 
Leistungsfähigkeit gegeben habe, die für die Zukunft noch 
recht Gutes erhoffen ließen. G-e. 

Glogau. In der am 22. Juli 1908 stattgehabten Monats¬ 
versammlung der Typographischen Vereinigung wurde zu¬ 
nächst der Rechenschaftsbericht für das zweite Vierteljahr 
1908 vorgelegt, der einen Kassenbestand von M 62.73 auf¬ 
wies. Sodann berichtete der Vorsitzende über das Ergebnis 
des Wettbewerbes, den die Typographische Gesellschaft 
in Stettin zur Erlangung eines Briefkopfes veranstaltet und 
nach hier zur Bewertung eingesandt hatte. Hierauf wurde 
beschlossen, den schon früher beabsichtigten Wettbewerb 
zur Erlangung von Entwürfen zu einem Briefkopf für die 
Vereinigung zur Ausführung zu bringen und die Typo¬ 
graphische Vereinigung in Leipzig um Übernahme der 
Bewertung der Eingänge zu bitten. Eine ausliegende Rund¬ 
sendung der Firma P.J. Bachem, Köln konnte wegen der vor¬ 
geschrittenen Zeit nicht mehr besprochen werden. Ksr. 

Halle a.S. Die Graphische Vereinigung konnte am 14.Juli 
1908 die Feier des fünften Stiftungsfestes begehen, die 
im allgemeinen den Charakter eines fröhlichen Kommerses 
trug, aber durch einen einleitenden Vortrag des Vorsitzen¬ 
den F. H. Müller über die Zwecke und Ziele der Vereinigten 
Typographischen Gesellschaften Deutschlands eine be¬ 
sondere Bedeutung erhielt. Der Redner gab sehr beachtens¬ 
werte Anregungen und erblickt die Aufgabe der Fachvereine 
in dem unentwegten Arbeiten für eine weitere machtvolle 
Entwicklung der Buchdruckerkunst, damit diese wieder zu 
einem echten Kunstgewerbe werde. -er. 

Hannover. Die Typographische Vereinigung beriet in 
der Sitzung am 30. Juni 1908 die von der Berliner Typo¬ 
graphischen Gesellschaft gemachten Vorschläge, betreffend 
die einheitliche Stärke der Linienbilder. Allgemein wurde 
die Festsetzung einheitlich starker Linienbilder mit Ein¬ 
schluß der doppeltstumpffeinen Viertelcicerolinie als sehr 
notwendig erachtet, die endgültige Stellung der Mitglieder 
zu den Berliner Vorschlägen aber einer späteren Sitzung 
Vorbehalten. Zur Vorberatung neuer Statuten wurden ge¬ 
wählt die Herren Koppmann, H. Schulze, Staub, Vennekold 
und Wandelt. An dem vom Gewerbeverein für Hannover 
im Juli wiederum veranstalteten Kursus in der gewerb¬ 
lichen Buchführung werden sich auch einige Mitglieder 
der Typographischen Vereinigung beteiligen. — Am 26. Juli 
hielt Herr Wandelt einen Vortrag über: Die Verwendung 
der Tonplatte. Durch diesen Vortrag und die sich ihm an¬ 
schließende Besprechung wurde ungefähr die Grenze ge¬ 
zogen, bis zu der bei typographischen Wettbewerben die 
Tonplatten als gegebenes Material zu betrachten sind. Das 
Ergebnis der Erörterungen soll nebst einem Auszug aus 
den Wettbewerbsbestimmungen des Verbands der Deut¬ 
schen Typographischen Gesellschaften dem neuen Statut 
angeheftet werden. -ss-. 

Leipzig. In der Typographischen Gesellschaft berichtete 
am 1. Juli 1908 Herr Graichen über einen in der Gutenberg- 
Gesellschaft zu Mainz von Hem Dr. A. Hagelstange ge¬ 
haltenen Vortrag: Gutenbergs Erbe und die Pflichten der 
Gegenwart ihm gegenüber. — Die Sitzung am 15. Juli 


brachte zwei technische Erklärungen alter Facbausdrucke, 
die sich immer mehr verlieren und nur noch von wenigen 
alten Setzern angewendet werden. Herr Kaiser erklärte 
das Wort: Parangonieren, das gleichstellen bedeutet und 
hauptsächlich beim Ausschlüßen der mathematischen For¬ 
meln und in der Akzidenz angewendet wurde, wenn in einer 
Zeile zwei oder mehrere Schriften in Linie gebracht werden 
mußten. Heute spreche man nur vom Über- und Unterlegen. 
Herr Schwarz erklärte sodann den anastatischen Druck, der 
angewendet werde, wenn die Neuherstellung einer Druck¬ 
sache aus gewissen Gründen nicht angängig sei oder wenn 
es sich um peinlich genaue Wiedergabe des Originales 
handele. Die Druckfarbe des Originals werde chemisch 
aufgefrischt, so daß sie sich beim Umdrucken vom Papier 
löse und auf dem Stein haften bleibe, der dann vom Stein¬ 
drucker zum Fortdruck fertig gemacht werde. Das Original 
werde durch die chemische Behandlung und den Umdruck 
wertlos. Dem anastatischen Druck verwandt sei die Photo¬ 
lithographie, bei der die wiederzugebende Drucksache 
mittels photographischen Verfahrens auf den Stein über¬ 
tragen werde. Die Photolitbographie habe aber den großen 
Vorteil, daß das Original vergrößert oder verkleinert 
werden könne. Herr Kaiser berichtete über die Wünsche 
und Ansichten, die ein Gelehrter in der Berliner Typo¬ 
graphischen Gesellschaft vorgetragen hat, und bemerkte 
hierzu, daß diejenigen Leipziger Druckereien, die mathe¬ 
matischen Satz hersteilen, die verlangten Zeichen besitzen. 
Dem Vorschlag, eine Anleitung für mathematischen Satz 
zu schaffen, könne er nicht beistimmen, weil die mathe¬ 
matischen Werke und das Material der Druckereien zu 
verschieden seien. Ein Studium der vorhandenen Lehr¬ 
bücher genüge völlig. — Am 29. Juli erklärte Herr Uhlig 
seine Zeilen-Auftragswalzen, mittels welchen es möglich 
ist, gleich den ersten Korrekturabzug in einfachster Weise 
farbig herzustellen, ohne erst die einzelnen Formen bauen 
zu müssen. Aus den reichen Sammlungen der Typogra¬ 
phischen Gesellschaft waren Besuchskarten ausgestellt, 
die mit der Mitte des vorigen Jahrhunderts beginnend bis 
auf die neueste Zeit führten. Nach Erklärung der Worte: 
Vor der Schrift (Avant la lettre) wurde noch eine außer¬ 
ordentliche Generalversammlung abgehalten, in der an 
Stelle zweier abreisender Vorstandsmitglieder Herr Kütt- 
ner als Kassierer und Herr Hach als Beisitzer gewählt 
wurden. B-r. 

Leipzig. In der am 1. Juli 1908 stattgehabten Sitzung 
der Typographischen Vereinigung waren die im Laufe des 
letzten Jahres eingegangenen Schriftgießereineuheiten aus¬ 
gestellt, über die Herr Pscherra ausführlich berichtete. Er 
stellte fest, daß in der Schriftgießerei ein frischer Zug wehe, 
zumal sie bestrebt sei, durch Mitarbeitung namhafter Künst¬ 
ler und tüchtiger Schriftzeichner Gutes auf den Markt zu 
bringen. Von Eckmann ausgehend schilderte er die Ent¬ 
wicklung in dem Schaffen künstlerischer Schriften und 
weist darauf, daß in jüngster Zeit der reine Antiqua- und 
Frakturschnitt zur Vorherrschaft gekommen ist. Durch die 
zu den Schriften geschnittenen passenden Ornamente könne 
jetzt auch Einheitlichkeit im Satzbilde erzielt werden. Diesen 
allgemeinen Ausführungen schloß sich eine beurteilende 
Besprechung der ausgestellten Schriftproben an. Nach 
dem Vortrage wurde das Ergebnis der Bewertung des letzten 
Preisausschreibens (Briefkopf, Briefumschlag und Post¬ 
karte für die Vereinigung) bekannt gegeben. Es erhielten: 


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I. Preis: R. Sack; II. Preis: Luboch - Schäfer; III. Preis: 
R. Schäfer; IV. Preis: A. Steib. — Am 15. Juli hielt Herr 
Mauff einen Vortrag über: Deutsche und fremdländische 
Interpunktionen, in dem er bemerkte, daß der Meister 
der Sprache an der sinngemäßen Interpunktion und an der 
Betonung zu erkennen sei. Die Beherrschung der Sprache 
könne erreicht werden, wenn die elementarsten Sprach- 
kenntnisse geläufig seien. Leider werde aber vor allem die 
Interpunktion vernachlässigt und bei ihr wiederum das 
Komma, entweder durch falsche Stellung oder durch Weg¬ 
lassen. An mehreren Beispielen wurden diese Darlegungen 
erläutert. Auch die fremdsprachlichen Satzzeichen wurden 
eingehend behandelt und zum Schlüsse auf die Wörter¬ 
bücher von Duden und Weyde, sowie auf das Werk: Hell- 
wig, Die Behandlung fremder Sprachen verwiesen. Herr 
Friebel besprach sodann noch eine ausgestellte Sammlung 
von Festschriften und Programmen zu Buchdruckerfesten, 
wobei er betonte, daß sich die technischen Vereine als 
vornehmliche Aufgabe stellen sollten, für das Verschwin¬ 
den minderwertiger Arbeiten zu sorgen. — Am 29. Juli 
waren Schülerarbeiten der Königlichen Akademie für 
graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig ausge¬ 
stellt, die aus der Abendklasse des Herrn Professor 
Honnegger hervorgegangen waren. Herr Sack berichtete 
über die Ausstellung und bemerkte, daß die Arbeiten von 
jüngeren und älteren Buchdruckern in einem Kurse mit 
vier Abendstunden in der Woche hergestellt seien. Jeder 
Schüler erhalte sein Manuskript, nach dem er zuerst seine 
Skizze mache, die er danach in der Werkstätte praktisch 
ausführe. Der Lehrer wirke bei allen Arbeiten individuell 
ein, nur nicht bei den Prüfungsarbeiten, die von den 
Schülern allein und ohne jegliche Hilfe hergestellt werden 
müssen. Dies sei auch bei einer Anzahl ausgestellter Ar¬ 
beiten der Fall. Es seien dies dieselben, die Herr Becker 
im Deutschen Buch- und Steindrucker angegriffen habe. 
Er könne die Abhandlungen des Herrn Becker nur als An¬ 
griff, nicht aber als eine Kritik bezeichnen, die sich sinn¬ 
gemäß aufbaue. An mehreren Beispielen beweist dies 
Herr Sack, der auch zum Schluß die Art und Weise verwarf, 
mit der sich Herr Becker die Arbeiten zum Zweck der 
Reproduktion beschafft hat. In dem Meinungsaustausch, 
der sich an den beifällig aufgenommenen Vortrag anschloß, 
wurde von verschiedenen Rednern noch Tadel ausge¬ 
sprochen. Der als Gast anwesende Herr Professor Seliger 
gab einige Erklärungen ab. Er betonte, daß es ganz falsch 
sei, diese Arbeiten als vorbildlich für die Praxis hinzu¬ 
stellen, denn die Schule sei nur imstande, die Schüler aus 
dem Alltäglichen emporzuheben und zu persönlich höhe¬ 
ren Leistungen zu erziehen. Ebensowenig wie die Schule 
im Zeichnen oder Malen nach der Natur vorbildliche Ar¬ 
beiten liefere, die für den gegenwärtigen Stand der Zeichen¬ 
kunst und Malerei maßgebend wären, ebensowenig könne 
auch der Kursus eines speziellen Berufes allgemeinhin 
für die Praxis vorbildliche Arbeiten ergeben. Er verwahre 
sich entschieden dagegen, daß die Schule vorbildlich zu 
wirken habe, sie wolle nur geringere Leistungen und An¬ 
schauungen in feinere umsetzen. Nur in ihrem Gesamt¬ 
streben, in ihrer Gesinnung und Richtung könne die Schule 
Vorbildliches für die Praxis zeigen, nicht aber sei dieses 
bei jeder Einzelleistung des Schülers möglich oder er¬ 
strebenswert. Viele Schülerarbeiten müßten schon vor 
ihrer Fertigstellung verworfen werden, und dennoch könne 


der Schüler an diesen am meisten gelernt haben. Es würde 
geradezu ein Hohn sein, wenn die Arbeiten der Schüler für 
die der Meister in der Praxis maßgebend wären oder sein 
sollten. Er freue sich, daß man allmählich wieder zur Ein¬ 
fachheit zurückgekehrt sei und in der Schrift dasjenige er¬ 
kenne, das dem Buchdrucker in erster Linie zur Verar¬ 
beitung zukomme, denn das Überladen mit Ornamenten 
oder gar das Selbstzeichnen solcher sei für den Buchdruck 
nachgerade gefährlich gewesen. Das habe er selbst in der 
Akademie erlebt, darum sei man auch hier davon abge¬ 
kommen, wie die ausgestellten Arbeiten bezeugen. Er ver¬ 
weist sodann auf die ausgelegten Tafeln aus dem von 
der Reichsdruckerei herausgegebenen Werk: K. Burger, 
Deutsche und italienische Inkunabeln und das Werk von 
Weimar über Monumentalinschriften, aus welchen am 
besten ersehen werden könne, wie man die Schrift zur 
Wirkung kommen lassen solle. Auf eine Anfrage erklärte 
Herr Professor Seliger, daß auch heute noch, nachdem in 
der Akademie eine Druckerei eingerichtet sei, der Lehr¬ 
gang des Kursus sich so gestalte, daß zuerst Anschau¬ 
ungsunterricht gegeben werde, in dem die Formen und 
Anwendungsarten der Schrift erläutert würden, hierauf 
würden Skizzen gemacht, die ausgeführt werden müssen. 
Bei den praktischen Arbeiten müsse mit wenig Schriften 
und zwei Tiegeldruckpressen vorlieb genommen werden. 
In einer Unterredung nach Schluß des Vortrages erklärte 
sich Herr Professor Seliger in liebenswürdiger Weise 
dem Vorstand gegenüber bereit, eine Ausstellung von 
Schülerarbeiten zusammenzustellen und solche durch Ver¬ 
mittelung der Typographischen Vereinigung dem Verband 
der Deutschen Typographischen Gesellschaften zur Rund¬ 
sendung zu überlassen. gKr. 

Magdeburg. In der Julisitzung der Graphischen Gesell¬ 
schaft lagen die neuesten Hefte der Fachliteratur aus. Herr 
Singhofen berichtete über eine Rundsendung des Verbandes 
derDeutschenTypographischen Gesellschaften, enthaltend 
Kasseler Drucksachen, wobei er die hervortretenden 
Mängel in der Satzanordnung und der Wahl der Farben 
kritisch beleuchtete. Die aus Anlaß des 10jährigen Be¬ 
stehens der Graphischen Gesellschaft als Monatsarbeit be¬ 
schlossene Festkarte brachte zahlreiche Einsendungen, von 
denen der Entwurf des Herrn Helmberger zur Ausführung 
gewählt wurde. E. K. 

Wien. Die Graphische Gesellschaft veranstaltete am 
26. Juli 1908 einen gemeinsamen Besuch der Ausstellung 
„Kunstschau" (Klimt-Gruppe der Sezession). Die Teil¬ 
nahme war sehr zahlreich und die Besichtigung verlief so 
anregend, daß eine Wiederholung derselben demnächst 
stattfinden wird. Die Ausstellung bietethohe wie angewandte 
Kunst, und wenn auch manches Vorgeführte der ersteren 
fast Befremden erregt, z.B. die Bilder Klimts selbst, so ist 
wieder die gezeigte Zweckskunst zumeist wirklich schön. 
Drei Säle sind der Graphik gewidmet. Hier setzte natür¬ 
lich Beifall und Widerspruch seitens der Besucher am 
meisten ein. Bei den Kleindrucksachen und Entwürfen 
für solche —man hatte es hier ausschließlich mit Künstler¬ 
arbeiten zu tun — wurde vornehmlich die Behandlung 
der Schrift bemängelt und mit dem wienerischen Aus¬ 
druck „schlampert“ belegt. In der Tat machte die Schrift 
meist den Eindruck, als wäre sie für den Künstler eine 
lästige Arbeit, die er möglichst rasch so oder so vom Halse 
haben wolle. Der Plakatsaal bietet eine Fülle von aus- 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


geführten Künstlerplakaten wie von Entwürfen. Der Ver¬ 
gleich mit andern Plakaten, die zurzeit die Anschlagsäulen 
schmücken, wie z. B. diejenigen der Grazer und Prager 
Ausstellung, ließ das Urteil der Besucher dahin gelangen, 
daß die gezeigte Klobigkeit der Zeichenweise auch für die 
Fernwirkung nicht gerade notwendig ist, ja roh wirkt, -t-. 

Zittau. Die Graphische Vereinigung beteiligte sich mit 
ihren letzten Wettbewerbsarbeiten an einer Skizzen- und 
Drucksachenausstellung, die von der Filiale Warnsdorf i.B. 


der Buchdrucker der Lausitz und Nordböhmens aus Anlaß 
des Johannisfestes veranstaltet war. — In der Sitzung am 
25.Juli 1908 lag eine Rundsendung des Verbandes der Deut¬ 
schen Typographischen Gesellschaften aus, enthaltend 
spanische Drucksachen. Die hier gezeigten Erzeugnisse 
spanischer Druckkunst wirken jedoch nur insofern erziehe¬ 
risch, als sie dem deutschen Akzidenzsetzer deutlich vor 
Augen führen, wie Drucksachen nicht ausgestattet sein 
sollen. -dl-. 


Bücher- und Zeitschriftenschau; verschiedene Eingänge. 


V Dreßlers Kunst-Jahrbuch. Dresden. Verlag von Ger¬ 
hard Kühtmann . Den Herausgeber dieses Nachschlage¬ 
werkes haben wir schon einmal auf mancherlei Mängel 
hinweisen können, die seinem Werke anhaften. Die vor¬ 
liegende neue Ausgabe mit der früheren zu vergleichen, 
ist uns unmöglich, da wir letztere nicht zur Hand haben. 
Sollte aber Willy O. Dreßler unsern Winken seinerzeit ge¬ 
folgt sein, so müssen wir heute sagen, daß dann bei ein¬ 
gehender Prüfung sich weitere Schwächen herausgestellt 
haben, die einem Nachschlagewerk, das unbedingt schnelle 
und erschöpfende Auskünfte geben soll, nicht anhaften 
dürfen. Die Mitteilungen über die einzelnen Künstler — 
um nur eines herauszugreifen — sind herzlich dürftig. 
Viele Künstler, auch namhafte und namhaftere, fehlen 
noch ganz. Wenn Dreßler nicht von den Künstlern direkt 
über ihre Werke usw. Auskunft erhalten kann, so muß er 
sie indirektzu erhalten suchen. Es fehlt vor allem an Kon¬ 
sequenz. Werden nur bei einzelnen und nicht bei allen 
Namen die betreffenden Kunstwerke angeführt, so ist das 
etwas Halbes. Alle gleichmäßig behandelnI Wir verlangen 
selbstverständlich nicht ein vollständiges Register, das all 
und jedes mehr oder minder künstlerisch wertvolle Werk 
registriert, allein wie mancher (namentlich Laie) wird den 
Künstler an seinem Werke wiedererkennen. Auch die Ge¬ 
samtanlage ist nicht einwandfrei und durchaus praktisch. 
Wir hoffen, daß wir in der nächsten Ausgabe Dreßlers 
Kunst-Jahrbuch, das an sich einem glücklichen Gedanken 
entspricht, in vollendeterer Form begegnen werden. S.M. 

V Das Zeitungswesen. Von Tony Kellen. Kempten und 
München 1908. Verlag der Joh. Köselschen Buchhandlung. 
Dieses Büchlein, das, schlicht in Leinwand gebunden, eine 
Mark kostet, bildet das 17. Bändchen der „Sammlung 
Kösel“ und erzählt in knapper Form die Entstehungsge¬ 
schichte und Entwicklung des Zeitungswesens seit dem 
grauen Altertum, dem Belesenen dabei kaum Neues bie¬ 
tend, dem mit der Materie aber noch Unbekannten doch 
ein recht guter und auf klärender Führer und Vorarbeiter 
für weiteres Studium in größeren Werken, wie wir sie ja 
in teilweise recht vorzüglichen Ausgaben besitzen. Er¬ 
innert sei an Ludwig Salomons Geschichte des Zeitungs¬ 
wesens. Der Verfasser hat offensichtlich fleißige Studien 
gemacht, die ihn befähigen, ein Kompendium der vor¬ 
liegenden Art dem Publikum vorzulegen, das bei der Lek¬ 
türe sehr bald merken wird, daß Kellen sein Thema be¬ 
herrscht. Es ist kaum eine Frage offen gelassen, die in 
das Zeitungswesen hereingreift, und bei der (bereits er¬ 
wähnten) Kürze und Knappheit der Darstellung kann man 
die erschöpfende Art, mit der diese vielen und vielseitigen 
Fragen beantwortet werden, nur lobend anerkennen. Und 


was vom ersten Teile des Buches, der älteren und ältesten 
Geschichte, gesagt ist, gilt auch von dem zweiten Teile 
des Buches über den jetzigen Zustand der Presse und 
von dem dritten Teile über die Organisation des Zeitungs¬ 
wesens. Interessant sind besonders die statistischen Auf¬ 
schlüsse. Zahlen reden ja oft deutlicher als viele Worte — 
das sieht man auch hier. Namentlich wer dem Zeitungs¬ 
wesen, insbesondere seiner Organisation, der technischen 
namentlich, völlig fern steht, wird viel erfahren und lernen 
aus Kellens fleißigen Ausführungen. Ob freilich die in dem 
Zeitungswesen meist recht erfahrenen Buchgewerbler viel 
hinzuzulernen vermögen, ist fraglich. Eine weite Verbrei¬ 
tung verdient die Arbeit auf alle Fälle —wir wünschen sie 
ihr. S.M. 

V Praktischer Ratgeber für Geschäftsanfänger im Buch¬ 
handel. Von H. Ebbecke. Leipzig. Verlag von Gustav Uhl. 
Das Wort „praktisch“ wird doch recht oft an falscher Stelle 
angewendet. Schreiber dieser Zeilen ist Laie im Buchhan¬ 
del, d.h. insoweit, als er selbst nicht Buchhändler ist. Da¬ 
gegen hat er doch schon manchen Einblick in diesen stol¬ 
zen Erwerbszweig unsers Volkes gewonnen, auch in dessen 
Organisation und Betrieb. Aber als Laie sowohl, wie als 
— sagen wir — treuer Freund des Buchhandels, dem er 
schon oft ins Getriebe geschaut hat, muß er bekennen, daß 
er Herrn Ebbeckes praktischerRatgebungwenig Geschmack 
abzuringen vermag. Geschäftsanfänger, die noch niemals 
in den Buchhandel hineingerochen haben, werden an der 
Ebbeckeschen Hand schwerlich zum Ziele des praktisch 
durchgeschulten Buchhändlers gelangen, freilich Leute, 
die gar keine buchhändlerische praktische Schulung durch¬ 
gemacht haben, sollten am besten diese Pfade des Buch¬ 
gewerbes gar nicht beschreiten wollen, andre aber brauchen 
diesen Ratgeber nicht. Wenn der Handel eine Wissen¬ 
schaft ist, wie in den letzten Dezennien immer kräftiger 
betont wird, dann ist der Buchhandel eine hohe Wissen¬ 
schaft, sie will studiert sein, praktisch studiert sein. Schrif¬ 
ten wie die vorliegende können das Studium nicht erset¬ 
zen und Unerfahrene zur Ergreifung eines Berufes ver¬ 
leiten, der ihnen auf Grund der Kenntnisse, die sie aus 
solchen „Ratgebern“ holen, keinen Segen bringt. S.M. 

W Führer durch die Sammlungen des Deutschen Museums. 
Leipzig. Verlag von B. G. Teubner. Preis M 1.—. Dieser 
Führer durch jene Sammelstätte, die uns das Werden und 
Wachsen zweier mächtiger Geistesgebiete Deutschlands — 
der Naturwissenschaft und derTechnik — veranschaulicht, 
wird auch denen ein wertvolles Buch sein, denen es nicht 
vergönnt ist, in München das Deutsche Museum zu be¬ 
suchen. Bietet doch dieses geschmackvoll ausgestattete 
Werkchen weit mehr des Interessanten und Belehrenden, 


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als man von einem Führer im gewöhnlichen Sinne des 
Wortes zu empfangen gewöhnt ist. In Wort und Bild ver¬ 
anschaulicht das Buch Räume und Inhalt des Museums 
und wird, wie das Museum selbst, zu einem historischen 
Schilderen Man könnte diesen Führer ganz gut auch ein 
Handbüchlein der Geschichte der Technik nennen. Aus 
den einzelnen Abteilungen spricht der Geist trefflicher 
Fachleute. Wem das Glück beschieden war, oder wem es 
beschieden wird, das Deutsche Museum besichtigen zu 
können, der wird den Führer nicht entbehren können und, 
nach Hause zurückgekehrt, aus ihm immer wieder liebe 
Erinnerungen erwecken. Somit kann man beiden Teilen 
das Werkchen aufs wärmste empfehlen: denen, die es nur 
als einen Leitfaden durch die Geschichte der Technik be¬ 
nützen können, und denen, die es wirklich als Führer durch 
die Räume des Museums der bayrischen Hauptstadt ge¬ 
brauchen müssen. S.M. 

¥ Der Rechtsschutz des bildenden Künstlers. Von Dr. iur. 
Drathen. Leipzig 1908. Verlag von E. A. Seemann. Preis 
M 1.40. Das vorliegende Heft ist eine preisgekrönte Arbeit, 
welche die durch Gesetze und Verträge geschaffenen Rechts¬ 
verhältnisse des Künstlers erklären, den Künstler über 
seine Rechte und Pflichten belehren, ihm ein praktischer 
Führer durch das Erwerbsleben sein will. Und diesen 
Zweck hat der Verfasser auch erreicht. Die Gliederung 
des Stoffes, die ganze, um ein modernes Wort zu gebrauchen, 
Aufmachung des Inhaltes, ist eine überaus glückliche. 
Kein Paragraphenbuch, in dem man suchen muß, sondern 
ein an Übersichtlichkeit und Vollständigkeit der Auskunft¬ 
erteilung nichts zu wünschen übriglassendes Werk liegt 
hier vor, das nicht nur dem Künstler, sondern auch dem 
Juristen ein guter und schneller Ratgeber sein wird. In¬ 
wieweit Drathens Schrift dem Buchgewerbler hilfreiche 
Hand bieten kann, braucht hier nicht des längeren erörtert 
zu werden. Dem hier gespendeten Lob wollen wir noch 
die Tatsache anfügen, daß der Verfasser sich gegen die in 
letzter Zeit — auch von Juristen — vielfach und energisch 
geforderten Sondergerichte in Sachen des (gewerblichen) 
Rechtsschutzes wendet. Auf diesem Gebiete kann man ge¬ 
teilter Meinung sein. Wir empfehlen das Werk Drathens für 
den praktischen Gebrauch als ganz vorzüglich. S.M. 

¥ Einführung in die Elektrotechnik. Von R.Rinkel. Leip¬ 
zig 1908. Verlag von B. G. Teubner. Preis gebunden M 12.—. 
Nach den beiden kleinen, die Elektrotechnik betreffenden 
Abrissen, die wir in den letzten Heften des Archiv für Buch¬ 
gewerbe unsern Lesern empfehlen konnten, können wir 
heute das Erscheinen eines umfangreicheren Werkes ver¬ 
künden, aus der Feder eines Mannes, der als Dozent sich 
voller Anerkennung erfreut, als Verfasser selbständiger 
Werke aber unsers Wissens noch nicht an die Öffentlich¬ 
keit getreten ist. Ist dies richtig, so muß man sagen, daß 
Rinkel sich in der Literatur recht vorteilhaft einführt mit 
dem vorliegenden Werke. B.G.Teubners Handbücher für 
Handel und Gewerbe, zu deren Sammlung Rinkeis Buch 
gehört, ist, wie der Titel sagt, für einen bestimmten Kreis 
ins Leben gerufen, zu dem auch unsre Branchen gehören. 
Aber gerade diese Kreise sind es, die in ihren praktischen 
Betrieben der Elektrotechnik einen weiten Raum verstatten. 
Nichts ist nun wünschenswerter, als das: die Natur der 
Kräfte, ihre Anwendung usw. möglichst genau zu erken¬ 
nen, die für uns arbeiten. Wer elektrischen Betrieb oder 
Antrieb hat, wird also gut tun, in dessen Wesen einzu¬ 


dringen. Rinkeis Werk stellt für diesen Zweck, namentlich 
auch in dem Kapitel Elektrische Anlagen in Fabriken den 
geeigneten Führer und Ratgeber dar. In einer für jeder¬ 
mann verständlichen Weise geleitet er den Leser durch 
die gesamte Wissenschaft von der Elektrotechnik bis zu 
den Erfindungen und Verbesserungen der neuesten Zeit. 
Die reiche und gute Auswahl erläuternder Illustrationen 
gereicht dem Werke zu großem Vorteil. Wir können es 
denen, die tiefer in die Geheimnisse unsrer großen indu¬ 
striellen Helferin, der Elektrizität, einzudringen wünschen, 
gern empfehlen. S.M. 

¥ Illustrierte Geschichte des Kunstgewerbes. In Verbin¬ 
dung mit Fachgelehrten herausgegeben von Georg Lehnert. 
Verlag von Martin Oldenbourg , Berlin. Die beiden vor¬ 
liegenden Abteilungen IV und V schließen den ersten Band 
des bedeutenden Werkes ab und reihen sich den ersten 
drei Abteilungen in jeder Weise würdig an. Was wir über 
diese drei Hefte gesagt haben, trifft demnach auch für die 
jetzt erschienenen vollinhaltlich zu. Wort und Bild har¬ 
monieren in bester Weise, eines ergänzt das andre. Für 
das Buchgewerbe hat das schöne Werk großes Interesse, 
denn es bringt eine Fülle von Ausführungen, welche unsre 
Kreise — besonders die Buchbinderei — betreffen. Bei 
der Auswahl der Illustrationen fällt es angenehm auf, daß 
kein plan- und zweckloses Herausgreifen aus der Über¬ 
fülle des Materials gewaltet hat, sondern daß ein feiner 
Kunstsinn und ein*hohes Verständnis die mühsame Arbeit 
förderte. Auf Einzelheiten des Textes hier einzugehen, 
ist nicht nötig. Wir empfehlen das Werk, dessen Fort¬ 
setzung man freudig erwartet, allen Freunden des Kunst¬ 
gewerbes. S.M. 

¥ Anuari Oliva. 1907. Madrid. Londres. Ein spanisches 
Zeugnis hervorragender buchgewerblicher Leistungsfähig¬ 
keit liegt vor uns, doppelt wertvoll für uns, weil es eine in¬ 
teressante Würdigung unsers heimischen Meisters Bruno 
Höroux enthält, der eine Reihe der schönsten Exlibris 
dieses Künstlers beigegeben ist, Kabinettstücke, wie die¬ 
jenigen von Oskar Leuschner, Rudolf Neumann, Sigmund 
Lehnsman usw. Es ist erfreulich, daß die besten unsrer 
Künstler, die im Dienste des Buches und des Buchge¬ 
werbes stehen, im Auslande die Beachtung Anden, die 
ihnen gebührt, und deshalb freuen wir uns, daß Höroux in 
würdiger Gesellschaft und in einem Werke, das über jeden 
Tadel erhaben ist, dem spanischen kunstliebenden und 
sachverständigen, fachmännischen Publikum vorgestellt 
wird. Mit diesem Lobe sagen wir nicht zu viel. Denn in 
der Tat sind die Darbietungen des Anuari Oliva 1907 von 
solcher Güte, daß man allen Respekt haben muß vor der 
Kunstfertigkeit der jenseits der Pyrenäen schaffenden 
Buchgewerbler. Das gilt von den vorarbeitenden Künst¬ 
lern wie von den reproduzierenden Gewerken. Material, 
Illustrationen, Druck, Form und Gedankenreichtum kün¬ 
den uns, daß Spanien auf der Höhe der Zeit steht. Anuari 
Oliva verrät einen feinen künstlerischen Geschmack und 
man darf sagen, so mancher berechtigte Wunsch derer, die 
im vergangenen Winter in den Vorträgen des Buchgewerbe¬ 
vereins Ratschläge erteilten für eine abgerundete künst¬ 
lerische Buchausstattung, findet sich in dem vorliegenden 
spanischen Werke erfüllt. Man darf Art und Zweck dieses 
Werkes dabei freilich nicht außer acht lassen, dann wird 
man erkennen und begreifen, daß sich in diesem Werke 
nicht alle jene Wünsche erfüllen ließen. Wir verfehlen 


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nicht, Anuari Oliva insbesondere unsern buchgewerblichen 
Kunstwerkstätten und kunstgewerblichen Bibliotheken zum 
Ankauf zu empfehlen. Man darf die weiteren Jahrgänge 
mit Freude erwarten. S.M. 

V Proeven van Reproductie in Boekdruk, van Joh. 
Enschede & Zonen, Haarlem. Diese mehr als Schriftgießerei 
denn als Reproduktionsanstalt bekannte Firma hat soeben 
ein Probeheft in Folioformat herausgegeben, das auch ihre 
Leistungsfähigkeit auf dem Gebiete der Druckplatten¬ 
herstellung beweist. Das vornehm ausgestattete Heft ent¬ 
hält Proben der verschiedensten Reproduktionsmethoden, 
insbesondere sind autotypische Platten in verschiedenster 
ein- und mehrfarbiger Ausführung vertreten. Als recht 
gute Leistungen sind einige Vierfarbendrucke sowie eine 
Duplexautotypie zu bezeichnen, während auf zwei Blättern 
die Entstehung einer grobrastrigen Autotypie für Zeitungs¬ 
druck veranschaulicht wird, die am Schlüsse des Heftes 
angefügt ist. Ich kann der Firma meine Anerkennung für 
die schönen Proben ihrer Leistungsfähigkeit nicht ver¬ 
sagen. Auch der Umschlag des Heftes macht einen guten, 
geschlossenen Eindruck. S. 

W Photographische Belichtungstabelle „Helios“ von P.Eich- 
mann. Berlin 1908. Verlag von G. Schmidt. Preis gebun¬ 
den M2.50. — Die richtige Bestimmung der Belichtungs¬ 
zeit bei den photographischen Aufnahmen erfordert große 
Erfahrung. Der Zweck des obengenannten Taschenbuches 
ist, dem Liebhaberphotograph diese Aufgabe zu erleichtern. 
Ich glaube aber, daß die bekannten Watkins- und Chapman 
Jones-Photometer zu diesem Zwecke viel geeigneter sind, 
da wohl kaum ein Photograph Zeit und Geduld haben 
wird, für eine einzige Bestimmung neun Tabellen nachzu¬ 
schlagen und die so erhaltenen Zahlen auf einer beige¬ 
gebenen Drehscheibe einzustellen, um schließlich die ge¬ 
wünschte Belichtungszeit zu ermitteln. Die Tabellen selbst 
sind ganz gut zusammengestellt und enthalten keine direk¬ 
ten Fehler. Eine Tabelle mit Angabe der Empfindlichkeit 
von wichtigsten Plattensorten würde den Gebrauch des 
Buches sehr erleichtern. Gg. 

W Dr .E.König, Die Autochromphotographie. (Photogra¬ 
phische Bibliothek, Band 23.) Berlin 1908. Verlag von 
G. Schmidt. Preis geheftet M 1.20, gebunden M 1.70. — Das 
jüngste und beste Verfahren der Farbenphotographie — 
die Autochromphotographie — hat auch für den Buchge- 
werbler bereits eine große Bedeutung als Vorlage beim 
Dreifarbendruck erlangt. Aus der ziemlich großen, rasch 
entstandenen Literatur über dieses Verfahren glauben wir 
das vorliegende Buch als das beste hervorheben zu können. 
Der Verfasser hält sich nicht zu sehr an die Vorschriften 
der Erfinder, sondern teilt den Lesern auch die eigenen 
Erfahrungen mit. Da der Verfasser selbst einer der her¬ 
vorragendsten Fachleute auf dem Gebiete der Farbenpho¬ 
tographie ist, p so ist die Gewähr gegeben, daß der Text des 
Buches allen Anforderungen auf Gründlichkeit und Rich¬ 
tigkeit der Auffassung entspricht. Gg. 


V Künstlerische Schreibmappe. Die Kunstdruckerei 

J.G.Holtzwarts Nachfolger (S.M injon) in Frankfurt a.M. hat 
ihren Geschäftsfreunden eine künstlerisch ausgestattete 
Schreibmappe gewidmet, bei der neben dem praktischen 
Zwecke auch der der Empfehlung zur Geltung kommt. Die 
Mappe ist unter Aufwendung vieler künstlerischer und tech¬ 
nischer Arbeit hergestellt und verdient von diesem Ge¬ 
sichtspunkte aus eigentlich mehr Beachtung als von dem 
der Zweckmäßigkeit. Die Mappe ist von einer Pergament¬ 
decke umhüllt, deren farbenreicher Aufdruck nach einer 
Zeichnung von R. Linnemann erfolgte. Das Ganze wirkt 
zwar sehr dekorativ, paßt aber meines Erachtens nicht so 
recht in den jetzigen Zeitgeschmack. Die ganze Anlage 
der Mappe erfolgte im Dürerstil. Leider herrscht zwischen 
Titel, Vorsatz und dem textlichen (Empfehlungseiten), sowie 
dem illustrierten Inhalte (Autotypien) keine rechte Über¬ 
einstimmung. Ich kann nur annehmen, daß es der Firma 
darauf ankam, mit der Mappe zu zeigen, in welcher Weise 
und mit welchen Mitteln die moderne Typographie ihren 
mannigfachen Aufgaben gewachsen ist, und auf welcher 
Stufe der Leistungsfähigkeit sie selbst steht. Über die letztere 
lassen die verschiedenen Blätter der Mappe keinen Zweifel 
zu, im Gegenteil sie zeigen, daß die Firma J. G. Holtzwarts 
Nachfolger (S. Minjon) ganz ausgezeichnete technische Ar¬ 
beiten liefert und bestrebt ist, auch dem künstlerischen 
Teile in jeder Beziehung gerecht zu werden. S. 

V Druckarbeiten der Firma Curt Nietschmann (Plötzsche 
Buchdruckerei) in Halle a. S. Die mir vorliegenden zahl 
reichen neueren Akzidenzarbeiten der vorgenannten Firma 
zeichnen sich in ihrerMehrzahl durch eine gute Ausstattung 
in neuzeitlichem Sinne aus. Dies trifft sowohl auf die 
Anordnung des Satzes wie auf die Farbenzusammen¬ 
stellung zu. Daß sich die Urheber gute Vorbilder der ver¬ 
flossenen Steglitzer Werkstatt zunutze machten, halte ich 
für keinen Fehler, im Gegenteil, es ist sehr erfreulich, daß 
sich Praktiker an das Arbeiten in den strengen Satzformen 
begeben, anstatt in den zerfahrenen Merkantilstil zu ver¬ 
fallen. Unter den Arbeiten sind nur wenige, die meinen 
Beifall nicht finden, zweifelsohne ist die Firma C. Nietsch¬ 
mann auf dem besten Wege, mustergültige Arbeiten zu 
schaffen, wie sie leider noch zu wenig entstehen. S. 

V Anwendungs-Blätter zu dem Plakat-Rasterproben der 

Vereinigten Chemigraphischen Kunstanstalten Mejo & 
Springer in Leipzig und Mejo & Markert in Dresden. Die 
genannten Firmen zeigen auf neun verschiedenen Papieren 
die Anwendung von Rastern von 80 bis zu 10 Linien und 
veranschaulichen damit auf eine sehr lehrreiche Art, 
welches Raster sich für diese oder jene Papiersorte am 
besten eignet. Noch lehrreicher wäre meines Erachtens 
die Anwendungsprobe geworden, wenn ein und dieselbe 
Vorlage auf den verschiedenen Papierproben zur An¬ 
wendung gekommen wäre, wie dies seinerzeit bei dem 
von denselben Firmen herausgegebenen Plakat über Raster¬ 
proben der Fall war. A. Schl. 


Inhaltsverzeichnis. 


Über die Eignung der verschiedenen Typen von Buch¬ 
druckpressen. S. 317.J — Eine Studienreise in Nord¬ 
amerika. I. S. 325. — Zur Entwicklung der Rotations¬ 
maschinen. I. S.332. — Das Abformen von Druckstöcken. 


S.338. — Aus den graphischen Vereinigungen. S. 343. — 
Bücher- und Zeitschriftenschau; verschiedene Eingänge. 
S.346. — 

7 Beilagen. 


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PRINCETON UNIVERSITY 


COCC^CC£5QCGCO 



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PRINCETON UNIVERSITY 











Stubienplan 1908 


Tnuflk=Scl)ule 
Otto Blütljner 


€lernentar=Unterrid)t 
unb bötjere flusbilbung 

Unterrictttsfädier: Klapier, Dioline, 
Cello, Klarinette, öefang unbllieorie 

Breslau, Kurfürftenbamm 


Beilage zum flrdiio für Bucbgeroerbe 


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PRtNCETON UNIVERSITY 


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PRINCETON UNIVERSITY 



Frankfurt a.Main, Leipziger Straße 12 
Datum des Poststempels 



RESTAURANT 

SACHSENHOF 

BESITZER: ROBERT RECHENBACH 

Hierdurch erlaube ich mir dem geehrten Publikum 
die sehr ergebene Mitteilung zu machen, daß das von 
meinem Vorgänger, Herrn Friedrich Sommer, bisher 
bewirtschaftete Restaurant Sachsenhof käuflich von 
mir übernommen worden ist. Meine bisherige Tätig¬ 
keit als Besitzer des Hotel zum Goldenen Sieb bürgt 
auch fernerhin dafür, das hohe Ansehen meines neuen 
Unternehmens zu wahren. Speisen nach Karte sowie 
Diners sind von vorzüglicher Güte. Beliebte Biere. 
Gleichzeitig empfehle ich meine Gesellschaftszimmer. 

Indem ich bitte, mich durch regen Besuch gütigst 
unterstützen zu wollen, zeichne mit aller Hochachtung 

Robert Rechenbach 


Sonnabend,den 15. August 1908 große 
Übernahme-Festlichkeit mit Konzert 


Beilage zum Archiv für Buchgewerbe 






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PRINCETON UNIVERS1TY 





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neugoMfdj-Sdjrift und Ileugotifdj-Sdjmudi 
der Schriftgießerei fllnfd) in Frankfurt o.m. 


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Original ffom 

PRINCETON UN1VERSITY 






































aßt uns die fabrikationsmafd)ine betrodjfen, 
mie fie fid) oor fahnehnfen hinter den alten 
Handmerker |et}te und ihm bei feiner Arbeit 
jufat). Ob er Gemebe fertig|tellte oder Haus¬ 
rat oder Klefdungsftüdte, immer fprod) die 
ITIofd)ine: Der Rite madjt größlidj langfam. £r bringt fo 
menig fertig. Id) miU oiel fd)neller arbeiten I Und fie lernte 
ihm die einfadjften Handgriffe ab. Die metallenen Hände 
maren im Rnfang nod) feljr ungefdjickt. man konnte nur 
einfadjfte formen non ihnen ermarten, und es märe falfd) ge- 
mefen, ihnen das feinfte Garn oder Ceder oder Papier an- 
junertrauen. Alle Tnduftrie fängt auf ihrer erften Stufe mit 
geringmertiger ITiaffenmare an. Bei fd)led)tem Cohn mird 
mit billigen IHafd)inen etmas hergejtellt, mas meder die 
Sonne nod) den Sturm aushalten kann. (Dir erinnern uns, 
mit meldjer Geringfdjähung nod) oft in den flebjiger fahren 
oon»fabrikmare« geredet murde. Das klang mie Rusoerkauf 
und Sd)und. So i|T die Seit, in der die ITIafd)ine direkt als 
KunföerfTörerin auftritt. Sie fdjiebt die alte Handmerkskunft 
nom Stuhl und füllt die Räume mit Plunder. flud) menn man 
nid)t übertreibt, mas die alte Durd)fd)nittsmei|terfd)aft mert 
mar, fle hatte ihr perfönlidjes Element, mindestens jmei 
menfdjen dachten mirklid) über einen neuen Sd)rnnk nad), 
der Oater der Rraut und der fifdjler, und fie überlegten: mie 



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PRINCETON UNIVERSiTY 




befrachten, 
r den alten 
iner Arbeit 
oder Haus- 
fprad) die 
r bringt fo 
i fie lernte 
nen Hände 
tonnte nur 
ire fnlfcß 0 C ' 
Popler on- 
i Stufe mit 
Coßn mird 
meder die 
Innern uns, 
iger fahren 
lusoerkouf 

i direkt als 

oaerkskunlt 
mann man 
•fdjafl mert 
eltans jmef 
jjrank nodj, 
•legten: miß 


muß gerade für diefe Kammer der Schrank fein? Später 
dadjte niemand meßr nad), denn das Gefcßäft |tellfe 250 
gleidje Efemplore ßer, und Emma und meta und Frida be¬ 
kamen genau diefelben Sdjränke, Sänke und Gardinen. Aus 
diefer erften mafeßinenperiode find mir nod) keinesmegs gonj 
heraus, aber fie ift im 3urückmeicßen nach ßalbkultioierten 
Cändern. t Dir kamen injmifdjen auf die jmeite Stufe. 
lir ls die tttafd)ine faß, daß fie nur geringe Arbeit 
mad)te,feßte (Iß fidjmieder hinter den Handmerker 
und faß ißm, nun felber geduldiger merdend, feine 
Kun|t ab. Gan) langfam im Caufe non Jaßneßnten 
(Taigcrte (lc ißre Tüchtigkeit, Griff um Griff, 3ug um 3ug, Stoß 
um Stoß. Jede Ecke, jede Rundung, jeder Glan) und jede 
Prägung mard nun beffer ßerausgebracßt. man müßte die 
ßefeßießte jeder ein)elnen tflafcßine befeßreiben, menn man 
diefen Selb(Ter)ießungsoorgang in der Tndujtrie reeßt oer- 
deutlichen mollte. Und der Erfolg diefer tltüßen mar, daß das 
tHort fabrikmore heute etmas gan) anderes bedeutet, als oor 
dreißig Jaßren. Die fabrikmore ijt )ur Garantie für dureßfeßnitf- 
licße Güte gemorden. Jeßt kann man der mafeßine merfualles 
material annerfrauen und non ißr oerlangen, daß fie tüchtigen 
haltbaren mittelbedarf ßerjTellt. Das Gebiet de|fen, mas die 
mafeßine nicht leijten kann, mird )ufeßends kleiner, freiließ, 
je ßäßer eine Arbeit fteßt, defto meniger kann die mafeßine 
allein oßne 3mifcßenßilfe oan tTlenfcßenßnnd fertig merden. 
Tn aller befferen tDare iß irgendmo Seele, man neßme Eifen, 
Ton, Ponellon, Geflecßt, immer findet fieß auf dem mege )ur 
Dollkommenßeit etmas, mas einen kleinen 3uguß non Per- 
fönlicßkeit braucht. Die Seßmafcßine arbeitet gut und fauber, 
aber feiner Druck mill doeß nad) non den fingern gefeßt fein, 
man feße die Tnferatenfeite oan Blättern, die nur mafeßinen- 
arbeit findl Das i|T es, mas uns )um DerjTändnis der dritten 
Stufe ßinüberfüßrt. 


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od)mols fetjen mir die mafdßne neben dem Hand- 
gemerbe Oben. Sie grübelt, mie es kommt, dag 
nod) immer der, der etmos gonj gutes hoben tniil, 
—I on ihr oorübergebt. (Her gonj gute Teppid)e fudjt, 
gebt in die Cänder, mo mit Händen geknüpft mird. Hier beße 
Spiben johlen kann, mendet ßd) nodj immer an die ormen 
freuen non 6ent und ßrügge. DOer Geld und 6ei|t genug bot, 
um Od) ein eigenes, perfönlidjes Dofein ju teilten, der mill an 
einem Tifd) ßbcn, der für ibn gemorden i|t. Und die ntofdjine 
muß ßd) demütigen und fogen: je beffer die fflare,de|to mehr 
bin id) nur Dienerin! ßei geringer Produktion iß |te Herrin 
und erniedrigt den ttlenfdjen jur Sklooerei, oud) bei guter 
ttloßenmore i|t fie nod) dos maßgebende, ße gibt dos Tempo 
on und oertongt nur klug geleitet ju merden, ober je böber 

?i r *°T£ rt der Hßr|lcl,un 9 ^9»- “cßo mehr fteigt der 
fdjoffende menfd) in die Höbe, und dos 3iel iß der menfdi 
den die tTtofdjinen umgeben mie millige Tiere, der ober üher 
ihnen ßebt, ihr Herr und meißer. ttlon denke, mer es kennt 
on die Herßellung feiner moßarbeit im Sdjubfod) mit Hilfe 
bdtbß ßnnreidjer Hilfsmofdjinenl Oder on den Hilfsdientt der 
medjonifdjen Sägen bei derkünßlerifdjen möbelfobrikotionl 
Oder on dos 3ufommenmirken non medjonik und Geiß in der 
Gold' und Silberindußriel £rß in diefen künßlerifdi 
oorgeßbritfenen Gemerben mird der menfd) 
jum menfd)en, troß oller mofdjinen. 



Gcn)gle 


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en dem Hond- 
; kommt, daß 
es haben mfll, 
reppidje |ud)f, 
rd. CDer befte 
in dte armen 
Ifl genug bat, 
it, der mtll an 
dte fTlofdjIne 
e.dejTo mehr 
[fl fie Herrin 
dj bei guter 
it dos Tempo 
der je b^ er 
jr jTelgt der 
der menfdj, 

>r ober über 
ier es kennt, 



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1 o !• 


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Beilage zum Archiv für Buchgewerbe. Ornamente aus der Schriftgiesserei Flinsch in Frankfurt am Main 



1 


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Ziermaterial und Schrift aus der Schriftgießerei C. F. Rübl In Lelptlg 
Vignette von Breitkopf & Härtel In Leipzig 





















ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



DRUCKFARBEN 
\ FABRIKEN/ 


Tflagbeßurger Graoiranftaft 
oormafs Cbm. JCod) & Co. m. ß. Jj., Tftagbeßurg 


für Vergofoep reffe u. Tjanbvergofoung 
für 'Budjöinbereien 

• • • TTlufter auf Verfangen ßereitipi(Tigß » » • 


Iflnrrinnlininn IIB,ertInbBSterflusfuhrun 9 
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. ..wyym j imiui fähigemessinglinien-Fabrik 

Otto Ueisert, tTIessinglinienfabrik, Stuttgart 


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L L . a 7iuycj>fo/tc/ß/urafru mcft/forfi/gm Dnxt 
KUflSTltRISOlf lltTWüRft UIIDJDEU1 RJRflODERIK REKLAMt SOWIE 
DIE ÄUSSERE UÜD IfinERE AU551ATTUnG VOfl BÜOIUHI UND KATAtOGEJl 

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(vormals U.C.B.H.DlETRiCH)Aktiengesellschaft 

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349 


48 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Groß- 

Buchbinderei 

von Th.Knaur, Leipzig 

Gegründet 1846 

übernimmt sämtliche 
Buchbinderarbeiten 
zu mäßigem Preise. 




ANTIQUA 
AUGENHEIL 
UND CISSARZ- 
BUCHSCHMUC' 

Für die zeitgemäße Ausstattung von Büchern 
und Akzidenzen empfehlen wir diese beiden 
bewährten Erzeugnisse unseres Hauses. Die 
Schrift Augenheil wurde in sechs Garnituren 
geschnitten und ermöglicht somit die einheit¬ 
liche Durchführung aller Drucksachen ohne 
Ausnahme. Der von J. V. Cissarz für unser 
Haus gezeichnete Buchschmuck enthält eine 
Fülle Schmuckstücke und Einfassungen von 
solch außerordentlicher Schönheit, daß auch 
dieses wirklich praktische Material in keiner 
leistungsfähigen Buchdruckerei fehlen sollte 


LUDWIG & MÄYER 

SCHRIFTGIESSEREI, FRANKFURT A. M. 


Fr. Adam Seidel 

LEIPZIG-R. 

Frommannstraße 4 


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für 

Verlag und 
Buchdruck 

Pack-Papiere und 
-Pappen 


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Sie sparen viel Geld 

wenn Sie zum Beschneiden von Büchern oder gefalzten Papieren 

(fipg, | Karl Krause’s 

patentierten doppelten 

fiifeiM® = Dreischneider = 


benutzen. 


Nach dem für die Buchbindereien von Leipzig, Berlin und Stuttgart gültigen Lohntarif 

erspart man 30 Prozent 

bei Verwendung von Krause’s doppeltem Dreischneider gegenüber dem Dreischneider und 
KO Kl t S e & enü ^ er dem Beschneiden auf 

vJw I I vl IL gewöhnlichen Schneidemaschinen. 


[ Wer für ßeitungs- und Mdidenzdrudi eine (Reklame- 
r ffyrift von energifdjem und wirkfamen künftleriföen j'j 
IJ Charakter verlangt, beachte unfere neue ßurftvfäjrift Ij 

.(Belvedere “ 

Qefcfjnitten in neun Qraden nacfj 
öntwürfen von ßeinrty Wieynk 

| ‘Dauerfcfje Gießerei, Frankfurt h g 


Paris Karl Krause, Leipzig 

44ruedesvinaigriers Friedrichstr.16 ■ Berlin ■ Seydelstr.8/13 


London 

2 Sandlandstreet 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Falz & Werner, Leipzig-Li. 


Fabrikation 

Spezialität: 

Apparate 

für Autotypie 

Dreifarbendruck 

Lichtdruck 

Bogenlampen 

für Reproduktion 
und Kopie 

Maschinen 

für Klischee¬ 
bearbeitung 

Objektive 

Raster 

Gesamtbedarf 

für di« 

Reproduktions- 

Technik 


Gegründet 1890 


Export 


3000 Umdrehungen 

muß eine durch 2 P.S. getriebene Kreissäge mindestens machen, 
um mit nerventötendem Geräusch eine 50 cm breite Zinkplatte 
zu durchschneiden. Die Kanten sind rauh und müssen befeilt 
werden. 

In 1 Sekunde 

schneidet man ohne Kraftbetrieb, lediglich durch einen Fußtritt, 
die Platte geräuschlos und absolut gratfrei mit unserer 

Plattenschneide-MaschineJitz“ 


die Sie sofort bestellen sollten. 


Goldene Medaillen 


Leipzig 1897 


NEUE KALENDER-VIGNETTEN 



Die Monats-Vignetten sind vor¬ 
rätig in drei Größen, und zwar: 
872i 12 und 1672 Cicero hoch 


gezeichnet von 

Prof. H. Bek-Gran 

Nürnberg 


Diese Vignetten eignen sich durch ihre reiz¬ 
volle Zeichnung auch sehr gut zum Schmuck 
von Gelegenheits-Drucksachen 


Außerdem bringen wir DIE VIER JAHRES¬ 
ZEITEN, ebenfalls von Prof. H. Bek-Gran 
gezeichnet, in empfehlende Erinnerung 



Andere als die drei angegebenen 
Größen werden auf Wunsch in 
kürzester Zeit angefertigt 


Schriftgießerei D. Stempel, Akt.-Ges., Frankfurt a. M. 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 





Vereinigte Bautzner Papierfabriken 

HALBSTOFF- UND HOLZSTOFF-FABRIKEN 

TAGES ERZEUGUNG 40000 KILO oooa 7 PAPIER MASCHINEN 

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liefern 

Kupfer-,Bunt-, Karten-, Werk-, Noten-, Licht-, Autotypiedruckpapiere 
in Bogen und Rollen, cd Brief-, Normal-, Kanzlei-, Konzept- und Karton¬ 
papiere. «=» Gestrichene Kunstdruckpapiere, cd Geklebte Elfenbeinkartons 

ROHPAPIERE für Karton-, Kunstdruck-, 

Luxus-, Chromo- und Buntpapier-Fabriken 


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FABRIK VON BUCH- UND 
STEINDRUCKFARBEN 
FIRNIS UND WALZENMASSE 


VERTRETER: Charlottenburg: PauIOetter, Bleibtreustr. 45— München: Eugen Knorr, 
Paul Heysestr.30— Leipzig: Edgar Ziegler, Kohlgartcnstr.20 — Bremen: F.W.Dahlhaus 


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Spezialfabrik für Liniiermaschinen 

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353 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



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Alleiniger Importeur der Englischen Orlglnalwalzenmasse „The Durable“. 
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354 


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PRINCETON UNIVERS1TY 

































Weltausstellung Saint Louis 1904: Großer Preis 
Weltausstellung Lüttich 1905: Zwei Große Preise 
Weltausstellung Mailand 1906: Großer Preis 


Prämiiert: 

London 1862 — Paris 1865 
Paris 1867 — Wien 1873 
Paris 1878— Melbourne 1881 
Amsterdam 1883 — Ant¬ 
werpen 1885 — Mitglied 
der Jury außer Konkurrenz: 
Paris 1889 — Brüssel 1897 
Paris 1900 


Ch. Lorilleux & Co. 

Konnnaailit-Gesellicliaft aal Aktien es Gegr. 1818 
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Buchgewerbehaus 


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Druckfarbenfabrik der Welt 

Firnis, Ruße, Walzenmasse, 
Walzenguß-Anstalt 


Bogenzuf ühr u ng s-Apparat 


„UNIVERSAL“ 

für Schnellpressen 
und Falzmaschinen 
aller Systeme. 

ln allen Kulturstaaten patentiert. 
Bisher ca. 1600 Stuck 

an erste Firmen geliefert. 

Kleim & Ungerer, Leipzig -Leutzsch 


Kein Verschmieren des Oruckes, 
auch des schwersten Illustra¬ 
tionsdruckes nicht. 

Arbeitet pneumatisch, kein falzbein- 
artiges Ausstreichen, gestattet 
deshalb schnellstes Umschlagen 
der Auflagen. 

Sicheres Funktionieren auch bei den 
grollten Formaten, sowie 
beim Einlegen 
von zwei Bogen. 

Folgt jeder Geschwindigkeit der 
Presse. 

Praktisch für kleinste Auflagen, da 
keine Verstellung nötig. 

Erschwert nicht das Zurlcbtsn. 

Wenig Kraftverbrauch. 


LEIPZIG, 

KrrtiMfr IS. 


Phorodiemigrapbisdie Kunstanstalt 
Specialirät: Anfertigung von 
Buchdruck Gicbes in Zink und Kupfer. 


Amerikanische Doubletone-Farben und Ullmanines 


sind einzig und allein unser Fabrikat. 


Alle Versuche seitens amerikanischer, deutscher, englischer und 
französischer Farbenfabrikanten unsere Doubletone-Farben brauchbar 
zu imitieren, sind gänzlich mißlungen. 

Unsere Doubletone-Farben und Schwärzen für Rotationsmaschinen 
sind anerkannt in jeder Beziehung eminent erhaben, von größerer Deck¬ 
kraft, größerer Ergiebigkeit und ermöglichen Resultate, die früher nur 
auf Zylinder-Maschinen erzielt werden konnten. 

„Ein Wink genügt dem Weisen“ 

SIGMUND ULLMAN C°, NEW YORK 


Europäische 

Vertreter: 

Gustav A. Jahn, Berlin, 

Lindenstraße 101. 
Rudolph Becker, Leipzig, 

Stephanstraße 8. 
Rieh. Scholber, Stuttgart. 
Linotype and Machlnery Ltd, 
London. 

David Ferrer y Cla., 

Barcelona. 

Emlllo Antonelll & Co., Turin. 
R. Puszta fl & Co., Budapest. 


355 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


II* 


fürbuchgewerb/iche u. merkantile Zwecke, 
bes für Buchein bände u. Katalogumschläge 

fertigen noch eigenen oder gegebenen fntuurfen 

\omerncw/,? dCg/ffagdebun/^ 

^ Kunstgewerbliche Graviranstath 






Orahtheftmaschinen-Fabrik 



Wilhelm Mallien,Leipzig-Li.50. 


* 




■oiCMOaoioioioioioaoioiOMOioaoioaoioaoioioioioaoi 

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Eigene Papierfabrik Golzern in Sachsen. 


Papiere aller Art für Buchhandel und Druckerei 
Werk- und Notendruck, Bunt-, Licht- und Kupferdruck, 
für Landkarten, Pläne usw. 

Kunstdruck-Papiere und -Kartons, reichhaltiges 
Sortiment farbiger Umschlag- und Prospektpapiere, 
gepreßte Papiere in 10 Dessins, Streifbandpapiere, 
Trauerpapiere, Japan. Serviettenpapiere usw. 


Postpapiere liniiert und unliniiert in reichster 
Auswahl, Schreib- und Konzeptpapiere für Schulen 
und Behörden, für Formulare, Geschäftsbücher usw. 
Zeichenpapiere, Aktendeckel und Packpapiere. 
Kartons weiß und farbig, Postkarten-Karton. Elfen¬ 
bein-Karton für Licht- u. Buchdruck. Geschnittene 
Karten, Seidenpapiere, Briefumschläge usw. 


■oaoaoioioioioioaoioaoi 


lOBOBOBOBOBOBOBOaOBOBOBOB 


Hnfere Sdjriften 3 eid)nen [idj burd) iljren 
ftäftigen, flöten, beutlidjen Gdjnitt aus. 
Sie eignen fidfj bafjer in oorteilljaftefter 
2Bei[e für 3eitungs« unb Serlagsjroede. 
3nsbefonbere fönnen mir unfere großen Gd)riftenfamilien: 2lnfet4Romanifd), 
Sieltet» unb 2aud)nit)=5Intiqua, Sdjulfraftur, ^ugenbfraftur, Sdjulantiqua, 
SRunbgotifd) u|m. beftens empfehlen. 3 U aßen oorftefjenb genonnten Sänften 
finb in ausreid)enbem äRajje halbfette, fette, fdjmale halbfette, breite halbfette 

<Uus3eid)nungsfcf)riften 

fturfto ufm. oorfjanbett, um ÜBerfe, Kataloge, 2Börterbüd)er, 3eitungen ufro. 
einljeitlidj in einem Sdjriftdjarafter ausftatten ju fönnen. Sämtliche Sdjriften 
finb in beftem Hartmetall gegoffen, galten untereinanber fiinie, unb finb aud) 
auf beutfdje 9tormallinie lieferbar. 9lufjerbem empfehlen mir unfere mobemen 
Slccibenjfdjriften, Sdjreibfdjriften, ©infaffungen, Initialen in größter Slusmaljl. 
©anje X)ruderei*©inrid)tungen jeben Ilmfanges finb in fünfter 3eit lieferbar. 

Sdjriftgie&erei • JJteffinglinienfabrif • ©afoanoplafti! 

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356 


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PRINCETON UNIVERS1TY 















ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



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Stahlschienen und Stahlrollen, sowie zweifach übersetz¬ 
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357 


49 


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PRINCETON UNiVERSITY 









ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



i; itWrtlliitoTKil 




Ikul)«lten In mobemen 


GEGRÜNDET 1879 


W nact) €ntipflrfen 1. Kflnftler 
slnb erfdjlenen unb liefert 
blc grapfjlsdje Kunst-Anstalt non 


Krefelb (Ktjcfnlanb). 

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Gußeiserne format- u. ßoblstcgc, Cüüen- 
scbncider, Cintcnbicgcr, Zeücnmaße, 
pcrforurUmen, Süinhelbaken, Betz- 
scbtffe, diverse Bcbließzeugc, 
Hblbcftc, Pinzetten, Gu߬ 
eiserne plattenscbube, 
farbmesser und 

farbspacbtcln, tHalzengestcllc und 
Gießbülecn, Hnlegemarhen usvo. usw, 
patentierte fundamente für 
Stereotyp- und Ätzplatten. 


nur crljalnicl) durct]: 

Utetnsdkimßandlungen 
Scljriffgies5creicn. 






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struiert und allen andern Systemen gegen¬ 
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„Reform"-Rastereinstellung R “p 

kein Differieren des Rasters, auch bei langjähriger 
Benutzung,mehr; neuer Rasterhalter(D.R.G.M.) 

„Reform"-Kassette 

richtung für die Platten und neuem Verschluß an 
| Stelle des bisher gebräuchlichen Deckels. 

„Reform"-Schwingestativ “jJJäf- 

jede Erschütterung des Bodens aus und ermög¬ 
licht unter Garantie tadellos scharfe Aufnahmen 
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Schwingestativ versagt. 

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sorgfältige Arbeit und bestes Material. 
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358 


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PRINCETON UN1VERS1TY 



















































ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



Oltoberae ©griffen 

mit Initialen unb3tecat ^uc^Cußftaffung 
bon35üc^ecn,^afarogen,^Pr:ofpeftßn unb 
attßn anbßtßn 0cuc£ac6ßitßn empfiehlt 

3 u 0 uö &ßn£^arbt ößip^ig 

©cfjriffgißfcßcßi unb DltßffingUnißnfabdf 

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©nfjprobe nus Unger-Sraffur 


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Kaltnadel. Schülerin: Lore Hiller 


Zu dem Artikel: 

Die Technischen Kurse in der Königlichen Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig 


Beilage zum Archiv für iTu? 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 

BEGRÜNDET VON ALEXANDER WALDOW 

45. BAND _ SEPTEMBER 1908 _ HEFT 9 

HERAUSGEGEBEN VOM DEUTSCHEN BUCHGEWERBEVEREIN 


Die Technischen Kurse in der Königlichen Akademie 
für graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig. 

IV. Radierung und Metallätzung. Von ALOIS KOLB, Leipzig." 


ER Unterricht erstreckt sich auf die Tech¬ 
niken der Radierung, der Metallätzung, des 
Tiefdruckes und des farbigen Kupferdruckes; 
der reine Kupferstich und Stahlstich wird nicht geübt. 
Diese beiden Techniken mußten der freien Nadel¬ 
führung (Radierung), der malerischen Aquatinta usw. 
Platz machen, denn die künstlerische und praktische 
Verwendung und Verwertung des Kupfer- und Stahl¬ 
stiches ist so gering geworden, daß nach einer 
Schulung dieser Techniken gar kein Verlangen mehr 
besteht. Die Begründung hierfür, ein Für und Gegen 
den künstlerichen und heutigen praktischen Wert 
des Kupfer- und Stahlstiches soll hier nicht weiter 
erörtert werden. Die Reproduktions-Radierung mußte 
den exakter und weitaus billiger arbeitenden photo¬ 
mechanischen Reproduktionsverfahren weichen; die 
technisch und künstlerisch frei gewordene Radierung 
aber entwickelte sich zu neuen Möglichkeiten und 
Schönheiten, denn die Metallätzung bietet ein großes 
Feld unbegrenzter Weiten und Höhen, sowie die Mög¬ 
lichkeit zur Entfaltung einer Kraft und Tiefe, wie sie 
nur der Plastik eigen ist. 

Ein systematischer Lehrgang (Lehrplan) ist des¬ 
halb nicht vorgesehen, weil dem Schüler die Mög¬ 
lichkeit geboten ist, an einer Arbeit eine ganze Anzahl 
verschiedener Techniken zugleich, neben- und über¬ 
einander, zur Anwendung zu bringen. Der Schüler 
wird demnach an ein und derselben Arbeit mit raschem 
Blick das Wesen, die Eigenschaften des Materials 
(Kupfer, Zink, Stahl), der Ätzung und des Tiefdruckes 
erfassen. Die Studien macht der Schüler selber nach 
der Natur und zwar in einem der Ätzung ähnlichen 
Material, Feder und Pinsel usw. Erwählt sich seine 
Aufgabe allein, hängt infolge dieser Selbständigkeit 
mit persönlichem Interesse und Ehrgeiz enger an 
seiner Arbeit, als dies bei Aufgaben der Fall sein 
könnte, die vom Lehrer gestellt sind. Bei Nadel¬ 
arbeit, Ätzstrich oder Kaltnadel nimmt der Schüler 
auch die Platte mit vor das Modell, was bei Aquatinta, 
Vernis mou technisch nicht gut möglich ist. 


Die beigegebenen Reproduktionen 1 bis 4 zeigen 
ein und dasselbe Landschaftsmotiv von verschiedenen 
Seiten gesehen und in vier verschiedenen Techniken 
geätzt. Mit der Mannigfaltigkeit der Ätztechnik selbst 
verändert sich der Eindruck des Motivs so stark, daß 
die Blätter nur äußerlich etwas gemeinsam haben 
können. Selbstredend spricht bei der auffallenden 
Verschiedenartigkeit der Blätter das Temperament 
des Radierers stark mit. 

Die Verschiedenartigkeit der Wirkung zweier Tech¬ 
niken zeigen die Abbildungen 5 und 6. Hier sind 
zwei ähnliche Vorwürfe gegeben. Die Ausführung 
zeigt die Mannigfaltigkeit der Kraft der Ätztechnik. 
Tief und voll steht das Aquatintablatt gegenüber den 
Feinheiten der Nadeltechnik des Strichblattes! Bei 
beiden Blättern sind die Schönheiten des Metalls 
zur Geltung gebracht. Das eine Mal ist auf der Platte 
mit dem Pinsel, das andre Mal nur mit der Nadel ge¬ 
arbeitet. Durch die verschiedenartige Anwendung 
aller dem Metall entsprechenden Techniken wird der 
Schüler auch frei gehalten von ängstlich ästhetischen 
und engherzigen Vorurteilen, die meist nur der Un¬ 
kenntnis der Technik, namentlich aber derjenigen 
des Materials und der Drucktechnik entstammen. 

Das Drucken, das der Schüler stets selber besorgen 
muß, nimmt beinahe noch mehr Zeit in Anspruch, 
wie die eigentliche Radier- und Ätzarbeit selbst. Von 
den meisten Radierern wird heute leider das Drucken 
als Handwerk betrachtet, für dessen Ausübung die 
Zeit des Künstlers zu kostbar sei. Der Radierer 
steht dann wohl bei den ersten Drucken neben dem 
Drucker, mutet ihm alles, Gutes und Schlechtes, zu 
und verlangt Eigenschaften vom Drucke, die gar nicht 
auf der Kupferplatte vorhanden sind. Beim Seiber¬ 
drucken gewinnt der Schüler ein eigenes Urteil und 
zwar ein fachlich objektives über seine Arbeit und 
seine Technik. Er probiert die Platte an Tiefe und 
Farbe aus und lernt die Farbenaufnahmefähigkeit des 
geätzten und des kalten Striches, des Aquatintapunk¬ 
tes, der Aquatintaflächen usw. genau kennen — kurz, 

50 


361 



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: ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 




Abbildung 5. Aquatinta mit Strichradierung 
Schülerin: Ellen SüQmilch 

der Linien-, Flächen- und Farben¬ 
kompositionen ist. Die Summe die¬ 
ser drucktechnischen Erfahrungen 
aber ist ihm für seine weiteren 
Arbeiten von grundlegender Bedeu¬ 
tung. Hier zeigt sich wie freie Kunst 
und Maschine in Wechselwirkung 
zueinander arbeiten, sich gegen¬ 
seitig erziehen und anpassen zu 
einem gemeinsamen Endergebnis, 
zu einer Werkkunst im eigentlichen 
Sinne, zu einer aus der Maschine 
heraus entwickelten und von ihr be¬ 
einflußten Kompositions-, Ätz- und 
Druckkunst. 

Die mannigfaltigen Techniken der 
Metallätzung, die Dehnbarkeit des 
Kupfers, die es zu allen Feinheiten 
und Stärkegraden des Druckes ge¬ 
eignet macht, gestattet eine große 
Verwendbarkeit der Radierung und 
Metallätzung auf dem Gebiete der 
Kunst und des Buchgewerbes. Das 
soll hier betont sein, weil konser¬ 
vativ denkende Fachleute die Ra¬ 
dierung und den Originaltiefdruck 
nur als reine Kunstäußerung, als 
„Luxuskunst“ beurteilen wollen. 
Heute werden aber als feinste buch¬ 
gewerbliche Leistung Blätter in 
Originaldrucktechniken verlangt, 


er probiert die Platte auf 
ihre schwarzweiße oder 
farbige Wirkung aus. Beim 
Einstreichen und Drucken 
der Platten mit Farben 
wird er die Schwarzweiß- 
Tiefenwirkung der Platte 
nicht aus dem Auge ver¬ 
lieren, ein Umstand, der 
für farbige Radierungen 
sehr wichtig ist. Eine Far¬ 
benradierung soll selb¬ 
ständig wirken, aber nicht 
wie ein Aquarell oder 
Pastell weich und ver¬ 
schwommen aussehen 
(moderne französische Ra¬ 
dierungen!). Der Schüler 
lernt bei dem Selberdruk- 
ken der farbigen Radierung 
aber auch kennen, wie 
wichtig schon die Anlage 


Abbildung6. Strichradierung- Schülerin: Lisa Blaü 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


und Gebrauchsblätter, wie Besuchskarten, Brief¬ 
köpfe, Exlibris, Einladungskarten, Anzeigen usw., ja 
selbst Buchtitel und Illustrationen in Originalgraphik 
genießen besonderen Vorzug. Darum bietet diese an¬ 
gewandte Tiefdruckgraphik, die buchgewerblich die 
gleiche Berechtigung hat wie etwa der Kunsteinband 
und das künstlerische Vorsatzpapier — auch eine 
Art Monotypie ,den Künstlern und Buchgewerblern 


ein großes Feld der Betätigung und des Verdienstes. 
Wenn man Buchkunst und Kunstgewerbe nur von 
dem Standpunkte der Auflagemöglichkeit, der billigen 
Massenerzeugnisse, beurteilen wollte, dann müßte 
die Kunst beiseite treten, dann würde die buch¬ 
kunstgewerbliche Arbeit kein Ausdruck der jewei¬ 
ligen Kulturhöhe sein und es würde Handwerker¬ 
arbeit allein genügen. 


Zur Entwicklung der Rotationsmaschinen 

Von EDUARD KÜHNAST, Magdeburg. 

II. 


M ersten Teile meiner Arbeit habe ich die Ent¬ 
wicklung der Rotationsmaschine von ihren 
ersten Anfängen bis zur höchsten Vollendung 
in knappen Umrissen zu schildern versucht. Ich habe 
mich dabei ausschließlich auf den Zeitungsdruck be¬ 
schränkt und will daher in meinen weiteren Ausfüh¬ 
rungen auch den Werk- und Illustrationsdruck auf 
der Rotationsmaschine einer kurzen Betrachtung 
unterziehen, um ein annähernd vollständiges Bild 
von dem Werdegang des Rotationsdruckes zu geben. 

Die Zeitungsrotationsmaschine bringt nur ein fest¬ 
stehendes begrenztes Format zum Druck, eine Tat¬ 
sache, die von Beginn des Rotationsmaschinenbaues 
an lebhaft bedauert wurde. Es war daher auch von 
jeher das Bestreben der Maschinenbauer darauf ge¬ 
richtet, den Rotationsdruck auch im Höhenformat ganz 
nach Belieben veränderlich zu gestalten, damit die 
verschiedensten Druckformate hergestellt werden 
können. Die Bemühungen hatten nach langen Ver¬ 
suchen einen günstigen Erfolg, denn es entstand die 
Rotationsmaschine Variable, erstmalig von Koenig & 
Bauer in Würzburg im Jahre 1885 gebaut. Diese ganz 
eigenartig gebaute Rotationsschnellpresse ist von so 
großer Bedeutung, daß ihre Arbeitsweise etwas ein¬ 
gehender geschildert werden muß. Bis zum Auftau¬ 
chen dieser wichtigen Neuerung mußte sich der von 
der Papierrolle abgewickelte Bogen dem Zylinder¬ 
umfang anpassen, um nach dem Druck in der festge¬ 
setzten Größe von diesem abgeschnitten zu werden. 
Diese Beschränkung fällt bei der variablen Rotations¬ 
maschine vollständig fort, weil das Höhenformat durch 
Anwendung eines beliebig verstellbaren Schneid¬ 
apparates ganz wunschgemäß dadurch begrenzt wer¬ 
den kann, daß das jeweilige Papierformat vor dem 
Druck abgeschnitten wird. Derartig konstruierte und 
komplizierte Maschinen eignen sich ausschließlich 
für den Druck von Massenauflagen, weil sich sonst 
ihre Bedienung und alles, was damit zusammenhängt, 
nicht bezahlt machen würde. Es können auf den 
Rotationsmaschinen für variable (veränderliche) For¬ 
mate die unterschiedlichsten Arbeiten, wie Tabellen, 
Formulare, Werke und Illustrationen, zum Druck ge¬ 
bracht werden. Der Unterschied in der Herstellung 


der jeweiligen Druckarbeiten stellt mancherlei An¬ 
forderungen an die Maschine, die sich in ihrer Wir¬ 
kungsweise folgendermaßen bezeichnen lassen: Es 
müssen die beliebigsten Formate gedruckt werden 
können, ohne daß der Übergang von einem Format 
zum andern mit besonderen Schwierigkeiten verbun¬ 
den ist. Das Register soll dieselbe Genauigkeit auf¬ 
weisen wie bei einfachen Schnellpressen, auch die 
Zurichtung soll die Bequemlichkeit wie bei der letz¬ 
teren besitzen. Die Farbeverreibung und Deckung 
muß eine für den Illustrationsdruck ausreichende sein, 
es darf also das Abziehen beim Widerdruck nicht in 
Erscheinung treten. Die Konstruktion des Bogenaus¬ 
ganges soll derart beschaffen sein, daß der frische 
Druck möglichst vor dem Verschmieren bewahrt wird. 
Auch an die quantitative Leistungsfähigkeit sind An¬ 
forderungen zu stellen, die schon mit Rücksicht auf 
die Herstellung der Platten eine Rentabilität der Ma¬ 
schinen sichern. Unter Berücksichtigung aller dieser 
Umstände mag es keine leichte Aufgabe gewesen sein, 
eine für die Dauer brauchbare Rotationsmaschine für 
wechselnde Formate auf den Markt zu bringen. Und 
doch ist es gelungen, denn durch das Umwechseln 
von nur ein oder zwei Wechselrädern kann in ge¬ 
wissen, durch den Zylinderumfang bedingten Gren¬ 
zen jedes beliebige Längenformat geschnitten und 
gedruckt werden, während verschiedene Breiten¬ 
formate durch das Einlegen verschieden breiter Papier¬ 
rollen erzielt werden. Wie schon ausgeführt, geschieht 
der Schnitt des Papiers vor dem Drucke. Der Messer¬ 
zylinder hat stets dieselbe Geschwindigkeit wie der 
Druckzylinder, er liegt über der Papierrolle und 
schneidet je nach der Geschwindigkeit, mit der das 
Papier dem Messerzylinder zugeführt wird, längere 
oder kürzere Streifen, also Bogen verschiedener 
Formathöhe von dem endlosen Papierstrange ab. 
Die Zuführungsgeschwindigkeit des letzteren kann 
durch die schon erwähnten Wechselräder den Format¬ 
längen entsprechend verändert werden. Durch diesen 
Arbeitsvorgang wird der wichtigste Teil der Maschine 
gekennzeichnet, doch sind noch weitere Angaben 
notwendig, um die Wirkungsart der verschiedenen 
Mechanismen einigermaßen verständlich zu machen. 

50* 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Die Zuführung der abgelösten Bogen zu dem ersten 
Druckzylinder geschieht durch Bänder in exakter, auf 
das feinste regulierbarer Weise. Der weitere Trans¬ 
port des Bogens erfolgt alsdann vermittelst eines 
Saugapparates mit Ven¬ 
tilsteuerung, wozu eine 
kleine Luftpumpe dient, 
die entweder in der Nähe 
der Maschine oder auch 
in ziemlicher Entfernung 
aufgestellt werden kann. 

Dieser durchaus sicher 
wirkende Apparat saugt 
den Bogen, sobald er ein¬ 
trifft, an den Schöndruck¬ 
zylinder, übergibt ihn im 
Berührungspunkt dem 
Widerdruckzylinder und 
führt ihn schließlich in 
dasjenige Bändersystem, 
das den Bogen aus der Maschine zu leiten hat. Die 
Bogenübergabe von Schön- auf Widerdruckzylinder 
erfolgt dermaßen gleichzeitig, daß das Register durch¬ 
aus genau und gleichmäßig wird. Die Bogen werden 
von den Saugleisten derart fest angezogen, daß kaum 
die Möglichkeit besteht, einen Bogen wegzuziehen. 
An Stelle dieser pneumatischen Bogenführung um 
die Druckzylinder, die lange Zeit durch Patent ge¬ 
schützt war, setzten andre Schnellpressenfabriken 
einfachere Mechanismen fürdenTransportdesBogens 
in Form von Greifern und auch Nadeln, doch schon 
durch die für bessere Arbeiten erforderliche Ab¬ 
schmutzrolle, die noch entsprechende Würdigung 
findet, wird leicht zu erkennen sein, daß die Saugvor¬ 
richtungen eine zuverlässigere Arbeitsweise gewähr¬ 
leisten, wenn auch mit dem Nachteil zu rechnen ist, 
daß eine Luftpumpe sowohl Platz wie Triebkraft und 
Wartung bedarf. 

Wegen ihres mannig¬ 
fachen Zweckes erhalten 
die Rotationsmaschinen 
für veränderliche For¬ 
mate ein sehr vollkom¬ 
menes Farbwerk, be¬ 
stehend aus sechs seitlich 
sich bewegenden Nackt¬ 
zylindern, fünf Kompo- 
sitions- und vier Auftrag¬ 
walzen. Eine Eisenwalze 
mit schraubenförmiger 
Oberfläche hatdenZweck, 
die Farbe mathematisch genau auf die beiden Auftrag¬ 
walzenpaare zu verteilen. Um bei besseren Arbei¬ 
ten, insbesondere beim Illustrationsdruck, das Abzie¬ 
hen des Schöndruckes auf dem Widerdruckzylinder 
zu verhüten, werden die Maschinen mit einer end¬ 


losen Abschmutzrolle versehen, die sich nach dem 
Gebrauche selbsttätig wieder aufwickelt, daher wie¬ 
derholt benutzt werden kann. Diese etwas umständ¬ 
liche Vorrichtung wird durch einfachere Mittel zu er¬ 
setzen gesucht und zwar 
durch dasderFirmaGebr. 
Jänecke & Fr. Schnee¬ 
mann in Hannover durch 
Patent geschützte Para- 
loid-Verfahren. Es soll 
das Abschmutzen des fri¬ 
schen Druckes an Illu¬ 
strationsmaschinen auf 
verblüffend einfache Ma¬ 
nier dadurch verhindern, 
daß der Widerdruckzylin¬ 
der durch einige rotie¬ 
rende, mit Paraloid 
getränkte Plüschwalzen 
kontinuierlich abgewischt 
wird, so daß sich vom Schöndruck keine Farbe an¬ 
setzen kann. Die Paraloidmasse befindet sich in 
einem dem Farbkasten ähnlichen Behälter, der mit 
den Wischwalzen in unmittelbarer Nähe des Druck¬ 
zylinders eingebaut wird, um hier seine durch nichts 
beeinflußte Arbeit zu verrichten. Jedenfalls eine 
Neuerung, die die tägliche Leistung der in Frage 
stehenden Maschinen etwas steigern dürfte. Die in 
dieser Hinsicht vorliegenden Ergebnisse sprechen 
von einer Mehrleistung von 7000 Drucken im Tag. 
Die Geschwindigkeit der Rotationsmaschine für wech¬ 
selnde Formate richtet sich ganz nach der Druck¬ 
qualität und erreicht 4000 bis 8000 Bogen in der 
Stunde. Der Bau solcher Pressen wird jetzt von sämt¬ 
lichen dafür in Frage kommenden Maschinenfabriken 
ausgeführt und zwar mit und ohne Falzapparate so¬ 
wie bänderlosen Falzvorrichtungen. Eine besonders 
bemerkenswerte Neu¬ 
konstruktion brachte die 
Vogtländische Maschinen¬ 
fabrik auf den Markt mit 
ihrer Rotationsmaschine 
für veränderliche For¬ 
mate und vielmalige Falze, 
durch die es möglich ist, 
die ganzen Bogen jeden 
Formats von 4 bis zu 64 
Seiten fertig gefalzt und 
bedruckt auszulegen. 
Auch die Firma Koenig & 
Bauer konstruierte erst 
neuerdings eine Spezial-Rotationsmaschine für 
Bücherdruck. 

Auf Grund des an den variablen Maschinen vorhan¬ 
denen Farbwerks mit seinen vier Auftragwalzen ließen 
sich auch auf dem Gebiete des Illustrationsdruckes 



L 


Rotationsdruckmaschine für wechselnde Formate 
Pneumatische Bogen Führung, Falzapparat und Plano-Bogcnausleger 
Koenig & Bauer, Maschinenfabrik Kloster Oberzell G. m. H., Würzburg 



Variable Mchrfalz-Illustrations-Rotationsdruckmaschine für genauen Buchfalz 
Vogtländische Maschinenfabrik ( vorm.J. C. & H. Dietrich) Akt.-Ges., Plauen i. V. 


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Zu dem Artikel: 

Die Technischen Kurse in der Königlichen Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


recht beachtenswerte Leistungen erzielen, wie vor¬ 
liegende in- und ausländische Druckproben erkennen 
lassen. Der Fortschritt der Zeit bedingte aber, daß 
zur Konstruktion von Maschinen geschritten werden 
mußte, die auch den allerhöchsten Anforderungen zu 
genügen imstande sind, die in der Jetztzeit an die 
Druckausführung gestellt werden. Ich will nur er¬ 
innern an die von der Maschinenfabrik Augsburg für 
die Zeitschrift Über Land und Meer in früherer Zeit 
gelieferten Rotationsmaschinen, die ziemlich ausge¬ 
dehnte Farbwerke besaßen. Nicht weniger als sieben 
Auftragwalzen waren an jedem Farbwerk angebracht, 
die mit zehn Stahl- und sechs Massewalzen in Ver¬ 
bindung standen. In neuerer Zeit ist, dem Drange 
der Zeitverhältnisse entsprechend, zum Bau von 
Spezial-Illustrations-Rotationsmaschinen für Auto¬ 
typiedruck geschritten worden, damit selbst das 
enge Netz der Autotypie in voller Reinheit und 
Sauberkeit auf der Rotationsmaschine wiedergegeben 
werden kann. Auch diese Aufgabe kann als gelöst 
gelten, wenn die Druckergebnisse zum Beweis ge¬ 
nommen werden. Bei der für eine unsrer bekann¬ 
testen illustrierten Zeitschriften gebauten Illustra¬ 
tions-Rotationsmaschine ist das Hauptaugenmerk in 
erster Linie auf die Qualität des Druckes gelegt wor¬ 
den, um den Wettbewerb mit dem Flachdruck 
erfolgreich zu bestehen. Diese Maschine, die einen 
Zylinder von 126 cm Umfang und Papierbahnen von 
94 cm Breite hat, druckt gleichzeitig 32 Illustrations¬ 
seiten der „Woche“. Die Farbwerke sind mit sechs 
Auftragwalzen versehen, von denen je zwei selb¬ 
ständig durch eine Anzahl von eisernen Verreib- und 
Massewalzen gespeist werden. Jedes Farbwerk ent¬ 
hält neun seitlich sich bewegende Reibzylinder und 
nicht weniger als vierzehn Kompositionswalzen. Die 
Verreibung und Verteilung der Farbe ist demzufolge 
eine ausgezeichnete, was aus dem klaren und reinen 
Druck der „Woche“ ganz unzweideutig hervorgeht. 
Jeder der beiden Plattenzylinder ist zur Aufnahme 
von sechzehn einzelnen cicerostarken Galvanos ein¬ 
gerichtet, jedes Galvano faßt nur eine Seite dieser 
Zeitschriftund wird einzeln eingespannt, so daß dieZu- 
richtung von unten nicht nur bequem, sondern eben¬ 
so wirkungsvoll ausgeführt werden kann wie beim 
Flachdruck. Die Schneidevorrichtung weicht von der 
sonst gebräuchlichen ab, denn der Schnitt ist im Ge¬ 
gensatz zu allen andern Rotationsmaschinen nicht 
gezackt, sondern glatt, eine wichtige Verbesserung, 
durch die der besonders beim feinen Druck so stö¬ 
rende Papierstaub vollständig vermieden wird. Die 
Bogen werden von der Ablegevorrichtung plano aus¬ 
gelegt, um jeglichem Verschmieren durch Falzvor¬ 
richtungen von vornherein vorzubeugen. Die Druck¬ 
qualität dieser Maschine hält nach den vorliegenden 
Proben jeden Vergleich mit dem Flachdruck so ziem¬ 
lich aus. Ohne allen Zweifel ist mit dem Bau solcher 


Riesendruckwerke ein großer Schritt nach vorwärts 
getan, und ein weiterer Absatz derartiger Maschinen¬ 
gattungen hängt lediglich davon ab, inwieweit sich die 
Zahl und die Auflage unsrer illustrierten Journale in 
ähnlicherWeise vermehrt, wie es in den letzten Jahren 
in England und Amerika zu beobachten war. 

Bei derartig komplizierten Maschinen trägt zum 
guten Gelingen des Druckes nicht zuletzt die gute 
Beschaffenheit der Hilfsapparate für die Stereotypie 
und Galvanoplastik bei. In Würdigung der außer¬ 
ordentlichen Bedeutung, die die gute Herstellung der 
gebogenen Platten für den Illustrations-Rotationsdruck 
besitzt, wird der Herstellung der Hilfsmaschinen jetzt 
ganz besondere Aufmerksamkeit zugewendet. Für 
alle zum Illustrationsdruck bestimmten Rotations¬ 
maschinen werden gegenwärtig wesentlich dünnere 
Platten verwendet als beim einfachen Zeitungsdruck, 
damit eine Ausgleichung unter der Platte auch zur 
Wirkung kommen kann. Im großen und ganzen haben 
die Hilfsmittel der Galvanoplastik wie die Werkzeuge 
der Buchdruckerei eine wesentliche Besserung gegen 
frühere Zeiten erfahren. 

Auf dem Gebiete desIllustrations-Rotationsdruckes 
ist in neuerer Zeit wieder ein Fortschritt zu verzeich¬ 
nen, der aber weniger den Schwarzdruck betrifft als 
vielmehr das Erstehen bunter Bilder auf der Rota¬ 
tionsmaschine und zwar in einem Arbeitsgange. Auch 
die in dieser Richtung unternommenen Versuche sind 
nicht neueren Ursprungs, denn die deutsche Ur¬ 
sprungsfabrik Koenig & Bauer hat schon vor vielen 
Jahren Drei- und Fünffarben-Rotationsmaschinen 
nach dem Patent Payne gebaut. Im Anfänge seiner 
Entstehung blieb aber der Buntdruck der Rotations¬ 
maschine lediglich auf den Nebeneinanderdruck be¬ 
schränkt, obwohl sich gerade durch den Übereinander¬ 
druck die mannigfachsten Nuancen und Töne erzielen 
lassen. Das Naß-auf-Naß-Drucken wird wohl allezeit 
kleinen und großen Schwierigkeiten begegnen, die 
wohl auch die Citochromie nicht völlig zu meistern 
vermag. Im Mehrfarbenrotationsdruck behilft man 
sich heute in der Hauptsache mit schraffierten Flä¬ 
chen, so daß die bunten Bilder trotz der Schnellig¬ 
keit des Druckes ein ganz passables Aussehen er¬ 
reichen, ohne jedoch höheren Ansprüchen genügen 
zu können, was ja wohl auch nicht beabsichtigt wird. 
In der Autotypie mit entsprechend weitem Raster 
wurde eine entsprechende Unterlage für den Druck 
bunter Bilder auf der Rotationsmaschine geschaffen, 
die ohne Zweifel noch zu weiteren Erfolgen führen 
wird. Die in früherer Zeit gebauten Drei- und Fünf¬ 
farben-Rotationsmaschinen druckten in bekannter 
Weise von gebogenen Galvanos mit einem Platten¬ 
zylinder, der auf seinem Umfange hintereinander die 
Platten für die drei oder fünf Farben trägt, und einem 
Druckzylinder, auf welchem der Bogen während des 
ganzen Druckverfahrens unverrückbar festgehalten 


365 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


wird. Das Register der drei oder fünf Farben ist dem¬ 
nach ohne Zweifel ein genaues. Die Anzahl der zu 
druckenden Farben wird geradezu unbegrenzt, wenn 
die bedruckten Bogen mehrere Male durch die 
Maschine laufen, nachdem die jeweiligen Farben und 
Platten durch andre ersetzt sind. Die stündliche Lei¬ 
stung solcher Maschinen läßt sich je nach Bogen¬ 
größe und Farbenzahl auf nur 600 und 1000 be¬ 
messen, eine Zahl, die uns allerdings im Gegensatz 
zum sonstigen Illustrationsdruck recht eigenartig an¬ 
mutet. Das Format ist beliebig veränderlich, indem 
die Bogen wie bei der einfachen Maschine gegen 
Marken angelegt werden. Diese Maschinen sind für 
bestimmte Arbeiten, wie Spiel- und Landkarten usw., 
gedacht und haben schon deswegen eine weitere Ver¬ 
breitung nicht gefunden. 

Mehrfarben-Rotationsmaschinen, die direkt von 
der Rolle drucken, sind erstmalig von der Maschinen¬ 
fabrik Augsburg geliefert worden. Die erste Zwei¬ 
farbenmaschine erblickte bereits im Jahre 1884 das 
Licht der Welt. Sie kam nach Leipzig, während eine 
Maschine für einfarbigen Schöndruck und vierfarbigen 
Widerdruck für Budapest gebaut wurde. Die Zwei- 
farben-Rotationsmaschine bedruckt die Bogen beider¬ 
seits in zwei Farben und legt sie auf zwei Tische aus. 
Die Farbwerke besitzen je sechs Auftragwalzen, die 
Verreibung ist eine sehr intensive. Je zwei Platten¬ 
zylinder wirken auf einen doppelt so großen Druck¬ 
zylinder. Das Abziehen der Schöndrucke ist durch 
Verwendung der Schmutzpapierrolle verhindert. 

Seit der Schaffung dieser Maschine ist geraume 
Zeit verstrichen. Es wäre ein Wunder gewesen, wenn 
die Maschinenbauer nicht unausgesetzt bemüht ge¬ 
blieben wären, dem Buntdrucke auf der Rotations¬ 
maschine mehr und mehr die Wege zu ebnen. Durch 
den Bau von Rotationsmaschinen für fünf-, sechs- 
und achtfarbigen Druck ist der Beweis erbracht für 
das Gelingen der aufgewandten Arbeit. Eine Fünf- 
farben-Rotationsmaschine mit Falz- und Heftapparat, 
Spezialmaschine für farbig illustrierte Zeitschriften, 
wurde von Koenig & Bauer nach Mailand geliefert. 
Die vorliegende Druckprobe zeigt hinsichtlich Druck 
als auch Falz und Heftung tadellose Ausführung, und 
bei Verwendung besseren Papiers würde sich wohl 
auch eine Steigerung in der Druckqualität erzielen 
lassen. Entsprechend der in der Maschine vereinig¬ 
ten Eisenmassen ist deren Ausdehnung eine ziemlich 
beträchtliche, denn sie besitzt eine Länge von 87* m, 
eine Höhe von 3 m und eine Breite von 4 m. Von 
den sechs Druckwerken werden vier vom Boden und 
zwei von den Galerien aus bedient. Alle bewegten 
Massen, insbesondere die schweren Druck- und 
Plattenzylinder, sowie die Farbwerke sind tief ge¬ 
lagert und zwar nicht ausschließlich der bequemen 
Bedienung wegen, sondern deshalb, um mit der tiefen 
Lage des Schwerpunktes eine größere Stabilität der 


Maschine zu verbinden. Über Arbeitsweise und Lei¬ 
stung der Maschine nur folgendes: Von der am Boden 
befindlichen Druckpapierrolle gelangt der Papier¬ 
strang zum Schöndruck, der in einer Farbe erfolgt. 
Sodann geht der Strang hintereinander über die fünf 
Widerdruckzylinder, um in fünf Farben bedruckt zu 
werden. Von dem fünften Zylinder wird der beider¬ 
seits bedruckte endlose Papierstrang über die ganze 
Maschine hinweg nach dem Falzapparat geleitet, wo¬ 
bei die frisch bedruckte Seite nach oben liegt. Durch 
diese Anordnung wird besonders den bunten Farben 
etwas Zeit zum Trocknen gegeben und das Verschmie¬ 
ren des frischen Druckes nach Möglichkeit vermieden. 
Vor dem Auflauf auf den Trichter wird der endlose 
Papierstrang durch einen Längsbogenschneider in 
zwei halbbreite Stränge zerschnitten, die über den 
Trichter gleitend aufeinander gelegt werden. Dieser 
doppelte Strang tritt sofort zwischen die beiden 
Zylinder des kombinierten Schneid-, Sammel-, 
Querfalz- und Heftapparates. Hier werden von dem 
endlosen Strange Größen von halbem Zylinder¬ 
umfang (acht Seiten) abgeschnitten. Ist die Sammel¬ 
vorrichtung abgestellt, so werden diese achtseitigen 
Exemplare einzeln gefalzt und geheftet; ist die Sam¬ 
melvorrichtung in Tätigkeit, so werden je zwei acht¬ 
seitige Drucke übereinander gesammelt, und das so 
entstehende sechzehnseitige Exemplar gefalzt und ge¬ 
heftet. Die fertigen Exemplare fallen in einen rotie¬ 
renden Führungsausleger, der sie staffelförmig auf 
einen langsam laufenden Gurt ablegt. Diese Vorgänge 
vollziehen sich ohne Zuhilfenahme irgendwelcher 
Bänder. Bei 8 Seiten beträgt die stündliche Leistung 
8000 und bei 16 Seiten 4000 Exemplare. Dieser 
Typus wird für alle Formate und Variationen gebaut. 

Die Sechsfarben-Rotationsmaschine der Schnell¬ 
pressenfabrik Frankenthal, gebaut für veränderliche 
Formate, dürfte des besseren Verständnisses wegen 
etwas zu erläutern sein. Sie stellt sozusagen den 
letzten Grad der Vervollkommnung dar, der in neuerer 
Zeit erstrebt wurde durch das Verdrucken der ver¬ 
schiedensten Formate auch bei Mehrfarben-Rotations- 
maschinen. Der gesamte Aufbau der Maschine ist 
dadurch gegeben, daß das Papier auf möglichst kur¬ 
zem Wege die verschiedenen druckenden Zylinder 
und den Falzapparat durchlaufen und daß sämtliche 
Teile der Maschine möglichst zugänglich sein sollen. 
Zu diesem Zwecke ist ganz oben auf dem kräftig ge¬ 
haltenen Gestell die Schneidvorrichtung mit Papier¬ 
zuführung angeordnet, von wo das Papier sich um 
die Zylinder herumwindet und am Ende der Maschine 
unten in bequemer Höhe fertig bedruckt und gefalzt 
die Maschine verläßt. Von der Rolle steigt das Papier 
in die Höhe, wird beiderseits von Bürsten von dem 
anhaftenden Staub gereinigt und geht zu den Zuführ¬ 
walzen, die je nach den aufgesetzten Wechselrädern 
mehr oder weniger Papier zu den Schneidzylindern 


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zuführen, also dementsprechend große oder kleine 
Bogenhöhen abschneiden. Dieser Apparat gestattet 
in den Grenzen des größten und kleinsten Formates 
alle Papiergrößen in Abstufungen von 1 zu 1 mm zu 
schneiden, während durch Verwendung verschieden 
breiter Papierrollen sich auch in der Breite alle ge¬ 
wünschten Formate verdrucken lassen. Von den 
Schneidzylindern geht der Bogen durch Reißwalzen 
zu einer Zuführbandleitung, wodurch er an den ersten 
Druckzylinder abgegeben wird. Die Reißvorrichtung 
funktioniert derart vollkommen, daß dieBogen äußerst 
gleichmäßig zu den Druckzylindern gelangen. Die 
genannte Bandleitung kann die Bogen nicht be¬ 
schmutzen, da sie noch unbedruckt sind, somit auch 
keine Farben abziehen kann. Der abgeschnittene 
Bogen geht nun über die verschiedenen Druckzylinder, 
von welchen jeder mit zwei Plattenzylindern arbeitet, 
um am Ende des Druckganges mit zwei Farben Schön- 
und vier Farben Widerdruck versehen zu sein. Die 
Farbeverreibung ist entsprechend der für die Ma¬ 
schine bestimmten Arbeiten eine vollkommene zu 
nennen, weil vor jedem Druck eine zweimalige Ein¬ 
färbung erfolgt, genau wie an den Flachdruckpressen. 
Die Farbkästen sind mit amerikanischem Farblineal 
ausgestattet. Die Druckzylinder für Widerdruck haben 
in ihrem Innern Abschmutzpapierrollen, die das Ab¬ 
ziehen des frischen Druckes verhindern. Die Druck¬ 
zylinder haben alle besondere Einrichtung zur voll¬ 
kommen genauen Festhaltung der Bogen, so daß mit 
der Maschine ein tadelloses Register erzielt wird. Der 
unterste Druckzylinder gibt die Bogen an einen gro¬ 
ßen Falzzylinder ab, der mit zwei kleinen Zylindern 
arbeitet und zwar völlig bänderlos und ohne Anwen¬ 
dung von Nadeln. Von den Falzzylindern geht der 
Bogen durch Walzen mit Kreismesser, welche die 
Bogen längs schneiden können, zu dem Auslegetisch, 
wo ein Tupfer die Bogen ordentlich niederlegt. Die 
Maschine leistet bis zu 7000 Bogen in der Stunde im 
üblichen Format unsrer Wochenzeitschriften. 

Die Achtfarben-Rotationsmaschine der Maschinen¬ 
fabrik Augsburg druckt ebenfalls direkt von der Rolle, 
denn eine andre Arbeitsweise kann für den Massen¬ 
farbendruck wohl nicht mehr inFrage kommen. Dieses 
Riesendruckwerk in des Wortes verwegenster Bedeu¬ 
tung besitzt acht Farbwerke für Illustrationsdruck 
und vier Papierrollen (zwei Druckpapier- und zwei 
Schmutzpapierrollen) sowie acht Druck- und ebenso 
viele Plattenzylinder, einen Falz- und zwei Ablege- 
apparate. Auf dem einen Papierstrang kann entweder 
einfarbiger Schön- und fünffarbiger Widerdruck oder 
zweifarbiger Schön- und vierfarbiger Widerdruck her- 
gestellt werden; der zweite Papierstrang dient beider¬ 
seits nur zum Schwarzdruck. Von diesen beiden durch 
die Schneidzylinder vereinigten Papiersträngen wer¬ 
den lßseitige Exemplare abgetrennt, welche durch 
die Falzapparate zweimal ineinander gefalzt und auf 


zwei Tische abgelegt werden. Die Maschine ist so 
eingerichtet, daß entweder nur mit der einen oder 
mit der andern Papierrolle gedruckt werden kann, in 
welchem Falle dann die nicht verwendete Maschinen¬ 
partie abgestellt ist. Die erhaltenen Bogen können 
ebenfalls zweimal gefalzt auf einen Tisch oder ein¬ 
mal gefalzt auf zwei Tische abgelegt werden. Das 
Farbenwerk einer Achtfarben-Rotationsmaschine muß 
aus leicht begreiflichen Gründen ein ausgesucht voll¬ 
kommenes sein, was schon aus den zu jedem Farb¬ 
werk gehörenden sieben Auftragwalzen hervorgeht. 
Bei der Farbeverreibung ist das Prinzip der Farbtei- 
lung durch eine Spiralwalze zur Anwendung gebracht. 
Ganz besonders wichtig ist beim Farbendruck ein 
möglichst genaues Register, und die Art desRegister- 
machens muß bei einer Maschine mit so vielen Farb¬ 
werken auf die bequemste Weise erfolgen können, 
da andernfalls das Zurichten und Zusammenpassen 
der Farben ungeheuer viel Zeit in Anspruch nehmen 
würde. Aus diesem Grunde können die Plattenzylinder 
einzeln entsprechend verschoben werden, sofern das 
haarscharfe Ineinanderpassen noch nicht erreicht ist. 

Zu Anfang meiner Ausführungen erwähnte ich, daß 
eine deutsche Schnellpressenfabrik in ihrem neue¬ 
sten Katalog nicht weniger als etwa 50 Rotations¬ 
maschinentypen aufführt. Ein schlagenderes Beispiel 
für die verschiedenen und weitgehenden Ansprüche, 
die heute an die Maschinenbauanstalten gestellt wer¬ 
den, brauche ich wohl nicht zu geben. Zu jeder Druck¬ 
ausführung, sei sie auch noch so schwierig, möchte 
heute die Rotationsmaschine in Anspruch genommen 
werden, um Massenerzeugnisse herzustellen. Beson¬ 
ders ist es die Papierverarbeitungsindustrie, die sich 
alle nur denkbaren Rotationsmaschinen für die ver¬ 
schiedenartigsten Sonderzwecke bauen läßt. Da gibt 
es zum einseitigen zweifarbigen Bedrucken von Per¬ 
gament- und Einwickelpapieren Zweifarbenrotations¬ 
maschinen für veränderliche Formate, die entweder 
das endlose Papier nach dem Druck wieder aufrollen 
oder die abgeschnittenen Bogen ungefalzt auslegen. 
Ferner bestehen Zweifarbenrotationsmaschinen, die 
bei einmaliger Stereotypie richtig geordnete und ge¬ 
schnittene zweifarbige Kalenderblocks liefern. Weiter 
gibt es Spezialrotationsmaschinen für fünffarbigen 
einseitigen Druck oder einseitigen Schöndruck und 
vierfarbigen Widerdruck zur Herstellung von Straßen¬ 
bahnbilletts, Verkaufszetteln, Prospekten und ähn¬ 
lichen Arbeiten. Diese Maschinen liefern stündlich 
6000 bis 7000 ungefalzte Bogen und besitzen noch 
Einrichtungen für beliebig festes oder loses Wieder¬ 
aufwickeln des endlosen Papierstranges nach dem 
Druck sowie Numerierwerke. 

Der Vollständigkeit wegen wäre noch die Flach¬ 
druckrotationsmaschine zu behandeln, doch wird sich 
Gelegenheit finden über diese Maschinengattung 
einen besonderen Artikel zu veröffentlichen. 


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So hat sich der Rotationsdruck im Laufe der Zeit 
zu einer so vollkommenen und so hochstehenden 
Leistungsfähigkeit entwickelt, daß eine weitere Ver¬ 
vollkommnung, eine weitere Leistungsfähigkeit aus¬ 
geschlossen erscheint. Und doch wird auch die Zu¬ 


kunft keinen Stillstand kennen, denn das Erscheinen 
jetzt noch ungeahnter Druckwerke wird auch auf dem 
Gebiete des Rotationsmaschinenbaues neue Ideen 
und neue Aufgaben bringen, die die Druckmaschinen¬ 
fabriken gleich trefflich wie bisher lösen werden. 


Eine Studienreise in Nordamerika. 

Von G. NICOLAUS, Kaiserlicher Bauinspektor, Reichsdruckerei, Berlin. 

II. 


N Washington sollten hauptsächlich die Staats¬ 
druckereien besucht werden. Der Besuch wurde 
mir jedoch insofern etwas erschwert, als der 
Direktor der Government Printing Office, an den meine 
Empfehlung von der deutschen Botschaft gerichtet 
war, gerade vom Präsidenten vom Dienste suspendiert 
war. Nach dem Grunde brauchte ich nicht lange zu 
fragen, denn die Zeitungen in Amerika sind viel 
offener als bei uns, und so las ich denn in der Wa¬ 
shington Post vom 6. Februar 1908 unter der Über¬ 
schrift: „Stillings raus“, daß der Grund für seine Ent¬ 
lassung die Einführung eines neuen Buchführungs¬ 
systems in der Anstalt war. Die Kosten dieses Buch¬ 
führungssystems, das nicht von der Staatsdruckerei, 
sondern von einer außerhalb stehenden Stelle aus¬ 
gearbeitet ist (The Audit System, New York), waren 
nämlich auf 25000 Dollars veranschlagtes hatte aber 
schließlich so viel mehr gekostet, daß durch diese 
Mehrkosten nicht nur sein Nutzen völlig wett ge¬ 
macht, sondern auch die Ausgaben stark erhöht wur¬ 
den. Ich würde diesen Punkt nicht erwähnen, wenn 
er nicht für viele Erscheinungen des modernen In¬ 
dustrielebens typisch wäre. Fast überall sehen wir, 
daß die Buchführung dem rastlosen Fortschritt der 
Technik nicht schnell genug folgen kann und daß 
hierdurch die Wirtschaftlichkeit größerer Betriebe 
nicht immer gewahrt bleibt. Zwar nicht, weil ihnen 
die innere Lebenskraft fehlt, sondern weil die Ge¬ 
schäftsbücher nicht so, wie es notwendig wäre, ge¬ 
führt werden. Diese Erscheinung zwingt dann dazu, 
die Rechenschaftslegung gänzlich umzugestalten und 
sie den Betriebsfortschritten entsprechend zu ändern. 
Hierbei können nun zwei Fälle Vorkommen: Entweder, 
es wird durch die gemeinschaftliche verständnisvolle 
Tätigkeit von Kaufmann und Ingenieur, d. h. Ver¬ 
waltungsbeamten und Betriebsmann eine brauchbare 
Buchführung geschaffen, oder aber es wird, wie es 
dort eingetreten zu sein scheint, von irgendeiner mit 
der Technik nicht hinlänglich vertrauten Stelle ein 
Berechnungssystem geschaffen, das zwar bis in die 
kleinsten Einzelheiten geht, aber trotzdem seinen 
Zweck nicht erreicht. Es fehlt ihm nämlich entweder 
die belebende Kraft, d.h. es ist zu schematisch, oder 
es wird verständnislos bzw. zu bureaukratisch ge- 
handhabt und ist dann weniger ein Produkt der 
Intelligenz als der Fähigkeit zu addieren und sub¬ 


trahieren. Die Folge davon ist zwar eine genaue 
Bilanz, aber durch die Fesseln wird dem Techniker, 
der ja der eigentliche Werte schaffende Faktor ist, 
jede Arbeitsfreude benommen und die Buchführungs¬ 
kosten sind höher als die entstandenen Vorteile. Das 
letztere scheint hier der Fall gewesen zu sein. Ge¬ 
waltsam, aber echt amerikanisch ist die Lösung, die 
die Angelegenheit gefunden hat. Hierbei mußte ich an 
ein andres Reisegespräch denken. Sehen Sie, sagte 
mir der Leiter einer Firma, die Fabrikation macht 
uns keine Schwierigkeiten, nur mit dem Einkauf und 
Verkauf hapert es manchmal. Ich konnte nicht um¬ 
hin, ihm zu erwidern: Dann scheinen zwar ihre In¬ 
genieure ihre Sache zu verstehen, die Kaufleute aber 
nicht. Also auch hier der alte Gegensatz, der nur 
durch verständiges Zusammenarbeiten zu lösen ist. 

Bei der großen Ausdehnung der beiden Staats¬ 
institute mußte von vornherein darauf verzichtet wer¬ 
den, alle Abschnitte durchzugehen, vielmehr war eine 
Beschränkung auf einzelne Gebiete nötig. 

Ich beginne mit der Schilderung meiner Eindrücke 
beim Besuch der Banknoten-Druckerei. Diese, das 
Bureau of Engraving and Printing (Abbildung 3), stellt 
seit Beendigung des Bürgerkrieges, dem Jahre 1865, 
alles Papiergeld, die Postmarken, sowie die Wert¬ 
zeichen für die internen Steuern (internal Revue) her. 
Das im Jahre 1880 erbaute Gebäude ist bereits drei¬ 
mal vergrößert worden. Obgleich es nach unsrer An¬ 
schauung als ein recht modernerFabrikbau bezeichnet 
werden muß, ist im vorigen Jahre ein Neubau 
beantragt worden. Dafür wurden mir vom Direktor 
Sullivan folgende Gründe angegeben. Die Erzeugung 
von Wertzeichen nimmt immer mehr zu. Dieser Zu¬ 
wachs ist ständig und muß, da die gegenwärtigen 
Baulichkeiten schon unzureichend sind, wenn nicht 
bald ein neues Gebäude geschaffen wird, zu den 
größten Unzuträglichkeiten führen. Es ist also 
besser mit dem Neubau zu beginnen, ehe dies der 
Fall ist. 

Durch die mehrfachen Anbauten ist die Gesamt¬ 
anlage vollkommen unübersichtlich geworden und 
hat die Verlegung mehrerer Gruppen von ihren frü¬ 
heren Plätzen verlangt, so daß sich jetzt zusammen¬ 
gehörige Abteilungen an verschiedenen Orten des 
Gebäudes befinden. Kleiderablage und Bedürfnis¬ 
räume sind völlig unzureichend. Die unzureichenden 



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Original fro-m 

PRINCETON UNtVERSITY 





Illustrations-Rotationsdruckmaschine mit bänderlosem Falzapparat 
Vereinigte Maschinenfabrik Augsburg u.Maschinenbaugesellschaft Nürnberg A.-G 
Werk Augsburg 



Vielfarben-Rotationsdruckmaschine (Drei- bzw. Fünffarben- 
Rotationsmaschine) zum Druck von geschnittenen Bogen 
Koenig & Bauer, Maschinenfabrik Kloster Oberzell G.m.b.H., Würzburg 



Illustrations-Rotationsdruckmaschine für Autotypiedruck mit Farbwerken zu 6 Auftragwalzen, Abschmutzrolle und bänderlosem Piano-Ausleger 
Koenig & Bauer, Maschinenfabrik Kloster Oberzell G.m.b.H., Würzburg 



Zweifarben-Rotationsdruckmasehine. Vereinigte Maschinenfabriken 
Augsburg und Nürnberg. Werk Augsburg 



Sechsfarben-Illustrations-Rotationsdruckmaschine für veränderliche Formate 
Mit bänderloscm Falzapparat. Schnellpressenfabrik Frankenthal Albert & Co 
Akt.-Ges., Frankenthal (Rheinbayern) 


Beilage zum ^.rchiv für 


Zu dem Artikel: Zur EntwicklungldeT Rotationsmaschinen 

PRINCETON UNIVERSITÄT 







































Rotationsdruckmaschine für fünffarbigen Illustrationsdruck mit 6 Farbwerken, Abschmutzvorrichtung, bänderlosem Falzapparat und Drahtheftapparat 
Koenig & Bauer, Maschinenfabrik Kloster Oberzell G.m.b.H., Würzburg 


Achtfarben-Rotationsdruckmaschine. Vereinigte Maschinenfabrik Augsburg und Maschinenbaugesellschaft Nürnberg A.G. Werk Augsburg 



Sechsrollen-Rotalionsdruckmaschine der Vereinigten Maschinenfabrik Augsburg und Maschinenbaugesellschaft Nürnberg A.-G. Werk Augsburg 


Zu dem Artikel: Zur Ent; 

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ionsmaschinen 


Beilage .zum. Archiv für Buchgewerbe 

PRINCETON UN1VERSITV 

































ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Kräfte an Maschinen und Menschen zwingen fort¬ 
während zu Überstunden, wodurch ebenso wie durch 
die großenTransporte der 
Halbfabrikate eine Ver¬ 
größerung der Herstel¬ 
lungskosten verursacht 
wird. Ein speziell ameri¬ 
kanischer Grund war fer¬ 
ner noch der, daß bei 
Überstunden die in dem 
Institut in großer Zahl be¬ 
schäftigten Damen in spä¬ 
ten Stunden ihren Nach¬ 
hauseweg durch den um¬ 
gebenden Park und ohne 
die Möglichkeit, die 
Straßenbahn zu benutzen, 
zurücklegen müßten. 

Die Entwürfe für die 

Wertpapiere, die in der Anstalt selbst hergestellt 
werden, erhalten meist eine in Guillochiermanier 
hergestellte Umrahmung und darin Porträts ameri¬ 
kanischer Staatsmänner. Dadurch, daß alle Ent¬ 
wurfsarbeit im Hause erfolgt, kommen nur Künstler 
zur Arbeit, die von vornherein die notwendigen An¬ 
sprüche technischer Natur, die an ein Wertpapier aus 
Sicherheitsgründen gestellt werden müssen, kennen, 
wodurch viele vergebliche Arbeit und Kosten gespart 
werden. Außerdem ist dies 
wohl die Ursache für die große 
Einheitlichkeit der amerikani¬ 
schen Scheine, die sich schon 
in dem für den Gebrauch über¬ 
aus praktischen, gleichen For¬ 
mate ausdrückt. Die Künst¬ 
ler des Instituts arbeiten ihre 
Entwürfe auf Vorrat, um bei 
Neuherstellung von Noten so¬ 
fort mit Vorschlägen kommen 
zu können. Es wurde mir 
beiläufig mitgeteilt, daß die 
Künstler etwa 6000 Dollar 
jährlich erhalten, und daß 
für die Herstellung eines 
Kopfes, wie z.B. Washing¬ 
tons auf den 20 Dollar¬ 
noten, wohl der schönste 
Kopf der amerikanischen 
Banknoten, ein Zeitraum 
von etwa zwei Monaten er¬ 
forderlich ist. Beliebt sind 
bei Staatspapieren (wie 
auch bei allen Staatsgebäu¬ 
den, die in Washington 

meist in hellem Marmor ausgeführt sind) die klassi¬ 
schen Formen. Als Reproduktionsverfahren dient 

369 


ausschließlich Stahlstich und zwar wird die Platte 
mit der Originalgravüre gehärtet und dann mit der 
Übertragepresse (Abbil¬ 
dung^ auf einen weichen 
Stahlzylinder (Rolle) ab¬ 
gewalzt. Diese Rolle wird 
dann gleichfalls gehärtet 
und auf dieselbe Weise 
wird das Relief der Rolle 
in eine weiche ebene 
Stahlplatte abgedrückt. 
Auf dieselbe Platte wer¬ 
den dann auch die übrigen 
Teile der Zeichnung, die 
meist von verschiedenen 
Künstlern hergestellt wer¬ 
den, zusammengetragen. 
Nachdem die einzelnen 
Bestandteile in Einklang 
gebracht und von dem Graveur überarbeitet worden 
sind, wird dieses Stück, das nunmehr das fertige 
Original der Note darstellt, gehärtet. Dieses Original 
dient zur Herstellung der Rollen für die Anfertigung 
der Druckplatten. Die auf den Scheinen vorkommen¬ 
den Guillochen werden nicht, wie bei uns, durch 
Ätzung hervorgebracht, sondern durch zwangläufig ar¬ 
beitende Guillochier-Maschinen (Abbildung 5) direkt 
in die Stahlplatten eingeschnitten. Für die Druck¬ 
platten wird vielfach nicht das 
Positiv hiervon, sondern ein 
durch das Übertragungsver¬ 
fahren hergestelltesReliefver- 
wendet, wodurch dieungemein 
feinen weißen Guillochen auf 
den amerikanischen Scheinen 
(besonders hervortretend auf 
der 20Dollarnote) erzielt wer¬ 
den. Als Grund für dieses 
Verfahren wurde mir ange¬ 
geben, daß es zwar möglich 
sei, einen vertieften Linienzug 
mit der Hand zu schneiden, 
niemals aber einen erhabenen 
beim Stechen stehen zu 
lassen, ohne die schlanke 
Linienführung zu beein¬ 
trächtigen. Der Übertra¬ 
gungsprozeßwurde mir für 
eine Briefmarke gezeigt. 
Zur Herstellung eines Mar¬ 
kenabdruckes genügte ein 
zehn- bis zwölfmaliges 
Übergehen, was in ganz 
wenig Zeit, etwa V 2 Minute, 
beendet war. Hierzu kommt noch als Vorteil die 
voll Herrn Geheimen Regierungsrat Professor Röse 

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Abbildung 3. Bureau of Engravlng and Printing in Washington 



Abbildung 4. Übertragepresse 


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PRINCETON UNIVERSiTY 




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(Reichsdruckerei) hervorgehobene Möglichkeit des 
Wiederaufwalzens abgenutzter Platten. Das geschil¬ 
derte Verfahren bedingt das „harte“ Aussehen der 
amerikanischen Noten, eine Eigentümlichkeit des 
Stahlstiches, die ihm in künstlerischer Beziehung den 
Garaus gemacht hat. Im Gegensatz hierzu veranlaßt 
das bei uns übliche Kupferstichverfahren verbunden 
mit der galvanoplastischen Übertragung die der Radie¬ 
rung eigene Weichheit unsrer Banknoten. Welches 
Verfahren den Vorzug verdient, ist neben der wirt¬ 
schaftlichen Seite lediglich Geschmacksache. Falsch 
wäre es, ohne weiteres das eine oder andre Ver¬ 
fahren als das einzig richtige zu bezeichnen. Auf 
einer Briefmarkenplatte befinden sich 400 Marken, 



Abbildung 5. Guillochier-Maschine 


auf einer solchen für Scheine 4 Stück. An Übertra¬ 
gungsmaschinen waren etwa 20 Stück vorhanden. 
Die Platten mit den übertragenen Zeichnungen 
werden entweder in ebenem Zustande, oder, wenn 
für die Rotationsmaschine bestimmt, nachdem sie 
gebogen sind, in einem durch Gasheizung ge¬ 
schmolzenen Bade von Zyankalium gehärtet und mit 
Öl abgekühlt. Das Öl wird, damit es nicht zu heiß 
wird, durch eine Pumpe in steter Zirkulation gehalten. 
Der Stahl für die Platten wird aus England bezogen, 
da in Amerika kein entsprechendes Material zu haben 
ist. Nach der Härtung sind die Platten selbst durch 
eine neue Feile unangreifbar. Die vollendeten und 
für den Druck fertigen Platten werden zusammen mit 
allen Matrizen und Rollen durch einen Beamten des 
Schatzamtes in Verschluß gehalten und zwar in 
großen, feuer- und einbruchsicheren Wertgelassen, 
in denen sie auf eisernen Gestellen gelagert werden. 
Die Verschlüsse dieser Wertgelasse unterscheiden 
sich von denen der Reichsdruckerei dadurch, daß sie 
außer den mehrfachen und sich gegenseitig blockie¬ 
renden Handverschlüssen noch einen Zeitverschluß 
haben, der das Öffnen des Tresors auch bei Vor¬ 
handensein sämtlicher Schlüssel zu einer andern, 
als der eingestellten Zeit unmöglich macht. 


Das Druckpapier wird vom Schatzamt, dem die 
Druckerei untersteht, gegen Quittung in gezählten 
Blättern für den Druck geliefert. Es gelangt zu¬ 
nächst zur Feuchterei, wo immer 10 bis 20 Blätter 
zwischen nasse Tücher gelegt und dann mit Ge¬ 
wichten belastet werden, bis nach einmaligem Um¬ 
legen des Papiers alle Blätter die für den Druck 
nötige Feuchtigkeit aufgenommen haben. Das System 
des gegenseitigen Zuzählens gegen Quittungsleistung 
ähnelt im großen und ganzen dem in der Reichs¬ 
druckerei üblichen, nur daß im allgemeinen nicht 
der Drucker die Quittung leistet, sondern seine Ge¬ 
hilfin. Der Druck aller Banknoten geschieht auf 
Handpressen, die keinen Kraftantrieb haben, son¬ 
dern die sich der Drucker selbst durchdrehen muß. 
Jeder Kupferdrucker hat eine Gehilfin, die das 
Papier auflegt, sowie abnimmt, ferner für die Zahl 
der Drucke in Übereinstimmung mit dem verdeckt 
angebrachten Zählwerk der Maschinen verantwort¬ 
lich ist. Im großen Druckraum sind 225 Pressen 
und 500 Angestellte an der Arbeit. Der Raum da¬ 
selbst ist so beengt, daß es kaum möglich ist, zwischen 
den Pressen ungefährdet hindurchzugehen. Der 
Aufenthalt der vielen Menschen in diesem Raume, 
die Wärmeausstrahlung von den Heizvorrichtungen 
für die Platten, sowie der Geruch der Kupferdruck¬ 
farben machen das Verweilen in diesem Betriebe 
nicht gerade angenehm. Dieser Umstand ist tatsäch¬ 
lich ein durchgreifendes Argument für die notwendige 
Erweiterung. 

Die bedruckten Scheine werden über Nacht in 
einem Trockenraum aufbewahrt, der ganz als Tresor, 
wie der obenbeschriebene,ausgebildet ist. DieKupfer- 
druckplatten für Briefmarken werden auf Hoeschen 
Vierplattenkupferdruck-Schnellpressen hergestellt, 
die von drei Personen bedient werden: ein Kupfer¬ 
drucker gibt mit der Hand der Platte die letzte 
Politur, An- und Ablegen wird von zwei weiblichen 
Hilfskräften besorgt. Die automatische Wischung 
der Kupferdruckplatten bedingt einen großen Ver¬ 
brauch von Wischtüchern. Deshalb hat die Staats¬ 
druckerei aus Gründen der Wirtschaftlichkeit eine 
eigene Waschanstalt für die Wischtücher eingerichtet. 
Alle Tücher werden durch Maschinen gewaschen und 
darauf gestärkt, was einen guten Einfluß auf den 
Druck haben soll. Da die Briefmarken in Kupfer¬ 
druck hergestellt sind, können sie erst nach dem 
Druck gummiert werden. Unsre deutschen Marken 
sind bekanntlich zum größten Teil (3 bis 80 Pf.) 
im Buchdruck auf einem Papier, das vorher in der 
Rolle gummiert wird, erzeugt. 

Das Gummieren in der Staatsdruckerei geschieht 
mit besonderen Gummiermaschinen, denen das 
Papier bogenweise mit der Hand zugeführt wird. Es 
erhält seine Gummierung durch eine Walze, wird 
dann von einer Kette durch Greifer festgehalten und 


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durch einen etwa 8 m langen von warmer trockener 
Luft bestrichenen Kanal geführt, den es nach etwa 
einer Minute am andern Ende trocken verläßt. Die 
trockenen Blätter werden teils auf Kalandern, teils 
auf hydraulischen Pressen geglättet und dann auf 
rotierenden Perforiermaschinen erst in der einen, 
dann in der andern Richtung perforiert. Bei jedem 
Perforierprozeß wird der Bogen einmal in der Mitte 
durchgeschnitten, so daß zum Schluß vier perforierte 
Bogen zu je 100 Marken die Maschine verlassen. 
Die Ausführung der Perforierung kann hierbei natur¬ 
gemäß nicht so sorgfältig sein als bei uns, wo mit 
Kämmen perforiert wird, aber es wird auf ihr Passen 
nicht soviel Wert gelegt. Das Prüfen und Verpacken 
der Bogen bietet nichts Neues, nur werden die Aus¬ 
schußbogen sofort zu einer automatischen kleinen 
Rotationsmaschine gebracht, die sie mit einem schwar¬ 
zen, das Markenbild verdeckenden Aufdruck versieht. 
Die gesammelten Fehldrucke werden sofort gezählt 
und zur Vernichtung abgegeben. 

Die fertig gedruckten Geldscheine werden von 
einer besondern Maschine durch ein Leimbad hin¬ 
durchgeführt, wodurch sie Haltbarkeit erlangen, denn 
das Kupferdruckpapier darf nur wenig geleimt sein, 
sonst hat es keine Saugfähigkeit und nimmt keine 
Farbe an. In Deutschland erfolgt das Nachleimen 
mit der Hand. Numerieren und Eindrücken der 
Stempel geschieht durch Rotationsmaschinen, deren 
Ziffernwerke sich auf den sie tragenden Scheiben, 
letztere aber auf der Achse selbst verschieben lassen, 
wodurch jede beliebige Nummerstellung erreicht wer¬ 
den kann, ferner können auch Unterschiede der For¬ 
mate ausgeglichen werden. Angelegt wird nicht nach 
Punkturen, sondern nach einer durch vorherige Auf¬ 
nadelung genau beschnittenen Kante. Nach der an¬ 
dern dazu senkrechten Richtung hin wird ein Zeiger 
für das Einstellen nach dem bereits ausgeführten 
Drucke benutzt. Auf diese Weise wird das Punktieren 
an der Druckmaschine gespart und an die Schneide¬ 
maschine verlegt. Ganz ohne Punktur kommt man 
bekanntlich beim Kupferdruck nicht aus, da die hier 
verwandten Büttenpapiere keine genaue Anlegekante 
haben und sich bei dem mehrfachen Drucken und 
Feuchten ständig in der Größe ändern. 

Eine große Anzahl von Wertzeichen, besonders 
diejenigen für die indirekten Steuern, werden im 
Buchdruck hergestellt. Auch hier werden fast aus¬ 
schließlich die durch den Übertragungsprozeß herge¬ 
stellten Stahlplatten als Druckplatten verwendet. Das 
Drucken geschieht meist auf der Rotationsmaschine. 
Es wird aber nicht von Rollenpapier gedruckt, sondern 
von geschnittenen Blättern, die automatisch zugeführt 
werden. Die automatischeZuführung ist zwar nichtun¬ 
bedingt zuverlässig, es kommt indessen ein Versagen 
sehr selten vor. Die auf der Rotationsmaschine er¬ 
zeugte Leistung von 3 bis 8000 Drucke in der Stunde 


läßt aber die Leistung der Flachdruckpresse gewaltig 
hinter sich. Die Ausführung der Druckmaschine ist 
dabei bedeutend einfacher als die der gewöhnlichen 
Stopzylindermaschinen mit ihren Anlegeapparaten. 

Einen großen Raum nimmt auch die Farbenberei¬ 
tung ein. Sie steht unter der Leitung eines Chemikers 
und befindet sich in einer besonderen Abteilung, 
völlig getrennt vom Druckbetriebe. Die Druckerei 
bezieht nur die trocknen Farben und das rohe 
Leinöl. 

Aller Firnis für die verschiedenen Anforderungen 
des Buch- und Kupferdrucks wird inTiegeln selbst ge¬ 
brannt. Zur Aufsicht beim Brennen werden die 
alten und invaliden Arbeiter verwendet, die sonst im 
Betriebe nicht mehr brauchbar sind. Im Brennraum 
ist über den Brenngefäßen eine große eiserne Dunst¬ 
haube angebracht, die in Verbindung mit künstlicher 
Ventilation eine ganz leidliche Luft bietet. Durch die 
eigne Erzeugung, die täglich 700 Liter beträgt, soll, 
wie mir erklärt wurde, ein durchaus gleichförmiges 
Produkt bei großen Ersparnissen erzielt werden. An 
Farben werden täglich fünf Tonnen hergestellt. Dazu 
sind vier Farbmischmaschinen und zwölf mit wasser¬ 
gekühlten Stahlwalzen versehene Farbmühlen ver¬ 
banden, die ständig voll besetzt sind. Die Verwen¬ 
dung von Steinwalzen soll unvorteilhaft sein, da sie 
rascher Abnutzung unterworfen sind Und außerdem 
die Farbe nicht rein bleibt. 

Die Vernichtung der Wertzeichen geschieht in 
einem Mazerator, der aus einer großen, drehbar ge¬ 
lagerten Trommel besteht, in die die zu vernichtenden 
Papiere und Papierreste eingebracht werden. Auch 
sämtliche Abfälle von der Wertzeichenherstellung 
werden vernichtet, weil in den Vereinigten Staaten 
ein Gesetz besteht, daß jeder, in dessen Besitz sich 
ein Stück Papier mit den charakteristischen Seiden¬ 
fäden befindet, mit Gefängnis bestraft wird. Sämt¬ 
licher Ausschuß wird ebenso wie die guten Wert¬ 
zeichen an das Schatzamt abgegeben. Die zu ver¬ 
nichtenden Noten werden daselbst in der Mitte durch¬ 
geschnitten, die Hälften von verschiedenen, verant¬ 
wortlichen Personen einzeln gezählt und verpackt, 
um eine doppelte Kontrolle zu haben. Sind die zu 
vernichtenden Papiere unter Aufsicht in den Kocher 
eingebracht, so wird dieser von drei Beamten ver¬ 
schlossen und der Inhalt mit Ätzkalk und Ätznatron 
unter Dampfdruck 24 Stunden gekocht, wobei der 
Kocher rotiert. Nach dieser Zeit ist das Papier völlig 
aufgelöst und wird sofort auf einer kleinen Papier¬ 
maschine in Rohpapier verarbeitet. Die Anstalt hat 
aus dem gewonnenen Papier eine Einnahme von rund 
M 52 000 jährlich. 

Die Druckerei besitzt auch ein eigenes Kraftwerk, 
das in einem hellen, sehr großen Raum untergebracht 
ist. Es enthält sieben automatisch beschickte Kessel 
mit rauchloser Unterzugsfeuerung, bei der die Ver¬ 
öl* 


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brauchsluft über dem Rost zugeführt wird, die Kohlen¬ 
schicht nach unten durchströmt und unter dem Rost 
zum Schornstein gelangt. Automatische Feuerungen 
findet man in Amerika viel häufiger als bei uns. In 
den großen Kraftzentralen beginnt die automatische 
Kohlenbehandlung schon bei der Entladung aus dem 
Schiffe bzw. der Eisenbahn. Die ankommende Kohle 
wird aus dem Schiffe durch automatische Greifer ent¬ 
laden und einer Förderrinne zugeführt, die sie in 
einen großen Bunker schüttet. Bei der Ankunft der 
Kohle mit der Eisenbahn erfolgt die Entladung der¬ 
artig, daß die Bodenklappen der Kohlenwagen, die 
ausschließlich als Trichterwagen gebaut sind, geöffnet 
und die Kohlen in große Sammelbehälter abgestürzt 
werden, aus denen sie, wie oben geschildert, in die 
Bunker gelangen. Letztere erstrecken sich über die 
ganze Ausdehnung des Kesselhauses und führen den 
einzelnen Kesseln durch Trichter die Kohle zu. 
Die Verteilung über die Roste wird durch Wurf¬ 
schaufel- oder Wanderroste bewirkt. Infolge dieser 
Einrichtung kann ein Mann bis zu zehn Kessel be¬ 
aufsichtigen, da auch die Speisung vielfach automa¬ 
tisch geschieht, so daß nur noch die Kohlenzuführung 
zu regulieren ist. In der Anstalt dienen vier Kessel 
zum Heizen, drei zur Krafterzeugung. Beim Maximal¬ 
bedarf sind jedoch nur drei bzw. zwei im Betriebe, 
je einer steht zur ständigen Reserve. An Dampf¬ 
maschinen sind vorhanden: Zwei Tandem-Corbiß- 
maschinen von je 450 P. S. und zwei Schieber-Ver¬ 
bundmaschinen von je 180P.S. DiegroßenMaschinen 
erzeugen maximal je 1300 Ampere (bei 220 Volt), die 
kleineren je 550 Ampere. Der Maximalkraftbedarf 
ist 1800 Ampere, der mittlere 1500 Ampere, so daß 
eine überaus reichlich zu nennende Reserve vor¬ 
handen ist. Alle Reparaturen im Betriebe werden 
durch eigne Hauswerkstätten ausgeführt, in denen 
20 Schlosser, 12 Tischler sowie 15 Arbeiter für 
Draht- und Rohrleitungen beschäftigt sind, eine Zahl, 
die auf eine nicht allzu große Höhe der Reparaturen 
schließen läßt. Als Maßstab für die Wirtschaftlich¬ 
keitdesinstitutes sei erwähnt, daß die Herstellungs¬ 
kosten eines Scheines 16 Pf., die Generalkosten, d. h. 


der auf die wirklich aus nachgewiesenen Löhnen und 
Materialien entstandenen Herstellungskosten zu ge¬ 
bende Zuschlag für unproduktive Löhne,Beleuchtung, 
Beheizung usw., 12 % betragen. Auf die Buch¬ 
führung des Instituts einzugehen, gestattete mir 
leider die Zeit nicht, auch wollte ich die Zeit des 
Direktor Sullivan, der mir alle gewünschten Aus¬ 
künfte in liebenswürdigster Weise persönlich gab, 
nicht allzusehr in Anspruch nehmen. Die Anstalt 
beschäftigt zurzeit 2000 weibliche und 1700 männ¬ 
liche Angestellte. Ihre Organisation ist die denkbar 
einfachste: dem Direktor, dem ein Bureau zur Seite 
steht, sind unmittelbar die einzelnen Werkstätten¬ 
vorsteher mit ihren Betrieben unterstellt. Die Pro¬ 
duktion des Institutes stellte sich im Jahre 1907 
wie folgt: 

Banknoten für die Vereinigten 
Staaten, Zertifikate, Wertpapiere 

usw., rund. 250 Millionen Blatt 

Wertzeichen für indirekte Steuern 
(Spiritus, Margarine, Tabak, Al¬ 
kohol, Spielkarten, Bier, Spei¬ 
cherabgaben), rund.75 Millionen Blatt 

Zollmarken, rund.0,5 Millionen Blatt 

Postmarken, rund.70 Millionen Blatt 

Verschied. Wertpapiere, Schecks, 

Zeichnungen, Entwürfe, rund 200 Millionen Blatt 
Vergleichweise seien hier auch die entsprechen¬ 
den Zahlen für die deutsche Reichsdruckerei gegeben 


(für das Jahr 1906) 

Reichskassenscheine, rund . . . 8 Millionen Blatt 

Reichs-Banknoten, rund .... 9,5 Millionen Blatt 

Sonstige Wertpapiere, rund . . . 14,5 Millionen Blatt 
Versicherungsmarken, rund . . 5 Millionen Blatt 

Zigarettensteuerzeichen, rund . 20 Millionen Blatt 

Andre Wertmarken, rund .... 16,5 Millionen Blatt 
Postfreimarken, rund. 37 Millionen Blatt 


Dazu kommen noch: Gestempelte Postkarten und 
Postanweisungen, rund 532 Millionen Stück, sowie 
Postkarten und Postanweisungen ohne Wert, rund 
210 Millionen Stück, die in Amerika zurzeit noch im 
Privatbetriebe hergestellt werden. 


Das Buchgewerbe in der Münchener Ausstellung 1908. 

Von STEFAN STEINLEIN, München. 



qÜNCHEN 1908 die große Heerschau über 
Münchens Leistungen. Die Ausstellung, die 
1 nichts Fremdes enthält, — es sei denn, daß 
Münchener Arbeit daran Anteil hat. Die Ausstellung 
die alles zeigen will, was München heute schafft. 
Also die städtische Ausstellung im wahrsten Sinne 
des Wortes. . . .“ 

„Noch nie wurde der Versuch gemacht, eine Aus¬ 
stellung so ganz auf die Kunst zu begründen. Nir¬ 


gends als in München konnte der Versuch gemacht 
werden . . .“ 

„In diesem Sinne ist die Kunst dieser Ausstellung 
modern: nicht deshalb, weil sie dem sogenannten 
,modernen Stil* dient, also der Mode von heute.“ 
„Dieser ,moderne* Stil wird auf der Ausstellung 
weniger vertreten sein als auf andern Kunst¬ 
gewerbeausstellungen der letzten Jahre. Dafür 
soll aber alles von der echt modernen Gesinnung 


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der Sachlichkeit, Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit 
zeigen.“ 

„Und auch Gesinnung soll durchgehen bis zu den 
Kleinigkeiten, die scheinbar unwichtig sind, bis zu 
den Aufschriften, die auf irgendeiner Ware ange¬ 
bracht sind.“ 

Diese Sätze sind dem Vorwort zum Amtlichen 
Katalog entnommen, den auf grauem Papier in 
Schwarz und Braun eine Zeichnung Adolf Münzers 
ziert. Auf der Rückseite steht eine Anzeige einer 
Straubinger Buch- und Kunstdruckerei. 

Schlagen wir den Katalog vorn auf, so finden wir 
ein Porträt des Regenten von Bayern in Feder¬ 
zeichnung Adolf Münzers und den Titel. Das nächste 
Blatt gewendet bringt die erste Anzeige. „Rietzschel 

Auto-Clack.“ Nun?-Man läßt die Seiten durch 

die Finger gleiten bis dahin, wo die Anzeigen be¬ 
ginnen, die allein einhundertfünfunddreißig Seiten 
einnehmen. Die erste Anzeige taucht auf. Nun? — 

Ich blättere weiter. Endlich. Seite 33. Eine gute 
Seite. „SteingräberFlügel, Pianos.“ Weiter. Seite37. 
Anton Pössenbacher. Wieder blättere ich, bleibe 
stehen bei Seite 41. Valentin Witt, K. B. Hofmöbel¬ 
fabrik. Weiter. Seite 55. Ludwig Rosentals Anti¬ 
quariat, ein Ruhepunkt. Ohh! Seite 96. Man muß 
sich wundern, wahrhaftig wundern! Seite 103 halt. 
Nein, es ist Täuschung. Weiter. Auf 105 wieder ein 
kleines Fettauge. Seite 108? Seite 124 und 125 
folgen zwei Anzeigen der Ateliers und Werkstätten 
für angewandte Kunst. Damit ist’s getan. Soviel Aus¬ 
beute auf 135 Seiten? Nein nicht viel mehr bei nur 
oberflächlichem Ernst. 

Im Vorwort stand, bis zu den Kleinigkeiten, die 
scheinbar unwichtig sind, bis zu den Aufschriften, 
die auf irgendeiner Ware angebracht sind, alles auf 
Kunst begründet? — 

Es ist zu merkwürdig. Es muß entsetzlich schwie¬ 
rig sein, einen Anzeigenteil künstlerisch zu bändigen. 

Ja und das noch! An große Worte sind wir so ge¬ 
wöhnt, jede Sekunde brauchen wir sie, zu oft eigent¬ 
lich, an wirklichen Festtagen mangelt ihnen dann jede 
Resonanz, wir dürften auch da mehr Kunst üben, 
sachlicher sein. 

Aber ich lebe so lange hier, bin wie zu Hause und 
weiß ja, daß da drinnen in den Räumen alles ganz 
anders ist, und so stecke ich den Katalog ein und 
gehe beruhigt in die Halle III. Zuerst einmal durch, 
um der Übersicht willen. Wenn man der Längsachse 
nach durch die Halle geht, gleichviel von welchem 
der Eingänge her, immer stößt man in der Mitte auf 
eine Art befestigter Stätte. Außen herum Repro¬ 
duktionen, schwarz und farbig, Photographien, Metall¬ 
platten, an den Wänden Drei- und Vierfarbendrucke. 
Hinter der hohen Umwallung stehen Maschinen. 
Dieser Raum ist ein natürliches Zentrum der ganzen 
graphischen Abteilung. Hier hat Dr. E. Albert in 

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Firma Dr. E . Albert & Co. in München ausgestellt. 
Es ist schade, daß es nicht zur Ausführung kam: 
Dr. Albert wollte hier während der Dauer der Aus¬ 
stellung arbeiten lassen. Wenn man lange in einem 
der Räume sich aufhält, in dem die Stufengänge 
der verschiedenen Ätzverfahren, Reproduktionstech¬ 
niken, Drei- und Vierfarbendrucke ausgelegt sind, 
sieht man immer wieder Leute, die sich bemühen, 
die Vorgänge zu erkennen; es hätten hier viele Ein¬ 
sicht gewonnen in jene Prozeduren, die den Laien 
wohl immer wieder anziehen aber rätselhaft bleiben 
wie die Schöpfung am ersten Tage. Dr. E. Albert 
hat eine kleine aber umfassende historische Aus¬ 
stellung dessen gegeben, womit er sich seit den 
Jahren 1883 unermüdlich theoretisch und praktisch 
beschäfttigt hat. Unverdrossen, zäh auf Verbesse¬ 
rungen, Vereinfachungen bedacht, hat er sich in den 
letzten Jahrzehnten eine Reihe von Erfolgen abge¬ 
rungen, die, in der Fachwelt genugsam bekannt, hier 
nur flüchtig notiert werden sollen, da eine der näch¬ 
sten Nummern des Archiv eine besondere Abhand¬ 
lung speziell über sein neues weittragendes photo- 
lithographisches Verfahren bringen wird. 

Vor einigen Wochen hielt Josef Rittervon Schmädel 
in dem neuen, überaus glücklich angelegten Museum 
für Wissenschaft und Technik einen Vortrag über 
die ersten Meisenbachschen Versuche mit Strich- 
und Netzätzung der achtziger Jahre des vergangenen 
Jahrhunderts. Daran mußte ich hier denken und wie 
selbstverständlich wir Menschen heute alles finden 
und wie wenig uns im Grunde überraschend kommt, 
man kann das hören, wenn man sich eine Zeitlang 
in dem neben der Albertschen Halle gelegenen 
Raume der Firma Hamböck aufhält und das Publikum 
Äußerungen über die nach dem Lumifcreschen Ver¬ 
fahren hergestellten Photographien in natürlichen 
Farben und danach aufgenommenen Farbenplatten 
für die Buchdruckpresse machen hört. Ab und zu 
wohl gelinde Überraschung, aber im Grunde genom¬ 
men ist alles doch so „selbstverständlich“. 

Ich besitze noch einen ersten illustrierten Kunst¬ 
ausstellungskatalog aus den achtziger Jahren, in dem 
die ersten Meisenbachschen Strichätzungen nach 
Originalfederzeichnungen Münchener Künstler er¬ 
schienen. Noch sind mir auch jene speckigen öldruck- 
artigen farbigen Kunstdruckbeilagen in gutem Ge¬ 
dächtnis, wie sie als Monatsbeilagen der „Guten 
Stunde“ der „Gartenlaube“ beigegeben waren. Halb 
photomechanisch hergestellt, mit gröblichen manuel¬ 
len Eingriffen mehr verunstaltet als in der Wirkung 
gehoben. Das alles sind Dinge, die der Entwicklung 
angehören und längst vergessen sind. Dann kamen 
Autotypien. Grobrastrig, flach, ohne reiche Mittel¬ 
töne, mit primitiven Zurichtungen auf kalandertem 
Papier gedruckt. Heute liegt ganz anspruchslos in 
der Bruckmannschen Abteilung ein apart ausge- 


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stattetes Büchelchen, in dem fast alle Reproduktions¬ 
techniken durcheinander ohne Schwierigkeiten ange¬ 
wendet wurden. 

„Die Mode im 19. Jahrhundert“ betitelt, finden 
sich darin einfache Autotypien, Duplexautos, Licht¬ 
druck handkoloriert und Vierfarbendrucke. Alles 
elegant und zierlich nach alten Modekupfern, die zu 
ihrer Zeit alle mit der Hand vorschabloniert und 
koloriert waren. 

Das gefürchtete Wort „Moirö“, beim Zusammen¬ 
druck von mehreren Platten auftretend, ist aus dem 
Wortschatz der Chemiegraphie längst verschwunden. 
Formate schrecken niemand mehr. Bei Dr. E. Albert 
hängen Auflagendrucke in vier Farben, neunmal das 
gleiche Galvano, irgendwo das Originalklischee da¬ 
zwischen ohne herauszufallen. Die Matrizen dieser 
Galvanos werden durch sukzessiven Teildruck unter 
gleichzeitig automatisch funktionierendem Neben¬ 
druck vollkommen kalt geprägt, so daß genaues 
Register für die Teilplatten des Farbendruckes voll¬ 
kommen sichergestellt ist. Mit der Herstellung eines 
Galvanos nach dieser Methode kann in einem tech¬ 
nischen Vorgang ein Reliefklischee erzeugt werden. 
Zurichtungen werden auch sonst mechanisch erzeugt, 
von den hier in München entstandenen, auf der 
Ausstellung erzeugten Verfahren sei nur außer 
der bekannten Dr. Albertschen Reliefzurichtung 
die mechanische Kreidereliefzurichtung von Lankes 
& Schwärzier erwähnt. 

Auch die mechanischen Hilfsmittel beim Ätzen 
sind durch Dr. E. Albert bedeutend verbessert worden; 
seinein der Ausstellung betriebsfähig stehenden „Ätz¬ 
striegel“ sind den Levyschen und den Axel-Holm- 
strömschen Ätzmaschinen gegenüber im Prinzip und 
sicheren Funktionswert wohl ein endgültiges Resul¬ 
tat: ohne Tiefätzung, ohne Effektätzung lieferten sie 
in kürzester Zeit, durchschnittlich eine Minute, vor¬ 
zügliche Ergebnisse. 

Der Eindruck der Drei- und Vierfarbendruck¬ 
erzeugnisse, soviele Firmen auch ausgestellt haben, 
ist im wesentlichen uniform—demokratisiert. 

Schritt für Schritt lassen sich die einzelnen Etappen 
der photomechanischen Prozesse und Prozeduren in 
der kleinen Dr. Albertschen Ausstellung bequem 
verfolgen: Da sind die ersten isochromatischen Auf¬ 
nahmen, mit der Dr. Albertschen Kollodium-Emulsion 
vom Jahre 1883, Heliogravüren von 1886—89, die 
Schackgalerie, das Trübner- und Lenbachwerk. 
Dr. Albert war einer der ersten, der durch fein¬ 
sinnige Farbenwahl des einfarbigen Heliogravüren¬ 
druckes das Wesentlichste der Gesamtstimmung des 
Originals zu erreichen suchte. 

Die tiefe und doch schummerige Mondscheinstim¬ 
mung in Spitzwegs köstlicher Serenade ist durch 
gebrochenes Blau bewahrt, ganz anders in lichterem 
südlich-nächtlichem Blau der Löwenhof der Alham¬ 


bra. Ein sattes Braunoliv gibt dem Schwindschen 
Rübezahl eigenes und doch dem Bild konformes Ge¬ 
präge. Es folgen Dr. Alberts erste Typogravüren für 
die „Kunst für Alle“ aus dem Jahre 1890. Die 
markigen Typogravüren zu dem Franz Stuck-Werk 
von 1891, denen der damalige grobe Raster eine 
charaktervolle Note gibt. Von den Farbendrucken 
der ersten Zeit ist älteren Lesern aus den Schweizer 
Graphischen Mitteilungen wohl noch der Infanterist 
mit den zwei Blumenstöcken von 1892 in Erinnerung. 

Es folgen Drei- und Vierfarbendrucke von 1893 
bis 1898, darunter ein absichtlich buntes Stilleben, 
Naturaufnahme: Farbenteilplatten, Ätzung und Zu¬ 
sammendruck innerhalb eines Arbeitstages erzeugt 
und im Archiv als Beilage erschienen. 

Besonders interessant sind eben jetzt wieder jene 
beiden Photolithographien von 1886 und 1893. Das 
Blättchen von 1886 mit gröberem Raster als das 
später entstandene, Tiere nach einem Zügelschen 
Originale wiedergebend, wirkt merkwürdig licht und 
sonnig trotz unverkennbarer Härte und Leere im 
ganzen. 

Dr. Albert hat sich nun in letzter Zeit dem Pro¬ 
blem der Photolithographie wieder zugewandt und 
dürfte wohl auch damit nun ein bedeutender Fort¬ 
schritt in der farbigen Reproduktionstechnik gewon¬ 
nen sein. Die Versuche sind über die Stadien des 
Experiments hinaus schon weit gediehen und ver¬ 
sprechen der bedrängten lithographischen Technik 
ein wertvolles Mittel im Existenzkampf zu werden 
gegenüber dem sieghaften Vordrängen des farbigen 
Buchdruckes. 

In der Abteilung 245 stehen zwei große litho¬ 
graphische Auflagensteine, ausgestellt von den Char¬ 
lottenburger Farbwerken A.-G. in Charlottenburg. 
Das Publikum sieht meist flüchtig hinein, geht aber 
vorüber, denn an den Steinen ist ja nichts zu sehen. 
Und doch liegt hier ein lange umworbenes Problem 
in der letzten Lösung. Bei genauerer Betrachtung 
findet man, daß der gelbe Stein im Format 125 zu 
185 cm aus acht kleineren Stücken zusammengesetzt 
und die Teile unter Druck zu einem Ganzen zu¬ 
sammengekittet sind. Der kleinere „blaue“ Stein ist 
aus neun Stücken in Reihen zu drei mal drei zu¬ 
sammengefügt. In meiner unmittelbaren Nähe habe 
ich von Anbeginn an diese Erfindung in Jahren heran¬ 
wachsen und bis zu ihrem Abschluß gedeihen sehen. 
Zuerst wurden die Rotationssteine für die Riesen¬ 
felder Tapeten- und Buntpapierfabrik gemacht; heute 
ist die Zusammenfügung so vollkommen, daß an den 
Stellen, wo die einzelnen Teile verbunden sind, die 
künstliche Kittmasse so homogen mit dem natür¬ 
lichen Stein ist, daß sie für den Umdruck nicht das 
geringste Hindernis bietet. Damit ist für die Litho¬ 
graphie ein schwerer Übelstand beseitigt, denn die 
großen Steine in Solnhofen fangen an selten und 


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damit teuer zu werden, ja ohne eine Anzahl kleiner 
Formate werden Auflagensteine schon seit langem 
ungern abgegeben. Mit den aus kleinen Stücken 
zusammengefügten Platten ist damit wieder durch 
menschliche Intelligenz, Zähigkeit und Ausdauer ein 
natürlicher Übelstand in seinen Wirkungen beseitigt. 

Wenden wir uns gleich neben dem Dr. Albert- 
schen Raum nach Nr. 207 zu den Arbeiten der Firma 
BrencTamoiir Simhart & Co. in München. Architekt 
Bieber hat einen schmucken, vornehmen Raum ge¬ 
schaffen, und es mag hier erwähnt werden, daß aller¬ 
dings wohl kaum irgendwo anders mit so wenigen, 
aber um so besser gewählten Arbeiten ein so über¬ 
sichtliches Bild über die Leistungen einzelner Firmen 
auf verflossenen Ausstellungen zustande kam. Überall 
wirkliches Maßhalten,Betonen des Nötigsten, bewahrt 
weise vor Übersättigung wie Übermüdung. Graue 
Wand, dunkelgebeizte schlichte Vitrinen bringen alles 
unaufdringlich zu bester Wirkung. Vor allem fällt 
hier eine sehr gute Reproduktion in vier Farben nach 
dem Stielerschen Original in der neuen Pinakothek 
auf: Goethe. Nach Lenbachschen Bildern: Petten- 
kofer, Wilhelm Busch, der alternde Moltke mit leicht¬ 
gesenktem Kopf ohne Perücke, ein Kinderporträt von 
F. A. Kaulbach, alle im Ton vorzüglich und meist von 
der Dr. Hirthschen „Jugend“ her bekannt. An der 
Schmalwand hängt eine Vergrößerung, Ausschnitt aus 
einem Gemälde von Hans von Bartels; der derbe Raster 
wirkt zu dem breiten Strich des Malers vollkommen, 
ohne die Valeurs zu verderben und ins leere zu fallen. 
Strichätzung und Autotypie sind in Vitrinen nach 
stufenweisen Arbeitsvorgängen instruktiv ausgelegt, 
ebenso Holzschnitte. Eine halbfertig geschnittene 
Platte läßt Einblick in die ganze Herstellungsweise 
gewinnen. In anschaulichster Weise zeigt sich an 
ausgezeichnet zusammengestellten Blättern, was mit 
Strichätzung heute möglich geworden ist. In der Mitte 
ein derbes Blatt des jugendlichen Dürer aus seiner 
wuchtigen Johannesapokalypse, umgeben von Repro¬ 
duktionen nach niederländischen Stichen in weichen 
Tonwirkungen, darunter Wiedergabe in Strichätzung 
von Feder- und Kreidezeichnungen. Die Wahl des 
Papiers und der Farbtönung macht die Täuschung der 
Kopie vollkommen. Vorzüglich tonreiche Duplexauto¬ 
typien großen Formates hängen in nächster Nähe. 
Eine reiche Anzahl von Farbendrucken, darunter Ar¬ 
beiten nach Karl Spitzweg, Thoma, Defregger, Stuck, 
Zumbusch, Zuloaga, Zügel und Leo Putz, Sieck be¬ 
weisen die Leistungsfähigkeit der rührigen Firma. 
Nicht unerwähnt seien die Autotypien in ein bis drei 
Farben in Staubkornmanier für den bekannten Simpli- 
zissimus. In den Vitrinen liegen außerordentlich ge¬ 
schickt in amerikanischer Effektmanier retuschierte 
Photographien nach Maschinen, Maschinenteilen und 
Werkzeugen für industrielle Zwecke und danach her¬ 
gestellte Klischees. 


Meisenbach Riffarth & Co. in München. Raum¬ 
wirkung, dunkelockerfarbiger Ton, Grau und Silber 
läßt die großen Heliogravüren nach Rubens, Franz 
Hals, Albrecht Dürer und feintönige farbige Land¬ 
schaften moderner Maler zu vortrefflicher Wirkung 
gelangen. In den Vitrinen liegen außerordentlich 
schöne Autotypien nach feintönigen, kontrastreichen 
Wopfnerschen Kohlezeichnungen, die alle Reize der 
Originale unbedingt wiedergeben. Technisch korrekte 
Drei- und Vierfarbendrucke, teilweise nach Naturauf¬ 
nahmen, für medizinisch-wissenschaftliche Werke, 
Postkarten und die allen Ausstellungsbesuchern be¬ 
kannten Postkarten: kleine Puttos, Skulptur, Malerei, 
Kunstgewerbe und — Bierbrauerei von Müller-Hoff- 
mann zeigen dieselbe Sorgfalt für den Tagesbedarf. 
Unter den Buchdruckerzeugnissen fällt das zweibän¬ 
dige Werk für den Norddeutschen Lloyd angenehm 
durch gute Satzanordnung und Randbehandlung auf. 
Eine Reihe großer und kleiner Kataloge, darunter ein 
Katalog der bekannten Leipziger Maschinenfabrik 
Karl Krause liegen auf einem Tischchen in der Ecke. 
Auf dem Tisch in der Mitte des Raumes sind einige 
Bände der im Verlage von Alexander Koch in Darm¬ 
stadt erscheinenden Zeitschrift Deutsche Kunst und 
Dekoration zur Schau gebracht, die den größten Teil 
ihrer Klischees von der Firma Meisenbach Riffarth 
& Co. hersteilen läßt. 

Im Raum der F. Bruckmannschen Aktiengesellschaft 
sind alle vornehmen und herkömmlichen Techniken 
moderner Reproduktion beisammen, dem alten Re¬ 
nommee der Firma neue Anerkennung heischend. 
Technisch hervorragend schön ist die Wirkung einer 
in vier Farben hergestellten Autotypie größten For¬ 
mates, ein Porträt des Regenten von Bayern nach 
einem Ölbild Walter Firles. Auch in diesem Raum 
wird dem Laien die Entstehung eines Vierfarbenlicht¬ 
druckes durch aufsteigende Skalenfolge nach einem 
Reznizekschen Original gezeigt. Unter den farbigen 
Lichtdrucken fällt besonders eine sehr schöne Re¬ 
produktion des berühmten Isenheimer Altars von 
Mathias Grünewald auf, dann die tonreichen Gravüren 
und Kupferdrucke, die bekannten unveränderlichen 
Pigmentdrucke und farbigen Lichtdrucke nach alten 
Meistern. In den Vitrinen sind hervorragend schöne 
farbige Lichtdrucke zu den Denkmälern des Alter¬ 
tums, Wiedergabe antiker Wandmalereien, Blätter aus 
Furtwängler und Reicholds Vasenmalerei und einzelne 
Blätter des 2000 Tafeln umfassenden Monumental¬ 
werks „Die Architektur der Renaissance in Toskana“ 
ausgelegt. Postkarten in Lichtdruck, Kupferdruck und 
Mezzotintogravüre. Unter den Verlagswerken sei die 
„Kunst“ erwähnt und HoustonChamberlainsParsival- 
märchen mit der markigen Titelseite und dem schönen 
romanisierenden Initial. Auch diese Firma hat von 
ihren ganz vorzüglichen Erzeugnissen und Verlags¬ 
werken eher zu wenig als zu viel ausgestellt und durch 


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den Architekten Troost einen vornehm-stillen Raum 
schaffen lassen, der ihren Arbeiten zu vorzüglicher 
Folie dient. 

Johann Hamböck , Inhaber Eduard Mühlthaler in 
München. Über den ausgestellten Lumtere-Aufnahmen 
nach Naturmotiven wird in diesem Raum meist das 
viele Tüchtige an Leistung übersehen, was diese An¬ 
stalt bietet und nicht nur von Laien. Zeigen die 
Naturaufnahmen schon in der Wahl der landschaft¬ 
lichen Motive sehr viel Geschmack, so muß noch mehr 
der Reproduktion Lob zufallen: sie haben den Ver¬ 
gleich mit den Originalen nicht zu scheuen. Der be¬ 
kannte Dreifarbendruck: Bismarck nach Lenbach ist 
mit der Skala ausgestellt. Schmutziggelbgrün, Rot 
und Blauschwarz vereinigen sich zu überraschend 
treuer Wirkung des Originals. Eine stattliche Reihe 
farbiger Blätter, ein frappierender Trübner darunter, 
legen Zeugnis ab von der Höhe der Leistung auch 
dieser Anstalt. Nicht weniger interessant sind Farben¬ 
aufnahmen für wissenschaftliche und gewerbliche 
Zwecke, sehr schöne Duplex-Autotypien und Auto¬ 
typien auf Mattkunstdruckpapier von warmtöniger 
tiefer Heliogravürwirkung, Maschinenaufnahmen mit 
geschickter Retusche und Effektätzung, sowie eine 
Reihe von direkten Umdrucken auf Zink, äußerst subtil 
behandelte Übertragungen und Ätzungen nach ver¬ 
schiedensten Techniken, wie: lithographische Strich¬ 
gravur mit und ohne Ätzung, Kupfergravur, Korn¬ 
zeichnung, Radierung (nach Klinger), Kreidelitho¬ 
graphie (Modebild). 

Im Raum 203 stellt die Münchener Graphische Ge¬ 
sellschaft Pick & Co. Gravüren und Kohledrucke aus. 
Der kleine quadratische Raum mit schwarzbraunem 
Sockel,graubespanntem Rupfen, zierlicher achtfüßiger 
Vitrine läßt fast vergessen, daß es sich um Ausstel¬ 
lung von Reproduktionen handelt. Die ausgestellten 
Arbeiten sind sehr schön, in der Vitrine liegen ein 
paar hübsche Drucke, schwarzweiß, Exlibris von 
E. Zimmermann und Proben nach alten Teichdrucken. 

Die bekannte Franz Hanfstängelsche Kunstanstalt 
stellt in zwei einander gegenüberliegenden kleinen 
Räumen aus, die von der K. B. Hofmöbelfabrik 
Pössenbacher auf das glücklichste eingerichtet sind. 
Reproduktionen nach alten und neuen Meistern ge¬ 
trennt. Rote Fließen, eine Nische mit Bank, seitlich 
eine geschnitzte Bank mit hoher Rückwand, ganz still 
und heimelig und drinnen ungefähr vierzig mit Ge¬ 
schmack gerahmte farbige meisterhafte Reproduk¬ 
tionen, eine kleine Galerie in Faksimilelichtdruck, 
Aquarell und Kohle auf Japan, Holländischem Hand¬ 
papier oder dunklem China gedruckt. Hans Holbein, 
Rembrandt, Franz Hals, Peter Paul Rubens, Tizian, 
Velasquez, Vermeer van Delft, Francois Boucher, 
William Dyce, Jean Baptist Greuze, John Hopner, 
Sir Joshua Reynolds und George Romney. Drüben 
die modernen Meister: Feuerbachs Medea, Stucks 


Krieg, Böcklins Flora, Thoma, Lenbachs Herodias, 
Kaulbach, Adrian Stockes. Diese Reproduktionen 
zählen zum Besten was wir besitzen. Von Verlags¬ 
werken der Firma sei die „Kunst unserer Zeit“ ge¬ 
nannt, die mehr Beachtung verdienen würde, als 
manches ähnliche Unternehmen, um ihrer sorgfäl¬ 
tigen Ausstattung willen. 

Die Gesellschaft für christliche Kunst G. m. b. H., 
Kunstverlag stellt außer Drei- und Vierfarbendrucken 
nach alten Meistern und lebenden Künstlern auch 
die großen Originallithographien von Franz Spiegel, 
Mathäus Schiestl und Ludwig Dasio aus und die seit 
1904 erschienenen Bände der „Christlichen Kunst“. 

Mit zäher Beharrlichkeit hat die Firma G. Schuh 
& Co., Vereinigte Kunstanstalten und Druckereien, 
durchgesetzt, daß ein gutes Plakat sich ebenso an den 
Mann bringen läßt wie ein herkömmlich schlechtes. 
Auswärts werden von diesen Plakaten vielleicht noch 
das derbe „Elf Scharfrichter“-Plakat von Bruno Paul 
und das Plakat der Delvard von Heine mit den elf 
Fratzen bekannt sein. Auch über diese Arbeiten wird 
das Archiv einen besondern Artikel mit andern zu¬ 
sammen bringen. Für diese Firma arbeiten eine Reihe 
von Künstlern: Ludwig Hohlwein, Paul Neu, B. Ober¬ 
meier, C. Moos, Nägele und andre. 

Hubert Köhlers Anstalt ist ebenfalls mit vielen 
Künstlern in Verbindung. In dieser Anstalt erschie¬ 
nen die schwarzen und farbigen Steinzeichnungen von 
Paul Hey, Rudolf Sieck, Max Bernuth, Hans Rohm. 
Von Bernuth liegen in einer Mappe technisch interes¬ 
sante Lithographien großen Formates aus. Nur mit der 
spitzen Nadel aus schwarzem Grund geschabte Blätter 
(Biergarten mit Kastanie), Federzeichnung, kombiniert 
mit Nadelarbeit aus gedecktem Grund, reine derbe 
Zeichnung mit Feder, reine Kreidetechnik (Kopf¬ 
studien), Feder, Kreide und Spritztechnik kombiniert 
(Abendlandschaft). 

Im gleichen Raum sind Arbeiten der Firma Karl 
& Weigmann und Spielkarten von F. X. Schmid aus¬ 
gestellt. 

Schöne Proben photomechanischer Reproduktio¬ 
nen, Lithographien und Kunstdrucken nach alten und 
neuen Meistern stellen die Vereinigten Kunstanstalten 

A. -G. München-Kauf beuren aus. Von typographischen 
Arbeiten einiges sehr Gute. 

Im Durchgang hängen Exlibris in großer Zahl von 

B. Wenig , Willy Geiger, Max Unold , Fritz Klee, Walter 
Caspari,Jul. Diez , 0. Kurz, Max Dasio, darunter einige 
in derber Holzschnittmanier von Adelhaide-Göppingen. 

Hans Hammer ist mit feintönigen, flächenhaften 
Originalholzschnitten vertreten. Ganz bescheiden der 
Zahl nach, doch virtuos in der Zeichnung, einige 
Holzschnitte von Oswald Kresse und Heinrich Schlum- 
precht. In einer der kleinen Kojen sind die prämiirten 
und einige nichtausgezeichnete Marken der verflosse¬ 
nen Konkurrenz um ein Postwertzeichen für Bayern 


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Original fro-m 

PRINCETON UNIVERSUM 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


ausgestellt, die ich in einem besondern Artikel noch 
eingehender behandeln werde. Man kann den Lärm 
kaum verstehen, der darüber hin und her gemacht 
worden ist, und im großen ganzen kann sich die alte 
Marke noch so einigermaßen daneben sehen lassen. 

Der alte Fliegende-Blätter-Verlag Braun & Schneider 
stellt Zeichnungen von Harburger, Oberländer, Schlitt¬ 
gen, seine vielen „Humoristika®, Busch, Meggen- 
dorfer, sowie die alten „Münchener Bilderbogen®, 
die „Kostümbilderbogen® und Albums seiner Mit¬ 
arbeiter aus. 

J.F. Schreibers Verlag bringt Handzeichnungen und 
Reproduktionen der Meggendorfer Blätter, Carl Aug. 
Seyfried & Co., Originalzeichnungen und Bände der 
Jugendblätter, Max Kellerers Verlag eine größere 
Anzahl Bücher, hauptsächlich aus dem Gebiet der 
bayrischen Geschichte, Pädagogik und Geographie, 
vieles davon in geschmackvollen modernen Ein¬ 
bänden, und Emst Reinhard populär-naturwissen¬ 
schaftliche Bücher. 

J. J. Lehmann zeigt an einem Schema das An¬ 
wachsen der verdienten Münchener Medizinischen 
Wochenschrift seit 1854. J. Lindauer, vertreten mit 
Alpina, Militaria und Monacensia, und die Riegersche 
Universitätsbuchhandlungybekznnt durch Herausgabe 
geschichtlicher, sprachwissenschaftlicher, medizini¬ 
scher Bücher, folgen in ihrem Geschmack den durch¬ 
schnittlich gegebenen Normen; so auch die Lentner- 
sche Hofbuchhandlung , die in der oberen Reihe ihres 
Kastens noch einige Bände vom Ende des 18. und 
Anfang des 19. Jahrhunderts, darunter ein Buch mit 
dem rot und schwarzen Titel „EydBuch worinnen zu 
finden, was Eyd und Eydschwur seyen®. 

G. H. Beck ist mit einer Reihe großer Werke, da¬ 
runter die stattlichen Bände von Iwan Müllers Hand¬ 
buch der klassischen Altertumskunde und Strack und 
Zocklers Kommentar zur Heiligen Schrift vertreten. 
Sehr geschmackvoll und schlicht sind die grün, blau 
und rot in Halbfranz gebundenen Biographien: Biel- 
schowsky, Goethe, Berger, Schiller, Wolf, Shake¬ 
speare, und das sechsbändige Werk: Blum, Fürst 
Bismarck und seine Zeit. Die bekannten braunen 
Bändchen mit Golddruck: Will Vesper, Statuen 
deutscher Kultur und die Erzählungen: Melchior Mayr, 
Aus dem Rieß, von Fritz Rohm illustriert, sind typo¬ 
graphisch respektable Arbeiten. 

Die Ausstellung des G. Müllerschen Verlags ist 
sehr erfreulich. Man sieht durchaus das strenge 
Bemühen, das Buch vom Kern bis zum Einband ein¬ 
heitlich zu gestalten. Eine ganze Reihe appetitlicher 
Pergamentbände mit dezenter Vergoldung füllen ein 
Regal. Darunter stehen E.T.A.Hoffmanns Werke in 
Halbfranz mit braunem italienischen Marmorpapier 
überzogen. Der rasende Roland des Ariost, über¬ 
setzt von Alfons Kißner, sieht auf den zwei ersten 
Seiten unter Glas sehr gut aus, ebenso Heinrich Bebels 


alte Schwänke in Pergament, Gold und Rot, des 
Straparola ergötzliche Nächte, Pergament und Gold, 
des Petronius Fragmente, Pergament mit dem Titel 
in einer Antiquazeile knapp unterm obern Rand ver¬ 
goldet. Zwei schöne Ausgaben sind die Briefe des 
Abbe Galiani und der Julie v. Lespinasse. Den Reigen 
mögen der göttliche Sauhirte Rabelais mit seinem 
Gargantua und Pantagruel und der nicht minder gött¬ 
liche Otto Julius Bierbaum und sein unglaublich — 
dreibändiger Prinz Kukuk beschließen. 

Hans von Weber, der Kubin edierte, hat einige 
schöne Arbeiten ausgestellt, doch eine sieht merk¬ 
würdig aus: eineUmschlagzeichnung vonTh.Th.Heine, 
schwarzweiß berechnet, in Gold auf hell Pergament 
gedruckt. 

Pipers Verlag stellt aus: die einzelnen Bände „Mo¬ 
derne Illustrationen® von Eßwein, „Die großen Eng¬ 
länder® J. Mayer Gräfes in gelber Schrift unterm 
obern Rand auf Rotleinen, die bekannte Fruchtschale 
und Neuausgaben von Chamfort, Balzac, Dosto- 
jewsky, broschiert, kartoniert und in Leder gebunden. 

Die Verlagsbuchhandlung R. Oldenbourg ist mit 
Zeitschriften und Büchern, darunter die stattliche 
Reihe der rotleinen gebundenen „Süddeutschen Mo¬ 
natshefte® in den Regalen, außerdem im Saale der 
Vereinigten Münchener Buchdruckereibesitzer mit 
Akzidenzen, Drei- und Vierfarbendruckarbeiten und 
geschmackvollen Verlagseinbänden, eine Abteilung 
Halbfranz in Wildleder, aufs beste vertreten. Unter 
den Buchdruckarbeiten sind die eigenen Kalender 
der letzten Jahre, die Bek-Gran für die Firma ent¬ 
worfen hat, ausgestellt, ferner im Buchhändler- und 
Verlegerraum Zeitschriften, „Kunst und Handwerk®, 
und technische Fachblätter und Journale. 

Dr. Wolf & Sohn ist mit ganz hervorragend schönen 
Nachbildungen mittelalterlicher Manuskriptmalereien 
und Lithographien vertreten, Karl Gerber mit der 
schönen Zeno-Diemerschen Reliefkarte vom bayri¬ 
schen Hochland und guten Akzidenzen, die Dr. Wild - 
scfteBuchdruckerei, sowie die Buchdruckerei B.Heller 
mit Wertpapieren und die Buchdruckerei J. B.Graßl 
mit Fahrscheinen und Akzidenzen. Bekanntermaßen 
gute Akzidenzarbeiten der Firma F. X.Seitz , erfreu¬ 
liche Arbeiten der Firmen Ignaz Velisch und Bickels 
Söhne ergänzen das Bild schaffensfroher Betriebe. 

Eine Auswahl der besten Arbeiten der Schrift¬ 
gießerei E. J. Genzsch ist vorn an der Fensterwand 
untergebracht mit all den Erzeugnissen, die jeder 
besseren Firma bekannt sind, und die Farbenfabrik 
Michael Huber in München stellt in einigen Vitrinen 
Rohmaterialien, sowieProben ihrerbestens bekannten 
Farben für Buch- und Steindruck zur Schau. 

Der G. D. W. Callweysche Verlag zeigt seine Er¬ 
zeugnisse in einem für sich abgeschlossenen Raum. 
Der Raum mit Schrank und Vitrinen ist auf Grünweiß 
gestimmt, an den Wänden hängen in kirschroten 

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Original fro-rn 

PRINCETON UNIVERS1TY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Rahmen die Meisterbilder des „Kunstwart“, in den 
Vitrinen die Cissarzbändchen vom „Spielmann“. An 
Zeitschriften liegen auf der „Kunstwart“, „Mappe“, 
„Baumeister“ und „Bautechnische Zeitschrift“. Im 
Schrank stehen schlichte Bände des Kunstwart und 
Karl Hauptmanns Werke. Im ganzen Raum kein Mi߬ 
klang. 

Der Verlag der „, Jugend “ bringt, ebenfalls im 
eigenen Raum, als Schmuck Originale von Erler, 
Georg!, Eichler, Diez, in einem Glasschrank unten 
Hirths Formenschatz und oben die Bände der „Ju¬ 
gend“ seit 1896. 

Auch der Simplizissimus-Verlag, Albert Langen , hat 
seinen eigenen Raum. Alle Vorsatzpapiere, die der 
Verlag zu seinen Büchern verwendet, liegen auf. Die 
Wände sind mit Originalen von Mitarbeitern belebt. 
In einem Schrank stehen die bekannten Erzeugnisse 
des Verlags. 

Übersieht man nochmals alles Gebotene, so muß 
man sich wieder verwundern über die Reserve von 
allen Seiten. Nichts zu viel. Man kommt zu sich, 
übersieht alles, und zum ruhigen Beschauen laden 
überall auf Tischen offenliegende Bände ein. Dies 
Zurückhalten ist schlechthin vorbildlich. 

In der Halle I ist eine Buchbindereiausstellung von 
Meistern der Innung. Es ist mir nicht möglich die 
einzelnen Namen zu nennen: ich kann nur bestätigen, 
daß der Stand der Dinge in dieser Abteilung beweist, 
daß die Handwerksmeister durchaus Tüchtiges ohne 
Ausnahme leisten. Es ist bedauerlich, daß der Raum 
so ungünstig für einen Teil der schönen, handwerk¬ 
lich erfreulichen Arbeiten ist. 

Wenn wir die älteste Melodie an allen Ecken pfeifen 
hören,so wird sie uns gewiß widerwärtig; wir möchten 
uns am liebsten die Ohren verstopfen um nichts mehr 
zu hören. So geht es auch Begriffen und einzelnen 
Worten, die, zu oft gebraucht, jeden Inhalt verlieren, 
ja zum Widerspruch aufreizen, wenn man sie hört. 
München die erste Kunststadt Deutschlands. Wird 
es zu einseitig lokalpatriotisch betont, so sträubt sich 
besseres Wissen dagegen, weil auch anderwärts ge¬ 
staltet und gearbeitet wird, und es empfindet den 
Ausspruch einseitig, unwahr. Und doch! — Sehen 
wir einmal zu. Hat München wirklich Tradition ge¬ 
schaffen? — Hat man hier mehr Anspruch als ander¬ 
wärts auf Leistungen zu pochen?— Sieht man schärfer 
zu, so finden sich doch Anhaltspunkte, diese An¬ 
schauung nicht ganz abzulehnen. Da ist die Litho¬ 
graphie! Senefelder lebte hier und wenn ihm auch 
seinerzeit die Akademie der Kgl. Bayrischen Wissen¬ 
schaften für die ersten Proben seiner Erfindung 
ausgerechnet seine Barauslagen bezahlte, als er 
diesem Institut seine Blätter vorlegte, so entstand 
doch bald Segen aus seiner Arbeit. Noch vor einigen 
Jahren druckten die Nachfolger der alten Firma Piloty 
& LÖhle, die als Firma noch besteht, von den Original¬ 


steinen der großen lithographierten Pinakothek¬ 
werke. Es waren dies technisch vollendete Litho¬ 
graphien im damaligen Kreidecharakter, nach den 
Originalen beider Sammlungen. Der junge Piloty 
schuf manches Blatt dafür und eine Reihe andrer 
später zu gutem Klang gelangter Namen als junge 
Künstler gleichfalls. Die Firma Dr. Wolf & Sohn be- 
sitztheute noch äußerst lebendige,technisch vollendete 
Lithographien des verstorbenen Malers Diez, die er 
als junger Akademiker für die Firma auf Stein ge¬ 
zeichnet hat. Was den Holzschnitt betrifft, so läßt 
sich bis zu seiner höchsten Vollendung als Faksimile¬ 
schnitt — man erinnere sich nur an die Holzschnitt¬ 
wiedergabe von Zeichnungen des jüngst verstorbenen 
Malers Harburger in den Bänden der Fliegenden 
Blätter von Braun & Schneider— seine gesamte Ent¬ 
wicklung aus den einfachsten Anfängen verfolgen. 
Die Arbeit von Generationen hat diese Höhe ge¬ 
schaffen und nicht zuletzt der Wunsch und Wille der 
Verleger, die immer nach dem Besten trachteten in 
technischer Wiedergabe, angespornt durch die Künst¬ 
ler, die sie zur Mitarbeit nie missen wollten und die 
aus Münchens Schulen und der Akademie immer von 
neuem wieder heranwuchsen. Es ist längst vergessen, 
daß die besten Namen: Schwind, Diez und andre, Mit¬ 
arbeiter dieser Zeitschrift gewesen sind. Vor kurzem 
sah ich in einem alten Band der Gartenlaube einen 
Holzschnitt nach Kaulbach, von Adolf Neumann ge¬ 
schnitten nach der ersten, von Hanfstängel auf den 
Holzstock übertragenen Photographie. Die Firma 
Hanfstängel ist ebenso eng mit allen Stadien der Ent¬ 
wicklung der Photographie und aus ihr herausge¬ 
wachsenen Verfahren verknüpft wie in seiner Weise 
der Name Albert. Dr. Alberts Vater beschäftigte sich 
mit dem Problem des farbigen Lichtdrucks und nicht 
nur damit, sein Sohn wuchs in der Atmosphäre des 
Suchens, Findens und Experimentierens auf und so 
könnte man im einzelnen aufzeigen, wie alles fleißige 
Bestreben langsam Folge gewann. Eben greife ich 
aus meinen Büchern ein dreißig Seiten langes Schrift- 
chen heraus, Pergamentpapierumschlag mit dem Titel 
in markigem Rot- und Schwarzdruck „Das Buch als 
Gegenstand des Kunstgewerbes“, Vortrag gehalten 
im Kunstgewerbeverein von Dr. Max Huttier am 
6. Dezember 1881.— Ich besitze noch ein Exemplar 
eines heute durch merkwürdige Umstände zur Inku¬ 
nabel gewordene großen Missale Romanum Huttiers 
und eine Ausgabe seines, den alten Livres d’heures 
nachgebildeten Gebetbuches Die Himmelsstraß vom 
Jahr 1886 in schönem Rot und Schwarz, mit Zeich¬ 
nungen und Randleisten Steinleins und Kleins ge¬ 
schmückt und der edlen Fust-Schöfferschen Psalter¬ 
type von 1457 gedruckt. Damit beginnt eine Wand¬ 
lung im neueren Buchdruck und zwar durch die Tat, 
nicht nur theoretisierend und kritisch. Mag es ver¬ 
gessen sein, im Grunde stehen wir doch auf den 


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PRINCETON UNIVERSITY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Schultern dieser Leute, die zum guten Teil wie Huttier 
ganz besonders im besten Sinne Philanthropen waren. 
Das schöne MissaleRomanum Huttiers wurde — ver¬ 
ramscht, und ist heute selten geworden. Ich kann 
mir nicht versagen, aus dem Vortrag Huttiers ein paar 
Sätze zu geben, sie haben noch immer Wert. Zuvor 
bedankte sich Huttier bei Dr. Georg Hirth für die 
Herausgabe der beiden Prachtbände mit Nachbil¬ 
dungen alter Bücherornamentik, die Fideles Butsch 
zusammengestellt hatte,die es,wie er sagt, nunMeister, 
Gesellen und Lehrling möglich machen, Auge, Sinn 
und Hand für das Schöne zu bilden und zu üben und 
fährt dann fort: »Nur vordem einen, glaube ich, müsse 
bei dem Studium der Werke unserer Väter eindring¬ 
lichst gewarnt werden, nämlich der Verlockung ener¬ 
gischen Widerstand zu leisten, welche die Leichtigkeit 
und Billigkeit der heutigen vervielfältigenden Metho¬ 
den darbietet, in Bausch und Bogen und unterschied¬ 
los lediglich das Alte zu kopieren, um es für den 
heutigen Bedarf wieder verwenden zu wollen. Das 
Alte soll studiert werden, in unser Fleisch und Blut 
übergehen, aber für die Bedürfnisse der Neuzeit in 
neuer Form nur dem Geiste, nicht dem Buchstaben 
nach angewendet werden. Die zweite große Lehre 
für unsere modernen Kunstbuchdrucker, welche ihnen 
die Geschichte erteilt, ist die, daß sie mit der eigent¬ 
lichen Kunst und wahren echten Künstlern wieder 
Hand in Hand zu gehen suchen. Das Renommee 
allein macht freilich nicht immer den richtigen Künst¬ 
ler und es gehört feiner Kunstsinn und feines Kunst¬ 
gefühl dazu, vielleicht die jüngere vorzügliche Kraft 
zu entdecken und ihr zum Renommee zu verhelfen; 
wer aber im Kunstbücherdruck etwas Hervorragen¬ 
des und dauernd Wertvolles leisten will, der wird 
mit dem Grundsatz ,Billig und schlecht* radikal 
brechen müssen, während hingegen gerade das Beste 
an künstlerischer Leistung erst recht gut genug auch 
für den Kunstbuchdruck ist. Ebenso darf es wohl 
auch von den Herren Künstlern erwartet werden, daß 
sie es nicht unter ihrer Würde halten, dem Kunstge¬ 
werbe ihre Hand zu reichen. Der Buchdrucker soll 
den Künstler zum Freund haben, mit dem er seine 
projektierten Schöpfungen nach allen Richtungen 
hin berät und bespricht, um das richtige ästhetische 
Verhältnis von Schrift und Ornament wie Bild zur 
Geltung zu bringen, und ein organisches, in allen 
seinen Teilen wohl zusammenstimmendes Ganzes 
zutage zu fördern, aber auch der Künstler kann 
in diesen Parergis seinem künstlerischen Triebe 
ein Genüge leisten und wird dabei seinen Ruhm so 


wenig schädigen als die Dürer, Holbein, Cranach 
durch ihre Arbeiten für den Buchdrucker und Buch¬ 
binder.“ — 

Georg Hirth hat allein durch seine »Jugend“ vielen 
Künstlern den Weg ins Leben gebahnt. Das dürfen 
wir nicht vergessen. Vielleicht stünde die Herstel¬ 
lung farbiger Blätter nicht auf der heutigen Höhe 
ohne diese Verlegertat, die lange genug nur Opfer 
gekostet hat und vielen heutigen Namen über harte 
Jahre weghalf. Wenn heute der Künstler und der 
Verleger wieder eins geworden sind, so müssen wir 
bei einem letzten Überblick über das heute Geleistete 
allen denen Dank sagen, die von unten herauf die 
Fundamente zur Gesundung legen halfen. Bald hätte 
ich eines Mannes vergessen, der mit der Entwicklung 
nicht nur des Münchener Buchdruckes eng verknüpft 
ist: Otto Hupp. Im Kabinett 51 der Halle I sind seine 
besten Arbeiten: Schriften, Ornamente, Vorsatz¬ 
papiere und Zeichnungen zu finden, die jedem Buch¬ 
drucker zu wohlbekannt sind, um Worte zu verlieren. 
Mögen Otto Hupps Arbeiten hypermodernen An¬ 
sprüchen erscheinen wie sie wollen, er hat doch die 
schönste Gebrauchsantiquaschrift, eine gute Fraktur 
und Schwabachertypen geschaffen, seine Schriften 
leben noch und haben allerlei Moden überstanden, 
auch die Eckmannsche, die Behrenssche trotz allem, 
und seine Arbeiten haben immer eins gehabt: Mark 
und Kraft, kurz Charakter und Tradition im besten 
Sinne. 

München hat sich auf dieser Ausstellung nicht 
übernommen, sämtliche genannte Firmen hätten es 
leicht vermocht, weit mehr auszustellen, aber gerade 
diese weise Mäßigung ist vorbildlich. Auch das soll 
nicht vergessen werden: alle Räume laden durch das 
Heranziehen künstlerischer Kräfte zum Verweilen, 
sie haben nicht das Nüchterne, Abwehrende leerer 
Kojen, durch die man pflichtschuldig sich stumpf 
und müde steht und wandert, überall laden bequeme 
Stühle, mit Arbeiten belegte Tische zum Verweilen, 
zwingen zur Sammlung. Man findet innerhalb der 
Ausstellung schon Ruhe genug, Eindrücke ernsthaft 
zu verarbeiten. Die Traditionen, die zwei Gene¬ 
rationen geschaffen haben, sind bis zur Stunde wirk¬ 
sam geblieben, jedem Graphiker und Buchgewerbler 
wird die Ausstellung fruchtbare Anregungen nach 
allen Seiten geben, er wird finden, daß ruhige, stätige 
Arbeit überall am Werk geblieben ist — von allem 
Guten, das angebahnt wurde, nichts aufzugeben, 
sondern weiterstrebend auf sicheren Fundamenten 
für die Zukunft das Ihre zu tun. 


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-- ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE =.... 

Eine graphische Skizze von der Hessischen Landesausstellung 
ftir freie und angewandte Kunst in Darmstadt. 

Von EUGEN KOLLECKER, Würzburg. 


INE Landesausstellung für freie und ange¬ 
wandte Kunst, das heißt für alles, was Kunst 
bedeutet oder mit ihr in Zusammenhang ge¬ 
bracht werden kann, ist auf jeden Fall geeignet, auch 
das Interesse des Buchdruckers als Angehörigen 
eines Kunstgewerbes zu erregen. Er darf aber nicht 
hingehen mit den Augen eines Wissenden, der alles zu 
kennen glaubt und nur eine Bestätigung seiner An¬ 
sichten holen will, sondern er wird sich die Gedanken 
eines Suchenden aneignen müssen, der an den aus¬ 
gestellten Werken seine Empfindungen zu stärken 
und Anregung zum weiteren Streben nach Vollkom¬ 
menheit zu finden wünscht. Wer in letztgenannter 
Weise sich vorbereitet hat und dann der Hessischen 
Landesausstellung einen Besuch abstattet, der findet 
einen Quell der Erkenntnis in ihr, wie er ihn nicht 
so leicht erwartet hat. Jedes nähere Eingehen auf 
die Ausstellung, so dankbar es auch in verschiedener 
Hinsicht wäre, muß ich mir an dieser Stelle er¬ 
lassen. Ich habe deshalb absichtlich meine Aus¬ 
führungen nur als eine graphische Skizze bezeichnet, 
weil ich in flüchtigen Strichen das für einen Buch¬ 
drucker Interessanteste der genannten Ausstellung 
mitteilen will. 

Vor allen Dingen möchte ich da die grundsätz¬ 
liche Eigenschaft der Hessischen Landesausstel¬ 
lung, eine moderne zu sein, hervorheben. Was ist 
die Moderne? Ein Begleiter von mir antwortete: 
Die Gegenwart! Das ist ein passendes Wort für 
die Ausstellung, sie gibt uns für einen geschlos¬ 
senen Landesbezirk ein Bild des gegenwärtigen 
Lebens und Strebens in Kunst und Kunstgewerbe. 
Wandern wir durch das sinnvolle Eingangstor im 
Schatten des Platanenhains nach der großzügig 
gehaltenen Terrasse, besteigen wir den Hochzeits¬ 
turm und pilgern wir weiter durch die zahlreichen 
Räume der Gebäude für freie und für angewandte 
Kunst, so gewinnen wir allüberall den Eindruck, 
daß auch die Moderne in unser praktisches Leben 
immer tiefer eindringt und selbst den schläfrigsten 
Menschen zwingt, sich auf die Gegenwart zu be¬ 
sinnen und seine Ansichten zu ändern. Werfen wir 
dann einen Blick in die Villen, die von der Diele bis 
zur Kammer Stil- und zweckgemäß ausgestattet sind, 
oder beobachten wir in den Ein- und Zweifamilien- 
Arbeiterhäusern, in welcher Weise die Moderne dem 
Volke Anregung und Verständnis für Lebenskultur 
bringt, dann müssen wir uns sagen, die Moderne hat 
ihre Berechtigung und ihren Zweck. Es wird sich dem 
interessierten Fachmanne aber ferner die Überzeu¬ 
gung aufdrängen, daß die Moderne wert ist, auch dem 


Buchdrucker in gleicher Weise wie andern Kunst¬ 
gewerben eine Stufe auf der Bahn der Zeit zu 
sein, für deren möglichsten Ausbau er nach Kräften 
Sorge zu tragen hat, damit die Nachwelt in der 
Moderne ebenso eine Epoche der Geschmacks¬ 
entwicklung erkennt, wie wir in den Stilen der Ver¬ 
gangenheit. 

Die Hessische Landesausstellung liefert des wei¬ 
teren den Beweis der Variationsfähigkeit inner¬ 
halb des modernen Stils, sie zeigt uns, wie gerade 
das Wesen der Moderne eine Freiheit in der Aus¬ 
wahl der Mittel zum Zweck gestattet, die dem Buch¬ 
drucker in seiner Praxis nur wünschenswert sein 
kann. Die Farben- und Formenharmonie ist oftmals 
vortrefflich gelöst. Wir sehen aber auch, daß nicht 
allein das starre Prinzip, wie es manchmal als eigen¬ 
tümliches Wesen der Moderne hingestellt wird, in 
Wirklichkeit regiert, und wir fühlen, daß die Moderne 
sich auf dem Wege der Reinigung von den Schlacken 
der Entwicklung befindet. 

Einen geschlossenen, neuartigen Eindruck erhält 
man von der typographischen Ausstellung, mit der 
das Buchgewerbe vertreten ist. Beteiligt haben sich, 
teilweise in recht umfangreicher Weise, die Firmen: 
Brühlsche Universitäts-Buch- und Steindruckerei, 
R. Lange, Gießen; Wilh.Gerstung, Graphische Kunst¬ 
druckerei, Offenbach a. M.; Joh. Conr. Herbertsche 
Hofbuchdruckerei Nachfolger Dr. Adolf Koch, Darm¬ 
stadt; H. Hohmann, Hof-, Buch- und Steindruckerei, 
Darmstadt ;L.C.Wittichsche Hofbuchdruckerei,Darm¬ 
stadt; Jos. Scholz, Mainz; Architekt Dr. Anheißer, 
Darmstadt; Rudolf Koch, Offenbach a. M.; von Mün- 
chowsche Hof- und Universitätsdruckerei, O. Kindt, 
Gießen; FriedrichSchoembs, Offenbacha.M.; August 
Ziegler, Offenbach a. M. Während die vorgenannten 
Aussteller in Raum 24 vereinigt sind, finden wir in 
Raum 25 typographische Erzeugnisse der Hofbuch¬ 
druckerei Ph. von Zabern in Mainz und der Kunst¬ 
druckerei W. Gerstung in Offenbach a. M. In Raum 27 
hat die Schriftgießerei Gebr. Klingspor in Offenbach 
a. M. eine vorzüglich zusammengestellte Ausstellung 
ihrer Erzeugnisse angeordnet. Ohne Zweifel übt die 
typographische Ausstellung 1 einen erzieherischen 
Einfluß auf den Geschmack des die Räume durch¬ 
flutenden Menschenstromes aus, wenngleich noch 
viel Zeit vergehen wird, bis das mangelhafte Ver¬ 
ständnis der großen Masse für den Wert guter Druck- 

1 Wir werden im nächsten Hefte über die ganz vortreff¬ 
liche buchgewerbliche Gruppe des Hessenlandes noch 
eine Würdigung veröffentlichen, die auch auf Einzelheiten 
eingehen wird. Die Schriftleitung. 



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PRINCETON UNIVERS1TY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Sachen auf die wünschenswerte Höhe gebracht ist. 
Trotzdem kann nicht geleugnet werden, daß wir schon 
erhebliche Fortschritte in dieser Beziehung gemacht 
haben. 

Ein gutes Zeichen hierfür sind die Geschäftskarten 
der Aussteller, die mir Veranlassung gaben, dem 
Ersuchen „Bitte mitzunehmen“ Folge zu leisten und 
mir eine Sammlung davon zusammenzustellen. Hier 
kann nicht von einem Niedergang des Geschmacks 
geredet werden, wie es kürzlich bei Besprechung 
einer Sammlung von Meßkarten in der Leipziger 
Typographischen Gesellschaft geschah. Mögen die 
Karten der Aussteller auch unter dem Einfluß des 
Ausstellungscharakters hergestellt sein, jedenfalls 
beeinträchtigt das in keiner Weise ihren Wert als 
Erzeugnisse der täglichen Arbeit, die aus dem Zu¬ 
sammenwirken von Buchdrucker und Besteller ent¬ 
standen sind. Kein überflüssiger, protzenhafter Prunk, 
kein Suchen nach künstlichen unkünstlerischen Wir¬ 
kungen, sondern vornehme und reelle Geschäftsemp¬ 
fehlung, dabei aber vom technischen wie ästhetischen 
Standpunkt aus lobenswert. Die Geschäftskarten der 
Aussteller auf der Hessischen Landesausstellung 
können deshalb auch als gute Gegenstände der an¬ 
gewandten Kunst bezeichnet werden, die ob ihres 
Verständnisses für unsre Bestrebungen eine aner¬ 
kennende Erwähnung verdienen. 

Das Interesse des Fachmannes wird aber in ver¬ 
stärktem Maße durch die offiziellen Ausstellungs¬ 
drucksachen erregt werden und darum möchte ich 
den von der L. C. Wittichschen Hofbuchdruckerei in 
Darmstadt ausgeführten Katalog, der jedem Ausstel¬ 
lungsbesucher in die Hände kommt, nicht unerwähnt 
lassen, zumal er diese Erwähnung aus mehrfachen 
Gründen verdient. Wir finden in dem Katalog ein 
Erzeugnis, das sich ohne Scheu auf einer derartigen 
Ausstellung für angewandte Kunst sehen lassen kann. 

Im handlichen Formate die bewährten Gesetze des 
goldenen Schnitts einhaltend, läßt das Buch in seiner 
ganzen Ausführung das Bestreben erkennen, das 
gute Alte in Treue zu halten und vom kräftigen Neuen 
nach Möglichkeit das Beste und Abgeklärte zu ver¬ 
wenden. Der graubraune Umschlag zeigt als Titel¬ 
schmuck eine Zeichnung von Professor F. W. Kleu- 
kens, die in entsprechend vergrößertem Maßstabe 
als Ausstellungsplakat auch weiterhin bekannt ge¬ 
worden ist. Weiß, Schwarz und Gold, die in Ver¬ 
bindung mit der Umschlagfarbe in harmonischer 
Weise zur farbigen Gestaltung herangezogen worden 
sind,geben dem Buche ein seinem Innern entsprechen¬ 
des Festgewand. Die Textseiten zeigen durchweg 
das bewußte und mit künstlerischem Verständnis 
verbundene Streben nach geschlossener Flächen¬ 
wirkung, sei es im glatten oder im Reihensatz. Der 
Stärke des Schriftbildes entsprechend werden die 
Seiten von fettenPunktlinien begrenzt,die auch sonst 

381 


zur Erreichung eines geschlossenen Satzbildes mit 
Geschick herangezogen werden, z. B. bei dem In¬ 
haltsverzeichnis und den Seiten 17 bis 28. Was dem 
Fachmanne auffallen wird, ist das Fehlen jedweder 
Schlußstücke. Die Spitzkolumnen haben weiter keinen 
Abschluß als die jede Seite in gleichgroßem Maßstabe 
umrahmenden Linien. Ich halte die auf den Spitz¬ 
kolumnen vorhandenen weißen Räume in dieser 
Weise für berechtigt, da es sehr schwierig und nur 
mittels Originalzeichnung möglich gewesen wäre, 
die Schlußstücke mit dem Schriftbilde und dem In¬ 
halt in fehlerlose und gute Übereinstimmung zu 
bringen, ohne die Einheitlichkeit der Ausstattung zu 
stören. Besser aber keine Schlußstücke als solche, 
die aus dem Seitenbilde herausfallen. In der An¬ 
ordnung der dem Text angehängten Autotypie-Illu¬ 
strationen finden wir zwei technisch beachtenswerte 
Punkte. Sehr geschickt sind die das Seitenbild nicht 
ausfüllenden Klischees innerhalb des auch hier aus 
fetten Punktlinien bestehenden Seitenrandes in die 
optische Mitte gestellt. Des weiteren können wir 
feststellen, daß sämtliche quer auf den Seiten unter¬ 
gebrachten Autotypien mit der Unterschrift nach 
rechts gewendet stehen, d. h. die geraden Kolumnen 
zeigen die Unterschrift am Bundsteg. Und dieses 
auch dann, wenn nur die Seite mit der geraden Zahl 
eine quergestellte Autotypie aufweist, die andre aber 
nicht. Bei der hier gegebenen Anordnung der Seiten 
mit quergestellten Illustrationen scheint mir der Ge¬ 
danke maßgebend gewesen zu sein, dem Leser durch 
die einheitliche Drehung des Buches nach links die 
Ruhe im Betrachten der Illustrationen nach Möglich¬ 
keit zu wahren. Deshalb ist es mir jedoch nicht recht 
verständlich, warum bei der letzten Illustration eine 
Ausnahme gemacht wurde. Denn zur Einheitlichkeit 
hätte gehört, daß auch die letzte quergestellte Auto¬ 
typie in gleicher Weise wie die vorhergehenden an¬ 
geordnet worden wäre. 

Die Anzeigenseiten des Kataloges sind Muster¬ 
beispiele von Einheitlichkeit und Flächenkunst im 
Anzeigensatz. Die Übersicht ist tadellos und in feiner 
Weise hat der Setzer auf jede nicht durchaus nötige 
Anbringung von Zeilenfüllern verzichtet. Die Raum¬ 
verteilung, welche peinliche Gewissenhaftigkeit er¬ 
kennen läßt, zeigt von Geschmack und technischem 
Können. 

Sämtliche im Text und in den Anzeigen enthalte¬ 
nen Abbildungen sind in Schwarz-Weiß-Manier aus¬ 
geführt und stehen deshalb mit dem Schriftbilde in 
bestem Einklang, so daß das Buch auch hierin keine 
Schwäche zeigt. 

Die Hessische Landesausstellung für freie und 
angewandte Kunst kann somit zu einem Besuche 
empfohlen werden, denn der Buchdrucker wird auf 
ihr mancherlei Anregungen und Ideen für das prak¬ 
tische Leben heimholen. Leider ist am 9. August 1908 


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der Architekt Professor F. M. Olbrich, der in der 
Darmstädter Künstlerkolonie seinen Wohnsitz hatte 
und sich um das Zustandekommen dieser Hessi¬ 
schen Landesausstellung große Verdienste erwarb, 


plötzlich gestorben. Ein großer Teil der Ausstellurtg 
wurde von ihm angeregt und ausgeführt, weshalb zum 
Schluß dieses Mannes, der auch auf graphischem 
Gebiete hervorgetreten ist, ehrend gedacht sei. 


Drahtheftung. 

Von Dr. C. NÖRRENBERG, Vorstand der Landes- und Stadt-Bibliothek zu Düsseldorf. 


UF der diesjährigen Deutschen Bibliothekar¬ 
versammlung, die in der Pfingstwoche zu 
Eisenach stattfand, bildeten die Verleger - 
einbände einen Gegenstand der Tagesordnung (Zen¬ 
tralblatt für Bibliothekswesen, Jahrgang 1908, Seite 
383 ff.). Schreiber dieser Zeilen gab ein kurzes Referat, 
welches daran anknüpfte, daß schon vor neun Jahren 
auf dem Bibliothekartage in Gotha, 1901 (vergleiche 
Zentralblatt für Bibliothekswesen, Jahrgang 1901, 
Seite 350 ff.) der Direktor der Reichsgerichts-Biblio¬ 
thek Geheimrat K. Schulz darüber in weiterem Zu¬ 
sammenhänge vorgetragen und eine Reihe von For¬ 
derungen aufgestellt hat. 

Ich stellte als Forderung der Bibliotheken hin: 

1. wir wollen nicht gezwungen werden, nur ge¬ 
bunden zu kaufen; wir können verlangen, daß ein 
Teil der Auflage ungebunden bleibt. 

2. wir müssen verlangen, daß auch der übrige Teil 
der Auflage, den der Verleger binden läßt, mit einem 
Einband versehen wird, der für Bibliotheken brauch¬ 
bar wird, sonst ergibt sich der gleiche Mißstand bei 
Erwerbung von geschenkten oder antiquarischen 
Exemplaren. 

Hinsichtlich der Eigenschaften des Verlegerein¬ 
bandes beschränkte ich mich auf zwei Kardinalfor¬ 
derungen: Dauerhaftigkeit und Fadenheftung; erstere 
habe letztere zur Voraussetzung. Aus einer Rund¬ 
frage bei den deutschen, österreichischen und schwei¬ 
zerischen wissenschaftlichen Bibliotheken hatte ich 
bereits vorher festgestellt, daß eine Abneigung gegen 
Drahtheftung allgemein vorhanden ist. Ich schlug 
gemeinsames Vorgehen der Bibliotheken vor sowohl 
gegen „nur gebunden“ als auch gegen Drahtheftung. 

In der Diskussion zeigte sich Einstimmigkeit hin¬ 
sichtlich der eben hervorgehobenen Hauptpunkte. 
Eine entsprechende Resolution ist kürzlich an den 
Börsenverein der Deutschen Buchhändler gelangt. 

Die Gründe der Abneigung der Bibliothekare gegen 
die Drahtheftung wurden sowohl im Referat als in der 
Diskussion nur gestreift, da sie jedem Bibliothekar 
geläufig sind: Niemand kann eine Gewähr leisten, daß 
Drahtheftung ewig hält. Jede ältere Bibliothek hat 
Jahrhunderte alte Bände mit Fadenheftung, die heute 
noch im ersten Einband hängen, Draht kann rosten, 
und dann ist der Einband dahin, und nicht nur der Ein¬ 
band ist dann verdorben, sondern auch der Rücken der 
Bogen, und das Buch kann nicht umgebunden werden. 


Mag auch dieses Mißgeschick erst nach vielen Ge¬ 
nerationen eintreten: die wissenschaftlichen Biblio¬ 
theken haben die Bestimmung, an spätere Genera¬ 
tionen zu denken. 

Dieser wirtschaftliche Grund könnte schon ge¬ 
nügen, aber es kommt noch ein ästhetischer hinzu. 
Ich für meine Person wenigstens habe einen tiefen, 
ich möchte sagen physischen Widerwillen gegen diese 
toten, kalten Metallklammern in einem Buch, das auf 
gutes Papier mit anständiger Schrift gedruckt und in 
einen geschmackvollen Einband gehüllt ist. Kein 
einziger Originalband aus dem Verlag von Eugen 
Diederichs hat Drahtheftung; die Drahtklammern in 
den Verlegereinbänden der Werke Gottfried Kellers 
und Theodor Storms kommen mir geradezu wie eine 
Sünde an diesen Dichtern vor. 

Ich habe noch nie einen englischen, französischen 
oder amerikanischen Verlegereinband mit Draht¬ 
heftung gesehen: es geht also auch ohne Draht. Ich 
habe die Überzeugung, daß die Bücherfreunde dieser 
Länder den Draht, selbst wenn er praktisch wäre, ab¬ 
lehnen würden, weil er ihnen — ja ich finde kein an¬ 
dres Wort — zu ordinär ist. 

Das mag manchem nicht ein sachlicher Grund 
scheinen. Aber eine auf Gefühl beruhende Zu- oder 
Abneigung ist eine Tatsache, mit der jeder rechnen 
muß, der solche Werke herstellt, die das Publikum 
vom Standpunkt des Geschmacks oder Gefühls be¬ 
urteilt. 

Es war bisher nur von gebundenen Büchern die 
Rede. Gegen Drahtheftung bei broschierten Exem¬ 
plaren liegen nicht ganz so triftige Gründe vor. Immer¬ 
hin kann nach jahrelangem Lagern der Rost die Bogen 
bindeunfähig machen. 

Ob man Drahtheftung beim Einband von Büchern, 
die nur eine kurze Lebensdauer zu haben brauchen: 
Reisebücher, Schulbücher, ferner die meisten Bücher 
in Leih- und auch wohl in Volksbibliotheken, in 
gleicher Weise verwerfen soll, will ich hier nicht 
erörtern. Doch sah ich vor kurzer Zeit einen 
Reiseführer, in welchem eine Drahtklammer mitten 
durch die Blätter eines halben Bogens hindurch¬ 
gehauen war. 

Vom Standpunkt des Verlegers oder Großbuchbinders 
wird natürlich auf die Wirtschaftlichkeit des Draht¬ 
bandes hingewiesen werden. Seitdem aber neuestens 
Fadenheftmaschinen erfunden worden sind, die nach 



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dem Urteil von Fachkennern Vorzügliches leisten, 
Fällt dieser Einwand hin. 

Übrigens lassen die beiden größten deutschen Bar¬ 
sortimente, F. Volckmar und K . F. Köhler in Leipzig, 


nur mit Fadenheftung binden, so daß alle gangbaren 
Bücher, von denen nicht etwa der Verleger die ganze 
Auflage mit Draht gebunden hat, in Fadenheftung ge¬ 
bunden zu haben sind. 


Die Behrens-Antiqua 

der Gebr. Klingspor in Offenbach am Main. 

Von JEAN LOUBIER, Berlin. 


W IEDER einmal legt die Schriftgießerei der Gebr. 

Klingspor in einer bei ihr gewohnten überaus ge¬ 
schmackvollen Ausstattung den Buchdruckern das Muster¬ 
heft einer neuen Künstlerschrift vor. Es ist eine von Peter 
Behrens entworfene Antiqua und reichhaltiger dazu ge¬ 
höriger typographischer Schmuck. Damit ist den Gebr. 
Klingspor meines Erachtens von neuem ein großer Wurf 
gelungen. 

Ich kann nicht anders als es bei dieser Gelegenheit un¬ 
umwunden aussprechen: seit dem denkwürdigen Jahr 1900, 
als unsre deutsche Schriftgießerei nach langen sterilen 
Jahren zum ersten Male mit neuen und neuartigen Druck¬ 
schriften von Künstlerhand auf den Plan trat, hat die Schrift¬ 
gießerei der Gebr. Klingspor in der Gesamtleistung künst¬ 
lerischer Erzeugnisse fortdauernd den ersten Platz be¬ 
hauptet. Ihr neuestes jetzt vorliegendes Musterheft ist mir 
dafür ein neuer vollgültiger Beweis. Wenn ich mich nun 
frage, worauf wohl die großen Erfolge beruhen, welche ge¬ 
rade diese Schriftgießerei mit ihren künstlerischen Lei¬ 
stungen in den erwähnten neun Jahren gehabt hat, so ist mir 
klar, daß diese Erfolge in erster Linie darin begründet sind, 
daß sie die rechten Künstler zur Mitarbeit gefunden hat. 
Und das ist natürlich wieder kein Zufall. Der Leiter einer 
Schriftgießerei, die überhaupt künstlerische Originalarbei¬ 
ten herausbringen will, muß imstande sein zu beurteilen, 
wenn er einem Künstler den Auftrag gibt eine Druckschrift 
zu entwerfen, ob gerade dieser Künstler nach seinen bis¬ 
herigen Arbeiten die ausgesprochene Fähigkeit hat eine 
Druckschrift zu zeichnen. Eine Druckschrift zu zeichnen 
ist sehr viel schwerer, als es für den Laien den Anschein 
hat. Ungleich leichter ist es, eine Schrift für einen ge- 
gebenenZweckundfüreinen bestimmten Raumzuzeichnen, 
etwa für eine Adresse, einen Buchtitel oder eine andre 
Inschrifttafel, die in Stein gehauen oder geschnitten, geätzt 
oder sonstwie reproduziert werden soll. Bei solcher Auf¬ 
gabe hat der Schriftzeichner verhältnismäßig freie Hand, 
freien Spielraum. Denn der Text, die Aufeinanderfolge der 
Buchstaben, sowie deren Abbrüche zu Worten und Sätzen 
sind in solchen Fällen gegeben, stehen fest. Sehr viel anders 
ist die Aufgabe, und es wachsen die Schwierigkeiten in 
hohem Maße, wenn es gilt, eine Schrift für den Lettern¬ 
druck, eine Druckschrift zu zeichnen. Nämlich die Typen 
einer Druckschrift müssen in den Tausenden der möglichen 
Kombinationen der Buchstaben immer ein schönes Schrift¬ 
bild ergeben und sich klar und in immer gleichen, immer 
schönen Abständen zu Worten, Sätzen, Satzspiegeln anein¬ 
ander fügen lassen und, was mehr sagen will, aneinander 
schließen; und die Versalien müssen mit den Gemeinen 
in allen Kombinationen harmonieren. Mit dem Entwerfen 
und exakten Durchzeichnen zweier an sich schöner Alpha¬ 


bete von Versalien und Gemeinen ist die Arbeit bei weitem 
noch nicht getan. Denn darnach erst beginnt eine lange 
Reihe mühseliger Versuche, die Schriftzeichen aneinander 
zu passen, bis sie allen Anforderungen und Möglichkeiten 
der Zusammenfügung gerecht werden. Nur so kann eine 
schöne, sorgfältig ausgeglichene Druckschrift von künst¬ 
lerischer Qualität zustande kommen. Der Schriftzeichner 
muß — darauf läuft’s hinaus — neben seinen ästhetischen, 
künstlerischen Fähigkeiten auch die technischen Kennt¬ 
nisse, die der Schriftguß erfordert, besitzen oder sich für 
seine Arbeit aneignen können. 

Und darauf nun beruhen zum zweiten und nicht minder 
wichtigen die bedeutenden Erfolge gerade der Gebr. Kling¬ 
spor. Sie haben ihren künstlerischen Mitarbeitern stets die 
Möglichkeit geboten, sich die technischen Vorbedingungen 
für ihre Arbeit anzueignen. Man lese einmal nach, was 
Otto Eckmann in dem Geleitwort für seine bei Klingspor 
(der damaligen Rudhardschen Gießerei) ausgeführte Druck¬ 
schrift sagt: „Diese Zeilen geben mir Gelegenheit, der Firma, 
welche diese Schrift herausgibt, zu danken für die uner¬ 
müdliche Bereitwilligkeit, mit der sie in jahrelanger Arbeit 
die schier zahllosen Versuche mit jedem einzelnen Buch¬ 
staben ermöglichte. Nur auf diese Weise kann ein ersprie߬ 
liches Weiterschreiten gewährleistet werden." Und sehen 
wir auch, was Peter Behrens am Schlüsse seines Vorworts 
zu seiner ersten Druckschrift sagt: „Es ist meine Pflicht, 
hier auszusprechen, daß ich bei der Arbeit durch die Rud- 
hardsche Gießerei die beste Unterstützung fand, daß durch 
die Zusammenarbeit mit ihr das Ziel verkürzt wurde. Es 
ist meine Pflicht auszusprechen, daß sie keine Mühe und 
keine Kosten scheute, die Schrift das werden zu lassen, 
was uns als Ziel vorschwebte.“ Das ist der Idealismus, 
von dem sich die Gebr. Klingspor bei ihrer Arbeit un¬ 
entwegt leiten ließen, keine Mühe und keine Kosten zu 
scheuen, um erstens bedeutende Künstler mit ausgespro¬ 
chener Begabung für Schriftzeichen und Buchornament 
für ihre Arbeit zu gewinnen und zweitens die Möglich¬ 
keit zur gemeinschaftlichen wechselseitigen Arbeit des 
Künstlers mit dem Techniker zu gewährleisten. Nur 
solchem Idealismus des Kunsthandwerkers und des Kunst¬ 
industriellen entspringen wirkliche Kunstwerke auf dem 
Gebiete ihrer Arbeit. 

Die hervorragende Begabung Peter Behrens’ für das 
Schriftzeichnen und speziell für das Entwerfen von Druck¬ 
schriften wurde zuerst ersichtlich aus der schon erwähn¬ 
ten sogenannten Behrens-Schrift, einer Kielfederschrift 
von gotischem Charakter, die die Gebr. Klingspor im Jahre 
1901 in den Handel brachten. Diese Schrift hat, trotzdem 
sie anfänglich gerade in den Fachkreisen der Buchdrucker 
vielfach abgelehnt wurde, ihren Weg gemacht, und ihr 


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verdanken wir zu einem beträchtlichen Teile die Hebung 
des Geschmacks in der Ausstattung deutscher Bücher und 
Akzidenzen. Behrens hat sich seitdem neben seinen an¬ 
dern kunstgewerblichen Arbeiten ununterbrochen mit 
dem Schriftzeichnen beschäftigt und an der Düsseldorfer 
Kunstgewerbeschule, deren Direktor er eine Reihe von 
Jahren war, mehrere erfolgreiche Schriftkurse für Lehrer 
an Kunstgewerbeschulen organisiert und geleitet. Eine 
Frucht dieser seiner weiteren Arbeit an der Neugestaltung 
der Schrift war die Behrens-Kursiv, die die Gebr. Klingspor 
am Anfangs dieses Jahres veröffentlichten, eine elegante, 
leicht fließende halbfette lateinische Schrägschrift, die 
neben der schlankeren „Trianon“ von Wieynk aus der 
Bauerschen Gießerei die beste lateinische Schreibschrift 
mit künstlerischem Charakter ist, die wir neuerdings be¬ 
kommen haben. 

Und nun tritt die Klingsporsche Gießerei noch in dem¬ 
selben Jahre mit der dritten der Behrens-Typen, einer 
Antiqua, hervor, die mir, wenn ich das ganze Musterheft 
mit seinen vielen und mannigfaltigen Proben durchsehe, 
ebenfalls den Düsseldorfer Schriftkursen ihre Entstehung 
zu verdanken scheint und, wenn dem so ist, als deren 
schönster Erfolg dasteht, mit der nun der Leiter jener Kurse 
selbst sein Können darlegt. 

Unter den mancherlei neuen Druckschriften von künst¬ 
lerischer Eigenart, die uns verschiedene unsrer Schrift¬ 
gießereien seit 1900 beschert haben, den Schriften von 
Schiller, Hupp, König, Eckmann, Sattler, Behrens, war bis¬ 
her keine Antiqua, so stark auch das Verlangen war nach 
einer neuen ästhetisch befriedigenden Lateinschrift voll 
Saft und Kraft. Abgesehen von der älteren ausgezeich¬ 
neten »Römischen Antiqua“ Heinz Königs aus der Gießerei 
von Genzsch &Heyse standen unsern Druckern an neuen 
Schriften wesentlich nur Nachahmungen und Nachschnitte 
englischer und amerikanischer Antiquatypen zur Ver¬ 
fügung. Mit ganz besonderem Neid mußten wir auf die 
vollendeten Antiquaschriften von Morris und Cobden- 
Sanderson blicken. Was sich nur zu leicht befürchten 
ließ, nämlich, daß eine neue deutsche Antiqua sich von 
diesen englischen Meistern abhängig erweisen würde, 
das trifft jetzt erfreulicherweise auf die neue Antiqua von 
Behrens nicht zu. Sie steht, wie den Schriftkundigen der 
erste Blick in das Musterheft lehrt, durchaus auf eigenen 
Füßen. Wir haben in ihr eine unabhängige, originale deut¬ 
sche Antiqua von künstlerischer Durchbildung, und das 
scheint mir ungemein wichtig. 

In der Behrens-Antiqua mutet uns gewiß keines der 
Schriftzeichen fremd in der Form oder unklar an, sie ent¬ 
sprechen samt und sonders den traditionellen Bildern der 
Antiquaschrift. Freilich kann ich trotzdem nicht dafür gut 
stehen, daß nicht doch der eine oder der andre Leser 
kommt und sagt: ich kann diese Schrift nicht lesen. Das 
ist noch allemal bei neuen Schriften von irgendwelchem 
individuellen Zug der Fall gewesen. Und könnte man auf 
diesen Einwand etwas geben, so hätten wir überhaupt nie 
eine Entwicklung und Weiterbildung der Schrift gehabt. 
Also, ich wiederhole: kein einziges der Schriftzeichen ver¬ 
stößt gegen den allbekannten Typus der Antiqua. Und 
doch, sieht man näher zu, so findet man in allen Einzel¬ 
heiten, im An- und Abstrich der Geraden bei Versalien 
(M F P) und Gemeinen (i t), im Verhältnis von Grund¬ 
strich zu Haarstrich (N A f s g x), in der Biegung der 


Kurven (n m h q u), im Ansatz der Schrägstriche (A N), 
in dem Schlußhäkchen (C 6 C W c f f), in der Form 
des Kommas, Ausrufungs- und Fragezeichens (, 1 ?) ein 
neues Etwas, eine Eigenart des Künstlers Behrens. (Das 
Gesagte wird an den unten eingesetzten größeren Graden 
der Typen klarer ersichtlich werden.) Beim Betrachten und 
Vergleichen von Schriftformen, neuen und alten, am mei¬ 
sten in der schier unendlichen Reihe der verschieden¬ 
artigen Druckschriften der Inkunabelzeit, ist es mir immer 
als etwas geradezu Wunderbares vorgekommen, daß bei 
allem Festhalten an der sanktionierten Form — am ekla¬ 
tantesten vielleicht bei der strengen Antiqua — noch immer 
etwas wirklich Neues und dabei Leserliches im Sinne der 
Überlieferung und obendrein Schönes herauskommen kann, 
oder anders ausgedrückt: bei allem Typischen noch etwas 
Individuelles! Und das ist bei der Behrens-Antiqua ent¬ 
schieden der Fall. 

ABCDEeFGHljK 
LM NOPQRSTUV 
WXYZÄÖÜaabcd 
efghijklmnopqrsf 
tuvwxyzä äöüfffiffi 
flftchckrch[Tfi(fiftß^tt 

Die Schriften der Manuskripte des frühen Mittelalters 
haben Behrens, das merkt man seiner Antiqua an, beson¬ 
ders interessiert und gefesselt. Man sieht, daß er sie stu¬ 
diert und den lateinischen und griechischen Unzial-Schrif- 
ten des 6. bis 8. Jahrhunderts, diesen gerundeten Spröß- 
lingen der vorangehenden Kapitalschriften, mehrere 
typische Formen nachgebildet und für den Gesamtcharak¬ 
ter der kleinen Buchstaben auf die karolingische Minuskel¬ 
schrift zurückgegriffen hat. Während alle bisherigen latei¬ 
nischen Druckschriften auf der Antiqua der italienischen 
Renaissance fußen, beruht also die Behrens-Antiqua 
wesentlich auf der lateinisch-griechischen Schrift des 
frühen Mittelalters, ohne deshalb, wie schon oben gezeigt 
wurde, in den Einzelheiten der persönlichen Eigenart zu 
entbehren. Wenn ich die Behrens-Antiqua unter die bekann¬ 
ten Hauptschriftarten klassifizieren müßte, so würde ich sie 
eine gerundete Antiqua mit unzialem Grundcharakter 
nennen. 

Das N und das M ist mir, und wie ich höre, auch andern, 
zuerst bei seiner Schrift aufgefallen als ungewohnt, ab¬ 
weichend vom Herkömmlichen durch die beiden starken 
senkrechten Grundstriche. Aber ich habe nachher gefun¬ 
den, daß diese beiden Versalien ganz speziell in dieser 
Form in den Unzialschriften des 6. bis 8. Jahrhunderts 
Vorkommen und somit gerade dem Unzial-Typus der 
Behrens-Antiqua entsprechen. Auf Unzialformen beruhen 
ferner seine Versalien H C, die Nebenform des 6 (die 
neben der Kapitalform E vorkommt), ferner P und F mit 
ihren unter die Linie heruntergezogenen, schräg ab¬ 
brechenden Grundstrichen. Aber, das will mir als ein be¬ 
sonderes Verdienst von Behrens erscheinen, zu diesen 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Unzialformen der Versalien hat er die Gesamtformen seiner 
Gemeinen in vollkommene Harmonie zu setzen verstan¬ 
den, wie auch die weitere Vergleichung zeigt. Nämlich 
seinen Versalien mit senkrechten Grundstrichen ist ge¬ 
meinsam die Durchführung des oberen Ansatzes von links 
und des unteren Abbruches nach rechts (H N A K). Das 
hat er gleichfalls aus den Unzialschriften übernommen, 
dann aber selbständig, ohne Vorbilder aus älterer Zeit, auf 
die Minuskeln, die Gemeinen übertragen (imnl d). Es 
ist das der Federduktus, der erst oben von links ansetzt, 
dann gerade herunterzieht und unten nach rechts umbiegt 
und abbricht. Das zieht im Satzbilde, namentlich bei den 
kleinen Buchstaben, den Blick energisch nach rechts in 
der Richtung des Lesens, und verleiht dem ganzen Bilde 
der Zeile und weiterhin des Schriftblocks eine ausge¬ 
sprochen horizontale Gesamtwirkung. 

Noch eines will ich erwähnen, was mir von andrer Seite 
als ein Mangel an dieser Schrift bezeichnet worden ist, 
nämlich die großen Öffnungen des G C O Q^, weil sie 
Lücken in den Satz hineinrissen. Das gleiche kommt in¬ 
dessen auch bei den schönsten griechischen und römischen 
Stein-Inschriften vor, in voller Absicht, um das Schriftbild 
an einigen Stellen zu beleben. Dieselbe Absicht wird ver¬ 
mutlich auch Behrens bei der Gestaltung dieser runden 
Versalien geleitet haben. Wie schön das wirken kann, da¬ 
für erlaube ich mir auf die beiden prächtigen Seiten 16 und 
17 des Musterheftes mit lateinischem Text hinzuweisen. 
Aber ich gebe auch bereitwillig zu, daß diese großen Öff¬ 
nungen der genannten Versalien, wenn sie sich in einem 
ganz aus Versalien gesetzten Wort zufällig häufen, stören 
können. 

Die Behrens-Antiqua ist auf das sorgfältigste ausge¬ 
glichen und ergibt darum so schöne Schriftbilder und 
Satzbilder, wie sie das Musterheft in Hülle und Fülle für 
Akzidenzen und für Brotsatz darbietet. Im fortlaufenden 
Satz lassen sich, nach den dargebotenen Beispielen zu 
schließen, für meinen persönlichen Geschmack die vor¬ 
nehmsten, ruhigsten Satzbilder dann erzielen, wenn der 
Satz durchschossen wird. Die Schrift, als Ganzes ge¬ 
nommen, hat Charakter, männliche Kraft, energischen Zug. 
In den größeren Graden ist sie monumental, aber selbst 
noch im Petitsatz bewahrt sie sich etwas Großzügiges. 

Der von Behrens hinzugefügte Schmuck an Initialen, Ein¬ 
fassungen und sonstigem Zierat ist natürlich dem Charak¬ 


ter der Schrift angepaßt. Er bietet viel des Interessanten. 
Mit besonderer Vorliebe verwendet Behrens ein Spiral¬ 
ornament. Was man koloristisch mit diesem Zierat zur 
Belebung des Schriftsatzes anfangen kann, das zeigt 
Behrens selbst an mehreren mit Hinzunahme von Rot, 
Blau, Grün, Gelb, Braun gedruckten Beispielen. 

Schließlich habe ich auch noch etwas über die Ausstat¬ 
tung des Musterheftes zu sagen. Klingspor gibt hier auf 
54 Quartseiten eine große Zahl von Anwendungsbeispielen, 
die allenthalben zeigen, nicht nur, wie sich die neue Schrift 
und ihr Zierat verwenden lassen, sondern überhaupt, was 
künstlerischer Satz ist. Nun, wie sahen vor gar nicht langer 
Zeit solche Musterhefte der Schriftgießereien aus, bei der 
einen wie bei der andern? Ärmlich und geschmacklos 
Auch darin hat als erster Klingspor Wandel zum Besseren 
geschaffen und seine eigenen Ansprüche im Verlauf der 
Jahre gesteigert. Seine Musterhefte, die unter der Aufsicht 
und nach Angaben der mitarbeitenden Künstler in seiner 
Hausdruckerei gesetzt und opulent mehrfarbig gedruckt 
werden, sind typographische Musterleistungen im künst¬ 
lerischen Geschmack und desgleichen in der technischen 
Ausführung. Ein gutes Beispiel weckt Nacheiferung; 
mehrere andre Schriftgießereien haben danach auch 
herausgefunden, daß geschmackvolle Ausstattung der Pro¬ 
ben und Musterhefte die beste Empfehlung, die wirksamste 
Reklame für ihre Erzeugnisse ist. Ich verweise statt wei¬ 
terer Worte auf die Beilagen in der Behrens-Antiqua, 
die diesem Archiv-Hefte beigegeben sind, und auf das 
schöne Musterheft selbst. 

Ich habe meinen Bericht ausführlich gemacht und mich 
bemüht, mein Urteil zu begründen. Aber, da ich der 
Meinung bin, daß mit dieser neuen Druckschrift von seiten 
des erfindenden Künstlers und der ausführenden Gießerei 
eine hervorragende Arbeit geleistet worden ist, auch durch 
die Art, wie diese Arbeit durch die Schriftgießerei dem 
Kreise der Interessenten vorgelegt wird, so fühlte ich mich 
zu solcher Ausführlichkeit berechtigt. Mich haben die An¬ 
wendungsbeispiele des Musterheftes in ihrer Mannigfaltig¬ 
keit davon überzeugt — und zwar, je länger und je öfter 
und eingehender ich sie betrachtet habe, um so mehr, — 
daß eine recht ausgedehnte Verwendung dieser Behrens- 
Antiqua dazu mithelfen müßte, das künstlerische Niveau 
unsrer Druckausstattung weiter zu heben und unsre neue 
junge Buchkunst zu fördern. 


Buchgewerbliche Rundschau. 


Buch- und Schriftwesen. 

Papyrus-Ausstellung. Die Königlichen Museen in Ber¬ 
lin hatten anläßlich des Internationalen Kongresses für 
historische Wissenschaften im Neuen Museum eine Son¬ 
derausstellung von Papyrusfunden veranstaltet, die das 
weitgehendste Interesse der Fachgelehrten fand. Die lehr¬ 
reiche Ausstellung, die bis Ende September geöffnet ist, 
muß aber auch die Beachtung der Angehörigen des Buch¬ 
gewerbes erregen, weil sie ihnen Gelegenheit bietet, die 
Schreibstoffe früherer Zeit, sowie die Uranfänge unsers 
heutigen Buches kennen zu lernen. Die Ausstellung war 
in folgende Gruppen gegliedert: I. Schreibmaterial; II. Ägyp¬ 
tische Texte in hieroglyphischer und hieratischer Schrift; 


III.Ägyptische Texte in demotischer Schrift; IV.Ägyptische 
Texte in koptischer Schrift; V. Nubische Texte; VI. Aramäi¬ 
sche Texte; VII. Syrische, Hebräische, Persische (Pehlevi) 
und Arabische Texte; VIII. Griechische literarische Texte; 
IX. Graphische Urkunden und X. Lateinische Texte. Neben 
der Vorführung von Schreibmaterialien waren 157 der sel¬ 
tensten Papyrus, die sich vom 3. Jahrtausend vor Christi 
bis auf das Jahr 1000 nach Christi erstreckten, ausgestellt, 
darunter die im Jahre 1906/1907 auf der Nilinsel Elefantine 
entdeckten aramäischen Papyrus, die für die Geschichte 
der Entwicklung des Judentums von ungeheurer Bedeutung 
sind. Eine von der Weidmannschen Buchhandlung in Ber¬ 
lin herausgegebene Einführung in die Papyrus-Ausstellung, 

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die sehr gemeinverständlich gehalten ist, gab dem Laien Schwamm abgewaschen, ohne daß sich auch nur eine Spur 
eine treffliche Erläuterung, die ihn den Wert der einzelnen von Farbe ablöste, oder sonst irgendeine Beschädigung 
Funde richtig einschätzen ließ. A.W. sich zeigte. Cellitiertes Papier, Leder oder Leinwand brennt 

Buchdruck. ebenfalls nicht, sondern verkohlt äußerst langsam, ein Um- 

Typensperrer. Die verschiedenen Erfindungen, die seit stand, der für jede Bibliothek von Wichtigkeit ist. Die in 
Jahren gemacht wurden, um Ordnung in den Schrift- meinem Besitze befindlichen Musterbogen verschiedener 

einstelikästen zu erhalten, sind beinahe so unzählig wie Farbe und Musterung sehen hübsch und gefällig aus und 

der Sand am Meer, aber so ganz bewährt hat sich doch zeigen, daß jede Sorte Bezugstoffes hergestellt werden kann, 
wohl keines der vielen Mittel, sonst würden nicht immer Die Cellitfolien werden von den Farbenfabriken vorm, 
wieder neue auftauchen. Jetzt liegt mir wieder ein neuer Friedr. Bayer & Co. in Elberfeld, die cellitierten Stoffe aber 

Füller vor, der aus federndem Blech gemacht und so voraussichtlich von derPapierfabrikWeißenstein in Barmen 

gestaltet ist, daß man ihn bis auf Petitkegel zu- ^ - in den Handel gebracht. A.W. 

sammendrücken kann. Typensperrer, so nennt die 1^1 1 Relief-Prägematrizen. Die Versuche, das zeitraubende 
Firma Heintze & Blanckertz in Berlin ihr neuestes | \l Verfahren zur Herstellung von dauerhaften Prägematrizen 
Erzeugnis, das die aus nebenstehender Abbildung aus Pappe durch andre Arbeitsweisen zu verkürzen bzw. 

ersichtliche Form hat. Die Endungen und Knickungen zu ersetzen, sind nicht neu, aber bekannt und allgemein 

sind rund, so daß Verletzungen der Finger ausgeschlossen angewandt wurde meines Wissens bis jetzt keine dieser Ver- 
sind. Die Sperrer sind fast schrifthoch und lassen sich besserungen. Fortgesetzte Versuche des Buchbinder¬ 
in einer Größe von Petit bis fünf Cicero verwenden. Nach meisters Herrn C. Berger in Leipzig haben nun zu einem 

mir vorliegenden Zeugnissen sollen sich die Typensperrer recht guten Erfolge geführt. 

in der Praxis sehr gut bewährt haben. Vielleicht ist nun Wenn auch die Zeit der ehemals herrschenden, teilweise 
das Mittel gefunden, das endlich Ordnung in die Einstell- geschmacklosen hohen Prägungen auf Buchdecken und 
Schriftkästen bringt. A.Schl. dergleichen hoffentlich für immer vorbei ist, so gibt es in 

Buchbinderei. Buchbindereien und Druckereien doch immer noch Auf- 

Cellit. Unter diesem Namen bringen die Farbenfabriken träge, die nicht abgewiesen werden können, insbesondere 

vorm. Friedr. Bayer & Co. in Elberfeld einen neuen, dem be- dann nicht, wenn solche Prägungen in den Grenzen des 

kannten Celluloid ähnlichen Stoff in den Handel, der von geschmacklich Zulässigen bleiben. 

seiten der Bibliotheken und Buchbindereien größte Beach- Es sei deshalb das neue Verfahren hier kurz erläutert 
tung verdient. Das Cellit liegt mir in verschiedenen und zugleich bemerkt, daß die dazu erforderliche paten- 

Proben vor und zwar in Cellitfolien und in Cellitpapieren, tierte Matrizenfolie Töff-Töff von Herrn Max Burckhardt in 

die anscheinend mit Cellit getränkt, also cellitiert sind, und Leipzig-Gohlis in den Handel gebracht wird, 

in verschiedenen Bucheinbänden. Wenn die Gravurplatte in der angeheizten Vergolde- 

Die Cellitfolien haben den großen Vorzug, daß sie nahe- presse angehängt ist, dann wird ein entsprechend großes 
zu unverbrennbar sind, das heißt, sie brennen überhaupt Stück der pappenähnlichen Matrizenfolie auf einer harten 

nicht, sondern schmelzen an der Flamme lediglich ab. Ist Unterlage mit ein paar Tupfen Wachs auf dem Presse¬ 
schon diese Eigenschaft gegenüber dem leicht und schnell schlitten befestigt. Um zu verhüten, daß die Folie, welche 

brennenden Celluloid von nicht zu unterschätzendem sich beim heißen Druck erwärmt, an die Gravurplatte an- 

Wert, so sind den Cellitfolien noch einige weitere schätzens- klebt, wird sie mit einem flüchtigen Öl (Terpentin usw.) 

werte Eigenschaften zuteil, die sie in Bibliotheken und im überfahren und mit einem Stück geölten Papiers überdeckt. 

Buchgewerbe bald einführen werden. Die Folien sind voll- Es erfolgen nun zunächst leichtere, dann stärkere Drucke 

ständig durchsichtig und in allen Stärken herstellbar; die so lange, bis sich die Matrize genau nach der Platte ge- 

dünnen Folien, die sehr weich sind, lassen sich falten wie bildet hat. Die Bildung der Matrize beruht darauf, daß sich 

Papier, ohne zu brechen. Es können sohin mit den Cellit- die Matrizenmasse, die bei dem heißen Druck erweicht, von 

folien Umschläge aller Art gebildet werden, deren Ab- den flachen (hochliegenden) Stellen nach den hohlen (tief¬ 
schlußstellen durch Bestreichen mit einer besonderen liegenden) Stellen zusammengedrängt wird, wo sie ver- 

Lösung völlig luftdicht verschlossen werden können. In- härtet. Die überflüssige Masse preßt sich nach außen. Eine 

folge der Durchsichtigkeit, der Haltbarkeit und der völlig Matrize,die frühereinen halbenTagZeitaufwand erforderte, 

luftdichten Verschließbarkeit bilden die Cellitfolien ein ist nun in etwa einer Viertelstunde gebrauchsfertig und 

gutes Schutzmittel für solche Gegenstände, die gegen Be- hält nach den Versicherungen des Erfinders Tausende von 

rührung, Luft, Staub und sonstige Einflüsse geschützt Drucken aus. Mit dem neuen Verfahren ist sohin eine ganz 

werden sollen, wie z. B. wertvolle Einblattdrucke, Manu- erheblicheZeitersparnis verbunden, die in großen Betrieben 

skripte, Kunstblätter, Bucheinbände usw. nicht zu unterschätzen ist. H.D. 

Ist schon diese Verwendbarkeit des Cellits in unzähligen 
Fällen von größtem Wert, so scheint mir, als ob das Cellit Schriftgießerei, 

berufen wäre, eine noch viel wichtigere Rolle in der Buch- Schriftprobenschau. Im Juli dieses Jahres tagte der Deut¬ 
binderei zu spielen, wenn es sich um das Einbinden viel sehe Werkbund in München, wobei es auch an Vorträgen 

gebrauchter Bücher, z.B. Bibliotheksbände handelt. Eine nicht fehlte. Unter anderm sprach der Kunstgewerbler 

Anzahl mir vorliegende, in cellitiertem Papier, Leder und und Maler Professor Richard Riemerschmid über: Kunst 

Leinwand hergestellte Einbanddecken sieht sehr gefällig und Künstler, wobei er betonte, daß es notwendig sei, die 

aus, die Decken nehmen keinen Schmutz an, sind abwasch- verloren gegangene Verbindung der Kunst mit dem Hand- 

bar und färben nicht im geringsten ab. Einen roten cellitier- werk wiederherzustellen. Jeder, der es mit künstlerischen 

ten Halbleinenband habe ich öfters mit einem sehr feuchten Entwicklung des Gewerbes ernst meint, wird diese Not- 

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wendigkeit gerne anerkennen, aber auch die Ansicht ver¬ 
treten, daß der Künstler sich nicht den technischen, der 
Handwerker dagegen sich nicht d6n künstlerischen For¬ 
derungen verschließen darf. Nur ein Handinhandarbei¬ 
ten, ein Verstehen und Eingehen auf die einzelnen tech¬ 
nischen und künstlerischen Fragen wird so erfreuliche 
Erfolge erzielen, wie wir solche in unserm Buchgewerbe, 
vor allem aber in der Schriftgießerei verzeichnen können. 
Vor etwa einem Jahrzehnt dachte, mit einer einzigen Aus¬ 
nahme, niemand daran, einen Künstler zum Entwurf einer 
Schrift heranzuziehen. Und heute! Eine Reihe von Schriften 
sind unter Mitwirkung von tüchtigen Künstlern wie Pro¬ 
fessor Hupp, Prof. Eckmann, Prof. Behrens, Barlösius usw 
geschaffen worden und mit Freuden kann von Zeit zu Zeit 
festgestellt werden, daß wieder eine Schriftgießerei einen 
Künstler zur Anfertigung einer Schrift herangezogen hat. 

So hat nunmehr auch die Firma Benjamin Krebs Nach¬ 
folger in Frankfurt a.M. in Gemeinschaft mit einem Künstler 
eine Schrift fertiggestellt, die in einem Musterheft gezeigt 
wird. Ludwig Hohlwein in München, der auf buchge¬ 
werblichem Gebiete durch eine Anzahl prächtiger Plakate 
bestens bekannt ist, hat eine breite Gotisch gezeichnet, die 
von der Firma Krebs Nachfolger bis jetzt in den Graden 
Cicero bis acht Cicero geschnitten wurde, und den Namen 
Hohlweinschrift erhielt. Von den althergebrachten Formen 
der Gotisch weicht die anscheinend mit der Feder herge¬ 
stellte Hohlweinschrift sehr ab, denn die Gestaltung der ein¬ 
zelnen Buchstaben, die manchen zunächst etwas fremd 
anmuten werden, ist eine ganz eigenartige originale, die 
die Eigenart des Künstlers erkennen lassen. Die breite 
senkrechte Form der Buchstaben mit ihren starken Aus¬ 
läufern geben der ganzen Schrift einen außerordentlich 
dekorativen Charakter, bedingen aber auch, daß von dem 
Schnitt kleinerer Grade abgesehen werden muß, denn in 
dem kleinsten vorliegenden Grade, dem Cicerograd, scheint 
die Grenze zu liegen, in der die Hohlweinschrift ihren vollen 
Reiz noch zeigen kann. Die Hohlweinschrift dürfte im An¬ 
zeigensatz am besten Verwendung finden, dann aber auch 
zum Satz von einheitlich wirkenden Titeln und Akzidenzen 
geeignet sein. 

Die Bauersche Gießerei in Frankfurt a.M.h&t im Anschluß 
an ihre bekannte Barlösiusschrift nunmehr auch eine fette 
Garnitur dieses Schrifttypes geschaffen, von der in einem 
Probehefte zahlreiche Beispiele gegeben werden. Die 
Firma selbst bezeichnet ihre Neuheit als „eine markante 
und bestimmte Reklame- und Inseratenscbrift“. Mit diesen 
Worten, die zugleich auch die Verwendbarkeit der Schrift 
bezeichnen, hat die Bauersche Gießerei nicht zu viel ge¬ 
sagt, sondern durchaus das Richtige getroffen. Die fette 
Barlösius, die gegenüber derzuerst erschienenen schmalen 
Schrift größere Einfachheit zeigt, wirkt außerordentlich 
kräftig und klar, so daß die aus ihr gesetzten Zeilen und 
Sätze bestimmt und scharf hervortreten, dabei aber über¬ 
aus leicht lesbar sind. An den einzelnen Anwendungen des 
Musterheftes läßt sich das von mir Gesagte leicht erkennen» 
zugleich aber auch ersehen, daß die fette Barlösius auch 
inmitten andrer Schriften, die natürlich geschickt und 
entsprechend gewählt sein müssen, sehr gut verwendet 
werden kann. 

Die Zahl der gotischen Schriften wird außer den beiden 
vorstehend besprochenen Erzeugnissen noch vermehrt 
durch die von der Schriftgießerei in Frankfurt a. M. soeben 


geschaffene Neugotisch, die von Willi Wegener gezeichnet 
wurde. Diese Schrift gehört nach meiner Ansicht mehr zu 
der Klasse der neudeutschen Schriften als zu derjenigen 
der gotischen Schriften, denn trotz ihrer Eigenart und Selb¬ 
ständigkeit, die ich durchaus anerkenne und die wohl auch 
niemand antasten wird, zeigt sie nicht die streng gotischen 
Formen, sondern klingt an die Formen der neudeutschen 
Schriften, wie Augsburger-Schrift, Behrensschrift usw. an. 
Dies tritt ganz besonders hervor bei der Gegenüberstellung 
von glatten Satzstücken. Als ganz besondere Eigenart der 
Schrift ist zu vermerken, daß der Künstler alle Grundstriche 
scharf und gerade nach rechts abbrach und dadurch eine 
wagerechte Grundlinie erreichte, die der Schrift eine vor¬ 
nehme Ruhe gibt. (Eckmann hat bei seiner Schrift be¬ 
kanntlich diese wagerechte Linie bei den Gemeinen nach 
oben verlegt. Auf diesen Umstand ist nicht wenig die Ruhe 
und Ausgeglichenheit der Eckmannschrift zurückzuführen.) 
Die Neugotisch zeichnet sich neben ihrer ruhigen Form 
noch durch eine schöne Klarheit, leichte Lesbarkeit und 
hübsche dekorative Wirkung aus. Sie ist daher eine ganz 
prächtige Buchschrift, deren größere Grade für Titel- und 
Akzidenzsatz sich ganz ausgezeichnet eignen. Allen Freun¬ 
den guter neuzeitlicher Buchausstattung wird die Neu¬ 
gotisch sehr willkommen sein, zumal Willi Wegener 
auch noch entsprechende Initialen, sowie verschiedenen 
Schmuck geschaffen hat, der sich erfreulicherweise durch 
die in ihm vorkommenden besonders eigenartig stilisierten 
Pflanzenmotive von dem Bekannten sehr abhebt. Im ganzen 
muß diese neuste Schöpfung der Schriftgießerei Flinsch 
als eine sehr anerkennenswerte Fortsetzung ihrer neuen 
auf ein künstlerisches Schaffen gerichteten Bestrebungen 
bezeichnet werden. Die Aufmachung, die Satzordnung und 
der Druck des vornehm ausgestatteten Heftes, das mir in 
zweierlei Ausführung, auf glattem und auf Büttenpapier, 
vorliegt, verdient besonderes Lob und volle Anerkennung. 

Die Firma Gebr.Klingspor in Offenbacha. M. ist nunmehr 
mit einer umfangreichen Probe ihrer seit längerer Zeit vor¬ 
bereiteten Behrens-Antiqua hervorgetreten. Die Behrens- 
Antiqua ist ihrem Grundzuge nach eine Monumentalschrift 
im besten Sinne des Wortes, eine Schrift von höchstem 
künstlerischen Wert Trotzdem der Künstler sich bei fast 
allen Buchstaben Freiheiten in bezug auf die Durchführung 
der Grundformen erlaubt, ja selbst hier und da den sonst 
so verpönten Schnörkel nicht verschmäht sondern mit ver¬ 
wertet hat, ist die Gesamtwirkung der Schrift eine ganz vor¬ 
treffliche. Da an andrer Stelle dieses Heftes die Schrift 
eine eingehende Würdigung von künstlerischen Gesichts¬ 
punkten aus erfahren wird, so will ich nur noch sagen, daß 
der Schnitt der Behrens-Antiqua tadellos durchgeführt 
worden ist. Trotz der Beweglichkeit der Formen ist eine 
ruhige Wirkung erzielt worden. Neben der Schrift selbst 
verdienen die zahlreichen schönen Initialen volle Beach¬ 
tung, ebenso der zur Schrift gehörige Zierat, durch dessen 
Anwendung die vielen in dem prächtigen Musterhefte ge¬ 
gebenen Anwendungsproben erst richtig belebt wurden. 
Einzelne Stücke muten allerdings, ebenso wie die ganze 
Schrift, zunächst etwas fremd an, bei wiederholter Betrach¬ 
tung tritt aber die Eigenart des künstlerischen Ausdruckes 
und der ganzen Arbeit deutlich hervor. Unumwundene An¬ 
erkennung verdient das umfangreiche Probeheft. Tadel¬ 
lose Satz- und Druckausführung, vornehmes gutes Papier 
und vorzüglich abgestimmte Farben vereinigen sich zu 

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einem mustergültigen Ganzen, durch das eine volle künst¬ 
lerische Wirkung erzielt wird, die der Firma Gebr. Kling¬ 
spor, dann aber auch unserm Buchgewerbe zur Ehre ge¬ 
reicht. 

DieSäculum-Schriften der Schriftgießerei D. Stempel A.-G. 
in Frankfurt a. M. wurden von mir bereits in früheren 
Heften des Archiv für Buchgewerbe eingehend besprochen. 
Wenn ich heute nochmals näher auf diese Schriften ein¬ 
gehe, so geschieht dies deshalb, weil mir vor einigen Tagen 
ein umfangreiches Probeheft zuging, das die von derSchrift- 
gießerei D. Stempel A.-G. geschnittenen acht Abarten dieser 
prächtigen Schriftenfamilie in allen Graden enthält und 
deren gute Wirkungen, sowie vielseitige Verwendbarkeit 
zeigt. Die Säculum liegt jetzt vor in magerem, halbfetten 
und fetten Schnitt, ferner in enger, sowie in enger halb¬ 
fetter Ausführung, dann in Kursiv und halbfetter Kursiv 
und endlich noch als Zirkularschrift. Damit ist bis jetzt 
wohl der umfassendste Ausbau eines Schriftcharakters 
durchgeführt, dem Buchdrucker aber eine Reihe von 
Schriften gegeben worden, die für die tägliche Arbeit ganz 
besonders geeignet sind. Ich will hier nochmals erwähnen, 
daß die Säculum-Schriften zur Gattung der kräftigen Me¬ 
diäval-Schriften gehören, die zurzeit; mit besonderer Vor¬ 
liebe für die Buchausstattung herangezogen werden. In den 
fast überreichen Anwendungsproben des umfangreichen 
Musterheftes wird die Wirkung der Schrift, die durch Ini¬ 
tialen und Zierat aufs beste ergänzt werden, in gut ange¬ 
ordneten Satzbeispielen dargetan. Ich kann nicht umhin, 
der Schriftgießerei D. Stempel A.-G. für diese ganz her¬ 
vorragende Leistung alle Anerkennung zu zollen, denn eine 
solche zielbewußte und dabei gut gelungene Durchführung 
einer Schrift bedeutet nicht nur in praktischem, sondern 
auch in künstlerischem Sinne einen nicht zu unterschätzen¬ 
den Fortschritt des Buchgewerbes im allgemeinen und der 
Schriftgießerei im besonderen. 

Die frühere Firma Heinrich Hoffmeister in Leipzig ist vor 
einiger Zeit in Besitz des Herrn C. Rupprecht überge¬ 
gangen, der als früherer Inhaber und späterer Leiter der 
Firma Bauer & Co. in Stuttgart dem Buchgewerbe bereits 
als tüchtiger und kunstsinniger Fachmann bekannt ist. 
Unter der Wirksamkeit des neuen Inhabers, dessen An¬ 
regung u. a. die schöne Mainzer Fraktur ihr Dasein ver¬ 
dankt, hat die Firma Schriftgießerei Heinrich Hoffmeister 
bereits einige beachtenswerte Neuheiten geschaffen, die 
erkennen lassen, daß sie künstlerische Ziele verfolgt. Die 
mir vorliegende Buch-Gotisch zeichnet sich durch ein 
schönes, deutliches Bild aus, die Zeichnung der Schrift ist 
sehr gut durchgearbeitet und die in dem Musterhefte ent¬ 
haltenen Satzproben machen einen geschlossenen, ange¬ 
nehmen Eindruck. Unter den neueren sogenannten neu¬ 
deutschen Schriftschnitten darf die Buch-Gotisch als eine 
der besten bezeichnet werden. Vor allem ist eine zu große 
Steifheit der Formen vermieden, eine Eigenschaft, die leider 
manchem andern Erzeugnis mangelt, so daß es außerhalb 
der täglichen Gebrauchsmöglichkeit gerückt wird. Die 
Buch-Gotisch, bei der auch entsprechende Initialen und 
Zierat nicht fehlen, ist demnach eine praktische Schrift, 
die sich für Werk- wie Akzidenzatz bestens eignet. Eine 
weitere Neuheit der Firma ist eine aus Linien- und Blumen¬ 
motiven bestehende Rosalinde-Einfassung, die etwa achtzig 
Figuren aufweist und infolge des gut gegliederten Klein¬ 
materials so leicht zusammensetzbar ist, daß ohne viele 


Mühe Rahmen, Schilder, Leisten usw. hergestellt werden 
können. Eine größere Anzahl Schmuckstücke, die sich in 
Auffassung und Form leider aber nur sehr wenig von längst 
Bekanntem abheben, bilden eine Ergänzung der Rosalinde- 
Einfassung. 

Die Schriftgießerei Ludwig& Mayer in Frankfurt a. M. 
zeigt in einem kleinen Heftchen ihr neuestes Erzeugnis, 
das den Namen Roseneinfassung führt. In dem Vorwort 
spricht die Firma die Ansicht aus, daß mit Linien und Ge¬ 
viertpunkten, welchen sie die Zweckmäßigkeit in gewisser 
Hinsicht nicht abspricht, auf die Dauer nicht ornamentiert 
werden könne, es vielmehr besser sei, wenn das verwandte 
Ornament sowohl strenge als lebendigere Formen enthalte. 
Die erste Ansicht dürfte wohl nicht anzuzweifeln sein, gegen 
die zweite Auffassung aber lassen sich Bedenken erheben, 
deren Aufführung und Begründung hier zu weit führen 
würde. Die Roseneinfassung scheint mir aber kaum dazu 
geeignet zu sein, das Linien- und Geviertematerial, das 
naturgemäß etwas steif wirken muß, abzulösen. Auf keinen 
Fall aber kann sie als künstlerischer Ersatz für das vorge¬ 
nannte Material dienen, denn außer der geschickt vorge¬ 
nommenen Zergliederung der Zeichnung ist nichts Bemer¬ 
kenswertes an der Roseneinfassung. Im Gegenteil, die 
verschiedenen Einzelstücke sind gerade nicht schön zu 
nennen, die Gliederung und Anordnung derGirlanden ist 
unrichtig und einzelne Figuren passen weder in Form noch 
in Zeichnung zu dem Rosenmotiv. Die Hauptfiguren der 
Einfassung sind auch durchaus nicht neu, ja es bestehtzum 
Teil ganz Ähnliches. Die in dem Vorwort aufgestellte Be¬ 
hauptung, „daß jede in der Praxis mit Verwendung der 
Roseneinfassung gesetzte Arbeit als Empfehlung, als Muster¬ 
blatt derselben dienen wird“, ist daher etwas sehr weitgehend 
und dürfte von einem kunstsinnigen Buchdrucker wohl 
kaum anerkannt werden. 

Die Nachfrage nach Kalendermaterial wird wohl die Ur¬ 
sache sein, daß sich die Schriftgießereien jetzt die Anfertigung 
von Kalendervignetten, Leisten usw. so sehr angelegen 
sein lassen. Den Anfang machte die Firma Gebr. Klingspor 
in Offenbach a. M. mit ihren prächtigen künstlerischen 
Jahreszeitenvignetten und Kalenderleisten, die mit Recht 
einesehrstarkeVerbreitung fanden. Dann folgte die Schrift¬ 
gießerei J.G.Schelter&Gieseckein Leipzig mitden schönen, 
kräftig gehaltenen und wirkungsvollen Monatsvignetten 
in verschiedenen Größen. Als dritte Firma brachte die 
Schriftgießerei Flinsch in Frankfurta.M. ihrhübscheseigen- 
artiges, von Franz Franke gezeichnetes Kalendermaterial 
heraus. Die Schriftgießerei Julius Klinkhardt in Leipzig 
bietet lichtgehaltenejahreszeitenleistenin Hoch-undQuer- 
format und nun bringt die Schriftgießerei Ludwig & Mayer 
in Frankfurt a. M. eine größere Anzahl Monatsvignetten 
nach Zeichnungen von Professor Ernst Liebermann auf 
den Markt. Wahrlich eine Auswahl, wie sie reichhaltiger 
und vielseitiger nicht gewünscht werden kann. Dem Buch¬ 
drucker dürfte manchmal die Wahl unter diesem vielen 
Guten zur Qual werden. Die Vignetten und Leisten der 
FirmaGebr.Klingsporsindgenugsam bekannt und erfreuen 
sich wegen ihrer künstlerischen Qualität und guten Ver¬ 
wendbarkeit auch heute noch großerBeliebtheit. DieSalz- 
mannschen Vignetten von J.G.Schelter&Giesecke werden 
von den Anhängern strengerer Kunstformen bevorzugt 
werden, während die Klinkhardtschen Leisten mehr für die 
Allgemeinheit bestimmt sind. Dem Wesen des Kalenders 


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entspricht das sehr schöne Kalendermaterial der Schrift - 
gießereiFlinsch in Frankfurta. M.,dem sowohl in technischer 
wie künstlerischer Hinsicht alles Lob gebührt. Neben 
Jahreszeiten- und Monatsvignetten und Leisten enthält das 
mir vorliegende Probeheft auch Symbole für die Monats¬ 
zeichen, die Festtage usw. Die von Franz Franke und Bern¬ 
hard Wenig entworfenen Stücke passen sich infolge ihrer 
Schwarzweißmanier dem Schriftbild ganz vorzüglich an. 
Die von Professor ErnstLiebermann gezeichneten, von der 
Firma Ludwig & Mayer in Frankfurt a. M. herausgebenen 
Monatsvignetten enthalten vornehmlich sehr hübsche Kin¬ 
dermotive, die in der althergebrachten Weise zur Charak¬ 
terisierung der betreffenden Monate verwandt sind. Die 
künstlerische und technische Ausführung der Leisten ist 
eine sehr gute, so daß sich dieses Material bald Freunde 
erwerben wird. Interessant ist, daß für den Monat Juli zwei 


Vignetten geschaffen wurden. Auf derletzten Seite befindet 
sich eine sehr hübsche Leiste, badende Mädchen darstellend, 
ein Motiv, das für den heißen Juli recht charakteristisch 
ist. Unter dieser Leiste steht ein längerer Wortlaut, von 
dem ich nur den ersten Satz hier wiedergeben will: „Für 
diese ursprünglich für Juli vorgesehene Originalvignette 
ließen wir, um verschiedentlich geäußerten Wünschen 
seitens unsrer geehrten Geschäftsfreunde Rechnung zu 
tragen, die auf vorliegenden Seiten abgedruckte Ersatz¬ 
vignette nachträglich schaffen“. Schade, sehr schade, daß 
die prächtige Leiste, die viel schöner ist als der Ersatz, in 
den Hintergrund gestellt wurde, um die Tugend einiger 
Geschäftsfreunde nicht in Gefahr zu bringen. Ob wohl viele 
von denjenigen,die in ihren Kalendern ein so unschuldiges 
Bild nicht dulden, im Anzeigenteil, der das Geld im Kasten 
bringt, auch so streng auf Moral halten werden? Chronos. 


Aus den graphischen Vereinigungen. 


Altenburg. Die Mitglieder der Graphischen Vereinigung 
hatten sich nach Beendigung der Sommerferien am 3. Sep¬ 
tember 1908 zahlreich eingefunden, um die diesjährigen 
Johannisfestdrucksachen in Augenschein zu nehmen. Wie¬ 
derum haben es sich die Jünger Gutenbergs angelegen sein 
lassen, zur Feier des Namenstages ihres Altmeisters wür¬ 
dige Drucksachen herzustellen. Und überall war man 
bestrebt, mit dem zur Verfügung stehenden Ornament- 
und Schriftmaterial und unter Verwendung mehrerer 
Farben das Beste zu bieten. Wenn auch so manche Arbeit 
als verfehlt in der Anlage oder in der Farbenwahl bezeich¬ 
net werden muß, so sind doch auch diesmal eine größere 
Anzahl großzügiger,künstlerischer Druckerzeugnisse in der 
Sammlung vertreten; es seien an dieser Stelle nur genannt: 
Berlin, Hannover und Cöln. An diesen Arbeiten sieht man 
so recht den befruchtenden Einfluß der Künstler auf das 
graphische Gewerbe. Hier ergänzen sich Schrift und Orna¬ 
ment in bester Weise, zu dem aparten Papier gesellt sich 
eine harmonische, abgestimmte Farbengebung, und somit 
sind die Vorbedingungen für eine künstlerisch wirkende 
Drucksache in bester Weise erfüllt. Selbstentworfenes 
Ornament für Tonplatten- oder Linoleumschnitt war nur 
noch vereinzelt anzutreffen, und auch die flächige Ton¬ 
platte, ohne die früher eine farbige Drucksache nicht denk¬ 
bar war, gilt heutzutage als überflüssig, da die Struktur der 
modernen Papiere dieselbe in bester Weise zu ersetzen 
vermag. Obgleich die heutige Satztechnik einfacher er¬ 
scheint, erfordert sie doch einen geläuterten Geschmack 
und Vertrautsein mit den künstlerischen Grundsätzen. In¬ 
teressant war ein Vergleich von Arbeiten aus Druckorten, 
in denen eine typographische Gesellschaft, mit solchen aus 
Orten, wo kein fachtechnischer Verein besteht, denn bei 
dem Vergleich trat augenfällig die segensreiche Tätigkeit 
dieser Gesellschaften zutage. -o-. 

Breslau. Nach einer kurzen Sommerpause nahm am 
19. August 1908 die Typographische Gesellschaft ihre Tätig¬ 
keit wieder auf. Nach Bekanntgabe der Eingänge wies der 
Vorsitzende Herr Schultes auf den in Nr. 8 der Mitteilungen 
des Verbandes der Deutschen Typographischen Gesell¬ 
schaften erschienenen Aufsatz von Schmiedchen hin, den 
er zu eifrigem Studium empfiehlt. Herr Winkler berichtete 
sodann über den Wettbewerb zu Erlangung von Entwürfen 


für das Gaufestlied, wobei er die schwache Beteiligung be¬ 
dauerte. Auszeichnungen erhielten: Herr Neugebauer 
ersten, zweiten und vierten Preis und Herr Kresse dritten 
Preis. An den Bericht schloß sich ein kurzer Meinungs¬ 
austausch. Ausgestellt war der Küttnersche Johannisfest- 
drucksachen-Austausch, über den in einer der nächsten 
Sitzungen eingehender berichtet werden soll. G-e. 

Leipzig. In der Typographischen Gesellschaft sprach am 
12. August 1908 Herr Heinrich Schwarz über die Exlibris- 
Ausstellung im Buchgewerbehaus, die zum großen Teil aus 
dessen reicher Sammlung zusammengestellt war. In aus¬ 
führlicher und verständlicher Weise schilderte er die An¬ 
fänge, die Entwicklung und den jetzigen Stand, sowie die 
Herstellungsarten und die Verbreitung des Exlibris. Zwei 
in allen Teilen gute Rundsendungen des Verbandes der 
Deutschen Typographischen Gesellschaften, enthaltend 
Glogauer Drucksachen und Drucksachen der Typographi¬ 
schen Vereinigung, waren ausgestellt und wurden aner¬ 
kennend besprochen. Ferner gab Herr Petzold noch eine 
technische Erklärung der Wörter Prime, Sekonde und Pri¬ 
mentafel. — In der Sitzung am 26. August wurden die 
neuesten Versuche besprochen, härtere Metalle für Buch¬ 
drucktypen zu verwenden, wobei gleichzeitig die Bui- 
Lettern und Ferrotypen gezeigt wurden. Zur Herstellung 
der Plakatschriften wurde zuerst Holz verwandt, dann 
kamen die Bleitypen, ja sogar Buchstaben in gegossener 
Steinmasse (wahrscheinlich nur ein Versuch). Einen wesent¬ 
lichen Fortschritt bildeten die von Friedei in den Handel 
gebrachten Messingtypen. Aber mit all diesen Erzeugnissen 
waren die Versuche noch nicht abgeschlossen, in neue¬ 
ster Zeit stellte eine Magdeburger Firma die Ferrotypen 
her,denen bald als allerneuestes Erzeugnis die Bui-Lettern 
folgten. Das dazu verwendete Material, eine Mischung 
von weichem Metall, das dann gehärtet wird, ist sehr leicht, 
widerstandsfähig und nicht porös. Bis jetzt werden nur 
Plakatschriften angefertigt, da die Versuche zur Herstellung 
von Brotschriften noch nicht beendet sind. Herr Schirmer 
gab sodann noch die technische Erklärung über die ver¬ 
schiedenen Stege beim Formatmachen. B-r. 

Leipzig. In der Typographischen Vereinigung hielt am 
12. August 1908 Herr Professor Freiherr von Weißenbach 
einen von Lichtbildern begleiteten Vortrag über: Rom in 


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Geschichte, Kunst und Buchdruck. Auf Grund seiner 
eigenen an Ort und Stelle gemachten Erfahrungen schil¬ 
derte der Vortragende die Entstehung und Entwicklung 
Roms, seine Blütezeit und seinen Zerfall, sowie die Pflege 
der Kunst zu aller Zeit, vornehmlich der Baukunst. Er er¬ 
klärte die einzelnen Stilepochen und führte sie in Licht¬ 
bildern vor, die zum Teil nach eigenen Aufnahmen gefertigt 
waren. Da die Zeit vorgeschritten, mußte der dritte Teil 
des Vortrages auf einen späteren Vortragsabend verlegt 
werden. — Am 16. August fand ein interessanter Ausflug 
nach Naumburg-Freiburg a. d. U. statt, wobei der histo¬ 
rische Dom in Naumburg eingehend besichtigt wurde. 
Herr Prof. Freiherr von Weißenbach hatte die Führung im 
Dom übernommen, über den er vorher einen diesbezüg¬ 
lichen kleineren Erläuterungsvortrag gehalten hatte. — 
Am 26. August waren Arbeiten der Münchener Buchdrucker- 
Fachschule ausgestellt. Herr R. Günther , der den Bericht 
über die Ausstellung übernommen hatte, bezeichnete den 
Erfolg, den diese Fachschule bei einem zweijährigen Be¬ 
stehen erzielte, als einen großen, denn was hier gezeigt 
werde, bestehe in der Mehrzahl aus Lehrlingsarbeiten, die 
gut durchdacht und sauber ausgeführt seien. Die Druck¬ 
arbeiten zeigten aber auch, daß die Schüler dasjenige, 
was ihnen von den Lehrern gelehrt werde, richtig erfaßt 
hätten. Diese guten Ergebnisse seien zum großen Teil nur 
infolge des an der Münchener Buchdruckerfachschule ein¬ 
geführten Tagesunterrichtes erreicht worden, der an an¬ 
dern Fachschulen nicht bestehe, aber diesen gegenüber 
ein großer Vorteil sei. In dem an den Bericht sich an¬ 
schließenden Meinungsaustausch wurde im Hinblick auf 
die Erfolge der Münchener Schule bemängelt, daß sich die 
Druckmetropole Leipzig noch nicht für das gleiche System 
für ihre Schule erwärmen konnte. gKr. 

München. Nach der üblichen Sommerpause begann die 
Typographische Gesellschaft ihre Tätigkeit im neuen Ver¬ 
einsjahr am 2. September 1908. Ausgestellt waren der Um¬ 
schlag-Wettbewerb der Buchdrucker-Woche: An die Leben¬ 
den und die Ergebnisse des Exlibris-Wettbewerbs der 
Typographischen Gesellschaft Hamburg. Ersterer bot bei 
der großen Anzahl von Arbeiten und reichen Fülle von 
Ideen sehr viel Interessantes und gab Anlaß zu lebhaftem 
Meinungsaustausch; ein beigegebener Bericht der Berliner 
Schwestergesellschaft gelangte zur Verlesung. Die Ham¬ 
burger Arbeiten waren einige Tage zuvor durch Mitglieder 
der Münchener Gesellschaft bewertet worden und konnten 
eben noch vor ihrer Heimreise vorgeführt werden. In dem 
Gutachten des Preisgerichts mußte bemängelt werden, daß 
mehrere Arbeiten den Bestimmungen des Wettbewerbes 
nicht entsprachen, deshalb außer Konkurrenz gesetzt wer¬ 
den mußten. Der Beurteilung der Arbeiten und den Vor¬ 
schlägen für die Preiszuerkennung wurde durch die Ver¬ 
sammlung zugestimmt. Zur Entlastung der Vorstandsschaft 
wurde eine besondere technische Kommission gewählt, 
welche die Aufgabe hat, allen einschlägigen Neuheiten ihr 
Augenmerk zuzuwenden, sie nach Möglichkeit auf ihren 
praktischen Wert zu prüfen, bei Meinungsverschieden¬ 
heiten ihr Urteil abzugeben und auf diese Weise zur Be¬ 
lebung der gesellschaftlichen Tätigkeit beizutragen. Dieser 
Kommission gehören an die Herren Bammes,Hübel, Krach 
Roß und Sommer. -m-, 

Posen. Der Bachdrucker-Fachverein hielt am 22. August 
1908 eine Sitzung ab, in der nach Erledigung der geschäft¬ 


lichen Mitteilungen und Entgegennahme des Kassenbe¬ 
richtes für das zweite Vierteljahr die Ausstellung und 
Prämiierung der Entwürfe stattfand, die auf das Preisaus¬ 
schreiben zur Erlangung einer Mitgliedskarte für den Ver¬ 
ein eingegangen waren. Zunächst wurde das Urteil der 
Berliner Typographischen Gesellschaft verlesen, in dem 
die Verwendung von dunklem Papier zu einer Karte, auf 
die geschrieben werden soll, als nicht zweckentsprechend 
bezeichnet wurde. Leider wiesen einige sonst recht gute 
Karten diesen Fehler auf. Die Prämiierung erfolgte in 
der Reihenfolge der vorgeschlagenen Entwürfe. Es er¬ 
hielten: Herr Knappe den ersten Preis und die zweite 
lobende Anerkennung; Herr Manach den zweiten Preis; 
HerrMinchau den dritten Preis, sowie die erste und vierte 
lobende Anerkennung und HerrWittmann die dritte lobende 
Anerkennung. Ein Mitglied der technischen Kommission 
unterzog sodann die nicht prämiierten Entwürfe noch einer 
Beurteilung. Hierauf wurde eine Rundsendung des Ver¬ 
bandes der Deutschen Typographischen Gesellschaften, 
enthaltend Schülerarbeiten der k. k. Graphischen Lehr- 
und Versuchsanstalt in Wien, besichtigt und anerkennend 
besprochen. Der Maschinenmeister-Klub Posen hatte 
prächtige, geschmackvoll gruppierte Farbendrucke einer 
Dresdener Farbenfabrik zu einer Ausstellung zurVerfügung 
gestellt. Bei der Erörterung technischer Fragen wurde dar¬ 
auf hingewiesen, daß bei Werken, in welchen Anfangs¬ 
kolumnen mit Zierleisten Vorkommen, diese mit dem Satz, 
aber nicht mit der Kolumnenziffer in gleiche Höhe zu 
bringen sind. Eine Ausnahme gelte nur bei lebenden oder 
modernen Kolumnentiteln, bei welchen durch Füllstücke 
usw. volle Zeilen erreicht werden sollen. R-e. 

Zittau. Der Küttnersche Johannisfestdrucksachen-Aus- 
tausch lag in der Sitzung der Graphischen Vereinigung am 
29. August auf. Die erstmalig beigegebene Beurteilung der 
einzelnen Arbeiten wurde von dem Berichterstatter noch 
in folgendem ergänzt: „Der diesjährige Austausch gibt 
kein Spiegelbild von dem gegenwärtigen hohen Stande der 
druckenden Kunst. In dem naturgemäßen Bestreben, als 
Johannisfestdrucksache etwas ganz Besonderes schaffen 
zu wollen, wird des Guten zu viel getan und hierin liegt 
der Grund der vielen Entgleisungen, die sich auch bei dem 
diesjährigen Austausch bemerkbar machen. Als ein er¬ 
freulicher Fortschritt aber ist es zu bezeichnen, daß man 
sich in der Hauptsache an vorhandenes Schriftgießerei- 
Material gehalten hat, und Arbeiten zeichnerischen Charak¬ 
ters, denen in der Mehrzahl der Fälle der Dilettantismus 
anhaftet, was besonders bei früheren Jahrgängen des Aus¬ 
tausches im figürlichen Bleischnitt zu bemerken war, fast 
nicht mehr vorhanden sind. Aber auch wirklich hervor¬ 
ragende Arbeiten, die vom Hergebrachten abweichen, sind 
bei den diesjährigen Johannisfestdrucksachen wenige vor¬ 
handen. Auffällig ist das vollständige Fehlen des Empire¬ 
stiles, auch der sogenannte Geviertstil scheint sein Dasein 
beschlossen zu haben." -dl-. 

Zürich. Am Samstag den 8. August 1908 waren im Ver¬ 
einslokal des Typographischen Klubs die 305 Entwürfe 
des Maggi-Anzeigen-Wettbewerbs, welche die 18. Wan¬ 
derausstellung der Schweizer Klubzentrale darstellte, aus¬ 
gestellt. Den Bericht zu dieser reichhaltigen und inter¬ 
essanten Rundsendung hatte Herr Bleuler übernommen, 
der auf Grund des Juryberichtes die mit Preisen bedachten 
und weitere originelle Arbeiten behandelte. M. 


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PRINCETON UNIVERSITY 



- ■ ■ ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE ■ ■■ ■" ■' 

Bücher- und Zeitschriftenschau; verschiedene Eingänge. 


¥ Emile Javal, Die Physiologie des Lesens und Schreibens. 
Autorisierte Übersetzung nach der zweiten Auflage des 
Originals nebst Anhang über Deutsche Schrift und Steno¬ 
graphie von Dr. med. F. Haas, Augenarzt in Viersen. Mit 
101 Figuren im Text und einer Tafel. (XXXIV. 351 S.) Leip¬ 
zig 1907. Verlag von Wilhelm Engelmann . — Emile Javal, 
der bekannte, im vorigen Jahr verstorbene französische 
Gelehrte und bedeutende Augenarzt, der zahlreiche oph- 
thalmologische Werke verfaßt und besonders auch die 
physiologische Optik von Helmholtz übersetzt hat, bietet 
in seinem Werk über die Physiologie des Lesens und 
Schreibens eine vollständige Hygiene des Lesens und 
Schreibens vom Standpunkt des Augenarztes aus. Der 
Physiologe oder vielmehr der Ophthalmologe hat im grö߬ 
ten Umfang von diesem Werk Besitz ergriffen, so daß für 
den Psychologen nicht viel Raum geblieben zu sein scheint. 
Um es vorwegzunehmen: als ophthalmologisches Werk ist 
es ausgezeichnet. Die Einteilung ist vortrefflich. Den ge¬ 
schichtlichen Vorbemerkungen des ersten Teils (Entwick¬ 
lung der Inschriftenkunde, der Schrift, des Buchdrucks, 
der Stenographie, der Musikschrift, der Reliefschrift) folgen 
die theoretischen Betrachtungen des zweiten Teils (Optik 
des Auges, Von der Sehschärfe unabhängig von der Be¬ 
leuchtung, Einfluß der Beleuchtung auf die Sehschärfe, 
Photometrie, Sichtbarkeit von Punkten und Linien, Grund- 
und Haarstriche im Druck, Tastschärfe, Mechanismus des 
Lesens, Mechanismus des Schreibens und Lesens). Den 
Abschluß bildet dann ein dritter Teil: Schlußfolgerungen 
für die Praxis (Die öffentliche und private Beleuchtung vom 
Standpunkte der Hygiene des Auges, Die Bücher und die 
Kurzsichtigkeit, Kompakter Druck, Verbreitung der Steil¬ 
schrift, Schreibunterricht, Lesen, gelehrt durch Schreiben, 
Schreibtafel für Blinde, Entzifferung schlechter Schrif¬ 
ten, Graphologie, Schreibsachverständigen-Tätigkeit usw.) 
Aus dieser Inhaltswiedergabe erhellt schon an sich das 
reichliche Überwiegen von rein physiologischen Unter¬ 
suchungen. Das ist zweifellos, daß hier die Beziehungen 
des Schreibens und Lesens zur Augenheilkunde in unge¬ 
mein sorgfältigerWeise erfaßt und dargestellt sind. Physio¬ 
logisch ist es daher überaus anregend und verdient die in¬ 
tensivste Beachtung seitens der Augenärzte, die den Ver¬ 
wüstungen,die Schreiben und Lesen hervorgebracht haben, 
Einhalt tun sollen. Es unterliegt jedoch Bedenken, bis zu 
welchem Grad Erkenntnisse und Befunde von der ophthal- 
mologischen Seite, von Abnormitäten und Erkrankungen 
her für eine exakte Psychologie der in Rede stehenden 
Vorgänge maßgebend sein können. Umgekehrt können 
Beobachtungen am gesunden Auge sehr schön gestützt 
werden durch solche am kranken oder erkrankten, die 
Verzerrungen der dort gefundenen Tatsachen können sehr 
lehrreich sein. Ergebnisse aus erkrankten Organen her 
und weitere Deduktionen daraus lassen sich nicht einfach 
auf Funktionen des gesunden Auges ausdehnen. Ein Buch¬ 
stabe ist ein unendlich kompliziertes Gebilde, aber wenn 
der Augenarzt seinen Patienten vor eine Tafel mit Buch¬ 
staben bringt, so läßt dies doch gar keinerlei Vergleich mit 
den experimentellen Verfahren zu, mit denen ein psycho¬ 
logischer Experimentator dem Problem näher zu kommen 
sucht. Schon Erdmann-Dodge, da/jn Marbe und vor allem 


neuestens Kirschmann abstrahieren daher fast ganz von 
der an der Sache hängenden Ophthalmologie, psychologisch 
haben darum ihre Ergebnisse, und in erster Linie darunter 
die Kirschmanns, die Probleme am meisten gefördert, ja 
vieles schon erschöpfend gelöst. Der Wert des Javalschen 
Werkes wird dadurch keineswegs beeinträchtigt, er liegt 
nur auf einem andern Felde. Die Untersuchungen etwa 
über die Optik des Auges, über die Sehschärfe, über die 
Beleuchtung, über die Kurzsichtigkeit, über die Blinden¬ 
schrift sind vorzüglich. Dem geistigen Vorgang des Lesens 
selbst aber nähert sich die Forschung durchweg von der 
psychologischen Seite her und erhält darum ihre Resultate 
auch von diesem Ursprung her bestimmt. Dies bezieht 
sich sowohl auf die Ereignisse, unter denen das normale 
Lesen stattfindet, wie auf die Richtlinien, die sich daraus 
für die Form der Buchstaben ergeben, und die auch hier 
weiterhin für die Druckpraxis und für die Schriftgießerei, 
auch für die Fraktur- oder Antiqua-Frage, wichtig werden. 
Das Javalsche Werk geht darin seinen eigenen Weg, der ihm 
diktiert ist eben von den in ihrer Bedeutsamkeit einzu¬ 
schränkenden ophthalmologischen Methoden und Unter¬ 
suchungen. Von diesem abgesehen ist es ein ungemein 
reichhaltiges, wertvolles und interessantes Werk, dessen 
Kenntnis jedem, der mit Schreiben und Lesen zu tun hat, 
also jedem Gebildeten von hohem Nutzen sein muß. Z. 

¥ N. S. Amstutz, Handbook of photoengraving (Handbuch 
für Reproduktionstechnik). Chicago 1907. Verlag der In¬ 
land Printer Company. Preis gebunden M 12.—. In dritter 
vollständig neubearbeiteter Auflage erscheint das in den 
englischen Fachkreisen sehr verbreitete Handbuch von 
Jenkins. Als Bearbeiter wurde der durch seine monatlichen 
Aufsätze im Inland Printer bekannte Fachmann M. Amstutz 
gewonnen. In dem Handbuche werden nur die Hochdruck- 
verfahren, also Strichätzung und Autotypie, beschrieben. 
Das Buch zerfällt in folgende Abschnitte: Das Bureau 
(18 Seiten); Zeichnen für Reproduktion (42 Seiten); Photo¬ 
graphie (180 Seiten); Ätzen (66 Seiten); Nachschneiden 
und Aufklotzen (18 Seiten); Herstellung der Probedrucke 
(24 Seiten); Theorie (12 Seiten) und Praxis (24 Seiten) des 
Dreifarbendruckes; Tabellen. Die vorkommenden Arbeiten 
sind kurz und verständlich behandelt; als ausführlicher 
Ratgeber soll das Buch auch nicht dienen, sondern bloß 
ein Führer durch die technisch wichtigsten Reproduktions¬ 
verfahren sein. Die Verteilung des Textes ist etwas son¬ 
derbar. Einige für die Praxis bedeutungslose Verfahren, 
wie z. B. die Metzographautotypie sind sehr ausführlich 
beschrieben, andre äußerst wichtige, wie das Verarbeiten 
der Kollodiumemulsion, die Ätzmaschinen usw. sind nur 
ganz kurz behandelt. Etwas auffällig ist die überaus ge¬ 
naue Darstellung der eigenen langwierigen Versuche des 
Bearbeiters in solch einem populären Buche. Im allge¬ 
meinen gehört aber das Handbuch zu den besten Erschei¬ 
nungen auf dem Gebiete der Fachliteratur und ich kann 
dessen Anschaffung allen englisch lesenden Fachgenossen 
warm empfehlen. Dr. E. Goldberg. 

¥ Magyar Nyomdaszok Evkönyde 1908. (Ungarisches 
graphisches Jahrbuch.) Herausgegeben von Novak Laszlö 
in Budapest. Über den vorigen Band dieses verdienstlichen 
Unternehmens konnte nur Günstiges gesagt werden, und 


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PRINCETON UNIVERS1TY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


bei Durchsicht des vorliegenden neuesten Bandes gewinnt 
man den Eindruck, daß der Herausgeber es sich hat an¬ 
gelegen sein lassen, den Inhalt äußerst vielseitig zu ge¬ 
stalten. Die Abhandlung über ältere „Kunstsätze 0 hat ver¬ 
mutlich mehr des historischen Interesses halber Aufnahme 
gefunden als aus praktischen Gründen, während die 
illustrierte Abhandlung über den Corvinschen Kodex 
wertvoller erscheint. Artikel über Kleister- und Vorsatz¬ 
papiere, Ornamentik,Papyrus, des Schriftsystem, Akzidenz¬ 
satz, Gießzettel, Tonplattenschnitt u. a. m. bilden den 
weiteren, zumeist illustrierten Inhalt. Von vielem Interesse 
ist eine Abhandlung über den Satz fremder Sprachen, 
wobei auch wertvolle Hinweise in bezug auf die slawischen 
Sprachen gegeben sind. Zahlreiche Satzbeilagen, die nicht 
alle als gute gelungene bezeichnet werden können, sowie 
sehr schöne Blätter in Buchdruck ergänzen das im ganzen 
gut ausgestattete und für den der ungarischen Sprache 
Mächtigen gewiß interessante Jahrbuch, dem ich nur die 
weiteste Verbreitung in Fachkreisen wünschen kann. S. 

V Meister der Farbe, 5. Jahrgang. Leipzig 1908. Verlag 
von E.A.Seemann. Preis pro Heft im Abonnement M 2.—, 
Einzelhefte M3.—, Einzelblätter M 1.—. Den besten Be¬ 
weis der Wichtigkeit des modernen Dreifarbendruckes für 
die Entwicklung des Kunstsinnes in den breiteren Schich¬ 
ten des Volkes liefern die Verlagswerke von E.A.Seemann, 
insbesondere das oben genannte periodische Sammelwerk. 
Selten sieht man nebeneinander so viele ausgezeichnete 
Dreifarbendrucke, wie es in den vorliegenden Heften der 
Fall ist. Die Platten für das Werk werden bei Römler & 
Jonas in Dresden hergestellt, bei Förster & Borries in 
Zwickau gedruckt und ich kann nur sagen, daß die Drucke 
dem Ruf des Verlegers und der beiden mustergültigen An¬ 
stalten entsprechen. Gg. 

1f Die Papierberechnung für Buchdruckereien, Buchbin¬ 
dereien und Kartonnagenfabriken. Bearbeitet und zu be¬ 
ziehen von Pet. Wald. Heinen in Neuß a. Rh. 2. Auflage. 
Ohne Preisangabe. — Das sehr geschickt bearbeitete 
Büchlein gibt nach einer Erklärung für den Gebrauch der 
Tabellen zunächst auf die Frage: Wieviel Papier gebrauche 
ich? Antwort durch eine Zusammenstellung des Papier¬ 
bedarfs für Auflagen von 50 bis 50000 Bogen bei 2 bis 49 
aus dem Bogen zu schneidenden Exemplare. Dann folgt 
eine Zusammenstellung, die Auskunft über die Kosten des 
Papiers gibt und sofort, von M 3.— anfangend um je 50 Pf. 
steigend bis zu M 50.— für 1000 Bogen, erkennen läßt, was 
ein oder mehrere Bogen Papier kosten. Der Papierberech¬ 
ner wird allen, die mit dem Verbrauche von Papier zu tun 
haben, ein schneller und guter Ratgeber sein. A.Schl. 

W Kunst und Leben. Ein Kalender mit 53 Originalzeich¬ 
nungen deutscher Künstler als Begleiter durch das Jahr 
1909. Berlin 1908. Verlag von Fritz Hey der. Preis mit 
Sammelmappe M 3.—. Wahrlich, es ist erstaunlich, was 


die Verlagsbuchhandlung für den Preis von M 3.— bietet. 
Auf ein von Robert Engels in München gezeichnetes, in 
autotypischem Mehrfarbendruck sehr gut wiedergegebenes 
Titelblatt folgen 52 Originalzeichnungen deutscher Künst¬ 
ler, die derartig verteilt sind, daß nach je einem Bilde, das 
für das Sonntagsdatum bestimmt ist, ein Wochenkalender¬ 
blatt folgt. Die Originalzeichnungen sind von der Firma 
Gebr. Klingspor in Offenbach a. M. in Strich- oder Netz¬ 
ätzung ganz vorzüglich reproduziert worden, wozu nicht 
wenig beigetragen haben dürfte, daß die Originale, die 
zumeist nicht größer als die Vervielfältigung waren, von 
den Künstlern für die Wiedergabe in dem vorliegenden 
Formate und in der angewendeten Technik bestimmt wur¬ 
den. Der Kalender bietet sohin eine prächtige Sammlung 
von graphischen Arbeiten erster deutscher Künstler, wie 
J.V.Cissarz, Walther Caspari, Hellmuth Eichrodt, Otto 
Fikentscher, Fidus, Franz Hein, Friedr. Kallmorgen, Ernst 
Liebermann, Rudolf Schiestl, Hugo Steiner-Prag, Hans 
Thoma, Hans von Volkmann, Ludwig von Zumbusch und 
andern. Möge das verdienstvolle Unternehmen weiteste 
Verbreitung finden und echte deutsche Kunst in alle Kreise 
tragen. Bemerkt sei noch, daß auch die satz- und druck¬ 
technische Ausführung allen neuzeitlichen Anforderungen 
entspricht,was bei„künstlerisch“ausgestatteten Kalendern 
nicht immer der Fall zu sein pflegt. A. N-w. 

W Jubiläums-Korrespondenzkarte. Aus Anlaß der Feier 
des 60. Regierungsjahrs des Kaiser Franz Josef I. von Öster¬ 
reich-Ungarn wurden am 18. August 1908Jubiläums-Korre- 
spondenzkarten in Verkehr gesetzt, von welchen uns die 
k. k. Hof- und Staatsdruckerei in Wien in liebenswürdiger 
Weise einen von der Originalplatte auf Japanpapier her- 
gestellten Abdruck der Bildseite übersandte, der von den 
an der Ausführung beteiligten Künstlern Professor Kolo- 
man Moser und Kupferstecher Ferdinand Schirnböck 
signiert ist. Die Bildseite der Karte zeigt in der Mitte das 
in Kupferdruck ausgeführte Porträt des Kaisers Franz 
Joseph I.aus dem Jahre 1908, rechts ist eine Ansicht des 
Schlosses Schönbrunn, links eine Ansicht der Wiener 
Hofburg. Die vier Eckräume der Karte sind mit Orna¬ 
menten geziert, die Motive aus dem österreichischen 
Wappen zeigen. In sechseckigen Vignetten sind unter die 
Jahreszahlen 1848 (rechts) und 1908 (links), oben je ein 
Lorbeer- und ein Eichenzweig angebracht. Der Entwurf zu 
den Karten rührt von Professor Koloman Moser, der Stich 
des Porträts, für das eine unter Leitung des Professor 
William Unger von der k. k. Hof- und Staatsdruckerei aus¬ 
geführte photographische Aufnahme als Grundlage diente, 
und der Ansichten ist vom KupferstecherFerdinandSchirn- 
böck ausgeführt. Die Bildseite der Jubiläums-Korrespon- 
denzkarte ist eine ganz hervorragende künstlerische und 
zugleich technische Leistung, die allen bei der Herstellung 
und Ausführung beteiligten Kräften zur Ehre gereicht. A.W. 


Inhaltsverzeichnis. 


Die Technischen Kurse in der Königlichen Akademie 
für graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig. IV. 
S. 361. — Zur Entwicklung der Rotationsmaschinen. II. 
S.363. — Eine Studienreise in Nordamerika. II. S.368. — 
Das Buchgewerbe in der Münchener Ausstellung 1908. 
S. 372. — Eine graphische Skizze von der Hessischen 


Landesausstellung für freie und angewandte Kunst in 
Darmstadt. S.380. — Drahtheftung. S.382. — Die Behrens- 
Antiqua. S.383. — Buchgewerbliche Rundschau. S.385. 
— Aus den graphischen Vereinigungen. S.389. — Bücher¬ 
und Zeitschriftenschau; verschiedene Eingänge. S.391. 

8 Beilagen. 


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n. BAND 

DIE GESCHICHTE 
DER BAU-KUNST 

VON DR. JULIUS BAUMANN 


GÜNTHERS VERLAG • BONN 


HEINRICH NEUBERS 
ERINNERUNGEN 
UND SONSTIGES 


VERLEGT BEI LUDWIG BEHR 


BERLIN • LEIPZIG • DRESDEN 


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EINWORT ANDIE 
MUSIKFREUNDE 
VON HUGO BEHRND 


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ARION -VERLAG • MÜNCHEN 


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EDMUND NEUENTOR 


DIE HUNDERT 
NOVELLEN 

ZUM ERSTEN MAL UND 
SÄMTLICH ÜBERSETZT 
EINGELEITET UND MIT 
ERLÄUTERUNGEN UND 
BILDERN ERGÄNZT VON 
BERNHARD KREBER 


VERLAG HANS STEIN - JENA 


Beilage zum Archiv für Buchgewerbe. Material (Schrift Säculum) und Satz von der Schriftgießerei D. Stempel, Akt.-Ges., Frankfurt a. M. 


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Beilage zum Archiv für Buchgewerbe 


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Behrens-Antiqua und Schmuck 
Material, Sat^ und Druck von 
Gebr. Klingspor, Offenbach • M. 


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PRINCETON UNiVERSITY 












uf der HefTifchen Landes-Ausftellung in Darmftadt find wir als einzige Schrift¬ 
gießerei vertreten. Im Gebäude für angewandte Kunst enthält Raum 27 die Er- 
^zeugnifle unferer Schriftgießerei, während in Raum 28 Arbeiten der Chemigra- 
phifchen Anftalt ausgeftellt find. Zur Befichtigung der Ausftellung laden wir ein. 

GEBR. KLINGSPOR • OFFENBACH AM MAIN 


worfen, diesen doch auf dem Wege der Blut- 
mischung mit der Gefahr der Entartung und 
des allmählichen Verlustes der rassenhaften 
Überlegenheit bedroht. Auf der anderen 
Seite wird, sobald erst der Rassengedanke bei 
den Weissen sich siegreich durchgesetzt hat, 
das Gefühl des Gegensatzes gegenüber den 
Farbigen und vor allen Dingen das Zusam¬ 
menfallen der sozialen mit der Rassenschei¬ 
dung ein schlechthin bestimmender Zug in 
dem sozialwirtschaftlichen und sozialpsycho¬ 
logischen Status eines solchen Koloniallandes. 

e inen ganz verschiedenen Gang nimmt 
die Entwicklung dagegen in all den Ge¬ 
bieten, wo die Eingeborenen ganz oder an¬ 
nähernd vor den Weissen verschwunden sind. 
Das Festland von Australien besitzt z. B. in 
physikalischer Hinsicht eine grosse Ähnlich¬ 
keit gegenüber Südafrika, aber die austra¬ 
lischen Eingeborenen sind fast ganz ausge¬ 
storben oder in das unzugängliche, wertlose 
Innere des Kontinents zurückgedrängt. Daher 
ist in Australien von den besonderen sozialen 
Folgeerscheinungen, die durch das Zusam¬ 
menleben der Weissen mit einer eingebo¬ 
renen Rasse auf demselben Wohngebiet ent¬ 
stehen, nichts zu spüren. Auch in Australien 
hätten die weissen Kolonisten die Eingebo¬ 
renen vor allen Dingen gern als Arbeiter 
ausgenutzt. Es war aber unmöglich, weil die 
geregelte Arbeit, und wäre sie auch noch so 
einfacher Art gewesen, die Leistungsfähig¬ 
keit des Eingeborenen schlechthin überstieg. 


D ie Australier standen auf der tiefsten 
Stufe kultureller Entwicklung, auf wel¬ 
cher die ganze Arbeitsfähigkeit und Arbeits¬ 
leistung des Menschen sich darin erschöpft, 
im gegebenen Augenblick auf irgend eine 
Weise das unmittelbar vorhandene Bedürfnis 
nach Nahrung, Schutz, Unterkunft usw. zu 
befriedigen. Hierfür war er sehr wohl im¬ 
stande, eine bedeutende physische und in¬ 
tellektuelle Arbeitsleistung zu produzieren: 
lange Märsche, Herstellung tiefer, schwieriger 
Fallgruben für das Wild, ausdauernde und 
geschickte Anfertigung von Waffen, Über¬ 
listung der lagdbeute oder des menschlichen 
Gegners auf die verschiedenartigste Weise. 
Da aber sowohl für den Ackerbau als auch 
für die Viehzucht jegliche Ansätze bei den 
australischen Eingeborenen vor Ankunft der 
Europäer fehlten, so war ihnen auch die Vor¬ 
stellung und die Gewöhnung an jede solche 
Art von Tätigkeit fremd geblieben, die ihrer 
Natur nach in regelmässiger und unaufschieb¬ 
barer Weise geleistet werden müsste, um 
ihren Zweck, die Sicherung des Unterhalts, 
zu erreichen. Die regelmässige Arbeit in den 
vom weissen Mann eingeführten Wirtschafts¬ 
betrieben war also dem australischen Ein¬ 
geborenen eine Unmöglichkeit. Auf der 
andern Seite bildeten die grossen Herden 
der weissen Farmer, die sich immer mehr in 
das Innere des Kontinents hinein vorschoben, 
ein unwiderstehliches Lockmittel für sämt¬ 
liche Buschleute, sich einen Hammel oder 
ein Rind zu stehlen. Auf diese Weise entstand 


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PRINCETON UNIVERSUM 










IEUMANN&SCHICKARD 
BRONZEWAREN-FABR1K 
HEILBRONN AM NECKAR 
FRIEDRICHSTRASSE NR.86 



KUNSTGEWERBE-VEREIN IN 
LUDWIGSHAFEN AM RHEIN 

H er Verein befchloß die in öffentlichen und privaten Sammlungen 
Deutfchlands aufbewahrten Zeichnungen alter und neuer Meifter 
durch gute Nachbildungen einem größeren Kreife zugänglich zu 
machen. Es follen nicht fogenannte kunftgefchichtlich wichtige, fon- 
^ ^ dern die wirklich guten Blätter aller der Sammlungen, die die Er¬ 

laubnis zur Wiedergabe erteilen, herausgegeben werden. Die Nach- 
bildung gelchieht in Lichtdruck oder Farbenlichtdruck unmittelbar 
nach den Zeichnungen und foweit als möglich in deren natürlicher 
/yfßföftk Größe und auf einem guten Papier. Monatlich foll eine Lieferung 
t 10 Blatt zum Preife von 4.50 Mark erfcheinen. Je 12 Lieferungen 

werden zu einem Band mit Titel und Inhaltsverzeichnis vereinigt. <> 
Der Text wird außer notwendigen Angaben über Ausführung, Her- 
kunft und Zudand der Blätter eine kurze Betrachtung, die das Ver- 
(tändnis für eine jede Zeichnung und deren Würdigung zu fördern 
bedimmt id, enthalten. Die Veröffentlichung diefer zum großen Teil 
wenig bekannten Meiderwerke zu einem Preife, der auch dem weniger 
iS rjl/' y Bemittelten die Anlchaffung erlaubt, kann aber nur gefchehen,wenn 

* fchon jet$t eine größere Anzahl Mitglieder lieh zur Abnahme bereit 
Y findet. Sobald eine bedimmte Zahl von Abnehmern fich durch die 
Unterzeichnung des beiliegenden Bedellzettels zum Bezug der erden 
12 Lieferungen verpflichtet hat, wird mit der Herausgabe begonnen. 

Köder verlags-ausschuss 


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PRINCETON UNIVERSiTY 








ORATIO PRO SEX. 
ROSCIO AMERINO 

Credo ego vos, iudices, mirari 
quid sit quod, cum tot summi 
oratores hominesque nobilis- 
simi sedeant, ego potissimum 
surrexerim, qui neque aetate 
neque ingenio neque auctori- 
tate sim cum his, qui sedeant, 
comparandus. Omnes hi quos 
videtis adesse, in hac causa 
iniuriam novo scelere confla- 
tarn putant oportere defendi, 
defendere ipsi propter iniqui- 
tatem temporum non audent. 


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PRINCETON UNfVERSiTY 




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Der Praktische Geschqfisanzeiger ist in jeder Beziehung unabhängig; die alleinige Eigentümerin, Fräulein Kate E. 
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Fachblättern der Welt ebenbürtig an die Seite zu setzen ist. Der Redaktor, George French, hat einen internationalen Ruf als 
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treter des ,,Deutscher Buchgewerbeverein.“ 

Der Praktische Geschqflsanzeiger ist ein unentbehrlicher Wegweiser für alle, die inserieren und sich mit Veröffentli¬ 
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Die neue Druckkunst 

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ist in Abhandlungen und in 
mancherlei Vorträgen gar 
viel von „moderner“ Kunst 
im Buchdruck geschrieben 
und geredet worden. Außer 

_!1 Zweifel steht wohl, daß ein 

großer Teil der Fachgenossen seine früheren 
Anschauungen über das Künstlerische im 
Buchdruck geändert und den neuen Lehren 
Beachtung geschenkt hat; diegrößere Hälfte 
der Jünger Gutenbergs, sowie derjenigen, 
die sich zu ihnen zählen, hat aber manchmal 
noch recht eigenartige Begriffe davon, was 
die sogenannte moderne Buchdruck-Kunst 
ausmacht und was sie will. Darum dürften 
einige kurze Betrachtungen hierüber nicht 
unzeitgemäß sein. Die Literatur, die Kunst 
und das Kunstgewerbe betraten neueWege, 
indem sie allen ihren Erzeugnissen ein neu 
anmutendes, dem ethischen sowohl wie dem 
ästhetischen Gefühle mehr entsprechendes 
Aussehen und eine ganz andere Richtung 
gaben. Die Architektur machte sich frei von 
der bisweilen im Übermaß geübten bloßen 
Nachbildung der sogenannten klassischen 
Stilarten, die Wettbewerbe förderten wahre 
Kunstschätze zutage und selbst bei Kirchen¬ 
bauten fand die neue Kunst entgegen aller 
Tradition wiederholt passende Anwendung. 

Der Aufschwung im Kunstgewerbe ist ja 
überall betont worden, die durchgreifende 
Geschmacksänderung im Buchgewerbe ist 
aber wohl so ins Auge fallend, daß es einer 
besonderen Hervorhebung kaum bedarf. 
Wohl in keinem Zweige des Kunstgewerbes, 
zu welch letzterem auch der Buchdruck und 


insbesondere das Akzidenz wesen gerechnet 
werden muß, ist aber die Auffassung und 
Auslegung des Begriffes modern eine derart 
verschiedenartige, ja oft ungeschickte und 
unsichere wie gerade im Buchdruck. Die 
Eigenart der Schöpfungen eines besonderen 
Künstlers oder einer bestimmten Druckerei 
oder auch diejenige eines eben erschienenen 
Materials wird häufig als der Inbegriff alles 
Neuen angesehen, aus jeder selbständigen, 
sich nicht an das Bestehende anlehnenden 
Betätigung wird auf einen ganz neuen Stil 
gefolgert. In der Tat handelte es sich aber 
bisher in solchem Falle nur immer um den 
Ausfluß einer Modelaune. Ich erwähne als 
Beispiele nur die überwundene Jugendlinie, 
an die sich das primitive Material der fetten 
Viertelpetitlinie anschloß. Der Biedermeier¬ 
und Empirestil brachte den Buchdruck so 
wie das Kunstgewerbe auf Abwege und die 
neueste Geviertmanier ist kaum als ernste 
Geschmacksäußerung aufzufassen. 

Viele Buchdrucker stellen sich nun unter 
dem Modernen etwas besonders Groteskes 
vor, übersehen dabei aber, daß nur das als 
modern gelten kann und darf, was in jeder 
Hinsicht auch dem ästhetischen Empfinden 
des gebildetenMenschen entspricht,also frei 
vom Überschwänglichen und Gesuchten ist. 
Ein landschaftliches, ein pflanzliches Motiv, 
das Motiv eines Lebewesens, werden gewiß 
nimmermehr als modern gelten können, so 
lange die betreffende Darstellung noch die 
Unebenheiten der Natur aufweist. Es kommt 
also nicht auf die Auffassung allein, sondern 
auch auf die Art und Mittel der Wiedergabe, 
auf dieTechnik an, wenn der Begriff modern 
getroffen werden soll. Es ist wohl berechtigt, 
den Buchdruck in der modernen Bewegung 


SCH RI FTGI ESSEREI LUDWIG & MAYER, FRANKFURT A. M. 


Garmond Augenheil 3683 A 


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Or Beilage zum Archiv für Buchgewerbe 

PRINCETON UNIVERSUM 





















































































































ÄUGENHEIL 




Für eine Beurteilung des Zeitgeschmacks im 
Buchdruckgewerbe können unmöglich einzelne 
besonders charakteristische und mit Raffinement 
hergestellte Arbeiten die Grundlagen bilden, die 
große Menge der Durchschnittsarbeiten muß 
vielmehr als Grundlage dienen. Deshalb kann 
von einer erzielten Läuterung des Geschmacks 
in der Buchdruckerkunst erst dann ernstlicher 
gesprochen werden, wenn sich eine möglichste 
Einheitlichkeit der Ausstattungsweise, ein ziel¬ 
sicheres Arbeiten stärker bemerkbar macht und 
minderwertige Arbeiten mehr und mehr zu den 
Ausnahmen werden. Daß wir von diesem Ziele 
trotz aller gemachten Anstrengungen noch weit 
entfernt sind, lehrt uns die einfache flüchtige 
Betrachtung weniger Arbeitsgruppen. 

So in erster Reihe die der Tageszeitungen und 
Fachzeitungen. Schon die ganze Anordnung der 
Textseiten läßt erkennen, daß man sich schwer 
odergarnichtvon dersogenannten altbewährten 
Art der Spalteneinteilung, der Anordnung der 
Rubriken, der Spaltenlinien und anderem mehr 
trennen kann, obgleich gerade bei dieser Gattung 
Drucksachen am ersten für die allgemeine Ge¬ 
schmacksverbesserung gewirkt werden könnte. 
Wir dürfen selbstverständlich unsere Forderung 
hinsichtlich einer guten Ausstattung der Zeit¬ 
literatur nicht zu hoch stellen, denn Gewohnheit, 
Ersparnis an Aufwand und oft ungeeignetes 
Material vereiteln jedweden Erfolg. Und doch 
könnte schon hier manches geschehen, wie die 
Ausstattung der englischen und amerikanischen 
und selbst der französischen Zeitungen beweist. 
Die Anzeigenseiten der deutschen Tagespresse 
sind in den meisten Fällen der Tummelplatz für 
typographische Geschmacklosigkeiten. Eine 
rühmliche Ausnahme machen einige wenige 
Tageszeitungen, die auf Einheitlichkeit in ihren 
Anzeigen viel Gewicht legen und anscheinend 
nicht mit dem Widerstand der Inserenten zu 
rechnen haben, den die Zeitungsherausgeber 
häufig als Entschuldigung hervorkehren, wenn 
ihnen Vorhaltungen über die Ausstattung ihrer 
Blätter, namentlich im Inseratenteil, gemacht 
werden. Plakate bieten dem Buchdrucker nicht 
viel Gelegenheit zu künstlerischer Betätigung, 
obgleich auch ein einfaches Plakat den heutigen 


Ansprüchen entsprechend hergestellt werden 
kann. Das künstlerische Plakat herrscht heute, 
aber leider entwickelt das Künstlertum noch 
recht wenig Verständnis für deutliche Schriften, 
sodaß von Lesbarkeit oft keine Rede sein kann. 
Manche von Künstlerhand gezeichnete Plakate 
sind prächtige Schmuckstücke an den Litfa߬ 
säulen, die in grellem Gegensatz stehen zu den 
lächerlich-primitiven Buchdruckplakaten oder 
den großstädtischen Theaterzetteln. 

In der künstlerischen Buchausstattung sind 
ganz bedeutende Fortschritte zu verzeichnen, 
wer aber Gelegenheit hat, Bücherausstellungen 
zu besuchen, besonders solche, in denen Bücher 
für die große Menge ausliegen, der wird mit 
Schaudern manches Buch beiseite legen, das 
äußerlich glänzt, dessen innere Ausstattung je¬ 
doch auf eine niedrige Stufe des Buchdrucks 
schließen läßt. Wie vereinbart sich auch das 
Streben nach einer guten Bücherausstattung, 
wenn selbst angesehene Buchhandlungen den 
Maschinensatz als gut genug für eine „künst¬ 
lerische“ Buchherstellung betrachten, also das 
Billigste stets vorziehen. Auf der einen Seite 
Anstrengungen für künstlerische Bucharbeit, 
für Handwerkskunst, auf der andern als Endziel 
Maschinenarbeit. Die Warenhausliteratur sollte 
am besten ausgestattet werden, denn sie dringt 
mehr in die große Menge als die numerierten 
Liebhaberausgaben. In der guten Ausstattung 
des einfachen Buches liegt noch eine dankens¬ 
werte Aufgabe für den heutigen Buchdruck. 
Die Hauptgruppe aller Arbeiten, die zu einer 
künstlerischen Betätigung Gelegenheit geben, 
sind vor allem die sogenannten Akzidenzen. Auf 
die Ausstattung dieser Zufallsarbeiten wird jetzt 
im allgemeinen große Sorgfalt verwendet, was 
besonders auf die Fortbildungsbestrebungen der 
letzten Jahre in allen Kreisen zurückzuführen 
ist. Eine zielsichere Satzweise ist aber immer 
noch nicht erreicht, es bedarf vielmehr noch 
erheblicher Abklärung der Einzelarbeiten. Die 
textreichen Arbeiten lassen noch sehr viel zu 
wünschen übrig. Hier dürfte aber auch manches 
an dem guten Willen und dem Verständnis des 
Auftraggebers liegen, das zu wecken nicht leicht 
ist. Stets wird aber Einfachheit eher zum Ziele 


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Am Sonnabend den 25. August veranstaltet die 
Literarische Gesellschaft zu Mainz im Saale des 
Odeon einen Richard DehmeTAbend, zu dem 

Herr Professor Ernst Brandow 

als Vortragender gewonnen wurde. Ausserdem 
wird noch Herr Oskar Marckwald Dehmelsche 
Dichtungen rezitieren. Der Beginn des Vortrags 
ist auf 8 Uhr abends angesetzt; um pünktliches 
Erscheinen wird dringend gebeten. — Karten zu 
50 Pf. sind an den bekannten Stellen erhältlich. 


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= ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE .. — 


SCHRIFTNEUHEITEN 


eachten Sie bei Beöarf unsere Neuheiten in Buch-, Acciöenz-, 
Zeitungsschriften usw. BesonÖers lenken wir Ihre Aufmerk¬ 
samkeit auf unsere Schriftfamilie Schelter-Antiqua mit Kursiv, 
breiter, halbfetter unö breiter fetter Antiqua als Auszeich¬ 
nung. Ferner auf unsere charaktervollen Schreibschriften Fee 
unö Fata Morgana, unsere Kursivschrift Walgunöe unö unsere 
Inseratschriften Liane, Fafner unö Othello. Sämtliche Schriften 
sinö auf Normallinie gegossen. Muster stehen zu Diensten 


7. G. SCHEITER & GIESECKE ■ LEIPZIG 


Amerikanische Doubletone-Farben und Ullmanines 


sind einzig und allein unser Fabrikat. 


404 


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französischer Farbenfabrikanten unsere Doubletone-Farben brauchbar 
zu imitieren, sind gänzlich mißlungen. 

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PRINCETON UN1VERSITY 


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Weltausstellung Lüttich 1905: Zwei Große Preise 
Weltausstellung Mailand 1906: Großer Preis 


Prttmliert: 

London 1862 — Paris 1865 
Paris 1867 — Wien 1873 
Paris 1878— Melbourne 1881 
Amsterdam 1883 — Ant¬ 
werpen 1885 — Mitglied 
derjury außer Konkurrenz: 
Paris 1889 — Brüssel 1897 
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breitung in den Fach¬ 
kreisen finden sollen, 
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ARCHIV FÜR 
BUCHGEWERBE 




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PRtNCETON UNIVERSITY 


































ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



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PRINCETON UNIVERSITY 































































ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



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bearbeitung 

Objektive 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 














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Reliefausführung für Lederprägung in Stichel- und Punzen-Technik von Hugo Becker 
Lehrer: Georg Schiller 


Zu dem Artikel: Die Technischen Kurse in der Kgl. Akademie für graphische 
Künste und Buchgewerbe in Leipzig V. Die Gravierung und der Stempelschnitt 


Beilage zuip i Archiv für 



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PRINCETON UNIVERSITY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 

BEGRÜNDET VON ALEXANDER WALDOW 

45. BAND OKTOBER 1908 HEFT 10 

HERAUSGEGEBEN VOM DEUTSCHEN BUCHGEWERBEVEREIN 

Bekanntmachung. 

Inden Deutschen Buchgewerbeverein wurden im Monat September 1908 als Mitglieder aufgenommen: 

1. Eduard Buß i. Fa. Fredebeul & Koenen, Buch- 13. Karl Prochaska i. Fa. Karl Prochaska, k.u. k. Hof¬ 
druckerei und Buchhandlung, Essen. buchdruckerei und Verlag, Teschen. 

2. Earnest Elmo Calkins i. Fa. Calkins & Holden, 14. Paul Sauer i. Fa. Paul Sauer, Berliner Buchdruck- 

New York City. walzen-Gießanstalt und Walzenmassefabrik, 

3. F. W. Cordier , Verleger des Apostolischen Stuhles, Berlin. 

i. Fa. F.W. Cordier, Buchdruckerei, Heiligenstadt. 15. P. Schefe i.Fa. H. Osterwald, Buchdruckerei, 

4. Carl Döbler i.Fa. Aug.Weisbrod, Buchdruckerei, Hannover. 

Frankfurt a.M. 16. Heinrich Scheufeien i.Fa. Erste deutsche Kunst- 

5. Georg FexiSy Verlagsbuchhändler, Athen. druckpapierfabrik Carl Scheufeien, Oberlenningen 

6. H. Gierig , Prokurist der Fa. E. Graf & Co., Buch- b. Kirchheim. 

druckerei, Bochum. 17. Beruh. Unfug , Direktor der Unitas G. m. b. H., 

7. Hub. Hoch, Buch- und Steindruckerei, Düsseldorf. Bühl. 

8. Josef Huch i. Fa. J. G. Huch & Co., G. m. b. H., 18. Eduard Weingärtner i.Fa. A.Flaskämper, Maschi- 

Graphische Kunstanstalt, Braunschweig. nenfabrik, L.-Lindenau. 

9. Paul König i. H. Ostasiatischer Lloyd, 19. Hans Wunder i.Fa. Hans Wunder G.m.b.H., 

Shanghai. Farbenfabrik, Wilhelmsberg-Berlin. 

10. Ad. Langer, Direktor der Paulinus-Druckerei, Trier. 20. C.J. Zeegersdeeckens i.Fa. Faddegon & Co., Kgl. 

11. J. G. Mailänder , Maschinenfabrik, Cannstatt. Hofbuchdruckerei, Amsterdam. 

12. Herrn. Neußer i. Fa. General-Anzeiger für Bonn 21. Dr. Mark Zitron i.Fa. Verlagsbuchhandlung 

und Umgegend, Bonn a. Rh. „Sotrudnik“, Kiew. 

Leipzig , 1. Oktober 1908 

Die Geschäftsstelle des Deutschen Buchgewerbevereins 

Arthur Woernlein, Verwaltungsdirektor 


409 


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Die Technischen Kurse in der Königlichen Akademie 
für graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig. 

V. Die Gravierung und der Stempelschnitt . Von GEORG SCHILLER, Leipzig. 


5SW8SM Jahre 1905 wurde an der Königlichen 
Akademie für graphische Künste und Buch- 
gewerbe eine Fachklasse für diejenigen Tech¬ 
niken eingerichtet, welche im wesentlichen der buch¬ 
gewerblichen Massenproduktion zu dienen haben. Im 
Stempelschnitt und in der Gravierung entstehen die 
Originale, deren künstlerische Werte mittelst Gie߬ 
maschine und Prägepresse milliardenfach verviel¬ 
fältigt werden und deshalb in ihrem Einfluß auf die 
allgemeine Geschmacksbildung nicht an letzter Stelle 
der Erfüllung des Unterrichtsprogrammes der Aka¬ 
demie zu dienen haben. 

Auch mit diesen Techniken haben sich die An¬ 
gehörigen der Vorschule zu befassen. 

Ein Vortrag, der an der Hand vorbild¬ 
licher Arbeiten der im Altertum und 
Mittelalter zu hoher Blüte entwickel¬ 
ten Gravierkunst, deren Geschichte 
und Ausdrucksmöglichkeiten, sowie 
die zur Druck- und Prägetechnik ver¬ 
wendbaren Metalle, Werkzeuge und 
Maschinen behandelt, leitet den halb¬ 
jährigen (in wöchentlich 8 Stunden zu 
gebenden) Kursus ein. Entsprechend 
den für das Buchgewerbe in Betracht 
kommenden Ausführungsarten teilen 
sich die dann beginnenden, tech¬ 
nischen Übungen in: I. Metallstich; 

II. Stempelschnitt und III. Reliefgra¬ 
vierung. Sie werden als Gesamtauf¬ 
gaben nach den vom Lehrer an der Grav,erun{ 

Tafel gegebenen Vorzeichnungen ausgeführt und be¬ 
wegen sich in schlichten Linienführungen, bei deren 


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JaUs 

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E) ISA GU 


Gravierung. Vorübung I 


Befähigung des Schülers nach deren eigenen Ent¬ 
würfen oder nach guten, alten Vorbildern — in Schrift¬ 
metall, Zink oder Messing — ausgeführt und finden 
ihren Abschluß in einer in acht Stunden zu bewältigen¬ 
den Prüfungsarbeit, bei der nicht selten recht be¬ 
achtenswerte Leistungen zutage treten. 

Trotz der Schwierigkeiten, welche die Metallbear¬ 
beitung naturgemäß der bisher nur an Zeichenstift 
und Pinsel gewöhnten Hand bereitet, finden diese 
technischen Übungen zumeist das lebhafte Interesse 
der Schüler, so daß fast nach jedem Kurse einzelne 
der Gravierklasse treu bleiben und sich neben ihren 
andern Studien einige Wochenstunden für die Aus¬ 
führung kleinkünstlerischer Metall¬ 
schnitte verfügbar halten. Dieser Um¬ 
stand darf als Fingerzeig gelten, daß 
auch bei der Schülerschaft immer 
mehr die Notwendigkeit erkannt wird, 
durch selbsttätige Ausübung der ver¬ 
schiedenen buchgewerblichen Tech¬ 
niken die in Material, Werkzeug und 
maschinellen Hilfsmitteln bedingten 
Möglichkeiten beachten zu lernen und 
hierdurch ihren buchkünstlerischen 
Entwürfen eine vorteilhafte Verwer¬ 
tung zu sichern. 

Der eigentliche Fachunterricht der 
Klasse für Stempelschnitt und Gravie¬ 
rung besteht im wesentlichen in der 
Leitung des Studienganges derjenigen 
Vorübung i Schüler, welche — nach vollbrach¬ 

ter, praktischer Lehrzeit — ihre technische Fertig¬ 
keit künstlerisch vervollkommnen wollen. Beson- 


Konzeption darauf Bedacht genommen ist, daß alle deres Gewicht wird aber auch darauf gelegt, daß bei 
Werkzeuge in Tätigkeit treten, die im Arbeitskasten solchen, die gewillt sind — ohne eine praktische 
des Schülers gedrängt und Lehrzeit durchgemacht zu ha- 

übersichtlich zusammenge- ben—ihre Entwürfe mit Grab¬ 


stellt sind. Als Material dient 
das leicht zu bearbeitende 
Schriftmetall, auf dem nun mit 
Zirkel, Winkel und Gravier¬ 
nadel die Aufzeichnung erfolgt. 
Nach der Gravierung bzw. dem 
Schnitt der Metallplatte be¬ 
werkstelligen die Schüler auf 
einer Prägepresse ihre Probe¬ 
drucke, wodurch sie den ersten 
Einblick in die zur Massenpro¬ 
duktion überführenden druck¬ 



stichel und Punzen selbst aus¬ 
zuführen, die zu diesen Tech¬ 
niken flinneigende Veranlagung 
im Fachunterricht die bereit¬ 
willigste Förderung erfährt. 
Es darf nicht ausgeschlossen 
bleiben, daß aus ihm auch 
Künstler hervorgehen, die sich 
zur ästhetischen Ausbildung 
genügend technische Fertig¬ 
keiten aneignen, um später in 
selbständigem Wirken oder an 


duktion überführenden druck- Gravierung. Vorübung ii selbständigem Wirken oder an 

und prägetechnischen Vorgänge gewinnen. Die den leitender Stelle im buchgewerblichen Großbetrieb 
Vorübungen folgenden Einzelaufgaben werden je nach vielseitige und lohnende Betätigung zu finden. 


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PRINCETON UNIVERSiTY 































ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Als Unterrichtsfach eines staatlichen Lehrinsti¬ 
tuts tritt die Technik des Stempelschnitts wohl zum 
ersten Male an die Öffentlichkeit. Gegenüber den 
Darbietungen der andern Fachklassen mit ihren 
Möglichkeiten der Verwendung großer Formate und 
einer durch Farbwirkung gehobenen Vortragsweise 
sehen die auf enge Flächen begrenzten Stempel¬ 
schnitte nüchtern aus und werden hinsichtlich 
einer dieser Technik ferner stehenden Kritik keinen 
leichten Stand haben. Die Gravierklasse besteht 
auch noch nicht lange genug, um namentlich in 
ihren maschinellen Einrichtungen ausgebaut sein 
zu können. Längere Zeit dürfte es zudem noch 
dauern, bis die Entwurfsklassen der Akademie die 
seither ungewohnte Technik in dem ihrer künst¬ 
lerischen Ausdrucksfähigkeit entsprechenden Um¬ 
fange anerkennen und verwenden werden. Sind 
diese Anfangsbeschwernisse einmal überwunden, so 
wird ein umfassenderer Überblick über die Wirksam¬ 
keit dieses neu eingerichteten Unterrichtsgebietes 
möglich sein; vorderhand kann man jedoch im Zweifel 
sein, ob sie hemmend wirken. Im Gegenteil darf an¬ 
genommen werden, daß die Unvollständigkeit der 
maschinellen Einrichtungen dazu beiträgt, das Über¬ 
schreiten der dieser Technik gebotenen Stilgrenzen 
zu verhüten. Lag doch gerade darin die Hauptursache 
des Niederganges der im Altertum und Mittelalter 


blühenden Stempelschneidekunst, daß ihre späteren 
Vertreter sich durch ihre technische Geschicklichkeit 
verleiten ließen, in virtuose Künsteleien zu verfallen 
und in ihren Arbeiten Wirkungen hervorzukehren, 
die mit den technischen Möglichkeiten unverein¬ 
bar waren. Es kann deshalb auch nur fördernd 
sein, wenn in der ersten Zeit des Bestehens die für 
die engbegrenzten Stempel- und Plattenflächen be¬ 
stimmten Entwürfe aus der Gravierklasse selbst her¬ 
vorgehen. Mögen sich die Zeugnisse ihres Vorhan¬ 
denseins auch in nüchtern erscheinenden, stilistisch 
einfachen Formausdrücken bewegen: die organische 
Entwicklung von unten herauf und von innen heraus 
kann nur günstige Folgen für die Zukunft haben. 
Die Hauptaufgabe des Lehrers muß aber vorläufig 
darin liegen, die hinsichtlich der künstlerischen Aus¬ 
druckfähigkeit des Stempelschneidens sowieso mi߬ 
trauische Schülerschaft nur allmählich und unter 
tunlichster Umgehung der schwierigsten Handgriffe 
in die Ausübung einzuführen. Die Aufmerksamkeit 
und Achtung, die dieser Technik neuerdings in 
Kunstkreisen zugewandt wird, trägt sicher dazu 
bei, ihr auch in der Akademie einen immer größeren 
Freundeskreis zu gewinnen, der schließlich nicht 
an letzter Stelle bei der Wiederbelebung der alt- 
ehrwürdigen Kunst des Stempelschneidens mitwir- 
ken wird. 


Eine Studienreise in Nordamerika. 

Von G. NICOLAUS, Kaiserlicher Bauinspektor, Reichsdruckerei, Berlin. 

III. 


jwjEIN nächster Besuch in Washington galt der 
jrfc Staatsdruckerei (Gouvernement Printing 
Wm Office), die noch ausgedehnter und moder¬ 
ner eingerichtet ist, als das in meinem letzten Artikel 
geschilderte Bureau of Engraving and Printing. Die 
Staatsdruckerei (Gouvernement Printing Office) mit 
etwa 5000 Angestellten (Abbildung 6) ist in einem 
ganz neuen siebenstöckigen Bauwerk von anliegen¬ 
dem Grundrisse untergebracht (Abbildung 7). Be¬ 
sonders hervorzuheben ist daran die Geräumigkeit 
der Säle, die reichliche Zahl von Aufzügen, sowie 
die zentrale Anlage der Tresors, die sich in der 
Mitte des Gebäudes von unten bis oben durchgehend 
übereinander befinden, wodurch sowohl ihre Sicher¬ 
heit erhöht, als auch die Bauausführung erleichtert wird. 
Die Eingangshalle hat breite Marmortreppen, ist mit 
ornamentalen Marmorsäulen und Blattpflanzen ge¬ 
schmückt, sowie mit einem Reichtum ausgestattet, 
wie er bei uns ungewohnt ist. Überhaupt wird bei 
öffentlichen Gebäuden mitunter ein großer Luxus 
getrieben. Ein besonders charakteristisches Beispiel 
ist die Kongreßbibliothek, der man es ansieht, daß 
der amerikanische Baumeister hier „das Schönste in 
der Welt“ schaffen wollte. Der große Lichthof in 

41 


diesem Gebäude ist mit einer derartigen Fülle von 
weißem Marmor und bunten Malereien ausgestattet, 
daß dem Beschauer der Eindruck des Überladnen 
zum mindesten sehr nahe gebracht wird. 

Auch die Bureaueinrichtungen der Staatsdruckerei 
sind mit einem uns ungewohnten Luxus ausgeführt. 
Dreizehn Lasten- und Personenaufzüge gehen von 
dem untersten bis zum höchsten Stockwerk und stellen 
eine schnelle und bequeme Verbindung der einzelnen 
Werkstätten her. So werden die Vorteile der durch 
die amerikanische Bauordnung erlaubten Übereinan¬ 
derlegung der Stockwerke aufs beste ausgenützt. Das 
Gebäude ist völlig feuersicher, was man in Amerika 
immer besonders betonen muß, und in den Fußböden 
sind überall Kanäle zur Unterbringung der Leitungen 
für Wasser, Gas, Elektrizität usw. von vornherein 
angebracht. Dadurch, daß alle Räume übereinander 
liegen, gestaltet sich die Verteilung von Licht und 
Kraft sehr einfach. Alle Leitungen führen vom Schalt¬ 
brett der Zentrale aus direkt nach den Räumen, 
Speisepunkte und Unterstation werden nicht nötig. 
Neben dem Hauptgebäude befindet sich ein Maschi¬ 
nen- und Kesselhaus. Acht große Schiffskessel liefern 
den Dampf für die Heizung und Kraftversorgung der 

1 56* 


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PRINCETON UNIVERSITY 




ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



Abbildung 6. Gouvernement Printing Office in Washington 


Anstalt. Zwei stehen stets zur Reserve. Die Größe 
des Kesselhauses beträgt 420 qm. Vier Dampf¬ 
maschinen, eine zu 1200, zwei zu 800 und eine zu 
450 P. S. stehen in der Kraftzentrale. Da der mitt¬ 
lere Kraftbedarf etwa 
1200 P. S. beträgt, so 
ist die Reserve noch 
reichlicher als in der 
oben beschriebenen 
Staatsanstalt. Das Ma¬ 
schinenhaus ist 16,5 
breit und 40,5 m lang, 
hat somit eine Grund¬ 
fläche von 670 qm. Die 
Schalttafel ist 25 m 
lang, also ausreichend 
groß und bei einem Abstande von 2 m von der Wand 
auf der Rückseite bequem zugänglich. Wie in jedem 
modernen Maschinenhause ist auch hier ein schwerer 
Laufkran vorhanden, der es ermöglicht, bei Betriebs¬ 
störungen und Unterhaltungsarbeiten alle Maschinen¬ 
teile leicht und schnell zu transportieren. Die Repa¬ 
raturwerkstatt beschäftigt 40 Schlosser, 15 Tischler 
und 14 Rohrleger bzw. Leitungsarbeiter. Die Aus¬ 
dehnung der Tischlerwerkstatt ist auffällig groß. Für 
die Anfertigung der Möbel (meist aus massiv Maha¬ 
goni) und für Kästen wird ein Luxus angewendet, der 
wohl etwas zu weit geht. Die Ausstattung der Staats¬ 
druckerei mit Maschinen ist gleichfalls so reichlich, 
wie sie sich ein Privatinstitut, bei dem die Wirt¬ 
schaftlichkeit die erste Bedingung ist, nicht leisten 
könnte. Wenn auch eine hinreichende Zahl von 
Maschinen vorhanden sein muß, damit die Anstalt 
allen Bedürfnissen gerecht werden kann, so er¬ 
scheint es doch fraglich, ob Wirtschaftlichkeit vor¬ 
handen ist, wenn in manchen Räumen nur ein Teil 
der Maschinen beschäftigt ist. Das war aber an den 
Besuchtsagen, die nicht gerade in flauer Geschäfts¬ 
zeit lagen, da Kongreß und Senat versammelt waren, 


der Fall. Großer Wert wird auf die hygienische 
Beschaffenheit der Betriebe gelegt. Die Druckerei 
hat einen Arzt angestellt, der ständig hierüber zu 
wachen hat und dem ein großes Kranken- und Ope¬ 
rationszimmer zur Verfügung steht. Dieser ständig 
von einer Krankenpflegerin überwachte Raum ist mit 
Betten, Operationsgeräten, Tischen und Sterilisier¬ 
apparaten ausgestattet. Zurzeit wurde das Projekt 
eines Sterilisierraumes bearbeitet, der dazu dienen 
sollte, die überall aufgestellten Spucknäpfe alle acht 
Stunden ohne die höcht unappetitliche und ungesunde 
Handarbeit mit Dampf zu reinigen, ein Projekt, das 
wohl nur durch die bekannte amerikanische Unsitte 
des ständigen Ausspuckens erklärlich erscheint. 

Recht empfehlenswert erscheint die Art der Führung, 
wie sie mir in der Staatsdruckerei zuteil wurde. Ein 
Beamter der Leitung führte mich zunächst zu allen 
Abteilungsvorstehern, machte mich mit ihnen bekannt 
und gestattete mir, den Herren mitzuteilen, worüber 
sie mich hauptsächlich unterrichten sollten. Bei meinen 
ferneren Besuchen wurde mir dann ein Bote zur 

Verfügung gestellt, 
der mich ständig 
begleitete und so¬ 
fortin diejenige Be¬ 
triebe führte, die 
ich gerade sehen 
wollte. So war es 
möglich, über alle 
Punkte die wohl- 
vorbereitete und 
schnelle Auskunft 
zu erhalten, aber 
auch die Abteilungsvorsteher hatten Gelegenheit, 
Fragen, die ihnen von Interesse waren, an mich zu 
richten. Die Organisation der Staatsdruckerei ist 
etwas komplizierter als die oben geschilderte: An 
der Spitze steht ein Direktor, der ein Bureau mit 
drei Unterabteilungen für Überwachung der tech¬ 
nischen Geld- und Verwaltungsangelegenheiten hat 
Es folgt dann: eine Verwaltungsabteilung, eine 
Rechnungsabteilung, eine Einkaufsabteilung, eine 



Abbildung 8. Setzersaal in der Gouvernement Printing Office in Washington 



Abbildung 7. Grundriß der Gouvernement Printing Office in Washington 


412 


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PRiNCETON UNIVERSUM 

























Schülerin: Alice Clarus 


Schüler: Reinhold Wust 




Schüler: Philipp Klien 



Schüler: Richard Preuße 



Einzel- und Prüfungsarbeiten aus dem halbjährigen technischen Kursus der Gravierklasse. Lehrer: Georg Schiller 


Zu dem Artikel: Die Technischen Kurse in der Kgl. Akademie für graphische 
Künste und Buchgewerbe in Leipzig. V. Die Gravierung und der Stempelschnitt 

Beilage zum Archiv für Buchgewerbe 


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Arbeiten aus dem Ergänzungs- und Fachunterricht der Gravierklasse. Lehrer: Georg Schiller 


Zu dem Artikel: Die Technischen Kurse in der Kgl. Akademie für graphische 
Künste und Buchgewerbe in Leipzig. V. Die Gravierung und der Stempelschnitt 


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Beilage zum Archiv für Buchgewerb 

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Schüler: E.Menzdorf 


Schüler: C. Linke 


Schüler: M.Keymer 


Schüler: R.Gaebler 


Schüler: Reinhold Wust 




Schüler: Reinhold Wust 


























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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


man liebt wohl ihre etwas komplizierten Einrich- matisch auszuführen. Das Runden der Bücher ge- 
tungen nicht. Die abweichenden Formate werden auf schieht auf einer besonderen selbsttätigen Rundungs- 
Rotationsmaschinen für Flachpapiere, die eine maschine. 

Stundenleistung von 5 bis 6000 Drucke bei völlig Die liniierten Formulare für die Behörden, die bei 
automatischer Anlage und Ausführung erzielen uns meist im Schwarzdruck auf den Schnellpressen 
können, hergestellt. In der Druckerei stehen etwa hergestellt sind, werden dort meist bunt liniiert. 
15 Rotationsmaschinen, 100 Zweitouren-und 20 Ein- Für diesen Zweck sind 25 Maschinen vorhanden, 
tourenmaschinen, Stopzylinderpressen waren nicht die bunte und schwarze Liniierung in allen möglichen 

vorhanden. Von den Zweitourenmaschinen sind Ausführungen liefern. Zum Teil fertigen sie sogar 

40Miehle-Pressen. Die übrigen sind von R.Hoe& Co., Formulare mit rechtwinklig sich kreuzenden Linien- 
Huber und Potter geliefert. Die Drucker sind meistim zügen in einem Prozeß, was dadurch ermöglicht 
Tagelohn beschäftigt. Sie erhalten etwa vier Dollar wird, daß das Papier in der Laufrichtung eine Wen- 

für den Tag, die Anlegerinnen zwei Dollar. Die düng um einen rechten Winkel macht.* Mehrere von 

Rotationsmaschinen liefern die Arbeit soweit wie diesen Liniiermaschinen waren mit automatischen 
möglich fertig ab, entweder gefalzt oder gefalzt und Anlegeapparaten versehen. 

ineinandergeleimt oder gefalzt und geheftet: immer Bei den Zweitourenmaschinen hatten etwa 10 bis 
zeigt sich das Bestreben, die Maschinen möglichst 20 Stück Anlegeapparate. Vorhanden war der Dexter- 
ganze Arbeit machen zu lassen, dagegen die Hand- feeder (z.T. für sehr hohe Stöße eingerichtet), der 
arbeit auszuschalten. Economie-Feeder, ein mit Preßluft arbeitender Apparat, 

Die Heftmaschinen der Buchbinderei weisen keine und schließlich der Croßfeeder. Nur der letztere hat 
wesentlichen Unterschiede von den unsrigen auf. In ein bei unsern Anlegeapparaten nicht vertretenes 
Heftmaschinen besteht sogar noch, trotz des hohen Prinzip, insofern er zwei Anlegebretter besitzt und 
Zolles, ein lebhafter deutscher Wettbewerb nach die auf das obere hingelegten Papierstöße um eine 
Amerika. Das Sammeln der Bogen geschieht durch Welle herum auf das untere Brett führt. Hierdurch 
automatische Zusammentragemaschinen, die von entsteht eine gute Bogentrennung und es wird zu 
einem Manne bedient werden und bis zu 24 Lagen gleicher Zeit auch noch erreicht, daß auf dem oberen 
verarbeiten können. Sie besteht aus einer großen Brette jederzeit nachgelegt werden kann, ohne die 
Transportkette, die periodisch weiter geschaltet wird, Maschine anhalten zu müssen, was in manchen 
der Reihe nach unten von jedem Stoß eine Lage weg- Fällen ausschlaggebend sein kann. Natürlich wird 
nimmt und die zum Buch ge- der Apparat hierdurch auch wieder höher und 

sammelten Lagen am Ende auto- größer als andre. Im übrigen arbeitet auch 

matisch abliefert. Auch die i/'K er Streichrädern, hat also auch alle 

Buchdeckel werden selbsttätig T v©/ ' Schattenseiten der Streichräder, so daß er nur 

hergestellt. Eine Maschine wird für Schöndruck verwendbar ist, für Wider- 

mit Pappdeckeln, dem zuge- druck nur dann, wenn der erste Druck völlig 

schnittenen UmschlagsstofTe und mit -(f&) (5/)“ trocken oder wenn ein Steg für das Streichen 

Leim beschickt. Die Pappdeckel wer- vorhanden ist. Für die in der deutschen 

den von der Maschine im richtigen Ab- Reichsdruckerei so viel verwendeten gum- 

stande vorgebracht, der Überzug mit i £ j mierten und sonstigen schwierig zu behan- 

Leim versehen und umgeklebt, so daß /' jtj delnden Papiere bietet er den deutschen 

die fertig überzogenen Buchdeckel von w>,>>„rTTT* Streichapparaten gegenüber keinen Vorteil, 

der Maschine abgeliefert werden. Auch— \ Vvv /— hier vei *dienen wohl Anlegeapparate, die das 

das Einhängen der Bücher in die Um- ^ . jl >c Papier von oben abheben, den Vorzug. 

Schläge erfolgt auf Maschinen, die so ^ J In der Wertabteilung werden die Kuverts 

gebaut sind, daß die fertigen gehef- ' mit den Unterschriften der Parlamentsmit¬ 
teten Lagen in die Maschine einge- J /^^\^ m | ii|iiiiii«uiiIiIiii»iiii.m^ _ glieder, die für ihre 

hängt und von dieser an den Seiten — r’vN^/ y| ! , !!!!jiiiii!!i!i!!'tl & Sendungen in Amerika 

oder am Rücken mit Leim versehen V j__ ,,,, J i bekanntlich Portofrei- 

werden, worauf der Umschlag herum- Abbild i ng 9 . SchnEldevorrichIÜIlg fur Poslk . rIE „ heit genießen, von gra- 
geführt und angeklebt wird; am Ende vierten Stahlplatten ge- 

können die fertigen Bücher entnommen werden. Be- prägt, wobei zugleich die Unterschrift mit eingefärbt 
schnitten werden die Bücher auf selbsttätigen wird. Hier wird alles Papier als Wertpapier behandelt, 
Schneidemaschinen, den auch bei uns bekannten gezählt und quittiert. In dieser Abteilung stand auch 
Dreischneidern, die das Buch festhalten, darauf an eine Maschine, die das abwechselnde Ineinander¬ 
beiden Querseiten beschneiden und dann um 90° schießen verschiedenfarbiger Papiere für die Her¬ 
drehen, um auch den Schnitt der Längsseite auto- Stellung von Scheckbüchern selbsttätig besorgte. Sie 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


marmorierter Buchschnitte aller Art nach dem Tauch¬ 
verfahren und erklärte mir die Herstellung in tadel¬ 
losem Deutsch. Nicht immer jedoch ist es mit der 
deutschen Sprache der Personen deutscher Abkunft 
so gut bestellt. Meist erhält man auf eine deutsche 
Frage eine Antwort in englischer Sprache. Es ist 
eben hier wie überall im Auslande, die gleiche Er¬ 
scheinung. Viele Deutsche suchen beim Betreten 
des fremden Landes ihr Deutschtum so schnell wie 
möglich los zu werden und erinnern sich ihres Vater¬ 
landes nur, wenn es ihnen schlecht geht, oder, wenn 
sie es kritisieren können. Andre aber, und zwar 
nicht die schlechtesten, betrachten ihr Deutschtum 
als einen teuren Besitz. Wenn sie auch im Ge¬ 
schäftsverkehr englisch sprechen, zu Hause wird 
Deutsch gesprochen. Zwar geht auch dann in vielen 
Fällen die deutsche Sprache verloren, wenn Kinder 
da sind, die in der Schule und auf der Straße Eng¬ 
lisch sprechen und zu Hause aus Unverstand oder 
Bequemlichkeit nicht Deutsch reden wollen; aber es 
gibt doch Familien, in denen das Deutschtum so 
stark ist, daß sie auch die Kinder zwingen, zu Hause 
Deutsch zu reden, und so den Vorzug der Doppel- 
sprachigkeit erhalten. Über mehr als drei Generatio¬ 
nen hält sich die deutsche Sprache, außer in ge¬ 
schlossenen Sprachgebieten, jedoch sehr selten. Aber 
selbst dann gibt es noch viele Amerikaner, die, ob¬ 
gleich der deutschen Sprache nicht mehr mächtig, 
dennoch stolz auf ihre deutsche Abstammung sind. 
Ohne die ständige Nachwanderung von Deutschland 
ist aber wohl ein dauerndes Leben der deutschen 
Sprache in Amerika nicht wahrscheinlich. 

Von Washington führte mich mein Weg nach Balti¬ 
more. Die Stadt ist seit meiner letzten Anwesenheit 
von einem großen Brandunglück heimgesucht worden, 
das viele Millionen vernichtete. Trotzdem ist die 
Bauweise der neu errichteten Häuser meist die alte 
allgemein übliche geblieben: massive Wände und 
eisernes Trägergerüst für Säulen und Decken, da¬ 
zwischen aber hölzerne Balkenlagen mit doppelsei¬ 
tiger Holzverschalung und außer den Fahrstuhl¬ 
anlagen nur eine einzige Treppe, die nicht einmal 
in einem feuersicheren Treppenhause liegt. Hierbei 
ist es natürlich gänzlich ausgeschlossen, daß sich 
aus den oberen Stockwerken jemand rettet, wenn in 
den unteren ein Brand herauskommt. 

Die letzte Station auf dem Wege nach New York 
war Philadelphia. Hier wurde die bereits oben er¬ 
wähnte Papierfabrik besichtigt und außerdem von 
der Fülle von sehenswürdigen Anlagen der Stadt 
unter anderm das musterhaft eingerichtete Zucht¬ 
haus, die Münze der Vereinigten Staaten und der 
Freimaurertempel, welch letzterer besonders durch 


die luxuriöse Einrichtung seines Innern und die in 
sieben verschiedenen Baustilen eingerichteten Ver¬ 
sammlungssäle bemerkenswert ist. Doch schon 
drängte die Zeit der Abreise und es mußte deshalb 
die Rückfahrt nach New York angetreten werden. 
Nach Belegung des Dampferplatzes blieb noch so 
viel Zeit übrig, die Bauarbeiten für den unterirdischen 
Riesenbahnhof der Pennsylvania-Eisenbahn anzu¬ 
sehen. Diese Gesellschaft baut nämlich zur Ver¬ 
bindung ihrer Bahnnetze auf dem Festlande und in 
Long Island unter dem Hudson, der eine Breite von 
etwa 2000 m hat, einen viergleisigen Tunnel nach 
New York und von dort einen zweigleisigen unter 
dem East-river mit einer Breite von 1500 m nach 
Long Island. Die Tunnelanlage unter dem Hudson 
ist fertig und für den Bahnhof in New York hat man 
sechs Häuserblocks niedergerissen und den Erd¬ 
aushub in einer Länge von etwa 800, einer Breite 
von 200 und einer Tiefe von 20 m, teilweise unter 
gewaltigen Sprengarbeiten beendet, mit der Auf¬ 
stellung der Eisenkonstruktion ist begonnen. 

Auch das Tunnelnetz der New Yorker Untergrund¬ 
bahn, mit dessen Bau man bei meiner letzten An¬ 
wesenheit im Jahre 1902 begann, wurde besichtigt. 
Dieses ist in mehreren Linien in der ganzen Läng¬ 
ausdehnung der Stadt im Betriebe und unterfährt 
mehrfach die angrenzenden Meeresarme. Hier ist 
durch die großzügige Ausführung der Verkehrsan¬ 
lagen gezeigt worden, daß sich in kurzer Zeit Ge¬ 
waltiges schaffen läßt, wenn alle Stellen zusammen 
arbeiten. Möchte eine solche Lösung durch plan¬ 
mäßiges Zusammenarbeiten auch für Berlin erreicht 
werden! Den großartige Aufschwung, den die Stadt 
New York genommen hat, nachdem es die Nachbar¬ 
städte einverleibte und mit diesen ein einheitliches 
Interessengebiet von 800 qkm Größe und etwa vier 
Millionen Einwohnern geworden ist, sollte doch dar¬ 
auf hinweisen, daß hier Größeres auf dem Spiele 
steht, als gegenseitiges Streiten um Einzelvorteile. 
Die Rückfahrt verlief gut und ohne jeden Zwischen¬ 
fall und das Schiff, die Kaiserin Auguste Viktoria der 
Hamburg-Amerika-Linie blieb von Stürmen befreit. 

In den vorangegangenen Zeilen sind die Reise¬ 
wahrnehmungen möglichst unter Vermeidung der 
Kritik und ohne Bezugnahme auf unsre Verhältnisse 
niedergelegt worden. Nicht alles, was sich für ameri¬ 
kanische Verhältnisse eignet, läßt sich ohne weiteres 
auf die unsrigen übertragen, zudem sind wir, was 
Güte und Ausführung der Fabrikate anbetrifft, den 
Amerikanern meist überlegen. Nur in ihrem Arbeits¬ 
system können wir lernen. Sollte sich in den vor¬ 
liegenden Zeilen eine Anregung hierzu finden, so ist 
ihr Zweck erreicht. 


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- ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE = 

Der moderne Zeitschriftenumschlag, 

Von PAUL WESTHEIM, Berlin. 


ST es notwendig, etwas über die Kultur¬ 
bedeutung unseres Zeitschriftenwesens zu 
sagen? Man denke sich einmal diese wech¬ 
selnde Fülle von Erscheinungen aus dem modernen 
Dasein ausgeschaltet. Es würde ohne Zweifel eine 
klaffende Lücke entstehen, die jeder verspürte, der 
sich der Klasse der Gebildeten zuzählen darf, die 
sicherlich auch die breitesten Volksschichten merk¬ 
lich empfinden würden. Gebilde, die eine solch weite, 
unbegrenzte Verbreitungsmöglichkeit besitzen, ver¬ 
dienen in jeder Hinsicht unsre ernsthafte Beach¬ 
tung. War es daher wirklich nichts, als der müßige 
Einfall einer stillen Stunde, einmal das Heft zuzu¬ 
klappen, einmal die Außenseite zu betrachten und 
nach Schönheit und Schönheitsmöglichkeiten zu spä¬ 
hen? Diese viel gesehenen Hefte könnten doch Trä¬ 
ger und Verbreiter maleri¬ 
scher und typographischer 
Leistungen sein, und so mit 
der stillen, aber emsigen 
Erziehung der vielen dem 
Kulturgedanken dienen. 

Hier ist wieder ein Um¬ 
weg, der in das Heim oder 
den Gesichtskreis des Vol¬ 
kes führt. An dem großen 
Baum ist nur ein kleiner 
Zweig, um dessen Blüten 
wir uns hier bemühen. 

Doch ist nicht jede Frucht 
ein Gewinn, ein kostbarer 
Gewinn? 

Der Umschlag ist Fas¬ 
sade und Schutzhülle, ist 
ein Umriß und ein Ab¬ 
schluß. Er soll die be¬ 
druckten Blätter vor all 
den Gefahren schützen, 
die sie so mannigfach be¬ 
drohen. Er soll dem mehr 
oder weniger wertvollen 
Kern einen Halt oder ein 
Rückgrat bieten und dabei 
doch nicht für den Leser 
unbequem und für den 
Verleger übermäßig teuer 
werden. Das Heft soll 
leicht gebunden und hand¬ 
lich sein, es soll aber stets 
ein Heft bleiben. Und so 
wird ein steifes, grobkör¬ 
niges Kartonpapier vorzu¬ 


ziehen sein, dessen Farbe so gewählt ist, daß es mehr¬ 
fach und auch ohne besondere Vorsichtsmaßregeln 
die verschiedensten Hände passieren kann. Auch 
der Zeichner und der Drucker müssen sich der be- 
sondern Art dieser Fläche bewußt sein. Ein Schmuck 
und nicht ein selbständiges Bild, ein klarer über¬ 
sichtlicher Druckspiegel werden hier verlangt. Der 
Blick eilt über den Deckel hinweg und versenkt sich 
in die Illustration des Inhalts. Das Heft soll im 
Schaufenster des Buchhändlers, bei der Ablieferung 
usw. gesehen werden. Und so wird es vorteilhaft 
sein, wenn in der Titelzeichnung die rein malerische 
Bildwirkung, die feine und minutiöse Ausarbeitung 
einer energischen Zeichnung und einer kräftigen 
Kolorierung geopfert wird, wenn sie eine breite 
Flächenwirkung erstrebt. 

Ich kann mich auf diese 
Andeutungen beschrän¬ 
ken, indem ich auf einen 
Entwurfvon J.W. Simpson 
für die in Edinburgh er¬ 
scheinende Zeitschrift The 
Book of Plates hinweise. 
Als reine Satzumschläge 
sind in derselben Weise 
mustergültig der Um¬ 
schlag 1907 des Archiv 
für Buchgewerbe und der 
Mitteilungen des Würt- 
tembergischen Kunstge¬ 
werbevereins. Hier sind 
alle Ansprüche, die man 
an einen guten Umschlag 
machen kann, voll und 
ganz erfüllt. 

Wir müssen einige Un¬ 
terscheidungen suchen, 
wenn wir uns über die 
verschiedenartigen Er¬ 
scheinungsformen der 
Zeitschriftentitel klar wer¬ 
den wollen. 

Betrachten wir zunächst 
den dauernden, unverän¬ 
derten Entwurf, der die 
Periodizität dieser Er¬ 
scheinungen streng be¬ 
tont. Die gewohnte Hülle 
hat für den Empfänger 
etwas Vertrauliches und 
Vertrauenerweckendes. 
Sie ist ihm die Erinnerung 

57 



49. Jahrgang | 1907 | Hpril. 


(fbriftlidjee 

‘Üunftblatt 

/ür1Rjrcl)c.^d)ulc un6®au$ 

fyrausc^ßkn wnt)at>i6'Kpcj). 






>I< 


Inbaltetiberfiebt: 

GIo fteht die Bewegung: Kunft in der Schule? 
Von David Koch. Mit 4 Bildern / Original- 
Skizzen zu einem einfachen ^ünglingshcim. 
Von Hrchitckt Martin Slfäjjer in Stuttgart 
t Kunftkritifchc Schülerauffätze Jt Rethele 
Bild »»Der Cod ale freund“ im rclfgiören 
Unterricht. Von Pfarrer Llc. Kühner, Wald- 
kireh ,t. B. Mit 1 Bild t QI. Steinhaufens 
„Deutrehe Weihnacht“. Mit 1 Bild * Kon- 
firmandenfaal-Bildcr. Von Pfarrer Ruez in 
ßopfmannefeld * ffeuer Wandrchmuch für 
Schule und Daus. Mit 7 Bildern f Cornelius 
Gurlitt für den modernen Wiederaufbau der 
St. Michaclishirche in Damburg / 6in neues 
„prachtwerh“. Von Ch. Demmler f ‘6in 
proteft gegen die Verunftaltung der ffürn- 
berger Sebalduekirche * Literatur t Chronik 


Stuttgart 

Verlag von f. Stclnhopf. 


>A< 


Nach einem Entwurf von H. Wieynk in Satz hergestellter 
Zeltschriftenumschlag. Verlag von J. F. Steinkopf, Stuttgart 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


an so manche Stunde freundlichen Genusses und er¬ 
hebender Erfrischungen. Gedruckte Darbietungen 
von gestern und vorgestern präsentieren sich seinem 

PHOTOGRAPHISCHE 

RUNDSCHAU-UND 

PHOTOGRAPHISCHES 

centralblatt:: 


i • 

j ZEITSCHRIFT* F1TR £ 
£ FREUNDE-DER S 
! PHOTOGRAPHIE: 3 

• herausgegeben: • 

• VON -D r -NEUHAUSS £ 
S F- MATTHIES-MASUREN : 
: UNDH.SCHNAUSS 3 

£ 20.JAHRG. :: HEFT 6 £ 

■ ■ 

■aiimiiiiinnmiama» 


24 HEFTE IM JAHRE 

VIERTELJÄHRUCH 3 MARK 
VERLAG WILHELM KNAPP 
HALLE* A*S 
1906 ' 


Aufiifl«, Anfrtj.n a | « laf d.n «.•ii.nfchaffl u t.lbN T«>l »lad tu rlcbitn »n Harr« 
Dr. R. N« u h • u (j. Gro^lichttr r«ld< ■ I b«. B.rlin. Mir.win^ 31». B.ld.i und B.i- 
lri|t fiir 4an hä.illii T«l an Hina F. Miilhiai-Miiaran. Hall« l l, Mülil»»| 1L 


In Satz hergestellter Umschlag 
Satz und Verlag der Firma Wilhelm Knapp , Halle a.S. 

Gedächtnis noch einmal, um ihn mit einer neuen 
Bereitwilligkeit dem Inhaltsverzeichnis dieser letzten 
Erscheinung zuzuführen. Der Genuß wird gewisser¬ 
maßen gesteigert, indem man ihn an eine lange, 
scheinbar endlose Kette gleicher Entzückungen an¬ 
reiht. 

Dieser ständige Entwurf, den der Verleger vor der 
erstmaligen Herausgabe anfertigen ließ und der nun 
in regelmäßigen Zeitintervallen wiederkehrt, könnte 
uns in einem andern Sinne zum Symbol werden. Ist 
das Charakterbild der Zeitschrift selbst ein andres? 

Sie hat ihre Richtung, ihren Ton, vielleicht sogar 
ihren Stil. Man verspürt hinter der Fülle der wechseln¬ 
den Äußerungen einen Geist, trotzdem hundert ver¬ 
schiedene Köpfe, hundert verschiedene Intelligenzen 
unabhängig nebeneinander das Gewebe wirken. Man 
könnte von einem Strom sprechen, der langsam und 
ruhig, stetig in dem einmal gegebenen Bett dahin¬ 
fließt, der lediglich in den selteneren Fällen einer 
ganz besonderen Erregung über den gewohnten Rand 
hinausschäumt. Dies Bild vertieft sich außerordent¬ 
lich, wenn man einmal eine Anzahl abgeschlossener 
Jahrgänge, nebeneinandergereiht, vor sich aufstellt, 

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wenn man beobachtet, wie hier mit einer zähen Stetig¬ 
keit die bunten, wechselvollen, bizarren Zeiterschei¬ 
nungen und Zeitmeinungen in eine einzige Richtung 
gebracht werden. Das einzelne Heft ist nur das Glied 
eines größeren Kranzes, nur ein Bruchteil einer 
langen Folge, die erst in ihrer Totalität eine Physio¬ 
gnomie annehmen kann. So trägt mit einer gewissen 
Berechtigung eine Zeitschrift durch Jahre und Jahr¬ 
zehnte hindurch ihr Titelblatt, wie sie ihren eigent¬ 
lichen Charakter treu bewahrt. Es bleibt das gleiche 
für eine ganze Generation — bis eine neue Gene¬ 
ration eine neue Gestaltung verlangt. Solche Blätter 
sind zumeist sogar stärker als die Menschen, die sie 
leiten. Der einzelne, der für ihren Inhalt sorgt, kann 
die vorgezeichnete Bahn kaum verlassen, und das 
lesende Publikum merkt nichts von einem Wechsel 
auf dem Redaktionssessel; es weiß nicht, daß hinter 
den Kulissen eine andre Hand die Regie führt... 

Doch bei einer weiteren Verfolgung dieses Ge¬ 
dankens entdecken wir, daß die Wirklichkeit noch 
ganz andre Argumente für den ständigen Titel hat 

— und zwar recht bemerkenswerte. 

Eine historische Betrachtung lehrt zunächst, daß 

— abgesehen von den frühesten Erscheinungen der 
periodischen Druckschriften — auf die graphische 
Ausgestaltung wenig Wert gelegt wurde. Eine vor¬ 
wiegend ästhetische Zeitperiode wie die unsrige war 
notwendig, ehe man wieder daran denken konnte, die 
geistigen Erzeugnisse in ein schönes Gewand einzu¬ 
kleiden 1 . Die trockne Logik des Verstandes mußte 
erst zurückgedrängt werden durch sinnlich-künstle¬ 
rische Gefühlsregungen. Natürlich gibt es eine große 
Masse, die diese Entwicklung noch nicht mitgemacht 
oder nicht erkannt hat und wir haben noch genügend 
Zeitschriften, die rein äußerlich diese Gleichgültig¬ 
keit zur Schau tragen. Im günstigsten Falle wurden 
sie einmal mit einem ansprechenden Titelentwurf 
versehen, der nun dauernd beibehalten wird. 

Weiter ist die Sparsamkeit des Verlegers entschei¬ 
dend, der die Kosten für das Einzelheft aufs äußerste 
beschränken will oder muß. Er läßt sich einmal eine 
Zeichnung für den Deckel seiner Zeitschrift anfer¬ 
tigen, er läßt eine größere Anzahl drucken, und je 
nach Bedürfnis wird dieser Entwurf beibehalten und 
schließlich durch einen andern Umschlag ersetzt. 

Kann man diesen Zustand bedauern? Ich glaube 
kaum — trotz aller Freude über jede Vergrößerung 
des Arbeitsfeldes für den graphischen Künstler. Man 
bedenke folgendes: Der Deckel ist für die Interessen 
der Zeitschrift nur eine Nebensache, er ist Fassade, 
die allerdings nicht schmucklos sein soll. Jeder 
übermäßige Aufwand an dieser Stelle bei einem 

1 Als zeitliche Wendepunkte kann man das Auftreten 
Rousseaus und anderseits Ruskins und Morris annehmen, 
eine Entwicklungskurve, die sich für alle Gebiete der Buch¬ 
ausstattung nachweisen läßt. 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


ähnliche deutsche Organ: Amsler&RuthardtsWochen- 
berichte ging im Jahre 1895 ein. Da entstanden in 
Darmstadt die Deutsche Kunst und Dekoration, in 


München die Dekorative Kunst, in Leipzig die See- 
mannschen Zeitschriften. Sie mußten nicht allein die 
Freunde des Studio erringen, sondern auch beständig 
den Interessenkreis für ihre Bestrebungen erweitern. 
Sie mußten für sich und ihr ideales Ziel werben. So 
zeigte sich jedes Heft in einem andern verlockenden 
Gewände, jeden Monat wurde das Publikum aufs neue 
überrascht. Künstler, deren Namen wir heute nur mit 
Hochachtung und Verehrung aussprechen, zeichneten 
die Titelblätter. Es ist weder meine Aufgabe noch 
meine Absicht, diese Arbeiten mit einem mehr oder 
minder großen Geschick hier kritisch durchzuhecheln; 
wer sich ernsthaft dafür interessiert, wird sie zu finden 
wissen. Nach einigen Jahren bemerken wir, wie sich 
diese Gründungen durchgesetzt haben, wie sie reser¬ 
vierter werden, auf ihr Stammpublikum rechnen und 
nun auch äußerlich den einen Titelentwurf jahrelang 
beibehalten. Das gleiche Spiel gleitet noch einmal 
an unsern Augen vorüber bei der Düsseldorfer Zeit¬ 
schrift Die Rheinlande und der Berliner Monats¬ 
schrift Kunst und Künstler, die in dem schönen 
Entwurf von Constantion Somoff ihr festes Gewand 
gefunden hat. 


Der Pan war auf eine andre Basis gestellt und 
konnte von vornherein mit dem Titelentwurf von Stuck 
erscheinen. 

Die größten Aufwendungen für Titelschmuck 
machen scheinbar die englischen und amerikani¬ 
schen weekly, monthly und quarterly magazines, 
die nun bei uns in der Arena ein Seitenstück ge¬ 
funden haben. Auf dem Deckel steht hier nicht 
ein Ornament, sondern ein selbständiges Bild. 
Die Anstrengungen, die gemacht werden, sind im 
ganzen genommen wirklich anerkennenswert. In 
einem Falle — es ist dies die italienische Zeit¬ 
schrift La Lettura — sind sie sogar staunens¬ 
wert. Das einzig Originale und Wertvolle an dieser 
Zeitschrift ist nämlich — der Umschlag. Außer 
den ersten Artikeln ist jedes Heft eine bunte 
Zusammenstellung von Aufsätzen, die in Deutsch¬ 
land, Frankreich oder England erschienen sind. 
Der Herausgeber erwirbt um ein Billiges die Kli¬ 
schees, läßt den Text übersetzen und bindet um 
das Ganze einen schönen Umschlag. 

Gegen diese Art der Ausstattung läßt sich im 
allgemeinen nur sagen, daß bei der Mehrzahl 
dieser Zeitschriften das gewählte Papier als 
Schutzhülle durchaus ungeeignet ist und daß die 
Entwürfe gerade in den letzten Jahren nicht über 
eine anständige Mittelmäßigkeit hinausgekommen 
sind. Es muß aber namentlich von den englischen 
und amerikanischen Umschlägen anerkannt wer¬ 
den, daß die Druckausführung nahezu tadellos ist. 
Charakteristisch hierfür ist der beigefügte Entwurf 
von Tobin für Harper’s Bazar. Bei aller Zartheit 
behält dieser Frauenkopf eine gewisse leere Süßlich¬ 
keit. Aber die Feinheit der Ausführung wird jedes 
Kennerauge entzücken. Das deutsche Gegenbeispiel 
der Arena besitzt lange nicht diese Vollendung, 
obgleich die Heilemannsche Zeichnung künstlerisch 
viel wertvoller ist. 

Im allgemeinen entspricht diesem Prinzip der Titel¬ 
ausstattung bei uns mehr die Neigung, ein Bild aus 
dem Inhalt auf den Deckel zu setzen, wie dies von 
dem Sport im Bild, der Berliner Illustrierten Zeitung 
und dem Über Land und Meer bekannt sein wird. 
Hier ist einfach die übliche Grenze verrückt, das Titel¬ 
blatt selbst wird zu einem Teil des Inhaltes und zwar 
zu einem besonders hervorragenden. Es wird zum 
Auslagefenster, in das der Schriftleiter sein bestes 
Stück legt. 

Wir sind bei unsern Betrachtungen auf dem besten 
Wege zu den Erscheinungen, die auf einen Umschlag 
im eigentlichen Sinne überhaupt verzichten, die ihre 
intimen Reize ohne weitere Hülle präsentieren. Ich 
meine jene Gattung, der die Jugend, Simplicissimus, 
Lustige Blätter und fast sämtliche französische Jour¬ 
nale angehören. Es wäre überflüssig, von dem Wesen 
und der Bedeutung der Jugendtitel hier die längst 



KLßSM 

2€iT5Cf)Rl fT DeSBAYeK 

Kun5TceweR߀v^aa ns 
in müncGCR 


Julius Dieiz, Umschlag der Zeitschrift: Kunst und Handwerk 
Verlag von R. Oldenbourg, München 


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VOLUME TWO, NUMBER FOUR 


AUGUST 1902 



EDINBURGH : OTTO SCHULZE & CO., 20 SOUTH FRJEDERICK STREET. 
LONDON» R. BRIMLEY JOHNSON, 8 YORK BUILDINGS, ADELPHI, W.G 

J. W. Simpson. Umschlag der Zeitschrift: The Book of Book-Plates 
Verlag von Otto Schulze 6* Co., Edinburgh 



Emst Heilemann. Umschlag der Zeitschrift: Die Arena 
Verlag der Arena Dr. Otto Elsner, Berlin 


HARPERS BAZAR 



George T.Tobin. Umschlag der Zeitschrift: Harper’s Bazar 
Verlag von Harper & Brothers, New York 



Cecil Aldir. Umschlag der Zeitschrift: The Poster and Art-Collector 
Verlag von Johnson, Riddle, Couchman & Co., London 


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Zu dem Artikel: Westheim, Der moderne Zeitschriften-Umschlag 

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ä 


Ü 


MONATSSCHRIFT 
FVR DEVT5CHE 
ART VND KVM5T 

HERAVSQEBER 

WILHELM SCHÄFER 

VERLAG DER RHEINLANDE 
G M B H. DÜSSELDORF 


JAHRG. VII 
HEFT 1 


PREIS DES HEFTES M. 2.- 
DES JAHRESABONNEMENTS M. 12. 


Franz Müller-Münster. Umschlag der Zeitschrift: Die Schönheit 
Verlag der Schönheit, Berlin 


V. Cissarz. Umschlag der Zeitschrift: Die Rheinlande 
Verlag der Rheinlande G.m.b.H., Düsseldorf 



Die Kunstanstalt 
fjollerbaum£Scfjnubt 

BCRCnT- Tl-ttS- R ein leben 6orftr-Strass«56 j 


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Steglitze 

HJerKstai 


G.Belwe. Umschlag der Zeitschrift: Moderne Reklame. Verlag der Steglitzer Werkstatt, Berlin-Steglitz 


Zu dem Artikel: Westheim, Der moderne Zeitschriften-Umschlag 

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Beilage zum Archiv für Buchgewerbe 

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bekannten Tatsachen zu wiederholen. Darüber sind 
wir uns wohl einig. 

Dagegen möchte ich auf eine andre ArtZeitschriften 
aufmerksam machen, die schroff und selbstbewußt 
eine Tendenz verfechten und die den Titelentwurf in 
den Dienst dieser Bestrebungen stellen, die gewisser¬ 
maßen ein illustriertes Programm zur Schau tragen. 
Als Beispiele seien nur genannt der Sattlersche Ent¬ 
wurf für die Zeitschrift für Bücherfreunde, der eng¬ 
lische Connoisseur, die HÖcknersche Zeichnung für 
Geschlecht und Gesellschaft und Gulbranssons Titel 
für den März (dessen Ausstattung ursprünglich aller¬ 
dings nicht dem Programm entsprach, das sonst von 
Albert Langen verfochten wurde). Besonders charak¬ 
teristisch erscheint die Schönheit, die in den Titel¬ 
blättern von Müller-Münster für ihre Tendenz einen 
eigenen Stil gefunden hat. Einen ganz vorzüglichen 
Umschlag, der jenes stark ausgeprägte Flächengefühl 
verrät, das alle Arbeiten der Steglitzer Werkstätten 
auszeichnete, hat G.Belwe für die Moderne Reklame 
geschaffen. Für diese in den Jahren 1902 und 1903 
erschienene Zeitschrift haben fast alle bedeutenden 
Berliner Plakatkünstler Entwürfe gezeichnet. Ich er¬ 
wähne besonders die Arbeiten von Kleukens, Hansen, 
Christophe, Schnebel und Bernhard. Ein ganz hervor¬ 
ragendes lithographisches Kunstwerk ist ferner der 
Umschlag von Ceci Aldie für The Poster and Art 
Collector. Es gibt wohl nur wenige Zeitschriftentitel, 
die man dem zur Seite stellen kann. 

Mit leicht begreiflichem Widerwillen erwähne ich 
endlich die Buffalo Bill-, Nick Carter- und ähnliche 
periodisch erscheinende Hintertreppen- und Detektiv¬ 
romane. Der Umschlag entspricht hier ganz dem In¬ 
halt. Die Schandschriften sind mitSchundzeichnungen 
versehen. Es ist mir bekannt, daß einer dieser Ver¬ 
leger einem Zeichner für jeden Titelentwurf 50 Mark 
bezahlt. Bedenkt man nun, daß jedes dieser Produkte 
in einer Folge von 100 Heften erscheint und rechnet 
man die Herstellungskosten hinzu, so zeigt sich, wie 
für ein Minimum an Können, Erfindungsgabe und 
geistiger Arbeit Riesensummen geopfert werden, die 
die untersten Volksschichten aufbringen. Es zeigt 
sich, welche Summe der wahren Kunst und den wirk¬ 
lichen Künstlern fortgesetzt entgehen. 

Es bleibt mir nun noch übrig, auf das allerneueste 
Produkt eines findigen Journalismus hinzuweisen, auf 
die kleinen Heftchen von Unsrer Zeit oder Uzika, die 
statt eines Titelblattes eine mehrfarbige Ansichtskarte 
feilbieten. Von Kunst ist ja leider hier keine Rede, 
sie würde auch nicht mit dem angehefteten Text har¬ 
monieren, ich notiere nur aus Gewissenhaftigkeit 
diese Erscheinung, wobei mich vielleicht der Gedanke 
bestimmt, daß später einmal ein Verleger auf diese 
Weise wirkliche Kunstblätter, etwa die eben stark 
gekauften Reproduktionen alter Meister, vertreiben 
könnte. 


Dieser ganzen Betrachtungsart ließe sich viel¬ 
leicht eine Zwischenfrage entgegensetzen — die 
Frage nämlich, ob überhaupt eine zeichnerische 



C.Somoffy Umschlag der Zeitschrift: Das Theater 
Verlag von Bruno Casirer, Berlin 


Ausgestaltung des Zeitschriftenumschlages notwen¬ 
dig sei. 

In der Tat, es ist keine Notwendigkeit für die orna¬ 
mentale Verzierung vorhanden. Man findet wirklich 
keinen Entschuldigungsgrund für den Schmuck, es 
gilt dafür nur eine Erklärung: seine Schönheit! 

Ein Umschlag, der kein zeichnerisches Dekor trägt, 
ist deshalb nicht weniger gut und zweckmäßig. Eine 
einfache, klare, schöne typographische Anordnung ist 
meiner Ansicht nach noch mehr wert als ein schlechtes 
Bildchen. Wie angenehm wirken Eckmanns Umschlag 
für die Woche oder die von Behrens entworfenen Titel 
für die Kunst und das Frankfurter Freie Wort! Die 
gute typographische Ausgestaltung ist überhaupt das 
Wichtigste, das Allerwichtigste. Hier gibt es bis jetzt 
nichts als Ansätze, als tastende Versuche. Die beiden 
früher genannten Satzumschläge sind leider noch Aus¬ 
nahmen. Eine klare Satzanordnung trägt ferner das 
Christliche Kunstblatt. Der Umschlag für die photo¬ 
graphische Rundschau wäre ganz vorzüglich ohne die 
unterste Reihengruppe, die durch ihre kleine, fast 


421 


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Mitteilungen 

des WttrttemDergifdien 
Kunflgemerßenereins 
Stuttgart 


0 0 0 0 
3afirgang 1906/07 
Doppellieft I und 2 

0 0 0 0 


□ □ KommlfBonsceflag von 3IUg a Müller ln Göppingen □ □ 


In Satz hergestellter Umschlag. Satzherstellung und 
Kommissionsverlag von Illig & Müller, Göppingen 

unleserliche Schrift den schönen Gesamteindruck 
beeinträchtigt. Eine bemerkenswerte Anregung bietet 
die besondere und eigenartige Betonung des Inhalts¬ 
verzeichnisses auf dem Deckel der Zeitschrift Het 
Huis; leider ist für dieses gut gruppierte Blatt eine 
unklare Type benutzt worden (mit Ausnahme des In¬ 
haltsverzeichnisses). Mit besondrer Vorliebe wählen 
in letzter Zeit viele englische Zeitschriften ein recht 
unbeholfenes Schriftmaterial, was den Reiz ihrer viel¬ 
fach musterhaften Satzanordnungen stark beein¬ 
trächtigt. 

Es ließe sich wohl noch ein Dutzend guter Satz¬ 
umschläge aufzählen, aber die Mehrzahl ist minder¬ 
wertig. Und eine durchgreifende Änderung ist kaum 
zu erwarten, solange in unsern Druckereien — als 
Leiter und als Ausführende — noch zu viel Hand¬ 
werker statt Künstler, oder, sagen wir, denkende, 
selbsttätige Geister wirken. 

Die zahllosen Fachzeitschriften jeder Richtung — 
auch manche graphische — würden dann ein ganz 
andres Aussehen erhalten. 

Nachdem hier versucht wurde, in breit ausladen¬ 
den Umrissen die Erscheinungsformen der Zeit¬ 


schriftentitel zu deuten, wird man vielleicht eine Be¬ 
sprechung der Künstler erwarten, die sich auf unserm 
besonderen Gebiete hervorgetan haben. Es wäre dies 
eine müßige, tändelnde Spielerei. Denn es gibt keinen 
Künstler, der sich in erster Linie diesem Zweige der 
graphischen Kunst gewidmet hätte, der von hier aus 
zu betrachten und zu bewerten wäre. Diese Arbeiten 
gehören als Teile, zuweilen als recht wertvolle Teile 
in das Oeuvre ihrer Gestalter. Eine solcheZusammen- 
stellung ergibt ein recht dankenswertes Feuilleton, 
sie ist vielleicht auch ein unterhaltsames Vergnügen 
für einen verregneten Sonntagnachmittag. Hier ist 
der Raum zu kostbar für solche platonische Versuche. 
Jeder Katalog einer größeren öffentlichen Bibliothek 
ermöglicht übrigens eine nähere Orientierung. 

Es kam in der Tat weniger darauf an, Einzelleistungen 
zu registrieren als die leitenden Gesichtspunkte zu¬ 
sammenzufassen. Und derZeitschriftenumschlag ver¬ 
dient unsere volle Beachtung. Mit einem graphi¬ 
schen Kunstwerk versehen, könnte er die Gebildeten 
entzücken und die breiten Massen zu dieser Freude 
am Schönen erziehen helfen. Durch die Zeitschrift 
könnte die künstlerische Leistung vielen unter die 
Augen geschmuggelt werden, denen die zauberhafte 
Poesie der Formen- und Farbensprache noch unver¬ 
ständlich geblieben ist. Das Unbedeutende erhält in 


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PLAATSEN DERN.V.MEU- 
BELFABRIEK. vJh. H. C 
ECKHART TE ROTTER¬ 
DAM.343 

IL BLOEMEN EN VAZEN, 
Dr. Willem Vogelsang 363 

III. IETS OVER DE SCHIL- 

DERACHTIGHEIDONZER 
OUDE BINNENHUIZEN, 
Dr. W. Martin .385 

IV. NED. DORPS KERKJ ES, 

Jan Kale ..305 

V. DE GRtFFlOEN, A. Pit. 
.403 

VI. TOELICHTING BIJ 

DF. PLATEN.411 

VII. ADVERTENTIEN. 421 



In Satz bergestellter Umschlag. Satz und Verlag von Ed. Cuypers, Amsterdam 


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dieser tausendfältigen Verbreitung eine bedeutsame 
Wirkungskraft; langsam und allmählich führen auch 
die kleinen Umwege zu dem einen großen Ziel. Jede 
Förderung der Kunst aber bedeutet eine Aufhöhung 


des Kulturniveaus, eine Mehrung der Daseinswerte. 
Deshalb sei der ideale Gedanke, der die bedruck¬ 
ten Zeilen durchpulst, mit dem idealen Vor—bild 
versehen! 


Vom Satz mathematischer Formeln 

Von WILHELM HELLWIG, Leipzig. 


IE jüngsten Erörterungen über Formelsatz 
haben von neuem dargetan, welche Schwie¬ 
rigkeiten es mit sich bringt, wenn der Setzer, 
der nun einmal der Wissenschaft Geburtshelfer¬ 
dienste leisten muß, in diese Wissenschaft zu wenig 
Einblick hat, der Verfasser dagegen, weil ihm wieder¬ 
um die Feinheiten der Satztechnik unbekannt sind, 
mit seinen Anforderungen nicht immer in den Gren¬ 
zen der Ausführungsmöglichkeit bleibt. 

Der vorliegende Aufsatz kann auf jene Erörterun¬ 
gen allerdings nur nebenbei Bezug nehmen, da er 
als Fortsetzung der in Heft 7 erschienenen Arbeit 
über chemische Formeln geplant war und fast ab¬ 
geschlossen vorlag, als die mathematischen Formeln 
das allgemeine Interesse wieder erweckten. Keines¬ 
falls können diese Zeilen etwa als eine elementare 
Anleitung zum mathematischen Satz betrachtet wer¬ 
den, sondern sie bilden nur einen Nachtrag hierzu, 
der bloß einzelnes in den Kreis seiner Betrachtung 
zieht, und nicht auf all die bekannten Grundregeln 
des Formelsatzes einzugehen braucht, die ausführlich 
in den Lehrbüchern behandelt sind. Vor allem sollen 
hier also üble Gepflogenheiten und Mißverständnisse 
ihre Würdigung finden, die als Ursache fehlerhafter 
und unschöner Satzausführung anzusehen sind. 

In den weitaus meisten Fällen, wo sich die Autoren 
beschweren, ihre Formeln seien nicht sachgemäß ab¬ 
gesetzt worden, tragen sie bekanntlich selbst den 
größten Teil der Schuld, indem vor allem ihr Manu¬ 
skript die nötige Übersichtlichkeit vermissen läßt. 
Gerade bei den Formeln bemühen sich diese Herren 
oft herzlich wenig, auch nur die Linie beim Schrei¬ 
ben einzuhalten, so daß der Setzer eben nicht weiß, 
ob er z. B. Ax oder A x setzen soll usw. Auch die 
Handschrift läßt vielfach zu wünschen übrig. Da ist 
ein E nicht von einem 6, ein w nicht von einem co, 
das Y nicht vom ebensogroß und in gleicher Form 
geschriebenen y, ein cp nicht von einem S zu unter¬ 
scheiden! Der Setzer kann aber wohl oder übel nur 
setzen, was sich seiner Meinung nach herauslesen 
läßt, — gleichviel ob dies nun sinngemäß ist oder 
nicht. Ja, es muß sogar anerkannt werden, daß es 
verhältnismäßig viele ziemlich findige Setzer gibt, 
die auch bei den schlechtesten Manuskripten noch 
recht brauchbaren Satz liefern. 

Auch die mit der Schreibmaschine hergestellten 
Manuskripte sind nicht frei von Unzuverlässigkeiten; 


beim mathematischen Satz ist es — abgesehen von 
den unberichtigten Verlesungen des Abschreibers — 
besonders unzweckmäßig,wenn versucht wird, Brüche, 
Indizes usw. in Maschinenschrift wiederzugeben, statt 
diese Dinge in entsprechender Größe und richtiger 
Anordnung handschriftlich nachzutragen, und den 
Setzer nicht durch eine nur scheinbare Deutlichkeit 
des Manuskriptes erst irrezuleiten. 

Selbstverständlich ist es mit gutem Manuskript 
allein nicht getan, eine Druckerei muß vielmehr auch 
auf solche Arbeiten eingerichtet sein und der Setzer 
nicht bloß die Technik beherrschen, sondern auch 
derartige Manuskripte zu lesen verstehen. 

Zur vorteilhaften Herstellung von mathematischem 
Satz gehören darum vor allem: 

1. Die mathematischen Zeichen in zweckmäßiger 
Form und allen nötigen Größen. 

2. Schrift in genügender Menge, um nicht nach 
kurzem schon algebraische Buchstaben usw. 
blockieren zu müssen, — denn beim Deblockie- 
ren unterlaufen leicht Fehler, die später nicht 
bemerkt werden. 

3. Systematische Linien in allen üblichen Längen; 
in besonders reichem Maße aber die kleineren 
Stücke, und zwar: in Linienkästen geordnet. 

4. Systematischer Ausschluß, gleichfalls in einem 
besonderen Kasten systematisch geordnet. 

Dies alles muß nicht nur vorhanden, sondern auch 
bequem zur Hand sein, um dem Setzer keinen Ent¬ 
schuldigungsgrund für regelwidrige Satzausführung 
zu geben, — dann kann man auch verlangen, daß 
seine Formeln sich drucken lassen und nicht beim 
Schließen sich ineinander schieben oder die Buch¬ 
staben an der Walze hängen bleiben. 

Ob dem Setzer, der sonst nichts von Mathematik 
versteht, durch eine der zahlreichen Formelsamm¬ 
lungen das Verständnis erschlossen werden kann, 
mag hier unerörtert bleiben, ebenso ob diese Samm¬ 
lungen ohne Einschränkung als Muster für den Satz 
dienen können, — schaden wird die eingehende Prü¬ 
fung eines solchen Buches aber sicher keinem, und 
es mögen darum einige genannt sein: Chr. J. Deter, 
Mathematisches Formelbuch (Halbleinwandband 
M 1.25); W. Ligowski, Taschenbuch der Mathematik 
(Tafeln und Formeln, Leinwand M 2.80); endlich aus 
der Sammlung Göschen die mathematische Formel¬ 
sammlung von Prof. *0. Th. Bürklen (gebunden 



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80 Pf.). Auch das Konversationslexikon gibt über 
alle mathematischen Fragen Auskunft, nur werden 
auch hier leider fast überall zu viel Vorkenntnisse 
vorausgesetzt. 

* * 

* 

Die Schriftenrvahl. 

Als Grundschrift wird für mathematische und tech¬ 
nologische Werke jetzt gewöhnlich die Antiqua ge¬ 
wählt. Die meisten Verfasser und Verleger ziehen 
in diesem Falle vor, die algebraischen Buchstaben 
aus Kursiv setzen zu lassen, weil hierdurch das Ganze 
wesentlich an Übersichtlichkeit gewinnt. Nicht gleich¬ 
zustellen mit den algebraischen Buchstaben (also 
nicht Kursiv, sondern Antiqua zu setzen) sind die 
Kürzungen für Maße und Gewichte, sowie einige an¬ 
dre, die später noch genannt werden. Bei Fraktur¬ 
satz liegt es näher, für die algebraischen Buchstaben 
die Antiqua anzuwenden, nicht Kursiv, wie dies zu¬ 
weilen geschieht. 

Ganz unerläßlich ist es auch, eine Nonpareille 
Griechisch bereit zu haben, denn nur zu oft bedarf 
man ihrer für Indices oder Exponenten — und wenn 
eine Druckerei versucht, sich hier mit größeren Gra¬ 
den, vielleicht Petit, behelfen zu können (e? statt e^), 
so werden dies schon die meisten Autoren zurück¬ 
weisen, abgesehen davon, daß es eben falsch ist. 

Fettschriften werden für die Formeln selbst sel¬ 
tener gebraucht; immerhin kommt auch dies vor. 
Sollen ganze Formeln durch Fettschrift hervorgehoben 
werden, so sind ordnungsgemäß nicht bloß die gerade 
passend vorhandenen Buchstaben und Ziffern, son¬ 
dern auch alle mathematischen Zeichen, Indexbuch¬ 
staben usw. mit fett zu setzen. Anstellige Setzer ver¬ 
schaffen sich kurzerhand fehlende Buchstaben (aus 
fetter Griechisch, Nonpareille Kursiv usw.) durch 
Reiben der Bildseite einer gewöhnlichen Type auf 
einer Schließplatte, doch ist das Ergebnis oftmals 
schauderhaft und beleidigt jedes normal empfindende 
Auge. 

Was die Griechisch betrifft, so ist in den gewöhn¬ 
lichen Schnitten meistens das a nicht deutlich genug 
vom Kursiv-a unterschieden, weshalb in vielen Druk- 
kereien mindestens ein für mathematischen Satz be¬ 
stimmtes besonderes ct mit scharf sich schneidenden 
Hasten vorhanden ist. 

Auszeichnung durch Kursiv . In der Anwendung der 
Kursiv ist Vorsicht zu empfehlen, denn nicht jeder 
einzeln stehende Buchstabe ist ohne weiteres als al¬ 
gebraischer Buchstabe anzusehen, wie schon die be¬ 
kannten Kürzungen m g 1 usw. dartun. 

Von den weniger bekannten, in technologischen 
und anderen wissenschaftlichen Werken vorkom¬ 
menden Abkürzungen von Maßen usw., die nicht 
Kursiv zu setzen sind, führen besonders alle die irre, 
die gewöhnlich ohne Punkt geschrieben werden, wie 


at (Atmosphären), t (Tonne), was allerdings ein ander¬ 
mal auch „Temperatur“ oder „Zeit“ („tempus“) be¬ 
deuten kann. Hierher gehören ferner: A (Ampere), 
AR (Rektascension, astr.), AW (Amperewindungen), 
EK (elektromotorische Kraft), HE (Hefnereinheit, bei 
der Lichtstärkemessung), HP (Horsepower=Pferde¬ 
stärke), KL (Kraftlinien), KW (Kilowatt), LW (Lei¬ 
tungswiderstand), MF (Magnetfeld oder Magnetfluß), 
MK (magnetomotorische Kraft), NK (Normalkerzen), 
PS (Pferdestärken), V (Volt, das Maß für die elek¬ 
trische Spannung, Einheit der elektromotorischen 
Kraft), W (Watt, Einheit der elektrischen Arbeit), 
WE (Wärmeeinheit), WS (Wattstunde) und viele an¬ 
dre, deren Charakter (ob Maßbezeichnung oder al¬ 
gebraischer Buchstabe) der Setzer eben nur durch 
aufmerksames Lesen des Manuskriptes ergründen 
kann. Wenn gar noch Formen wie PSi und PS e (für 
indizierte und effektive Pferdestärke) gebraucht wer¬ 
den, so ist es verzeihlich, wenn der Setzer hierin al¬ 
gebraische Buchstaben zu sehen glaubt. 

Von mathematischen Ausdrücken, die nicht Kursiv 
zu setzen sind und immer in abgekürzter Form (ohne 
Punkt) angewendet werden, sind die hauptsächlich¬ 
sten: arc (Bogen), arc tg (Bogentangente), const (mit 
c zu schreiben, da lateinisch „constans“ zu denken), 
cos (Kosinus), cosec (Kosekante), ctg, cotg (Kotan- 
gente), lim (limes = Grenze, z. B. der Grenzwert des 
Differenzenquotienten), lg, log (Logarithmus), log nat 
(natürlicher Logarithmus), max (maximal), min (mi¬ 
nimal), sec (Sekante), sin (Sinus), tg, tang (Tangente). 
Als veraltete, selten noch vorkommende sind cos 
vers (cosinus versus, Querkosinus) und sin vers (si- 
nus versus, Quersinus) zu nennen. 

Auch die oft hochgestellten Kürzungen h m s für 
Stunden, Minuten, Sekunden gehören noch hierher. 

Algebraische Buchstaben . 

Die Schwierigkeiten für den Setzer bestehen aber 
nicht allein darin herauszufinden, was er Kursiv zu 
setzen hat, sondern bei den meistens wenig kalli¬ 
graphisch geschriebenen Manuskripten ist es ein noch 
größeres Kunststück, die algebraischen Buchstaben 
selbst richtig zu erkennen. Was nützt es dem Setzer, 
wenn er weiß, daß Punkte im allgemeinen mit großen 
lateinischen, Winkel mit kleinen griechischen Buch¬ 
staben bezeichnet werden, oder daß m n gegebene 
Größen, x y z unbekannte und a b c unbestimmte 
Größen sind, r den Halbmesser (radius), e die Grund¬ 
zahl der natürlichen Logarithmen, / Funktion, /' ab¬ 
geleitete Funktion usw. bedeuten? Bei dem weiten 
Anwendungsgebiet der mathematischen Formel in 
allen Zweigen der exakten Wissenschaften und bei 
der sich hieraus ergebenden Mannigfaltigkeit und 
Verschiedenheit in der Bezeichnung der Rechnungs¬ 
elemente kann der Setzer ja gar nicht beurteilen, 
welche Möglichkeit für das Vorkommen des einen 


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oder andern Buchstaben gegeben ist, zumal ihre Be¬ 
deutung je nach Lage des Falles wechseln kann, und 
in der Tat wechselt. 

Nur wenige Autoren sind so vernünftig einzusehen, 
daß für den Setzer das Manuskript zu einem mathe¬ 
matischen Werke nichts als ein Gewirr toter Buch¬ 
staben ist, und sie kommen dem Verständnis von 
vornherein durch Aufstellung eines Verzeichnisses 
der vorkommenden Formelbuchstaben oder, wo nötig, 
durch eine erklärende Notiz auf dem Rande des Manu¬ 
skripts entgegen. Mitunter ist ein solches Verzeichnis 
einem Kapitel oder Abschnitt schon im Interesse des 
Buchbenutzers vorangestellt oder es finden sich im 
Text hier und da zerstreut erklärende Bemerkungen, 
die der Setzer aber auch aufmerksam beachten sollte, 
da sie ihm eine halbwegs sichere Handhabe bieten. 
Es heißt da z. B.: Widerstand w y Widerstand des An¬ 
kers Tv ay Eisenverlust V e> Verlust der Magnetwick¬ 
lung V my Reibungsverlust V r usw. Hier ist leicht zu 
erkennen, daß kein co , sondern ein w (Widerstand) 
vorliegt, ebenso daß der Index bei V r ein r, kein grie¬ 
chisches v usw. sein soll (denn es entspricht der Be¬ 
deutung Reibung) usw. Zuweilen ist auch die Beur¬ 
teilung von Formelbuchstaben auf Umwegen möglich, 
so wenn der Verfasser für seine Bezeichnungen die 
lateinische Sprache wählt, z. B. v Geschwindigkeit 
(= lat. velocitas), wo also ein v, kein griechisches v 
vorliegt. Oder es sind griechische Anfangsbuchstaben 
gewählt, z. B.: q für Radius der Krümmung oder 
Reibungskoeffizient, z/ für Determinante, Differenz, 
Entfernung (distantia) usw.; in letzterem Fall also 
nicht A sondern J. 

Die Fähigkeit des Setzers, derartige Beziehungen 
der in den Berechnungen vorkommenden Buchstaben 
mit dem im Text behandelten Stoff zu finden, ist viel 
wertvoller als die Kenntnis einzelner feststehender 
Bedeutungen algebraischer Buchstaben, z. B. daß i 
(imaginäre Einheit) die Quadratwurzel aus —1 ist, 
was ihm ja aus dem Kommersbuch bekannt sein 
könnte, wo es heißt: 

„Die Wurzel aus minus 1 setzt man gleich i, 

Doch der Inhalt des Kreises ist r 2 [rQuadrat] /r.“ 

Damit soll natürlich nicht gesagt sein, daß die Be¬ 
kanntschaft mit mathematischen Tatsachen und der 
gebräuchlichen Ausdrucksweise nicht nützlich sein 
könnte — leider wird man sie aber beim Setzer nur 
selten antreffen können, denn auf seiner Volksschule 
lernt er davon nichts oder wenig, und wenn er höhere 
Schulbildung besitzt, bleibt er gewöhnlich nichtSetzer, 
wenn er’s überhaupt wird. 

Mathematische Zeichen. 

Es ist vielleicht nicht überflüssig, auf die mathe¬ 
matischen Zeichen etwas näher einzugehen, wenn es 
auch einer Erklärung der gewöhnlichen Operations¬ 
und Beziehungszeichen (- \ X • : und = <> S 


usw.) hier wohl kaum bedarf. Hinsichtlich ihrer Form 
und Größe ist jedoch zu bemerken, daß sie darin 
nicht immer allen berechtigten Anforderungen ent¬ 
sprechen. So sind ihrer manche etwas zu groß und 
treten dadurch vor den nebenstehenden Buchstaben 
viel zu sehr hervor; oder sie sind zu fett, wie manche 
Integral-, Wurzel- und Summenzeichen, Klammern 
und Parenthesen, und wirken dann geradezu auf¬ 
dringlich. Manche Gießereien haben darum diese 
letzteren Zeichen auch in mageren Schnitten zur 
Auswahl, oder liefern sie überhaupt nur in zweck¬ 
entsprechenden Formen. 

X -J-= usw. sollten nie die ganze Oberfläche 

des Buchstabenkopfes bis zum äußersten Rand in 
Anspruch nehmen, sondern etwas zierlicher aus¬ 
gestaltet werden, etwa so, daß sie mit den Buchstaben 

mit Oberlänge gut zusammenstimmen: X H-=. 

Sind gar dz und zp nicht vorhanden, so wird ihre 
Zusammensetzung aus solch einem großen Plus¬ 
zeichen -J- und feiner Linie besonders unbeholfen 


aussehen: a b, b -f- c statt a dz b, b zp c. 

Überhaupt wird beim Zusammensetzen nicht vor¬ 
handener Zeichen viel gesündigt. Das Zeichen = 
(„größer, gleich oder kleiner“) darf darum nicht etwa 
aus < und > auf vollen Kegel zusammengesetzt 
werden, so daß es neun oder gar elf Viertelpetit 


hoch wird: «.^1, sondern es müssen zu diesem 

Zwecke entsprechende Stücke (vielleicht auf Non¬ 
pareillestärke) zur Hand sein, wodurch das Ganze 
auf sieben Viertelpetit unterzubringen ist. In man¬ 
chen Druckereien gibt es unterschnittene <>Zeichen, 
die sich sehr vorteilhaft zu bzw. ^ zusammen¬ 
setzen lassen. Das Beste werden aber doch immer 
die in ein Stück gegossenen Zeichen sein, und haben 
ja auch die Gießereien die verschiedenen Kombi¬ 
nationen wenigstens auf Petit und Korpus vorrätig. — 
Im allgemeinen werden die Formen ^ ^ S vor 

< ^ ^ ^ vorgezogen. 

Das Kongruenzzeichen = sollte erst recht in kei¬ 
ner Werkdruckerei fehlen, wenigstens wenn nicht 
auch der Teil ^ passend (vielleicht auf Halbpetit¬ 
stärke) vorhanden ist; die Zusammensetzung eines 
S mit der Doppelfeinen gibt meistens ein abscheu¬ 
liches (übrigens unrichtiges) Bild: Allerdings ist 

ja das (= ähnlich) auf ein S (= lat. similis) zu¬ 
rückzuführen, aber es muß mit der Tatsache gerech¬ 
net werden, daß die heute übliche Gestalt der Zei¬ 
chen ~ und ~ nur das Spiegelbild eines S' zeigt. 

Der Setzer muß immer, wenn er dieses oder jenes 
Zeichen einmal zusammensetzt, mit dem nötigen 
Verständnis verfahren und solche Noterzeugnisse 
dem übrigen Material anpassen, so daß sie weder 
unbeholfen aussehen noch etwa unverständlich sind. 


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Es gibt überdies nur wenige, die dies zulassen, wie 
-r- -K- □ _L V 0 oo (liegende 8), = (identisch 
gleich), || (nicht mit Bruchstrichen //). Das rich¬ 
tige ist natürlich stets, von vornherein alle gewöhn¬ 
lich zum mathematischen Satz (Arithmetik, Algebra 
usf. bis zur höheren Analysis) gebrauchten Zeichen 
in einem Schnitt anzuschaffen, damit später nicht 
alle möglichen Formen durcheinander verwendet 
werden müssen, wie dies die Folge ist, wenn immer 
nur einzelnes mit Rücksicht auf die verschiedensten 
Wünsche der Besteller nachbestellt wird. 

Als Multiplikationspunkte können gewöhnliche 
Punkte verwendet werden: a.b.c , doch sind viel¬ 
fach sogenannte „auf Mitte stehende“ Punkte in Ge¬ 
brauch ( abc ), die zuweilen auf Halbgeviert ge¬ 
gossen sind, also ohne besonderen Zwischenraum 
versetzt werden müssen; besser ist es aber, diese 
Punkte nur auf Viertelpetitbreite zu gießen, weil der 
Zwischenraum doch auch beim Formelsatz nicht so 
etwas unbedingt Feststehendes ist und zuweilen 
auch bei die Zeile füllenden Formeln vermindert 
werden muß usw. 

Einige allgemeine Satzregeln . 

Von den allgemeinen Satzregeln wird von Neu¬ 
lingen und sonstigen Uneingeweihten immer wieder 
die erste vernachlässigt, daß im Formelsatz bei den 
mathematischen Zeichen nur ein Viertelgeviert, höch¬ 
stens ein Dreipunktspatium zu setzen ist. Dies gilt 
aber auch beim Minuszeichen, wo anderseits manche 
Setzer den Zwischenraum gern ganz weglassen: a—b 
statt richtig a — b usw. Zwischen aufeinanderfol¬ 
gende algebraische Buchstaben gehört ein feines 
Spatium, aber auch nur ein solches: ab , xcpy . Der 
Exponent muß sich unmittelbar an die Basis anfügen, 
ebenso der Index: ö m , / 2 , /, a„, x 0 usw. 

Für Notenhinweise empfiehlt sich besser das Stern¬ 
chen, da die Verwendung der Ziffer leicht zu Mi߬ 
verständnissen führen kann oder doch die Übersicht 
erschwert: q = y + 0/c 2 ) statt q = y + Ok**). 

Werden die Gleichungen numeriert, so sind diese 
Zahlen in Parenthesen zu setzen und nach rechts bis 
zum Rande auszuschließen, oder höchstens ein Ge¬ 
viert einzurücken; Auspunktieren ist nicht nötig: 

a x+p a x+q __ Jjx+m _|_ Jyx+n ( j 2) 

Einzelne Formelzeilen werden auf die Mitte der 
Zeile ausgeschlossen; stehen aber mehrere Formel¬ 
zeilen in Beziehung zueinander, wie dies beispiels¬ 
weise bei Gleichungen öfter vorkommt, so werden sie 
derart untereinander gestellt, daß ein maßgebendes 
mathematisches Zeichen, in diesem Falle also der 
Gleichheitsstrich, in gerader Richtung untereinander 
zu stehen kommt: 

i sin ö = sin h sin cp — cos h cos cp cos a 
cos ö sin t — cos h sin a 
(cos d cos t = sin h cos cp 4 - cos h sin cp cos a). 


In ähnlicher Weise muß überall verfahren werden, 
wo es auf eine übersichtliche Gruppierung ankommt, 


z.B: 


<*) 


a n — l n 12 0j 3 

0j 2 022 — ^ 023 

013 a 2 3 033 — A 


= 0 . 


Nach demselben Grundsatz ist zu handeln, wenn 
Formeln gebrochen werden müssen. Vor allem darf 
dies nur vor einem Gleichheitsstrich oder den haupt¬ 
sächlichsten Verknüpfungszeichen H- äz gesche¬ 

hen; die Zeichen selbst werden zu dem abgetrennten 
Teil gezogen, nur auf besonderes Verlangen eines 
Verfassers sind sie auch am Schluß des ersten Teiles 
der Formel zu setzen, jedenfalls aber auf der neuen 
Zeile zu wiederholen. Das den abgetrennten Formel¬ 
teil beginnende Zeichen wird unter ein gleichartiges 
Zeichen des ersten Teiles gesetzt, z. B.: 

a n x\x + a n (xyi + xy ( ) + a«yiy + + *) 

+ <jj3 (yi + y) + a n = 0 . 

In Parenthesen oder Klammern zusammengefaßte 
Formelglieder dürfen nicht getrennt werden, es ist 
gegebenenfalls eher das Format zu überschreiten, d. h. 
die Zeile breiter zu setzen, oder durch Beseitigung 
der Zwischenräume der betreffende Formelteil mehr 
zusammenzudrängen: 

— (a u + Oa + 033 ) 

V+ (a.,0* + a^a a + a„a n — a’„ — a\, — a’J 

* — (A, i a^a a +2a u a a a a —a, l d a —(L a a\—a z ,a\^=0. 

In manchen Druckereien wird es zwar zugelassen, 
mehrfach eingeschlossene Formelglieder zu trennen, 
doch verwerfen die meisten Fachmänner auch dieses, 
so daß beispielsweise in nachfolgender Formel der 
in {} eingeschlossene Teil untrennbar sein würde: 

J= — \ kir 2 sin(r/> 2 — <jPi) 4- r 2 r 3 sin(f j p, — r/> 2 ) 

+ r s Ji sin(<-/>! —(p)\. 

In der Praxis wird man wohl hier und da aus der 
Not eine Tugend machen müssen und solche Tren¬ 
nungen zulassen, das hindert aber nicht, es als grund¬ 
sätzlich falsch anzusehen. 

Interpunktion. — Es ist nicht die geringste Ursache, 
hinter Formeln die Interpunktion wegzulassen, denn 
hier kann sicher nicht davon die Rede sein, daß ein 
Punkt oder Komma etwa die Harmonie stören könne, 
und zu einer im übrigen exakten Ausführung gehört 
auch richtige Interpunktion, abgesehen davon, daß 
durch ihren Mangel mitunterdas Verständniserschwert 
wird. Zu beachten ist aber das sonst verpönte „Spatium 
vor dem Komma“ — hier ist es am rechten Platze, 
nicht nur vor Komma, sondern eigentlich auch vor 
dem Punkt: 

tg-2'=COS ß + Yn. 

Über den Schlußpunkt nach doppelzeiligen Brüchen 
ist man noch nicht ganz einig; für richtig muß wohl 
der gewöhnliche Punkt angesehen werden, z. B.: 

x 0 y 0 = . Trotzdem bedient man sich in Wirklich- 


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keit ln solchem Falle doch meistens des Multipli¬ 
kationspunktes: x^y 0 = ^ • 

Brüche und gebrochene Größen . 

Autoren, die für eine gute typographische Ausstat¬ 
tung ein geübtes Auge haben, verlangen im allge¬ 
meinen die als Brüche erscheinenden Formelglieder 
einen Grad kleiner als die Hauptzeile der Formel, 
mit der wohl unanfechtbaren Begründung, daß die 
Teile eines gebrochenen Gliedes (also Zähler und 
Nenner des Bruches) nicht ebendenselben Schriftgrad 
beanspruchen können wie die Ganzen. Die schwer¬ 
fällige Breitspurigkeit umfänglicher Brüche, die aus 
der gleichen Schrift wie die Grundzeile gesetzt sind, 
wird ja auch ein feinfühliges Buchdruckerauge emp¬ 
finden, man vergleiche: 


cos« = — cosß 


o — ß o — y 
tg 2 ~ tg ~~2 
o o — a 

tg T tg - 2 - 


+ sinß siny 


11,032 - 

ft 


= 11,032. 


-Ri nicht aber £ Pr 


Schulrechenbüchern bei reinem Ziffernsatz zuweilen 
so gesetzt werden, daß der Schrägstrich im Bruch 
des Nenners oder des Zählers zur Anwendung kommt 

( 4 tyo 4/ 5 2/a 1 \ 

-g- -g- 3 ^ — im übrigen ist dies aber nicht zu¬ 

lässig, am wenigsten bei Buchstabenrechnung; man 
setzt also: 

_1 _!_ 

/(x)-g>(x) = - * - g -- y , 

/(*) v W 

Es ist wohl selbstverständlich, daß die Grundzeile 
gemäß dem Verlaufe der Bruchlinie unterlegt werden 
muß, nicht aber in die Mitte der gesamten Höhe des 
Bruches ausgeschlossen werden darf, also: 


r 3 = r 3 


, nicht aber 


r 3 ' = r 3 2 


*g 2 ~ t® 2 

cos a = — cos ß -—-h sin ß sin y 

Und noch etwas auffälliger in folgendem Beispiele: 


Sodann ist eine der ersten Regeln, daß der Bruch¬ 
strich stets ivagerechty nie schräg verlaufen soll, also 


~R- f R-^R-- nicht V»Ä-V*Ä-V»Ä--- 

172 1.2.3 ^- nicht Vt-2 + Vl.2‘3 + •' • 

Gleichwertige Formelglieder erfordern auch die 
gleiche Schriftgröße. So müssen also in Formeln, die 
zweizeilige Brüche enthalten, auch die reinen Ziffern¬ 
brüche zweizeilig gesetzt werden, z. B.: 

dx= ~b 2'2'2 Z n,chtaber dx =T "2 •* 


Ri usw., 


denn das durch diese typographische Behandlung be¬ 
dingte Zurücktreten der Ziffernbrüche ist ungerecht¬ 
fertigt. Voraussetzung ist hierbei freilich, daß die 
Formel nicht etwa nach der Art geschrieben ist, wie 
man dies zuweilen in Elementarbüchern antrifft, z. B. 

\hXg statt - • g (= halbe Höhe X Grundfläche) usw. 
Dies hat auch für Bruchbrüche Gültigkeit, die in 


Index und Exponent 

Wenn mehrere gleichbenannte Größen in einer 
Rechnung Vorkommen, so unterscheidet man diese 
durch Hinzufügung des bereits von Leibniz in die 
Mathematik eingeführten Index (d. h. Anzeiger); dies 
ist eine rechts an den algebraischen Buchstaben an¬ 
gehängte, tiefgestellte Zusatzbezeichnung aus klei¬ 
nerer Schrift: b x b 2 b 2 ... b n . So sind z. B. Pj P 2 P 3 £ 4 
die vier Ecken eines Vierflächs, £ t E 2 £3 £4 die ihnen 
gegenüberliegenden Flächen, usw. In solchen Reihen 
ein Komma zwischen die einzelnen Glieder zu setzen 
<£ 1 , £ 2 , £ 3 , P 4 ), ist nicht nötig, es empfiehlt sich dies 
nicht einmal, weil es die Übersichtlichkeit eher er¬ 
schwert als erhöht. 

Es ist wichtig, diese tiefstehenden Ziffern und 
Buchstaben aus einer Schriftgröße zu setzen, die sich 
durch ihre Kleinheit erheblich von der Grundschrift 
unterscheidet, und ihnen eine solche Stellung zu 
geben, daß ihre Bedeutung sofort erkennbar ist. Sie 
sind darum so auszuschließen, daß der Index unge¬ 
fähr in seiner Mitte von der Grundlinie des Haupt¬ 
buchstaben geschnitten wird: /z„. Das läßt sich nun 
freilich wegen der verschiedenen Gestalt der Buch¬ 
staben (je nach Ober- und Unterlänge usw.) nicht 
glatt durchführen; um so mehr ist aber von vornherein 
bei der Wahl der Schriften darauf zu achten, daß 
nicht so unübersichtliche Satzbilder entstehen können 
wie qb und ähnliche, wie es bei Anwendung einer 
großen Nonpareilleschrift für den Index neben einer 
recht kleinen Borgis als Grundschrift Vorkommen 
kann. Der Verfasser eines technologischen Lehr¬ 
buchs bestand in solchem Falle darauf, daß der 
Index eine j4c/iteZpetit weiter herunter gerückt werde, 
und ließ sich durch keinerlei Gegenvorstellungen 


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der Druckerei davon abbringen. Noch weit unan¬ 
genehmer ist die Erfüllung solcher Bedingungen, 
wenn Indexbuchstaben nach Art der tiefstehenden 
Bruchziffern, also auf Kegel der Grundschrift ge¬ 
gossen ( a b c ), verwendet werden. Hier kann die ein¬ 
zuhaltende Schriftlinie der Indexbuchstaben nicht vor¬ 
sichtig genug abgewogen werden, ja es wird sich 
vielleicht gar nicht mit ein und denselben Indizes für 
alle Korpus- und Borgisschriften auskommen lassen, 
denn stehen die Indexbuchstaben sehr tief, so hängt 
der Index zuweilen zu weit herunter: b , stehen sie 

p 7 

etwas hoch, so leidet das Satzbild unter der ent¬ 
gegengesetzten Unannehmlichkeit: q b . Es wird sich 
darum nicht immer ganz umgehen lassen, durch pas¬ 
send unterlegte gewöhnliche Nonpareillebuchstaben 
die gewünschte Stellung der Indizes zu erzielen, wo 
die eigentlichen Indexbuchstaben nicht genügen; übri¬ 
gens muß doch schon von vornherein damit gerechnet 
werden, daß solche auf Kegel der Grundschrift ge¬ 
gossene (tiefstehende) Indexbuchstaben neben einer 
gewöhnlichen Nonpareille verwendet werden können, 
weil die Beschaffenheit mancher Indizes die Ver¬ 
wendung der Indexbuchstaben nicht zuläßt, z. B.: 

fVo (a = ln) • 

Eine ähnliche und gleich sorgfältige Behandlung 
wie der Index erfordert der Exponent. Dieser zeigt 
an, wievielmal eine Größe mit sich selbst multipli¬ 
ziert werden soll, und wird rechts von dieser (der 
Grundzahl oder Basis ) hoch gestellt, z. B. 6 2 heißt 
soviel wie 6 X 6 ; oder 6 3 = 6 X 6 X 6 ; oder a 4 = 
aXflX flX a (gewöhnlich geschrieben aaaa) usw. 
Der Exponent kann aber auch eine negative oder ge¬ 
brochene Zahl sein und vermag durch größere Kom¬ 
pliziertheit den Setzer vor ziemlich schwierige Auf¬ 
gaben zu stellen. Vor allem darf ein aus mehreren 
Buchstaben und Zeichen bestehender Exponent nicht 
allzu sperrig gesetzt werden: R a + b , also nicht etwa 
mit Halbgevierten, sondern es genügen auch bei den 
Operationszeichen feine Spatien, denn hierdurch wird 
die Zusammengehörigkeit besser zum Ausdruck ge¬ 
bracht: R a+b . Manche Setzer lassen zwischen den 
einzelnen Buchstaben den Zwischenraum überhaupt 
wegfallen, doch gibt dies wieder ein gar zu gedrängtes 
Aussehen; man vergleiche 

= «*<*>W*> U nd [f(x)]'pW = <*>'/<*>. 

Der gebrochene Exponent ist eins der größten 
Schmerzenskinder des ganzen mathematischen Sat¬ 
zes. Für ihn müssen meistens viel zu große Typen 
verwendet werden, weil eine bessere Anordnung 
technisch unausführbar ist. Hierdurch wirkt der Ex¬ 
ponent mitunter so aufdringlich, daß die Basis da¬ 
neben ganz verschwindet, wie das folgende Beispiel 
der sog. Arrheniusschen Gleichung dartun kann: 

K x M (Pi — T<t) 

-± = e2 (nr*) • 

a 2 


f Das richtige Verhältnis würde nach der Theorie 
ungefähr erreicht, wenn die Bruchlinie des Expo¬ 
nenten etwa in der Höhe des Kopfes der Basis ver¬ 
liefe, und so hat denn im Ernste ein Mathematiker 
vorgeschlagen, in solchem Falle die Basis aus einem 
größeren Schriftgrad, etwa aus Mittel, zu setzen: 

P (7i - Tt) 

£2 (TiTt) . 

Wie damit aber ein Setzer bei einer komplizierten 
Formel zurechtkommen soll, ist nicht zu verstehen, 
es sei denn, er setzte die ganze Grundzeile aus der 
größeren Schrift, denn andernfalls wird ihm die rich¬ 
tige Einstellung des einen abweichenden Formel¬ 
gliedes doch Schwierigkeiten machen, z. B.: 



Auch erscheint die Anwendung verschiedener 
Schriftgrade für gleichartige Formelglieder nicht rich¬ 
tig, wie nachfolgendes Beispiel zeigt: 

a »=a» =a-n=~ = \a- r =ya r =-^-- 
an V ar 

Dieser Weg scheint also nicht recht gangbar. Da 
sich nun aber bei einer Grundschrift auf Korpuskegel 
ein gebrochener Exponent aus Nonpareille immer 
seiner Basis schwer wird anfügen lassen, bleibt als 
einziger anderer Ausweg der, diese Exponenten^ so¬ 
weit dies ausführbar ist, aus fc/tf/rtererSchriftzu setzen, 
und dies ließe sich in einer größeren Druckerei, die 
im Besitze kleinerer Schriftgrade (Diamant) ist, schon 
bis zu einem gewissen Grade durchführen, wenig¬ 
stens soweit nur Ziffern und algebraische Buchstaben 
in Betracht kommen (Griechisch ausgenommen); es 
würde dann hierzu nur der Anschaffung einiger Zei¬ 
chen (+ =) auf Halbpetitkegel bedürfen. Die obige 
Formel bekäme dann folgendes Aussehen und wäre 
damit mindestens ebenso übersichtlich, aber bedeu¬ 
tend ebenmäßiger als bei jener Ausführung mit ein¬ 
geflickten Typen aus Mittel: 

_ r _ - r r t n _ — n _ | 

a -= a « =a-” = 7 ==y'a- r = }/a'-= — • 

an V ar 

Man vergleiche endlich hierzu noch die nachfol¬ 
genden Satzbilder von umfangreicheren gebrochenen 
Exponenten in der üblichen Satzweise aus Nonpareille 
und in der vorgeschlagenen aus Diamant: 

JL P JL — P. — P. i p. 

an: a.q ~ an ~ q a n : a q = a n ~ 9 

( L\L L.E ( p.p 

yan J q z= an q [a n ) * = <Z" « 

und man wird finden, daß der Exponent aus Diamant 
bedeutend vorteilhafter „steht“, so daß es sich im 
einzelnen Falle doch vielleicht empfiehlt, diese kleine 
technische Schwierigkeit in Kauf zu nehmen. Es 
bleiben dann nur einige wenige Fälle, denen sich 
nicht beikommen läßt, bei welchen aber jede andre 

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Ausführung, außer mit einer Basis aus Text oder 
Tertia, gleichfalls versagt, z. B. 

n+3mn 

e .* 

Sind Index und Exponent zugleich hinter einem 
Buchstaben anzubringen, so soll dies nicht in Neben¬ 
einanderstellung geschehen (/i 3 oder/ 3 j), sondern 
in Ütereinanderstellung: f\. Es müssen also zu die¬ 
sem Zwecke entsprechende Typen zur Anwendung 
kommen. Zwischen Index und Exponent ist womög¬ 
lich noch ein geringer Zwischenschlag zu legen: also 
bei Korpus Grundschrift Exponent und Index auf 
Halbpetit, nicht auf Perl, zu setzen, soweit dies aus¬ 
führbar ist: f\ tH. Die gewöhnlichen gebrochenen 
Ziffern, die auf Geviert gegossen sind, eignen sich 
nicht so ohne weiteres hierzu, da sie etwas zu viel 
Fleisch haben; am zweckmäßigsten sind wirkliche 
Diamantziffern, also auf Halbpetit-Halbgeviert gegos¬ 
sene Ziffern, die sowohl für Petit als Korpus dienen 
können und bei mehrstelligen Zahlen kein so sperri¬ 
ges Satzbild ergeben, vergleiche: 

g + y'tz't statt *; 2 + y;* + z;\ 

Die Verwendung solcher Ziffern empfiehlt sich auch 
für gebrochene Exponenten: y* statt y^. 

Zu regelrechtem Satz ist ebenfalls erforderlich, 
Minutenstriche auf Halbpetit-Halbgeviert zu haben, 
da andernfalls die gleichen Unschönheiten in die Er¬ 
scheinung treten wie bei Verwendung gewöhnlicher 
Bruchziffern, z. B. f" x oder f x " statt f x . Beim Vor¬ 
kommen vieler Striche bekommt die Formel etwas 
so Unruhiges, daß tatsächlich der Überblick erschwert 
ist, wenn nicht Index und Exponent übereinander 
stehen; man vergleiche 

fxxf'y - 2 fxyfxfy ± 

dX 1 f d y 

mit der richtigen Ausführung: 

d^ _ q 2 - 2 f xy f’ x f'y + fyytf 

dx* f y > 


Mehrzeilige Zeichen . 

Von den zwei- und mehrzeiligen mathematischen 
Zeichen kommen die Wurzel und das Integral am 
häufigsten vor; sie müssen auf alle Fälle in den be¬ 
nötigten Kegelgraden vorhanden sein, während beim 
Summenzeichen (2) und dem Zeichen für Produkt 
(TT) schon eher von dieser strengen Forderung etwas 
nachgelassen wird. 

Das Wurzelzeichen ]/, entstanden aus einem kleinen 
r (radix = Wurzel), muß das Formelglied, dem es 
vorgesetzt ist, nicht nur vollkommen decken, sondern 
immer noch eine Viertelpetit höher sein als dieses, 
damit die über letzterem verlaufende feine Linie am 
Zeichen anschließt: 




Die an die Wurzel ansetzende Linie darf ihr Glied 
(den Radikand) nicht überschreiten und nicht über 
andere Glieder hinwegragen, z. B.: 

2 n +1_ 2n +1_. 

y a 2n + i _ a , nicht aber ya 2n + l = a. 

Enthält in einer Wurzelformel der Radikand wieder¬ 
um ein Wurzelzeichen, wie dies z. B. in der Car- 
danischen Formel, wie nachstehend, der Fall ist, so 
muß dieses zweite Wurzelzeichen entsprechend klei¬ 
ner sein: 

Wenn ein Wurzelexponent anzusetzen ist, muß ein 
ausgeklinktes Wurzelzeichen verwendet werden, an¬ 
dernfalls wird das ganze Formelbild gestört, vergl.: 

m 

1 / n _ mn _ t / n mn 

Y |/a —\a , nicht aber \ yä= Va. 

Das Integralzeichen ist aus einem S entstanden, 
dem Anfangsbuchstaben von „Summe“, da das In¬ 
tegral gewissermaßen die Summe aller Produkte ist, 
eine Größe, die aus ihrem unendlich kleinen Teil 
(Differential) berechnet oder wiederhergestellt wird. 
Beim „bestimmten Integral“ wird der obere und untere 

X 

Grenzwert angegeben; es heißt also z. B.: /‘das In- 

X » 


tegral von x 0 bis x\ das „unbestimmte Integral“ zeigt 
keine Angaben der Grenzen. 

In seiner Größe richtet sich das Integral nach der 
Höhe der zugehörigen Formelglieder: 
b i 


Lff^ dx 


J'e~ x dx — 1 


o 



xdx 

1 ■— x^ = 1 ’ 


Manche Setzer tun hier des Guten zu viel und ver¬ 
wenden z. B. auch in einfacher Korpuszeile Integrale 
vonText-oder Doppelcicero-Kegel, und verfallen dann 
oft, um den vielen leeren Raum etwas auszufüllen, 
in den weiteren Fehler, die Grenzwerte neben das 
Zeichen zu setzen, statt darunter und darüber: 

* 

12 2 

Icos 2n xdx statt richtig l‘cos 2n xdx. 

”o 0 

Es ist leicht zu sehen, wie sehr die Übersichtlich¬ 
keit der Formel hierunter leiden kann. 

Der früher zuweilen geübte Brauch, das Integral 
so auszuschließen, daß die Bruchlinie gerade aufseine 
Mitte zeigt, gleichviel wie hoch der Zähler oder Nenner 
des Bruches sich aufbauen, dürfte heute kaum noch 
Anhänger haben und entspricht auch keineswegs un- 
sern jetzigen Anschauungen von gutem Formelsatz. 


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' Man setze also nicht: 



c==1 +Ti + il + ii + '‘ ' =lira ( 1 +7)1=0 

,im ( 1 +ä m L = o = eI - H* (l+3)] =0 = e 


Die Zeichen 2 (Summe) und JT (Produkt) werden 
in vielen Druckereien nicht für voll angesehen und 
sind in größeren Graden gar nicht vorhanden. In ge¬ 
wissen Grenzen macht sich der Mangel auch nicht 
allzusehr fühlbar, immerhin müssen aber auch diese 
Zeichen in entsprechender Große genommen werden, 
wenn die Angaben der Grenzwerte hinzukommen, weil 
sonst unter Umständen ein unübersichtlicher Knäuel 
von Buchstaben entsteht. Man vergleiche 

J = (xo + k n [x- JC 0 ]) 

n=00 0 \ n in 

mit der richtigen Ausführung unter Verwendung eines 
größeren Summenzeichens: 

n —1 

J ~ lim y */ usw. 

n=00 (j 


b\+h+ -+b n =2:bk b l -b i ...b„ = JIbk. 

X X 

Klammern und Parenthesen sind satztechnisch den 
mehrzeiligen Zeichen gleichzustellen, da auch sie sich 
bekanntlich nach der Höhe der einzuschließenden 
Formelglieder richten. Ihre Funktion besteht darin, 
aus mehreren Buchstaben, Ziffern und Zeichen be¬ 
stehende Formelglieder zusammenzufassen, d. h. ein¬ 
zuschließen, und zwar in der Reihenfolge {[()]}: 
rt— s 2 {e 2 [(l-f- q 2 )r— 2pqs+(\— p 2 ) f] n) ^ + n 4 = 0. 

Die Verwendung von Klammern der Form () statt 
{} ist im mathematischen Satz unstatthaft. Ebenso 
sind die aus Titelschriften entnommenen () und [ ] 
meistens zu fett, um im Formelsatz verwendet werden 
zu können. 

Die Einschlußzeichen sollen bekanntlich nur über 
die Höhe der wirklich von ihnen eingeschlossenen 
Formelglieder, nicht über die Höhe der in der Formel¬ 
zeile überhaupt vorkommenden Glieder verlaufen, 
z. B: 

5 + [(l+ 9 J )r-(l+p 2 )j], 

also nicht: 

f(x) = + (x — a) usw. 

statt 

fix) — (+^) + (X — a) usw. 

oder 

m l — , -—\ ml — , 

y = — \ea+e *) statt y = ^ le* + e */. 

Die Anfügung von Exponenten, Angabe von Grenz¬ 
werten usw. bei Klammern oder Linien, die über 
mehrere Formelzeilen verlaufen, ist nach den im 
übrigen gültigen Regeln auszuführen: 


Jx 4x 


=*y= y ' 

lim Jx = 0 dx J 


Va 2 + & 2 = a 




(#U\ln) 

[dkl 


Im vorstehenden dürften die hauptsächlichsten 
Möglichkeiten des Formelsatzes berührt worden sein. 
Freilich kann der Formelsetzer täglich vor neue Auf¬ 
gaben gestellt werden, die aber endlich doch alle 
nach denselben Gesichtspunkten zu behandeln sind. 

Wenn hier auch einiges ausgeführt worden ist, 
was den Beifall des Setzerfaktors nicht finden wird, 
weil es den Formelsatz noch mehr verteuern könnte, 
der den Verlegern jetzt schon viel zu kostspielig er¬ 
scheint, so muß dies zugestanden werden. Aber nicht 
die Buchdrucker sind es ja, die es „anders“ haben 
wollen, sondern die Herren Mathematiker sind unzu¬ 
frieden geworden. Es dürfte aber nicht schwer sein 
zu zeigen, daß es um die Fähigkeit des Buchdruckers, 
brauchbaren Formelsatz herzustellen, noch nicht gar 
so schlimm steht, und daß sich noch manches wird 
nach Wunsch machen lassen, wenn es nur verlangt 
wird. Die Gelehrten selbst dürften aber nicht so 
leicht in der Lage sein, positive satztechnische Vor¬ 
schläge zu machen, denn wie die Erfahrung lehrt, 
sind ihnen die Buchdrucker-Fachausdrücke hierzu 
doch nicht geläufig genug, so daß es nur zu Mißver¬ 
ständnissen führen kann, wenn sie von Perlgevierten 
und Petitschrift reden und dabei Halbpetit-Ausschluß 
und Nonpareille meinen, usw. Für sie und die Set¬ 
zerei ist die Hauptsache, daß sie im gegebenen Falle 
sich deutlich erklären, so und so soll das Verhältnis 
von dem und dem Zeichen und Buchstaben sein, so 
ist dies und das zu verstehen und auszuführen — 
die Mittel und Wege wird dann der Setzer (und nö¬ 
tigenfalls Gießer) schon finden. 

Sehr zu bezweifeln ist endlich noch, daß nur in 
der Provinz schlechter Formelsatz geliefert wird — 
die Provinz kann doch mit denselben vollkommenen 
satztechnischen Hilfsmitteln arbeiten wie die Gro߬ 
druckstadt, und in letzterer gibt’s auch nicht lauter 
Musterdruckereien! Hoffentlich braucht das nicht 
erst ein provinzialer Fachverein zu demonstrieren, 
indem er eine Mustersammlung von Formelsatz¬ 
sünden der Hauptstadt veranstaltet — da gäbe es 
auch manches Erstaunliche zu sehen! 

Die Beschaffenheit des für mathematischen Satz 
benötigten Sondermaterials ist natürlich äußerst wich¬ 
tig. Der Gedanke aber, daß der Setzer hier gewohn¬ 
heitsmäßig mit Feile und Fräser arbeiten solle, ist 


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Das, glaube ich, ist mir gelungen. Der diesem Hefte 
beigegebene Druck ist mit Wasserfarbe hergestellt 
und zwar in Auflage von 3000 auf einer Tiegeldruck¬ 
presse. Benutzt wurden dabei die Walzen, die sich 
in der Presse vorfanden und mit denen vorher schon 
Firnisfarben verdruckt worden waren. Die Verreibung 
der Wasserfarbe ging tadellos vor sich, ebenso die 
Färbung. So sind die hellen Töne des Bildes mit fast 
gleichstarkerFarbegedruckt,wiediedunkeln. Weitere 
Vorteile derFarbe sind Reinheit des Tones undLeucht- 
kraft, matter Druck und Haltbarkeit ohne Hautbildung. 


Gewaschen wird mit Wasser, es fällt daher der so 
lästige Geruch vonTerpentinöl usw.fort. Verwendung 
kann die Farbe z.Z. nur für Druckbeilagen finden, die 
in Hefte oder Bücher kommen, da die Farbe in Wasser 
löslich ist, gleich wie die Aquarellfarbe. Das ist ein 
Nachteil, der die Vorteile nicht aufzuheben vermag 
und den ich noch zu beseitigen hoffe. Das beigegebene 
Bildchen soll hauptsächlich die Zartheit, Ausgiebig¬ 
keit und Reinheit der Farbe zeigen, für die Leucht¬ 
kraft und Tiefe der Farbe will ich demnächst einen 
Beleg bringen. 


Schülerarbeiten graphischer Lehranstalten. 

Von HEINRICH SCHWARZ, Leipzig. 


S ist keineswegs eine bloße Annahme, daß 
in unsrer hastenden Zeit die Lehrlingsaus¬ 
bildung in den Buchdruckereien und andern 
Geschäften der graphischen Gewerbe nicht mehr mit 
der früheren Gründlichkeit erfolgt, denn die andauernd 
starke Nachfrage nach guten Arbeitskräften und der 
sich äußernde Mangel an solchen beweisen mehr als 
alles andre, daß in dieser Beziehung manches zu 
wünschen ist. Da nun aber Tarifverträge bestimmen, 
zu welchen Leistungen der eine der Kontrahenten 
verpflichtet ist, so erscheint es nicht nur erklär¬ 
lich, sondern durchaus notwendig, daß das Maß des 
technischen Könnens der Einzelkräfte auf diese oder 
jene Weise gesteigert wird. Neben der Lehre obliegt 
dies den Fachschulen. Zweifellos hängt hiermit auch 
zusammen, daß seit einiger Zeit dem Ausbau des Fach¬ 
schulwesens erhöhteBedeutung zugemessen wird und 
in einzelnen Städten neue Fachschulen errichtet wur¬ 
den, die in ihrer Anlage und Verfassung erheblich 
abweichen von den älteren Unterrichtsanstalten an¬ 
derer Druckstädte. 

Heute stehen München und Stuttgart in bezug 
auf die innere Einrichtung ihrer Lehrlingsfachschulen 
zweifellos obenan, was darauf zurückzuführen ist, daß 
sie durch ganz beträchtliche städtische und private 
Mittel gegründet wurden und unterhalten werden. Der 
Ausbau des Fachunterrichts im Besonderen wurde 
dadurch im weitesten Maße möglich, die geschaffenen 
Einrichtungen aber sind unstreitig auch von bestem 
Einfluß auf das Ergebnis des Unterrichts. 

Auch in andern Städten werden zurzeit gute An¬ 
sätze gemacht, so in Cöln a.Rh., Frankfurt a.M., Offen- 
bach und anderwärts. Berlin verfügt seit Jahrzehnten 
über seine Lehrlingsfachschule ohne bisher so um¬ 
fassende Proben der dort geleisteten Arbeit gegeben 
zu haben, als wie dies regelmäßig durch die Jahres¬ 
berichte derFachschulen in Wien, München und Stutt¬ 
gart zu geschehen pflegt. Daß die Handwerkerschule 
daselbst die bestehende Lehrlingsfachschule zu er¬ 


gänzen bestimmt ist und dies in bester Weise tut, 
liegt wohl außer allem Zweifel. 

Was Leipzig betrifft, so muß leider gesagt werden, 
daß man hier seit einem Jahrzehnt nicht recht aus 
dem Stadium des Versuchens herauskam. Zum Teil 
mag diese bedauerliche Erscheinung auf die Wand¬ 
lungen zurückzuführen sein, die die örtliche Organi¬ 
sation der Prinzipale zu bestehen hatte, zum andern 
auch auf die abweichenden Ansichten, die in bezug 
auf die Aufgaben und innere Gestaltung graphischer 
Fachschulen hier in maßgebenden Kreisen herrschen 
und die der Regulator für das Maß der staatlichen 
und städtischen Mittel sind, die der Schule zufließen. 
Es werden in neuester Zeit aber auch hier erheb¬ 
liche Anstrengungen gemacht, die Ziele der Schule 
zu erweitern, den Fachunterricht auszugestalten und 
ihn der Praxis näher zu bringen, als das jetzt mit den 
verfügbaren beschränkten Mitteln möglich ist. Aller 
Voraussicht nach wird es aber zu so durchgreifenden 
Reformen, daß bald von einem Idealzustande gespro¬ 
chen werden könnte, leider nicht kommen. Zur Er¬ 
reichung eines solchen wäre meiner Ansicht nach die 
Zurückführung der Schule in städtische Verwaltung, 
bzw. die Aufhebung ihres jetzigen privaten Charak¬ 
ters die erste Notwendigkeit. Daß in Dresden wegen 
der dortigen ebenfalls privaten Fachschule in diesem 
Sinne Schritte unternommen werden, ist sehr zu be¬ 
grüßen und Erfolg versprechend. 

Die Kgl. Akademie für graphische Künste und Buch¬ 
gewerbe in Leipzig kann schlechterdings nicht in die 
Gattung der Fachschulen einbezogen werden, da sie 
ihrer ganzen Verfassung nach nur Vorgeschrittenen, 
also Gehilfen offensteht und ihre Ziele über die 
Forderungen der Alltäglichkeit hinaus erstrecken muß. 

Nach dieser aufklärenden Einleitung obliegt es mir, 
den wieder vorliegenden Jahresmappen mit Schüler¬ 
arbeiten der Buchdruckerfachschule in München und 
der k. k. Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in 
Wien einige Worte zu widmen. Die Fachschulen in 



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AQUARELLDRUCK. 

Hergestellt auf einer Tiegeldruckpresse nach Verfahren von Prof. BERTHOLD. 


Beilage zum Archiv für Buchgewerbe. 

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Gedruckt in der Kgl. Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe zu Leipzig. 

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Wien, München und Stuttgart, die mit Lehrwerk¬ 
stätten ausgerüstet sind, dürfen wohl heute als Ein¬ 
richtungen gelten, aus deren Bestehen einer großen 
Zahl von Buchdruckergehilfen und damit dem Buch¬ 
gewerbe greifbarer Nutzen erwächst. Die alljährlich 
entstehenden Schülerarbeiten, die in den erwähnten 
Mappen vereinigt sind, gehen auch weiteren Kreisen 
zu, denen damit ein sichtbareres Zeichen von der 
geleisteten Arbeit, des bewältigten Lehrstoffes usw. 
vor Augen tritt, als dies bei Ausstellungen von einigen 
Tagen Dauer der Fall ist. Die Arbeiten veranschau¬ 
lichen zugleich, wie vielseitig die in der Praxis vor¬ 
kommenden Aufgaben sind, auf deren zweckmäßige 
Lösung vorzubereiten die Pflicht der Fachschulen ist. 
Inwieweit der Lehrkörper die Wandlungen des Ge¬ 
schmacks im Gewerbe beobachtet, die fortwährenden 
Neuerscheinungen an Material verfolgt und den Unter¬ 
richtsstoff darnach erweitert, ihn aber gleichzeitig 
durch Übergehung von Veraltetem befreit, alles dies 
läßt sich aus solchen Jahresmappen erkennen. Hier¬ 
in liegt aber gerade ein Wert, der nicht zu unter¬ 
schätzen ist, und der die Fortsetzung der Mappen als 
durchaus wünchenswert erscheinen läßt. 

Was die diesjährige Jahresmappe der Buchdrucker¬ 
fachschale in München anbetriflft, so bedeutet sie 
gegen die vorangegangene, die als Erstlingswerk der 
Schule unter den Einflüssen der erst erfolgten Neu¬ 
einrichtung entstanden war, einen bedeutenden Fort¬ 
schritt. Die hergestellten Satzarbeiten zerfallen in 
zwei Gruppen und zwar in Einzelblätter (Akzidenzen) 
und in Werksatz. Der letztere tritt in die Erschei¬ 
nung außer aus Einzelabzügen in vier verschiedenen 
textlich und technisch ganz interessanten Broschüren, 
die zugleich beim Unterrichte Verwendung finden und 
von den Lehrern der Anstalt verfaßt sind. Die Titel 
dieser Hefte sind: Schrift und Buch im Altertum, 
von Hans Popp; Der Goldene Schnitt im Akzidenz¬ 
satz von R. Bammes; Über den Guß und die Behand¬ 
lung der Buchdruckwalzen von Anton Krach und 
Easy Reading' Pieces von Joseph Mager. Die Satz¬ 
herstellung, sowie die Druckausführung dieser klei¬ 
nen Werkchen, von denen der Text zu zwei solchen 
dem Archiv für Buchgewerbe entnommen ist, ver¬ 
dient ebenso Anerkennung wie der Gedanke über¬ 
haupt, die Schule mit solchen technisch guten Unter¬ 
richtsmitteln zu versehen. In einzelnen Fachschulen 
sind die in Gebrauch befindlichen Unterrichtsbücher 
nicht allein textlich anfechtbar, sondern auch in 
bezug auf typographische Ausführung geradezu ver¬ 
derbliche Beispiele für die Schüler. 

Betreffs der Einzelblätter wäre zu bemerken, daß 
beim Unterricht im Akzidenzsatz auf die Erzielung 
allergrößter Einfachheit viel Gewicht gelegt wird, ein 
Bestreben, das sehr anerkennenswert ist. Es dürfte 
sich aber immerhin empfehlen, auch darauf bedacht 
zu sein, daß der Schüler einem ihm in der späteren 


Praxis begegnenden Material beweglichen Charakters 
oder den Wünschen der Verwendung eines solchen 
gerecht werden kann. Mit andern Worten: es muß 
in den Schulen auch der Gefahr der Einseitigkeit 
nach Kräften vorgebeugt werden. Dies geschieht am 
besten, wenn bei der Beschaffung neuen Materials 
auf einige Abwechslung Rücksicht genommen wird. 
Als Beispiele erwähne ich das häufige Vorkommen 
dreier verwandter Schriftgarnituren: Behrens, Neu¬ 
deutsch, Bek-Gran in der Mappe und das Fehlen von 
Schriften abweichender Richtung. 

Der sich in den einzelnen Arbeiten äußernde Ge¬ 
schmack berücksichtigt das Geschlossene des Satzes 
in erster Linie, die Verwendung kräftiger und klarer 
Schriften, in bezug auf den Schmuck die einfache 
Linie, sowie Leistenornamente. Auch hier wird es 
Aufgabe der Schule werden, die Schüler auf das Viel¬ 
seitige der heutigen Produktion noch mehr vorzube¬ 
reiten, womit aber durchaus nicht gesagt ist, daß beim 
Unterricht dem „Schnörkel* wieder erhöhte Beach¬ 
tung geschenkt werden soll. 

Die Durcharbeitung der einzelnen Sätze, von denen 
Originalabzüge vorliegen, ist durchweg eine sehr gute 
und als besonders erfreulich darf gelten, daß neben 
der Erzielung eines guten Gesamteindruckes der Ar¬ 
beiten auch die sogenannten handwerklichen Satz¬ 
regeln auf das strengste durchgeführt sind. Auf die 
Wiedergabe sogenannter origineller Ideen wurde beim 
Unterricht mit Recht verzichtet, ebenso auf die Ver¬ 
wendung zu reichlicher Mittel an Ornament und Farbe. 

Über die Arbeiten der Drucker läßt sich nur sagen, 
daß auch hier auf die Ausbildung im einfachen Werk- 
und Akzidenzdruck das Hauptgewicht gelegt wird. 
Ein besondrer Vorzug der gedruckten Arbeiten ist 
der gute Stand der Schriften selbst auf rauhen Pa¬ 
pieren. Ganz naturgemäß ist auf den Schwarzdruck 
das Hauptgewicht gelegt worden, daneben sind aber 
auch sehr hübsche Proben farbigen Akzidenzdruckes 
gegeben. Einige gelungene Proben farbigen Illustra¬ 
tionsdruckes ergänzen die Sammlung auf das beste. 

Der Gesamteindruck der Mappen ist der, daß die 
Münchener Fachschule, soweit es sich um den Fach¬ 
unterricht handelt, ihre Hauptaufgabe darin erblickt, 
ihren Schülern einen guten Teil fachlichen Wissens 
und Könnens mit auf den Weg zu geben unter Ver¬ 
meidung alles dessen, was über das Begriffsvermögen 
des Lehrlings und über das Ziel der Lehrzeit hinaus¬ 
geht. Diesen eingeschlagenen Weg wird jeder Fach¬ 
mann als den richtigen anerkennen müssen und die 
Schule, sowie ihren eifrigen Lehrkörper, vor allem 
die Fachlehrer Reinhold Bammes und Anton Kracht 
zu den bis jetzt erzielten Erfolgen nur beglück¬ 
wünschen. 

Die diesjährige Mappe der k. k. Graphischen Lehr- 
und Versuchsanstalt in Wien ist wohl die umfang¬ 
reichste der bis jetzt erschienenen, so daß es keine 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


kleine Aufgabe ist, deren abwechslungsreichen und 
interessanten Inhalt einer Durchsicht zu unterziehen. 
Wer dies aber getan hat, hat sicherlich volle Befrie¬ 
digung gefunden, denn die Mappe birgt in der Tat eine 
Fülle fleißiger und gelungener Arbeiten, sowohl in 
satz- und druck-, wie in graphischer und reproduk¬ 
tionstechnischer Beziehung. 

Beim Vergleiche mit dem Inhalt früherer Mappen 
zeigt sich in bezug auf den Satz ein ganz augenfälliger 
Unterschied und zwar nach der Richtung, daß auf Ein¬ 
fachheit des Satzbildes bei den Akzidenzen das größte 
Gewicht gelegt wird. Im Gegensatz zu unsern deut¬ 
schen Arbeiten wird der Linie als Dekorationsmittel 
allerdings noch ein weiter Spielraum eingeräumt, 
ihre Verwendung erfolgt aber immerhin in recht 
geschickter Weise, so daß fast stets gute Wirkungen 
erzielt werden. Neben dem guten Ausfall des Satzes 
selbst, zu dem ein reichhaltiges Material Verwendung 
fand, verdient der originelle Entwurf zahlreicher Ar¬ 
beiten hervorgehoben zu werden, insbesondere auch 
der gute Zusammenklang mancher Papierfarben mit 
den gewählten Druckfarben. In ornamentaler Hinsicht 
ist, wie bereits erwähnt, sparsam verfahren worden, in 
einzelnen Fällen aber durch Verwertung eigner orna¬ 
mentaler Entwürfe eine gute künstlerische Wirkung 
herbeigeführt. 

Eine besondere Abteilung der Mappe bilden die aus 
einem Spezialkurs für Satz, verbunden mit praktischen 
Übungen, hervorgegangenen Arbeiten, zumeist ein¬ 
fache Satzgebilde, wie sie täglich in Akzidenzdrucke¬ 
reien vorzukommen pflegen. Es ist sehr anzuerken¬ 
nen, daß auch der zweckmäßigen Herstellung einfacher 
Satzarbeiten neuerdings viel Wert beigelegt wird, denn 
gerade dieses Gebiet wurde bisher fast überall hinten¬ 
angestellt und durch die Bevorzugung des Ornamen¬ 


talen und Komplizierten beim Unterrichte eine Selbst¬ 
täuschung des Schülers hervorgerufen, der zwar unter 
Aufsicht der Lehranstalt scheinbar Gutes leistete, in 
der Praxis aber mit seinem Können versagte und ver¬ 
sagen mußte. 

Zahlreiche Arbeiten der Mappe sind gute Leistun¬ 
gen des Tonplattenschnittes, des Prägedruckes, des 
Bronze- und Farbendruckes, kurzum, es kommen in 
ihr Arbeiten in fast allen graphischen Verfahren vor. 
An guten Druckleistungen ist die Mappe besonders 
reichhaltig, ebenso wie sie tüchtige Übungen und Er¬ 
gebnisse der Reproduktionstechniken aufweist. Auch 
in dekorativer sowie zeichnerischer Hinsicht bietet 
sie, wie alljährlich, viel Interessantes. 

Der effektvolle Umschlag der Mappe ist wie stets 
das Ergebnis einer Übung in ornamentaler Schrift, 
wobei auf besonders leichte Lesbarkeit sicherlich mit 
Absicht verzichtet wurde, auch auf einigen andern 
Blättern ist dem Wesen der Schrift Beachtung ge¬ 
schenkt worden. Die Blätter, welche die Ergebnisse 
des Unterrichts im Druck veranschaulichen, sind in 
illustrativer Beziehung von hohem Interesse; beson¬ 
dere Anerkennung verdient die sehr geschickte Wahl 
der Sujets, unter denen sich vorzügliche Proben der 
neuzeitlichen Reproduktionstechnik befinden. Im 
ganzen enthält die Mappe eine Summe von Arbeit, 
aus der das Buchgewerbe den besten Nutzen haben 
wird. Die Unterrichtsergebnisse stellen aber der k. k. 
Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien das 
allerbeste Zeugnis aus. Sie lassen erkennen, daß die 
Anstalt alle Fortschritte und Neuerungen im Gewerbe 
gut beobachtet, dabei aber auch dem Unterrichte selbst 
eine fortschreitende Richtung gibt, die sich der rast¬ 
losen Weiterentwicklung des Buchgewerbes vorzüg¬ 
lich anpaßt. 


Aus den graphischen Vereinigungen. 


Altenburg. In der am 1. Oktober 1908 stattgehabten 
Sitzung der Graphischen Vereinigung wurde das Ergebnis 
der Bewertung der Entwürfe für die diesjährigen Johannis¬ 
festdrucksachen bekannt gegeben. Leider hatte der Arbeits¬ 
ausschuß des Verbandes der Deutschen Typographischen 
Gesellschaften, dem die Bewertung übertragen worden war, 
eine nähere Besprechung der einzelnen Arbeiten unter¬ 
lassen. Gerade durch eine sachliche Beurteilung aber 
werden die Beteiligten aufVorzüge und Mängel ihrerSkizzen 
hingewiesen und ihnen dadurch Lehren für ihr weiteres 
Schaffen gegeben. Preise erhielten die Herren: F. Köhler 
(I. und II. Preis beim Kartenwettbewerb und II. Preis beim 
Wettbewerb zur Erlangung eines Umschlages für die Fest¬ 
schrift); H.Wunderlich (I.undlll.PreisbeimUmschlagwett¬ 
bewerb); M. Benndorf (III. Preis beim Kartenwettbewerb). 
Wegen Wohnsitzwechsels des bisherigen Vorsitzenden 
machte sich eine Neuwahl nötig. Gewählt wurde Herr 
E. Ehrlich. Die Abrechnung über das dritte Vierteljahr er¬ 


gab einen recht günstigen Kassenbestand, so daß für das 
Winterhalbjahr ein Skizzierkursus in Aussicht gestellt 
werden konnte. — Vom Typographischen Klub Erfurt war 
die Graphische Vereinigung mit der Bewertung von 13 ein¬ 
gegangenen Entwürfen für eine Festkarte zum 4. Stiftungs¬ 
feste betraut worden, welcher Aufgabe durch eine Kom¬ 
mission entsprochen wurde. -o-. 

Berlin. In der Typographischen Gesellschaft wurde in der 
ersten Sitzung nach den Sommerferien dem Vorsitzenden, 
Herrn KÖnitzer, aus Anlaß seiner zehnjährigen erfolgreichen 
Tätigkeit als Leiter der Gesellschaft als Ehrengabe eine 
Gutenbergstatuette überreicht. Sodann beschäftigte man 
sich mit den neuesten Veröffentlichungen der Gutenberg- 
Gesellschaft, die das Mainzer Fragment des Weltgerichts, 
die 42zeilige Bibeltype im Schöfferschen Missale Mogun- 
tinum von 1493, die Missaldrucke Peter Schöffersundseines 
Sohnes Johann, sowie die Bücheranzeigen Peter Schöffers 
behandeln. Herr Georg Erler hatte sich mit dem Inhalte 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


dieser streng wissenschaftlichen Arbeiten eingehender be¬ 
schäftigt und wußte das Interesse der Anwesenden nahezu 
eine Stunde lang durch seinen Bericht zu fesseln. Hierauf 
sprach Herr Schmiedchen über die im Versammlungsraum 
ausgestellten Arbeiten aus der k. und k. Graphischen Lehr- 
und Versuchsanstalt in Wien und der Buchdruckerfach¬ 
schule in München. Einleitend bemerkte er, daß ein Ver¬ 
gleich zwischen den Arbeiten der beiden Anstalten wegen 
ihrer Verschiedenartigkeit nicht gezogen werden könne; 
die Wiener Lehranstalt sei ein vom Staat subventioniertes 
Institut, das zumeist von vorwärtsstrebenden jungen Leuten 
mit besserer Vorbildung aufgesucht werde, während die 
Münchener Anstalt eine Pflichtschule sei, die Begabte und 
Unbegabte, willige und unwilligeSchüler aufnehmen müsse 
und darum auch nur langsam fortschreiten könne. Ohne 
weiteres aber sei aus den Münchener Arbeiten zu erkennen, 
daß hier ein brauchbarer Nachwuchs für das Buchdruck¬ 
gewerbe herangebildet werde. Die Methode, Beispiel und 
Gegenbeispiel, eine mangelhafte Arbeit neben der ver¬ 
besserten auszustellen, sei anzuerkennen, indessen dürfe 
dabei nicht in derWeise verfahren werden,daß man eine mit 
dürftigem Material ausgeführte Arbeit von einem Schüler 
verbessern lasse, dem geeignetes Material zur Verfügung 
stehe. Es müsse vielmehr darauf gesehen werden, daß zu 
beiden Arbeiten möglichst dasselbe Material bereitgestellt 
werde. Zum Schluß gab Herr Görnitz einen Bericht über 
die ebenfalls ausgestellten diesjährigen Johannisfestdruck¬ 
sachen der Küttnerschen Sammlung. — In der zweiten 
Septembersitzung waren Originalarbeiten, Studien und im 
Druck ausgeführte Arbeiten, sowie Schriftarbeiten in der 
Form von geschriebenen mit farbenprächtigen Initialen 
gezierten Büchern des Malers und graphischen Zeichners 
Eduard Liesen ausgestellt. Herr C. Kulte hielt hierzu einen 
Vortrag, in dem er den Bildungsgang des Künstlers schilderte, 
der sich zunächst als Ziseleur, Bildhauer und Modelleur 
betätigt und erst später derGraphik zugewendet habe. Diese 
vielseitige Ausbildung mache sich durch die Klarheit der 
Auffassung und Sicherheit der Wiedergabe seiner Natur¬ 
studien bemerkbar; die ausgestellten Aquarelle seien, ob¬ 
gleich sie nicht im Atelier, sondern an Ort und Stelle an¬ 
gefertigt wurden, als fertige Bilder anzusprechen. Als 
Graphiker stehe Liesen durch seine mit der Breitfeder ge¬ 
schriebenen Bücher, die er zum eigenen Vergnügen in 
seinen Mußestunden hergestellt habe, auf der Höhe des 
Könnens. Herr Kulbe schloß seine Ausführungen mit dem 
Vorschlag, die Typographische Gesellschaft möge ihren 
Mitgliedern GelegenheitgebenzumZeichnen nach derNatur 
unter fachmännischer Leitung und die Vorbereitungen zu 
solchen Kursen bereits in dem beginnenden Wintersemester 
treffen. Im Anschluß hieran schilderte der Künstler selbst 
die Entstehung der einzelnen Arbeiten, an die sich fast stets 
eine liebe Erinnerung an im Kreise Gleichgesinnter an¬ 
genehm verlebter Stunden knüpfen. Herr Kunstmaler und 
Zeichner Georg Wagner wies auf die in den Liesenschen 
Arbeiten zum Ausdruck kommendeBeherrschung derTech- 
nik hin, die man heute vielfach vermisse. Er schloß sich 
dem Vorschläge des Herrn Kulbe an und die Gesellschaft 
wählte eine aus den Herren Kulbe, Wagner und Zehnpfund 
bestehende Kommission zur Vorbereitung von Kursen, die 
den Mitgliedern Gelegenheit zum Zeichnen nach der 
Natur geben sollen. Zum Schluß gab Herr Faktor Wilhelm 
Boldt noch einen umfassenden Bericht über die ver¬ 


schiedenen neueren Systeme von Schriftordnern zum Ge¬ 
brauch für Steckschriften. B. 

Bremen. Der Typographische Klub brachte vom 16. August 
bis 6.September 1908 die bekannte von der Leipziger Typo¬ 
graphischen Vereinigung zusammengestellte Postkarten¬ 
sammlung zur Ausstellung. Die damit verbundenen hoben 
Kosten und ein nicht dementsprechender Besuch brachten 
der Klubkasse einen Verlust. — In einer Versammlung des 
Bremer Buchdrucker-Vereins kamen die diesjährigen Johan¬ 
nisfestdrucksachen zur Ausstellung, über die Herr Faktor 
Miller einen Vortrag hielt. Er stellte mit Genugtuung fest, 
daß eine zwar langsame, aber von Jahr zu Jahr merkbare 
Besserung in der Gesamtwirkung dieser Arbeiten sich offen¬ 
bare. Die einheitliche Schriftverwendung und gute Raum¬ 
verteilung sei zwar noch nicht allenthalben erreicht, auch 
fänden sich stets wieder noch wenig befriedigende An¬ 
ordnungen, jedoch werde deren Zahl immer weniger. Wirk¬ 
lich gute Leistungen seien auch in diesem Jahre nur 
vereinzelt vorhanden, die Mittelmäßigkeit nehme den 
größten Raum ein. Seinen Grund habe dies vielfach an 
der Überweisung dieser Aufträge an manchmal nicht auf 
der Höhe stehende Druckereien, die aus mannigfachen Ur¬ 
sachen zuerst berücksichtigt werden müßten. Trotz dieser 
Schwächen sei die Gesamtwirkung eine gute, wozu die 
oftmals glückliche Farben- und treffliche Papierwahl mit 
beitrage. — Am 29. September hielt Herr Rönnau einen 
Vortrag zur Einführung in die nun wieder regelmäßigen 
Sitzungen: Was wir wollen. Wie in den Vorjahren solle den 
beruflich technischen Fragen das Hauptaugenmerk ge¬ 
schenkt werden. Man müsse den Mitgliedern lehren und 
an Beispielen zeigen, wie das gegebene Material verwendet 
werden müsse. BeidieserGelegenheit werde man oft genug 
auf das rein künstlerische Gebiet hinübergreifen müssen. 
Infolgedessen sei der von Herrn Westheim im Werkblatt 
gegen den Vorsitzenden des Verbandes der Deutschen Typo¬ 
graphischen Gesellschaften geschriebene Artikel in Form 
und Inhalt nicht gutzuheißen. Herr Schmiedchen habe 
jedenfalls das gute Bestreben, die näher liegenden tech¬ 
nischen Aussprachen mehr in den Vordergrund zu stellen, 
wogegen kaum etwas einzuwenden sei. — Am 5. Oktober 
wurden zunächst eine große Anzahl von Eingängen be¬ 
handelt. Amerikanische Druckmuster waren von dem 
früheren Mitgliede Schiele aus Cincinnati ausgestellt. In 
einem Berichte wurde auf die vorzüglichen Arbeiten, 
meistens von Papier- und Farbenfabriken stammend, näher 
eingegangen. Die amerikanische Satzweise äußere sich viel¬ 
fach ungezwungener, wie manche deutsche, zur Schönheit 
trage aber auch der durchweg gute Druck und die oft hervor¬ 
ragenden Papiere bei. DieMustersollen denVereinen durch 
eine Rundsendung zugänglich gemacht werden. -R. 

Breslau. In der Typographischen Gesellschaft hielt am 
2. September 1908 Herr C. Schmidt einen Vortrag über: 
Die Visitenkarte, zu dem eine Sammlung von Visitenkarten 
ausgestellt war, auf Grund deren die verschiedenen Schrift¬ 
moden erläutert wurden. In dem an den Vortrag sich an¬ 
schließenden Meinungsaustausch wurde betont, daß schon 
durch die Wahl der Schriften auf den Charakter des Be¬ 
stellers hingewiesen werden könne, so sei z. B. für Offiziere 
und Lehrer eine Fraktur, für Juristen und Mediziner eine 
Antiqua zu bevorzugen; Schreibschriften könnten allenfalls 
bei Damenkarten angewandt werden. Herr Schultes be¬ 
richtete hierauf über die Johannisfestdrucksachen. Er hatte 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


als ersten Teil die Programme gewählt, die er nach Ver¬ 
lesung des beigegebenen Berichtes noch nach seiner An¬ 
sicht beurteilte. — Am 6. September besichtigten etwa 
60 Mitglieder den Zweibuchstaben-Typograph der Typo* 
graph-Gesellschaft m.b.H. — Die Sitzung am 16.September 
brachte zunächst einen Vortrag des Herrn Paul Wolke über: 
Wann werden Zahlen in Buchstaben und wann in Ziffern 
gesetzt? Zu Beginn seines Vortrages besprach er die über 
diesen Satz vorhandenen Regeln, um dann als Schlu߬ 
ergebnis seiner Ausführungen folgende Lehrsätze aufzu¬ 
stellen. Zahlen sind in Buchstaben zu setzen: 1. bei er¬ 
zählender Redeweise (in Romanen, Gedichten usw.); 2. bei 
vereinzeltem Vorkommen; 3. bei unbestimmten Angaben 
(ungefähr hundert Personen); 4. bei Titeln (Tausendundeine 
Nacht). Dagegen sind Zahlen in Ziffern zu setzen: 1. bei 
Zahlenangaben mit näherer Bestimmung wie Maße, Ge¬ 
wichte, Zeit usw.; 2. bei Daten; 3. bei häufig wiederkehren¬ 
den Zahlenangaben oder Aufzählungen; 4. bei statistischen 
Angaben; 5. bei Ordnungszahlen. Vor allem solle man dar¬ 
über klar sein, ob die Zahlenangaben als Haupt- oder als 
Nebensache anzuseben sind. In ersterem Falle seien immer 
Ziffern vorzuziehen, weil durch sie der Zahlenwert besser 
zum Ausdruck gebracht werde. Herr Schultes besprach so¬ 
dann den zweiten Teil der Johannisfestdrucksachen, ent¬ 
haltend Karten und Einladungen, und bemerkte zum Schluß 
seines Berichtes, daß in diesem Jahre bedeutend bessere 
Arbeiten als im Vorjahre geliefert worden seien. G-e. 

Cassel. Am 6. Oktober 1908 hat die Graphische Ver¬ 
einigung ihr letztes Geschäftsjahr beendigt, das ein sehr 
arbeitsreiches gewesen ist. Neben einem Kursus für Ton¬ 
plattenschneiden fanden verschiedene Vorträge statt, von 
welchen derjenige des Herrn Heinrich Hoffmeister aus Frank¬ 
furt a. M. über: Die Renaissance in der deutschen Buch¬ 
druckerkunst besonders hervorzuheben ist. Ausstellungen 
und verschiedene Preisausschreiben trugen zur weiteren 
Belehrung der Mitglieder bei, deren Beteiligung an den 
einzelnen Veranstaltungen aber nicht so stark war, daß von 
einem regen Vereinsleben gesprochen werden könnte. — 
In der am 24. September 1908 stattgehabten Sitzung wurde 
das Arbeitsprogramm für das Winterhalbjahr 1908 bis 1909 
festgelegt, ferner bestimmt, daß Arbeiten für das Preis¬ 
ausschreiben zur Erlangung von Entwürfen zu einer Neu¬ 
jahrskarte bis zum 1. November 1908 eingeliefert werden 
müssen. Hgld. 

Hannover. In der Typographischen Vereinigung lagen 
am 13. September 1908 die Johannisfestdrucksachen für 
sämtliche Lokalvereinsmitglieder zur Besichtigung aus. 
Gleichzeitig hatte Herr Fuchs aus Goslar eine Anzahl 
seiner mustergültigen Drucksachen zur Verfügung gestellt, 
die allseitig Würdigung fanden. — Die am 15. September 
abgehaltene Generalversammlung beschäftigte sich mit der 
Neuberatung der Satzungen. Ein Antrag auf Herabsetzung 
des Beitrages wurde abgelehnt. Der Vorstand setzt sich für 
dieses Vereinsjahr aus folgenden Herren zusammen: 
August Alberti, Vorsitzender; Wilhelm Busse, Schrift¬ 
führer; Friedrich Naumann, Kassierer; A. Koppmann und 
Rudolf Steinbiß, Bibliothekare, Emil Leiter und Wilhelm 
Wandelt, technische Leiter. — In der Sitzung am 29. Sep¬ 
tember wurde die schon in der Johannisfestdrucksachen- 
Ausstellung ausgelegte Sammlung amerikanischer Druck¬ 
sachen besprochen, die vom Buchgewerbeverein freund- 
lichst zur Verfügung gestellt worden war. Das reiche 


Material, das einen guten Einblick in die amerikanische 
Druckausstattung gewährte, gab reiche Anregung. Herr 
Leiter sprach sich sodann über die von zahlreichen 
Fachzeitschriften in letzter Zeit veranstalteten Preisaus¬ 
schreiben mißbilligend aus, mit der Begründung, daß die 
Höhe der Preise in nicht annäherndem Verhältnis zu den 
verlangten Leistungen stünde. -t-. 

Leipzig. In der Typographischen Gesellschaft berichtete 
am 9. September 1908 Herr Lindner über einen Artikel im 
Archiv für Buchgewerbe: Antiqua und Fraktur von Prof. 
Dr. Kirschmann in Toronto. Nach Verlesen einiger Stellen 
aus diesem lehrreichen Artikel, der der Abschaffung der 
Fraktur entgegentritt, betont der Berichterstatter, daß er 
sich den Anschauungen des Prof. Dr. Kirschmann nicht 
anschließen könne, sondern nach wie vor die Fraktur be¬ 
kämpfen werde. In dem sich anschließenden Meinungs¬ 
austausch wird ausgeführt, daß durch Schaffung der Bastard¬ 
schriften in bezug auf die Einführung der Antiqua einSchritt 
nach vorwärts getan sei. Es wurden auch die Vorzüge der 
Fraktur hervorgehoben, vor allem die leichtere Lesbarkeit 
und das raschere Erfassen des gesamten Wortbildes. Herr 
Durichen erklärte hierauf noch die in der Photographie und 
Ätzerei vorkommenden technischen Begriffe Positiv, Ne¬ 
gativ und Diapositiv. — In der Sitzung am 25. September 
wurde der Küttnersche Johannisfestdrucksachen-Austausch 
einer Besprechung unterzogen, in die sich die Herrn Dunkel, 
Küttner und Wetzig teilten. Der Austausch sei quantitativ 
und qualitativ reichhaltig, Satz- und Drucktechnik seien 
besser als früher, der regelmäßige Austausch habe in dieser 
Hinsicht erzieherisch gewirkt. Die textliche Ausstattung 
lasse jedoch noch oft zu wünschen übrig. Der Rat, dunkles 
Papier nicht zu verwenden, sei nicht immer beachtet, im 
übrigen aber seien gute helle Papiere verwendet worden. 
Die Wahl der Schrift sei hier und da nicht passend, 
selbstgezeichnete Arbeiten seien wenig vertreten. Herr 
Schwarz gab sodann noch eine technische Erklärung des 
Begriffes Schraffierung, der zuerst vom Kupferstecher an¬ 
gewandtwurde und den Schatten bedeutete, der durch neben¬ 
einanderlaufende gekreuzte Striche dargestellt wird. -r-. 

Leipzig. In der Typographischen Vereinigung sprach am 
9. September 1908 Herr Felix Hille über: Kupferstich, Stahl¬ 
stich, Radierung und Heliogravüre. Er gab in seinem Vor¬ 
trage zunächst einige Aufschlüsse über die ersten Funde 
von Gravüren, über die hervorragenden Stiche der alten 
Meister und dann über die Einführung in England und 
Deutschland, sowie ihren heutigen Stand im graphischen 
Gewerbe. Dann ging er näher auf die Herstellung und den 
Druck der Platten ein, wobei eine größere Anzahl der ver¬ 
schiedenen Platten und Drucke zur lehrreichen Erläuterung 
dienten. — Am 23. September wurde die Stellungnahme der 
Technischen Kommission zuderFrage: Wie sind die Linien¬ 
bilder einheitlich zu gestalten? den Mitgliedern bekannt 
gegeben. Es wurde zur Einführung als am geeignetsten 
empfohlen: Von der feinen bis zur fetten Linienbildstärke 
sind fünf Abstufungen zu treffen: 1. die feine Linie mit 
2 /io Punkt Bildstärke, 2. die stumpffeine Linie mit ß /io Punkt 
als Bildstärke, 3. die halbfette Linie mit 10 /io Punkt Bild¬ 
stärke, 4. die dreiviertelfette Linie mit lö /io Punkt Bildstärke, 
5. die fette Linie mit 2°/io Punkt Bildstärke. Die ersten drei 
gelten auch für die Achtelpetitlinie. Sämtliche Linienbilder 
stehen auf Mitte des Kegels. Die doppelfeinen Linien sind 
zwei 2 /io Punktlinienbilder mit 13 /io Punkt Spurweite, so daß 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


8 /io Punkt als Fleisch zu verteilen sind. Die punktierte Linie 
hat auch 2 /io Punkt Bildstärke mit einer Einteilung von 24 
Punkten auf eine Konkordanz. Ein gleicher Abstand vom 
Bilde des Punktes bis zum Schnitt der Linie ist nicht von¬ 
nöten, da der ungleiche Abstand beim Zusammensetzen der 
Linien mit den bloßen Augen nicht zu erkennen ist; ferner 
wurde diese Herstellungsweise die Linien auch wesentlich 
verteuern. Die Ornamentlinien von 3 /io und 8 /i 0 Punkt Bild¬ 
stärke wurden als nicht für notwendig befunden, da die 
Ornamente bei fünf verschiedenen Bildstärken jeder Ge¬ 
schmacksrichtung angepaßt werden können. Nach kurzem 
Meinungsaustausch wurden diese Vorschläge, die der Ber¬ 
liner Typographischen Gesellschaft übergeben werden, an¬ 
genommen. Hierauf besprach Herr Georg Krebs eine Aus¬ 
stellung, die etwa 100 Arbeiten aus der Praxis des Herrn 
Fritz Arndt zeigte. Diese durchweg schönen Arbeiten waren 
stilrein, formgerecht und jede ihrer Aufgabe entsprechend 
gekleidet, so daß mancher Berufsangehörige sich diese 
Proben zum Vorbild nehmen konnte. -bs. 

Magdeburg. Die von der Graphischen Gesellschaft zum 
13. September 1908 veranstaltete Drucksachen-Ausstellung 
bot den zahlreichen Besuchern genügend Abwechslung. 
Den ersten Platz konnten jene Magdeburger Arbeiten be¬ 
anspruchen, die zu einer Rundsendung des Verbandes der 
Deutschen Typographischen Gesellschaften ausersehen 
sind und ihre Reise durch die deutschen Gaue bereits an¬ 
getreten haben. Eine weitereZierde der Ausstellung bildeten 
die Schülerarbeiten der hiesigen Kunstgewerbe- und Hand¬ 
werkerschule, sowie solche der k. k. Graphischen Lehr- 
und Versuchsanstalt in Wien. Die Arbeiten beider Institute 
zeigte Proben eines geläuterten Geschmackes im Rahmen 
des modernen Stils. Den Reigen beschloß ein Exlibris- 
Ausschreiben der Berliner Typographischen Gesellschaft 
mit teils vorzüglichen Ergebnissen zeichnerischen Könnens 
und die reichhaltige Sammlung der diesjährigen Johannis¬ 
festdrucksachen. — In der Sitzung am 16. September 
interessierte zunächst der Kassenbericht mit seinem Bar¬ 
überschuß von 80 Mark. Das vom Vorsitzenden des Ver¬ 
bandes der Deutschen Typographischen Gesellschaften 
erstattete Bewertungsgutachten über das letzte Preisaus¬ 
schreiben der Graphischen Gesellschaft wurde ob seiner 
Ausführlichkeit dankend zur Kenntnis genommen. Den 
weiteren Verlauf der Tagesordnung bildete ein Bericht des 
Herrn Helmberger über die ausgelegten diesjährigen 
Johannisfestdrucksachen. Der Vortragende beschränkte 
sich auf das Herausgreifen einiger hervorstechender Ar¬ 
beiten, dabei die Merkmale der technischen Durchbildung 
erläuternd. Im allgemeinen sei ein Fortschritt festzustellen. 
Dem Ersuchen der Stettiner Brudervereinigung behufs 
Bewertung von 13 eingesandten Titelentwürfen wurde 
gern entsprochen. E. K. 

München. Die Typographische Gesellschaft veranstaltete 
am 16. September 1908 einen recht gut besuchten Vortrags¬ 
und Diskussionsabend, an dem die Schülerarbeitenmappe 
1907 bis 1908 der Münchener Buchdruckerfachschule aus¬ 
gestellt war. Der an der Schule wirkende Herr Bammes 
hielt dazu einen Vortrag, um durch eingehende Darstellung 
des Werdens und Entstehens der vorliegenden Arbeiten 
den Münchener Fachgenossen einen Einblick in die Arbeits¬ 
weise der Schule und die Absichten und Ziele des Unter¬ 
richts zu gewähren. Ihm schloß sich mit weiteren Er¬ 
läuterungen hauptsächlich drucktechnischer Natur Herr 


Krach an. Arbeiten wie Erläuterungen fanden vieles Inter¬ 
esse. — In der Form eines kleinen Werbebriefes an alle Be¬ 
rufsangehörigen Münchens veröffentlicht die Gesellschaft 
ihr Arbeitsprogramm für das Vereinsjahr 1908 bis 1909. 
Demselben ist zu entnehmen, daß auch in diesem Winter 
wieder Unterrichtskurse in einem städtischen Schullokale 
stattfinden werden, und zwar solche im Tonplattenschnitt, 
Schriftzeichnen, Skizzieren und Kolorieren. Durch an¬ 
schließende Wettbewerbe wird den Teilnehmern Gelegen¬ 
heit geboten werden, das Gelernte praktisch zu verwerten. 
Ferner sind schon jetzt eine Anzahl Vorträge, Ausstellungen, 
Führungen und Besuche graphischer Anstalten gesichert, 
so daß das bevorstehende Vereinsjahr ein arbeitsreiches 
und nutzbringendes zu werden verspricht. -m-. 

Stuttgart. In den beiden letzten Sitzungen (12. September 
und 6. Oktober 1908) hatte der Graphische Klub die Johannis¬ 
festdrucksachen zur Besichtigung und Besprechung aus¬ 
gelegt. Mit der beigegebenen Beurteilung der Arbeiten 
konnten sich die Anwesenden im wesentlichen einver¬ 
standen erklären, es wurde aber der Wunsch ausgesprochen, 
daß in Zukunft der Bericht in mehreren Exemplaren dem 
Austausch beigegebenwerden möge, damitdenDrucksachen 
der einzelnen Orte die betreffende Beurteilung im Aus¬ 
schnitt angeheftet werden könne, wodurch die Besprechung 
der Arbeiten sehr gefördert werde. Unter Hinweis auf den 
im Archiv für Buchgewerbe veröffentlichten Artikel des 
Herrn Winkler über das Künstlerwappen wurde ferner die 
teils geschmacklose, teils aufdringliche Anwendung des 
Künstlerwappens auf einigen Drucksachen gerügt. Durch 
derartige Arbeiten würde die Berechtigung derBuchdrucker 
zur Anwendung des Künstlerwappens auf ihren Druck¬ 
sachen gerade nicht sehr glaubhaft gemacht. -sch. 

Wien. Die Graphische Gesellschaft veranstaltete im Sep¬ 
tember einen Vortrag über Farben und deren Verwendung 
in der Graphik, der mit einer Ausstellung verbunden war. 
Der Vortragende, Herr G. Friedmann , brachte recht viel 
Wissenswertes in mehr als zweistündigen Ausführungen 
und auch die seine Darstellungen erläuternden Ausstel¬ 
lungsgegenstände boten Sehenswertes. — Der diesjährige 
Kursus der Maschinenmeister wird in den Räumen der 
neuen Wiener Farbenfabrik H. Ott, Wien-Simmering, ab¬ 
gehalten. Der Kursus ist auch den Buchdruckern der 
niederösterreichischen Landdruckorte zugänglich gemacht 
worden und umfaßt einen vollständigen Lehrgang bis zum 
feinsten Illustrations- und Farbendruck. Die Leistungen 
des vorjährigen Kursus, die, in eine Mappe vereinigt, 
allseits Anerkennung fanden, lassen auch von dem be¬ 
ginnenden heurigen wohl nur das Beste erwarten. Der Ein¬ 
fluß, den die nun durch eine Reihe von Jahren wiederholten 
Unterrichtskurse des Maschinenmeistervereins auf die 
Leistungsfähigkeit der Drucker nehmen, ist bereits unver¬ 
kennbar. P-t. 

Zittau. In der Sitzung der Graphischen Vereinigung 
vom 21. September 1908 lagen aus: Schülerarbeiten der 
Münchener Buchdruckerfachschule, der k. k. Graphischen 
Lehr- und Versuchsanstalt in Wien und eine Rundsendung 
der Buchdruckerwoche. Beide Arbeitengruppen, die fast 
durchweg Mustergültiges enthielten, fanden ungeteilte An¬ 
erkennung und dürften manche wertvolle Anregung für die 
Praxis gegeben haben. — In der Sitzung am 10. Oktober 
lagen zwei Rundsendungen des Verbandes der Deutschen 
Typographischen Gesellschaft auf, enthaltend: Essener 


437 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Drucksachen und Drucksachen der Firma Bachem in 
Cöln. -dl-. 

Zürich. Die ordentliche Monatsversammlung des Typo¬ 
graphischen Klubs 19. September 1908 erfreute sich eines 
guten Besuches. Nach Erledigung des geschäftlichen Teils 
erfolgte die Bekanntgabe des Ergebnisses des Neujabrs- 
karten-Preisausschreibens. Eingegangen waren von 15 Be¬ 
teiligten 20 Entwürfe. Als Jury waltete der Typographische 
Klub Bern und stimmte die Versammlung allgemein dem 
vorliegenden Berichte des Preisgerichtes zu. Zur Aus¬ 


führung wird der mit dem dritten Preise bedachte Entwurf 
gelangen. Bei dem Punkte Wahl der Jury für den Brief¬ 
kopf-Wettbewerb beschloß die Versammlung, daß die Be¬ 
urteilung der eingehenden Entwürfe durch die nächste 
Monatsversammlung geschehen solle. Infolge der Unmög¬ 
lichkeit, Sonntags eine Papierfabrik im Betrieb zu besich¬ 
tigen, wurde für einen Sonntag im Oktober ein Ausflug nach 
dem Bergwerk Buchs in Aussicht genommen. — Am 4. Ok¬ 
tober fand eine Besichtigung der Raumkunst-Ausstellung 
im Kunstgewerbemuseum der Stadt Zürich statt, -au-. 


Bücher- und Zeitschriftenschau; verschiedene Eingänge. 


V C. F. Peters, Musikverlag in Leipzig hat soeben zwei 
Bände erscheinen lassen, die nicht nur ihres Inhaltes halber 
Beachtung finden werden, sondern sich auch in buchkünst¬ 
lerischer Hinsicht ganz bedeutend über die übliche Aus¬ 
stattung erheben. Der eine umfangreiche Band enthält eine 
Biographie Edvard Griegs nebst einem Verzeichnis seiner 
Kompositionen, der zweite eine Biographie des großen 
Liederdichters Hugo Wolf nebst einem Verzeichnis seiner 
Werke. Beide Bücher sind bei Poeschel & Trepte in Leipzig 
in ganz vortrefflicher Weise hergestellt worden. DerDrucker 
hat es verstanden, mit allereinfachsten Mitteln, unter Be¬ 
nutzung von gutem Papier einen an sich undankbaren Stoff, 
wie ihn jeder Verlagskatalog bekanntlich vorstellt, in eine 
vornehme und übersichtliche typographische Form zu 
bringen. Zeigt das erste Werk mehr glatte Buchseiten, so 
handelt es sich bei dem zweiten um die geschickte Grup¬ 
pierung eines komplizierten Textes. Die gefundene Lösung 
durch die tabellarische Anordnung ist eine sehr gute, denn 
es entbehren auch die reinen Tabellenseiten keineswegs 
der geschlossenen Wirkung. Die von W. Tiemann gezeich¬ 
nete Schrift des Umschlags gibt den Bänden einen eigenen 
Reiz, auch muß die Beschränkung auf einfache Linien für 
die Ausschmückung der Seiten als eine äußerst glückliches 
Vorgehen bezeichnet werden. Die in den Bänden vor¬ 
kommenden Illustrationen beleben den Text aufs beste, so 
daß diese Kataloge ein nach jeder Richtung abgerundetes 
einheitliches Ganze sind. Es ist hocherfreulich, daß die 
Firma C. F. Peters, die von jeher auf die gute Ausstattung 
ihrer Verlagswerke Gewicht legte, auch ihren Katalogen 
eine so künstlerische Form gibt, wie sie sich in den oben 
erwähnten Bänden zeigt. Es ist darin der Beweis erbracht, 
daß der trockene Stoff eines Bücherverzeichnisses sich 
auch sehr gut in künstlerische Form bringen läßt, wenn, wie 
im vorliegenden Falle, der Künstler und der Buchdrucker 
zu gemeinsamer Arbeit zusammentreten. Eine Vorbe¬ 
dingung für das Gelingen ihrer Arbeit ist allerdings nicht 
zuletzt auch ein kunstverständiger Auftraggeber, an 
dem es diesmal, wie der Augenschein lehrt, nicht ge¬ 
fehlt hat. S. 

W The Paper Makers Directory Of All Nations (Interna¬ 
tionales Adreßbuch sämtlicher Papierfabriken der Welt.— 
Annuaire de la Papeterie de toutes les nations. 1908.) 
Containing the principal paper, pulp and board mills ofthe 
world. 17. Ausgabe. London 1908. Verlag von Dean & Son 
Limited . Preis gebunden M 11.—. Dieses wohlbekannte 
Adreßbuch bringt ein reichhaltiges und, so viel ich prüfen 
konnte, auch ein zuverlässiges Adressenmaterial nicht nur 


von England, sondern auch von 42 andern Staaten, in 
denen sich irgendwie Geschäfte befinden, welche die 
Papierfabrikation betreiben oder mit dem Papierhandel in 
Verbindung stehen. Der neue Jahrgang, der sicher wieder 
als altbewährter Freund und Ratgeber der Papierindustrie 
beste Aufnahme finden wird, ist durch ein Verzeichnis der 
englischen Papierformate, sowie durch Aufnahme der im 
britischen Papierhandel üblichen Verkaufs- und Zahlungs¬ 
bedingungen vermehrt worden. A.Schl 

V Münchener Kalender für das Jahr 1909. 25.Jahrgang. 
— Preis M 1.— Kleiner Münchener Kalender 1909. Preis 
50 Pf. München und Regensburg. Druck und Verlag der 
Verlagsanstalt vorm.J. G. Manz , Buch- und Kunstdruckerei, 
Akt.-Ges. — Diese ob ihrer künstlerischen Ausstattung, 
die in den Händen des Professor Otto Hupp ruht, sowie 
ihrer tadellosen, vorzüglichen typographischen Ausge¬ 
staltung bestens bekannten Kalender werden von allen 
Freunden schöner und guter Buchkunst auch in diesem 
Jahre freudigst begrüßt werden. Wohl ist der Münchener 
Kalender kein Volkskalender im engen Sinne des Wortes, 
aber infolge seiner prächtigen von Otto Hupp gezeichneten 
Wappenbilder hat er sich nicht nur bei Historikern, Heral¬ 
dikern, Genealogen und Kunstgewerbetreibenden, sondern 
auch bei vielen Familien ein ständiges Heimatsrecht er¬ 
worben, das ihm alljährlich freudige Aufnahme sichert und 
mit zu seiner sehr wünschenswerten weiteren Verbreitung 
beitragen wird. Der Kleine Münchener Kalender, dessen 
einzelne Monatstafeln Ernst von Destouches wieder mit 
sinnigen Sprüchen geschmückt hat, ist ein reizender 
Taschenkalender, der über die vielen künstlerisch sein 
sollenden Portemonnaie-Kalender turmhoch hervorragt. 
Er wird ob seiner hübschen Ausstattung sich nicht nur 
seine alten Freunde erhalten, sondern sich sicher auch in 
diesem Jahre wieder neue Anhänger erwerben. A. W. 

^ Kalender-Neuheiten. Von der Firma Ferd. Ashelm in 
Berlin liegt mir eine große Anzahl Kalender für dasjahr 1909 
vor, die an Reichhaltigkeit nichts zu wünschen läßt. Die 
Aufmachung der einzelnen Kalender, insbesondere deren 
Rückwände, ist ohne Tadel. Technisch ganz ausgezeich¬ 
nete Kalenderrückwände, die in mehrfarbigem Steindruck 
(Chromolithographie) teils mit, teils ohne Goldverzierung 
und Prägung hergestellt sind, tragen Kalenderblöcke in den 
verschiedensten Größen und Ausstattungen. Bedauer¬ 
lich ist jedoch, daß die meisten Kalenderblöcke nicht nur 
bezüglich des Papiers, sondern auch des Druckes keine 
Ausführung zeigen, die den technisch einwandfreien 
Kalenderrückwänden entspricht. Ich weiß wohl, daß bei 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


den Blockkalendern die erste Bedingung heißt: Billig! 
Aber ein paar Pfennig für besseres Papier könnte doch 
aufgewendet werden, damit das Druckergebnis ein besseres 
würde. Auch einige praktische Kontorkalender befinden 
sich unter den Mustern. Ganz besondere Beachtung aber 
verdient ein überaus brauchbarer Staffelkalender „Ashelm 
Notizkalender Cyclop“, der aus einzelnen Blättern mit den 
Tagesdaten besteht, die nach hinten umgelegt werden. 
Dieser Staffelkalender,der in verschiedenen Ausführungen 
auf gutem Schreibpapier zu haben ist, wird sich nicht nur 
auf den Schreibtischen der Geschäfte, sondern auch auf 
denjenigen der Privaträume bald beliebt machen. Inter¬ 
essant ist ein Durchblättern des reich illustrierten Kataloges, 
denn es zeigt, welch große Bedeutung der Kalenderverlag 
genommen hat und wie dieser bestrebt ist, in fast über¬ 
reicher Zahl und in den verschiedensten Ausführungen 
den vorliegenden Bedarf an Kalendern aller Art zu be¬ 
friedigen. A. Schl. 

V Kalender und Schreibmappen. Von der Firma H. Hoh- 
mann, Hof-Buch - und Steindruckerei in Darmstadt liegen 
mir mehrere Kalender und Kalender-Schreibmappen vor, 
die mit zu den besten Erzeugnissen gehören, die uns der 
Kalenderverlag alljährlich in Hülle und Fülle bietet. Es 
sind keine schön-süßlichen Chromolithographien, die wir 
zur Genüge kennen, sondern von Künstlern gefertigte Stein¬ 
zeichnungen,die den Reiz tüchtigen,persönlichen Schaffens 
und Könnens besitzen und die jedem Kunstfreund will¬ 
kommen sein werden. Wilhelm Richter, Hermann Pfeiffer 
und Heinz Hohmann in Darmstadt, sowie Ernst Liebermann 
in München haben Arbeiten von künstlerischem Wert ge¬ 
schaffen, auf die ich gerne alle diejenigen Buchdrucker 
aufmerksam mache, die zur Jahreswende Kalender mit 
eingedruckter Firma versenden, um sich in empfehlende 
Erinnerung zu bringen. Mit den Hohmannschen Kalender¬ 
vordrucken werden sie nicht nur diesen Zweck erreichen, 
sondern ihren Geschäftsfreunden auch noch eine wirkliche 
Freude bereiten. A. Schl. 

W Neuheiten in Vordruckkarten . Die Firma Wild & Co., 
Buchdruckerei, Graphische Kunst- und Prägeanstalt in 
Dresden-Heidenau hat ein umfangreiches Musterbuch 
herausgegeben, das ihre diesjährige Neuheiten von Blanko¬ 
drucken für Glückwunschkarten aller Art enthält. Die sehr 
reichhaltige Sammlung bringt in den verschiedenstenFarben 
die verschiedenartigsten Muster, an welchen gleichzeitig 
deren Verwendung für Eindrücke veranschaulicht wird. 


Alle Blankokarten zeigen die gegenwärtig so beliebte 
Prägung. Ob solche bei Druckarbeiten angebracht ist, das 
soll hier nicht erörtert werden, zumal solche Prägungen 
von den Abnehmern gewünscht werden. Dem Hersteller 
muß aber leider der Wunsch des Käufers Gebot sein, das 
er berücksichtigen muß, wenn er verkaufen will. Hervor¬ 
gehoben muß werden, daß die Prägungen auf den be¬ 
musterten Blankokarten durchweg technisch einwandfrei 
sind. Denjenigen Buchdruckern, die Bedarf an Blanko¬ 
karten haben, sei dieBeachtung des Musterheftes empfohlen; 
sie werden sicher etwas finden, das ihrem Geschmack 
entspricht und auch den Beifall der Auftraggeber finden 
wird. -n. 

V Umschlag-Proben von F.A. Brockhaus in Leipzig. Einem 
bereits früher erschienenen Empfehlungshefte ließ die vor¬ 
erwähnte Firma soeben ein weiteres folgen, das nur Ver¬ 
kleinerungen von mehrfarbigen Katalog-Umschlägen ent¬ 
hält, die die Firma F. A. Brockhaus im Laufe der letzten 
Jahre hergestellt hat. Unter den durchweg in verkleinertem 
Maßstabe wiedergegebenen Arbeiten befinden sich Um¬ 
schläge von der einfachsten bis zur reichsten Ausstattung. 
Neben einer Anzahl vornehm und künstlerisch wirkender 
Umschläge enthält das Heft auch Arbeiten im auffälligen 
Reklamestil, bei deren Ornamentierung der Schnörkel noch 
eine ziemliche Rolle spielt. Diese Arbeiten, die schon eine 
Reihe von Jahren zurückliegen, spiegeln mehr den Ge¬ 
schmack einer glücklich überwundenenZeitperiode wieder. 
Das Heft verdient wegen seiner vollendeten technischen 
Ausführung die vollste Anerkennung. Die farbige Repro¬ 
duktion der einzelnen*Arbeiten ist mit einer überraschen¬ 
den Vollkommenheit erfolgt, in der sich die Leistungsfähig¬ 
keit der Firma auf dem Gebiete der Plattenherstellung und 
des Farbendrucks in hervorragendem Maße äußert. S. 

V The Saint Louis Republic . Am 12. Juli 1908 konnte die 

in St. Louis erscheinende Zeitung The Saint Louis Republic 
auf lOOjähriges Bestehen zurückblicken. Daß im Lande 
der unbegrenzten Möglichkeiten dieser wichtige Gedenktag 
nicht ohne ein Zeichen besonderer Leistungsfähigkeit 
bleiben konnte, das beweist die mir vorliegende Festnummer, 
die nicht weniger als 180 Seiten größten Formats umfaßt 
undneben dem Lesestoffauch noch zahlreiche Abbildungen, 
davon viele in Buntdruck, bringt. Schriftleitung und Verlag 
dürfen auf diese Leistung mit Recht stolz sein, denn sie 
zeigt, welche gewaltige Arbeit heute die Maschine zu leisten 
vermag. A. Sch. 


Inhaltsverzeichnis. 


Bekanntmachung. S.409. — Die Technischen Kurse in 
der Königlichen Akademie für graphische Künste und 
Buchgewerbe in Leipzig. V. S.410. — Eine Studienreise 
in Nordamerika. III. S. 411. — Der moderne Zeitschriften¬ 
umschlag. S.417. — Vom Satz mathematischer Formeln. 


S. 423. — Aquarellfarbendruck mittels Maschine. S. 431. 
— Schülerarbeiten graphischer Lehranstalten. S. 432. — 
Aus den graphischen Vereinigungen. S. 434. — Bücher¬ 
und Zeitschriftenschau; verschiedene Eingänge. S.438. 

8 Beilagen. 


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Preisausschreiben 
für Bucheinbände 


F EÜR eine in 12 Bänden erscheinende neue Auflage 
B von unserm naturgeschichtlichen Werk Brehms 
• Tierleben wollen wir einen Einband in Ganz- 
i leinen verwenden und erlassen zur Erlangung von 
geeigneten Entwürfen für Einband, Vorsatz und 
Buchschnitt aus Künstlerkreisen folgendes Preisausschreiben: 


Erster Preis: 750 M • Zweiter Preis: 500 M 
Dritter Preis: 300 M »Vierter Preis: 200 M 

Sollte nach Ansicht des Preisgerichts ein erster Preis nicht 
in Frage kommen, so kann dessen Betrag auf fünf weitere 
Preise mit je 150 M verteilt werden. Die prämiierten Ent¬ 
würfe gehen in unser Eigentum über. Ferner steht uns das 
Recht zu, nicht prämiierte Entwürfe für je 50 M anzukaufen. 


Rpriinp'ling'prr ^er Buchrücken ist 50 mm breit, 260 mm hoch, 
ö o • (j er Buchdeckel 173 mm breit. Als Material für 
Rücken und Deckel ist starkes Buchleinen in beliebiger Färbung gedacht, 
doch können bei den Entwürfen Gewebe und Farbe des vorgeschlagenen 
Materials auch auf Papier ausgedrückt werden. Schrift und Zeichnung 
müssen, dem Ernst unseres großen Werkes entsprechend, in ruhigen 
Formen gehalten sein. Die Schrift besteht aus dem Titel Brehms Tierleben 
und zwei Zeilen Inhaltsangabe (z. B. Kriechtiere und Lurche). Für Schrift 
ist Golddruck, für Zeichnung Golddruck oder farbiger Druck mit höchstens 
zwei Druckplatten vorzusehen. Vorsatzpapier und Schnittfärbung 
sollen zusammen mit der Buchdecke von harmonischer Wirkung sein. 

Preisrichter sind die Herren Vorstandsmitglieder des Deut¬ 
schen Buchgewerbevereins: Dr. Ludwig Volkmann (Breitkopf 
& Härtel), Prof. Max Seliger (Kgl. Akademie für Graph. Künste), 
Hans Volckmar (F.Volckmar), Kommerzienrat Georg Giesecke 
(Scheiter & Giesecke), Arndt Meyer (Bibliographisches Institut). 

Einsendungstermin der Entwürfe unter einem Kennwort auf 
geschlossenem, die Adresse enthaltenden Briefkuvert an uns 
Anfang Januar 190g. Entscheidungstermin Mitte Januar 1909, 
mit gleichzeitigerVeröffentlichung im Archiv für Buchgewerbe. 


Bibliographisches Institut • Leipzig 




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Beilage zum Archiv für Buchgewerbe. Material und Sab von der Schriftgießerei Gebr. Klingspor, Offenbach a. 












































































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PRINCETON UNIVERS1TY 




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PRINCETON UNIVERS1TY 


Beilage zum Archiv für Buchgewerbe. Material und Sa$ von der Schriftgießerei Gebr. Klingspor, OfFenbach a. 










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PRINCETON UNIVERSITY 



Beilage zum „Archiu für Buchgewerbe 



a Lumiere-Farbenreproduktion □ 

JOH. HAMBÖCK, MÜNCHEN 

(Inh. E. Mühlthaler) Graphische Kunstanstalt 


□ Farben-Fabriken □ 

E.T.GLEITSMANN, DRESDEN 

Wien - Budapest - Trelleborg — Turin 


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Original frörri 

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PRINCETON UN1VERSITY 





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Original ftom 

PRtNCETON UNIVERSITY 


Heugotifd) und Stbmudi nad) 

3eldjnung non tOilli CDegener 

Schriftgießerei flinfdj in Frankfurt am tDafn 

Beilage jum drctjlo (ur Biubgeoerbe 

1808 





'• 


*-* - 


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Original from 

PRINCETON UNIVERS1TY 




feiner Tochter eine flusfteuer für 
10-bis 100000 mk.antufdiaffen 
und dobet den Gücberfdiranktu 
nergeffen; Kommenienrat oder 
anderer Rot 311 fein und einen 
oollen meinkeller, aber einen 
leeren ßücberfcbrank tu hoben; 
noch Potfchoulie oder anderen 
£ouc de mille fleurs tu duften 
und fcbmierige Ceibbibliotbeks- 
ßönde tu lefen; gute ßücber.in 
deren Genuß man fid) fetten mill, 
3U leiben, roenn man die mittel 
3ur flnfcbaffung befißf. 

fellf Dabn 


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fleugotifd) und Sdjmutk noch 
3eid)nung oon CDilli CDegcner 

Sdjrlftgfeßeret fllnfdj in fronkfurt am Itlofn 

Beilage jum flrdjio für 6ud)gemerbe 

1908 


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PRINCETON UN1VERSIT7 













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Original fro-m 

PRiNCETON UNIVERSITY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



G. F. SMITH &SON 

Berlin W. 57 • Bülowstraße 66 

Wir gestatten uns, unserer geehrten Kund¬ 
schaft mitzuteilen, daß unser Lager in 

Amerikanischen Umschlag- 
:: und Werkdruckpapieren:: 

sich in bedeutend vergrößertem Umfang 
jetzt Bülowstraße 66 befindet. 


liefert in bester Ausführung 
meine neue, sehr leistungs¬ 
fähige messinglinien-Fabrik 

Otto Weiserl, ITIessinglinienfabrik, Stuttgart 



Diesem Hefte sind Beilagen 
von 

August Fomm 
Maschinenfabrik 
Leipzig-Reudnitz 
über Schnellschneide- 
Maschine „Fomm“ 

und 

Siemens - Schlickert- 
Werke, G. m. b. H. 
Berlin 

über Indirekte Beleuch¬ 
tung durch Bogenlicht 

beigegeben. 



Einbände 


und Einband¬ 
decken Jeder 
Art für Buch¬ 
handel, Snduffrle, Prtoate und Bibliotheken. 


mappen 


für Projekte,^ 
Koftenanfchldge, 
Diplome, Ehren¬ 
bürgerbriefe und Adretten in einfadier, fo- 
wle auch künftlerifdi oollendefer Ausführung. 


hiebhaberbände 

*3*3*353 für Prtoate und Bibliotheken. 


moderne Reklameartikel. Plakate, Geididftskarten, 
Katalog. Umtdilflge ufw. In gediegeniterHusfQhrung. 

Offerten und Koftenanldildge werden jederzeit 
prompt erledigt. 


< -'S 



Prämiiert: 

London 1862 — Paris 1865 
Paris 1867 — Wien 1873 
Parts 1878— Melbourne 1881 
Amsterdam 1883 — Ant¬ 
werpen 1885 — Mitglied 
derjury außer Konkurrenz: 
Paris 1889 — Brüssel 1897 
Paris 1900 

V___> 


Ch. Lorilleux & Co. 


Kommaodit-Geiellscb&tt auf Aktien es Gegr. 1818 


10 Fabriken 


LEIPZIG 

Buchgewerbehaus 


40 Filialen 


Die größte 

Druckfarbenfabrik der Welt 


Firnis, Ruße, Walzenmasse, 
Walzenguß-Anstalt 


Weltausstellung Saint Louis 1904: Großer Preis 
Weltausstellung Lüttich 1905: Zwei Große Preise 
Weltausstellung Mailand 1906: Großer Preis 

v-1---/ 


Groß- 

Buchbinderei 

von Th.Knaur, Leipzig 

Gegründet 1846 

übernimmt sämtliche 
Buchbinderarbeiten 
zu mäßigem Preise. 



441 


60 


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Original fro-m 

PRtNCETON UNIVERSITY 




























■OIOIOIOIOIOIOIO 



€in fidjcrcr JDeg 

beim Einkauf oon Schriften und Ziermaterial keinen febl° 
griff zu tun, ftebt ihnen offen. FDenden Sie fid) an untere 
Firma,die Ihnen Geroäbrfür erftklaffiges,in Schnitt und Gulj= 
ausführung gleich Dollroertiges, modernes material bietet 

Schriftgieherei5.6offmeifter-Ceipzig 

Inhaber Karl Rupprecbt:: Telegramme: iTlelltergul):: Telephon 3806:: Cangeltrafje 22 


oioaoioioioioioaoioioi 


■obobobobobobobobobobo 


gIELER& VOGEL 

Berlin SW. a LEIPZIG ■ Hamburg a a 

- »»»» » »»»$ Eigene Papierfabrik Golzern in Sachsen. ««««<««<*<«<- 


Papiere aller Art für Buchhandel und Druckerei 
5 Werk- und Notendruck, Bunt-, Licht- und Kupferdruck, 

■ für Landkarten, Pläne usw. 

0 Kunstdruck-Papiere und -Kartons, reichhaltiges 
S Sortiment farbiger Umschlag- und Prospektpapiere, 

■ gepreßte Papiere in 10 Dessins, Streifbandpapiere, 
0 Trauerpapiere, Japan. Serviettenpapiere usw. 


Postpapiere liniiert und unliniiert in reichster 
Auswahl, Schreib- und Konzeptpapiere für Schulen 
und Behörden, für Formulare, Geschäftsbücher usw. 
Zeichenpapiere, Aktendeckel und Packpapiere. 
Kartons weiß und farbig, Postkarten-Karton. Elfen¬ 
bein-Karton für Licht- u. Buchdruck. Geschnittene 
Karten, Seidenpapiere, Briefumschläge usw. 


■oioioioioioaoioioioioioi 


hOIOIOIOIOIOIOIOIOIOIOIG 


Amerikanische Doubletone-Farben und Ullmanines 


sind einzig und allein unser Fabrikat. •- 


Alle Versuche seitens amerikanischer, deutscher, englischer und 
französischer Farbenfabrikanten unsere Doubletone-Farben brauchbar 
zu imitieren, sind gänzlich mißlungen. 

Unsere Doubletone-Farben und Schwärzen für Rotationsmaschinen 
sind anerkannt in jeder Beziehung eminent erhaben, von größerer Deck¬ 
kraft, größerer Ergiebigkeit und ermöglichen Resultate, die früher nur 
auf Zylinder-Maschinen erzielt werden konnten. 

„Ein Wink genügt dem Weisen“ 

SIGMUND ULLMAN C2, NEW YORK 


Europäische 

Vertreter: 

Gustav A. Jahn, Berlin, 

Lindenstraße 101. 
Rudolph Becker, Leipzig:, 

Stephanstraße 8. 
Rieh. Scholber, Stuttgart. 
Linotype and Machinery Ltd, 
London. 

David Ferner y Cla., 

Barcelona. 

Emlllo Antonelli & Co., Turin. 
R. Pusztafl & Co., Budapest. 
Charles F. Kaul, Paris. 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


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TTlag Otltn, Leipzig 

©sä ©rautet-Hnftatt csa 
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Gesetzt aus meiner Lipsla-Fraktur 


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lidroQdMQdCbaQdQdDiaQdDQtaQaBdQiaDjcatbaQiDCbdQaCbiaQiiDQitClMMCilD 


Die (Befamlpcobe 
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1 _ Berlin ♦ Uleffinfliinienfflftrif 

QjiQ Omamcnle 

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E? K ac? K ac?*D[P c ac? | acp s acp*a[? i DC?q3i?«a[?*ac a| ac? i DD ai ac?R]c? i a[P i ac > R]c?*Di 
MMMMMMtSinMMMMMMiviMMMMrVji 


Sdjmale feile 
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



BERGER ^W|RTH 

LEIPZIG 

Filialen: ( 


Farben - 
’ Fabriken 


StRUN BARMEN BUOAPEST.riORENZ 
lONOONHiwYORI\.»RI5.bTPEIfilbBUIIG ( 


B jss Deutldier SS 
udigewerbeuerein 


Hermann Scheibe ■ Leipzig 

Gegrün det 18 57 Brief- KllVert-Fabrik KurprinzstraCc 1 

Reichhaltiges Lager von Kuverts, sowie 
Anfertigung in allen gewünschten Größen. 

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Die in dem Deuffchen Buch* 
gewerbehaus zu Leipzig ein* 
gerichtete 

Ständige 

Buchgewerbliche 

Ausheilung 

worin niafdiinen,Bedarfsartikel 
aller Art für buchgewerbiidie 
Geidiflf te,fowie budigewerbliche 
ErzeugniHe ausgeftellt find, fo* 
wie das 

Deutfche 

Buchgewerbe- 

ülufeum 


mit feiner Husfteliung von dl* 
teren und neueren Druckwerken 
ift an Wochentagen pon 9 Uhr 
bis 6 Uhr, an Sonntagen pon 

ii bis 2 Uhr unentgeltlich 

geöffnet. 


Bdnderlose Ibseltige Zwllllngs-Rofaflonsmaschine 


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HseHinen-FHBRiK 

(vormals 3.E.B.H. DIETRICH) Aktiengesellschaft 

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aller Art / 


Das heiezimmer 


des Deutichen Buchgewerbeper¬ 
eins ift an Wochentagen, mit 
Ausnahme des montags, pon 
9 bis 2 Uhr und abends pon 
7 bis 10 Uhr, an Sonntagen pon 
11 Uhr bis 2 Uhr koltenlOS 
der Benufcung zugängig 


444 


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Original frnm 

PR1NCETON UNIVERSITY 









ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



Rotguss - S cQriften unb 
Zierat MSSHM 


FABRIK BUCH U.STEINBRUCKFARBEN 

FIRNISSEu.WALZENMASSE HANNOVER 


Drahtheflmaschinen-Fabrik 

Wilhelm M a 11 i e n, Leipzig-Li.5 0. 


TflagbeÖurger Graoiranftaft 
oormafs Cbm. 7Cod) & Co. m. 6. 7)., Tftagbeßurg 


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für 'BucQÖinbereien 

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welche eine weite Ver¬ 
breitung in den Fach¬ 
kreisen finden sollen, 
erreichen dies durch 
öftere Aufnahme im 


ARCHIV FÜR 
BUCHGEWERBE 


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GEGRÜNDET 1879 


Original from 

PRINCETON UNIVERSITY 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



Nur die Bogen-Falzmaschinen von 

PREUSSE & CS G . m .b. Hn LEIPZIG 

(Atteste Fahmaschinen-Fabrik Deutschlands, gegr. 1883) 
haben den Beweis erbracht für 

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das refd) aus- 
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Rkjidenj-Scbrift 
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(Gesetzlich geschützt!) 
erregt ln Fachkreisen größtes Aufsehen und 
findet allseitig ohne Vorbehalt größten Bei¬ 
fall. Dieselbe ist durchgängig neu kon¬ 
struiert und allen andern Systemen gegen¬ 
über wesentlich verbessert. Neu daran Ist: 

„Reform"-Rastereinstellung R “p 

kein Differieren des Rasters, auch bei langjähriger 
Benutzung, mehr; neuer Rasterhalter(D.R.G.M.) 

Reforms-Kassette D * R * mit 

;; I\CIU[ III rvddddic neuer H alte-Vor- 

richtung für die Platten und neuem Verschluß an 
| Stelle des bisher gebräuchlichen Deckels. 

„Reform"-Schwingestativ 

jede Erschütterung des Bodens aus und ermög¬ 
licht unter Garantie tadellos scharfe Aufnahmen 
$ bei größten Formaten, bei welchen jedes andere 
Schwingestativ versagt. 

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sorgfältige Arbeit und bestes Material. 
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446 


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Go^ 'gle 


Original from 

PRINCETON UNliVERSITY 













ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 




DRUCKFARBEN 
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Galvanos typen ° 

Voi£t & Geißler, Leipzig 


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Kupfer-,Bunt-, Karten-, Werk-, Noten-, Licht-, Autotypiedruckpapiere 
in Bogen und Rollen, cd Brief-, Normal-, Kanzlei-, Konzept- und Karton¬ 
papiere. cd Gestrichene Kunstdruckpapiere, cd Geklebte Elfenbeinkartons 

ROHPAPIERE für Karton-, Kunstdruck-, 

Luxus-, Chromo- und Buntpapier-Fabriken 


Ikubelten ln mobemen 


VERTRETER: Charlottenburg: PaulOetter, Bleibtreustr.45— München: Eugen Knorr, 
Paul Heysestr.30 — Leipzig: Edgar Ziegler, Kohlgartenstr.20 — Bremen: F.W.Dahlhaus 


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447 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



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ecbncidcr, Cinienbieger, Zeilcnmaße, 
perforierlinien, ftlinhelbaben, 8etz- 
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Hblbefte, Pinzetten, Gu߬ 
eiserne plattenscbube, 
farbmesser und 

farbspacbteln, <&alzengestelle und 
Gießbülsen, Hnlcgcmarhcn usw. usw. 
patentierte fundamcnte für 
Stereotyp- und #tzplatten. 


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5c^riftqie55«reitn, 
Up farbefabriken 


tto begründet «88 


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öntwürfen von Qeinrici) Wieynk 


Original from 

PRINCETON UN1VERS1TY 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


WILHELM CRONAU’S 
SCH RI FTCI ESSEREI 

BERLIN W.-SCHÖNEBERG 

empfiehlt sich zur Einrichtung sowie Umgüssen von Druckereien in 
sorgfältigster Ausführung. Reichste Auswahl und großes Lager von 
erstklassigen Erzeugnissen für Buch-, Zeltungs- und Akzidenzdruck. 
Fortlaufendes Erscheinen von Neuheiten. Proben stehen zu Diensten. 


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AUGENHEIL 
UND CISSARZ- 
UCHSCHMUC 

Für die zeitgemäße Ausstattung von Büchern 
und Akzidenzen empfehlen wir diese beiden 
bewährten Erzeugnisse unseres Hauses. Die 
Schrift Augenheil wurde in sechs Garnituren 
geschnitten und ermöglicht somit die einheit¬ 
liche Durchführung aller Drucksachen ohne 
Ausnahme. Der von J. V. Cissarz für unser 
Haus gezeichnete Buchschmuck enthält eine 
Fülle Schmuckstücke und Einfassungen von 
solch außerordentlicher Schönheit, daß auch 
dieses wirklich praktische Material in keiner 
leistungsfähigen Buchdruckerei fehlen sollte 



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Buchdruck 

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Original frorri 

PRINCETON UNiVERSITY 
































ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 






SiefUnglinienfolitilen unH Störlftgiefsereien 9Ittien=@efeü|(ftaft 


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Original fro-m 

PRINCETON UNIVERSITY 





























SÄXONIÄ-SCHRIFT 

in mageren und fetten Schnitten, mit Initialen und 3ierat 
nad) Entwürfen von Richard Grimm. □ Die Saxonia eignet 
fid) in den kleineren Graden vorzüglich) zum Salje von 
modernen Büchern, 3eitfd)riften, Katalogen, Rundfcßreiben, 
Profpekten ufw. □ Äls Akzidenz- und Reklamefdjrift ift jie 
äußerft verwendbar und von feßr dekorativer ttlirkung. 
Änwendungsproben fteßen auf Verlangen zu Dienften. 

Julius Klinkßardt in Leipzig 

Schriftgießerei □ Meflinglinienfabrik □ ütenpilien-ßandlung 



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für Schnellpressen 
und Falzmaschinen 
aller Systeme. 

In allen Kulturstaaten patentiert. 
Bisher ca. 1600 Stück 

an erste Firmen geliefert. 

Kleim & Ungerer, Leipzig - Leutzsch 




Gebrauchte Maschinen, 

bei Lieferung neuer in Zahlung ge¬ 
nommen, gründlich durchgesehen 
und repariert, sind stets vorrätig 
und preiswert abzugeben. 
Lagerliste zur Verfügung. 

KARL KRAUSE, LEIPZIG. 


Kein Verschmieren des Druckes, 
auch des schwersten lllustra- 
tlonsdruckes nicht. 

Arbeitet pneumatisch, kein falzbein¬ 
artiges Ausstreichen, gestattet 
deshalb schnellstes Umschlagen 
der Auflagen. 

Sicheres Funktionieren auch beiden 
größten Formaten, sowie 
beim Einlegen 
von zwei Bogen. 

Folgt j8der Geschwindigkeit der 
Presse. 

Praktisch für kleinste Auflagen, da 
keine Verstellung nötig. 

Erschwert nicht das Zurichten. 

Wenig Kraftverbrauch. 


□ igitized by 


Gck igle 


Original frorri 

PRINCETON UNiVERSITY 






































ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 





(Rapid) D. R.-P. Nr. 131991 für Motorbetrieb 

mit Zugschnitt und Selbstpressung für alle Höhen 
ohne jede Einstellung des Preßbalkens 


Für Motor- od. Elektromo¬ 
torbetrieb m. Friktionskup¬ 
pelung mit Selbstpressung, 
Schnittandeuter u. Schnell¬ 
sattel,Mikrometerschraube 
(mein früheres Pat.21507) 


Zur 

Maschine 

passender 

Elektro¬ 

motor 


Ajabe . . AJI 102 12 3800 79 30 850 110 

Ajadas. . AJII 128 12 4130 95 35 935 125 

Ajalon. . AJIII 153 12 4490 109 30 1130 135 

Ajamarara AJ1V 177 15 5 1 45 2 8 6 42 1 2 84 1 55 

Einfache Verpackung 2*/«, bessere Verpackung 3 # /o, seemäßige Kistenverpackung 4°/o 


Herrn Karl Krause, Leipzig Neustadt a. Mettau, den 22.Juni 1907 

Infolge Ihres Geehrten vom 20. crt. bestätige Ich Ihnen gern, daß ich mit der mir am 7. III. a.c. gelieferten Schnellschneidemaschine „Rapid 
AJII* außerordentlich zufrieden bin und bedaure nur, daß ich selbe nicht schon früher angeschafft habe. Hochachtend (gez) Theodor Böhm. 

Sao-Paulo, den 9.Juli 1907 Magdeburg, den 22.Juni 1907 

Herrn Karl Krause, Leipzig Herrn Karl Krause, Maschinenfabrik, Leipzig 

Es gereicht uns zum Vergnügen zu bestätigen, daß wir mit den Mit der von Ihnen bezogenen Schnellschneidemaschine .Rapid AJI“ 

2 patentierten Schnellschneidemaschinen .Rapid AJII*. die in unserem bin Ich außerordentlich zufrieden. Diese Maschine schneidet mit Ge- 

Geschäft aufgestellt sind, äußerst zufrieden sind. Die Maschinen arbei- nauigkeit, mit Sicherheit und überraschender Schnelligkeit, so daß sich 

ten sehr schnell und exakt und bedeuten einen großen Fortschritt vor die höheren Anschaffungskosten sehr schnell bezahlt machen werden, 

den älteren Systemen. Wir können sie jedermann aufs beste empfehlen. Hochachtungsvoll (gez.) E. Baensoh jun. 

Hochachtungsvoll (gez.) Weisflog, lrmaos & Co. Solche und ähnliche Schreiben sind von etwa 200 Finnen eingegangen 


Künstlersdjrift von Hl. Salzmann 
Oesdjnitten in ben öraben von 
Honpareille bis 5 Cicero unb auf 
Deutsche tlormallinie gegossen 


452 


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Original fram 

PRINCETON UNIVERS1TY 



















ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



r fürbachgeieerbl/che u merkantile Zwecket 
bes. für Bucheinbände u. Katalogumschläge 
k fertigen nach eigenen oder gegebenen fh/uurfen, 

mfDornemanr? d CP, MagdeburgA 

m ^kuns/gewerbbehe Grawranstalf- ^ 


ZIEKPW&ffiEUSCrl 

—— LEI RZI 6 


futura 


neue 


Auf der höchsten Stufe der Vollendung stehen unsere 


mit 2 und 4 Rollenbahnen, zwangsläufiger Rollenbewegung auf 
Stahlschienen und Stahirollen, sowie zweifach übersetz¬ 
tem Kurbelrad-Antrieb 


(System Kleim & Ungerer) 

Jeder Drucker, der die enormen Vorteile des automatischen Bogen¬ 
zuführers kennt, kauft nur noch Maschinen komplett mit unserm 
□ □□ besten pneumatischen Bogenzuführer „UNIVERSAL“ cd cd cd 

Verlangen Sie nnsern neuen Spezialprospekt sowie Drnckproben n. Kostenanschlag 


Uli 

n 

MSI 

gfS 

iWBlS 


-MH* 


453 


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Original fram 

PRINCETON UNIVERSITY 



















































ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



Ritz- und N utmaschine 

„Fomm“ 


mit zwei Querbalken 
und 

zwei Transportwalzen 


DieMaschineermöglichtdie 
Herstellung enger Ritz- und 
Nutstellen und hat sich in 
der Praxis bestens bewährt 


August Fomm, Leipzig-Reudnitz 


i HERVORRAGENDE NEUHEITEN IN PRAKTISCHEN 
I SCHRIFTEN, ORNAMENTEN U, VIGNETTEN NACH 
n ENTWÜRFEN ERSTER KÜNSTLER EMPFIEHLT DIE 


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FRANKFURT MAIN 


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CA. 350 

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MASCHINEN 


ZUR EINHEITLICHEN, MODERNEN AUSSTATTUNG KJ 
VON BÜCHERN, ZEITSCHRIFTEN UND AKZIDENZ- | 
DRUCKSACHEN. LEISTUNGSFÄHIGSTE GIESSEREI U 







■ ©ckoratio und originell s 

I einfach und doch auffallend roirken alle Sruckarbeiten, 

! fei es 225erk oder 0k3iden3, roenn diefelben mit unferer 

25auernfchrift j 

I hergeftellt find. S)ie gefälligen formen der ein 3 elnen 
Suchftaben, insbefondere auch der reich entroickelten 
23erfalien, geben diefer klaren und gut lesbaren Schrift 
| eine oielfeitige 2krroendbarkeit. (Blähende Urteile aus 

5achkreifen t foroie 21Zufterblätter flehen 3 ur Verfügung 

j 0. 2Iumrich & Go., Ccip3ig j 


Falz 

Fabrikation 

Spezialität: 

Apparate 

für Autotypie 

Dreifarbendruck 

Lichtdruck 

Bogenlampen 

für Reproduktion 
und Kopie 

Maschinen 

für Klischee- 
bearbeitung 

Objektive 

Raster 

Gesamtbedarf 

für die 

Reproduktions- 

Technik 


& Werner, Leipzig, unter*,, n 

Gegründet 1890 Export 


Der Hebelkopierrahmen„TRIUMPH" 

ist der beste für: Zink, Kupfer u. Messing 

Innengröße: 27x32 32x42 42x52 cm 
Preis mit zirka 25 mm 

starker Kristallscheibe 41.— 57.— 79.— M. 


Keine Schrauben. 

Keine Spindeln. 234288/89 

Kein willkürlicher 
Druck, deshalb 
kein Platzen der 
Scheiben. 

ln ersten 

Anstalten dauernd 
Im Gebrauch I 


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Stärkster Druck! 
Rasche Bedienung! 


455 


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PRiNCETON UNIVERSITY 







ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



Broschüren- 

Drahtheftmaschine 

bewährter Konstruktion. 


Nach diesem Modell allein wurden 

weit über 16000 Maschinen 

von uns verkauft und sind dieselben 
heute noch in Betrieb, trotzdem die 
ersten 20 Jahre arbeiten. 


GEBRÜDER BREMMER 

LEIPZIG-PLRGWITZ 


T“ 


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Auriol-N euheiten 





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^ Unsere Auriol-Ornamente ) \ [ Unsere Reklame-Schriften ^ 

sind graziös, sehr einfach Ty Sirius und Saturn ergänzen | 

und vielseitig verwendbar sich in wirksamster Weise 9 




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Ci 


TM» 


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SCHRIFTGIESSEREI ** 


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GEGRÜNDET ANNO 1833 HAMBURG PROBEN ZU DIENSTEN 

.. c S w *^ 




-9* 


^ ^ CS* 4 M* 0 
- ^ . 0 0^^ 


AURIOL-ORNAMENTE 


Herausgeber: Deutscher Buchgewerbeverein — Verantwortlicher Schriftleiter: Arthur Woernlein 
— Druck: Breitkopf & Härtel — Sämtlich in Leipzig ~ 


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Zu dem Artikel: Die Technischen Kurse in der Königlichen Akademie für 
graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig. VI. Die Naturphotographie 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 

BEGRÜNDET VON ALEXANDER WALDOW 


45. BAND NOVEMBER-DEZEMBER 1908 HEFT 11/12 


HERAUSGEGEBEN VOM DEUTSCHEN BUCHGEWERBEVEREIN 


|p||INLADUNG ZUM JAHRESBEZUG 

-^D er 45 ß an( j unsrer Vereinszeitschrift Archiv für Buchgewerbe findet mit dem 

vorliegenden Doppelheft 11/12 seinen Abschluß. Auch der nun ablaufende Jahr¬ 
gang hat gewiß den deutlichen Beweis erbracht, daß das Archiv für Buchgewerbe 
«4] ein völlig unabhängiges Fachblatt ist, das in selbständiger, sachlicher Weise der 
Förderung des gesamten Buchgewerbes dient. Ohne Rücksicht auf persönliche oder sonstige Son¬ 
derinteressen wirkt die Vereinszeitschrift durch ihre gediegenen theoretischen sowie aus der 
Praxis hervorgegangenen Aufsätze für weitere technische und künstlerische Ausbildung ihrer 
Leser und Freunde. Zahlreiche und mustergültige Beilagen geben dem strebsamen Berufsange¬ 
hörigen Anregungen zu weiterem Schaffen. Der Abschnitt „Aus den graphischen Vereinigungen“ 
bildet ein Bindeglied nicht nur zwischen dem Deutschen Buchgewerbeverein und seinen korpora¬ 
tiven Mitgliedern, den verschiedenen typographischen Gesellschaften, sondern auch unter den letz¬ 
teren selbst, die allmonatlich über die Tätigkeit ihrer Schwestergesellschaften unterrichtet werden. 

Das stetige Steigen unsers Leserkreises, sowie die uns zahlreich zugegangenen Anerkennungen 
über die Unabhängigkeit, den Inhalt und die Ausstattung unsrer Vereinszeitschrift sind uns der 
beste Beweis für die Richtigkeit unsrer Grundsätze. Wir werden daher auch fernerhin den be- 
schrittenen Weg verfolgen und für den weiteren Ausbau des Archiv für Buchgewerbe in gleicher 
Weise wie bisher besorgt sein. 

Unsre Leser und überhaupt alle Angehörigen und Freunde des Buchgewerbes, die unserm 
Verein als Mitglieder noch nicht angehören, bitten wir den neuen Jahrgang bei der nächsten 
Buchhandlung oder bei der Geschäftsstelle des Deutschen Buchgewerbevereins baldigst bestellen 
zu wollen. 

Die Mitglieder des Deutschen Buchgewerbevereins erhalten für den Jahresbeitrag von M 15.— 
die Vereinszeitschrift kostenlos, nur ist von denjenigen, die eine direkte Zusendung unter Streif¬ 
band wünschen, das Porto, Inland M 2.40, Ausland M 5.—, an die Geschäftsstelle einzusenden. 
Der Beitritt zum Deutschen Buchgewerbeverein ist daher für alle Angehörigen und Freunde des 
Buchgewerbes von besonderem Nutzen. 

Leipzig, Deutsches Buchgewerbehaus, im Dezember 1908 

Der Vorstand des Deutschen Buchgewerbevereins 

Dr. L.Volkmann , I.Vorsteher 

Arthur Woernlein, Verwaltungsdirektor 










ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Bekanntmachung. 

In den Deutschen Buchgewerbeverein wurden im Monat November 1908 als Mitglieder aufgenommen: 


Für das Jahr 1908: 

1 . Walter Girbardt , Chemnitz. 

2 . Hermann Schürmann i. Fa*. Henry Garda, Lanston- 
Monotype, Leipzig. 

Für das Jahr 1909: 
a) als Einzelmitglieder: 

1 . Carl Decker i. Fa. Decker & Hardt, Buchdruckerei, 
Stuttgart. 

2. Otto Grüttefien , Geschäftsführer der Buchdruk- 
kerei und Verlagsanstalt A. Martini & Grüttefien 
G. m. b. H., Elberfeld. 

3. Hugo Hebsaker i. Fa. Ensslin & Laiblins Verlags¬ 
buchhandlung, Reutlingen. 

4. Ernst Herrmann i. Fa. Felix Böttcher, Walzen¬ 
gießanstalt, Leipzig-Reudnitz. 

5. Paul Hertz i.Fa. Hertz 1 Boktrykkerie, Kopenhagen. 


6 . G. B . A. Holm i. Fa. Aktiebolaget P. A. Norstedt 
& Söner, Stockholm. 

7. Eugen Hutzier , Buch- und Steindruckerei, Reut¬ 
lingen. 

8 . Corns. Immig jr. i. Fa. Corns. Immig & Zoon, 
Book- und Kunstdrykkerie, Rotterdam. 

9. Max Rieh. Kirste i. Fa. Kirste & Sieberth, Bog- 
og Kunsttrykkeri, Kristiania. 

10 . Paul Singer i. Fa. Paul Singer, Verlagsanstalt und 
Buchdruckerei, Stuttgart. 

11 . C. Stegmann , Geschäftsführer der Firma H.Rieke 
& Co., Buchdruckerei und Verlag, Braunschrveig. 

12. Erich Weinreich , Kunstmaler, Kunstgewerbliche 
Werkstätte, Breslau. 

b) als korporatives Mitglied: 
Typographischer Zirkel Neurode , Neurode. 


Leipzig, im Dezember 1908 

Die Geschäftsstelle des Deutschen Buchgewerbevereins 

Arthur Woernlein, Verwaltungsdirektor 


Die Technischen Kurse in der Königlichen Akademie 
für graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig. 

VI. Die Naturphotographie. Von F. NAUMANN, Leipzig. 

IE Photographie hat im Laufe der letzten in erster Linie die Röntgenphotographie und die 
)■ Jahrzehnte einen außerordentlichen Auf- Mikrophotographie, die helfend einspringt; auf dem 
^ schwung genommen und sich zu einem Kul- Gebiete der Kriminalistik ist die Photographie be- 
turfaktor von Bedeutung entwickelt. rufen, Tatbestände aufzunehmen und Fälschungen 

Auf nahezu allen Gebieten des menschlichen Wis- auf Briefen und Dokumenten nachzuweisen, und 
sens und Könnens leistet die Photographie heutzu- mancher Verbrecher ist durch ihre Aufschlüsse 
tage wertvolle Hilfe und stattet so den Dank dafür der wohlverdienten Strafe zugeführt worden. Die 
ab, daß durch ernste, fleißige, wissenschaftliche For- Sonne bzw. die photographische Platte brachte es an 
schung die Lichtbildnerei auf ihre jetzige Höhe ge- den Tag. 

hoben worden ist. Dem Kriegswesen dient die Fernphotographie vom 

Immer wird hervorgehoben, daß die Photographie Ballon aus. Dem Naturforscher gibt sie getreue 
den Wissenschaften so unendlich viel gegeben habe. Bilder der kleinen und kleinsten Lebewesen, an 
Gewiß, ihre Hilfe war und ist noch eine außerordent- denen er den anatomischen Bau derselben in klaren 
lieh wertvolle, und eine große Anzahl hervorragender und scharfen Umrissen erkennen und studieren kann, 
neuzeitlicher Entdeckungen sind auf ihr Konto zu denn hierbei ist gerade ihre Eigenschaft, die Dinge 
verbuchen. Auf dem Gebiete der Astronomie ver- der Außenwelt mit absoluter Genauigkeit aufzu¬ 
danken wir der Mithilfe der Photographie die Ent- zeichnen, von größtem Werte. Wer jemals Gelegen¬ 
deckung einer Menge kleiner, lichtarmer Himmels- heit hatte, moderne, mit Hilfe der Photographie her¬ 
körper, die dem menschlichen Auge, selbst mit den gestellte Bildertafeln in naturwissenschaftlichen 
stärksten Ferngläsern bewaffnet, nie sichtbar werden. Werken mit den alten, meist in Kupferstich herge- 
Die empfindliche photographische Platte aber zeichnet stellten Tafeln zu vergleichen, dem wird der Unter- 
ihre Bahnen auf. Auf medizinischem Gebiete ist es schied zwischen beiden, hinsichtlich der exakten 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Wiedergabe der natürlichen Formen, sofort klar 
werden. 

Wie ist es nun mit der Stellung der Photographie 
der Kunst gegenüber? 

Die bildenden Künstler, insbesondere die Maler 
und Zeichner, blickten früher vielfach, und meist 
nicht mit Unrecht, mit Mißachtung auf die Leistungen 
der Photographie und der Photographen herab, denn 
was in den photographischen Schaukästen früher 
zu sehen war, das waren in den meisten Fällen die 
bekannten glatt 
retuschierten, 
nichtssagenden, 
wie Speck¬ 
schwarte glän¬ 
zenden Bild¬ 
nisse, bei denen 
die dargestellten 
Personen ent- 
wederwieEngel 
in den Wolken 
schwebten (die 
sogenannten ab- 
getöntenBilder) 
oder in den ge¬ 
schraubtesten 
Stellungen an 
unmöglichen 
Möbeln vor un¬ 
möglichen Hin¬ 
tergründen ge¬ 
stellt waren und 
unter denen in 
protzigem Gold¬ 
druck finger¬ 
breit der Name 
des verfertigen¬ 
den Künstlers 
prangte. Ob 
Kommerzienrat 
oderMusketier, 

Baronin oder 

Küchenfee, einerlei, als Stütze für den aufgelegten 
Arm diente derselbe reich geschnitzte oder ver¬ 
goldete Lehnstuhl, derselbe Hintergrund, der eher 
einem Feenpalast aus einem Weihnachtsmärchen¬ 
spiel als einem Wohnraum glich, wurde verwendet. 
Es kam dem Photographen gar nicht darauf an, eine 
Gartenbank in Verbindung mit einem Zimmerhinter¬ 
grund zu bringen, eine Dame im Winterpelz mit 
Schlittschuhen am Arm vor eine Sommerlandschaft 
zu stellen, und andre derartige Geschmacklosigkeiten 
zu begehen. 

Heute sind solche Ungeheuerlichkeiten seltener 
geworden, der Geschmack des Publikums hat sich 
verfeinert, man lehnt so etwas ab, und die Photo¬ 


graphen haben gelernt, ihre Bilder individueller, 
künstlerischer, lebenswahrer zu gestalten. Wir treffen 
heute in den Schaufenstern guter photographischer 
Werkstätten und auf den großen internationalen Aus¬ 
stellungen künstlerischer Werke der Photographie 
Bildnisse und Landschaften in vornehmster Technik 
ausgeführt und mit geschmackvoller Aufmachung 
versehen, die sich Werken der Kunst sehr stark 
nähern. In den Händen eines künstlerisch gebil¬ 
deten und technisch auf der Höhe stehenden Photo¬ 
graphen ist die 
Photographie in 
der Lage, das 
besonders deut¬ 
lich zu machen. 
Die Kamera ist 
zwar ein totes 
Werkzeug, der 
GeistdesKünst- 
lers aber kann 
sie beleben und 
die technischen 
Vorgänge nach 
seinem Willen 
leiten,gleichwie 
der Maler seine 
Pinsel und Stifte 
nach seinem 
Willen führt. 
Auch sie sind 
nur das Werk¬ 
zeug, und es 
muß gleichgül¬ 
tig sein,welches 
Werkzeugich ge¬ 
brauche, wenn 
nur das Werk 
auf die Seele 
des Beschauers 
wirkt. 

Sind wir nun 
einerseits im¬ 
stande, mit Hilfe der Kamera selbständige künstle¬ 
rische Werke hervorzubringen, so kann anderseits 
die Photographie, lediglich von der technischen Seite 
betrachtet, dem Maler und Zeichner, dem entwer¬ 
fenden Künstler wesentliche Dienste leisten, und es 
haben in neuerer Zeit die Künstler erkennen und 
schätzen gelernt, daß ihnen in der Photographie eine 
treue Helferin erstanden ist. Seitdem ein Lenbach 
sich ständig ihrer Mithilfe bediente, ist auch die ge¬ 
wisse Scheu vor der Inanspruchnahme solcher Hilfe¬ 
leistungen geschwunden, und erste Künstler nehmen 
heute oft und gern ihre Dienste in Anspruch. 

Welcher Gestalt können nun diese Dienste sein? 
Der moderne Künstler ist ein moderner Mensch, und 

62 * 


459 



II. Übung. Schüler: Georg Diebener. 1908 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


der moderne Mensch hat keine Zeit. Die Tagesstun¬ 
den, die ihm zu seinem Schaffen zur Verfügung stehen, 
sind kostbar und es wird daher für ihn von Vorteil 
sein, wenn die Kamera das Skizzenbuch begleitet 
und ergänzt. Wohlverstanden: begleitet, nicht etwa 
ersetzt. Kein Künstler, der mit Stift und Pinsel 
schafft, kann der manuellen Skizzen entbehren, aber 
er kann sie mit größtem Nutzen durch photographische 
Aufnahmen unterstützen, ergänzen und vertiefen, 
denn mit der Kamera ist er imstande, besonders die 
schnell sich abspielenden Vorgänge, z. B. schnellste 
Bewegungen von Tieren und Menschen in der Natur, 
sowie das wechselnde Mienenspiel des menschlichen 
Antlitzes im Augenblicke festzuhalten, was mit dem 
Stifte niemals möglich wäre. Er kann dann die ge¬ 
wonnenen Bilder vergleichen und studieren, er findet 
Einzelheiten, die vielleicht wichtig, ihm jedoch ent¬ 
gangen sind und die unter Umständen dem Bilde 
oder der Zeichnung des Künstlers zur Charakteristik 
dienen können. 

Während nun die Fachklasse für Naturphotographie 
die Heranbildung tüchtiger, selbständig und mit Ver¬ 
ständnis arbeitender junger Photographen erstrebt, 
an denen in der Praxis erheblicher Mangel herrscht, 
da die Ausbildung in der Lehre in vielen Fällen heute 
noch eine durchaus ungenügende ist, bezweckt der 
technische Kurs fürNaturphotographie,der für Schüler 
der Vorschule und für Fachschüler der andern Werk¬ 
stätten offen ist, in erster Linie die Teilnehmer mit 
der Handhabung der verschiedenen photographischen 
Apparate, den Vorgängen beim Negativprozeß und 
denen der einfacheren Kopierverfahren, sowie dem 
Vergrößerungsverfahren bekannt und nach Möglich¬ 
keit vertraut zu machen, damit die jungen Künstler 
in der Lage sind, sich gelegentlich der späteren Aus¬ 
übung ihrer graphischen oder buchgewerblichen 
Tätigkeit wertvolle Studien aus dem großen, uner¬ 
schöpflichen Erscheinungsgebiete der Naturformen 
mit leichter Mühe und ohne nennenswerten Zeitver¬ 
lust zu sammeln. Es wird sich ihnen später oft genug 
Gelegenheit bieten, dieses Material in freier Ver¬ 
arbeitung nutzbringend verwerten zu können. 

Bei den technischen Kursen der Vorschüler soll 
nicht , wie es für die Fachschüler der Fall ist, die 
Schaffung des selbständigen , bildmäßigen und tech¬ 
nisch vollendeten Werkes der Endzweck sein und 
fachmäßige Leistungen bewirken, sondern die Photo¬ 
graphie soll nur Mittel zu einem andern Zwecke sein. 
Es kann daher beim technischenKursusinden meisten 
Fällen, besonders auch in Anbetracht der Kürze der 
zur Verfügung stehenden Zeit, auf die schwieriger 
auszuführenden Positivverfahren, wie den Pigment-, 
Platin-, Gummidruck usw. nicht, oder meistens nur 
in erklärender Weise eingegangen werden, es sei 


denn, daß schon einzelne der Schüler in der photo¬ 
graphischen Technik durch früheres Selbststudium 
vorgeschritten wären. Dagegen soll das Vergröße¬ 
rungsverfahren gepflegt werden, weil den Schülern 
dadurch später die Möglichkeit geboten ist, sich Ent¬ 
würfe selbst auf das gewünschte Format vergrößern 
zu können. 

Nur für die Fachschüler der photographischen Ab¬ 
teilung können die schwierigeren Positivverfahren in 
Betracht kommen und sie müssen diesen allein Vor¬ 
behalten bleiben, weil diese Schüler die Photographie 
berufmäßig erstreben und betreiben und durch ein¬ 
gehende Kenntnisse derselben ihre wirtschaftliche 
Lage in der Praxis bedeutend zu verbessern imstande 
sind. Für die Besucher der technischen Kurse aber 
kommt es in erster Linie an auf einigermaßen ver¬ 
nünftiges Bedienen der Kamera, die bei den Auf¬ 
nahmen zu beobachtenden Maßregeln, die Beherr¬ 
schung der Technik des Negativprozesses und der 
des Kopierens. Als Skizzenmaterial leistet jeder ge¬ 
wöhnliche Zelloidindruck völlig Genüge. 

Die Reihenfolge der Aufgaben, die den Schülern 
des technischen Kursus gestellt werden, ist daher 
etwa die folgende: 

I. Aufnahme nach Gipsmodell. 

II. Aufnahme nach einem farbigen Naturobjekt. 

III. Landschaftsaufnahme nach der Natur. 

IV. Bildnisaufnahme nach der Natur. (Die Kopien 
sind auf Auskopierpapieren zu fertigen.) 

V. Die Technik des Vergrößerns. 

Für Vorgeschrittene eventuell. 

VI. Die Technik des Platin- und Pigmentdruckes. 

VII. Die Technik des Gummidruckverfahrens. 

Die beigedruckten Autotypien sollen einen Über¬ 
blick über die Ergebnisse bilden; hierbei ist zu be¬ 
rücksichtigen, daß durch die Reproduktion die Klar¬ 
heit der Photographie etwas gelitten hat. 

Zugleich sei in Hinblick darauf, daß die Illustra¬ 
tionen zu den Artikeln über die technischen Kurse 
zum Teil falsch aufgefaßt wurden, ganz besonders 
hervorgehoben, daß lediglich die technische Seite 
und nicht die künstlerische in Betracht gezogen 
werden soll. Schülerarbeiten können keine Meister¬ 
werke sein. Auch bei der photographischen Technik 
gilt, wie bei andern Techniken der Satz, daß Übung 
erst den Meister macht, und daß zu einer photo¬ 
graphischen Kopie noch etwas mehr gehört als: „Die 
Sonne und ein Stückchen Papier“. Die vorgeführten 
Arbeiten sind also nicht als Leistungen berufsmäßiger 
Photographen, sondern als die ersten selbständigen 
Versuche von Zeichnern, Malern und andern Buch- 
gewerblern, sich photographierend zu betätigen, an¬ 
zusehen. 


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Schüler: Otto Melzer 


Schüler: W. Burkhardt 


Schülerin: Joh. Klunker 


Zu dem Artikel: Die Technischen Kurse in der Königlichen Akademie für 
graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig. VI. Die Naturphotographie 

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Beilage zum Archiv für Buchgewer! 


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Zu dem Artikel: Die Technischen Kurse in der Königlichen Akademie für 
graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig. VI. Die Naturphotographie 


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P RI IN CET 0 hPUWt VSRQI i l 5 V iv för Buctlgew!rt " 


Schüler: Karl Kirst 


Schüler: W. Messerschmidt 


Schüler: Bernh. Voigt 


I. Übung. 1908 


Schüler: Otto Gfrörer 




■■ ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE = 

Die Papierfabrikation im Jahre 1908. 

Von Dr. PAUL KLEMM, Gautzsch bei Leipzig. 


UCH an der Papierindustrie ist der wirtschaft¬ 
liche Niedergang nicht spurlos vorüber¬ 
gegangen. Zwar hat er dem andrer Industrien 
etwas nachgehinkt — eine Erscheinung, die Regel 
zu sein scheint und in der Eigenart der Verhältnisse 
begründet ist — aber davon, daß die Papierindustrie 
wie vor einem Jahre von Absatzsorgen frei sei, kann 
nicht mehr die Rede sein. Im Gegenteil, sie stehen 
heute meist wieder mit an oberster Stelle. Und die 
Aussichten für die Zukunft sind nichts weniger als 
günstig. Drückendes Unbehagen lastet jetzt am 
Ende des Jahres auf der Papierindustrie. 

Daß sich die wirtschaftliche Krise in dieser später 
fühlbar gemacht hat, mag daran liegen, daß ein großer 
Teil der erzeugten Halb- und Ganzfabrikate durch 
Lieferungsverträge abgesetzt wird, zu denen man in 
Zeiten des Überwiegens der Nachfrage über das An¬ 
gebot stets geneigt ist. Es liefen oder laufen wohl 
noch auf Jahre abgeschlossene Verträge, die noch 
eine gewisse Stetigkeit aufrechterhalten haben. In 
dem Maße, wie sie ablaufen, wird natürlich die Lage 
schlimmer und die Gefahr des Umsichgreifens nicht 
mehr rechnender, wilder Unterbietung, die sich schon 
jetzt vereinzelt bedenklich bemerkbar macht, wird 
immer größer. 

Am frühesten haben die Fabriken den Umschwung 
zu fühlen begonnen, die Papiere nach denVereinigten 
Staaten von Nordamerika oder auch sonst ins Ausland 
ausführen, und solche, die für andre Industrien arbeiten, 
deren Absatz durch Stockungen eingeschränkt wurde. 

Wichtige Rohstoffe der Papierfabrikation sind nach 
wie vor teuer geblieben, so daß eine Verbilligung der 
Erzeugung nicht eingetreten ist, namentlich da die so 
wichtigen Kohlen durch die Preispolitik des Kohlen¬ 
syndikats teuer und noch dazu schwer zu haben 
waren; auch die Sieb- und die Filzfabrikanten haben 
sich trotz der veränderten Sachlage im Rohstoffhandel 
nicht bereit finden lassen, billiger zu werden. Aber 
auch wo Ermäßigungen eingetreten sind, konnte die 
Papierfabrikation auf Grund der auf längere Zeit hin¬ 
aus abgeschlossenen Lieferungsverträge oft keinen 
Nutzen davon ziehen. 

So will sich auch daran gar nicht recht etwas 
ändern, daß der selbst in der vorausgehenden Zeit 
günstigster Absatzverhältnisse so eng gebliebene 
Spielraum zwischen Erzeugungskosten und Markt¬ 
preisen sehr gering ist. 

Beim Außenhandel mit Papier hatte sich im Vor¬ 
jahre gezeigt, daß zwar ein Wachstum desselben zu 
verzeichnen war, jedoch auch, daß das Wachstum der 
Ausfuhr mit dem der Einfuhr nicht Schritt gehalten 
hatte. Unverkennbar sind darin die für manche 


Zweige der Papierindustrie ungünstigen Wirkungen 
des deutschen Zolltarifs zu erkennen, die bei manchen 
Fabriken die Ausfuhrmöglichkeit gehemmt, bei andern 
dem Auslande erfolgreichen Wettbewerb auf unserm 
heimischen Markte ermöglicht haben. 

Voraussichtlich wird die sinkende Konjunktur in 
diesem Jahre die für die Papierfabrikation und die 
Papierverarbeitungsindustrie so ungünstigen Wir¬ 
kungen der Zollverträge noch weit deutlicher zum 
Ausdruck bringen, soweit die Handelsberichte jetzt 
ein Urteil zulassen. 

Gewissermaßen als Glück im Unglück ist es auf¬ 
zufassen, daß die Natur in der so ungemein wichtigen 
Fabrikation von Holzschliff durch Wassermangel 
Einschränkungen der Erzeugung herbeigeführt hat, die 
wohl auch noch den Winter über anhalten werden. 
So ist Holzschliff ein nicht im Überfluß vorhandener, 
auf den Markt drückender, sondern noch immer 
begehrter Stoff geblieben, und der Holzschliffmangel 
hat zur Entlastung des an starker Übererzeugung 
leidenden Holzzellstoffmarktes beitragen können, 
soweit der höhere Wert des Zellstoffs dies zuläßt. 

Daß man auch von der nächsten Zukunft nicht 
viel Günstiges erwarten darf, liegt einesteils daran, 
daß, sobald als die natürlichen Einschränkungen der 
Erzeugung infolge Wassermangels aufhören, eine 
Übererzeugung an Papierstoffen so gut wie gewiß 
ist. Leicht kann diese zu ungesunder Verschleude¬ 
rung von Faserstoffen und darauf auch von Papier 
führen, durch die jede Stetigkeit der Geschäftsbe¬ 
ziehungen verloren geht, die im allgemeinen mehr 
wert ist, wie vereinzelte hohe Geschäftsgewinne. 

Wahrscheinlich würde das Nachlassen des Bedarfs 
mit seinen Begleiterscheinungen für die Marktlage 
weniger fühlbar geworden sein, wenn nicht eine An¬ 
zahl neuer Papiermaschinen von hoher Leistungs¬ 
fähigkeit neu aufgestellt worden wären. 

Die Technik hat nämlich einen modernen Typus 
der Betriebsanlagen in Deutschland besonders durch 
die Maschinenbauanstalten von Fällner, Warmbrunn, 
und Voithy Heidenheim, entwickelt, der älteren An¬ 
lagen in mancher Beziehung überlegen ist und nach 
dem die neuen Anlagen geschaffen sind. Es ist ein 
Typus der Fabrikanlage für die Massenfabrikation 
holzhaltiger Papiere, insbesondere von Zeitungs¬ 
druckpapieren, die vielleicht tage- oder selbst wochen¬ 
lang in gleicher Weise oder mit nur unwesentlichen 
Änderungen über die Papiermaschine laufen. 

Vordem, in der Zeit der Entwicklung der Halb¬ 
stoff-Fabrikation zum selbständigen Industriezweige 
waren selbst dort, wo die Halbstoffe ganz oder zum 
Teil in dem gleichen Fabrikationsbetrieb hergestellt 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


wurden, Halbstofferzeugungs- und Papiererzeugungs- 
Einrichtung technisch voneinander unabhängige, selb¬ 
ständige Glieder, oft räumlich voneinander getrennt 
und nur äußerlich miteinander verbunden, sie stan¬ 
den auch in derselben Fabrik meist nur in einem 
Verhältnis wie Lieferant zu Abnehmer. Schon die 
Entwicklung der Verhältnisse brachte dies mit sich, 
sei es, daß bestehende Fabriken die Halbstoffe kauf¬ 
ten oder selbst Halbstoffanlagen errichteten, oder 
sei es, daß die Halbstofffabriken im Laufe der Zeit 
auch Papiermaschinen aufstellten, was ja häufig ge¬ 
schehen ist. 

Wenn es sich nicht um Massenfabrikation von 
Papier mit wenig wechselnder Zusammensetzung 
handelt, sondern mannigfaltige Sorten in kleineren 
Mengen nach verschiedenen Rezepten herzustellen 
sind, wird man auch hinsichtlich der Selbständigkeit 
der Teilbetriebe beim alten bleiben müssen. 

Bei dem Typus der modernen Zeitungsdruckpapier¬ 
fabrik wird der Hauptbestandteil, der Holzschliff, 
tunlichst sogleich nach dem Schleifen, ohne erst in 
Pappenform übergeführt worden zu sein, weiter ver¬ 
arbeitet und die flüssigen Abgänge der Schleiferei 
und der Papiermaschine werden in den Betrieb zu¬ 
rückgeführt und kreisen in diesem. Manche sonst 
verloren gehenden Fäserchen und Füllstoffteilchen 
bleiben dabei im Papier zurück. So setzt man einer¬ 
seits die Stoffverluste auf ein möglichst geringes 
Maß herab und ebenso die lästige Verunreinigung 
der Wasserläufe. 

Außerdem sucht man bei diesem Typus der Fabrik¬ 
anlage dadurch möglichst hohe Gleichmäßigkeit des 
maschinenfertigen Stoffes zu erreichen, daß man für 
Mischung großer Stoffmassen in SammelgeFäßen von 
entsprechender Größe sorgt. Das ist deshalb von 
Vorteil, weil nur bei Gleichmäßigkeit des Stoffes 
auch die Papierbildung gleichmäßig ausfällt, ohne 
daß fortwährend an der Maschine geregelt werden 
muß. Auch für die Geschwindigkeit, mit der ein 
Papier gearbeitet werden kann, ist das von größter 
Bedeutung. Mit Maschinentypen dieser Art lassen 
sich Arbeitsgeschwindigkeiten bis 150 m und Tages¬ 
erzeugungen bis 25 Tonnen erreichen. 

Da mehrere solcher modernen Maschinen in Betrieb 
gekommen sind, so gibt dies natürlich ganz gewaltige 
Massen von Mehrerzeugung. Deshalb ist auch die 
Lage gerade in der Druckpapierindustrie besonders 
schlimm und das Druckpapiersyndikat hat seinen 
Mitgliedern, um einer allzu großen Übererzeugung 
zu steuern, bedeutende Produktionseinschränkungen 
auferlegen müssen. 

Auch eine Produktionseinschränkung durch Ver¬ 
längerung der Sonntagsruhe ist erwogen worden, 
wohl aber mit Rücksicht auf die bevorstehende Be¬ 
triebseröffnung einer sehr großen neuen Fabrik 
unterblieben. 


So kommt es, daß namentlich holzhaltiges Druck¬ 
papier in der zweiten Hälfte des Jahres spottbillig 
geworden ist. Der Zeitungsdrucker bekommt billiges 
und gutes Papier, soviel er will. 

Die Bemühungen, um nach irgendeiner Richtung 
Fortschritte an Druckpapierfabrikaten zu erreichen, 
haben auch einiges Beachtungswerte gezeitigt. Ob 
darunter etwas ist, was eine dauernde Errungen¬ 
schaft bedeutet, wie die vor etwa zwei Jahren aufge¬ 
tauchte Herstellung matterKunstdruckpapiere,die sich 
heute ein weites Feld erobert hat, muß die Zeit lehren. 

Zu erwähnen ist da ein Verfahren von Dr. £. Fues, 
Hanau (D.R.P. 193 909), das als Mittel, die Gleich¬ 
mäßigkeit des Gefüges zu erhöhen, die Zumischung 
gepulverter strukturloser Zelluloseprodukte zum 
Papierstoff ins Auge faßt, die man nach Behandlung 
mit verdünnten Mineralsäuren aus Pflanzenfasern ge¬ 
winnen kann, gewissermaßen also eines vegetabili¬ 
schen Füllstoffes, der die Lücken des Faserfilzes mit 
einem der Fasersubstanz ähnlichen Körper ausfüllt. 

Eifrig sind die Bemühungen fortgesetzt worden, 
Ersatz für Harz als Papierleim zu finden. Der Weg, 
in unsern Kolonien zu gewinnende Harze als Voll¬ 
ersatz heranzuziehen, hat bis jetzt noch nicht zu 
günstigen Ergebnissen geführt,denn die untersuchten 
harzigen Produkte waren entweder ganz unbrauchbar 
oder noch zu unrein, als daß sie an Stelle von Kolo¬ 
phonium verwendbar wären. 

Dagegen hat sich ein bereits im vorigen Jahre er¬ 
wähnter Teilersatz, der gerade Druckpapier angeht, 
als tauglich erwiesen, nämlich die vom Verfasser 
dieses Berichts vorgeschlagene „mineralische Lei¬ 
mung“, die bei Druckpapier noch gewisse Neben¬ 
vorteile hat. 

Namentlich werden mineralisch geleimte Papiere 
voraussichtlich für Verleger wertvoller Bücher eine 
bedeutungsvolle Rolle zu spielen berufen sein, näm¬ 
lich dann, wenn es darauf ankommt, unvergilbbare 
Papiere für die Verlagswerke zu benutzen. Ganz zu 
beseitigen ist bei der Verwendung von Harz die Ver¬ 
gilbungsfähigkeit eines Papieres ja überhaupt nicht, 
da auch das beste Harz im Laufe der Zeit mit Ver¬ 
gilbung verknüpfte Oxydation erfährt. Die minera¬ 
lische Leimung hat also für Druckpapier die Lösung 
des Problems, Unvergilbbarkeit zu erreichen, ge¬ 
bracht. Voraussetzung ist natürlich, daß die Faser¬ 
stoffe rein und unvergilbbar sind, also von Holzschliff 
oder vergilbbaren organischen Körpern frei sind. 

Auch die Bedruckbarkeit wird in mancher Be¬ 
ziehung verbessert. 

Von hohem allgemeinem Interesse und voraus¬ 
sichtlich auch von großer Tragweite für das Buch- 
und Druckgewerbe wird eine Bewegung sein, die sich 
an weitere in diesem Jahre erfolgte Veröffent¬ 
lichungen über die Dauerhaftigkeit von Druckpapier 
knüpfen; sie finden sich in den Mitteilungen aus dem 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Kgl. Materialprüfungsamt in Großlichterfelde-West 
(Jahrgang 1908, Seite 105 bis 147). Es sind die beiden 
Abhandlungen von Professor W. Herzberg „Schutz 
unsern Geistesdenkmälern“ und von Dr. Johannes 
Franke , Direktor der Kgl. Universitätsbibliothek in 
Berlin „Eine ernste Gefahr für unsre Bibliotheken“. 
Die in diesen Arbeiten durch umfangreiche und sorg¬ 
fältige Untersuchungen aufgedeckten Übelstände be¬ 
stehen in d er sehr häufigen Verwendung von Papieren 
von geringer Festigkeit auch zu wertvollen Druck¬ 
werken von dauerndem Wert und gipfeln in dem Ver¬ 
langen nach Verwendung festerer Papiere für Bücher 
wie auch für wissenschaftliche und schöngeistige Zeit¬ 
schriftenliteratur, ja selbst für die Tagespresse, so¬ 
weit es sich um Exemplare derselben handelt, die 
für öffentliche Bibliotheken und wissenschaftliche 
Institute bestimmt sind. 

Daß eine Vernachlässigung der für den Gebrauch 
der Druckwerke in der Hand des Lesers so wichtigen 
Festigkeitseigenschaften eingetreten ist, daran trägt 
zweifellos zum guten Teil das einseitige Bestreben 
nach möglichst günstiger Bedruckbarkeit schuld, 
denn die Mittel, mit denen es gelingt, einem Papier 
möglichst günstige Bedruckbarkeit zu verleihen, 
haben auf die Festigkeitseigenschaften ungünstigen 
Einfluß. Es ist der Gegensatz von röscher und schmie¬ 
riger Mahlung des Stoffes, der hier hereinspielt. Die 
günstige Bedruckbarkeit gewährleistende gleich¬ 
mäßige Struktur und Oberflächenbeschaffenheit ist 
nur durch rösche Mahlung zu erreichen, höhere 
Festigkeitseigenschaften setzen schmierige Mahlung 
voraus. Den höchsten Grad von Bedruckbarkeit und 
zugleich auch von Festigkeit einem Papiere zu ver¬ 
leihen, bereitet deshalb große und, man darf wohl 
sagen, praktisch unüberwindliche Schwierigkeiten. 


Es leuchtet ein, daß hier nur ein Kompromiß auf 
Besitz eines mittleren Grades der genannten wich¬ 
tigen Eigenschaften möglich sein wird, bei dem sich 
der Papiermacher oft vor eine heikle Aufgabe gestellt 
sieht. Bei Papieren für Buchstabendruck wird er 
erhöhte Festigkeitsanforderungen ohne Schwierig¬ 
keiten erfüllen können. Aber bei Bilderdruckpapieren 
muß man sich wohl wenigstens in einer Übergangs¬ 
zeit auf mancherlei Unannehmlichkeiten gefaßt 
machen, denn der Widerstreit zwischen der Erhaltung 
günstigster Bedruckbarkeit für Bilder, von der man 
natürlich nichts wird preisgeben wollen, und den 
Forderungen erhöhter Festigkeit wird sich voraus¬ 
sichtlich erst im Laufe der Zeit ausgleichen lassen; 
es wird mancher Versuche bedürfen, bis man in 
Papiermacherkreisen klar ist, bis zu welchem Grade 
sich die Schwierigkeiten überwinden lassen, und bis 
man auch in Verleger- und Druckerkreisen weiß, 
welche Anforderungen man billigerweise nach der 
einen und der andern Richtung stellen kann. Jeden¬ 
falls wird der Bilderdruckpapier-Fabrikant seine 
ganze Kunst aufbieten müssen, um den gesteiger¬ 
ten Anforderungen der nächsten Zukunft gerecht zu 
werden. 

Weiteste Kreise der Druckpapierfabrikation werden 
von dieser ein ernstes Programm einschließenden 
Forderung „Schutz unsern Geistesdenkmälern“ be¬ 
troffen und es wäre, namentlich um auf Mißverständ¬ 
nissen beruhenden Härten und Streitigkeiten tun¬ 
lichst vorzubeugen, gewiß von großem Wert, wenn 
der Vorschlag Professor Herzbergs verwirklicht würde, 
eine Organisation von Vertretern aller beteiligten 
Kreise zu schaffen. Denn es handelt sich hierbei in 
der Tat um eine Angelegenheit von höchster Wichtig¬ 
keit für alle Zukunft. 


Die Druckfarbenfabrikation im Jahre 1908 

Von Direktor Dr. L. DORN, Stuttgart. 


8 ^ AS Fuchsin, die im Jahre 1858 von Hofmann 
)■ in Berlin erfundene erste Anilinfarbe, feiert 
wß in diesem Jahre sein 50jähriges Jubiläum. 
Das Anilin und Toluidin, aus welchen das Fuchsin 
durch Behandeln mit verschiedenen Reagentien ge¬ 
wonnen wurde, sind Abkömmlinge des Steinkohlen¬ 
teers. In welch grandioser Weise sich seit jener Ent¬ 
deckung Hofmanns die Industrie der Anilinfarben 
besonders in Deutschland entwickelt hat, ist allbe¬ 
kannt. Mit der Einführung und Ausbreitung der neuen 
aus den Steinkohlen gewonnenen Farbstoffe ging 
natürlich ein Zurückgehen der Produktion der natür¬ 
lichen organischen, das heißt der aus dem Pflanzen- 
und Tierreich stammenden Farbstoffe Hand in Hand. 
In welchem Maße sich dieser Rückgang im Verbrauch 
der natürlichen organischen Farbstoffe vollzog, wollen 


wir an einem Beispiel ziffernmäßig nachweisen. Die 
Farbenzeitung, Fachblatt für die gesamte Farben- und 
Lackindustrie, Union Deutsche Verlagsgesellschaft, 
bringt in Nr. 2 vom 10. Oktober 1908 folgende Notiz: 
„Noch im Jahre 1870 wurden für 20 Millionen 
Pesetas Cochenille aus Spanien ausgeführt, 1895 
war die Ausfuhr auf 2,5 Millionen gesunken und im 
Jahre 1907 betrug sie nur noch 802189 Pesetas.“ 
Bekanntlich ist die Cochenille das Insekt (Schildlaus), 
welches den Farbstoff für den Karmin und die Kar¬ 
minlacke liefert. Auch die Kultur der Krappwurzel, 
welche früher namentlich in Frankreich ausgedehnte 
Landstrecken in Anspruch nahm, ist auf ein Minimum 
zurückgegangen, dessen volkswirtschaftlicher Wert 
von keinem Belang ist. Wie der aus der Krappwurzel 
gewonnene „natürliche“ durch den ebenso lichtechten 


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PRINCETON UNIVERS1TY 




ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


aus dem Alizarin (einem Steinkohlenprodukt) her¬ 
gestellten „künstlichen“ Krapplack verdrängt wurde, 
so muß auch der natürliche Indigo dem gleichfalls 
dem Steinkohlenteer entstammenden künstlichen 
Indigo weichen. 

Nicht in gleichem Maße wie die genannten roten 
Farbstoffe wurde das ursprünglich aus den Gelb- oder 
Kreuzbeeren, später auch aus Querzitron (Extrakt aus 
der Rinde der Färbereiche) und dem aus diesem 
hergestellten Flavin gewonnene Schüttgelb durch Ab¬ 
kömmlinge des Steinkohlenteers ersetzt (siehe Farben¬ 
zeitung Nr. 48 vom 29. August 1908, Seite 1702). 
Allerdings kommt speziell für die Erzeugung von 
Gelblacken für Buch- und Steindruck dem Schütt¬ 
gelb gegenüber den aus dem Steinkohlenteer gewon¬ 
nenen gelben Farben eine nur untergeordnete Bedeu¬ 
tung zu. 

Allerdings haben wir außer diesen erwähnten stark 
im Rückgang begriffenen Farbstoffen tierischen und 
pflanzlichen Ursprungs noch einige wichtige Pflan¬ 
zenfarbstoffe, welchen die Teerfarben noch keinen 
Abbruch getan haben; unter diesen ist namentlich zu 
nennen das Blauholz, dessen Extrakte eine ganz be¬ 
deutende Rolle in der Färberei spielen; aber auch in 
der Lackfarbenfabrikation finden die aus dem Blau- 
und Rotholz gewonnenen Farbstoffe (letztere bekannt 
unter den Namen: Bronzerot, Granatrot, Achat¬ 
rot usw.) Verwendung. 

Kehren wir nun wieder zu dem Fuchsin und dem 
aus derselben Zeit stammenden Anilin-Violett zu¬ 
rück, so verdankten diese Farben ihre rasche Auf¬ 
nahme ihrer außerordentlichen Brillanz, ihrer Aus¬ 
giebigkeit und den gegenüber den früheren sehr 
vereinfachten Färbereimethoden — auch für die Pig¬ 
mentfarbenfabrikation wurden die neuen Anilinfarben 
bald verwertet —, aber neben den erwähnten glän¬ 
zenden Eigenschaften haftete denselben auch ein 
verhängnisvoller Mangel an: nämlich eine außer¬ 
ordentlich starke Lichtempfindlichkeit. In bezug auf 
Lichtechtheit kamen daher die Anilinfarben so sehr 
in Mißkredit, daß es unter den Konsumenten noch 
heute viele gibt, welche alle aus Teerfarbstoffen her- 
gestellte Farben für nicht lichtecht halten, weil eben 
die ersten Erzeugnisse des neuen Industriezweiges 
sehr lichtempfindlich waren. So finden wir z. B. in 
einem im Jahre 1906 erschienenen sonst vortreff¬ 
lichen Werke über Chromolithographie den Satz: 
„Aus letzterer (der Steinkohle) werden die schönen 
Teerfarbstoffe erzeugt, von denen aber leider der 
größte Teil für Druckzwecke infolge der hohen Licht¬ 
empfindlichkeit und Lösbarkeit in Wasser und alko¬ 
holischen Flüssigkeiten gegenwärtig eine verhältnis¬ 
mäßig geringe Verwendung findet.“ Dieser Behaup¬ 
tung gegenüber muß festgestellt werden, daß die 
meisten Teerfarbstoffe als solche allerdings zu Druck¬ 
zwecken nicht verwendet werden können, wohl aber 


die daraus hergestellten Pigmentfarben, welchen 
heute unter den bunten Druckfarben eine ganz her¬ 
vorragende Bedeutung zukommt, und die in großen 
Quantitäten für alle Reproduktionsverfahren ver¬ 
braucht werden. Unter diesen Abkömmlingen des 
Steinkohlenteers gibt es allerdings noch eine Anzahl, 
die als lichtempfindlich bezeichnet werden müssen, 
deren Konsum aber von Jahr zu Jahr abnimmt, weil 
es eben den Anilinfarbenfabriken inzwischen gelungen 
ist Produkte zu schaffen, welche in bezug auf Licht¬ 
echtheit den höchsten Anforderungen genügen und 
also die natürlichen organischen Farben in dieser 
Hinsicht zum Teil bedeutend übertreffen. Was die 
Wasserlöslichkeit betrifft, so sind die heutigen in 
einer der bekannten gut geleiteten Druckfarben¬ 
fabriken aus Teerfarben hergestellten Pigmentfarben 
vollkommen unlöslich in Wasser; dagegen gibt es 
allerdings noch eine Anzahl dieser Farben, welche 
sich in Spiritus etwas lösen. Um die Konsumenten 
vor Schaden zu bewahren, haben aber die meisten 
Druckfarbenfabriken die Gepflogenheit, in ihren Preis¬ 
listen diese spirituslöslichen Farben als nicht lackier¬ 
bar zu bezeichnen, wie sie denn anderseits für jede 
bunte Farbe in ihren Katalogen auch die Lichtecht¬ 
heitsklasse angeben. Nach dem obengesagten ist 
man also heute nicht mehr berechtigt, die aus den 
schönen Teerfarbenstoffen hergestellten Druckfarben 
wegen ihrer Lichtempfindlichkeit als für Druckzwecke 
ungeeignet zu betrachten; im Gegenteil hat der 
Druckfarben-Konsument alle Ursache, mit der Ent¬ 
wicklung und den Fortschritten der Farbenfabrikation 
zufrieden zu sein; verdankt er derselben doch eine 
Menge der schönsten licht- und wasserechten Far¬ 
ben, von ganz vorzüglicher Druckfähigkeit, mit wel¬ 
chen sich Effekte erzielen lassen, für welche die 
früheren Farben versagten. 

Die Erfolge, welche die Farbenfabrikation gerade 
in den letzten Jahren in bezug auf die Lichtechtheit 
ihrer Erzeugnisse erzielte, lassen hoffen, daß auch 
die in dieser Hinsicht mit voller Berechtigung stets 
wachsenden Ansprüche für solche Nuancen noch be¬ 
friedigt werden können, welche bislang nur mit nicht 
lichtechten Farben zu erreichen waren. 

Zu den weißen Deckfarben, die bis jetzt hauptsäch¬ 
lich durch das Kremser- (Blei-) und Zinkweiß reprä¬ 
sentiertwurden, ist nach der Farbenzeitung Nr. 18 vom 
1. Februar 1908 in einigen Ländern Europas, beson¬ 
ders in Italien und Frankreich als den Hauptproduk¬ 
tionsländern des Antimonmetalls, ein Antimonweiß 
getreten, das — wenn auch in beschränktem Maße — 
dort als Anstrichfarbe Verwendung findet. Ob dasselbe 
auch zu Druckzwecken benutzt wird ist noch fraglich. 

Von den schwarzen Farben kommt für die Zwecke 
der Druckfarbenfabrikation nach wie vor fast aus¬ 
schließlich der Ruß in seinen verschiedenen Ab¬ 
stufungen, vom feinsten Gasruß bis herunter zum 


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billigsten Kammerruß in Betracht. Die Methoden der 
Rußfabrikation haben sich zum Teil geändert, die 
Produkte sind aber in bezug auf ihre Verarbeitung 
zu Druckfarben dieselben geblieben, nur daß sie hin¬ 
sichtlich Feinheit, Ausgiebigkeit und Tiefe noch ver¬ 
bessert wurden. 

Das einer rheinischen Firma anfangs dieses Jahres 
erteilte Patent auf die Herstellung von Schwärzen aus 
Steinkohle liefert ein Produkt, das für die Druck¬ 
farbenfabrikation keinesfalls in Betracht kommt. 

Unter den künstlichen Mineralfarben ist es ganz 
besonders das Chromgelb, das im Laufe der letzten 
Jahre durch weitere Erhöhung seiner Ausgiebigkeit 
verbessert wurde. 

Bei den angeriebenen druckfertigen Farben sind 
weitere Fortschritte zu verzeichnen, insofern die 
Farbenfabriken — namentlich gilt dies für die 
schwarzen Buchdruckfarben — bemüht waren, die 


Druck- und Trockenfähigkeit derselben noch weiter 
zu erhöhen. Neben der Verbesserung der Sikkative 
wurde deshalb der Fabrikation der Leinölfirnisse ganz 
besondere Beachtung geschenkt; man machte Ver¬ 
suche, um diese Firnisse einerseits heller, andrerseits 
rascher trocknend zu erhalten, auch waren die 
Firnisfabrikanten redlich bemüht, den bei der Leinöl¬ 
firnisfabrikation auftretenden Übeln Geruch so 
gründlich wie möglich zu beseitigen. 

Abgesehen von kleinen Zusätzen, welche zur Er¬ 
höhung der Druck- und Trockenfähigkeit dienen, 
werden alle Farben, mit Ausnahme der Zeitungs¬ 
farben, mit Leinölfirnis angerieben; das Leinöl bildet 
also nach wie vor den Rohstoff für die Fabrikation 
der Buch-, Stein- und Kupferdruckfirnisse. Die an¬ 
dern trocknenden Öle wie Mohnöl, Hanföl und Son¬ 
nenblumenöl haben in der Firnisfabrikation keinen 
Eingang gefunden. 


Die Schriftgießerei im Jahre 1908. 

Von FRIEDRICH BAUER, Hamburg. 


AS letzte Jahr war für die Schriftgießerei 
eines der ungünstigsten seit langer Zeit, und 
wenn das nach außen nicht sehr auffällig zu¬ 
tage trat, so ist dies ein erfreulicher Beweis dafür, 
daß die meisten deutschen Schriftgießereien auf 
einem gesunden Boden stehen. Als Zeichen innerer 
Kraft darf es auch wohl aufgefaßt werden, wenn die 
Hervorbringung von Neuheiten sich auf einer ge¬ 
wissen Höhe gehalten hat, die nicht so arg wie in 
früheren Jahren das auffällige Merkmal des Über¬ 
maßes trug. Immerhin ist noch mehr geschnitten 
und gegossen worden als verlangt wurde, und so war 
denn der Wettbewerb der Schriftgießer um die Gunst 
der Buchdrucker und Verleger ungemein lebhaft. 
Als Folge kollegialer Vereinbarungen, die nach dem 
Grundsätze „leben und leben lassen“ die Billigung 
und Unterstützung der Buchdrucker fanden, bewegte 
sich aber der Wettkampf in erträglichen Formen, die 
freilich — wie das in solchen Fällen leider fast stets 
zu beobachten ist — durch einige Außenstehende 
nicht immer gewahrt blieben. Es kommt noch hin¬ 
zu, daß auch in den ausländischen Absatzgebieten der 
deutschen Schriftgießereien nicht nur diese unter 
sich in schärferen Wettbewerb traten, sondern es 
wird den dort eingeführten Schriftgießern auch von 
ihren Kollegen aus andern Ländern die Kundschaft 
— und meistens durch Unterbietung — abspenstig 
gemacht. Um das Maß voll zu machen, erschweren 
und versperren die Zollschranken einiger Staaten 
den Gießereien das ausländische Geschäft. 

Die Art der neuen Erzeugnisse des letzten unter¬ 
scheidet sich nicht viel von derjenigen des vorauf¬ 
gegangenen Jahres. Zur neudeutschen Richtung sind 


noch einige Nachzügler zu verzeichnen, ebenso haben 
einige Gießereien ihre gotischen Schriften ergänzt. 
Am wichtigsten war der Ausbau der Antiqua. Mehrere 
Häuser haben die vor Jahren begonnenen Erzeugnisse 
durch Auszeichnungsschriften ergänzt, einige sogar 
in großartigem Maßstabe, andre sind bemüht, nach¬ 
zukommen und Antiquaschriften besonderen Charak¬ 
ters herauszubringen. Wieweit die Bemühungen, 
die Antiqua in neue Formen umzugießen, Erfolg und 
welche Schriften am längsten Bestand haben werden, 
bleibt noch abzuwarten. Die gebotene Auswahl ist 
zwar schon jetzt nicht gering, trotzdem sind die Er¬ 
scheinungen offenbar noch nicht abgeschlossen und 
eine Gegenüberstellung der verschiedenen Erzeug¬ 
nisse wird deshalb einem späteren Bericht Vor¬ 
behalten bleiben können. 

An neuem Material für die Ausstattung der Akzi¬ 
denzen und für Zeitungsanzeigen hat das vergangene 
Jahr nur wenig Aufsehenerregendes gebracht; es 
war mehr ein Ergänzen und Ausbauen als ein Suchen 
nach neuen Wegen. Die typographische Ornamentik 
hält sich immer noch in bescheidenen Grenzen und 
bleibt so ihrem eigenen Wesen am nächsten. Da der 
Guß von Ornamenten, mit wenigen Ausnahmen, 
immer nur wenig lohnend gewesen ist, so werden die 
Schriftgießereien mit diesen Verhältnissen gar nicht 
unzufrieden sein. 

Die Namengebung für die Erzeugnisse der Schrift¬ 
gießerei gibt uns Anlaß zu einigen Bemerkungen. 
Während man auf der einen Seite bestrebt ist, die 
guten alten Kegelnamen: Petit, Korpus, Cicero, 
Mittel, Tertia, Text usw. aussterben zu lassen, um die 
nach Einführung des Normalsystems doch zweifellos 

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feststehenden Kegelstärken durch Ziffern noch prä¬ 
ziser auszudrücken, indem man die Schriftgrade 
nach Punkten bezeichnet und 8 Punkt, 10 Punkt usw. 
oder Corps 8, Corps 10 usw. schreibt, ist man auf 
der andern Seite bemüht, den verschiedenen Schöp¬ 
fungen klangvolle Namen zu verleihen. Die Ver¬ 
hältnisse haben sich hier ähnlich herausgebildet 
wie in großen Städten bei den Straßennamen: da 
die „echten" Namen nicht mehr ausreichen, nimmt 
man Zuflucht zu künstlichen Bezeichnungen. 
Echte Schriftnamen sind beispielsweise: Fraktur, 
Schwabacher, Gotisch, Kanzlei, Antiqua, Steinschrift, 
Lapidar, Rundschrift usw. und die davon abgeleiteten 
Namen, wie z. B. Renaissance-Fraktur, Neue Schwa¬ 
bacher, Psaltergotisch, Römische Antiqua u. dgl. 
Auch Namen wie Romanisch, Neudeutsch, Liturgisch, 
Schulfraktur sind noch gute Schriftnamen; wenn sie 
auch nicht mehr so klar wie die zuerst genannten 
sind, so läßt sich mit ihnen immer noch ein Begriff 
verbinden. Ferner sind Schriftnamen, die den Namen 
des Künstlers mit seinem Werk verbinden, nicht un¬ 
berechtigt, wenn es sich um Künstler von besonders 
ausgeprägter Eigenart handelt, wie es z. B. bei Eck¬ 
mann, Behrens, Grasset, Auriol, Bek-Gran u. a. der 
Fall ist, die jeder einen eigenen Schrifttypus ge¬ 
schaffen haben, der eben nur diesen Künstlern ge¬ 
lingen konnte. Handelt es sich dagegen um Schriften, 
die ebensogut ein Zeichner namens Müller oder 
Schulze entworfen haben könnte, dann hat es wenig 
Sinn, sie Meier- oder Schmidt-Schrift zu nennen. Ver¬ 
gnüglich wird der Fall, wenn man die Namen jener 
Erzeugnisse, die mehr oder weniger dem Modebedarf 
dienen sollen, in der Nähe besieht. Phantasie und 
Geschmack erfinden die wunderlichsten Bezeich¬ 
nungen für Schriften und Einfassungen, die zu den 
benannten Gegenständen oft auch nicht die geringste 
Beziehung haben. Alle Götter und Göttinnen; die 
Helden der Sage und Geschichte; berühmte Frauen 
und Männer; Länder, Völker und Dynastien und vieles 
andre müssen ihre Namen leihen, um damit ein 
Schriftgießerei-Erzeugnis schmücken zu lassen. Der 
unbefangene Beobachter wird manche Blüte unfrei¬ 
willigen Humors pflücken können, er kann — um nur 
einige Beispiele anzuführen — eine magere und eine 
halbfette Venus, eine halbfette Sorbonne und eine 
ebenfalls halbfette Elfe, eine fette Renania (wohl 
richtiger Rhenania) und eine fette Graziella, eine enge 
Helvetia, eine schmale und eine breite Bianca, eine 
lichte Mignon und vieles Ähnliche finden und sich 
vergebens fragen, wie die Schriften gerade zu solchen 
Namen kommen. Über den Geschmack läßt sich be¬ 
kanntlich nicht streiten, aber es läßt sich auch nicht be¬ 
streiten, daß bei der Wahl vielerNamen der Geschmack 
abwesend war. Doch das ist ja schließlich Sache der 
an der Taufe beteiligten Paten. Unangenehm war es 
nur, wenn sich nach vollzogener Taufe und nachdem 


die mit dem unter vielem Kopfzerbrechen gefundenen 
Namen geschmückten Proben in die Welt gegangen 
waren, herausstellte, daß der Name schon von einer 
andern Gießerei längst „gefunden“ worden war. 
Ausnahmsweise wurde auch, um einem neuen Er¬ 
zeugnis den Weg zu ebnen, ein einem andern ge¬ 
hörender alter Name, der sich eines guten Klanges 
erfreute, absichtlich adoptiert, wovon natürlich der 
Eigentümer des alten Namens durchaus nicht erfreut 
war. Um solchen Unannehmlichkeiten vorzubeugen, 
führt die Vereinigung der Schriftgießereibesitzer 
Deutschlands seit 1904 eine Namensliste, für die die 
Mitglieder alle neuen Namen anmelden. Wer einen 
Namen zuerst anmeldet, für den ist er gegen Wieder¬ 
holung von andrer Seite geschützt, denn wer einen 
bereits eingetragenen Namen anmeldet, der wird be¬ 
nachrichtigt und zur Wahl eines andern Namens ver¬ 
anlaßt. Für den Buchdrucker hat diese Einrichtung 
die angenehme Folge der Gewißheit, daß sich jeder 
Name nur auf ein Erzeugnis bezieht, er kann also 
z. B. mit dem Namen einer „magern Venus“ mit 
einiger Phantasie und gutem Gedächtnis einen Be¬ 
griff verbinden. Ein kürzlich von der Vereinigung 
veranstalteter Abdruck der Liste gibt den Mitgliedern 
eine Übersicht über die bis jetzt vorhandenen Namen. 

Eine Frage, die in erster Linie die Buchdrucker, 
dann aber auch die Schriftgießer und besonders die 
Messinglinienfabrikanten angeht, betrifft die einheit¬ 
liche Regelung und Vereinfachung der gebräuch¬ 
lichsten Linienstärken . Es handelt sich namentlich 
darum, wie stark das Bild einer feinen, stumpffeinen, 
halbfetten und fetten Linie sein muß, und ferner dar¬ 
um, die vielen überflüssigen Linienbilder für den 
gewöhnlichen Gebrauch auszuscheiden. Bisher liefern 
die Fabriken „jede gewünschte“ Bildstärke, und sie 
werden es natürlich auch in Zukunft tun, wenn es 
verlangt wird. Aber es ist doch ein großer Übelstand, 
daß es nötig ist, erst ein Muster — eine Zurich¬ 
tung — einzuschicken, wenn man z. B. halbfette 
Viertelpetitlinie haben will; wer nicht ganz sorg¬ 
fältig dabei verfährt, kann sicher sein, daß die neue 
Lieferung mit dem älteren Bestände nicht überein¬ 
stimmt. Es wäre wirklich zeitgemäß, daß über eine 
einfache und praktische Abstufung Klarheit geschaffen 
wird. Die typographischen Gesellschaften haben 
sich im Laufe dieses Jahres mit der Frage beschäf¬ 
tigt, und das Ergebnis war eine Einigung auf folgende 
Abstufung: 

feine Viertelpetitlinie . . . y 5 Punkt Bildstärke 

stumpffeine Viertelpetitlinie . */ a „ „ 

halbfette Viertelpetitlinie . . 1 „ „ 

dreiviertelfette Viertelpetitlinie IV 2 » » 

fette Viertelpetitlinie.... 2 „ „ 

Die ersten drei Bildstärken gelten auch für die feine, 
halbfette und fette Achtelpetitlinie. Diese Sache 
erscheint so außerordentlich einfach und selbstver- 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


ständlich, daß man meinen sollte, es bedürfe nur der 
allgemeinen Zustimmung, um sie zum Abschluß zu 
bringen. Selbst die Stärke der feinen Linie kann gar 
nicht mehr anders gewählt werden, denn sie wurde 
ja vor dreieinhalb Jahren bereits von den ersten 
Fachleuten der Buchdrucker und Schriftgießer bei 
Beratung der Normal-Schriftlinie beraten und fest¬ 
gelegt. Das Normal-Schriftliniensystem beruht auf 
der Vs Funkt starken feinen Viertelpetit-Messing¬ 
linie, und die Mehrheit der typographischen Gesell¬ 
schaften ist trotz des entgegenstehenden Vorschlages 
der Berliner Gesellschaft, der y l0 Punkt dafür fest¬ 
setzen wollte, auch darauf zurückgekommen. Der 
erwähnte Vorschlag ist aber auch insofern unver¬ 
ständlich, als eine nur ] /i 0 Punkt starke Linie schon 
aus rein praktischen Gründen und ganz abgesehen 
von jenem älteren Beschluß durchaus nicht emp¬ 
fehlenswert ist, denn sie ist so scharf, daß von einem 
„Bilde" kaum noch die Rede sein kann. Die punk¬ 
tierte Linie muß selbstverständlich aus der feinen 
Linie herausgehen, und wenn der Abstand der Punkte 
von Mitte zu Mitte genau auf zwei Punkte bemessen 
wird, so hat man ein in jeder Hinsicht praktisches 
und leicht nachzuprüfendes Muster gefunden. Die 
Spurweite der doppelfeinen Viertelpetitlinie wird 
am einfachsten gefunden, wenn man eine feine 
Viertelpetit- mit einer feinen Achtelpetitlinie zusam¬ 
mensetzt und dies Bild aufViertelpetitkegel schneidet. 

— Die Vereinigung der Schriftgießereibesitzer 
Deutschlands hat sich in seiner letzten Versammlung 
mit der Sache befaßt und — eine Kommission ge¬ 
wählt, die die Frage prüfen soll. Die Buchdrucker, die 
schon am Ziel zu sein glaubten, mögen sich also noch 
etwas in Geduld fassen. Nur keine Überstürzung! 

Unter den Erfindungen für die Schriftgießerei kann 
man zwei Arten unterscheiden: die erste will das 
Gewerbe durch Verbesserungen fördern, die andre 
will ihm das Leben schwer machen, indem sie ver¬ 
sucht, ihm das Wasser abzugraben. Von einigen Er¬ 
findungen der ersteren Art habe ich im vorigen Jahre 
berichtet, und auch eine Erfindung der andern Art 
konnte ich erwähnen. Über die letztere, Thompsons 
Typecaster , die Gießmaschine für den Buchdrucker, 
mit welcher dieser aus Linotype-Matrizen seine 
Typen selbst gießen „kann", und zwar gleich von 
Nonpareille bis vier Cicero auf einer und derselben 
Maschine, tauchen von Zeit zu Zeit immer wieder 
Nachrichten in unsern Fachblättern auf. Es soll 
tatsächlich die Absicht bestehen, diese Maschine bei 
uns anzubieten. Der Schreiber dieser Zeilen hatte 
Gelegenheit, Erzeugnisse des Typecasters zu sehen, 
und er muß gestehen, daß ihm Typen von solch trau¬ 
riger Gestalt früher noch nicht vor Augen gekom¬ 
men sind. 

In letzter Zeit werden Mitteilungen über eine dem 
Typecaster der Bestimmung nach ähnliche Maschine 

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in die Fachpresse gebracht. Diese Maschine nennt 
sich nach ihrem Erfinder, einem in London lebenden 
Indier namens Bhisey, Bhisotype. Da nun die Lei¬ 
stung bei einer neuen Maschine immer die Haupt¬ 
sache ist, so will ich gleich voraus bemerken, daß 
der Erfinder behauptet, seine Maschine würde in 
einer Minute bei 40 Umdrehungen 2400 fix und 
fertige Buchstaben gießen, während die heute ge¬ 
bräuchliche Komplett-Gießmaschine laut Angabe des¬ 
selben Erfinders nur 60 bis 80 Typen in der Minute 
gießt. Wenn man nun hinzunimmt, daß sich der im 
Besitz der Bhisotype befindliche Buchdrucker die 
2400 Typen in der Minute selbst gießen kann, so liegt 
es klar auf der Hand, daß den Schriftgießereien jetzt 
das letzte Stündlein bald geschlagen hat. Es bleibt 
nur noch die Frage, was mit den vielen Typen ge¬ 
macht werden soll, wenn sich jede Buchdruckerei 
auch nur eine Bhisotype zulegt. Nach meiner Schät¬ 
zung würde etwa ein Dutzend Bhisotypen so viel 
Schrift hervorbringen wie jetzt sämtliche deutsche 
Schriftgießereien zusammen zu gießen imstande sind. 
Diese großartige Leistung bringt die Bhisotype „ganz 
einfach“ dadurch zuwege, daß sie mit zwei Formen 
zugleich aus je 30 Matrizen bei jeder Umdrehung 
60 Typen gießt, und das macht bei 40 Umdrehungen 
in der Minute genau 2400 Typen. Die Stunde hat 
60 Minuten und der Normalarbeitstag acht Stunden: 
2400X60X8=1 152 000 Typen pro Tag. Dabei 
ist die Maschine nicht größer als eine Handgie߬ 
maschine, sie hat auch einige Ähnlichkeit mit dieser, 
nur hat sie statt der bisher üblichen einen Matrize 
deren 60 im Betrieb: also wieder einmal das Ei des 
Kolumbus. Wer nun weiß, welche Sorgfalt aufge¬ 
wendet werden muß, um auf einer Gießmaschine mit 
einer Matrize dauernd so genaue Typen zu gießen, 
wie sie vom Buchdrucker verlangt werden, der wird 
die Bhisotype sechzigfach bewundern müssen. Mit 
diesem „Erfolge“ ist der Erfinder aber nicht zu¬ 
frieden, denn er baut auch gleich noch eine Setz¬ 
maschine hinzu, deren „Magazin“ mit der Gie߬ 
maschine durch eine Transportkette verbunden ist. 
Eine Gießmaschine kann „auf diese Weise“ acht bis 
zehn Setzmaschinen versorgen, „angenommen, jede 
Setzmaschine leiste 150 bis 200 Buchstaben Satz die 
Minute*. Wenn ich noch bemerke, daß eine eng¬ 
lische Gesellschaft gegründet worden ist, die die 
Maschinen „an den Markt“ bringen will und daß auch 
in Deutschland eine solche Gesellschaft ins Leben 
gerufen werden soll, dann darf ich alles übrige wohl 
getrost späteren Berichten Vorbehalten. 

Die „Erfolge“ des Typecasters haben anscheinend 
der Monotype-Co. Veranlassung zu höherm Streben 
gegeben; es genügt ihr nicht, den Schriftgießern die 
Brotschriften streitig zu machen, sie gießt jetzt außer 
„Bodytype“ auch „Display type, Borders, Spaces and 
Quads* von 5 bis 36 Punkt-Kegel. Leider gebraucht 

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: ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


man zum Gießen verschiedener Schriften außer der 
Maschine und dem Blei auch noch Matrizen, und da 
wird sich das Selbstgießen von größeren Graden 
wohl nur selten lohnen, ganz abgesehen davon, daß 
auch an die Zeichnung der Schriften noch aller¬ 
hand Ansprüche gestellt werden. Den Schriftgießern 


kann es schon recht sein, wenn sich die Gieß-Setz- 
maschinen in solchen unfruchtbaren Experimenten 
verlieren; vielleicht werden gerade dadurch den 
Buchdruckern die Augen geöffnet, damit sie erkennen, 
daß die Schriftgießerei eine Kunst ist, die mehr ver¬ 
langt als „40 Umdrehungen in der Minute*. 


Der Buchdruck im Jahre 1908 

Vom k. k. Regierungsrat GEORG FRITZ, Wien. 


JWSSKlE abflauende Konjunktur im Wirtschafts- 
Jlßivl leben hat auch das Buchgewerbe nicht ver- 
schont, aber glücklicherweise bis jetzt keine 
verheerenden Wirkungen angerichtet. Da mag wohl 
jetzt praktisch die feste Organisation der Buchdrucker 
Deutschlands, welche auf der Tarifgemeinschaft und 
dem Tarifvertrag beruht, ihre Bedeutung erwiesen 
und manche geschäftliche Erschütterung vermieden 
haben. Bei guter Geschäftslage ist eine solche Orga¬ 
nisation nicht von so großer Wichtigkeit, wenn sie 
sich aber in bösen Zeiten als dasjenige erweist, was 
sie sein soll, dann ist sie gewiß eine unschätzbare 
Wohltat für alle. Dies haben auch die österreichi¬ 
schen Buchdruckereibesitzer gewürdigt und eine ähn¬ 
liche Organisation ausgebaut wie ihre Kollegen im 
Deutschen Reiche; freilich vorläufig noch nicht mit 
demselben Erfolg wie diese. Es besteht jedoch kein 
Zweifel, daß auch hier energisches Festhalten am 
Rechten und kraftvolles, zielbewußtes Eingreifen, 
dort wo es nötig ist, zum Ziele führen wird. Gebietet 
doch die bitterste Notwendigkeit diese Einrichtung, 
um den auch hierzulande blühenden Preisunterbie¬ 
tungen einen wirksamen Damm entgegenzustellen. 

Als Teilmittel zu diesem Zwecke erscheint seit 1. Sep¬ 
tember 1908 die Buchdruckerwehr als amtliches 
Organ des Reichsverbandes österreichischer Buch¬ 
druckereibesitzer, herausgegeben vom Schutzver- 
bande der Buchdruckereibesitzer Niederösterreichs. 

Dem Programm dieses Organs entnehmen wir, daß 
dem weiten Gebiete organisatorischer Tätigkeit seine 
besondere Fürsorge gewidmet, eine einige und ge¬ 
einte Prinzipalität und die Besserung der gewerb¬ 
lichen Verhältnisse und die Hebung des Standes 
überhaupt angestrebt werden soll. Dem Minimal¬ 
kundentarif soll jene Ausgestaltung gegeben werden, 
welche den geänderten Verhältnissen Rechnung trägt 
und seine Brauchbarkeit erhöht, sowie auch Stellung 
genommen werden soll gegen die Parasiten und 
Preisdrücker im Buchdruckgewerbe. Auch die Wah¬ 
rung und Förderung des gewerblichen und tariflichen 
Friedens will die Buchdruckerwehr kräftigst unter¬ 
stützen. Die vornehmste Aufgabe des Schutzver¬ 
bandes soll es sein, die gewerblichen Interessen der 
Mitglieder wirksam zu vertreten, die Schleuderkon¬ 
kurrenz und den illegalen Wettbewerb zu bekämpfen, 

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den Mitgliedern gegenseitigen Kundenschutz zu 
sichern, dem Agentenunwesen und unlauteren Zwi¬ 
schenhandel entgegenzutreten und unentgeltliche 
Auskunft in gewerblichen Rechtsangelegenheiten zu 
erteilen. Zur Wahrung der Standesehre ist ein Ehren¬ 
rat eingesetzt, eine Berechnungsstelle soll noch er¬ 
richtet werden. Fürwahr ein umfassendes Programm, 
dessen guter Durchführung im Interesse des Buch¬ 
gewerbes das Beste zu wünschen ist. 

Bleibt doch die Ausgestaltung der inneren Organi¬ 
sation der Buchgewerbetreibenden, welche ihnen 
einen angemessenen Ertrag ihrer Arbeit sichern soll, 
eigentlich noch immer den Fortschritten gegenüber 
zurück, die in der Technik sowohl wie in der Ver¬ 
vollkommnung der ästhetischen Seite unsrer Erzeug¬ 
nisse wahrzunehmen sind. So schreitet z. B. die 
zweckentsprechendere und bessere Herstellung des 
Buches unaufhaltsam vorwärts und das kaufende 
Publikum verlangt gegenwärtig auch von dem einfach¬ 
sten Werke, daß es ein gefälliges Aussehen haben 
muß. Dies macht sich auch auf andern Arbeits¬ 
gebieten bemerkbar. Außerordentlich erfreulich ist 
es daher, daß die Firma Bügen & Co., Hannover, 
die künstlerische Ausstattung von geschäftlichen 
Drucksachen auf ihre Fahne geschrieben hat. 1 Viel¬ 
leicht in keinem Gebiete von Drucksachenherstellung 
wird so viel gesündigt, beziehungsweise so viel Zweck¬ 
widriges hergestellt, wie eben hier, sowohl was Text¬ 
anordnung wie Druckausführung betrifft; freilich 
wohl meist aus dem Grunde, weil gerade bei diesen 
Drucksachen, zumeist als Massenartikel benötigt, die 
Preise derart gedrückt sind, daß jedem schon von 
vornherein die Lust vergeht, idealen Zielen zuzu¬ 
streben. Es muß dieser Firma als entschiedenes Ver¬ 
dienst zugesprochen werden, dieses Arbeitsgebiet in 
sorgfältige Pflege genommen und gezeigt zu haben, 
daß auch bei diesem mit Hilfe kunstverständiger 
Mitarbeiter ästhetisch Schönes und voll Befriedigen¬ 
des geleistet werden kann. Leider besteht allerdings 
erst ein kleiner Kreis von Kunden, dem das Ver¬ 
ständnis beigebracht wurde, daß zu einem Geschäfts¬ 
erfolge auch die Drucksorte gehört und daß diese, 
sei sie auch noch so unscheinbar, sich ebenso gut 


1 Siehe Archiv für Buchgewerbe, Heft 3, 1908. 


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= ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


und tadellos repräsentieren soll, wie etwa der Rei¬ 
sende, den die Firma ausschickt, oder ihre Lokali¬ 
täten und Schaufenster. Es ist aber kein Zweifel, 
daß die Druckanstalten durch hartnäckiges Festhalten 
an dem Prinzipe, nur Gutes und Schönes zu leisten, 
wenn dies auch etwas höher im Preise zu stehen 
kommt, nach und nach eine Erweiterung und Ver¬ 
mehrung von Kunden mit solchen Anschauungen 
herbeizuführen imstande sind: der praktische Kauf¬ 
mann hat nämlich hiefür viel mehr Verständnis als 
man in unsern Kreisen annimmt. 

Wenn man die vielen Erfindungen, Neuerungen und 
Verbesserungen für das Buchgewerbe am Schlüsse 
eines jeden Jahres Revue passieren läßt, wie dies 
einem gewissenhaften Berichterstatter zukommt, 
wenn man die immensen Vorteile derselben einer 
Betrachtung unterzieht, von denen nach der Ansicht 
des Erfinders gerade seine darnach angetan sein soll, 
die bestehende Technik völlig umzustürzen und deren 
Leistung in schier schwindelerregende Höhe zu er¬ 
heben und zu verbilligen, so muß man unwillkürlich 
zu dem Gedanken kommen, daß die Buchgewerbe¬ 
treibenden eigentlich ein furchtbar konservatives 
Völklein sind und es gar nicht verstehen, sich die 
Vorteile der Erfinder zunutze zu machen, und lieber 
den Karren in dem alten Geleise mühsam fort¬ 
schleppen. 

Und doch wie gut tun unsre Kollegen im allge¬ 
meinen daran, sich nicht sofort in jede Erfindung 
hineinzustürzen; manchmal werden sie davon auch 
von dem Berichterstatter abgehalten. Dann aber 
wehe dem! Im Vorjahre hatte ich die Kühnheit, in 
meiner Übersicht einige Zweifel in die praktische 
Verwendbarkeit eines Apparates zu setzen. Flugs 
kam mir von interessierter Seite ein Schreiben in 
das Haus geflattert des Inhalts, daß ich sehr im Un¬ 
recht sei, diesen mir ganz unbekannten Apparat, 
dessen Leistung ich aus eigner Anschauung gar nicht 
kenne, abträglich zu besprechen, setzte der Schrei¬ 
ber nicht eben höflich hinzu. In kurzer Zeit werde 
man mir Gelegenheit geben, mich von der eminenten 
Zeit und Geld sparenden praktischen Verwendbarkeit 
dieser Einrichtung überzeugen zu können und dann 
erwarte man von mir eine umfassende Richtigstellung. 
Entgegenkommend, wie ich nun schon bin, habe ich 
das letztere in höflicherWeise zugesagt, obwohl ich 
selbstverständlich den Apparat und dessen Einrich¬ 
tungen bereits genau kannte; ich bin aber bis heute 
noch nicht in die Lage versetzt worden, dies tun zu 
können. Der Satzbeschleunigungsapparat Citotype 
hat bis jetzt keinen Eingang in die Buchdruckereien 
finden können, leider zum Nachteil des Erfinders, 
jedenfalls aber nicht zu dem der Buchdrucker. 

Vor einigen Monaten wurde in Tagesblättern unter 
dem Titel „Eine epochale Erfindung auf dem Gebiete 
der Buchdruckerkunst* eine neue Setzmaschine an¬ 


gekündigt, welche das Nonplusultra aller schon be¬ 
stehenden derartigen Apparate wäre. Der Erfinder 
derselben ist Herr A. Gentzsch in Pernitz-Mucken¬ 
dorf, Niederösterreich. Bis jetzt sind erst die Pa¬ 
tente in den verschiedenen Ländern angemeldet und 
obwohl in der nachfolgenden Beschreibung der Ma¬ 
schine durch den Erfinder noch Verschiedenes nicht 
ganz klar ist, will ich doch dieselbe hierhersetzen. 
Der Erfinder sagt, daß seine Maschine in einer eigen¬ 
artig konstruierten Schreibmaschine bestehe, welche 
mit solchen Einrichtungen versehen ist, um die für 
die Stereotypie notwendige Matrize ohne jeden Hand- 
und Maschinensatz herzustellen. Mit dieser Maschine 
ist es möglich, beliebige Schriften anzuwenden ohne 
umständliche Manipulationen vornehmen zu müssen. 
Die Maschinen enthalten 10—50 und mehr Schrift¬ 
arten, ohne dadurch eine nennenswerte Vergröße¬ 
rung zu erfahren. Durch die Anordnung einer größeren 
Tastatur ist vorgesorgt, die am häufigsten vorkom¬ 
menden Silben und Endungen mit einem Druck her- 
stellen zu können, so daß die Leistungsfähigkeit eines 
Arbeiters auf 50000 bis 60000 Buchstaben in der 
Stunde steigt. Klischees werden in eine Matrize ein¬ 
gepreßt und der Arbeiter kann nun ringsherum ohne 
irgendwelche Beschränkung den Text anbringen. Die 
von diesen Matrizen hergestellten Klischees zeigen 
eine Reinheit und Schärfe, wie dies von keinem wie 
immer hergestellten Satze durch Abklatsche geschaf¬ 
fen werden kann. Man sieht, die Leistungsfähigkeit 
dieser Universal-Setz- beziehungsweise -Matrizen¬ 
schlagmaschine geht sehr weit, vielleicht um vieles 
weiter als es die Notwendigkeit erfordert. Vorläufig 
ist über Einzelheiten dieser Maschine nichts in Er¬ 
fahrung zu bringen; der Erfinder versprach jedoch 
sofort ausführliche Mitteilung, sobald die Patente er¬ 
teilt sind. Hoffentlich wird dies recht bald geschehen 
und wir erleben keine Enttäuschung. 

Eine neue Zeilengießmaschine soll von dem 
Herausgeber des evangelischen Sonntagsblattes, 
Pr.O.Koske in Erfurt erfunden worden sein. Diese 
Maschine soll sich zunächst durch Einfachheit, Viel¬ 
seitigkeit und billigen Preis auszeichnen und die 
bekannten derartigen Maschinen weit übertreffen. 
Das wesentliche an dieser Maschine soll sein, daß 
jede der Matrizen sechs Schriftbilder in verschie¬ 
denen Schriftarten enthält und die Herstellung 
jeder Art von Satz mit weit größerem Vorteil als mit 
jeder der bekannten Setzmaschinensysteme erfolgen 
kann. 

Das stete Bestreben der Fachkreise, die Setzgie߬ 
maschine ihrer praktischen Vorteile wegen den 
Zeilengießmaschinen gegenüber zu bevorzugen, wo¬ 
von sehr deutlich die schnelle Ausbreitung der Mono¬ 
type spricht, hat eine Erfindung auf diesem Gebiete 
hervorgerufen, welche uns wert zu sein scheint, hier 
besprochen zu werden. 


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Der Erfinder dieser Maschine, bzw. Maschinen, 
ist ein Indier, der Professor S.A.Bhisey, und der 
Name dieser Maschine Bhishotype. Dieselbe arbeitet 
gegenwärtig in den Northhampton Works, Illigston, 
London N. Diese Einrichtung ist insofern sehr inter¬ 
essant, weil bei derselben von ganz neuen Gesichts¬ 
punkten ausgegangen wird. Die Grundlage bildet ein 
Gießapparat von fabelhafter Leistungsfähigkeit; es 
werden nämlich 30 Typen in den ihnen zukommenden 
Gießformen auf einmal gegossen, mit einem doppelten 
Gießformblock können sogar bis zu 60 Typen auf 
einmal gegossen werden, so daß die stündliche Lei¬ 
stung zu ungefähr 144000 vollkommen satzfähigen 
Typen gebracht werden kann. Die auf einmal zu 
gießenden Typen können entweder gleichen oder ver¬ 
schiedenen Bildes sein. Sowohl die Gießformen wie 
die Matrizen sind ohne nennenswerten Zeitverlust 
auswechselbar. Bhisey hat auch eine höchst einfache 
Typensetzmaschine erfunden, welche, eigentlich meh¬ 
rere auf einmal, mit der Gießmaschine in Verbindung 
gebracht werden können. Die von der Gießmaschine 
hergestellten Typen werden durch eine endlose Trag¬ 
kette einer Reihe von Setzmaschinen — für zehn 
Setzmaschinen soll die Leistung einer Gießmaschine 
genügen — zugeführt und dort in die für die einzel¬ 
nen Typen bestimmten Kanäle in der Anzahl von 90 
automatisch abgegeben, und zwar derart, daß stets 
ein genügender Vorrat von Typen sich in den Ka¬ 
nälen befindet. Das Setzen erfolgt durch Anschlag 
von Tasten. Ausschließen der gesetzten Zeilen ge¬ 
schieht vorläufig noch von Hand, man ist aber daran, 
auch dies automatisch zu bewerkstelligen. Es läßt 
sich nicht leugnen, daß hier eine Erfindung vorliegt, 
welche einen gesunden Kern hat. Ganz besonders 
ist die Einfachheit der ganzen Einrichtung hervorzu¬ 
heben und der Preis für dieselbe soll nur einen Bruch¬ 
teil von dem betragen, was derartige Einrichtungen 
von bestehenden Maschinen kosten. Bei allen Vor¬ 
teilen, die diese Erfindung für glatten Satz zu bieten 
scheint, bleibt allerdings noch die Möglichkeit der 
Herstellung gemischten Satzes fragwürdig und es sei 
hier nochmals auf die Stringertype hingewiesen, 
welche als Einzeltypen-Setz-Gießmaschine mit der 
Bedienung von nur einem Setzer eine ziemlich hohe 
Leistung von einfachem glatten Satz aufwies und bis 
jetzt nicht breiteren Eingang finden konnte. 

Aus den allgemeinen Bemühungen der Fabrikanten, 
bestehende Setzapparate mit wenigstens einer Aus¬ 
zeichnungsschrift auszustatten, geht ja klar hervor, 
daß ein starkes Bedürfnis hiefür vorhanden ist. So 
hat sich vor Jahren die Linotype mit ihrer Zweibuch¬ 
stabenmatrize vervollkommnet und vor kurzer Zeit 
noch dazu das Doppelmagazin eingeführt, so daß 
eigentlich vier Schriftgattungen ohne großen Zeit¬ 
aufwand zur Verwendung gebracht werden können, 
und so wurde auch an dem Typograph die Zwei¬ 


buchstabenmatrize eingerichtet, da ohne eine ver¬ 
fügbare Auszeichnungsschrift eine Maschine, wel¬ 
chen Systems immer, nur eine beschränkte Verwen¬ 
dung finden kann. 

Das drahtlose Fernsetzen hat durch die Erfindung 
des Dänen Hans Kundsen wieder an Bedeutung ge¬ 
wonnen. Wie englische Fachblätter und auch private 
Nachrichten verkünden, soll das Experiment des Er¬ 
finders im Hotel Cecil in London vollkommen ge¬ 
lungen sein. Weitere Versuche müssen allerdings 
erst beweisen, ob auch auf größere Entfernungen ein 
absolut gutes Funktionieren, auf das es doch vor 
allem ankommt, erreichbar ist. 

An hervorragenden Neuschaffungen von Druck¬ 
maschinen hat das abgelaufene Jahr nichts gebracht, 
wenn man von namhaften Verbesserungen an ältern 
Typen, besonders von Tiegeldruckpressen, welche 
von mehreren deutschen Fabriken in geradezu aus¬ 
gezeichneter Weise gebaut werden, absieht. Dabei 
muß man auch absehen von dem Bau der Rotations¬ 
maschinen, welche selbstredend stets und überall 
den betreffenden Erfordernissen angepaßt werden 
müssen und die Maschinenfabrikanten stets vor neue 
Aufgaben stellen. Vielleicht ist es nicht uninteres¬ 
sant hier zu erwähnen, daß vor einiger Zeit eine 
Doppelrotationsmaschine in Gang gesetzt wurde, 
welche von zwei Rollen druckend auf einer Seite 
feststehendes Format hat und auf dieser eine täglich 
erscheinende Zeitung gedruckt wird, während die 
andre Seite für wechselnde Formate, fürFormularien- 
und Werkdruck eingerichtet ist. Jede Seite der Ma¬ 
schine kann mit beliebiger Geschwindigkeit laufen, 
sowie auch die Einrichtung getroffen ist, auf einer 
Seite drucken zu können, während auf der andern 
Seite zugerichtet wird. Die Maschine arbeitet zu¬ 
friedenstellend. 

Den Bau der gegenwärtig beliebtesten und auch 
für kleinere Auflagen quantitativ und qualitativ 
leistungsfähigsten Zweitourenmaschine haben nahezu 
alle größeren deutschen Maschinenfabriken schon 
seit längerer Zeit aufgenommen und haben es mit 
Anpassung an die hier obwaltenden Verhältnisse 
zu einer hohen Vollkommenheit im Baue dieser 
Maschinen gebracht, so daß kaum mehr zwin¬ 
gende Gründe vorliegen, das Geld ins Ausland zu 
schicken. 

Bis vor kurzer Zeit gehörte der mechanische Kupfer¬ 
druck in Deutschland noch zu den Seltenheiten und 
beschränkte sich vornehmlich und da nur teilweise 
auf die Herstellung von Wertzeichen, während schon 
vor ungefähr zehn Jahren in England ein Reproduk¬ 
tionsverfahren von eigentümlichem Reiz, der Helio¬ 
gravüre ähnlich, von Karl Klic auftauchte, das, auf 
mechanischem Tiefdruck beruhend, der Lösung der 
Aufgabe zustrebte, künstlerisch wirkenden Tiefdruck 
billiger, bequemer und schneller herzustellen. In den 


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Äußerlichkeiten ist dieser mechanische Tiefdruck von 
der mittels der Handpresse gedruckten Heliogravüre 
zwar abweichend, die Gesamtwirkung jedoch ist eine 
solche, welche den Fachmann und Kunstverständigen 
vollauf befriedigen kann, so daß kein Grund vorliegt, 
einem Handpressendruck den Vorzug zu geben. Bis 
jetzt wird das Verfahren noch immer geheim gehalten 
und wird nur von einer kleinen Anzahl Reproduktions¬ 
anstalten ausgeübt, bei allgemeiner Bekanntwerdung 
desselben ist jedoch die Befürchtung der interessierten 
Kreise nicht unberechtigt, daß zunächst die Helio¬ 
gravüre und der Lichtdruck zu schaden kommen wer¬ 
den; es ist aber auch nicht ausgeschlossen, daß diese 
Erzeugnisse häufig an Stelle von ein- und mehrfarbig 
gedruckten Buchillustrationen treten können. Die vor¬ 
nehme und bei guten Erzeugnissen künstlerische 
Wirkung, welche sie hervorrufen, eignet sie in hohem 
Maße hierzu. Dazu kommt noch, daß dieses Ver¬ 
fahren, mit der Allgemeinbezeichnung Rasterhelio¬ 
gravüre, im speziellen mit dem Namen Rembrandt- 
Heliogravüre, Mezzotintogravüre, Intagliodruck, He- 
liotint oder einfach auch nur Gravüre benannt, ganz 
danach eingerichtet ist, eine ziemlich weitgehende 
Massenerzeugung bei rascher Herstellung und ver¬ 
hältnismäßig billigem Preise zu ermöglichen. Dieses 
Druckverfahren beruht auf dem Prinzipe des Rota¬ 
tionsdruckes, und es können in einer Stunde etwa 
2000Abdrücke erzeugt werden. In jedem Falle ist das 
Verfahren bereits so weit ausgebildet und hat eine 
solche Verbreitung erlangt, daß dessen Weiterent¬ 
wicklung mit größtem Interesse von den Fachkreisen 
verfolgt zu werden verdient. Es scheint sogar, daß 
man die Gefahr, welche auch dem Buchdrucker durch 
dasselbe droht, bereits eingesehen hat, darauf weist 
die in letzter Zeit erfolgte ganz bedeutende Verbesse¬ 
rung des Autotypiedruckes durch Einführung des 
Mattkunstdruckpapiers hin. Endlich ist man auch in 
weiteren Kreisen des gräßlichen Glanzpapiers müde 
geworden, daß auf ihm gedruckte Bilder nur in einem 
bestimmten engbegrenzten Lichteinfallwinkel be¬ 
schauen läßt und selbst bei besten Erzeugnissen von 
geringer künstlerischer Wirkung ist. Die an und 
für sich sehr gute Wirkung der Drucke auf mattem 
Kunstdruckpapier läßt sich noch bedeutend steigern 
durch Anwendung von guten matten Druckfarben, 
in weiterer Linie mit einem Tonunterdruck. Wird 
bei solchen Doppeldrucken eine sorgfältige Wahl 
getroffen bezüglich des Papier- und Farbentones, 
so kann sicherlich eine vorzügliche feine, vor¬ 
nehme künstlerische Wirkung auch mit Autotypie¬ 
druck erreicht werden. Sache unsrer Papierfabri¬ 
kanten ist es, verschiedene kleinere Anstände, wel¬ 
che sich bei der Verarbeitung dieser Papiere noch 
ergeben, recht rasch und gründlich zu beseitigen. 
An und für sich bedeuten diese Papiere einen Fort¬ 
schritt. 


Auf dem Gebiete der Schwarz-Reproduktionstech¬ 
nik, wenn man nicht die unzähligen Blenden- und 
Rasterkombinationen, welche jedes Jahr wieder für 
Autotypieherstellung auftreten, anführen will, hat 
sich auffallend Neues nicht zugetragen, doch ist eine 
starke Bewegung dahingehend bemerkbar, der Her¬ 
stellung gewerblicher und industrieller Abbildungen 
mehr Sorgfalt angedeihen zu lassen. Durch sach¬ 
gemäße Retusche der Originale und gute Ätzung 
haben es bereits einige Anstalten dahin gebracht, 
Abbildungen der verschiedensten Gegenstände für 
Reklamedrucksachen in einer so vollendeten Aus¬ 
führung in Autotypie herzustellen, daß die¬ 
selbe kaum mehr übertroffen werden kann. Die 
schwierigsten Abbildungen sind ja bekanntlich die 
der Maschinen in Autotypie, wo jedes Schräubchen, 
Hebelchen und Nietchen zur genauen Darstellung 
gelangen muß, wenn die Abbildung zweckentspre¬ 
chend sein soll. 

Die Bestrebungen, ein gutes Kornverfahren anstatt 
des Linienrasters zu verwenden, dauern an und wenn 
diesbezüglich teilweise schon recht gute Ergebnisse 
auch in drucktechnischer Hinsicht vorliegen, so 
scheint uns die Frage doch noch nicht vollkommen 
gelöst zu sein. 

Der Dreifarbendruck entwickelt sich seiner Wich¬ 
tigkeit für Buchausstattung entsprechend immer mehr 
und man darf wohl auch sagen künstlerisch langsam 
höher. Eine starke Bewegung unter den Farbenrepro¬ 
duktionstechnikern hat die Frage der Verwendbarkeit 
der Lumifcreschen Autochromplatten hervorgerufen 
und es ist mit Befriedigung festzustellen, daß die 
einschlägigen Anstalten die Angelegenheit einerseits 
mit Sachkenntnis, anderseits mit großem Interesse 
und wohl hie und da auch mit nennenswerten Opfern 
verfolgt haben, sowie auch angeführt werden muß, 
daß einzelne außerordentlich gute Ergebnisse bereits 
vorliegen. Mit der Möglichkeit der allgemeinen Ver¬ 
wendbarkeit der Autochromplatte ohne allzu große 
Schwierigkeit zu guten Dreifarben-Reproduktionen 
würde sich unstreitig eine Reihe von Erleichterungen 
sowohl bei der photographischen Aufnahme wie bei 
der Plattenherstellung und Retusche der Teilplatten 
ergeben, sowie auch ohne Zweifel das Gebiet des 
Dreifarbendruckes mit der Möglichkeit, eine natur- 
wahre photographische Aufnahme als Grundlage be¬ 
nutzen zu können, bedeutend erweitert werden würde. 
Zu einer bestimmten Lösung konnte diese wichtige 
Frage noch nicht gebracht werden, die Meinungen der 
betreffenden maßgebenden Personen gehen noch weit 
auseinander; es ist aber kaum ein Zweifel mehr, daß 
der Autochrom- oder einer andern auf ungefähr glei¬ 
chem Prinzipe beruhenden photographischen Farben¬ 
platte eine große Rolle in der Dreifarbentechnik 
zufallen wird, sobald die ersten Schwierigkeiten über¬ 
wunden sind. In letzterer Zeit befaßt man sich auch 


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-in Deutschland mit der Herstellung einer derLumiöre- 
schen Autochromplatte ähnlichen Farbenrasterplatte, 
welche verschiedene Schwächen der ersteren nicht 
mehr enthalten soll. 

Recht beachtenswerte Erfolge hat auch die Stein¬ 
drucktechnik im Dreifarbendruck aufzuweisen. Das 
jahrelange Experimentieren war auch hier nicht um¬ 
sonst und wenn die vorliegenden Erstlingserzeugnisse 
auch noch nicht jene harmonische Farbengliederung 
aufweisen und ihnen noch jener künstlerische Hauch 
fehlt, der den guten Dreifarbenbuchdruck gegenwärtig 
auszeichnet, so darf dabei nicht vergessen werden, 
daß es sich eben noch um die ersten Erzeugnisse 
handelt, welche nach Überwindung von unsäglichen 
technischen Schwierigkeiten zustande gekommen 
sind. Und noch bleiben bedeutende technische 
Schwierigkeiten zu überwinden. Die direkte Kopie¬ 
rung der Teilnegative auf Stein ist gewiß darnach an¬ 
getan, einen guten Passer zu gewährleisten, auch die 
unbedingt notwendige Retusche der Farbenteilplatten 
am Stein wird in richtiger Weise bewerkstelligt wer¬ 
den können; es bleibt aber ein Umstand, welcher 
den Dreifarbensteindruck stets erschweren wird und 
das ist der Umdruck der Originalplatten auf die Druck¬ 
steine. Hier treten zwei Momente hervor, denen 
stets die größte Sorgfalt zugewendet werden muß: 
der absoluten Übereinstimmung des Umdruckes mit 
der Originalplatte bezüglich der Tonwirkung und be¬ 
züglich der Größe. Daß hierbei die Schwierigkeiten 
zur Größe des Bildformates in quadratischem Ver¬ 
hältnisse steigen, ist ja bekannt. Die Herstellung 
von Dreifarbendrucken auf der Steindruckschnell¬ 
presse wird auch stets wegen der Feuchtung des 
Steines oder der Druckplatte das Registerhalten nicht 
unwesentlich erschweren, was beim Buchdruck zum 
größten Teile wegfällt, aber man höre die Klagen des 
Buchdruckers überTemperatur- und Luftfeuchtigkeits¬ 
veränderungen der Arbeitsräume und man wird die 
Schwierigkeiten für Steindruck ermessen können. 
Jedenfalls darf man seiner Freude Ausdruck geben, 
daß die Sache bereits so weit gediehen ist und sollen 
unsre Worte keineswegs entmutigen, sondern an¬ 
spornen. Wir verzeichnen auch mit Genugtuung die 
noch etwas spärlichen Vorboten aus der wissenschaft¬ 
lichen Werkstätte unsers großen Meisters in den 
photomechanischen Reproduktionsverfahren, des 
Dr. E.Albert in München, daß durch ein von ihm 
in Ausarbeitung befindliches photolithographisches 
Verfahren der lithographischen Technik ein Mittel 
zugeführt werden soll, mit dem es in sieghaftem 
Wettbewerb mit dem so groß gewordenen Farben¬ 
buchdruck wird treten können. 

Die Fernphotographie ist wissenschaftlich bereits 
so weit ausgearbeitet, daß deren praktische Benütz¬ 
barkeit für gegebene Fälle außer Frage steht. Da 
auch diese Spezies von Wissenschaft die Drucker¬ 


presse zur Verbreitung ihrer Produkte nötig hat, so 
eröffnet sich mit der Ausbildung derselben die Aus¬ 
sicht, wenn auch nicht wesentlich, unser Arbeits¬ 
gebiet zu erweitern. 

Die Ansicht in gesetzgeberischen Kreisen, daß 
„der Tüchtigkeit im gewerblichen, kaufmännischen 
und landwirtschaftlichen Berufe gleiche Achtung ge¬ 
bühre wie der Tüchtigkeit in den gelehrten Berufen“, 
sowie die Erkenntnis, daß vielfach durch die ge¬ 
währten Berechtigungen der Mittelschulen diese tat¬ 
sächlich überfüllt und hierdurch viele intelligente 
Elemente den eigentlich produktiven Ständen, auf 
welchen zum großen Teile die politische und wirt¬ 
schaftliche Stellung des Staates beruht, entzogen 
werden, hat bereits teilweise zu einer umfassenden 
Reform des fachlichen Lehrlings-Unterrichtswesens 
geführt, welche Reform zwar augenblicklich noch in 
Durchführung begriffen ist, jedoch bereits beginnt, 
gute Früchte hervorzubringen. 

Mit dieser Reform hat auch bereits das Lehrlings¬ 
unterrichtswesen für das Buchgewerbe im abgelau¬ 
fenen Jahre einen starken Ruck nach vorwärts er¬ 
fahren. Obenan steht gegenwärtig ohne Zweifel 
München, was Ausgestaltung des Unterrichts auf 
breiter Basis betrifft. Die Umwandlung des ehemals 
theoretischen Unterrichts in einen solchen, bei dem 
unter möglichster Betonung die praktische Arbeit 
zur Geltung gebracht wird, ist in München bereits 
durchgeführt. Wenn vielleicht auch hie und da noch 
etwas vervollkommnet werden kann, so muß doch 
ohne weiteres zugegeben werden, daß speziell die 
Fachschulen für das Buchgewerbe im großen und 
ganzen in München mustergültig eingerichtet sind. 
Für das Buchdruckgewerbe kommt dies zum Aus¬ 
drucke in dem am Schlüsse des Schuljahres 1907 
bis 1908 ausgegebenen, umfangreichen Hefte mit 
Schülerarbeiten in Satz und Druck, welche durchaus 
sehr fachgemäß mit vielem Geschmack und sauber 
hergestellt sind. Auch die in Wien im ersten Jahre 
bestehende Lehrdruckerei, ein Zweig der Gremial- 
schule für Buchdrucker und Schriftsetzer Wiens, hat 
sich recht gut bewährt. Auch diese Lehranstalt hat 
eine Mappe mit Schülerarbeiten von im gewöhnlichen 
Betriebe vorkommenden Drucksorten in netter und 
sauberer Ausführung herausgegeben, denen man die 
Anerkennung nicht versagen kann. Gerade durch 
das Herausgreifen von praktischen Arbeiten aus dem 
laufenden Verkehr erfüllen solche Anstalten ihre 
Aufgabe in richtiger Weise, sie sollen lediglich nur 
die Lehrlinge dahin führen, für die korrekte und ge¬ 
schmackvolle Ausführung solcher dem Tagesbedürf¬ 
nisse dienenden Drucksorten ein richtiges Ver¬ 
ständnis beizubringen, die Herstellung einzelner Pa¬ 
radestücke, die doch nur mit starker Beihilfe oder 
manchmal gänzlich nur durch die Lehrkräfte zustande 
kommen, ist ganz zwecklos. 


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Allenthalben entstehen weitere Fachschulen für 
Buchgewerbetreibende, auch die Handwerkerkurse 
und Wandervorträge für kleinere Provinzorte mehren 
sich und tragen ihr gutes Teil zur Vervollkommnung 
und zum Verständnis der Techniken des Buchge¬ 
werbes bei. Diese Anstalten verfolgen lediglich den 
Zweck, ihre Angehörigen in technischer Hinsicht 
theoretisch und so weit dies möglich auch praktisch 
auszubilden und so mindestens eine große Anzahl 
von tüchtigen Technikern heranzubilden. 

Von andern Gesichtspunkten geht die Leitung der 
technischen Kurse in der Königlichen Akademie für 
graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig aus 
und trägt auf ihre Weise enorm viel bei zur künst¬ 
lerischen Ausgestaltung des Buchgewerbes. Die 


Hauptbetonung wird hier auf Zeichnen und Malen 
nach Natur und Kunstwerken für die graphischen 
und buchgewerblichen Techniken gelegt. Der Grund¬ 
satz jedoch, von dem hier ausgegangen wird und in 
dem das Programm der Lehranstalt enthalten ist, daß 
alle Entwicklungsstufen eines Werkes die Möglich¬ 
keit bieten, die vom Erfinder gesehene Form zu för¬ 
dern oder zu verderben, und deswegen die Bildner 
in der Kunst, im Kunstgewerbe und in der Kunst¬ 
industrie sämtliche Prozesse der Werkerschaffung 
(also Technik) genau kennen, noch besser aber aus¬ 
üben können sollen, scheint uns ein außergewöhnlich 
geistvoller und nützlicher zu sein K 


1 Archiv für Buchgewerbe, Hefte 4, 5, 7, 9. 1908. 


Lithographie und Steindruck im Jahre 1908 . 

Von ERNST BORNEMANN, Fachlehrer für Lithographie an der Kunstgewerbeschule, Barmen. 


AS Jahr neigt sich zu Ende, auf industriellen 
Gebieten arbeitsamer Tätigkeit voll. Auch 
das Steindruckgewerbe zeigte reges Schaffen, 
und im allgemeinen kann mit Befriedigung auf das 
Jahr 1908 zurückgeblickt werden. Der Zusammen¬ 
schluß des Schutzverbandes und des Vereins der 
Steindruckereibesitzer darf mit den Erstlingserfolgen 
zufrieden sein, so daß zu erwarten ist, diese Ver¬ 
einigung werde stets segensreich für die gemein¬ 
schaftlichen Interessen des Berufes wirken. Auf dem 
beschrittenen Wege kann es nicht fehlen, daß die 
Allgemeinheit der Berufsangehörigen Nutzen daraus 
findet. 

Wenn wir auf das verflossene Jahr zurückschauen, 
so zeigt sich, daß epochemachende Neuerungen und 
Neuerscheinungen nicht zu verzeichnen sind. Es 
herrschte jedoch überall, auch in den verschiedensten 
Zweigen der Lithographie und des Steindrucks das 
Bestreben, Verbesserungen zu schaffen. In der Er- 
füllungder Forderungen nach künstlerischem Schaffen 
schreitet Deutschland allen Nachbarländern mit em¬ 
sigem Fleiß voran. Die Photographie bzw. die Photo¬ 
chemie wird mehr und mehr eine nicht genug zu 
schätzende treue Gehilfin der lithographischen Ver¬ 
fahren, so daß aus dieser Verbindung in der Zukunft 
noch segensreiche Vervollkommnungen hervorgehen 
werden, zumal jetzt schon die Photolithographie und 
das Autochrom eine immer größere Verwendung 
im Steindruck finden. 

Bedeutende maschinelle Neuerungen auf dem Ge¬ 
biete der Lithographie und des Steindrucks hat das 
zu Ende gehende Jahr nicht gebracht, obwohl stän¬ 
dig an dessen großmöglichster Ergiebigkeit gearbeitet 
wird. Die Verwendung des Zinks und der Stein¬ 
schichtplatten als Ersatz der Lithographiesteine hat 
sich auch im Berichtsjahr bewährt. Die Verarbeitung 


der sogenannten lithographischen Kornpapiere brachte 
durch die immer häufiger werdende Benutzung der 
Naturpapiere, welche von Lithographen selbst für 
Kreidezeichnungen präpariert werden, eine beträcht¬ 
liche Einbuße, wozu nicht wenig sowohl die Spritz-, 
als auch die Tangiermanier beigetragen haben. Die 
Steinradierung findet leider verhältnismäßig wenig 
Anhänger, obwohl verschiedentlich vorzügliche Bei¬ 
spiele Vorgelegen haben. Es scheint die weitere 
Verbreitungsich langsam anzubahnen. Einige Farben¬ 
fabriken haben mit Erfolg die bisher im Handel ge¬ 
wesenen allerdings noch wenig eingeführten Bronze¬ 
farben verbessert. 

Im großen ganzen läßt sich mit Freuden fest¬ 
stellen, daß auf den verschiedensten Gebieten der 
Lithographie und des Steindrucks alle Anzeichen 
zu erfreulichen Fortschritten vorhanden sind, jedoch 
bleibt ein dringender Wunsch für die Zukunft aller¬ 
dings der Ruf: bessere Preise, zumal diese qualitativ 
den graphischen Arbeiten nur zum Segen gereichen 
können. 

Die beruflichen und auch die wirtschaftlichen For¬ 
derungen der Neuzeit brachten eine immer ständig 
sich bessernde Fortbildung der Lehrlinge und der 
jungen Gehilfen durch Einrichtung geeigneter Fach¬ 
klassen an den verschiedenen Schulen. Das Streben 
geht auch hier darauf aus, die Lehre zu unterstützen 
durch künstlerisch- bzw. kunsthandwerklich-tech¬ 
nischen und zeichnerischen Abendunterricht an den 
Handwerker- und Kunstgewerbeschulen, sowie zur 
Erweiterung der in der Lehre erworbenen Kenntnisse 
durch Spezialfachschulen für Lithographie mit dazu 
gehörenden Werkstätten für Steindruck und Photo¬ 
chemie. Auch der mancherorts eingeführte Fach¬ 
unterricht an den obligatorischen gewerblichen Fort¬ 
bildungsschulen ist ein wichtiges Fortbildungsmittel. 

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Auf den diesjährigen Ausstellungen in München 
und in London legten einige Kunstgewerbeschulen 
z. B. Barmen, Magdeburg, Hamburg, München usw. 
ein beredtes Zeugnis ihres Schaffens ab, bei dem 
das Bestreben erkannt werden konnte, in engster 
Fühlung mit der Praxis die Bedürfnisse der täglichen 
Arbeit ins Bereich der Lehrtätigkeit zu ziehen. Die 
Barmer Schule war insbesondere mit einer großen An¬ 
zahl lithographischer praktischer Arbeiten vertreten. 

Ein reges Mühen, ein Nimmerrasten, das war ein 
erfreuliches Wahrzeichen dieses Jahres, in dem sich 
75 Jahre vollendeten, seitdem der Erfinder der Litho¬ 
graphie, Alois Senefelder, dahingeschieden ist. 

Als ich im vergangenen Jahre der Schriftleitung 
des Archiv für Buchgewerbe meine Bereitwilligkeit 
ausdrückte, auch in diesem Jahre eine Übersicht 
über Erfindungen, Verbesserungen und Fortschritte 
auf dem Gebiete der Lithographie und des Steindrucks 
zu bringen, da tat ich dieses mit einem gewissen Ge¬ 
fühl der Sicherheit, die eingegangene Verpflichtung 
halten zu können. Die vor einiger Zeit erfolgte freund¬ 
liche Erinnerung daran zeigte mir jedoch deutlich, 
daß ich voreilig gehandelt hatte, als ich meine Zu¬ 
sage gab. 

Eine rein ästhetische Betrachtung dürfte kaum 
genügen und käme auch nur teilweise an die richtige 
Adresse. Sollte ein ästhetischer Aufsatz dem litho¬ 
graphischen sowie dem graphischen Kunstgewerbe 
überhaupt nutzbringend sein, so müßte ich mich vor¬ 
nehmlich an die Abnehmer graphischer Erzeugnisse 
wenden, die in den meisten Fällen noch an alten Über¬ 
lieferungen kleben. Am wenigsten vielleicht in 
Deutschland und Österreich. Die eigentliche Absicht 
dieses Aufsatzes ist jedoch, über Neuerungen zu 
berichten. Leider ist dieses nicht so leicht, was 
wohl teilweise den Grund darin hat, daß keine Sam¬ 
melstelle vorhanden ist, an der alles verzeichnet 
wird. Das Buchdruckgewerbe und die damit verbun¬ 
dene Graphik besitzt im Deutschen Buchgewerbe¬ 
verein eine in der ganzen Welt einzig dastehende 
Organisation, in der alle Fäden zusammenlaufen. Ich 


möchte an dieser Stelle den Vorschlag machen, daß 
der Buchgewerbeverein seine Aufgaben erweitert 
und eine besondere Abteilung für Lithographie und 
Steindruck im weitesten Sinne einrichtet *. Es würde 
dadurch ein Mittelpunkt geschaffen, der in der Lage 
wäre, alle Fortschritte auf dem Gebiete Senefelders 
zu sammeln, so daß dann eine Jahresübersicht leicht 
verfaßt werden kann. Ich glaube nun allerdings nicht, 
daß hierin allein der Segen für die Allgemeinheit des 
graphischen Gewerbes ruhen würde, sondern bin 
vielmehr überzeugt, daß eine solche Zentralstelle 
eine viel größere Aufgabe haben und den fachlichen 
Nutzen in der Hebung des lithographischen Gewerbes 
überhaupt bringen müßte. Vielleicht wird sich der 
Verein DeutscherSteindruckereibesitzerbereit finden, 
sich zu dieser Frage zu äußern, um eine gemeinsame 
Sache mit dem Buchgewerbeverein zu schaffen. Aus 
meinen persönlichen Erfahrungen heraus halte ich 
eine Zentralstelle für die allgemeine Förderung der 
lithographischen Gebiete für so dringend notwendig, 
daß ich an sämtliche Berufsgenossen, Fachfabriken 
und Geschäfte den Ruf richte, den Gedanken einer 
ernstlichen Erwägung unterziehen zu wollen. 

1 Der Verfasser befindet sich im Irrtum, wenn er an¬ 
nimmt, daß der Deutsche Buchgewerbeverein nur das 
sammle, was den Buchdruck und die graphische Kunst an¬ 
geht. Nein, derDeutsche Buchgewerbeverein sammeltalles, 
was auf das Buchgewerbe (das sagt schon sein Name) Be¬ 
zug hat. Zu dem Buchgewerbe gehört aber auch Litho¬ 
graphie und Steindruck, ein Gewerbe, das leider den Be¬ 
strebungen des Deutschen Buchgewerbevereins nicht das 
Interesse entgegenbringt, das eigentlich erwartet werden 
dürfte. Wir bringen daher die Anregung des Herrn Borne¬ 
mann recht gern zum Abdruck in der Hoffnung, daß Litho¬ 
graphen und Steindrucker, sowie die für sie arbeitenden 
Gewerbe in Zukunft dem Deutschen Buchgewerbeverein 
Proben von neuen Verfahren, Kataloge über neue Maschi¬ 
nen und Hilfswerkzeuge, sowie Muster von neuen Materia¬ 
lien zur Einverleibung in die Sammlungen zusenden und 
dadurch mit dazu beitragen werden, daß die von unserm 
Mitarbeiter gemachte Anregung verwirklicht werden kann. 

Die Schriftleitung. 


Die photomechanischen Vervielfältigungsverfahren im Jahre 1908. 

Von Dr. E. GOLDBERG, Abteilungsvorsteher an der Kgl. Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe, Leipzig. 



^BWOHL das verflossene Jahr 1908 uns keine 
| epochemachenden Erfindungen auf dem Ge¬ 
biete der photomechanischen Vervielfälti¬ 
gungsverfahren gebracht hat, so kann man doch mit 
Genugtuung sagen, daß wir in diesem Jahre einen 
großen Schritt vorwärts gekommen sind. In ver¬ 
schiedenen Zweigen unsers großen Gebietes sind 
Neuerungen auf die Welt gekommen, deren Wert 
sich allerdings erst später herausstellen wird. Den 
Hauptfortschritt dieses Jahres bildet die Einführung 


des matten gestrichenen Papieres zum Drucken der 
Autotypien und man kann sogar sagen, daß das Jahr 
1908 im Zeichen des Mattkunstdrucks stand. 

Wir wollen über verschiedene Neuerungen in ge¬ 
wohnter Reihenfolge berichten. 

In der Optik ist sehr wenig Neues auf den Markt 
gekommen. Es scheint fast, als ob die optischen 
Anstalten bald an die Grenze des zurzeit Möglichen 
kommen werden und daß ohne neue prinzipielle Än¬ 
derungen im Bau der Objektive keine Fortschritte 


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erreicht werden können. Zu solchen prinzipiellen 
Neuerungen gehört das optische Umkehrsystem, 
über welches die Fachzeitschriften vor kurzem be¬ 
richtet haben. Allen Lesern wird bekannt sein, 
daß beim Photographieren der Zeichnungen zum 
Zwecke der Reproduktion in den allermeisten Fällen 
die Seiten vertauscht werden müssen. Dies wird 
durch Prismen oder Spiegel, die vor oder hinter dem 
Objektiv eingeschaltet werden, erreicht. Solche Pris¬ 
men bzw. Spiegel sind außerordentlich teuer (ein 
Prisma mittlerer Größe kostet einige hundert Mark); 
bei deren Gebrauch muß die Kamera senkrecht zur 
optischen Achse gestellt werden, was nur bei beson¬ 
ders zu diesem Zwecke eingerichteten Stativen mög¬ 
lich ist; gleichmäßige Beleuchtung der Originale ist 
ebenfalls schwer zu erreichen. Das sind lauter Übel¬ 
stände, die mit Hilfe des neuen Objektivs behoben 
werden sollen. Selbstverständlich hat das neue 
System seine Nachteile. Während man bis jetzt ein 
und dasselbe Objektiv zu allen möglichen Arbeiten 
verwenden konnte, wird man beim Gebrauch des 
Umkehrobjektivs außerdem noch ein gewöhnliches 
zum Anfertigen von „seitenrichtigen“ Negativen für 
Photolithographie, Heliogravüre usw. anschaflfen 
müssen. Da das Umkehrobjektiv noch nicht im Handel 
zu haben ist, so sind nähere Angaben über seine Eigen¬ 
schaften, wie Schärfe, Bildfeldebnung zurzeit nicht 
möglich. Es ist nur bekannt, daß das Objektiv auf dem 
Prinzip der Zylinderlinse beruht. 

Eine andre interessante Anwendung dieser Zylin¬ 
derlinsen machten Scheimpflug, bzw. Hazura uni 
Aufreiter. Jeder Leser kennt die drolligen verzeich- 
neten Figuren, die in zylindrischen Spiegeln entstehen. 
Zur Herstellung derartiger Verzeichnungen auf pho¬ 
tographischem Wege baute vor einigen Jahren Zeiß 
ein spezielles Objektiv. Die obengenannten Forscher 
(über die Priorität wird seit einiger Zeit scharf pole¬ 
misiert) haben mit Hilfe dieses Objektivs oder auf 
einem ähnlichen Wege einen verzerrten Fond für 
Wertpapiere hergestellt, der einen großen Schutz 
gegen Fälschungsversuche bietet (vergleiche die öster¬ 
reichische 20 Kronen-Note). 

Einen wichtigen Bestandteil einer Reproduktions¬ 
anstalt bilden die Filter. Um gewisse Bestandteile 
des weißen Lichtes bei der Farbenphotographie aus¬ 
zuschließen, bedient man sich farbiger Schichten, die 
man in den Weg des Lichtes einschaltet. Bis jetzt 
wurden die Filter dicht vor dem Objektiv oder zwi¬ 
schen dem Objektiv und der Platte eingeschaltet. In 
der letzten Zeit wurden Filter zur Einschaltung vor 
die Lichtquelle vorgeschlagen. Solche Filter haben 
den großen Vorzug, daß sie die Schärfe des Bildes 
absolut nicht beeinträchtigen, während alle andern 
Filterarten genau planparallele Flächen haben müssen 
und deshalb sehr teuer sind. Bis jetzt fehlt es leider 
an geeignetem Material für solche Lampenfilter. Aus 


Gelatinefolien oder gelösten Anilinfarben kann man 
sie nicht hersteilen, da dieselben im grellen Lichte 
der Lampe zu schnell ausbleichen oder bei der Hitze 
in der Nähe des elektrischen Bogens verbrennen 
würden. Farbige Gläser in genau vorgeschriebener 
Färbung und in der nötigen Größe liefert die Glas¬ 
technik noch nicht. Wir glauben aber nicht fehlzu¬ 
gehen, wenn wir uns der Meinung von Newton an¬ 
schließen und diese Filter als Filter der Zukunft 
bezeichnen. 

Noch viel besser wäre es, falls man die Filter 
überhaupt abschaffen könnte. Erfolgreiche Versuche 
in dieser Richtung wurden von Dr. E. Albert in Mün¬ 
chen und zahlreichen „Nacherfindern“ ausgeführt. 
Die Meinungen über den Wert der „filterlosen“ Kol¬ 
lodiumemulsionen sind sehr verschieden. Die Mehr¬ 
heit der Reproduktionstechniker glaubt, daß diese 
Emulsionen noch sehr verbesserungsbedürftig sind. 
Wir bezweifeln auch, daß es wirklich möglich ist, 
solche Farbstoffe zu finden, die gleichzeitig die not¬ 
wendige Sensibilisierungskurve und die dazu gehörige 
Filterwirkung zeigen. 

Bei dem heutigen Stande des Dreifarbendrucks, 
wo den Löwenanteil an der Arbeit nicht der Photo¬ 
graph, sondern der Tonätzer hat, kommt es auf die 
Richtigkeit des Farbenauszuges überhaupt nicht be¬ 
sonders an und die filterlosen Emulsionen sind dann 
sehr bequem. Da es aber klar ist, daß dieser heutige 
Zustand unhaltbar ist, so kann man die filterlosen 
Emulsionen nicht als Fortschritt begrüßen. Wir 
sehen dagegen den einzigen Ausweg in einer pan¬ 
chromatischen Platte, die unter richtig abgepaßten 
Filtern belichtet wird. 

Vom oberen Standpunkte ist es sehr erfreulich, 
daß die Verwendung der Trockenplatte in der Re¬ 
produktionstechnik mit jedem Jahre zunimmt. Be¬ 
sonders groß ist die Zahl der Anstalten die das 
Kollodium vollkommen aufgegeben haben in England. 
Man muß zugeben, daß das Kollodiumverfahren an 
und für sich billiger als Trockenplatten ist; wenn 
man aber zusammenrechnet, wieviel Zeit durch 
Wiederholung fehlgegangener Kollodiumaufnahmen 
(besonders bei Emulsion) verloren geht, wieviel Strom 
bei den langen Expositionen vergeudet wird und um 
wieviel die Ausnutzung jeder einzelnen Kamera, 
Rasters, Objektivs usw. bei Verwendung von Trocken¬ 
platten steigt, so kommt man zuweilen (je nach be¬ 
sonderen lokalen Umständen) zum entgegengesetzten 
Ergebnis. Jedenfalls ist es vom Standpunkte des 
Fortschrittes nur zu begrüßen, wenn an Stelle der 
unkonstanten, launigen Kollodiumplatte die haltbare, 
wissenschaftlich kontrollierte Trockenplatte tritt. 
Daß autotypische Aufnahmen ebenfalls mit Erfolg 
aufTrockenplatten gemacht werden können, beweisen 
die Urteile vieler angesehener englischer Fachleute. 
— In letzter Zeit hat man auch mit großem Erfolge 

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PRINCETON UNIVERS1TY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 





photomechanische Trockenplatten panchromatisch 
sensibilisiert. An und für sich liegt darin nichts 


Abbildung 1 


Abbildung 2 

Neues, bis jetzt waren aber solche haltbare farben¬ 
empfindliche photomechanische Platten im Handel 
nicht erhältlich; das Selbstsensibilisieren ist nicht 
jedermanns Sache. Jetzt fabrizieren Wratten & Wain- 
wright in 
Croydon 
solche Plat¬ 
ten, liefern 
auch die zu¬ 
gehörigen 
Filter in Ge¬ 
stalt von 
zwischen 
Glas geleg¬ 
ten Gela¬ 
tinefolien 
undvermer- Abbildung 3 

ken auf jeder Plattenschachtel die Empfindlichkeit und 
das Filterverhältnis, d. h. sie geben an, in welchem 
Verhältnis die Aufnahmezeiten hinter den drei ein¬ 
zelnen Filtern zueinander stehen. Mit diesen An¬ 
gaben kann jeder vernünftige Photograph ohne wei¬ 
teres tadellose Negative erzielen. In der Abbildung 1 
ist eine Vergrößerung eines autotypischen Negativs 
auf gewöhnlicher Trockenplatte, in der Abbildung 2 
auf oben erwähnter photomechanischer Platte dar¬ 
gestellt. Man sieht, daß im letzten Falle die Punkte 
genügend scharf sind. Allerdings kann man bei 
Trockenplatten den kleinen Tiefenpunkt nicht in der 
Kleinheit erhalten, wie auf Kollodium. Das ist aber 
auch nicht nötig. Durch sachgemäße Führung des 
Kopierprozesses kann man den Tiefenpunkt auf der 
Metallplatte soweit reduzieren, als die Dichte der 
Schatten verlangt. 


Abbildung 4 

Gebiete vorhanden. Einen Schritt vorwärts haben 
uns Calmels und Clerc in Paris durch rein geo¬ 
metrische Untersuchung der Verteilung des Lichtes 
im Rasterpunkte gebracht. 


Wie alljährlich, sind auch im verflossenen Jahre 
einige neue Rastersysteme aufgetaucht, die insgesamt 
keine Hoffnung auf Erfolg haben. Der 
Vollständigkeit halber erwähnen wir der 
Wellenraster von Dargavel (Abbildung 3), 
der sich nach der Ansicht des Erfinders 
den gekrümmten Linien des Originals 
besser, als der gewöhnliche gekreuzte 
Raster, anschmiegen kann. Wir teilen 
diese Ansicht nicht; die Abbildung 4, die 
mit solchem Raster hergestellt ist, wird 
kaum viele Anhänger dieser Autotypie¬ 
methode werben. Cameron Swan hat sich 
ebenfalls einen neuen Rastertypus mit 
ungleich dickenLinien patentieren lassen; 
Jacobi sucht dagegen das Heil in Ein¬ 
führung dünner Zwischenlinien in einen 
gewöhnlichen Raster. Man sieht, daß 
immer noch sehr viele Erfinder die 
großen Mängel der Autotypie durch neue 
Rasterliniaturen beheben wollen. Unsrer 
Meinung nach ist aber auf diesem Wege 
ohne Änderung der Grundlagen der Autotypie nichts 
zu erzielen. Solange wir noch vollkommen im un¬ 
klaren über das Wesen der Autotypie sind, ist wenig 
Hoffnung auf wirkliche Verbesserungen in diesem 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Das Richtersche Doppelrasterverfahren, über wel- das kadmiumhaltige Zink scheinen keinen Anklang 
ches wir im vorigen Weihnachtshefte ausführlich bei den Zinkhütten gefunden zu haben. Beim Hei߬ 
berichtet haben, scheint Schwierigkeiten bei der Ein- emaillieren wird das heutige Zink ebenso grobkri- 
führung in die Praxis zu begegnen. Einige große stallinisch, wie früher. Da alle bekannt gewordenen 
Betriebe sollen mit diesem Verfahren zufrieden sein; Vorschriften für Kaltemaille nichts taugen, so steht 
in einigen großen Zeitungen sieht man manchmal diese Frage im Vordergründe des Interesses. In der 
Richtersche Klischees. allerletzten Zeit hörte man über neue viel versprechen- 

Die Schwierigkeiten der Herstellung der Repro- de Erfindungen auf diesem Gebiete. Was sich von 
duktionsnegative entsprechen nicht dem tatsächlichen den Gerüchten als Tatsache erweisen wird, werden 
Wert derselben. Während bei der Naturphotographie wir nächste Weihnachten sehen, 
der Hauptwert des Negativs darin liegt, daß man von In der Ätztechnik ist ziemlich viel Neues da. Vor 
einem Negativ beliebig viele Positive erzeugen kann, allem unzählige Typen von neuen Ätzmaschinen, 
und während bei der Lumiöreschen Farbenphotogra- Die Ansichten der Fachleute über den Wert dieser 
phie das Erzielen eines direkten Positivs in der Ka- neuen Hilfsmittel sind sehr verschieden. Wir glauben, 
mera der größte Nachteil des Verfahrens ist, liegen daß beim Gebrauche einer Ätzmaschine viel Zeit 
die Verhältnisse in der Reproduktionsphotographie gespart werden kann. Das ist sicher ein großer Vor¬ 
gerade umgekehrt. Hier dient das Negativ nur zur teil, der allein genügt, um jeder größeren Ätzanstalt 
Erzeugung eines einzelnen Positivs (Kopie) auf Metall die Anschaffung einer solchen Maschine zu empfeh- 
oder Glas (für Lichtdruck). Nach Erzeugung dieses len. Damit ist die Sache aber auch erledigt. Daran, 
Positivs wird das Negativ wertlos; in den allermeisten daß beim Maschinenätzen das lästige und zeit- 
Fällen wird die Negativschicht sofort entfernt, um das raubende Abdecken der Autotypien in Wegfall kom- 
Glas wieder gebrauchsfähigzu machen. Deshalb wäre men kann, glaubt jetzt kein Mensch, 
es von allergrößtem Werte für die Technik, ein Ver- Ganz bedeutende Zeitersparnis und Vereinfachung 
fahren zu ermitteln, um direkte Positive auf Metall des Ätzprozesses kann man durch den Gebrauch des 
in der Kamera zu erhalten. Solch ein Verfahren hat „Neuen Metalls“ von Calmels erzielen. Unter diesem 
Payne in London erfunden. Nach den bis jetzt der Namen kommen jetzt Zinkplatten in den Handel, 
Öffentlichkeit übergegebenen Proben zu urteilen, ist deren Oberfläche mit einem Netz aus kleinen Kupfer- 
jedoch das Verfahren noch nicht ausgebildet genug, punkten oder -linien, die in die Zinkschicht eingelas- 
um in der Praxis verwendet zu werden. sen sind, versehen ist (Abbildung 5). Auf diese 

Da also bis jetzt noch keine technisch reifen Ver- Metallplatten wird direkt mit Asphaltlack gezeichnet 
fahren zur Positivherstellung in derKamera existieren, 
so müssen wir nach wie vor die Fortschritte in den 
gewöhnlichen Kopiermethoden registrieren. Viel 
Neues ist hier nicht vorhanden. Tschörner in Wien 
hat die Wirkung der verschiedenen Bestandteile der 
Kopierlösungen für Heißemaille untersucht und hat 
eine Normalvorschrift angegeben, in welcher neben 
Fischleim Traubenzucker vorhanden ist. Erfreulich 
ist es, daß unsre deutsche Industrie jetzt auch solche 
Bedarfsartikel liefert, die bis vor kurzem das alleinige 
Monopol Amerikas waren. So wird jetzt z. B. in 
Deutschland Fischleim für das Emailverfahren her- 
gestellt, der dem amerikanischen Lepageleim keines¬ 
falls nachsteht. 

Der gewaltige Preissturz der Metalle ist insofern Abbildung 5 

den Reproduktionstechnikern zugute gekommen, als und dann die Platten in verdünnter Salpetersäure, 

auch die Ätzplatten bedeutend billiger geworden sind, die nur das Zink angreift, geätzt. Nach einigen Minu- 

Das äußert sich sofort darin, daß bedeutend mehr als ten ist die Ätzung fertig und das Klischee zum Druck 

früher Autotypien auf Kupfer gemacht werden. Bei bereit. Die Drucke sehen wie eine Zeichnung mit 

diesem Preissturz haben diejenigen Verfahren an tangiertem Hintergründe aus (Abbildung 6). Für 

Interesse verloren, die Zink mit dünner, aufplattierter manche Zwecke wird dieses Verfahren sicher eine 

Kupferschicht herzustellen bezwecken (Patent von gewisse Bedeutung erlangen. Oft wirkt jedoch das 

Lohmann). unvermeidliche Netz störend. Ähnliche Platten kann 

Das Zink wurde bei der scharfen Konkurrenz der man übrigens sehr leicht selbst bereiten. Man braucht 

Metallfirmen wohl billiger, aber nicht besser. Die nur nach dem bekannten Tangierverfahren Zinkplatten 

interessanten Versuche von Novak in Wien über mit einem Netz zu versehen, dieses Netz einzuwalzen 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


und einzubrennen. Darüber kann man mit Lack 
zeichnen und anätzen. Selbstverständlich sind solche 
Platten viel empfindlicher beim Transport und Auf¬ 
bewahren, als diejenigen aus dem „Neuen Metall“. 

In der Drucktechnik bildet, wie schon erwähnt, das 
Hauptereignis die Einführung der matten Papiere in 
die große Praxis. Diese Papiere waren schon seit 
einigen Jahren zu haben, aber erst in diesem Jahre 
sind sie wirklich durchgedrungen. Vom drucktech¬ 
nischen Standpunkte werden die Mattkunstdruck¬ 
papiere an andrer Stelle dieses Heftes besprochen, 
hier wollen wir nur die Rückwirkung dieser Neuheit 
auf die Reproduktionstechnik betrachten. Die Ein¬ 
führung der Mattpapiere bedeutet, kann man sagen, 
einen Sieg des Hochdrucks über den Tiefdruck. Hier 
wiederholte sich die Geschichte des Kampfes zwi¬ 
schen Gas und Elektrizität. Ebenso, wie dort, so 
trachten auch hier zwei Industrien durch technische 
Errungenschaften einander zu überbieten. Noch vor 
zwei Jahren schien es, daß die Maschinenheliogravüre 
durch Billigkeit und Schönheit die Autotypie verdrän¬ 
gen wird; die Optimisten sahen schon das goldne Zeit¬ 
alter vor sich, wo sogar die Zeitungen im Tiefdruck 
mit Heliogravüre-Illustrationen gedruckt werden soll¬ 
ten. Es scheint aber, daß die Hochdrucker durch die 
Einführung der Mattpapiere der Heliogravüre den 
Haupttrumpf—das samtige Aussehen und die ruhige 
geschlossene Wirkung—genommen haben. Hier zeigt 
es sich, wie recht diejenigen hatten, die behaupteten, 
daß der Nachteil der Autotypie nicht im Kreuzraster 
und nicht im Hochdruck liegt, sondern daß das glän¬ 
zende Papier und die schlechte Farbe die Wirkung 
der Autotypien beeinträchtigen. 

Über Farbendruck ist nichts Erfreuliches zu be¬ 
richten. Immer noch wird der photo„mechanische“ 
Dreifarbendruck zu drei Vierteln von Tonätzern aus¬ 
geführt und in vielen Fällen macht man jetzt überhaupt 
keine photographischen Farbenauszüge, sondern 
zieht diese mit Hilfe einer gewöhnlichen Photo¬ 
graphie manuell aus. Daß dieses Verfahren einen 
großen Rückschritt bedeutet, ist unzweifelhaft. Zum 
großen Teile sind die Übelstände im Dreifarbendruck 
durch schlechte Druckfarben verursacht. Im ver¬ 
gangenen Jahre ist eine heftige Polemik zwischen 
Mees und den englischen Farbentechnikern entbrannt. 
Wir zweifeln nicht, wie Mees, am guten Willen der 


Farbenindustrie, die großen Nachteile der bunten 
Druckfarben zu beheben; wir glauben jedoch uns 
seiner Meinung anschließen zu können, daß schon 
die Tatsache der Existenz ebensovieler Sorten von 
„Normalfarben“, als es Farbenfabriken auf der Welt 
gibt, ein großer Unsinn vom wissenschaftlichen und 
technischen Standpunkte ist. Bei der heutigen Lage 



der Dinge ist ein Dreifarbendruck, der in der Ätz¬ 
anstalt mit einer Sorte der „Normalfarben“ angedruckt 
ist, kaum im Endabzug der Druckerei, die Farben 
von einer andern Fabrik bezieht, wiederzuerkennen. 
Dazu kommt noch, daß verschiedene Druckereien 
sich selber „Normalfarben“ zusammenmischeji. Wir 
wollen hoffen, daß das Schaffen der „Kommission 
zur Bekämpfung von Mißtänden in der Herstellung, 
im Handel und in der Verarbeitung der Farben und 
Malmaterialien“ darin einen Wandel bringt. 


Die Buchbinderei im Jahre 1908. 

Von H. DANNHORN, Fachlehrer an der Kgl. Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe, Leipzig. 


!,IE wirtschaftlich gerade nicht günstige Lage, 
in der sich die Buchbinderei schon seit 
m einigen Jahren befindet, hat sich auch im 
vergangenen Jahre wenig verändert, so daß Klagen 
über flaue, schwankende, ja ungenügende Beschäfti¬ 



gung im Laufe des Jahres, besonders in den Haupt¬ 
stätten der Großbuchbinderei, nicht selten waren. 
Daraus ergibt sich, daß der zur Bewältigung von 
großen Büchermengen eingerichtete technische Be¬ 
triebsapparat, der sich zwecks billiger Herstellung 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


von Einbandarbeiten immer mehr kostspieliger Hilfs¬ 
maschinen bedient, nicht lohnend genug ausgenützt 
werden konnte. Aus diesem Grunde erscheint es auch 
nicht ganz ungerechtfertigt, wenn von einzelnen Fach¬ 
leuten daraufhingewiesen wird, daß die großen , teueren 
und schnellarbeitenden Maschinen der Buchbinderei 
im allgemeinen augenblicklich nicht so vorteilhaft zu 
dienen vermögen, wie es wünschenswert wäre. Aller¬ 
dings werden die in neuerer Zeit eingeführten mehr 
und mehr verbesserten Buchbindereimaschinen stets 
dort vorzüglich am Platze sein, wo gleichartige hohe 
Auflagen ständig zu bearbeiten sind. 

Die hohen Preise für sämtliche Materialien tragen 
ebenfalls dazu bei, den Buchbindereibetrieb gegen¬ 
wärtig zu wenig ertragreich zu machen, ganz ab¬ 
gesehen von dem ungesunden Wettbewerb durch 
Preisdrückerei, welcher durch solche ungünstige 
Verhältnisse leider begünstigt wird. Der Groß- und 
mittleren Buchbinderei im besonderen wären daher 
zukünftig gleichmäßigere Beschäftigungsverhältnisse 
und erfreulichere Betriebsergebnisse zu wünschen, 
als wie dies in den letzten Jahren der Fall war. 

Von der handwerksmäßig betriebenen Buchbinde¬ 
rei, deren Verhältnisse schwieriger nach einem Ma߬ 
stabe beurteilt werden können, ist zu sagen, daß sie 
im vergangenen Jahre eine rege Beweglichkeit ent¬ 
faltet hat, um mit Hilfe ihrer Organisation ihre Exi¬ 
stenzbedingungen zu bessern und ihre Interessen zu 
wahren. Teilweise galten die Bestrebungen der Ver¬ 
bände auch der Weiterbildung ihrer Mitglieder, die 
meist wohlwollende Unterstützung von seiten der 
Behörden durch Gewährung von Beihilfen zur Ein¬ 
richtung von Übungskursen usw. fanden. Im gewis¬ 
sen Sinne scheinen mir diese Bestrebungen mit den 
allseitigen Bemühungen zusammen zu gehen, den 
Handwerker durch Veranstaltung von Ausstellungen 
zu bilden und anzuregen. 

Solche Ausstellungen größeren und kleinerenStils, 
die sich mit dem Einbandwesen ausschließlich oder 
teilweise befaßten, hatte das vergangene Jahr in 
größerer Zahl zu verzeichnen. Sie waren von Mu¬ 
seen, Instituten, Verbänden usw. veranstaltet und 
zeugten nicht nur von emsiger Tätigkeit in der in- 
und ausländischen Einbandkunst, sondern auch von 
ziemlich regem Interesse für diese. Leider erstreckte 
sich dieses Interesse weniger auf weitere Kreise des 
vermögenden Publikums, sondern mehr auf kunst¬ 
gewerbliche und buchverständige Kreise. Ein näheres 
Eingehen auf alle diese Ausstellungen, die mehr oder 
weniger örtlichen Verhältnissen dienten, ist hier 
nicht möglich, jedoch muß deren großer Nutzen un¬ 
umwunden anerkannt werden. War in den Vorjahren 
an guten Handeinbänden verhältnismäßig wenig ent¬ 
standen, so kann jetzt nach den Ergebnissen und 
Eindrücken, welche diese Veranstaltungen gezeitigt 
haben, mit Berechtigung gesagt werden, daß die 


Leistungen, wenn auch nicht insgesamt, so doch 
durchschnittlich sich merklich gehoben haben. Ich 
muß mir hier breite Ausführungen zur Begründung 
versagen, möchte auch davon absehen, die ziemlich 
zahlreichen erwähnenswerten Einbandarbeiten ein¬ 
zeln aufzuführen, zumal aufmerksamen Beobachtern 
unter den bekannt gewordenen Einbänden im letzten 
Jahre ohnedies manche schöne und charaktervolle 
Arbeit aufgefallen sein wird. Es ist durchaus gerecht, 
wenn solchen Arbeiten die verdiente Anerkennung 
wird, an der es anscheinend auch nicht gefehlt hat. 
Hervorheben möchte ich, daß an dieser erfreulichen 
Aufwärtsbewegung die neuzeitlichen kunstgewerb¬ 
lichen Fachschulen einen erheblichen Anteil und 
Einfluß haben. Eine ganze Reihe dieser guten Ar¬ 
beiten entstammt ihnen bzw. den daselbst ausgebil¬ 
deten Schülern. Diese Erfolge müßten meines Er¬ 
achtens von der Buchbinderfachwelt allgemein mehr 
und besser wie seither anerkannt werden. 

Obwohl nun diese erfreulichen Fortschritte zu ver¬ 
zeichnen sind, so möchte ich doch auf einen Punkt 
hinweisen, der zwar schon öfters berührt worden ist, 
aber leider immer noch zu wenig beachtet wird. 
Wie ein roter Faden in einem farblosen Gewebe 
ziehen sich durch die Fachblätter die Klagen über 
mangelndes Interesse an guten Bucheinbänden und 
Verständnislosigkeit für wertvolle Buchbinderarbei¬ 
ten bei der Mehrzahl der Kundschaft. Andrerseits 
wiederholen sich jedoch die Klagen der Bücher¬ 
liebhaber, daß selten künstlerisch empfindende Buch¬ 
binder zu finden sind, die auch mit einfachen Mitteln 
einen befriedigenden, preiswerten Einband, im guten 
Verhältnis zum Werte des Buches, herzustellen ver¬ 
mögen. Es hieße die Verhältnisse verdunkeln, wenn 
diesem letzteren Vorwurf die Berechtigung versagt 
werden sollte. 

Weshalb ist nun aber der Buchbinder so selten 
imstande, solchen Wünschen zu dienen? Warum 
fertigt er, oft auf eigenes Risiko, handvergoldete 
Luxusbände in der Meinung, diese allein seien von 
künstlerischem Werte, während doch der verständ¬ 
nisvolle Bücherfreund sehr wohl einen gutgearbeite¬ 
ten Papp- oder Leinenband in harmonischer Farben¬ 
gebung mit bescheidenster Dekoration, ja selbst ohne 
eine solche, zu schätzen weiß? Die mannigfachen 
Ursachen, weshalb die Buchbinderei solchen nur 
scheinbar leichten Forderungen gegenüber häufig 
versagt, brauchen wohl kaum erwähnt zu werden, 
und darum sollen auch mit den im vorstehenden 
gegenübergestellten Klagen die Verhältnisse nicht 
im kritischen, sondern im nützlichen Sinne gestreift 
werden. Das aus den Verhältnissen sich ergebende 
Bedürfnis nach billigeren geschmackvollen Einbänden 
sollte nicht nur von der kleineren Buchbinderei 
selbst mehr beachtet werden, sondern auch von 
den kunstgewerblichen Fachschulen. Nach meinen 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Erfahrungen tut hier veredelnde Beeinflussung und 
ernstlicheNachhilfe in technischer und künstlerischer 
Hinsicht dringend not! Jedenfalls würde der spätere 
Buchbindermeister solchen Bemühungen Dank wis¬ 
sen, denn die Kunst, mit einfachen Mitteln Gutes zu 
schaffen, sichert ihm besser den Erwerb als die heute 
meist leider noch unlohnende Ausführung von teue¬ 
ren Lederbänden. 

Im Anschlüsse sei auch noch der buchbinderischen 
Zeit- und Streitfrage über die teilweise minder¬ 
wertige Bindetechnik beim Verlegereinband gedacht, 
die im letzten Jahre dadurch aktueller geworden ist, 
daß in mehreren Tageszeitungen usw. von Schrift¬ 
stellern über die Minderwertigkeit dieser Bindung, 
wie auch über den herrschenden „Bücherkommunis¬ 
mus“, d. h. über das mangelnde Verständnis des Wer¬ 
tes eigener, geschmackvoll und gut gebundener 
Bibliotheken, lebhafte Klage geführt wurde. So be¬ 
rechtigt nun auch manche dieser Klagen sind, so ist 
doch andrerseits darauf hinzuweisen, daß die selb¬ 
ständige Buchbinderei viel weniger von diesem Vor¬ 
wurfe betroffen werden kann, als die Mehrzahl der 
Verleger selbst. Bei den Preisen, die letztere heute 
für die Anfertigung ihrer Einbände gewähren, ist es 
der Buchbinderei schlechterdings unmöglich , besse¬ 
res zu leisten, es sei denn, daß sie Geld zusetzt. 
Hierzu wird aber die Buchbinderei ebensowenig Lust 
haben, wie jedes andre Geschäft. Diese Gründe und 
Ursachen mußte ich hier einmal ganz entschieden 
betonen. 

Es scheint nun, als ob einzelne Verleger durch die 
Grundforderungen unsrer kunstgewerblichen Bewe¬ 
gung, die neben der Güte bzw. Echtheit des Mate¬ 
rials auch Güte der Konstruktion verlangt, angeregt 
worden seien, im Sinne dieser Forderungen bei 
den besseren Verlagswerken Versuche zu machen. 
Obwohl solche, wenigstens vorerst, nicht leicht ge¬ 
lingen dürften, so wird es der Buchbinderei doch 
wohl bald möglich werden, zu dieser erfreulichen 
Fortentwicklung das ihrige zu tun, wenn nur die Ver¬ 
leger selbst ihren ernstlichen Willen beweisen, und 
zwar durch Bewilligung höherer Preise. 

Diese Entwicklung, die ja wohl zunächst wenig 
augenfällig sein wird, sollte von der handwerks¬ 
mäßigen Buchbinderei besonders aufmerksam ver¬ 
folgt werden, denn sie bietet ihr entweder die Aus¬ 
sicht, Boden für ihr Schaffen zu gewinnen, oder die 
Gefahr, bei Versäumnissen weiteren Boden zu ver¬ 
lieren. Jedenfalls müßten die Folgerungen, die sich 
aus einer solchen Entwicklung ergeben, ein weiterer 
Ansporn zur tieferen Fortbildung des zukünftigen 
Handwerksmeisters sein, denn nur ein in Geschmacks¬ 
und technischen Dingen Gebildeter wird mit Erfolg 
bestehen können. Mit dieser wohlgemeinten Mah¬ 
nung dürften die allgemein rekapitulierenden Dar¬ 
legungen über die heutige Lage der Gesamtbuch¬ 


binderei, wenn auch nicht erschöpft, so doch vielleicht 
im wesentlichsten gegeben sein. 

Die Besprechung über neuere Buchbindereimate¬ 
rialien erledigt sich diesmal fast schon mit dem Hin¬ 
weise, daß die gebräuchlichsten Leder, Stoffe und 
Papiere in der Farbengebung, Musterung usw. be¬ 
reichert wurden. So hat besonders die Tapetenfabrik 
Fr . Fischer G. m. b. H . in München-Riesenfeld ihre 
bekannten Vorsatzpapiere durch eine Reihe reizender 
Muster in vorzüglicher Farbenstellung vermehrt, auf 
die ich hiermit aufmerksam machen möchte. Die 
Märkische Fantasiepapier-Manufaktur Zossen bei 
Berlin (Leipzig, R. Kober) hat erwähnenswerte, farbig 
meist zurückhaltende Handmarmorpapiere heraus¬ 
gebracht, die gut verwendbar sind und bei geschickter 
Zusammenstellung mit Leinen oder Leder eine gute 
Wirkung ergeben. Es sei noch der vielfach von 
Künstlern oder Künstlerinnen geschaffenen Papiere 
gedacht, die bei kleineren Auflagen undEinzelbänden 
Verwendung finden und in den meisten diesjährigen 
Ausstellungen in allen Varietäten zu finden waren. 

Über die derzeitigen Buchbindereimaschinen hatte 
die von der Buchbinderinnung zu Berlin veranstaltete 
Fachausstellung eine vollständige Übersicht gewährt, 
obwohl wegen der ungünstigen Raumverhältnisse 
und vielleicht auch ungünstigen Gruppierung eine 
Orientierung etwas erschwert war. In Heft 6, Jahr¬ 
gang 1908, des Archiv für Buchgewerbe ist sowohl über 
die Ausstellung selbst, wie auch über verschiedene 
Maschinen das Nähere berichtet, indessen bedarf es 
hinsichtlich der Maschinen noch einiger Ergänzungen. 

Die Firma Gebrüder Brehmer in Leipzig-Plagwitz, 
deren Maschinen in vorzüglichem Rufe stehen, brachte 
eine neue Maschine zum Ankleben von Einzelblättern 
usw. auf den Markt, über deren durchaus saubere 
Leistungsfähigkeit, die etwa das Dreifache der bis¬ 
herigen Handarbeit beträgt, nur ein lobendes Urteil 
besteht. Sie hat sich deswegen in kurzer Zeit in fast 
allen Leipziger Großbuchbindereien so eingeführt, 
daß sie nicht mehr entbehrlich erscheint. Inzwischen 
ist diese Maschine soweit verbessert worden, daß sie 
nunmehr auch Vorsatz-Doppelblätter um die ersten 
bzw. die letzten Bogen umklebt bzw. umhängt. Ich 
halte mich verpflichtet, Interessenten auf diese her¬ 
vorragend dankbare Hilfsmaschine hier nochmals 
aufmerksam zu machen. Dieselbe Firma hat im 
vergangenen Jahre auch an ihren Heftmaschinen be¬ 
achtenswerte Verbesserungen geschaffen, durch 
die nun eine noch festere Heftung wie bisher 
möglich ist. Einen ganzautomatischen Einleger an 
Falzmaschinen, mit dem sich die Firma seit Jahren 
beschäftigt, will sie erst dann herausbringen, wenn 
dieser Apparat soweit vollendet ist, daß er allen ge¬ 
rechten Ansprüchen Genüge leistet. 

August Fomm , Leipzig-Reudnitz , hat mit seiner 
neuen Beschneidemaschine D. R. P. Nr. 315889 eine 


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PRINCETON UNIVERS1TY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Maschine in vollendeter moderner Form geschaffen. 
In ihrem Prospekte beschreibt die Firma diese Ma¬ 
schine ausführlich, es sei hier nur daraufhingewiesen, 
daßderganzeTriebmechanismuß außer dem Schwung¬ 
rade durch den Rahmen verdeckt, gewissermaßen 
verkapselt ist. Welchen Schutz und welche Vorteile 
diese zweckdienliche Neukonstruktion bietet, braucht 
wohl kaum bemerkt zu werden. Die Aufträge für 
diese Maschine gehen daher auch so zahlreich ein, 
daß sie kaum erledigt werden können. Bei Neuan¬ 
schaffungen wird dieseMaschinebesonders zuberück¬ 
sichtigen sein. Auch die Schnellschneidemaschine 
D.R. P.Nr. 186736 der genannten Firma ist zu er¬ 
wähnen. Sie hat sich in vielen Großbuchbindereien 
des In- und Auslandes infolge ihrer hervorragenden 
Leistungsfähigkeit, sowie wegen ihrer anderweitigen 
Vorzüge sehr gut eingeführt, so daß sie der Beachtung 
aller Interessenten empfohlen werden kann. A.Fomm 
hat ferner eine neue patentierte Dreiseitenbeschneide¬ 
maschine herausgebracht, die mit drei Messern ar¬ 
beitet und in einem Arbeitsgange Bücher auf den 
drei Beschnittseiten in der Weise beschneidet, daß 
zuerst die beiden parallelen Ober- und Unterschnitte 
gemacht werden, worauf sofort ohne Drehung des 
Buchstoßes der Vorderschnitt erfolgt. Gegenwärtig 
wird diese Maschine noch vervollkommnet durch die 
Ausrüstung mit einem sogenannten Revolvertisch 
und mit einer selbsttätigen Ein- und Auslegevor- 
richtung. Nach dem Zeugnisse einer Leipziger Gro߬ 
buchbinderei bewältigt dieses Modell jetzt schon etwa 
die gleiche Arbeit, die mit drei gewöhnlichen Drei¬ 
schneidern oder mit zwei Vierschneidern geleistet 
werden kann. 

Die Firma A. Gutberiet & Co. in Leipzig hat in ver¬ 
hältnismäßig kurzer Zeit erreicht, daß ihre Falzma¬ 
schinen, infolge der guten Ausführung und Leistungs¬ 
fähigkeit, in der buchgewerblichen Fachwelt sich von 
selbst weiter empfehlen. Dies erscheint leicht er¬ 
klärlich, wenn man weiß, daß die Firma sich nur den 
Bau bzw. die Konstruktion von Falzmaschinen an¬ 
gelegen sein läßt, welche Konzentration auf eine 
Maschinenart stetige Vervollkommnung der einzel¬ 
nen Maschinen zur Folge haben muß. Unter den 
letzten Neuheiten der Firma ist in erster Linie der 
Patent-Falzmaschine Triumph zu gedenken, die allen 
Ansprüchen, die an ein erstklassiges Erzeugnis ge¬ 
stellt werden müssen, genügt und sich insbesondere 
durch zuverlässigen leichten Gang, übersichtliche 
Konstruktion, bequeme, schnell zu handhabende Ein- 
und Ausschaltung bzw. Verstellbarkeit der ganzen 
Maschine wie ihrer einzelnen Apparate auszeichnet. 
Besondere Hervorhebung verdient die sicher wir¬ 
kende Vorrichtung gegen die gefürchteten Quetsch¬ 
falten bei den letzten Brüchen, sowie die halb¬ 
automatische Bogenzuführung. Bei letzterer wird 
jeweilig der oberste Bogen nur durch eine kurze 


Handbewegung seitlich verschoben, worauf er selbst¬ 
tätig der Maschine zugeführt wird 1 . Eine sehr wich¬ 
tige Neuerung hat die Firma A. Gutberiet & Co. 
im letzten Jahre geschaffen mit ihrem neuen System 
der ganzautomatischen Falzmaschine Auto-Triumph, 
welche eine Kombination ihrer halbautomatischen 
Triumph-Falzmaschine mit dem automatischen Croß- 
Bogenzuführer ist, der bis jetzt an Buchdruck- 
Schnellpressen vorteilhaft Verwendung fand. Der 
vor kurzer Zeit erschienene Prospekt der Firma 
gibt über die Vorteile dieses Systems ausführliche 
Auskünfte. Die lobenswerten Bestrebungen die¬ 
ser Firma, nur mit fertigen Maschinen ihren Ab¬ 
nehmern zu dienen, gibt eine Gewähr dafür, daß auch 
diese Maschine der Buchbinderei sehr gute Dienste 
leisten wird. Bemerkt sei noch, daß an beiden Falz¬ 
maschinen ein neuer Doppelstich-Heftapparat an¬ 
gebracht werden kann, der für sich unbeschränkt und 
mit Leichtigkeit auf jeden Millimeter in Stichlänge 
und Stichanordnung verstellbar ist, eine Neuerung, 
die bis jetzt noch bei keinem modernen ähnlichen 
Apparat möglich war. 

Die überall nicht nur dem Namen, sondern auch 
durch die Güte ihrer Erzeugnisse bekannte Firma 
Karl Krause, Leipzig, hat eine neue Schneidemaschine 
von 250 cm Schnittlänge fertiggestellt, die die größte 
bisher gebaute Schneidemaschine ist. Sie ist mit 
selbsttätiger Preßvorrichtung für alle Höhen, mit 
Schnittandeuter, Schnellsattel und Mikrometer ein¬ 
gerichtet, so daß diese Maschine für alle Arbeiten 
sehr leistungsfähig ist. Ferner hat die Firma eine 
Hebelschneidemaschine von 91 cm Schnittlänge ge¬ 
baut, bei der trotz der überaus großen Schnittlänge 
infolge der äußerst geschickten Hebelanordnung die 
Handhabung eine leichte ist. An dreiseitigen oder 
vierseitigen Beschneidemaschinen ist ein zweiter 
Anschlag geschaffen worden, der das Anlegen er¬ 
leichtert. Der von der Firma erfundene mechanische 
Vorschub des zu beschneidenden Materials, der 
großen Anklang gefunden hat, ist durch eine Vor¬ 
richtung, welche das lästige, durch die Sperrklinke 
beim Leergang verursachte Geräusch verhindert, 
verbessert worden. Auch ein Eckenabschneide- bzw. 
Schrägschneidewinkel ist der Firma Karl Krause 
unter Nr. 190954 patentiert worden. An dem über¬ 
aus leistungsfähigen Schnelldreischneider der Firma, 
der, obgleich in der Konstruktion wesentlich anders, 
gleichsam das Seitenstück der Fommschen Drei¬ 
seitenbeschneidemaschine ist, wurde eine Vor- und 
Selbstpreßvorrichtung angebracht, die unter der 
Nr. 204203 ebenfalls patentiert wurde. 

1 Auch von andern Firmen, wie Gebr.Brehmer, Preuße 
& Co. u. a. werden schon seit langer Zeit halbautomatische 
Falzmaschinen gebaut, die ebenfalls Vorrichtungen zum 
Verhüten der Quetschfalten haben und sich in Fachkreisen 
großer Beliebtheit erfreuen. Die Schriftleitung. 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Als Neuerung an Prägepressen wurde von Karl 
Krause eine automatische An- und Ablegevorrichtung 
zum Patent angemeldet, mit der das zu prägende 
Material von einem Stapel, der stets nachrückt, ab¬ 
gehoben und das geprägte Material selbsttätig wieder 
abgelegt wird. Die bekannte viersäulige Tiegeldruck- 
Kniehebelpresse, bei der durch Wegfall der Tisch¬ 
bewegung ein rationelleres Arbeiten möglich ist, 
wird nun auch in einer kleinen Type für Hand- und 
Motorbetrieb gebaut. 

Die nurvon derFirmaKarlKrause gebauteSchneid- 
und Doppelrillen-Nut- und Ritzmaschine ist nunmehr 
auch in Breiten von 100, 145 und 160 cm zu haben. 
An den Rillenapparaten ist eine Skala mit Zeiger 


angebracht, welche die Entfernung der beiden Rillen¬ 
scheiben anzeigt, so daß die Einstellung wesentlich 
erleichtert ist. Noch eine Reihe weiterer Vervoll¬ 
kommnungen an Maschinen verschiedenster Gattun¬ 
gen wären zu nennen, deren Erwähnung aber zu weit 
führen würde. Interessenten seien daher auf den 
neuerschienenen Katalog der Firma Karl Krause auf¬ 
merksam gemacht. 

So hat denn die rastlos an der Vervollkommnung 
ihrer Maschinen arbeitende Buchbindereimaschinen¬ 
industrie ein erfolgreiches Jahr ihrer Tätigkeit hinter 
sich und es bleibt nur zu hoffen, daß sich die Ver¬ 
hältnisse in der Buchbinderei selbst zukünftig besser 
gestalten möchten. 


Die typographischen Gesellschaften im Jahre 1908. 

Von H. SCHWARZ, Leipzig. 


M Jahre 1908 hat sich innerhalb der typo¬ 
graphischen Gesellschaften und Vereinigun¬ 
gen sozusagen nichts zugetragen, das als aus 
dem üblichen Arbeitspläne hervortretend bezeichnet 
werden könnte, so daß sich eine Ergänzung der in 
der Fachpresse erstatteten Berichte erübrigt. 

Die Anzahl der Vereine hat sich erfreulicherweise 
vermehrt; einzelne, früher entstandene Vereine sind 
nach kurzer Lebensdauer eingegangen aus Grün¬ 
den, die hier nicht näher erörtert werden sollen. 
Es kann aber gesagt werden, daß heute wohl kaum 
ein Hauptdruckort ohne einen typographischen Ver¬ 
ein ist, eine Erscheinung, die als erfreuliche gelten 
muß. 

Geht man der Frage nach, auf was die Gründung 
der zahlreichen, in den letzten Jahren entstandenen 
Vereine zurückzuführen ist, so tritt das Verlangen 
zahlreicher Fachgenossen nach technischer Vervoll¬ 
kommnung in erster Linie als Ursache für die Grün¬ 
dungen auf. Die gegen früher vollständig verschobene 
Arbeitsweise in den Buchdruckereien erschwert die 
Lehrlingsausbildung zweifellos, so daß heute zahl¬ 
reiche, einseitig und unvollkommen ausgebildete 
junge Leute in den Gehilfenstand treten, die dann,' 
wenn sie bereits auf eigenen Füßen stehen sollten, 
sich erst noch ein gut Teil von Kenntnissen anzu¬ 
eignen haben. 

Daß in Gehilfenkreisen die Notwendigkeit techni¬ 
scher Fortbildung nach beendigter Lehrzeit allgemein 
anerkannt wird, konnte man unter anderem ersehen 
aus einer ganzen Reihe von Anträgen, die auf der 
Tagesordnung der diesjährigen Generalversammlung 
des Verbandes der Deutschen Buchdrucker in Cöln 
a.Rh. standen. Kamen diese Anträge auch nicht zur 
Annahme, so besagt deren Einbringung doch, daß 
sich an den verschiedensten Orten die Erkenntnis 
durchbricht, daß dem Gewerbe tüchtige Kräfte auch 


durch die Mithilfe der Gehilfenschaft selbst zugeführt 
werden müssen. 

Daß die erwähnten Anträge fast alle darauf hinaus¬ 
liefen, die technischeWeiterbildung der Fachgenossen 
durch Schaffung eines neuen Fachblattes bezw. einer 
technischen Beilage zu erstreben, hatte wohl seinen 
Grund hauptsächlich in Billigkeitsrücksichten. Die 
deutsche Fachpresse ist heute eine so umfangreiche 
und in ihrer Tendenz so vielseitige, daß man sich 
vorläufig die Erstehung neuer Blätter wahrlich nicht 
wünschen kann. 

Als Folge der erwähnten Anträge ist sicher die 
Gründung zahlreicher graphischer Vereine auch an 
kleineren Orten anzusehen, denen es obliegen soll, 
„die ideelle Zurücksetzung der Provinzkollegen zu 
mildern, die technischen Fähigkeiten ihrer Mitglieder 
zu fördern und die letzteren auf der Höhe der Zeit 
zu erhalten®. 

Diese ungewöhnliche Vermehrung der graphischen 
Vereine legt die Frage nahe, welchem Ziele sie zu¬ 
zustreben haben, welche Mittel ihnen zu Gebote 
stehen und welche Wege sie einzuschlagen gut tun 
werden. 

Es ist vielleicht angezeigt hier darauf hinzuweisen, 
daß die ersten typographischen Gesellschaften, die 
vor dreißig Jahren gegründet wurden, bei ihrer da¬ 
mals nur kleinen Mitgliederzahl ganz andre Ziele 
verfolgten und verfolgen konnten als die jetzigen 
Vereine mit hunderten von Mitgliedern. Das An¬ 
wachsen der Mitgliederzahl hat eine wesentliche 
Verschiebung der Aufgaben, die den typographischen 
Gesellschaften gestellt waren, und zugleich eine Ein¬ 
schränkung ihrer Ziele zur Folge gehabt. 

In früheren Jahren bildete zumeist ein Kreis von 
20 bis 30 in der Praxis erfahrener Fachgenossen 
die Mitgliedschaft eines typographischen Vereins. 
Es konnten in solchem Kreise einschneidende 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


technische, künstlerische oder gewerbliche Fragen 
gründlich erledigt werden, so daß das als Ermittelte 
bald durch die Fachpresse Gemeingut der Allge¬ 
meinheit wurde. Daß die Mitglieder aus dem früher 
notwendigen und üblichen Austausch der Meinungen 
Nutzen zogen, ist selbstverständlich. Die Verhand¬ 
lungen und Sitzungsabende hatten damals weniger 
den Zweck, die speziellere Ausbildung des einzelnen 
Mitgliedes herbeizuführen, denn neben der Beobach¬ 
tung alles einschläglichen Neuen war das Hauptziel 
der aufklärende und anregende Meinungsaustausch 
Erfahrener untereinander und die Anerkennung auf¬ 
gestellter Grundsätze. 

Den jetzigen, an Mitgliedern zahlreicheren typo¬ 
graphischen Gesellschaften und Vereinigungen sind 
etwas andre Aufgaben gestellt: typographische Fort¬ 
bildungsvereine ist für sie die zeitlich richtigere 
Bezeichnung. 

Es wird nicht ausbleiben, daß sich eine ganze 
Anzahl der bestehenden Vereine je nach ihrer Zu¬ 
sammensetzung auf die Durchführung eines be¬ 
stimmten, dem Mitgliederkreise angepaßten Pro¬ 
grammes wird legen müssen, wenn nicht eine 
Verzettelung auf alle erdenklichen Arbeitsgebiete 
erfolgen soll, für welch letztere häufig das Verständ¬ 
nis bei einem großen Teil der Mitglieder noch nicht 
vorhanden ist und nicht vorhanden sein kann. 

Als Beispiel sei erwähnt, daß jüngere Kräfte zu¬ 
meist aus ihrer Mitgliedschaft greifbare, positive 
Erfolge erhoffen, wie sie etwa Kurse, Ausschreiben 
und dergleichen mit sich bringen, während reifere 
Elemente ganz andre Fragen in den Vordergrund 
des Programms gerückt sehen wollen. Die zweck¬ 
mäßige Verbindung der verschiedenen Programm¬ 
punkte, sowie deren Anpassung an die unter Um¬ 
ständen gemischte Mitgliedschaft ist wohl möglich, 
aber nicht immer leicht. 

Ich glaubte vorstehende Frage berühren zu dürfen, 
da sich, nach dem Inhalte der Vereinsberichte zu 
schließen, mehr und mehr zeigt, daß das Interesse 
für die Vortragsstoffe sich ganz nach deren Tendenz 
richtet und der Besuch der Versammlungen ein dem¬ 
entsprechender, oft sehr geteilter ist. 

Fasse ich das über die Zusammensetzung der 
Vereine Gesagte zusammen, so ergibt sich, daß ein 
größerer Verein, in dem nur eine verhältnismäßig 
kleine Anzahl Mitglieder regelmäßig arbeitet , der 
Rest aber ständig hospitiert , leicht den Charakter 
einer Schule erhält, also eine Form, die etwas wesent¬ 
lich andres ist, als die der ursprünglich gegründeten 
typographischen Gesellschaften, die es sich zur Auf¬ 
gabe gestellt hatten bestimmenden Einfluß auf die Er¬ 
ledigung einschneidender technischer , künstlerischer 
und gewerblicher Fragen auszuüben . 

Glücklicherweise sind im Laufe derZeit besondere 
Vereine entstanden, denen die Erfüllung mancher 


Aufgaben, die ursprünglich den typographischen Ge¬ 
sellschaften zufiel, heute zukommt. Ich erwähne 
z. B. den Deutschen Buchgewerbeverein, dem nach 
seinen Satzungen die Förderung des gesamten Buch¬ 
gewerbes obliegt und der einen erhöhten Einfluß der 
bildenden Künste auf das Buchgewerbe herbeiführen 
soll; den Deutschen Buchdruckerverein, der sich 
neuerdings durch die Beschäftigung mit der Preis¬ 
berechnung, dem Befähigungsnachweis usw. auch 
manchen technischen Fragen nähern mußte, der fer¬ 
ner die zweckmäßige Lehrlingsausbildung noch in sein 
Programm aufnahm u. a. m. Die besonderen schrift- 
gießerischen Fragen erfahren durch die Vereinigung 
der Schriftgießereibesitzer ihre endgültige Erledi¬ 
gung; Chemigraphie, Steindruckerei, Buchbinderei 
und andre Zweige des Buchgewerbes haben Sonder¬ 
organisationen erstehen lassen, die die einschnei¬ 
denden technischen und gewerblichen Fragen er¬ 
örtern und lösen. 

Einzelne typographische Gesellschaften gehen 
den vorerwähnten buchgewerblichen Vereinen durch 
untersuchende und beratende Mitarbeit an die Hand 
und erfüllen dadurch heute noch die gleichen Auf¬ 
gaben, die ihnen bei ihrer Gründung allein zufielen. 

Fast alle bestehenden typographischenVereine ge¬ 
hören dem vor fünf Jahren gegründeten Verbände 
der Deutschen Typographischen Gesellschaften an. 
Die an ihn seinerzeit geknüpften Hoffnungen erwiesen 
sich während der ersten vier Jahre des Bestehens 
als verfehlte, und es bedurfte zu Anfang dieses 
Jahres eines heftigen Anstoßes, um die ganz in Still¬ 
stand geratene Arbeit des Verbandes wieder zu einer 
geregelten zu machen. Die zu Ostern im Papier¬ 
hause zu Berlin abgehaltene außerordentliche Haupt¬ 
versammlung hatte sich mit wenig erfreulichen 
Dingen zu befassen, die die bei der Gründung des 
Verbandes von Leipzig aus gehegten, damals aber 
bekämpften Zweifel an der Lebensfähigkeit des Ver¬ 
bandes mehr als berechtigt erscheinen ließen. Eine 
von Berlin vorgeschlagene und von den angeschlosse¬ 
nen Vereinen angenommene veränderte Organisa¬ 
tionsform, sowie die Wahl eines neuen Vorsitzenden 
waren die Mittel, die gefunden wurden, um den Ver¬ 
band zu neuem Leben zu erwecken und sein wei¬ 
teres Bestehen zu sichern. Daß sich die einzelnen 
Kreise inzwischen den Beschlüssen gemäß organi¬ 
siert haben, scheint nach den jetzt periodisch er¬ 
scheinenden Mitteilungen des Verbandes der Fall zu 
sein, wie sich aber die Arbeitsweise unter der neuen 
Kreiseinteilung entwickelt und bewährt hat, kann 
heute noch nicht gesagt werden. Soviel steht aber 
fest, daß die Kreisvororte tüchtige Arbeit zu leisten 
haben werden, wenn die Programmpunkte des Ver¬ 
bandes in allen Teilen durchgeführt werden und in 
absehbarer Zeit greifbare Ergebnisse aus dem erfolg¬ 
ten Zusammenschlüsse der Vereine entstehen sollen. 

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-- ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE === 

Das Diplom, seine Geschichte und sein Stil. 

Von ERNST SCHUR, Berlin. 


Einleitung. 

O alt das Diplom ist, so kommt es für uns doch 
erst wieder seit der letzten Hälfte des vorigen 
Jahrhunderts in Betracht. Und da ist es be¬ 
zeichnend, daß eine neueinsetzende, kunstgewerbliche 
Bewegung damals das Interesse an dem Diplom wie¬ 
der weckte, wie auch heutzutage die dekorative Be¬ 
wegung, die alles in ihren Bereich zieht, die Veran¬ 
lassung ist, daß wir uns dem künstlerischen Diplom 
wieder zuwenden. 

Wie sehr der Stil des Diploms mit dem kunstge¬ 
werblichen Stil zusammenhängt, das zeigt eben der 
Umstand, daß es beide Male kunstgewerbliche Strö¬ 
mungen waren, die das Interesse für das Diplom 
wachriefen. Einmal die kunstgewerbliche Bewegung 
der 60 er Jahre, die eine Repetition der alten Stile 
brachte. Dann die kunstgewerbliche Bewegung 
unsrer Tage, die einen eignen Stil sucht. 

Was verstehen wir unter einem Diplom? Im eng¬ 
sten Sinn vielleicht nur die von einer Jury, einem 
Verband verliehene Auszeichnung, die gegeben wird 
für anerkennenswerte Leistung. Aber erst, wenn wir 
dieses Material erweitern, wenn wir die Ehrenurkun¬ 
den, Bürgerbriefe, Jubiläumsadressen und andre 
zur Feier eines bestimmten Anlasses geschaffenen 
künstlerischen oder kunstgewerblichenArbeiten hierin 
einbeziehen, kommen wir zu dem weiteren Be¬ 
griff des Diploms, der allgemeinere Ausblicke gibt. 
Diese Ausdehnung schützt vor Einseitigkeit und dient 
also nur der Sache. 

Ein Diplom soll ehren, anerkennen. Es hat damit 
eine gewisse Feierlichkeit der Erscheinung zur Vor¬ 
aussetzung und Bedingung. Das rechtfertigt, daß die 
Kunst und das Kunstgewerbe sich in seinen Dienst 
stellen. Die einfache Tatsache der Ehrung, die im 
Altertum vielleicht mit tatsächlichen Gegenständen, 
etwa durch einen Ölzweig, erfolgte, soll durch eine 
dauernde Form würdiger gestaltet werden. Ob wir 
dabei an die Ehrung hochstehender Personen, an die 
Wiederkehr eines bedeutsamen Tages oder an die 
Urkunde, die eine Innung oder sonst ein Verband dem 
jüngeren Nachwuchs gewissermaßen als Dokument 
der Reife erteilt, denken, ist gleichgültig. Die Grund¬ 
tendenz ist die gleiche; nur der Zweck variiert. 

Wir können ziemlich weit zurückgehen in unsrer 
Vergangenheit. Das Mittelalter hatte die Meister- 
und Gesellen-Briefe, es hatte die Bestallungsurkun¬ 
den für bestimmte Stellungen. Und diese Art und 
Weise der Verbriefung eines Amts, eines Rechts, 
einer Stellung kam der zu einer gewissen Feierlichkeit, 
zur Grandezza, zur würdigen Pose neigenden Zeit ent¬ 
gegen. Es liegt eine Symbolik in solchen Urkunden, 


eine Feierlichkeit, die gewissermaßen den Vorgang 
heraushebt aus dem Geschehen des Alltags. Gerade 
in primitiven Zeiten finden wir diese Vorliebe und 
diese hierzu notwendige Pietät. Die Freude der mittel¬ 
alterlichen Buchkünstler und Drucker an der schönen 
Gestaltung solcher Urkunden entsprach dem allge¬ 
meinen Sinn der Zeit, sich in Zierat, Vignetten und 
dergleichen auszugeben. Eine ganze Reihe von Künst¬ 
lern widmeten sich der Ausmalung solcher Schrift¬ 
werke, und ein reicher Schatz an Formen ist uns in 
diesen Werken aufbewahrt. 

Doch ist in jenen Zeiten das Diplom mehr einTeil 
der allgemeineren Druck- und Schreibkunst geblie¬ 
ben. Erst in unsrer Zeit, etwa seit der zweiten 
Hälfte des vorigen Jahrhunderts, tritt die Urkunde, 
das Diplom in der Weise, in der Fassung in den Vor¬ 
dergrund, wie wir sie jetzt kennen. Es war dazu 
zweierlei nötig. Einmal die Kenntnis der vielfachen 
Kunstformen der vergangenen Stile, die ein ganz 
andres Material lieferten, dann der wirtschaftliche 
industrielle Aufschwung, die politische Entwicklung, 
das Gefühl der größeren Gemeinsamkeit. 

Diese beiden Faktoren trugen dazu bei, dem Diplom 
jene erhöhte Geltung zu geben, die wiederum veran- 
laßte, daß die künstlerische Ausdrucksform reicher, 
prätentiöser wurde als der Stil der mehr intim aus¬ 
sehenden Diplome des Mittelalters. 

Auch die Ausbildung der Technik kam dem ent¬ 
gegen. Durch die Verfeinerung der graphischen Ver¬ 
fahren wurden ganz andre Effekte möglich. Ich 
erinnere nur an die Lithographie, an den Dreifarben¬ 
druck und andre immer reicher und manigfaltiger 
auftretenden Vervielfältigungsverfahren, die aller¬ 
dings und namentlich zuerst eine Verwilderung des 
Stils herbeiführten, da man glaubte, kurzweg alles 
vervielfältigen zu können, dabei sich übernahm und 
seine Freude hauptsächlich an der technischen Be¬ 
wältigung hatte, eine Kinderkrankheit, die allen tech¬ 
nischen Bereicherungen unsrer Zeit anhaftet, eine 
Verwilderung, aus der wir uns zu befreien beginnen. 

Je nach der Eigenart des Künstlers wird entweder 
der Text mehr in den Vordergrund treten oder der 
künstlerische Schmuck entscheidender mitwirken, 
der entweder nur Randschmuck sein kann oder sich 
bis zum Gemälde erweitern kann. 

Während die Ehrenurkunden, die für eine bestimmte 
Person gelten, mehr persönlichen Charakter haben, 
daher künstlerischer, freier, malerischer gehalten 
sind, sind die Diplome im engeren Sinn allgemeinerer 
Geltung. Sie sind nicht an eine bestimmte Person 
gebunden. Hier tritt das Kunstgewerbliche, das Prak¬ 
tische in den Vordergrund. Hier wollen wir nicht 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Beziehungen, Hindeutungen, sondern eine dekorative 
Einheit sehen. Gerade hier, auf den reichen Gebie¬ 
ten des allgemeinen Lebens, in das immer wieder 
junge, neue Scharen eintreten, ist es Erfordernis, 
daß der Künstler nicht die alten Mittel, die übliche 
Formensprache verwendet, sondern in neuem Geist 
arbeitet. Klare Stileinheit ist das Haupterfordernis. 
Gerade hier findet er ja eine Fülle von neuen Motiven. 
Das reich sich entfaltende industrielle Leben bietet 
ihm eine Fülle neuer Gedanken und die moderne 
dekorative Formensprache zeigt ihm die Mittel. Tech¬ 
nik und Zweck arbeiten so intensiv zusammen, daß 
es von Gedankenarmut zeugt, wenn wir überhaupt 
noch die alten Klischee-Motive, jene allegorischen 
Figuren, jene Putten usw. verwenden. 

Das ist nicht Herabsetzung der alten Stile, sondern 
Ehrfurcht, denn wir ehren das Alte am besten, wenn 
wir Neues ihm an die Seite setzen. Ausnützung des 
Alten ist nicht Ehrfurcht. 

Aber damit ist es nicht getan. Es ist nicht genug, 
wenn wir neue Motive haben, es ist nicht genug, 
wenn wir z. B. charakteristische Bauten einer Stadt 
als Symbol verwenden, wir müssen tiefer greifen. 
Es gilt, aus diesem Material mit den gegebenen tech¬ 
nischen Mitteln eine dekorative Einheit zu schaffen. 
Nicht die inhaltliche Erneuerung genügt, die Formen¬ 
sprache muß den Charakter haben, der unsrer Zeit 
entspricht. Seht dieses moderne Leben an, geht in 
die Fabriken und Werkstätten, verfolgt die industrielle 
Entwicklung unsrer Gegenwart, so wird der Künst¬ 
ler Motive genug finden. Und hier mündet dieses 
Spezialgebiet in die Entwicklung der Graphik, der 
modernen, angewandten Graphik im allgemeinen ein. 

Erst so gewinnen wir einen neuen Standpunkt, 
der selbständig ist. Gotik, Renaissance und wie die 
Stile heißen mögen, sie bieten uns Genuß und Be¬ 
lehrung. Den neuen Stil, den Stil unsrer Zeit, haben 
wir erst zu finden. Diesen Mangel an Eignem spüren 
wir in den eingangs erwähnten Diplomen der früheren 
Zeit. Sie zeigten vielleicht Virtuosität im Übernehmen 
und Verwenden alter Formen. Wir dürfen aber nicht 
vergessen, daß die hohe Bedeutung unsres allge¬ 
meinen Zeitstrebens darin beruht, daß wir uns auf 
uns selbst stellen! 

Geschichte. 

Wenn wir die Sammlungen durchblättern, die uns 
das historische Material für dieses Spezialgebiet des 
Druckes und der Schrift liefern, so finden wir hier 
eigentlich alle die Stilarten sich widerspiegeln, die 
in der großen Kunst herrschen. Namentlich wenn 
wir die Entwürfe der neueren Zeit in Betracht ziehen, 
die uns ja hier besonders interessieren, wird uns 
diese Tatsache deutlich, die ja auch erklärlich und 
begründet ist. Der Buchdruck zeigt uns ja auch den 
genauen Zusammenhang mit den jeweils wechselnden 
Stilen. Ich erinnere an das gotische Buch, das Buch 


der italienischen Renaissance, an das französische 
Buch des 17. und 18. Jahrhunderts. 

Da sei nun gleich gesagt, daß unter den Diplomen 
die Ausbeute keine reiche ist. Es liegt das weniger 
an den Künstlern selbst, als an dem ganzen Zeit¬ 
empfinden, dem Zeitstil, der sich erst in unsern Tagen 
reinigen, klären sollte. Wir können das mit ruhigem 
Gewissen sagen, indem wir zugleich hinzufügen, daß 
wir Vollendetes auch noch nicht geleistet haben. 
Doch beginnen wir, uns eine eigne Sprache zu bilden. 
Wir haben ein deutlicheres Empfinden für das, was 
wir Stil nennen. Wir untersuchen genauer die je¬ 
weiligen Bedingungen des Zwecks, der Technik des 
Materials, und insofern verstehen wir besser, das 
Nicht-Brauchbare auszuscheiden. Ich erinnere wieder 
an den Buchdruck, der in unsrer Zeit einen so großen, 
erfreulichen Aufschwung genommen hat. Wir wagen 
mehr. Wir benutzen das historische Material nicht 
zur plumpen Nachbildung, sondern, um uns klar zu 
werden, uns in den Erfahrungen zu bereichern und 
auf Grund dieser Erfahrungen Neubildungen zu ver¬ 
suchen. Wenn wir das sagen, so liegt darin mehr 
eine Verpflichtung für die Zukunft, als eine Über¬ 
hebung gegenüber der Vergangenheit. Wenn wir die 
große Kunst der 70 er und 80 er Jahre ansehen, so 
überwiegt allenthalben ein Bestreben, das uns fremd 
zu werden beginnt. Die historisch-allegorische 
Malerei dominiert. Eine Formensprache, die aus der 
Renaissance übernommen ist, die durch Pose und 
Schwung zu imponieren sucht. Die moderne Malerei, 
die wieder den Anschluß an die Natur suchte und 
ebenso folgerichtig die Techniken revolutionierte, 
hat andre Ziele gezeigt, die für uns fruchtbringender 
sind. Was für den Handwerker die handwerkliche 
Übung, das ist für den Maler die Technik und wir 
können uns nur freuen, daß das technische Bemühen 
so energisch in den Vordergrund gerückt wird. 

Genau so ist es mit dem Diplom. Vergegenwärtigen 
wir uns einmal das Aussehen dieser früher üblichen 
Diplome. 

Was sehen wir nicht alles auf diesen früheren 
Diplomen! Als Hintergrund weit sich dehnende 
Landschaften, als Einfassung Säulenarchitekturen, 
als Figuren ganze Truppen von weiblichen Gestalten, 
die immer in Bewegung sind, ein Bild halten oder 
Kränze winden oder Palmen schwingen, und oben 
in Wolken Putten und Amoretten. Kurz eine Über¬ 
ladung im Figürlichen und im Ornamentalen, die 
einen reichen Eindruck machen soll, aber nur un¬ 
diszipliniert wirkt. Überhaupt Bewegung, Dramatik 
überall. Vorgänge, als sei der Vorhang von einer 
Bühne weggezogen. Da begrüßt eine weibliche Figur 
den heranschreitenden Heros und kleine Kinder mit 
Flügeln an Schultern und Füßen taumeln voran. Es 
wirkt wie ein lebendes Bild. Man denkt an Gruppen, 
die photographiert werden sollen und nun plötzlich 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


wie in Erstarrung verharren. Ein künstlich lebloses 
Arrangement, das stillos wirkt, weil es im Gegen¬ 
ständlichen haften bleibt und entlehnt ist aus einem 
andern Gebiet, der großen historischen Malerei jener 
Zeit. 

Es besteht auch in folgendem ein Mißverhältnis. 
Der Künstler machte vor der Schrift Halt und gab 
ein malerisches Bild. Entwarf ein kunstgewerblicher 
Zeichner das Blatt, so gab er vielleicht gute Schrift 
(im günstigen Falle!) und behalf sich, da ihm im 
Malerischen die Übung fehlte, mit einem Klichee- 
Arrangement mit Genius, Putten usw. 

Was uns bei den Diplomen der früheren Zeit stört, 
ist die Stilunsicherheit, die Falschheit im Dekorativen. 
Selbstverständlich haben diese Künstler alle ehrlich 
sich bemüht, sie haben ihr bestes gegeben und nicht 
gegen sie richtet sich die Kritik, sondern gegen die 
Stilanschauung der Zeit. 

Erstens einmal haben wir den Sinn für diese 
frostigen Allegorien verloren. Es wird uns zuviel 
gesagt auf diesen Entwürfen. Der Inhalt drängt sich 
vor. Und indem der Künstler zuviel sagen will und 
muß, verliert er die Fähigkeit, das alles in ein rechtes 
Maß zu bringen, die dekorativ-ornamentale Einheit 
zu finden. Er findet sein Genüge an den malerischen 
Posen, die uns schon verbraucht und schematisch 
Vorkommen und die tatsächlich so verbraucht sind, 
daß wir sie in jeder Klischeefabrik zu Dutzenden be¬ 
kommen. 

Man kann aber auch nicht sagen, daß wir hier vor 
einem uns vielleicht fremd gewordenen, aber in sich 
doch einheitlichen Stil stehen. Wobei uns vielleicht 
entgegengehalten wird, das sei die Formensprache der 
Renaissance. Das ist sie gar nicht. Es ist ein Ge- 
mengsel von allerlei Reminiszenzen. Aus der Antike, 
aus der Romantik, aus der Renaissance. Und nur die 
allegorische Pose ist immer dieselbe. 

Ist ein Diplom ein Bild? Wollen wir malerische 
Werte, körperlich-plastische Darstellungen sehen? 
Das Diplom ist ein Spezialfall der angewandten Graphik 
und demzufolge wollen wir eine dekorativ-einheitliche 
Umwertung solcher Motive und Kompositionen sehen, 
nicht Bilder, denen nur zufällig irgendwo ein Text 
angefügt ist. Dieses Mißverhältnis wird uns sofort 
klar, wenn wir die Schrift beachten. Wer nicht 
sieht, daß zwischen diesem malerischen Bild und der 
flächigen Type ein Widerspruch besteht, daß Bild und 
Text nur äußerlich zusammengestellt sind, der hat 
kein Auge für die sinngemäße Gestaltung eines 
ornamentalen Entwurfs. 

Wir brauchen uns nur die alten, geschriebenen 
Bücher des 15. Jahrhunderts anzusehen und wir wissen, 
was Einheit des Bildes und des Textes besagt. Oder 
wenn wir für den Druck eine Parallele wollen, so 
nehmen wir das italienische Buch der Renaissance 
vor, ebenso das deutsche Buch der Gotik. 


Dann diese Schrift selbst. Mit Vorliebe wird eine 
Type gewählt, die verschnörkelt ist, weil man das für 
vornehmer hält. Diese Typen werden dann zu Worten 
gefügt und unkünstlerisch geordnet, unkünstlerisch, 
d. h. ohne Empfindung für die Raumgliederung. Das 
Auge hat keine Freude an den verschwommenen kraft¬ 
losen Satzbildern. Was die alten Zeiten so gut konnten, 
was wir jetzt wieder lernen, diese harmonisch-kraft¬ 
volle Flächenwirkung, sie ist ganz vernachlässigt. 

Indem wir aber empfinden, daß ein solches Mi߬ 
verhältnis besteht, daß die Linie der Buchstaben den 
Tonwerten der Darstellung widerspricht, sind wir der 
eigentlichen Lösung schon auf der Spur. Beides, Dar¬ 
stellung und Text, müssen zu einer Einheit ver¬ 
schmolzen werden und da die Schrift nicht bildnerisch¬ 
malerisch gehandhabt werden kann, muß sich die 
Darstellung eben dieser graphischen Notwendigkeit 
fügen. Womit wir den Weg schon andeuten, den wir 
zu beschreiten haben. 

Der Stil . 

Es gibt einen malerischen und einen graphischen 
Stil. Wenn ich vorhin die malerisch-plastische Hal¬ 
tung der alten Diplome kritisierte und abwies, so war 
das insofern nicht ganz zutreffend, als diese Diplome 
den malerischen Stil gar nicht erreichen. Darum eben 
sind sie nicht vorbildlich, weil sie weder malerisch 
noch graphisch sind. Sie stehen in ihrem Stil zwischen 
Malerei und Graphik in der Mitte. Sie haben eben 
keinen Stil. 

Diesen malerischen Stil — ich bemerke übrigens, 
daß es hier nicht so entscheidend darauf ankommt, 
ob ein Diplom wirklich gemalt ist oder für den Druck 
bestimmt war, das ist äußerlich — diesen malerischen 
Stil haben die Diplome, die Menzel und Klinger an¬ 
fertigten. 

Gerade Menzel ist ein Beispiel dafür, wie vollendet 
solch ein in malerischem Stil gehaltenes Diplom 
wirken kann. Auch Menzel erzählt viel. Auch Menzel 
führt noch den Genius ein, die weibliche Figur, die 
Allegorie; auch Menzel streut über das Ganze eine 
Fülle von Schnörkeln, Blumen und Girlanden. 

Aber da er alles in einem künstlerischen Geiste 
tut, da er alles in persönliche Fassung bringt, da er 
schließlich wirklich malerisch zu Werke geht, und 
das Ganze graziös darstellt, schwindet bei ihm jedes 
Bedenken, da man sieht, daß man hier vor einem 
eignen Stil steht, der fest in sich begründet ist, der, 
wenn er auch aus der Vergangenheit die Anregung 
entnimmt, doch ganz durchdrungen ist von der 
eignen Kraft. Menzel löste die Wirklichkeit des 
dargestellten Vorgangs auf in ein leichtes Spiel von 
Grazie und Phantastik. Durch dieses schimmernde 
Gewand leuchtet die Wirklichkeit hindurch und da¬ 
durch wird solch ein Blatt sehr künstlerisch. Zugleich 
aber behielt Menzel doch ein sicheres Gefühl für die 
Festigkeit der dekorativen Anordnung und während 


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ARCHIV RÜF BUCHGEWERBE 


das Einzelne prickelnd aufgelöst ist, behält doch das 
Ganze die Logik der Form. Da hat Menzel z. B. für 
ein Kupferwerk ein Diplom angefertigt. Rechts und 
links die Schmiede und der Feuerofen. Mit vollen¬ 
deter Kunst istdasFlammende, die glühend rauchende 
Luft, in der die Gestalten undeutlich sich bewegen, 
wiedergegeben; auf der andern Seite ruhigeres Leben, 
die Gestalten treten deutlicher heraus. In der Mitte 
eine Nische, vor der eine Frauenfigur steht, die auf 
ein Porträtrelief deutet, das in der oberen Rundung 
der Nische eingefügt ist. Den Abschluß bilden rechts 
und links Sockel mit grimmen Riesen, die symbolische 
Darstellung der bezwungenen Materie, die dem Men¬ 
schen dienstbar gemacht ist. Den oberen Rand bildet 
ein Gewirr von Blumen, Kränzen, Putten. 

Was hier den Ausschlag gibt, das ist di e künstlerische 
Behandlung. Die Frauenfigur, sie ist keine schema¬ 
tische, blutlose Nachbildung, der durch eine theatra¬ 
lische Gebärde ein höheres Leben gegeben werden 
soll, sondern sie ist ein prachtvolles, subtil gezeich¬ 
netes, malerisch gesehenes menschliches Wesen von 
Fleisch und Blut. Da wird niemand denken, das ist 
nur so traditionell übernommen. Gewiß ist es Tra¬ 
dition. Aber in dieser Form läßt sich nichts dagegen 
sagen, wir tasten sie nicht an. Und selbst die Schrift 
belebt Menzel in dieser Weise. Er gibt nicht das, 
was wir heute anstreben. Er wirft vielleicht die Typen 
zu sehr durcheinander. Aber hier kommt es nicht 
darauf an, das sind keine Typen, sondern malerisch 
gehandhabte Buchstaben, die dem einheitlichen Zweck 
dieses künstlerischen Arrangements dienen. Mit 
unnachahmlichem Feingefühl hat Menzel diese ge¬ 
fahrvolle Klippe vermieden. Er hat auch die Schrift, 
die er mit virtuoser Freiheit zu behandeln versteht, 
mit Leben zu erfüllen gewußt und hat doch die 
dekorative Einheit in dem von ihm angestrebten 
malerischen Stil erreicht und beibehalten. Was die 
übrigen genannten Diplome anstrebten, Menzel hat 
es erreicht. Darum spüren wir hier das Künstlerisch- 
Persönliche, während wir bei den Versuchen, 
die weder malerisch noch graphisch sind, die ich 
vorhin charakterisierte, das Akademisch-Schema¬ 
tische herausspüren. Hier das Lebendige, dort das 
Leblose. 

Diesen freien, malerischen Stil überträgt Klinger 
ebenso ins Graphische, indem er in der Radierung 
ein leichtes, feines Spiel der Linien gibt, von dem 
sich dunkle Massen abheben, und in diesem Wechsel 
der Hell- und Dunkeltöne liegt der Reiz. 

Und daß es schließlich nicht die Allegorie als solche 
ist, die abzuweisen ist, das beweisen manche moder¬ 
nen Entwürfe, die allerdings dann am kräftigsten 
wirken, wenn ein lebendiger Stoff künstlerisch ge¬ 
meistert ist. Hierfür kann man als Vorbild einen Ent¬ 
wurf von Franz Stuck anführen, der eine allegorische 
Darstellung des Tanzes gibt. Er verwendet dazu das 


bekannte Friesmotiv. Vor dunklem roten Hintergrund 
ein tanzendes Paar, ein nackter Mann, prachtvoll 
modelliert, eine weibliche Figur, deren Gewand in 
lebhafter Bewegung dekorativ schwingt. Rechts und 
links stehen Pane, die auf Hirtenflöten blasen. Sie 
stehen auf dunklem, schwärzlichbraunem Hinter¬ 
grund. Das Ganze macht einen sehr gesammelten, 
monumentalen Eindruck. Es ist farbig durch das 
dunkle Rot und Braun zusammengehalten und gibt 
auch in dem Wechsel der hinreißenden Bewegung 
der Mittelgruppe, dem statuarischen Verharren der 
seitlichen Figuren eine Einheit, die etwas Großzügiges 
hat und etwas Neues gibt. 

Preziöser ist Gustav Klimt, dessen Entwürfe jedoch 
auch unleugbar die eigne, künstlerische Note haben. 
Er stellt blasse Figuren vor weiße Marmorumrah¬ 
mungen und erreicht dadurch und besonders durch 
die leicht schwärzliche Tönung der Figuren einen 
eigentümlichen Eindruck, der zugleich durch die leicht 
schwebende FührungderLinien etwas Suggestives hat. 

Anders die graphische Art, zu der ich nun komme. 

Auch hier ist das gleiche Arrangement anfänglich. 
Figürliche und ornamentale Überladung. Das Inhalt¬ 
liche überwiegt. Die Hindeutung soll das Künst¬ 
lerische ersetzen. Man kann verfolgen, wie die Stile 
sich ablosen: Renaissance, Rokoko usw. 

Das Figürliche wird für den Nichtkünstler immer 
eine gefährliche Klippe bilden. Darum wende sich 
der kunstgewerbliche Zeichner dem zu, was den 
eigentlichen Gehalt seiner Kunstübung ausmacht: 
der Schrift . 

Gerade auf diesem Gebiet der Schrift ist in der 
früheren Art der Diplome viel gesündigt worden und 
unsre Kritik setzt an diesem Punkt ein. Das legt 
zugleich nahe, daß eben das Diplom uns eher ein 
kunstgewerblicher Gegenstand als eine künstlerisch 
freie Schöpfung zu sein scheint. Man konnte sich, 
wie in den Randleisten, so auch in der Schrift nicht 
genug tun in Schnörkeln, Verzierungen. Man wollte 
feierlich sein und wurde unleserlich. Aber nicht das, 
die Unleserlichkeit, wiegt am schwersten — denn 
das ist Sache der Übung und es ist schwer festzu¬ 
stellen, wo die Lesbarkeit aufhört, die Unleserlich¬ 
keit beginnt — sondern der Mangel an dem ein¬ 
heitlichen, dekorativen Eindruck war der schwerer 
wiegende Fehler. Das Ornament kann reich sein, 
aber braucht nicht deshalb überladen zu werden. 
Ebenso kann die Schrift feierlich sein und mit der 
Ornamentik Zusammengehen und braucht doch nicht 
verschnörkelt zu sein. Hier muß der Künstler die 
Verbindung schaffen. Das Verständnis für diese uns 
jetzt selbstverständliche Forderung war damals noch 
so wenig verbreitet, daß man die Schrift meist von 
einem andern Zeichner einfügen ließ. Der Künstler 
entwarf die bildliche Darstellung oder die Umrah¬ 
mung. Der Schreibkünstler fügte die Schrift ein. Wir 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


empfinden das als Disharmonie. Das zeigt uns, daß 
wir jetzt stilklarer empfinden. 

Es kommt darauf an, immer die organische Struk¬ 
tur der Buchstaben zu finden, und diese zeichnerisch 
zu benutzen. Auch hier stehen wir vor vielen neuen 
Aufgaben. Die alten Schriften sind vorbildlich, aber 
nicht allein maßgebend. Wir haben auch neue zu 
schaffen. Es gilt zu vergleichen und zu erfinden, und 
beide Tätigkeiten sind zu verbinden. Auf dieseWeise 
wird der Charakter der alten Typen benutzt, weiter- 
gebildet,gereinigtvon manchem überflüssigen Schnör¬ 
kelwerk, das ihnen anhaftet. So kommen wir schlie߬ 
lich zu einer modernen, sachlichen Schönheit, die 
wechselnd sich den Zwecken anpaßt, das Beste der 
alten Meister verständig übernimmt, und traditionell 
weiterführt, zugleich aber Neues anfügt. Wer den 
Blick dafür hat, der wird an den einzelnen Buchstaben 
sogar Freude haben, sein Leben empfinden, seine 
Form bewundern. 

Damit aber nicht genug. Es gilt die Buchstaben 
zusammenzufügen. Zum Wort, zum Satzbild, zur 
Seite. Diese Zusammensetzung ist nur eine Weiter¬ 
bildung dergegebenen Ideen. Auch hier Geschlossen¬ 
heit, Sachlichkeit, Festigkeit. Es gilt, die Werte der 
einzelnen Buchstaben, die sich verschieden ergeben 
nach dem Raum, den sie einnehmen, herauszuspüren 
und richtig zu benutzen. Und so bildet sich schlie߬ 
lich ein Ganzes, das für das Auge ein wohltuender 
Anblick ist. Man kann solche Seite wie ein Schwarz- 
Weiß-Kunstblatt genießen. Das Auge ist durch nichts 
behindert, durch nichts Nebensächliches in Anspruch 
genommen. Indem der Charakter der Schrift je 
nach dem Wesen und dem Zweck verschieden ge¬ 
wählt wird, läßt sich Zierlichkeit oder Derbheit, Vor¬ 
nehmheit oder mehr vulgäres Aussehen erreichen, 
die die Variabilität der Schrift deutlich illustriert. 
Man muß nur den Sinn für diese organischen, der 
Schrift eignen Werte haben und ausbilden, um zu 
begreifen, daß diese Werte ein künstlerisches Mittel 
sind und daß man sich dieses Instruments mit Ge¬ 
schmack bedienen kann. 

Dann erweitern sich die Aufgaben. Es gilt Vig¬ 
netten, Randschmuck, Kopf- und Schluß-Stücke zu 
erfinden. Es ist klar, daß wieder der organische 
Charakter des Buchstabens maßgebend ist. Vielleicht 
kann man ganz darauf verzichten. Der eine oder der 
andre wird sie nicht missen wollen. Ihm schwebt 
die Schönheit der alten Schriften vor und er ent¬ 
wickelt den Schmuck aus